Das Volk mag Papst Franziskus – Teil II

März 2014 – Ein Jahr ist schon ins Land gegangen mit Papa Bergoglio. In diesem Jahr hat der März mit Sonnenschein und römischen Frühling mit Mittagstemperaturen über 20 Grad Einzug gehalten. Nach dem Angelus am vergangenen ersten Fastensonntag ist Papst Franziskus mit Mitarbeitern aus der Kurie im Autobus nach Ariccia in den Albaner Bergen gefahren, um unter Anleitung eines römischen Pfarrers die Jahresexerzitien zum Thema „Reinigung des Herzens“ zu machen. Traditionell ist die erste volle Woche der Fastenzeit der Termin für die Exerzitien der Vatikanischen Kurie. Neu ist der Ort, der Rückzug aus dem Alltag, der Exerzitienmeister. Für Neuheiten ist Papst Franziskus gut – Neuheiten, so meine ich, die das Evangelium Jesu Christi und das, was die Kirche als der mystische Leib Christi ist, ganz ernst zu nehmen und deutlicher in der heutigen Zeit zu verwirklichen suchen.

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Mich berührt, dass ich gerade in seiner Botschaft darüber, was Kirche ist und wie Kirche heute geht, sehr viele Parallelen zum Gründer der Apostolischen Bewegung von Schönstatt, P. Josef Kentenich, entdecken kann, wie der am Ende des Konzils 1965 seine Vision von Kirche beschrieben hat, die nicht zuletzt „Gründungsurkunde“ für das Heiligtum und Internationale Schönstattzentrum Belmonte in Rom sind. Dort spricht er von einer pilgernden Kirche, einer brüderlichen (geschwisterlichen) Kirche, einer Kirche, die Seele der gesamten Weltkultur sein soll, einer armen Kirche, einer demütigen Kirche, einer ganz vom Geist Gottes geführten Kirche, in der Maria ihre Mutterfunktion weiter ausübt. Die Kirche, die aus sich herausgeht an die Peripherien menschlicher Existenz, die Bedeutung von Kollegialität und Synodalität in der Kirche. Die Kirche, die sich für nichts und niemanden zu schade ist. Die arme und demütige Kirche, die ganz auf die Barmherzigkeit Gottes baut, wie Papst Franziskus nicht müde wird, sie zu künden – um nur einige wenige Berührungspunkte zu nennen. Mich berührt, dass ich gerade in dieser Zeit hier am Schönstattzentrum in Rom wirken soll, in der Zeit von Papa Francesco, in der Zeit, in der die Schönstatt-Bewegung in ihr zweites Jahrhundert eintritt.

Wenn ich gelegentlich zu einer Audienz, zu einem Gottesdienst oder zum Angelus nach St. Peter kommen und mit dem Bischof von Rom feiere und bete, beeindruckt mich die Aufmerksamkeit, die er dem Einzelnen schenkt. Dank der großen Bildschirme auf dem Platz, aber auch dank der vielen Zeit, die er sich für die Rundfahrten beziehungsweise die persönlichen Begegnungen vor oder nach den verschiedenen Gottesdiensten und Veranstaltungen nimmt, kann das jeder miterleben. Und auch wenn ich zu den Zigtausenden zähle, die ihm jetzt nicht die Hand schütteln und ein Wort mit ihm wechseln können, ich kann wahrnehmen, dass er sich jedes Mal ganz dem Einzelnen zuwendet, ganz bei ihr oder ihm ist … und das springt über und schenkt mir unter den Vielen die Erfahrung, selber ganz angesprochen und ernst genommen zu sein. Und wenn er seine meist kurzen, gestrafften, in jesuitischer Manier auf drei Punkte konzentrierten Ansprachen hält und die ganze Piazza anspricht, bleibt der Eindruck, er spricht den Einzelnen an, er spricht mich an.

Das Volk mag Papst Franziskus, hat ihn ins Herz geschlossen: Man will ihn sehen, ihm begegnen, eintauchen in die Atmosphäre, die entsteht und etwas in einem selbst berührt und bewegt. Ob Christ oder nicht, ob katholisch oder nicht, ob praktizierend oder nicht. Viele, viele, viele kommen… Freilich: Wer von der Kirche, wer vom Papst die Aufrechterhaltung bestimmter gesellschaftlicher Ordnungen und Ränge erwartet, wer von ihm eine mächtige Kirche repräsentiert sucht, die auf alles eine sichere Antwort hat, der wird wohl enttäuscht sein – und auch das höre ich: im Klerus, in manchen gesellschaftlichen Schichten, hier in Italien und aus verschiedenen Ländern der Welt.

Ich persönlich bin überzeugt, dass der Heilige Geist Gottes einmal mehr in unserer Kirche gewirkt hat und – was ich bei allen Päpsten, die ich selber erlebt habe und erlebe sagen kann – den Richtigen in diesen Dienst gerufen hat. Ich persönlich bin überzeugt, dass die Impulse und die Art und Weise, wie Papst Franziskus seinen Dienst ausübt und unsere Kirche führt, genau das ist, was wir jetzt brauchen und wie der Gott unseres Lebens jetzt in seiner Kirche erfahrbar werden will. Und so bin ich gespannt, wie wir konkret in den kommenden Jahren uns weiter entwickeln und den Dienst tun werden, den Jesus Christus uns als seiner Kirche übertragen hat, und bin bereit, mich in diese Sendung immer mehr noch hinein nehmen und dafür gebrauchen zu lassen.

Das Volk mag Papst Franziskus – Teil I
Video: Ein Jahr Papst Franziskus

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