Der Kampf gegen Lepra in Brasilien

Brasilien ist das zweitgrößte Lepraland nach Indien mit 32.000 Neuerkrankungen im Jahr 2013, davon 2.400 Kinder. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher sein. Die Lepra konzentriert sich in den Regionen Zentralwesten, Norden und Nordosten, während die besser entwickelten Regionen im Süden und Südosten die Krankheit bereits unter Kontrolle haben. Auffallend ist die hohe Zahl der Neuerkrankungen bei Kindern, was bedeutet, dass die Krankheit noch nicht unter Kontrolle ist, denn die Kinder werden von Erwachsenen angesteckt. Deshalb startete das brasilianische Gesundheitsministerium eine Kampagne in den Schulen. In 853 Städten wurden 3,8 Millionen Schulkinder auf Lepra untersucht und 300 neue Fälle entdeckt.

Die Kampagne wird von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), für die ich hier in Brasilien tätig bin, unterstützt und soll jährlich wiederholt werden. Der Verein mit Sitz in Würzburg leistet Hilfe für die Lepraarbeit in den Bundesstaaten Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Amazonas und Maranhão, mit einer Bevölkerung von 16.568.641 Einwohner und einer Fläche von km² 3.151.607. In 2013 wurden 7.852 neue Leprafälle in diesen Bundesstaaten registriert, dabei waren 658 Kinder betroffen. Mato Grosso hat mit 91 Leprafällen pro 100.000 Einwohner die höchste Leprarate Brasiliens, gefolgt von Maranhão mit 55 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die Bundesstaaten Maranhão und Amazonas haben eine der höchsten Armutsraten Brasiliens – über 20 Prozent der Bevölkerung gelten als arm.

Da es sich um große, dünn besiedelte Gebiete mit teilweise schwer zugänglichem Gelände, wie im Amazonasurwald im Norden vom Mato Grosso oder in Maranhão, handelt, sind auch die Lepraaktivitäten mit erheblichen Anstrengungen und Gefahren verbunden. Die Leprateams sind häufig wegen der schlechten Straßen, gefährlichen Brücken, langen Bootsfahrten und abenteuerliche Flüge im Amazonasgebiet großen Gefahren ausgesetzt. Häufig können sie mit den niedrigen Tagegeldern kaum das Hotel bezahlen. Solche Reisen sind mit erheblichen Strapazen und vielen Überstunden, die nicht abgerechnet werden, verbunden.

Das Lepraprogramm ist in den brasilianischen Basisgesundheitsdienst integriert, der durch das Programm „ Teams für Familiengesundheit“ getragen wird. Die DAHW unterstützt die Städte im Kampf gegen die Lepra und trägt dazu bei, dass die Krankheit nicht vergessen wird. In Kooperation mit den nationalen Ausbildungs- und Forschungszentren für Lepra in Manaus und in Bauru/São Paulo unterstützt der deutsche Verein die Städte bei der Ausbildung von medizinischem Fachpersonal. 4.264 Fachkräfte aus 286 Städten nahmen an Ausbildungskursen teil. Da der Wechsel der Fachkräfte sehr hoch ist, müssen permanent Fortbildungen zum Thema Lepra angeboten werden.

Die Städte organisieren zudem Aufklärungskampagnen und führen Reihenuntersuchungen in der Bevölkerung durch. Im Rahmen der Rehabilitierung von Leprakranken werden in mehr als 25 Schusterwerkstätten in den vier Bundesstaaten jährlich über 1.500 Patienten betreut. Ein Chirurg vom Referenzzentrum Alfredo da Matta in Manaus fährt regelmäßig in die Urwaldstädte, um Leprakranke zu operieren.
Die gesellschaftliche Rehabilitierung von Leprakranken ist ein wichtiger Teil der Arbeit. Leprakranke organisieren sich in Selbsthilfegruppen, um sich gegenseitig zu helfen, besser mit Problemen wie Körperbehinderungen, Vorurteilen und psychischen Problemen umzugehen. Die Gruppen werden von einem Arzt und einer Krankenschwester sowie häufig von Sozialarbeitern und Psychologen begleitet. In der Gruppe nehmen auch Menschen aus der Gemeinde teil, die nicht an Lepra erkrankt sind, um die Reintegration der Leprakranken zu fördern. Die Gruppen treffen sich wöchentlich, organisieren Aktivitäten wie Stricken, Häkeln, Nähen, Handwerkkunst, Kochen und gemeinsame Feste. Die Produkte verkaufen sie dann auf dem Markt oder bei anderen Gelegenheiten. Der Erlös wird unter den Teilnehmern aufgeteilt und die Kosten für Anschaffung von Materialien finanziert. Fünf solche Gruppen unterstützt die DAHW in den vier Bundesstaaten.

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