Das Volk mag Papst Franziskus – Teil I

März 2013 – Regnerische Tage, der Himmel oft bewölkt, noch so richtig römischer Winter. Spannung liegt in der Luft: Nach der völlig überraschenden Ankündigung seines Rücktritts durch Papst Benedikt XVI. am 11. Februar kribbelt es. Irgendwie habe ich das Gefühl, einen besonderen Moment der Kirchengeschichte zu erleben – noch dazu nahe am Herzen der römisch-katholischen Weltkirche.

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Eine kräftige Wintergrippe hatte es mir nicht erlaubt, zur letzten Audienz von Papa Ratzinger auf die Piazza zu gehen. Dank CTV und Radio Vatikan kann ich aber alles im Livestream miterleben, sogar das „Baciamani“, das Händeschütteln und sich persönlich Verabschieden der Kardinäle.

In den Tagen des Vorkonklave verfolge ich aufmerksamst die Presse. Es wird informiert, berichtet, kommentiert, spekuliert: Welche Aufgaben stehen für den neuen Papst an? Vatikanbank (IOR) und Vatileaks sind als Themen immer dabei. Woher wird der neue Papst kommen? Wer von den Italienern könnte/sollte es werden? Die tägliche Pressekonferenz von P. Federico Lombardi SJ in der Sala di Stampa, dem vatikanischen Pressesaal, die ich im Internet mitverfolgen kann, gibt verlässliche Einblicke in das ganze Geschehen. Gut, dass offiziell so offen informiert und berichtet wird; ich kann mich nicht erinnern, dass es bei früheren Papstwahlen schon so war – oder war ich nur nicht so nahe dran gewesen?

Seit dem 11. Februar beten wir intensiv hier im Heiligtum der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt auf Belmonte/Rom, das hier der Matri Ecclesiae, der Mutter der Kirche und der Mutter Kirche geweiht ist: Zum Dank und für die Zukunft von Papst Benedikt XVI., der als Kardinal Ratzinger kurz nach der Einweihung das Heiligtum besucht hatte und sich seither immer sehr lebhaft um die weitere Entwicklung von Heiligtum und Centro Internazionale interessiert; für ein geisterfülltes Konklave und für den rechten neuen Papst. Am Samstag vor Beginn des Konklave frage ich bei der wöchentlichen Pilgermesse unsere Italiener, ob sie denn einen italienischen Papst wollten. Zu meiner Überraschung sagen sie: Nein, das müsse nicht sein. Es fände sich vielleicht auch nicht der richtige unter den italienischen Kardinälen. Und es wäre schon gut, wenn einer von Übersee komme.

Die Teilnahme an der Messe zur Eröffnung des Konklaves wird mir durch einen Termin beim Ortsbischof verunmöglicht. Irgendwie soll es nicht sein, dass ich live mit dabei bin. Und dann – die Neugierde treibt – zu den angekündigten Zeiten am Bildschirm: Kommt schwarzer oder weißer Rauch? Welche Freude, dass am Mittwochabend, 13. März 2013, weißer Rauch aus der Sixtinischen Kapelle aufsteigt. Den abendlichen römischen Verkehr fürchtend, der mir normalerweise eine Stunde abnötigt, an St. Peter anzukommen, und nicht ahnend, dass es dieses Mal etwas länger geht, bis sich der neue Papst auf der Loggia zeigt, bleibe ich zuhause, gehe ins Heiligtum, läute die Glocke „vocatos voco“ – „ich rufe die Berufenen“, jetzt ist einer zum neuen Dienst berufen – bete, vertraue seinen Dienst der Gottesmutter und dem Gott unseres Lebens an. Wer wird es sein?

Am Bildschirm verfolge ich diese spannenden Minuten der Ankündigung, die Stimmung der Piazza springt über: Jorge Mario Bergoglio, Papst Franziskus – einen Augenblick Stille, dann Jubel und Freude, auch noch Spannung: Wer ist er denn? Fast niemand hatte ihn „auf dem Bildschirm“, auch nicht die Pressestelle der CEI, der italienischen Bischofskonferenz, die aus Versehen in ihrem öffentlichen Glückwunschtelegramm einen falschen Namen hinaus schickte und sich korrigieren musste.

Wie für so viele ist die erste Begegnung mit Papst Franziskus an diesem Abend bewegend: schlicht, einfach, geradeheraus. Ganz natürlich wünscht er erst einmal „Buonasera“, „Guten Abend“. Und: Er bezeichnet sich selbst „nur“ als „Bischof von Rom“, dem mit der ganzen Kirche von Rom der Vorsitz im Dienst der Liebe zukommt. Dass er das Volk Gottes zuerst um das Gebet für ihn und seinen Dienst bittet und dafür sich tief verneigt (wenn er gekonnt hätte, hätte er sich sicherlich niedergekniet) war stark. Hier nimmt der neue Hirte der Kirche das Volk Gottes in seiner Würde der Taufe, in seinem gemeinsamen Priestertum, total ernst.

Das Volk mag Papst Franziskus – Teil II
Video: Ein Jahr Papst Franziskus

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