Die Kirche in Nigeria – Die Herausforderungen und Möglichkeiten

Es ist erstaunlich, wie die Kirche in Nigeria trotz aller Herausforderungen an Stärke gewinnt. Das habe bei meinem Besuch im Januar-Februar in meiner Heimat hautnah erlebet. Religionspolitisch herrscht eine strenge Trennung zwischen Kirche und Staat. Dies bringt verschiedenartige Herausforderungen im Bereich der strukturellen und geistlichen Entwicklung mit sich. Nach vielen Jahren der Abhängigkeit von den sogenannten Mutterkirchen in Europa, vertreten durch die Glaubenskongregation in Vatikan (früher Propaganda Fidei), versucht die Kirche in Nigeria jetzt ihr Geschick in die eigenen Hände zu nehmen.

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Projekte in den Pfarreien

Da die Kirche keinen staatlichen Zuschuss für ihre Bauvorhaben und andere Entwicklungsprojekte erhält, muss sie das Geld von innen heraus schaffen. „Launchings“ heißen die Spendenaktionen, zu der Wohlhabende der Pfarrei und deren Freunde eingeladen werden. Mit dem dabei gesammelten Geld werden Schulen, Krankenhäuser, Pfarrhäuser, Kirchen usw. finanziert. Dies führt auch dazu, dass diese Projekte, die oft sehr notwendig sind, auch Jahre lang bis zur Fertigstellung dauern.

Liturgie

Vor dem II. Vaticanum schlug ein Priesteramtskandidat aus Nigeria in seiner Diplomarbeit die Verwendung von einheimischen Musikinstrumenten wie Gong, Trommel etc. während der Messfeier vor. Dieser Seminarist wurde deswegen aus dem Priesterseminar entlassen und ihm die Priesterweihe verweigert. Heute, fünfzig Jahre nach dem Konzil, ist eine Messfeier ohne diese einheimischen Instrumente unvorstellbar. Die Gläubigen dürfen dabei mitsingen, tanzen und klatschen – alles zur Ehre und zum Lobe Gottes. Dadurch können sie sich richtig vor Gott, in ihrer Spontanität, mit Emotionen und Freude, ihren Dank, aber auch ihre Trauer und Not ausdrücken. Die Feier der Hl. Messe wird auch dadurch zu einer richtigen Feier, wo die Gläubigen mit Freude aber auch mit Ehrfurcht zu ihrem Gott kommen dürfen.

Auch die Predigt wird in regelmäßigen Abständen durch Gesänge und Klatschen unterbrochen, so dass sie nicht langweilig wird, auch wenn die gesamte Messe in der Regel um die zwei Stunden dauert.  Die Predigt ist in Nigeria ist nicht nur Homilie, sondern auch Katechese. Beim Opfergang bringen die Gläubigen nicht nur Geld, sondern Nahrungsmittel zur Unterstützung des Pfarrers, der von diesen Opfergaben lebt, da er kein Gehalt bekommt.

Herausforderungen

Die Kirche in Nigeria steht vor zwei großen Herausforderungen: die evangelikalen Kirchen und die fundamentalistischen Islamisten (heute durch die Bedrohung von Bokom Haram stark geprägt).

Die evangelikalen Kirchen, die meistens aus Nordamerika kommen, sind gut finanziert und haben die katholische Kirche als Hauptfeind im Blick. Sie greifen alle Lehren und Dogmen der Kirche an: Gottesmutter, Kindertaufe, Papsttum, Institution Kirche, Zölibat etc. Darin aber liegt noch nicht ihr Erfolg. Ihr Erfolg liegt darin, dass sie die Nöte der Menschen unmittelbar ansprechen (Armut, Arbeitslosigkeit, Krankheiten, Kinderlosigkeit, Eheprobleme etc.) und Lösungen für allerlei Probleme versprechen. So strömt die Menschenmenge zu ihren Heilungsveranstaltungen, wo sie Reichtum, Wohlstand und Heilung von allen Krankheiten zum Hauptthema machen.

Viele Menschen, die von Armut und Krankheiten geplagt sind strömen dann zu ihnen. Aber nicht nur die Armen. Auch die Reichen, die sich von ihren Wohlstand nicht sicher fühlen und deshalb die Zukunft noch absichern wollen, sind auch reguläre Kunden der evangelikalen Kirchen und ihre Pastoren. Kurz gesagt liegt ihr Erfolg darin, dass sie eine Angstsituation für ihre Anhänger schaffen und zugleich die Lösung aus dieser Situation anbieten.

Das Gute daran aber ist, dass viele Leute mittlerweile zur Feststellung gekommen sind, dass es nur Betrügerei ist. Es gibt aber auch noch welche, die fest an sie und ihrer mutmaßlichen „spirituellen Macht“ glauben.

Die katholische Kirche in Nigeria versucht, diesem Trend entgegenzuwirken, indem sie ihre Theologie den Bedürfnissen der afrikanischen Mentalität anpasst und auch die Gottesdienste lebendiger gestaltet.

Die zweite Herausforderung, wenn auch nicht überall, ist die der islamischen Bokom Haram-Sekt. „Western Education is evil“ („Westliche Erziehung ist ein Übel“) – so heißt Bokom Haram in Englisch. Damit meint diese Gruppe, dass der Islam die einzige erlaubte Religion in Nigeria ist. Ihr Hauptziel ist die Einführung des Scharia-Rechtssystems für ganz Nigeria. Obwohl ihre Terror-Aktivitäten noch auf dem Nordosten Nigerias beschränkt sind und die katholische Kirche nicht der unmittelbare Feind darstellt, kann sich keine Region sicher fühlen, so lange diese Bedrohung andauert. So sind die Christen in den anderen Regionen genauso gefährdet wie die Anhänger anderer Konfessionen, denn vom Bombenanschlag eines Selbstmordattentäters ist keiner verschont, wenn Gott uns alle nicht beschützt. Darum bleibt uns nichts anders übrig, außer weiterhin für die Kirche in Nigeria zu beten.

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