Archiv der Kategorie: Religion

Friede durch Gerechtigkeit und Versöhnung

Mit den Jahren, so stelle ich fest, gestaltet sich meine religiöse Wahrnehmung und gerade an Weihnachten wird mir deutlich, wie schön und hilfreich unser Glaube ist. Weihnachten heißt: Gott wird Mensch. So zeigt Gott wie wichtig wir ihm sind und so will er das Göttliche in uns zur Geltung bringen. Das sind die Güte, die Freundlichkeit, die Barmherzigkeit, die Versöhnungsbereitschaft, die Liebe und so vieles mehr. Diese Werte sind wie ein Leitfaden für unser Leben.

Bei alledem weiß ich natürlich nur zu gut, dass in dieser Welt elend viel gelitten wird. Menschen hungern und werden erniedrigt. Sie sind Kriegen, der Brutalität und der Verachtung ausgesetzt. Kinder werden geboren und sterben bald darauf. Auch im Privaten, in den Familien, in den Altersheimen wird viel gelitten und oft kommen Menschen an ihre Grenzen. Aus diesem Grund können wir manchmal an keinen Gott (mehr) glauben und fragen: „Wo ist Gott? Warum greift er nicht ein?“. Hinter dieser Frage versteckt sich aber, dass wir einen allmächtigen Gott wollen. Einen, der eingreift. Natürlich so, wie wir es gerne hätten.

Dabei kommt Gott uns in einem Stall entgegen. Ohnmächtig auf dem ersten Blick. Zwischen Ochs und Esel kommt er in einer kalten Krippe zur Welt. Seine Botschaft ist: Friede durch Gerechtigkeit und Versöhnung. Er leidet mit einem jeden Menschen mit und seine Menschenfreundlichkeit steckt an. Er zeigt eine tiefe Ehrfurcht vor jedem Leben und sagt: „Was du einem Geringsten meiner Brüder getan hast, das hast Du mir getan“. Jesus lebt uns vor, was wirkliches Menschsein ist. Indem wir seinem Beispiel folgen, bekommt unser Leben einen Sinn. Aus diesem Grund haben wir alle, wenn wir ihn ernst nehmen, seit seiner Geburt eine Mission: Nämlich mitzuwirken, dass jeder Mensch auf dieser Erde ein Mensch sein oder werden kann. Der Kranke, der Alte, der Flüchtling, der Hungernde und, und, und…. Gott will durch uns wirken. Das ist das Geheimnis und macht einen jeden und jede von uns zum Bringer des Heils. In Anlehnung an ein Gebet von Albert Schweitzer könnte man (theologisch wohl nicht ganz richtig) sagen: „Gott verändert nicht die Welt. Gott verändert Menschen und Menschen verändern die Welt“.

Advent und Weihnachten im Heiligen Land

Vom Ort der Berufung des Apostels Andreas, dem wunderbaren Seeufer des Sees Genezareth, sende ich adventliche Grüße in die Heimat.

Ufer des Sees Genezareth. Foto: Andrea Krebs

 

Advent und Weihnachten im Heiligen Land, was man sich darunter vorstellt und was wir hier vorfinden, mag sich unterscheiden.

Zunächst wird deutlich, dass es hier sozusagen keinen Advent im Land gibt. Sogar Ikea, wo wir gern für vertraute Einkäufe hin pilgern, hat hier nichts Weihnachtliches im Sortiment.

Ein Wadi Qelt, das auf Wasser wartet. Foto: Andrea Krebs

Was wir aber hier haben sind die weihnachtlichen Orte: Ort der Verkündigung in Nazareth, der Heimsuchung in Ein Kerem und der Geburt Jesu in Betlehem (Ort der Danksagung am Tempelberg am 8. Januar, was aber nur das Konfliktpotential erhöhen würde). Diese Orte miteinander aufzusuchen, wie wir es diese Woche mit den Volontären taten, und dort in der Botschaft des Evangeliums zu verweilen und es örtlich Gestalt annehmen zu lassen, ist ein Geschenk.

So führte uns der Weg durch die Wüste über Jerusalem zu den Hirtenfeldern von Betlehem. Hier sind Gebetsräume in den Höhlen, wie sie damals Mensch und Tier Heimstatt waren und auch für die Heilige Familie gastfreundliche Zuflucht und nicht in unserem Sinn ein Abgeschobenwerden in einen Stall darstellen.

Geburtsgrotte in Betlehem: Foto: Andrea Krebs

Nach einem Stadtbummel durch den glitzernd hell erleuchteten Ortskern von Betlehem trafen wir uns mit anderen deutschen Gästen, Pilgern, Schwestern, Priestern…, um für eineinhalb Stunden in der Geburtsgrotte in Betlehem das Wunder der Menschwerdung Christi zu feiern und zu meditieren. Das sind dichte Augenblicke, in die auch alle mit hineingenommen sind, die wir im Herzen tragen.

Weihnachten im Heiligen Land, das sind hier unter den Christen im Land, die nur zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, drei große Feste: Für uns ist am 25. Dezember Weihnachten, für die orthodoxen orientalischen Christen am 6. Januar und zehn Tage später für die armenischen Christen. So klingen die wichtigen Feste im Jahreskreis lange nach.

Foto. Andrea Krebs

Was hier besonders schön ist, sind die sprechenden prophetischen Bilder, die in der Natur erlebbar werden. Wenn nach der langen Dürre der erste Regen fällt, ist dies ein Fest, das die ganze Natur verwandelt. Noch ist der Regen spärlich, aber die Ahnung ist da und das Wissen, wie sich die Berge und Hügel in sattes Grün verwandeln, die Wadis sich mit Wasser füllen und sogar die Wüste blüht.

Hier in Tabgha, angegliedert an das monastische Leben, habe ich gelernt, dass wir uns nun in den Tagen der O-Antiphonen befinden, die letzten sieben Tage vor Weihnachten, in denen Jesus mit sieben Titeln angerufen wird, die im Alten Testament dem erwarteten Messias zugesprochen wurden.

Ich hörte einmal Abt Gregory sagen, in den Tagen der O-Antiphonen sollen alle zu Hause sein. Ein schöner Gedanke: Bei sich zu Hause sein, an dem Ort, an dem wir leben und den Herrn erwarten, wie auch immer er sich zeigt, das wünsche ich uns in den letzten Tagen des Advents.

 

„Ein ständiges Kommen und Gehen“

Zumindest in kirchlichen Kreisen, aber auch darüber hinaus, höre und lese ich oft im Advent den Gruß: ‚Eine besinnliche Adventszeit!‘. Was ich jedoch täglich erfahre, ist weit davon entfernt, besinnlich zu sein; gerade wenn es auf Weihnachten zugeht. Es muss ja so viel noch erledigt werden. Gerade am Ende eines Kalenderjahres sollten die ideellen und materiellen Bilanzen stimmen und die Familie, die Freunde sowie die einem im Dienst und im Leben Anvertrauten einigermaßen zufriedenstellend versorgt worden sein. Am besten ist es natürlich, wenn alles im Arbeitsumfeld, in der Verwandtschaft und im Freundeskreis stimmt und die wichtigsten Aufgaben nicht auf die lange Bank des kommenden Jahres geschoben werden müssen. Ach ja, die Weihnachtgeschenke dürfen nicht vergessen werden und die Weihnachtspost, am liebsten immer mit ein paar persönlichen Worten, soll ja auch noch fertig werden. Dies alles erfordert viel Zeit und Kraft.

Es bedarf eines besonderen Einsatzes, und zwar über die normale Betriebsamkeit während des Jahres hinaus. Auch die Sonderschichten am Wochenende reichen oft nicht aus, um alles zu erledigen. Die Früchte davon sind Unruhe, Stress, Erkältungen und Ähnliches. Alles weit entfernt von der „schönen besinnlichen“ Adventszeit. Daraus ergibt sich für die meisten von uns ein Kommen und Gehen, ja „ein ständiges Kommen und Gehen“, wie eine deutsche Redewendung dies wunderbar auf den Punkt bringt. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen: ein Kommen und Gehen von Menschen, ein Kommen und Gehen von Gedanken, ein Kommen und Gehen wie bei jedem Hochbetrieb, ohne viel Zeit für Besinnung, Einkehr und Ruhe.

Und doch ist es vielleicht auch richtig so. Advent stammt ja vom „Kommen“, aber auch vom „Gehen“, wie die vier Adventslieder zum Ausdruck bringen, die Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, unser Chor hiermit schenken möchte. Ob „Komm, Du Heiland aller Welt“, „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ oder „Es kommt ein Schiff geladen“ aus der westlichen kirchlichen Tradition oder das Adventskondakion „Die Jungfrau geht heute“ der Byzantiner, alle vier Lieder beinhalten ein Kommen, ein Gehen, eine gewisse Unruhe, eine Erwartung.

Dank dieser adventlichen Unruhe gewinnt die Weihnachtszeit ihre familiärere und gemütliche Atmosphäre. Denn das Ereignis der Geburt Christi, das bald gefeiert wird und auf das wir in der Adventszeit mit großen Schritten zugehen, bringt alles zum Stehen und zum Staunen, zur „Stillen Nacht“ und zum Stehen vor der Krippe im Lied „Ich steh‘ an deiner Krippen hier“. Vor der ruhenden Betrachtung und der rastenden Bewunderung des Weihnachtsfestes muss vieles in Bewegung gesetzt werden. Vielleicht ist das der Grund dafür, warum die Adventszeit turbulent sein muss: damit die Weihnachtszeit besinnlich sein kann.

Eine erfolgreiche und gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen das Collegium Orientale mit den vier Liedern zum Advent! Und es macht nichts, wenn Sie sich diese erst in der Weihnachtszeit anhören können!

Missionsarbeit in Südafrika

Wir feierten vor wenigen Wochen den 95. Gründungstag der Benediktinerabtei Inkamana in Vryheid in Südafrika. Der 3. August ist zugleich der Gründungstag der Ottilianer Benediktinermission im Zululand. Als ich 1968 als Neumissionar ins Zululand kam, lebten noch mehrere der Pioniere, die 1922 unter schwierigen Bedingungen mit der Missionierung begannen. Der letzte der Pioniere starb 1983. Inzwischen gehört die Epoche der Erstmission im Zululand längst der Vergangenheit an. Rund 150 Jahre protestantische Missionsarbeit und knapp 100 Jahre Missionsarbeit der Ottilianer Benediktiner haben den Zulus den Weg zum Christentum geöffnet. Die große Mehrheit der Zulus gehört jetzt einer christlichen Kirche oder Sekte an. Das Gebiet, das Rom 1921 der Kongregation von St. Ottilien zur Missionierung zugeteilt hatte, ist nun eine Diözese. Mittlerweile hat unsere Diözese bereits ihren zweiten einheimischen Bischof. In den 30 Pfarreien sind ausschließlich einheimische Priester tätig. Zwei Zulu Priester unserer Diözese sind momentan sogar in Pfarreien im Ausland tätig. Einer ist in den USA im Einsatz, der andere auf einer Pfarrei in der Pfalz in Deutschland.

In den knapp 100 Jahren seit der Ankunft der ersten Benediktiner im Zululand stellte unsere Kongregation großzügig Personal für die Mission in dieser Nordostecke von Südafrika zur Verfügung. Insgesamt erhielten nicht weniger als 72 Ottilianer Patres und 65 Ottilianer Brüder das Missionskreuz für das Zululand. 1968 wurde zum letzten Mal eine ganze Gruppe ausgesandt. Sie bestand aus vier Mann; ich war einer von den Vieren. Seitdem erhielt die Zululand Mission nur noch wenig Verstärkung aus den Heimatabteien. Mit Recht sagten unsere Äbte in Deutschland: „Seht zu, dass ihr im eigenen Land um Nachwuchs wirbt und Benediktinermissionare heranbildet.“ Das haben wir auch getan. Es war kein einfaches Unterfangen. Seit 1968 sind nicht weniger als 220 einheimische Kandidaten in die Abtei Inkamana eingetreten. Von diesen 220 Kandidaten legten nach zwei- bzw. dreijähriger Vorbereitung immerhin 64 die einfachen Gelübde ab. Von diesen 64 banden sich 30 nach weiteren drei bzw. sechs Jahren durch die ewigen Gelübde auf Lebenszeit an unsere Gemeinschaft. Allerdings traten auch von diesen „ewigen Professen“ acht nach einiger Zeit wieder aus dem Kloster aus. Von den 64, die seit 1968 die einfachen Gelübde abgelegt hatten, sind zurzeit sechs in der Vorbereitung auf die ewige Profess.

Mönche der Benediktinerabtei Inkamana. Foto: inkamana.mariannhillmedia.org

Erfolgreiche Missionsarbeit

Ähnliche Erfahrungen wie Inkamana machten auch andere Missionskongregationen in Südafrika, ganz gleich ob es sich um religiöse Frauengemeinschaften oder religiöse Männergemeinschaften handelt. Südafrika ist nun einmal kein „Mistbeet“ für Priester- und Ordensberufe. Das haben wir schon lange festgestellt. Die Hälfte der afrikanischen Kandidaten, die zwischen 1968 und 2017 in Inkamana die ewigen Gelübde abgelegt hatten, stammte aus Namibia bzw. aus Malawi. Aus diesem Grund haben wir vor zwanzig Jahren eine Niederlassung in Namibia eröffnet. Dieses Nachbarland Südafrikas hat mit rund 20% einen weit höheren Prozentsatz an Katholiken als Südafrika, wo nur rund 6% der Einwohner katholisch sind.

Wenn man im Rückblick von einer erfolgreichen katholischen Missionsarbeit im Zululand sprechen kann, dann verdanken wir das nicht zuletzt dem Einsatz und der Mitarbeit mehrerer Schwesterngemeinschaften. In erster Linie sind da die Tutzinger Missionsbenediktinerinnen zu nennen. Sie haben von 1922 bis zu ihrer Ablösung im Jahr 2000 mit den Ottilianern zusammengearbeitet, haben Krankenhäuser und Schulen geleitet und haben in verschiedenen Bereichen auf allen Hauptstationen gewirkt. Nicht weniger als 110 Tutzinger Schwestern kamen in den 78 Jahren zwischen 1922 und 2000 im Zululand zum Einsatz. Fünfundvierzig sind in Inkamana gestorben und haben auf unserem Klosterfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden, darunter auch Schwester Reinolda May (1901–1981).

Wallfahrtsort Ngome

Ihr Name wurde über die Grenzen von Zululand und sogar über Südafrika hinaus bekannt, als sich nach ihrem Tod die Kunde verbreitete, dass sie Marienerscheinungen hatte. Zwischen 1954 und 1971 sei ihr die Muttergottes angeblich nicht weniger als zehn Mal in der Krankenhauskapelle von Nongoma erschienen. Sie selber hat darüber Aufzeichnungen gemacht. Bei einer dieser Erscheinungen äußerte die Muttergottes angeblich den Wunsch, „an einem Ort im Zululand, an dem sieben Quellen entspringen, als Tabernakel des Allerhöchsten verehrt zu werden“. Dieser Ort wurde mit Hilfe von Schwester Reinolda als ein Außenposten der Missionsstation Nongoma namens Ngome identifiziert.

Ngome liegt etwa 20 km westlich von Nongoma am Rand eines dichten Urwalds. In diesem Urwald wurden tatsächlich mehrere Quellen entdeckt. Der zuständige Bischof, Aurelian Bilgeri OSB (1909-1973), der von 1947 bis zu seinem Tod die Diözese Eshowe leitete, stand der ganzen Geschichte eher skeptisch gegenüber, genehmigte aber aufgrund inständiger Bitten von Schwester Reinolda, dass in Ngome 1966 eine kleine Kapelle von kaum mehr als vier Quadratmeter gebaut wurde. Erst 1984 erlaubte Bischof Mansuet Biyase (1933-2005), der Nachfolger von Bischof Bilgeri, den Bau einer größeren Kapelle. Sie wurde auf einem Felsplateau errichtet und enthält ein von einem Kunstmaler angefertigtes Gemälde der „Muttergottes, Tabernakel des Allerhöchsten“. Rasch stieg die Zahl der Pilger, die privat oder durch eine organisierte Pilgertour nach Ngome kamen. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wurde 2002 noch eine zweite, größere Kirche errichtet.

Auf ihrem Weg nach Ngome machen viele Pilger bei uns in Inkamana Halt und besuchen das Grab von Schwester Reinolda, legen Blumen nieder und hängen Rosenkränze über ihren Grabstein. Schon seit längerem wird in der Diözese sogar die Möglichkeit eines Seligsprechungsprozesses erwogen. Aufgrund dieser Entwicklung hat nun der Bischof von Eshowe, Thaddeus Xolelo Kumalo, einen seiner Priester beauftragt, Material über das Leben und Wirken von Schwester Reinolda zu sammeln. Für diesen Schritt hatte der Bischof zuvor von Rom das nötige Placet eingeholt in der Hoffnung, dass nach einiger Zeit der Seligsprechung Prozess eröffnet werden kann. Ob es jemals so weit kommt, wird sich zeigen.

Auch Mallersdorfer Schwestern im Zululand´

Außer den Missions-Benediktinerinnen von Tutzing haben auch noch drei weitere Schwesterngemeinschaften aus Deutschland in den 1950er Jahren Missionarinnen ins Zululand entsandt und sind dort heute noch präsent. In diesen rund sechzig Jahren kamen 33 Franziskanerinnen aus Oberzell bei Würzburg, 21 Benediktinerinnen von St. Alban am Ammersee und 37 Mallersdorfer Schwestern in die Zululand Mission. Alle drei Gemeinschaften nahmen sehr bald auch einheimische Kandidatinnen auf. Heute sind unter den 26 Oberzeller Schwestern mehr als die Hälfte Afrikanerinnen, darunter auch die Oberin der Gemeinschaft. Unter den 40 Mallersdorfer Schwestern (dazu gehört auch die in der Missionsstation „Vryheid“ tätige Sr. Emanuela Kraus aus Breitenbrunn/Oberpfalz, Bistum Eichstätt) befinden sich 23 einheimische; die Leitung der Gemeinschaft liegt jedoch noch in den Händen einer deutschen Schwester. Das gleiche gilt auch für die Benediktinerinnen von St. Alban. Die Gemeinschaft setzt sich momentan aus acht afrikanischen und sechs deutschen Schwestern zusammen. Oberin ist eine deutsche Schwester.

Die Ottilianer Benediktiner haben in ihren ehemaligen Missionsgebieten in Afrika sechs Abteien und ein Konventualpriorat (Vorstufe zur Abtei) errichtet. Alle sieben selbständigen Klöster werden von einheimischen Mönchen geleitet. In vier dieser Klöster sind alle Patres und Brüder Afrikaner; in dreien ist der Konvent gemischt, wobei die Europäer jeweils nur noch eine Minderheit bilden. Noch einen Schritt weiter in dieser Entwicklung sind die Klöster, die von Ottilianer Mönchen in Korea, in China und auf den Philippinen gegründet wurden. Während einige unserer sechs Deutsch sprachigen Abteien (vier in Deutschland und jeweils eine in Österreich und in der Schweiz) unter Nachwuchsmangel leiden, verlagert sich der Schwerpunkt unserer Kongregation langsam auf unsere Klöster in Afrika und Asien. Mit weit über 600 Mitgliedern machen sie jetzt schon 60% der Ottilianer Missionsbenediktiner aus.

Jahrhundertdürre

In Südafrika herrschte in den letzten zwei Jahren eine katastrophale Trockenheit. Im Zululand sprach man von einer Jahrhundertdürre. Nicht nur die Großfarmer und Kleinbauern waren davon betroffen, sondern auch die Menschen in den Städten. Die Farmer konnten wegen Regenmangel nicht pflügen und säen und in den Städten mussten die Leute ihren Wasserverbrauch gewaltig einschränken. Mittlerweile hat sich die Situation verbessert, da es im Sommer (Dezember bis März) reichlich geregnet hat. Die Wasserversorgung in der Stadt Vryheid war ein ganzes Jahr lang (von Mai 2016 bis Mai 2017) von Tankfahrzeugen abhängig, die die im Stadtgebiet aufgestellten 5000 Liter Behälter immer wieder auffüllten. Bevor die Wasserleitungen wieder benützt werden konnten, mussten Hunderte von Hausanschlüssen repariert und mit neuen Messgeräten aus Plastikmaterial versehen werden. Während der langen Trockenheit waren nämlich die alten Messgeräte aus Metall reihenweise geklaut und von den Dieben als Altmetall verkauft worden.

Die lange Trockenheit hat auch unserer Abtei schwer zugesetzt. Um die Wasserversorgung sicher zu stellen, mussten wir zusätzlich Brunnen bohren. Weil die aber nicht den erwarteten Erfolg brachten, haben wir nun entschieden, Regenwasser zu „ernten“. Inzwischen wurden an den verschiedenen Dachrinnen 5000 Liter Plastikbehälter aufgestellt, die das Regenwasser sammeln, wenn sich im kommenden Sommer die Himmelsschleusen öffnen.

Reformation und Ostkirchen

Das diesjährige Zwölfapostelfest des Collegium Orientale in Eichstätt bietet die willkommene Gelegenheit, die Ökumene auch im wissenschaftlichen Austausch zu fördern. Im Gedenkjahr der Reformation (1517-2017) in Deutschland finden zahlreiche Veranstaltungen, Konferenzen und Symposien statt, die sich wissenschaftlich mit dem Thema des Protestantismus, der aus der Reformation hervorgegangen Kirchen und nicht zuletzt des Ökumenismus bzw. des ökumenischen Dialogs zwischen den evangelischen Kirchen und den anderen christlichen Kirchen auseinandersetzen. Der Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und das Collegium Orientale Eichstätt, in dem zahlreiche Studierende aus den Ostkirchen leben und studieren, unternehmen gemeinsam im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums eine Annäherung an das Thema „Reformation und Ostkirchen“. Die Organisatoren dieser wissenschaftlichen Veranstaltung knüpfen damit an eine lange Tradition der abwechslungsreichen Beziehungen zwischen den Kirchen der Reformation und den Ostkirchen an.

Zum Verhältnis zwischen Reformation und den Ostkirchen

Von Anfang der Reformation an zeigten die Reformatoren ein recht großes Interesse für die Kirchen des Ostens. Für dieses Interesse lassen sich mindestens zwei Gründe anführen. Erstens imponierte den Protestanten die Tradition der orthodoxen altorientalischen Kirchen, die auf der Heiligen Schrift, Kirchenvätern, ökumenischen Konzilien ruhte. Die „Rückkehr“ zu den alten „unverfälschten“ Überlieferungen entsprach den reformatorischen Vorstellungen von der Erneuerung der Kirche. Zweitens schien für sie, dass die Organisationsstruktur der Ostkirchen ihren idealistischen Erwartungen von den Kirchenordnungen am nächsten stehen würde. Denn die Struktur der Ostkirchen zeichnete sich im Gegensatz zu der vom Papst geleiteten katholischen Kirche durch die Synodalstrukturen aus. An der Spitze einer jeden Ostkirche steht bis heute nämlich eine Bischofssynode als eine kollegiale Struktur, die von einem Patriarchen, Katholikos, Metropoliten bzw. Erzbischof geleitet wird. Als in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Reformation ausgebrochen war, durfte außerdem die Ablehnung der katholischen Kirche mit dem Papst als ihrem Oberhaupt durch die Ostkirchen für die Reformatoren attraktiv gewesen sein. Denn sie hätten in den Kirchen des Ostens wegen ihrer eigenen antirömischen Einstellung mit einem guten Koalitionspartner rechnen können. Bereits 1519 griff Martin Luther in seiner Argumentation auf die östlichen Traditionen zurück, um seine Gegner aus dem katholischen Lager in die Ecke zu treiben. So verwies er in der theologischen Auseinandersetzung mit Johannes Eck auf die orthodoxen Kirchen, die genau wie die Reformatoren die Ansprüche des römischen Papstes auf die gesamtkirchliche Leitung ablehnten.

Nicht nur Luther, sondern auch andere Reformatoren suchten anfänglich die Nähe zu den Ostkirchen. Melanchthon pflegte beispielsweise gute Beziehungen zu den Orthodoxen. Er nahm Kontakt zum Patriarchen von Konstantinopel Joasaph II. (1555-1565) auf und behauptete in einem Briefwechsel mit ihm die Einheitlichkeit im Glauben auf der Grundlage der Bibel, der ökumenischen Synoden und der Kirchenväter. Melanchthon schickte sogar dem Patriarchen das Augsburger Glaubensbekenntnis in griechischer Übersetzung. Ganz besonders hob er hervor, dass in der orthodoxen Kirche den Laien die Kommunion unter zwei Gestalten, des Brotes und des Weines, gereicht wird, dass es in der orthodoxen Kirche keine „Privatmessen“, sondern immer Gottesdienste unter Beteiligung der Gläubigen gibt und dass die orthodoxe Kirche die Lehre vom Fegefeuer nicht kennt. In der Überzeugung einer großen Übereinstimmung in der Lehre mit der orthodoxen Kirche unterbreitete Melanchthon auch Einigungsvorschläge, die manche als einen ersten „ökumenischen Brückenschlag“ (Bryner, Erich, Die orthodoxen Kirchen von 1274 bis 1700, Leipzig 2004, S. 144) im Dialog zwischen Reformation und Orthodoxie werten. Auch gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Kontakte fortgesetzt, wie etwa zwischen dem Patriarchen Jeremias II. von Konstantinopel und den lutherischen Theologen aus Tübingen, die zu einer beachtenswerten Korrespondenz führten. Um den Ostkirchen näher zu kommen, behaupteten die Protestanten, dass sie in den Glauben nichts Neues einführen, sondern der Bibel und den Kirchenvätern treu bleiben würden. Die Unterschiede bestünden nach ihrer Auffassung nur in den Riten.

Es heißt aber bei weitem nicht, dass es seitens des Protestantismus keine Kritik in die ostkirchliche Richtung gab. Derselbe Martin Luther, der am Beginn seines Wirkens die Argumente aus der ostkirchlichen Tradition schöpfte, stellte zwei Jahrzehnte später, im Jahre 1539, bestimmte Mängel in der Orthodoxie fest, indem er z.B. das Amt des Patriarchen von Konstantinopel als solches bezeichnete, das sich von seinen Ansprüchen her vom Papstamt nicht unterscheide. Die Urteile der anderen reformatorischen Theologen fielen noch schärfer aus. Sie bemängelten, die orthodoxe Tradition sei voller Aberglaube. Die anderen kritisierten in den Ostkirchen zu viele „schauspielerische“ Zeremonien. Diese Kritik führte allmählich dazu, dass nicht nur katholische, sondern auch östliche Kirchen voll „Irrlehren“ wären. Ihre Mitglieder wurden für viele protestantische Kirchen zum Objekt der Missionierung. Es galt daher, möglichst viele für den Protestantismus zu gewinnen oder in den anderen Traditionen Fuß zu fassen. Ein bekanntes Beispiel eines partiellen und zeitlich begrenzten Erfolges dieser Anstrengungen war die Geschichte der russisch-orthodoxen Kirche. Im 18. Jahrhundert stand die orthodoxe Theologie unter einem recht starken Einfluss der protestantischen Lehren, die zum Teil von den Orthodoxen selbst, die in den westeuropäischen Schulen ihre Ausbildung erhielten, in die eigene Tradition getragen wurden.

Diese protestantische „missionarische“ Einstellung war jedoch auch den anderen Konfessionen von damals zu eigen. In Folge des vorherrschenden exklusivistischen Denkens jener Zeit galt dasselbe für die Ostkirchen in Bezug auf die Kirchen der Reformation, die abtrünnigen protestantischen „Häretiker“ zum wahren Glauben zu bekehren.

Die Lübecker Märtyrer in einer ostkirchlichen Darstellung im Collegium Orientale Eichstätt. Foto: Geraldo Hoffmann
Die Lübecker Märtyrer in einer ostkirchlichen Darstellung im Collegium Orientale Eichstätt. Foto: Geraldo Hoffmann

Erst im 20. Jahrhundert beginnt in den Beziehungen zwischen der Reformation und den Ostkirchen eine neue Epoche, die im Zeichen der ökumenischen Bewegung steht. Die orthodoxen Kirchen beteiligen sich an den zahlreichen ökumenischen Projekten, die auf die protestantischen Initiativen zurückgehen. Sie sind mit wenigen Ausnahmen Mitglieder im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Der ÖRK bietet sich als eine Plattform für die Begegnung und den Austausch mit den Kirchen der Reformation und fördert auch bilaterale Kontakte. So bestehen bilaterale theologische Gespräche zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und den einzelnen Ostkirchen wie etwa der russisch-orthodoxen Kirche, rumänisch-orthodoxen Kirche oder dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel, die das gemeinsame zwischenkirchliche Engagement unterstützen.

Das Anliegen des wissenschaftlichen Symposiums

Bezugnehmend auf das oben skizzenhaft dargestellte Verhältnis zwischen der Reformation und den Ostkirchen ist das wissenschaftliche Symposium in Eichstätt zum einen ein Versuch, die zentralen systematischen Fragen aus dem Umfeld des orthodox-protestantischen Dialogs zu thematisieren. Dazu zählen vor allem die Fragen nach dem Verhältnis von Schrift und Tradition sowie der Rechtfertigungslehre im Dialog zwischen den drei großen christlichen Traditionen: Katholizismus, Orthodoxie und Protestantismus. Zum anderen geht es den Veranstaltern um die gegenwärtige Standortvergewisserung der Forschung zu dieser Thematik und um die zukunftsorientierten neuen Perspektiven. Vorgestellt werden im Rahmen des Symposiums außerdem die Kirchen, deren Geschichte und Existenz im Westen kaum bekannt sind. Dazu gehört beispielsweise die protestantische Kirche der byzantinischen Tradition, die seit 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts in der Ukraine beheimatet ist und die östliche Tradition byzantinischer Prägung sich zu eigen gemacht hat und pflegt.

Symposium im Collegium Orientale