Die Wahlen für den Wandel in Indien

Mein Heimatland Indien wählt. Insgesamt 814 Millionen Inder sind zur Bestimmung der 543 Abgeordneten des Unterhauses aufgerufen. Die größte demokratische Wahl der Welt hat am 7. April begonnen und dauert noch bis 12. Mai. Ich bin kein Politikexperte und schreibe hier als Bürger, der seine Informationen aus verschiedenen Zeitungsartikeln, Gesprächen und Debatten im Fernsehen hat.


Das Hauptthema dieser Wahl ist die Korruption. Viele große Skandale wurden in der letzten Zeit aufgedeckt und die Menschen haben die Nase voll davon, wie Politiker der Zentralregierung und in den verschiedenen Staaten ihre Macht missbrauchen, um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Indiens neue Antikorruptionspartei Aam Aadmi (AAP – „Partei der Normalbürger“) gewann im Dezember 2013 überraschend die Wahl im Stadtstaat Delhi und bildete dort eine Minderheitsregierung (die bereits nach zwei Monaten scheiterte – A.d.R.). Es war ein klares Zeichen gegen Korruption und der Wunsch nach einer sauberen Regierungsführung. Dieser Erfolg inspirierte die AAP, die Wahlen in ganz Indien zu bestreiten. Die Regierungskoalition mit der Kongresspartei INC (englisch Indian National Congress) als Hauptpartei – ihr Spitzenkandidat ist Rahul Gandhi – wird wegen der Korruption Stimmen einbüßen. Die BJP, eine hindu-nationalistischen Partei, und die AAP werden hinzugewinnen. Die Leute werden für den Wandel stimmen.

Die BJP war die größte Oppositionspartei im bisherigen Parlament und ist nach verschiedenen Umfragen Spitzenreiter bei diesen Wahlen. Die Prognosen geben ihr die größte Zahl der Sitze, aber nicht die Mehrheit, die es ihr ermöglichen würde, allein die Regierung zu bilden. Die nächste Regierung wird wahrscheinlich eine Koalition sein.

Die religiösen und weltlichen Minderheiten (unberührbare „Dalit“-Kaste, Stammesvölker, Unterdrückte ) freuen sich auf Besserung, sind aber auch besorgt, weil die politischen Parteien in ihren Manifesten viel versprechen, aber sehr wenig passiert, wenn die Wahlen vorbei sind. Es gab Ausschreitungen gegen Muslime im Bundestaat Gujarat, während der BJP-Kandidat Narendra Modi dort Ministerpräsident war, und es gab Angriffe gegen Christen, Beschädigung von Kirchen und christliche Einrichtungen in einigen Bundestaaten. Indien hat eine Verfassung, die den säkularen Charakter des Staates unterstreicht, aber die Minderheiten sind besorgt, dass dieser weltliche Charakter in Zukunft leiden könnte. Die Haltung der nicht-religiösen Minderheiten ist „abwarten und sehen“, ob die Wahlversprechungen erfüllt werden. Indien hat genügend Gesetze zum Schutz der Religionsausübung und -verbreitung, aber sie müssen umgesetzt werden. Das Wort „Bekehrung“ wird in einem schlechten Licht gesehen.

Die Würde und die Rechte der Frauen müssen respektiert werden. Auch das ist ein Thema, aber nicht ein sehr wichtiges bei den Wahlen. Was benötigt wird, ist nicht so sehr strengerer Gesetze, sondern eine völlig andere Denkweise. Frauen werden als minderwertig betrachtet. Mädchen werden nicht auf Augenhöhe mit den Jungen in der Familie gesehen. Schulabbrecher gibt es nicht nur bei den Armen, aber deren Zahl ist bei den Mädchen der ärmsten Schichten besonders hoch. Frauen werden oft nicht in ihrer von Gott gegebenen Würde gesehen, sondern als Objekte für billige Arbeit und Genuss.

Die katholische Bischofskonferenz Indiens hat Leitlinien für die Wahlen erlassen. Die Kirche bevorzugt keine Partei. Sie will eine gute Regierung, die die Würde aller Menschen – vor allem der Armen, Unterdrückten und Frauen – respektiert, sich für die Armen und Benachteiligten einsetzt, die Korruption bekämpft, den säkularen Charakter der indischen Verfassung bestätigt, mehr Beschäftigungsmöglichkeiten schafft, den zum Christentum konvertierten Dalits die Rechte wieder gibt, die sie vor dem Übertritt genossen und die ihnen nun zu Unrecht vorenthalten werden.

Übersetzung aus dem Englischen: Geraldo Hoffmann

Partnerschaft zwichen den Diözesen Eichstätt und PoonaVideo: Ein Inder in Eichstätt

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