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Überfall auf Mallersdorfer Schwestern in Südafrika

Leider hatten wir, die Mallersdorfer Schwester in Vryheid/Südafrika, am 3. Februar einen bewaffneten Raubüberfall. Die Schwestern haben sich inzwischen etwas vom Schock erholt.

Die Schwestern Dolorosa und Immaculate sind am vorletzten Mittwochnachmittag zur Bank gegangen, aus Sicherheitsgründen durch den Hintereingang, um Geld abzuholen, das sie am Vortag bestellt hatten, denn es war eine größere Summe. Sie fuhren heim in die Garage, die offen war. Ein Auto fuhr heran und im Nu waren zwei Männer auf jeder Seite des Wagens. Sie wollten natürlich die Tasche mit dem Geld. Die Schwestern hatten die Türen verschlossen, schrien um Hilfe und hupten in der Hoffnung, dass jemand zu Hilfe kommt. Dann schlugen die beiden Täter die Fenster links und rechts des Autos ein. Der eine auf der Fahrersitzseite hat Sr. Dolorosa wahrscheinlich auf die Seite geschubst, dass er die Tasche mit dem Geld erreichen konnte. Sie haben den Schwestern nichts angetan und auch nicht geschossen. Die Täter liefen, als sie das Geld hatten, sofort zum Auto und fuhren weg. Sr. Dolorosa war so schnell, ist sofort wieder rückwärts aus der Garage rausgefahren, um die Autonummer zu sehen. Die Täter fuhren links und Dolorosa nach rechts sofort zur Polizei. In Kürze konnte das Auto mit einer ND Nummer in Lakeside gefunden werden, ein zweites Auto war im Spiel und wurde in Bhekuzulu entdeckt. Vom Geld war allerdings keine Spur sichtbar.

Weil Sr. Dolorosa so schnell reagierte, ist sie dann gleich mit der Polizei nach Lakeside gefahren, um das Auto zu identifizieren. Das Schlimme war, unsere 82-jährige Sr. Edith, die Einzige, die um die Wege war, zufällig früher als sonst beim Kaffee trinken war und das Schreien, das Hupen und das Geklirr der gebrochenen Autoscheiben hörte. Sie wusste nicht genau, was passiert war, drückte den Panik-Knopf um unsere Sicherheitsfirma zu alarmieren, die aber nicht gekommen ist.

Auch einige Arbeiter hörten alles, liefen zusammen, wussten aber nicht, was passiert war. Als sie das Garagentor aufsperrten, sahen sie nur das Glas herumliegen, etwas Blut, kein Auto und keine Schwestern. Die logische Folgerung war, die Schwestern wurden entführt. Bis sie dann endlich von der Polizei hörten, dass die Schwestern auf der Polizeistation und sicher sind, dauerte es leider einige Zeit, denn Sr. Dolorosa hatte ihr Handy stumm gestellt und auf die vergeblichen Anrufe nicht geantwortet. So waren alle hier im Schock und großem Kummer. Man stellt sich ja alles Mögliche vor.

Ich war die letzte, die von allem hörte, weil ich Hausaufgabenbetreuung hatte und im letzten Eck der Schule war. Wir sind Gott von Herzen dankbar, dass die Schwestern nicht erschossen wurden. Ja, es ist schlimm, aber trotzdem hoffen wir, dass die Polizei noch etwas Genaueres herausfindet.

Südafrika verzeichnet im Vergleich zu Deutschland hohe Kriminalitätsraten, vor allem in den Großstädten und deren Randgebieten, den Townships. Vryheid in der Battlefields-Region von KwaZulu-Natal ist eigentlich ein gemütliches Landstädtchen. Aber auch hier gibt es Schattenseiten. Der Konvent und die Schule der Nardini-Sisters, wo ich lebe und arbeite, sind mit Alarmanlagen und hohen Zäunen abgesichert. Das Leben in der Stadt geht seinen gewohnten Lauf, allerdings gab es in den letzten Wochen mehrere Überfälle auf Geschäfte. Man muss einfach aufpassen und umsichtig sein. Für mich ist es traurig, dass man niemand mehr trauen kann.

Die Missionsstation Maria Ratschitz in Südafrika blüht neu auf

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Missionsstation Maria Ratschitz von den Trappisten von Marriannhill in Wasbank (Provinz KwaZulu-Natal/Südafrika) erbaut. Sie war anfangs des 20. Jahrhunderts eine blühende Missionsstation, aber leider ging es bald abwärts durch eine Kette von geschichtlichen Ereignissen, darunter der Beginn des Zweiten Weltkrieges, Apartheid-Politik und die Aussiedlung der Zulu-Bevölkerung rund um die Station.

Seit dem 27. Januar 1998 sind die Nardini Sisters (Mallersdorfer Schwestern) dort tätig. Sie unterhalten dort ein Hospiz für Aids-Kranke, eine Beratungsstelle für HIV-Infizierte und ein Schulungszentrum für freiwillige Helfer in der Aids-Arbeit. Der Platz glich früher eher einer Ruine, aber dank vieler Helferinnen und Helfer ist es heute wieder ein wunderschöner Ort zu Füssen des Hlatikulu-Berges im Zululand in der Diözese Dundee.

Dr. Irmengard, eine der ersten drei Schwestern, sah die Not der Zeit. Im nahegelegenen Provinzkrankenhaus in Ladysmith, wo sie halbtags für zwei Krankenstationen mit etwa 80 Patienten verantwortlich war, wurde sie mehr denn je mit der Aids-Epidemie konfrontiert. Täglich starben bis zu zehn Patienten. So begann Sr. Immaculate, ausgebildet als HIV/Aids-Koordinatorin, das „Home-based Care Givers”-Programm, um Leute auszubilden, die HIV/Aids-Patienten daheim in der Familie zu pflegen. Die Not war groß und bald sah man die Notwendigkeit, das Duduza Care Centre einzurichten. Dort wurden Patienten aufgenommen, die im Endstadium ihrer Krankheit waren und die keine Angehörigen hatten, damit sie liebevoll umsorgt und gepflegt würden bis zu ihrer letzten Stunde.

Die Tragödie vom 1. April 2007

Schwester Ann, eine Lehrerin von Beruf, war damals die Novizenmeisterin der Nardini Sisters, denn inzwischen wurde 2002 das Noviziat zur Ausbildung der jungen Schwestern in Maria Ratschitz gebaut. Regelmäßig besuchte die 35-jährige, lebensfrohe Sr. Ann mit ihren jungen Novizinnen die Patienten im Hospiz. Die Schwestern hatten Worte des Trostes, sangen und beteten auch mit den Patienten. Es muss hier erwähnt werden, dass das Hospiz in einem der alten Steinmauergebäuden untergebracht war, mit einer alten Holztreppe zum 1. Stock und, wie es hier im Land üblich ist, mit einem dicken Strohdach.

In der Nacht zum Palmsonntag hatte ein neuer Patient trotz strengen Verbotes abends im Bett geraucht. Im Nu stand sein Bett in Flammen und das Feuer verbreitete sich unheimlich schnell. Die Krankenschwestern schlugen Alarm, die jungen Schwestern wurden aus ihrem Schlaf gerissen, um zu helfen. Fünf Patienten konnten vor den Flammen gerettet werden. Die tatkräftige Sr. Ann lief nochmal zurück in das brennende Haus und wollte noch wenigstens einen der beiden gelähmten Patienten retten. Leider war es zu spät und sie wurde mit drei anderen Patienten ein Opfer der Flammen. Sie war eine mutige Heldin. Sie gab ihr junges Leben für die Patienten.

Ich kann mich gut an den Morgen des 1. April 2007 erinnern, als unsere Oberin vor dem Morgengebet in unserer Hauskapelle die schreckliche Nachricht verkündete. Es fuhr wie ein Blitz durch mich hindurch, denn Sr. Ann war nicht nur eine liebe Mitschwester für uns alle, sondern mir persönlich war sie auch eine besondere Freundin. Möge sie für uns im Himmel eine treue Fürsprecherin sein!