Ein Gottsuchender auf dem Weg nach Afrika

Jetzt, in den Tagen vor meinem Einsatz im krisengeplagten Südsudan (ich bin gerade in Nairobi/Kenia angekommen – am 9. Februar fliege ich weiter nach Juba/Südsudan), werde ich immer wieder angesprochen, ob nicht ein missionarischer Einsatz bei uns in Deutschland wichtiger wäre als die erfüllende Arbeit in Afrika. In der Tat, diese Frage ist berechtigt und verunsichert mich.

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Die Weitergabe des Glaubens hat in den vergangenen Jahren in unserer Gesellschaft nicht mehr so richtig stattgefunden. Dazu gibt es viele Erklärungen. Wir waren alle mit Wohlstandsvermehrung, Fortschritt und Machbarkeitsdenken beschäftigt und haben das entscheidende, nämlich Gott einfach vergessen oder übersehen. Wir sind als Gesellschaft dabei, dass wir uns in uns selbst verirren. P. Alfred Delp hat schon vor vielen Jahren Deutschland als Missionsland erklärt, weil der Mensch der westlichen Welt gottunfähig, wie er es nennt, geworden ist. Wir nehmen uns nicht mehr als Kinder Gottes wahr. Wir haben alle Mittel entwickelt, um uns selbst zu erlösen und dabei hat sich uns der Himmel verschlossen. Und weil wir auch nicht mehr an einen Himmel glauben, sind wir bemüht, den Himmel auf Erden zu schaffen. Das überfordert uns nicht selten und noch schlimmer, wir überfordern uns gegenseitig. Um wieviel besser könnte unser Leben sein, wenn wir uns als Kinder Gottes wahrnehmen würden und uns von ihm geführt wüssten. Wir würden die Gebote Gottes als Angebote zum Leben entdecken und eine gesunde Gelassenheit und Zuversicht würde uns zu glücklicheren Menschen machen. Wir würden von uns selbst loskommen und erfahren, dass das Leben nur in der Hingabe gelingt.

Unser Papst Franziskus, der einem Missionar wirklich aus der Seele spricht, fordert eine Kirche, die sich selbst vergisst und sich an den Rand der Kirche und der Gesellschaft wagt. Papst Franziskus will eine Kirche, die sich im unermüdlichen Einsatz für die Menschen lieber verbeult und schmutzig macht als eine Kirche, die sich selbst gefällt und feiert. Er spricht von Bequemlichkeit in der wir uns Christen eingerichtet haben und so sind wir zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Die Kirche sei ein Feldlazarett, sagt er. Das sind starke Worte, die zwar ausgesprochen, aber noch lange nicht eingelöst sind. Jesus begegnen und erkennen wir halt nur, „wenn wir uns tief genug bücken“, sagt eine Chassidische Weisheit. Das ist dann Mission, wahre Nachfolge.

Jede Pfarrei steht heute vor der Frage: Wie lassen sich die Gemeindemitglieder neu ansprechen? Wahrscheinlich beschäftigt euch die Frage: Was muss geschehen, damit wieder mehr Menschen in die Kirche kommen? Vielleicht aber müssen wir die Frage anders stellen. Wie gelangen das Wort und die Werte Gottes – die menschenfreundliche Liebe – zu den Menschen von heute? Das ist Mission, wie sie hier bei uns stattfinden muss und die unverhältnismäßig schwerer ist als die Mission Afrika, wo eine religiöse Grundmelodie zum Leben gehört.

Meine Entscheidung für Afrika erscheint mutig und mein Glaube erscheint groß. Aber glaubt mir, ich bin wie ihr alle ein Gottsuchender, wie ein Blinder, dem man den Aufgang der Sonne verheißt. Nur im diesem Vertrauen gehe ich meinen Weg weiter. Genau so will ich den Menschen in Afrika begegnen.

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