Die Grabeskirche in Zeiten der Corona-Pandemie

Die Grabeskirche im Heiligen Land ist seit 25. März für Pilger geschlossen, das Klosterleben geht aber weiter. Ein Situationsbericht über das Leben der Franziskaner an der Grabeskirche zu Zeiten von Covid-19 .

„Die Gemeinschaft der Franziskaner in der Grabeskirche besteht aus 11 Brüdern“, sagt Bruder Salvador Rosas Flores, der Guardian (Hausleiter) des Konvents der Franziskaner in der Grabeskirche. „Obwohl keine Pilger mehr da sind, halten wir unseren Rhythmus des Gebets und der Brüderlichkeit aufrecht. Unser Gebetsanliegen in dieser Zeit ist die Bitte an unseren Herrn Jesus Christus, uns in dieser schwierigen Situation beizustehen, mit der die ganze Welt konfrontiert ist, und sich um uns zu sorgen.“

Selbst in dieser besonderen Zeit halten sich die Franziskaner und die anderen anwesenden christlichen Gemeinschaften in der Grabeskirche weiterhin an die Regeln des Status Quo und feiern ihre Liturgien im Grab, auf Golgatha und an allen anderen heiligen Orten in der Grabeskirche. „Unter uns, den Franziskanern, gibt es sieben Priester, und jeder von uns feiert täglich mindestens eine Messe, insgesamt also sieben Messen am Tag, die normalerweise von Pilgergruppen gefeiert werden: eine feierliche Messe vor der Ädikula, vier im Grab und zwei auf Golgatha.“ Obwohl sie nur wenige sind, treffen sich die Franziskaner weiterhin, um den täglichen Rhythmus des Gebets zu beizubehalten, einschließlich der Vesper, der täglichen Prozession und des Nachtoffiziums.

Gebet in der Grabeskirche. Foto: Custodia di Terra Santa

Die Anliegen während der Gebetszeiten sind vielfältig. „Zum einen diejenigen, die uns von Pilgern und Wohltätern anvertraut wurden,“ fährt Bruder Salvador fort „und zum anderen ist es in dieser außergewöhnlichen Zeit unser Hauptanliegen, für alle Länder der Welt zu beten, die unter dem Coronavirus leiden.“ Ein einziges Anliegen, das aber viele Nuancen enthält: Der Hauptgedanke ist die Eindämmung der Ausbreitung des Virus, aber wir beten auch für die Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, die Patienten und die Regierungen, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen, ohne die wirtschaftlichen Probleme und die Schwierigkeiten der Arbeiter und ihrer Familien zu vergessen.

Die Unsicherheit der globalen Situation erzeugt auch unterschiedliche Gefühle in der Gemeinschaft, aber unser unerschütterliches Vertrauen in den Herrn ist unser Fundament. „Wir sind immer aufmerksam hinsichtlich aller aktuellen Probleme“, sagt Bruder Salvador, „aber für Covid-19 sind wir es noch mehr. Dafür gibt es zwei Gründe: Wir leben in einer Region, in der immer mehr Menschen krank werden, und vor allem kommen wir aus verschiedenen Teilen der Welt: Europa, dem Nahen Osten, Nordamerika und Lateinamerika, wo die Infektionen immer mehr zunehmen und die Probleme größer werden.“

Technik und soziale Medien sind auch grundlegende Werkzeuge für die Franziskaner in der Grabeskirche. Dank ihnen können sie die Beziehungen und Kontakte zum Ausland am Leben erhalten: zu den verschiedenen Franziskanerprovinzen, ihren Herkunftsländern und ihren Familien. „Wir kennen die Bedingungen aller und versuchen sicherzustellen, dass es niemandem an Unterstützung und Ermutigung fehlt. Vor allem versuchen wir, unsere Freunde über Verhaltensweisen zu informieren, von denen wir wissen, dass sie anderswo erfolgreich waren und die wir natürlich auch befolgen. Der Herr wird uns helfen.“

Update, am 25. März wurde die Grabeskirche für Pilger geschlossen

Nach der Entwicklung der Lage im Heiligen Land geben die Brüder der Grabeskirche bekannt, dass die Liturgien der drei Gemeinschaften (die Griechisch-Orthodoxen, die Lateiner und die Armenier) regulär weitergeführt werden. Aus Sicherheitsgründen und um das Risiko der Verbreitung der COVID-19-Infektion zu vermeiden, wird die Anzahl der Teilnehmer an den Feierlichkeiten auf nur wenige Personen begrenzt und die Basilika ist nur während der Liturgien zugänglich.

Wir möchten versichern, dass die Gebete der drei Gemeinschaften in der Grabeskirche fortgesetzt und intensiviert werden. Wir beten für das Ende der Pandemie, für die Genesung der Kranken, für den Schutz des medizinischen Personals, für die Weisheit der Politiker. Wir beten für das ewige Heil derjenigen, die ihr Leben verloren haben.

Gebet des Kustos des Heiligen Landes in Corona-Krisen-Zeiten

Heiliger Antonius, wir haben uns in dieser Zeit um dich versammelt, in der die Virusinfektion die ganze Welt befällt, die Länder, aus denen wir kommen und in denen wir dienen. Wir danken dir demütig, dass du uns schützt, zusammen mit unserem seraphischen Vater, dem Heiligen Franziskus, und der Kustodie und ihren Mitgliedern immer Gutes getan hast.

Prozession um das Heilige Grab. In normalen Zeiten versammeln sich sonst hunderte von Pilgern am Grab Christi. In der Zeit von Covid-19 sind es aber nur mehr die Brüder des Konventes, die stellvertretend für die Pilger beten und singen. Bild von Custodia di Terra Santa.
Prozession um das Heilige Grab: In normalen Zeiten versammeln sich hunderte von Pilgern am Grab Christi. In der Zeit von Covid-19 sind es aber nur noch die Brüder des Konventes, die stellvertretend für die Pilger beten und singen. Foto: Custodia di Terra Santa.

Heiliger Antonius, die Kustodie des Heiligen Landes ist dir und unserem seraphischen Vater zu Dank verpflichtet, für das Gute, das du im Laufe der Jahrhunderte zu unseren Gunsten getan hast, sowohl für unsere geistige Gesundheit als auch für die Erhaltung der Orte unserer Erlösung. Für all dies danken wir Gott und dir, die ihr euch für uns einsetzt.

Unser lieber Patron, überschütte uns weiterhin mit dem Segen, den du aus dem Herzen des Jesuskindes ziehst, das du liebevoll in deinen Armen hältst. Gib uns durch ihn die Gnade, dass wir, die wir uns der besonderen Ehre bewusst sind, als Hüter der Geburtsstelle und des Grabes Jesu ausgewählt worden zu sein, uns weiterhin bemühen werden, unserer Berufung in würdiger Weise zu entsprechen.

Heiliger Antonius, mit aller Dankbarkeit unseres Herzens vertrauen wir uns dir noch einmal an: Das haben unsere Vorfahren im Laufe der Jahrhunderte getan; dies ist, was der Heilige Vater von uns gewollt hat, als er dich als Schutzpatron der Kustodie des Heiligen Landes ausgewählt hat.

(Übersetzung des Blogbeitrags: Br. Dr. Johannes Roth OFM, Vize-Kommissar des Heiligen Landes)

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