Kategorie-Archiv: Religion

Slawenapostel Kyrill – ein großer Europäer im Heiligenkalender

Es ist für mich persönlich eine große Auszeichnung und gleichzeitig eine Ehre, die folgenden Zeilen zum 1150. Todestag des großen Slawenapostels und Patrons von Europa, des heiligen Kyrill zu schreiben. Und dies aus mehreren Gründen:

  1. stammt meine Familie väterlicherseits – wie sich aus meinem Familiennamen unschwer erkennen lässt – aus jenem Raum, denen der heilige Kyrill das Christentum in ihrer Muttersprache vermittelte,
  2. bin ich als junger Theologe in jenes Kloster eingetreten, das sich wenige Kilometer von der heutigen tschechischen Grenze und vom ehemaligen Eisernen Vorhang befindet und
  3. gehörte mein Heimatkloster in Österreich über viele Jahrhunderte zur so genannten böhmischen Zirkarie unseres Prämonstratenserordens.

Das alles motivierte mich auch in meiner 11-jährigen Abtszeit das Erbe der beiden Slawenapostel durch die Errichtung einer byzantinischen Kapelle und die Feier der Gottesdienste im byzantinischen Ritus zu bewahren, im klaren Bewusstsein, dass unsere Kirche und unser Europa nach dem Wort des mittlerweile heiliggesprochenen Papstes Johannes Pauls II. „mit beiden Lungenflügeln“ atmen müssen. Wenn wir das Leben und die Wirkungsgeschichte des heiligen Kyrill betrachten, so können wir mit Fug und Recht behaupten, dass er und sein Bruder Methodius als große Europäer bezeichnet werden können.

Die Brüder Kyrill und Methodius. Foto: COr/Myrosh

Kyrill – der ursprünglich Konstantin hieß – und sein Bruder Methodius stammten aus einer hochrangigen byzantinischen Beamtenfamilie in Thessaloniki und wurden im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts geboren, also zu jener Zeit, in der Thessaloniki sich aus dem Einflussbereich des Bischofs Roms löste und in die Jurisdiktion des Patriarchen von Konstantinopel überging. Die gediegene Ausbildung, die Konstantin-Kyrill in Konstantinopel erhielt, trug ihm den Bei- und Ehrennamen „Philosoph“ ein. Die entscheidende Wende in seinem und seines Bruders Leben trat mit der Entsendung der beiden Brüder durch den byzantinischen Kaiser Michael III. und Patriarch Photios I.  in das Großmährische Reich im Jahre 863. Der große Verdienst der beiden Brüder war die von ihnen kodifizierte altslawische Sprache, mit der sie die Bevölkerung des Großmährischen Reiches leichter erreichten, als die bayrischen Priester, die die lateinische Sprache verwendeten und des Slawischen kaum mächtig waren.

Aufgrund des Vorwurfes der Verwendung einer unkanonischen Sprache mussten sich die beiden Brüder in Rom vor Papst Hadrian II. rechtfertigen, erreichten aber die Anerkennung der slawischen Liturgiesprache im Jahre 867. Konstantin trat in Rom in ein dortiges Kloster ein, nahm den Mönchsnamen Kyrill an und verstarb dort am 14. Februar 869. Er liegt in der altrömischen Basilika S. Clemente begraben.

Das missionarische Wirken des heiligen Kyrill kann man als die erste wirkliche Evangelisierung der Slawen bezeichnen, obwohl oder gerade weil sie mit heftigen Widerständen von Seiten der Bischöfe von Regensburg und Salzburg rechnen musste, denen Böhmen nach dem Ende des Großmährischen Reiches Anfang des 10. Jahrhunderts endgültig unterstellt wurde, so dass der lateinische Ritus endgültig an die Stelle des slawischen trat.

Wenn ich anfänglich die beiden Brüder als große und echte Europäer bezeichnete, dann zeigt sich das in besonderer Weise am Wirken und der Geisteshaltung des heiligen Kyrill. Sein Verständnis von der Menschenwürde, das seinem Programm zugrunde lag, lässt sich vom Schöpfungswerk Gottes ablesen, das alle Menschen betrifft, da alle von Gott geschaffen sind. Auch der Weg diese Menschenwürde zu erlangen, steht allen Menschen offen, da Christi Erlösungswerk alle Menschen betrifft. Das war auch die grundlegende Haltung seines Missionsverständnisses, das keine Zwangsbekehrungen und Massentaufen wollte, sondern freiwillige Zustimmung zu jenen Werten, die aus dem Leben und Wirken Jesu Christi resultieren.

Aus diesem Grunde war ihm auch ein verstehender Glaube wichtig, was sich auch in der von ihm und seinem Bruder Übersetzung der ganzen Bibel ins Altkirchenslawische niederschlug. Kyrill und Methodius haben sich daher das friedliche Einbeziehen der slawischen Völker in die Staaten- und Kulturwelt ihrer Zeit – trotz zahlreicher Spannungen und Rückschläge – zum Ziel gesetzt und dieses Ziel auch erreicht. Es war wohl das hohe Bild vom Menschen, das er durch seine monastische und geistliche Prägung erhielt, und das ihn befähigte, in allen kirchenpolitischen Spannungen den Frieden zu suchen, „die anderen“ nicht zu verketzern und das Anrecht der „neuen Völker“ Europas auf den ihnen gebührenden kirchlich-kulturellen Eigenstand zu vertreten.

Papst Johannes Paul II. hat in seinem Apostolischen Schreiben „Slavorum Apostoli“ zum 1500. Todestag des heiligen Kyrill diese Eigenschaften besonders hervorgehoben und wie folgt charakterisiert: „Die Heiligen verkündeten eine Botschaft, die sich für unsere Zeit als sehr aktuell erweist, welche gerade wegen vieler schwieriger Probleme religiöser und kultureller, gesellschaftlicher und internationaler Natur eine lebenskräftige Einheit in der konkreten Gemeinschaft der verschiedenen Bestandteile sucht… Die beiden Brüder vollbrachten ihre Sendung nicht nur in hoher Achtung vor der bei den slawischen Völkern schon bestehenden Kultur, sondern haben diese zusammen mit der Religion auf hervorragende und ständige Weise gefördert und bereichert…. Kyrill und Methodius leisteten einen entscheidenden Beitrag zur Bildung Europas, und zwar nicht nur in der religiösen, christlichen Gemeinschaft, sondern auch für seine gesellschaftliche und kulturelle Einheit. Sie legten bei den slawischen Völkern das Fundament für eine christliche-humanistische Prägung der Gesellschaft, die heute durch Begriffe wie Menschenwürde, Freiheit, Unantastbarkeit der Person, Gerechtigkeit, Solidarität und personelle Verantwortung charakterisiert ist.“ (Slavorum Apostoli Nr. 26 u. 27)

Schlussendlich bilden die Slawenapostel eine „geistige Brücke zwischen der östlichen und westlichen Tradition, die beide in der einen großen Tradition der universalen Kirche zusammenfließen. Sie sind Beispiele und zugleich Fürsprecher in den ökumenischen Bestrebungen der Schwesternkirchen des Ostens und Westens, um durch Dialog und Gebet die sichtbare Einheit in der vollkommenen und umfassenden Einheit wiederzufinden.“ (Ebd. Nr. 27)

Zu Gast bei Freunden in Panama

Fünf Jugendleiter aus der Pfarrei Postbauer-Heng – Tobias Roth, Stephanie Sigl, Thomas Meier, Christiane Kraus und David Hink – haben im Vorfeld des Weltjugendtages die Tage der Begegnung bei Gastfamilien in der Pfarrei Almirante in Panama verbracht. Hier berichten sie über ihre Erlebnisse.

……

Die Tage in unserer Gastpfarrei Almirante bei den „Tagen der Begegnung“ sind leider schon vorbei. Von unseren Gastfamilien wurden wir sehr herzlich aufgenommen, sie haben sich um alles gekümmert. Wir wurden mit Plakaten, Schildern und Luftballons am Haus begrüßt und regelrecht erwartet.

Auf dem Foto mit der Panamaerin in der Mitte, sind wir, die Kolumbianische Gruppe und Schwester Claudia aus Guatemala, die die Tage der Begegnung organisiert hat.

In der Pfarrei feierten wir und Pilger aus Kolumbien, Brasilien, Argentinien und Uruguay zusammen mit den Panamaern. Die Stimmung war ausgelassen, es wurde viel getanzt und gesungen. Am ersten Tag standen ein Willkommensgottesdienst und ein Abendessen bei den Familien auf dem Plan. Es gab Hähnchen mit Ananassoße.

Am zweiten Tag haben wir dann den Ort erkundet und bei einer Fotorallye sind schon Freundschaften entstanden. Dabei haben wir auch den Hafen von Almirante gesehen, bei dem es nur um eines geht: Bananen. Chiquita verschifft von hier aus seine Bananen nach Europa – nach Rotterdam und Rostock. Am Abend gab es eine Talentshow und neben Beiträgen aller Nationen gab es auch traditionelle Tänze aus Panama, bei denen alle mitmachten. Am dritten Tag stand ein Besuch auf einer Kakaoplantage an, die von Indigenen betrieben wird. Wir konnten erfahren, wie die Produkte angebaut und auch fair vermarktet werden können.

Am vorletzten Tag feierten wir auf der Isla Colon in einer Grotte Gottesdienst und entspannten mit unseren neuen Freunden aus der ganzen Welt an der karibischen Playa. Am Abend gab es dann einen bewegenden Kreuzweg durch den Ort mit Statements der Gastfamilien und der Pilger.

Die Tage in Almirante waren besonders bewegend, weil innerhalb von wenigen Tagen Freundschaften mit Leuten aus verschieden Ländern entstanden sind. (Stefanie Sigl)

Am Sonntag sammelten sich alle Pilger aus der Prälatur zu einem großen und sehr frohen Gottesdienst und dann hieß es Abschied nehmen von unseren Freunden. Mit einer Gruppe aus Kolumbien wollen wir uns aber auch nochmal in Panama-Stadt treffen.

Wir wurden von unseren Gastfamilien sehr herzlich aufgenommen und haben uns wirklich als Teil der Familie gefühlt. Unsere Gastmutter meinte: „Now you have a home, far away from home“. (Christiane Kraus)

Gruppenfoto vor der Kathedrale von Panama

Nach einem Sicherheitscheck des Busses ging es dann 14 Stunden Übernacht unter Polizeischutz nach Panama-Stadt. Hier sind wir alle fünf bei einer sehr netten Gastfamilie untergebracht, die uns schon durch die Stadt geführt hat und wo wir mit leckerem Essen verwöhnt werden.

Heute Nachmittag steht nun der Eröffnungsgottesdienst des WJT an der Cinta Costera an und wir bereiten uns gerade vor.

Ein besonderes Epiphaniefest in Konstantinopel

Das griechische Wort „epiphaneia“ = Epiphanie (Erscheinung) bezeichnet nach Aussagen der Lexika „einerseits das Erscheinen einer heilsbringenden Gottheit und die Erfahrung ihres rettenden Heilshandelns, andererseits das kultische Auftreten des gottgleichen Herrschers im hellenistisch-römischen Staatskult.“ Sie ist „sowohl die plötzliche Erscheinung eines übernatürlichen Wesens als auch die sichtbare und zeitlich begrenzte Wirkung von Gottheiten und das bloße Bewusstwerden der Nähe des Heiligen“.

Seit dem Neuen Testament und im kirchlichen Sprachgebrauch steht Epiphanie (= die Theophanie oder auch das Jordan-Fest) für die sichtbare und spürbare Erscheinung Gottes in Jesus Christus, die besonders am gleichnamigen Fest – im byzantinischen Ritus am 6. Januar – begangen wird.

In diesem Jahr wurde dieses Fest im Phanar, dem Sitz des Ökumenischen Patriarchats, der ehrenhaft ersten Kirche in der weltweiten orthodoxen Kirchenfamilie, unter einem besonderen Vorzeichen begangen. Denn an diesem Tag kam Mehrfaches zum Erscheinen. Es kamen gleich mehrere wichtige Ereignisse zusammen und wurden in langen orthodoxen Gottesdiensten mit zahlreichen Gläubigen und Pilgern und vor allem mit einer starken Präsenz der Medien gefeiert.

Als Erstes stand das christliche Hochfest selbst im Vordergrund. Im Unterscheid zur Tradition der römisch-katholischen Kirche, die an diesem Tag die Erscheinung Gottes, die Epiphanie in Jesus Christus durch die Anbetung der sterndeutenden Könige aus dem Morgenland begeht, feiern die byzantinischen Kirchen „das Fest der Taufe unseres Herrn, unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus“. Sie feiern die Erscheinung des dreifaltigen Gottes am Jordan im Augenblick der Taufe Jesu Christi: In der Stimme des Vaters aus den geöffneten Himmeln, im Sohne, der zur Taufe in den Jordan hinabsteigt, und im Heiligen Geiste, der als Taube herabsteigt. An diesem Fest ist daher eine Große Wasserweihe vorgesehen – in Konstantinopel/Istanbul mit einer Prozession zum Bosporus verbunden –, was auch in diesem Jahr wie gewohnt der Fall war.

Zusätzlich zu der gottesdienstlich begangenen Epiphanie ist im Phanar am Wochenende 5./6. Januar 2019 auch eine größere Delegation aus der Ukraine erschienen. Zahlreiche Politiker, an deren Spitze der ukrainische Präsident Petro Poroshenko, und kirchliche Würdenträger kamen nach Konstantinopel, um einem Jahrtausendereignis beiwohnen zu dürfen. Denn an diesem Tag hat die orthodoxe Kirche der Ukraine ihre Eigenständigkeit von dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios, dem Ehrenoberhaupt der byzantinischen Weltorthodoxie, erhalten. Die Urkunde darüber, „Tomos über die Autokephalie“ genannt, wurde am Samstag, 5. Januar, im Rahmen eines in Ukrainisch gefeierten Dankgottesdienstes offiziell unterschrieben. Am Sonntag darauf fand die offizielle Übergabe des Tomos im Rahmen mehrerer Gottesdienste, konkret nach dem Verlesen des Festtagsevangeliums zum Fest „Erscheinung des Herrn“ statt. Der gesamte Festgottesdienst dauerte sechs Stunden und wurde in Griechisch und zum Teil in Ukrainisch gefeiert.

Am 15. Dezember 2018 wurde auf Initiative des Ökumenischen Patriarchen in der altehrwürdigen Sophienkathedrale in Kiew die sogenannte Vereinigungssynode aller orthodoxen Bischöfe in der Ukraine zusammengerufen. Auf dieser wurde unter Beteiligung von vielen Bischöfen, Priestern und Laien das neue Oberhaupt der ukrainischen Kirche gewählt, der 39-jährige Metropolit Epiphaniy. Er, dessen Vorname mit dem kirchlichen Fest der Epiphanie aufs Engste zusammenhängt, durfte die Urkunde am 6. Januar in Empfang nehmen und sie noch am gleichen Tag als kostbares Weihnachtsgeschenk zum Heiligen Abend (6. Januar nach dem julianischen Kalender) in die Ukraine bringen. Die Urkunde stellt eine Pergamentrolle dar, die auf dem Berg Athos – mit ikonenhaften Miniaturen umrahmt – mit goldenen Buchstaben kunstvoll und eigens hergestellt wurde. Der Inhalt ist für die orthodoxen Ukrainer natürlich das Wertvollste daran: Er bekundet offiziell, dass die ukrainische Kirche formal allen anderen bisher bestehenden 14 orthodoxen und unabhängigen Landeskirchen gleichgestellt wird. Anders gesagt, die orthodoxe Kirche in der Ukraine wurde offiziell autokephal, also selbständig und selbstverwaltend. Sie wird nun als die 15. autokephale orthodoxe Kirche unter den orthodoxen Schwesterkirchen gezählt. Alle orthodoxen Kirchen der byzantinischen Tradition sind nun vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios von Konstantinopel, dem „ersten unter den gleichen orthodoxen Ersthierarchen“ eingeladen, ja aufgerufen, sich seiner offiziellen Kundgebung über die Autokephalie der orthodoxen Kirchen der Ukraine zuzustimmen.

Äußerst unglücklich mit dem nun besiegelten Projekt der Anerkennung der Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche ist die Russisch-Orthodoxe Kirche, die den Sachverhalt anders beurteilt, da sie die Ukraine zu ihrem Einflussgebiet zählt; man spricht hier von einem sogenannten kanonischen Territorium. Doch aus der Geschichte der Orthodoxie lernen wir, dass die Entstehung einer jeder orthodoxen National- bzw. Landeskirche auf Widerstand stößt. Dies geschieht vor allem deshalb, weil sie immer mit einer Teilung einhergeht: Denn eine größere orthodoxe Struktur oder Einheit soll dabei im Grunde genommen kleiner werden. Und wer wird gerne kleiner? Wer wäre freiwillig bereit, seinen Einfluss einschränken zu lassen bzw. sogar darauf zu verzichten? Daher hat mehr oder weniger jede Gründung einer neuen Kirche zu Spannungen geführt, ja mitunter zur Aufkündigung jeglicher Kommunion- und Kommunikationsgemeinschaft zwischen den einzelnen Zweigen der orthodoxen Kirchen, bis irgendwann der Tag der Heilung, der Versöhnung und Normalisierung der Verhältnisse zwischen den orthodoxen Geschwisterkirchen kommt.

Eine kleine Gruppe von Priestern und Seminaristen des Collegium Orientale Eichstätt nutzte die Möglichkeit der Weihnachtsferien und reiste mit einer spontan organisierten Wallfahrt und Studienreise nach Konstantinopel, um an diesem besonderen und Geschichte schreibenden Epiphaniefest 2019 teilzunehmen. Sie wurden Zeugen von einer mindestens zweifachen Epiphanie und kamen mit vielen unschätzbaren Eindrücken nach Hause zurück. Denn zum einen ist der Herr Jesus Christus ist erschienen, „der sich um der Menschen willen von Johannes im Jordan taufen ließ“. Zum anderen erlebten sie hautnah – neben vielen anderen persönlichen Erfahrungen – die Geburtsstunde einer neuen orthodoxen Kirche, die in der Welt erschienen ist.

Gedenken an die koptischen Märtyrer

„Als kostbare Trauben des Weinstocks Christi seid ihr aller Welt, o Weise, erschienen. In der Zeit der Ernte, als eure Stunde gekommen war, habt ihr eure edle Frucht gezeigt: Gleich einzelnen Beeren der reifen Traube wurden abgeschnitten eure ehrwürdigen Häupter. Nach Westen solltet ihr schauen, als die Sonne ein letztes Mal in eurem Leben unterging, doch im Osten erstrahlte euch Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, und führte euch in das abendlose Licht. Zu Ihm flehet nun, o Märtyrer, auf dass Er uns schenke die Vergebung der Sünden und Sein großes Erbarmen.“

Mit diesen und weiteren liturgischen Gesängen und inhaltlichen Ausführungen gedachte das Collegium Orientale am Samstag, 15. Dezember, in einer Vesper der 21 koptischen Märtyrer von Libyen. Diese koptischen Christen wurden am 15. Februar 2015 durch Kämpfer des sogenannten „IS“ durch Enthauptung ermordet. Das Glaubens- und Lebenszeugnis dieser Männer bildete den Schwerpunkt des diesjährigen Apostelfestes des ostkirchlichen Priesterseminars. An die ökumenische Vesper mit Bischof Dr. Gregor Maria Hanke, den Bischöfen Anba Damian, von den orthodoxen Kopten in Deutschland, und Petro Kryk, von den Ukrainern in Deutschland und Skandinavien, sowie dem Bischof em. Dr. Walter Mixa schloss sich ein festlicher Abend an.

Die Ikone der genannten Märtyrer wurde im Rahmen der Vesper von Anba Damian eigeweiht. Rektor Dr. Oleksandr Petrynko stellte sie den zahlreichen Gästen von nah und fern in Anwesenheit des Künstlers Nikola Sarić bei seiner Einführung und Begrüßung der Gäste vor. Nach den Grußworten und der Vorstellung des Festredners Martin Mosebach durch Generalvikar Isidor Vollnhals erlebte die Festversammlung einen weiteren Höhepunkt des Abends: Der Georg-Büchner-Preisträger Martin Mosebach las aus zwei seiner Werke, unter anderem aus seinem jüngsten Buch „Die 21 – Eine Reise ins Land der koptischen Märtyrer“. Oliver Maksan, Chefredakteur der „Tagespost“, moderierte dankenswerterweise den Abend.

Das Ziel des Abends seitens des Collegium Orientale war es, im 21. Jahr der eigenen Existenz anstelle eines 20-jährigen Jubiläums die Heimatkirchen der Kollegiaten in den Vordergrund zu stellen und die Gäste und Freunde des Eichstätter ostkirchlichen Seminars an deren Glaubensleben in Geschichte und Gegenwart teilnehmen zu lassen.

Die Erfahrungen Mosebachs mit den östlichen Christen bei seinen Aufenthalten im georgischen Kloster Shio Mgwime und in der oberägyptischen ländlichen Heimat der 21 koptischen Märtyrer wurden vom Autor kurzweilig und engagiert vorgetragen. Die Gabe des renommierten Schriftstellers wurde allen deutlich: Mit seinen wortstarken Beschreibungen kann er in die imaginäre Welt der Zuhörer eindringen. Mosebach nahm die Gäste auf seine Reisen in den Osten mit, so dass jeder sich dessen persönliche Erlebnisse sehr lebendig vorstellen konnte. Eine atemberaubende Stille herrschte im überfüllten Universitätshörsaal und am Ende merkte keiner, dass die gut zweieinhalb Stunden plötzlich vorbei waren. Zum Austausch und zur Begegnung gab es zum Schluss beim festlichen Abendessen im Collegium Willibaldinum genügend Zeit.

Der Heilige Geist – ein wahrer Freund

Ein Freund, auf den man sich uneingeschränkt verlassen kann?! Gibt es ihn, den wahren, echten Freund? Und was wären seine Eigenschaften?

Bei einem echten Freund denke ich an eine Person, der ich vollkommen mein Vertrauen schenken kann. Ich kann mich ihm öffnen mit all meinen Freuden und Leiden; dies gilt auch umgekehrt. Er versteht mich, nimmt mich mit, trägt mich mit und hilft mir. Wir schätzen uns gegenseitig, wir fördern und stützen uns. Doch ein wahrer Freund ist auch einer, der mir nicht nur nach dem Mund redet. Er ist auch derjenige, der mich bei allem Verständnis korrigiert, wenn nötig leitet und schützt. Er weist mich auf meine Schwächen hin und wirkt entgegenkommend, verständnisvoll, beugt Gefahren vor. Er nimmt mich in mancher Situation auch vor mir selber in Schutz, indem er mich berichtigt und mit mir versucht, meine Fehler zu korrigieren. Dies macht ihn eben als echten Freund aus. Wir kennen uns durch und durch. Im Regelfall kennt man sich in der Freundschaft besser als in der Verwandtschaft.

Eine grundlegende und noch nie da gewesene Wende im Denken und in der menschlichen Existenz vollzog unser Herr Jesus Christus dadurch, dass er uns Menschen  zu Freunden Gottes machte. „Nicht mehr Knechte nenne ich Euch, … sondern Freunde“, sagte er, der menschgewordene Gott (vgl. Joh 15,15) in seinen Abschiedsworten an seine Jünger. Diese richtete er nicht nur an die Zwölf, an die er sich damals direkt wandte, sondern auch an alle, die ihn in der Taufe angezogen haben (vgl. Gal 3,27). Nicht nur die Zwölf sind seine, Gottes Freunde geworden, sondern „alle, die durch ihr Wort an mich glauben“ (Joh 17,20). Dies sagte Jesus im gleichen Augenblick auch. Und noch mehr: Jesus verspricht eine unerschütterliche Fortdauer seiner Freundschaft mit uns, in der wir zuversichtlich sein dürfen. „Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit“ (Joh 14,16f.). Dieser Beistand, der Freund, begleitet uns durch unser Leben.

Diese Aussage Jesu bildet für meine Begriffe die Grundlage für den einmütigen Zugang der West- wie auch der Ostkirchen zum Heiligen Geist. Damit ist die durch den Tod und die Auferstehung zum Guten gewandelte Beziehung der Menschen zu Gott und untereinander gemeint. Gott ist ein wahrer Freund der Menschheit und der Heilige Geist ist ein Bürge dafür. Beide Charakteristika einer Freundschaft gehören dabei dazu: das Verständnisvolle und das Korrigierende, das Entgegenkommen und das, was Grenzen setzt, die liebevolle und achtsame Zuwendung, aber auch das mahnende, mitunter unangenehme Wort. Der Heilige Geist verbindet in sich diese zwei Eigenschaften, mit denen er von Jesus Christus uns gesandt und geschenkt wird. Er ist Tröster-Freund und er ist ein Freund, der uns in die Wahrheit führt, vor allem in die über uns selber.

So besingt ihn die Westkirche im Lied „Veni creator spiritus“: „Der du der Tröster wirst genannt, vom höchsten Gott ein Gnadenpfand, du Lebensbrunn, Licht, Lieb‘ und Glut, der Seele Salbung, höchstes Gut.  O Schatz, der siebenfältig ziert, o Finger Gottes, der uns führt, Geschenk, vom Vater zugesagt, du, der die Zungen reden macht.“

Auch die Ostkirche steht hier nicht nach. Aus einem ihrer kurzen – daher auch uralten – pfingstlichen Hymnen hat sie gleichsam ein Einleitungsgebet für jeden Tag gemacht und betet ihn in jedem Tagzeitengebet. In diesem wendet sie sich an den Heiligen Geist mit folgenden Worte: „Himmlischer König, Du Tröster und Geist der Wahrheit, der Du überall bist und alles erfüllst, Schatzkammer der Güter und Spender des Lebens: Komm und nimm Wohnung in uns, mach uns rein von jedem Makel, und rette, o Gütiger, unsere Seelen.“ Die inhaltlichen Parallelen zu dem westkirchlichen Liedgut sind für mich unübersehbar.

Möchtest Du Deinen Freundeskreis, falls dies noch nicht der Fall ist, um einen weiteren allmächtigen und wahren Freund erweitern? Dann verrate ich Dir einen Tipp dazu. In der Pfingstzeit ist es möglich, den Heiligen Geist, den Tröster und den Geist der Wahrheit, den wahren Freund, zu erlangen. Und dies geschieht im Gebet – im Verweilen mit ihm, was für das Entstehen einer jeden Freundschaft gilt. Und sollte der Heilige Geist bereits zu Deinen Freunden gehören, so ist die Pfingstzeit ein gut geeigneter Moment, Deine Freundschaft mit ihm zu vertiefen und seinen tröstenden und wahren Worten aufmerksam zu lauschen.