Kategorie-Archiv: Rückblick

Weihnachtspost aus Südafrika*

Sicher habt ihr in diesen Tagen auch viel über unseren ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela gehört. Er war schon eine große, bewundernswerte Persönlichkeit, ein großes Vorbild für das ganze Volk. Beeindruckend war seine Demut, seine Menschlichkeit und dass er verzeihen konnte, nachdem er 27 Jahre hinter Gittern verbrachte. Aber das Leben geht auch nach Mandelas Tod weiter.

Wir schauen auf ein sehr ereignisreiches Jahr. Hier ein paar Schlaglichter: Im Mai fand in Mallersdorf (Landkreis Straubing-Bogen) das Generalkapitel der Mallersdorfer Schwestern statt und eine neue Generaloberin sowie neue Rätinnen wurden gewählt. Schwester Catherine, die über 40 Jahre in Vryheid* tätig und seit 1999 unsere Schulleiterin war, wurde ebenfalls als Rätin gewählt und flog Ende August mit der Ordensleitung zurück nach Deutschland, um ihre neue Arbeit daheim zu beginnen. Das war für uns alle hier in eine unerwartete Versetzung. Schwester Mpume hat die Schulleitung mit dem 1. August übernommen. […]

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Meine Erstklässler waren dieses Jahr besonders anstrengend mit schwierigen Verhaltensstörungen. Einige brauchten ständige Zuwendung und Aufmerksamkeit und es scheint mir immer mehr, dass die Kinder zu Hause wenig Disziplin erfahren. Viele Kinder erleben keine intakte Familie mehr. Leider übt das Fernsehen einen starken, negativen Einfluss auf die Kinder aus, davon bin ich überzeugt. Wenn dann unter den 30 Kindern gleich 8 -10 verhaltensauffällig sind, ist der Unterricht fast immer gestört. So bin ich sehr erleichtert, dass dieses Schuljahr überstanden ist und ich hoffe, nächstes Jahr werde ich viele nette Schüler haben.

In unserer Diözese Eshowe hat sich auch vieles ereignet. Am 15. Juni war die Verabschiedung der Benediktinerinnen von St. Alban, die 60 Jahre lang in ‘Little Flower’ in der Schule und im Internat segensreich wirkten. Am 23. Juni wurde der Benediktinerbruder Michael Saneesh, ein Inder, zum Diakon geweiht. Es war eine sehr würdige Feier und wir freuten uns alle mit ihm, dass seine Eltern gerade noch rechtzeitig das Visum bekamen und an der Weihe teilnehmen konnten. Er hat vier Jahre hier im Land studiert und wird nach Weihnachten in sein Priorat Kumily in Indien zurückkehren.

In der Diözese Kokstad warteten die Gläubigen über zwei Jahre auf einen neuen Bischof. Im März wurde Fr. Zolile Petros Mpambani SCJ ernannt und am 3. August fand die Bischofsweihe statt, mit Kardinal Napier aus Durban, zwei Erzbischöfen und etwa 30 Bischöfen, über 100 Priestern, viele Schwestern und unzähligen Gläubigen. Es war ein überzeugendes Fest des Glaubens, mit viel Tanz und Gesang.

Auch in Vryheid hatten wir eine große Feier. Am 17. August legten drei von unseren jungen Schwestern ihre Ewigen Gelübde ab. Die Feier war sehr lebendig und viele Verwandte und Gäste waren aus Nah und Fern gekommen, um mit den Schwestern diesen Tag zu erleben.

In unserer Pfarrei durften 12 Kinder ihre Erste Hl. Kommunion empfangen und sieben Jugendliche wurden gefirmt. Auch bei uns werden die Zahlen kleiner, aber unser Pfarrer Pater Victor Chavunga OSB von Malawi macht es immer sehr schön feierlich. Bei der Firmung sang unser Dekanatschor mit etwa 70 Mitgliedern, weil er auch 10-jähriges Jubiläum feierte. Sr. Dolorosa und ich begleiteten drei Lieder mit Gitarre. Ich sehe noch den Trommler vor mir, wie ihm das Wasser nur so den kahlgeschorenen Kopf herunterlief. Er hat sich selber eine Trommel gebaut: ein schwarzer Abfalleimer mit einem Autoschlauch überzogen, darüber auf einem Draht hat er Schellen aus Bierflaschendeckeln und zwei Stücke von einem Gartenschlauch dienen als die Schläger. Keine Angst! Das Ganze hört sich toll an!

Zum Schluss möchte ich meinen Breitenbrunner Strickerinnen danken und gratulieren, dass sie bereits seit 24 Jahre mit großem Eifer für Arme in unserem Land wunderschöne Decken stricken. Ein herzliches Vergelt’s Gott für all Eure Pakete!
[…]

*Auszüge aus dem Weihnachtsbrief 2013 

Partnerschaft Ghana–Eichstätt: Wie´s begann

„Akwaaba“ (Willkommen) – So schallte es mir von überall entgegen, als ich am 1. September 1997 den Flughafen von Akkra verlies. Es war meine erste unmittelbare Begegnung mit der afrikanischen Welt. Gefühlte 1000 Menschen stürmten gleichzeitig auf mich los und boten mir etwas an: Taxi, Hotel, Früchte, Feuerzeug, Taschenradio, alle möglichen Dienste… Gott sei Dank war Eugen gleich zur Stelle. Er hatte auf mich gewartet, um mich abzuholen. Nach einer kurzen Taxifahrt – es ist unbeschreiblich, wie viele Eindrücke in dieser 20 minütigen Fahrt auf mich eindrangen – konnte ich mich in einem kleinen und ruhigen Hostel bei einer „Africola“ etwas abkühlen und ankommen.

Es war eine völlig neue und fremde Welt für mich, in der ich da gelandet war. Natürlich hatte ich mich schon früher oft mit Afrika beschäftigt. Aber deine Vorstellungen werden  total auf den Kopf gestellt, wenn du plötzlich mitten drin stehst und Afrika hautnah erleben kannst. Wie kam´s dazu?

Zu Beginn der Fastenzeit 1997 wurde die bundesweite Misereor-Fastenaktion in Eichstätt eröffnet. Aus allen Erdteilen kamen Vertreter und machten unsere kleine Bischofsstadt für ein Wochenende zum Mittelpunkt der Weltkirche. Dabei konnte ich Charles Palmer-Buckle kennen lernen, den damaligen Bischof von Koforidua, einer Provinzhauptstadt im westafrikanischen Staat Ghana. Mit seiner sympathischen, offenen und gewinnenden Art suchte er vor allem Kontakt zur Jugend und gewann auch schnell unsere Herzen (bei der MISEREOR-Party am Samstagabend ergriff er spontan ein Mikrofon und sang mit der Soul-Band einen Gospel). Er erzählte uns von dem noch relativ jungen Jugendverband COSRA (Catholic Organisation for Social and Religious Advancement) in seiner Diözese. Ein Referent von Misereor erwähnte schließlich dem Erwin Krottenthaler (damaliger BDKJ-Referent) und mir gegenüber verschiedene Zuschussmöglichkeiten für internationale Jugendpartnerschaften. Und schon war eine neue Idee geboren…

Eugen Hartleitner, Thomas Kienast, Michael „Charly“ Eichenseer und ich beschlossen darauf hin unseren Sommerurlaub in Ghana zu verbringen. Erstes Ziel der Reise: Land, Leute und vor allem Vertreter von COSRA-Koforidua kennen lernen und ihnen von unserer Idee erzählen. Meine drei Freunde hatten sich schon eine Woche vor mich auf die Reise gemacht und diverse Abendteuer erlebt. Eugen holte mich am Flughafen der ghanaischen Hauptstadt ab und half mir mit seinem einwöchigen Vorsprung an Afrika-Erfahrung in dieser fremden Welt anzukommen. Am nächsten Morgen machten wir uns in einem klapprigen Tro-Tro-Bus auf die vierstündige Fahrt nach Koforidua. Unmittelbar vor dem Schlusssegen der Sonntagsmesse erreichten wir die Kathedrale. Sie war bis zum Bersten gefüllt mit Gläubigen, alle in farbenprächtigen Kleidern. Verschiedene Gruppen brachten gerade ihre Kollekten in nicht enden wollenden Prozessionen tanzend und singend an den Altar. Bischof Charly hat uns gleich entdeckt, vom Altar aus zugewunken und noch im Gottesdienst der Gemeinde vorgestellt. „Akwaaba – Wellcome“ schallte es uns wieder von allen Seiten entgegen.

Dann ging alles wie im Traum. Der Bischof wollte uns natürlich auf alle Fälle in seinem Bischofshaus für die nächsten Tage als Gast beherbergen. Persönlich zeigte er uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Provinzhauptstadt. Am nächsten Tagen stießen Charly und Thomas zu uns. Und schließlich war auch das erste Treffen mit COSRA-Vertretern. Wir lernten uns kennen, erzählten uns gegenseitig von der kirchlichen Jugendarbeit in unseren Diözesen und von den Verbänden BDKJ und COSRA. Erste Ideen einer Partnerschaft wurden ausgetauscht. In den nächsten Tagen zeigten uns die neuen Freunde alles, was uns interessierte: ein Berufsbildungszentrum für Mädchen, eine Schreinerei der Steyler-Missionare, die kirchlichen Schulen, das Priesterseminar… Aber vor allem auch die Sehenswürdigkeiten der Stadt und des Umlandes. Schließlich begleiteten sie uns sogar noch die nächsten Wochen und zeigten uns die Stadt Kumasi, das kulturelle Zentrum der Ashanti, die Küste Ghanas und die Hauptstadt Akkra. Und alles, obwohl es gar nicht geplant worden war. Sie ließen einfach alles liegen und waren voll und ganz für uns da.

Akwaaba – Welcome – Willkommen. Menschen haben sich füreinander interessiert. Wer sie sind, wie sie leben, was ihnen wichtig ist, was ihre Sorgen und Freuden sind. Sie haben einander von sich erzählt. Sie haben miteinander das Leben geteilt. Sie haben sich gegenseitig willkommen geheißen. Sie waren Gäste und gleichzeitig Gastgeber. Und so eröffneten sich neue Welten, entstand eine Partnerschaft, ja mehr noch, eine Freundschaft, die bis heute (über 16 Jahre!) hält. Inzwischen ist die Partnerschaft längst institutionalisiert: Vor zwei Wochen feierte der AK Ghana des BDKJ im Bistum Eichstätt sein 15-jähriges Jubiläum.

Mehr zum Thema: Voneinander lernen – von Kontinent zu Kontinent (Bericht der Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt)