Ein bisschen Glauben hilft nicht mehr weiter

Meine Laufbahn als Missionar hat, zeitgeschichtlich bedingt, Anfang der 1980er Jahre als Weltverbesserer begonnen. In der Tat wollte ich wiedergutmachen, was an Afrika angerichtet worden ist. Meinen ersten Glaubenskurs habe ich dann in den Elendsvierteln von Kenia bekommen. Dort sind die Menschen naturgemäß „gottanfällig“ und die Hoffnung auf Gott ist eine starke Kraft für die Bewältigung ihres oft harten Alltags. Dort ist mir ein Ausdruck aufgefallen, der immer und überall zu hören war: „Mungu yupo“ – „Gott ist da“; ob es gut geht oder schlecht. In dieser Gewissheit kämpfen sich die Menschen durch das Leben, ohne Bankkonto, ohne Sicherheiten, vielleicht ohne zu wissen, was es am Abend zum Essen geben wird. Aber es geht immer irgendwie, natürlich auch mit leidvollen Abstrichen. Mit einem mittelmäßigen Glauben kämen so viele hier in Afrika nicht durch den rauen Alltag des Lebens.

Prozession im Südsudan. Foto: Comboni Press
Prozession im Südsudan. Foto: Comboni Press

Jetzt bin ich im Südsudan, ein Land heruntergekommen durch jahrelange Kriege mit dem arabischen Norden. Aber nach nur zweieinhalb Jahren Friede ist schon wieder Krieg. Es stehen sich die beiden großen Stämme im jüngsten Land Afrikas feindlich gegenüber und die Staatenbildung läuft rückwärts. Das ganze Leben erscheint blockiert, die Wirtschaft ist am Ende und viele Menschen sind Flüchtlinge im eigenen Land. Menschlich gesehen ist so vieles hier aussichtslos. Aber es wird gebetet. Für Frieden und Versöhnung. Den Gebeten schließe ich mich gerne an. Die Menschen hoffen und sagen: „God is able“ – „Gott ist in der Lage, unser Schicksal zum Besseren zu wenden“. Ich spüre – bei allem Fatalismus – einen großen Glauben hinter diese Aussage. So lerne ich aufs Neue, dass nur ein großer Glaube diesen Kontinent am Leben erhält.

Aber nicht nur in Afrika ist großer Glaube erforderlich. Ich erfahre von einem tiefen Schicksalsschlag in meinem Heimatdorf. Ein junger Familienvater stirbt völlig unerwartet. Die Verzweiflung muss groß sein. Ich denke an die Betroffenen und frage mich, wie es weiter gehen kann ohne den Vater, Ehemann, Bruder, Sohn.

Bei allen Fragen, die das Leben aufwirft, in Afrika und anderswo in der Welt, glaube ich, dass die Haltung „Mungu Yupo“ (= „Gott ist da! Gott geht mit!“) das Leben leichter macht, denn mit ein bisschen Glauben kommen wir nicht weit.

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