Der Feind meines Feindes ist mein Freund – ein Friedenszentrum im Südsudan

Der junge Staat Südsudan hat eigentlich nicht angefangen ein Staat zu sein.  Die schweren Kämpfe vor wenigen Wochen in Juli haben wieder gezeigt, dass dieses Land ein Eldorado von Krieg-Machern, prinzipienlosen Opportunisten und machthungrigen Politikern ist. Ich komme gerade zurück aus einem der Flüchtlingscamps. Versorgung, Hygiene und Hunger sind schlimm. Größer aber sind der Ärger, die erfahrene Willkür und die Perspektivlosigkeit. Auch wir spüren das. Schon am Eingang des Camps, wo Regierungssoldaten uns hindern und nicht verstehen können, dass wir Menschen helfen und mit ihnen beten, die es doch besser gar nicht gäbe.

Flüchtlingscamp im Südsudan

Die Politiker in diesem Land haben nicht verstanden, dass jeder Mensch zum Leben ein Minimum an Sicherheiten braucht. Es kann und darf nicht sein, dass das, was man/frau sich tagsüber mühevoll erarbeitet hat, nachts dem Raub und Diebstahl ausgesetzt ist. Die Regierung hat nicht ansatzweise einen Sinn für einen Rechtsstaat und für das Gemeinwohl entwickelt. Gesetzlosigkeit und militärische Arroganz bestimmen das Bild der Hauptstadt Juba. So ist es verständlich, dass die Menschen sich mehr auf ihren Stamm als auf die Regierung verlassen. Das Ergebnis ist ein Land, das entlang der Stammeslinien zerfällt. Die Elite an der Macht hält sich dabei maßlos schadlos.

In diesem Kontext haben die 46 Orden im Land entschieden, ein Zentrum zur Förderung des Friedens und der Behandlung von Traumata in Kit nahe der Hauptstadt Juba zu erstellen. Das „Good Shepherd Peace Center“ wird am 15. Oktober eingeweiht und wird menschliche und spirituelle Werte fördern, die so sehr in den Jahren der Kriege gelitten haben. Das Zentrum setzt genau da an, woran das Land und die Menschen kranken. Die größten Herausforderungen sind: Feindschaft, Hass und Misstrauen unter den verschiedenen Volksgruppen, kaum ein Verständnis für ein Gemeinwohl und wie ein Staat funktionieren könnte und mangelnde Bereitschaft zur Versöhnung. Mit den Kriegsveteranen, die arrogant sind und den korrupten Politikern, für die niemand etwas zählt, der nicht zu ihrem Stamm oder Intrigen-Club gehört, ist kein „Staat“ zu machen. Die Orden, zusammen mit der Ortskirche, wollen einen Kontrapunkt setzen und das christliche Menschenbild für einen friedlichen Südsudan vorschlagen. Bei allem Dunklen finden sich immer wieder Menschen, die nicht der Rauigkeit der Gesellschaft zum Opfer gefallen sind. Sie sind wie Blumen unter den Dornen und ich freue mich über die Würde, die sie ausstrahlen. Sie helfen mir selbst in meinem Missionarsein und sie sind Anknüpfungspunkte für eine bessere Gesellschaft. Sie zu fördern ist oberstes Ziel.

Good Shepherd Peace Center   img_4366

Die Leitung des Zentrums werden Ordensleuten aus verschiedenen Kongregationen haben. Auch werden kirchennahe NGOs die Möglichkeit haben, Kurse abzuhalten und es werden regelmäßig Exerzitien für Ordensleute und Laien angeboten werden.

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Das Projekt in Kit ist 15 Kilometer entfernt von Juba und verkehrsmäßig gut angebunden. Auf dem ehemaligen Land der Comboni-Missionare, heute unter dem Bischof, hat das Friedenszentrum mit Konferenz-, Tagungs- und Unterkunftsmöglichkeiten für rund 120 Personen einen idealen Platz gefunden. Das Zentrum liegt am Fluss Kit, kurz bevor er in den Nil mündet. Die Gegend ist landschaftlich sehr ansprechend und friedlich, obgleich dort viel Schlimmes in den Jahren des Krieges (nach 1983) zwischen dem Norden und dem Süden passiert ist. Kit war für viele Jahre die Kampfeslinie zwischen der Südsudanesischen Befreiungsarmee und der damaligen Regierung von Khartum, die Juba immer besetzt hatte. So wird mit Gottes Hilfe an einem Ort des Krieges der Friede keimen, der eine wahrhaft menschliche Entwicklung möglich macht. Möge Gott seinen Segen dazu geben.

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