Kategorie-Archiv: Religion

Fastenzeit: Gott ist da

Heilfasten, Smartphone Fasten, selbst Autofasten gehen ohne religiöse Grundhaltung. Trotzdem sind solche Verhaltensänderungen gut. Grundsätzlich befreit Verzicht den Menschen; einmal von sich selbst und Überflüssigem und macht ihn offen für Neues. Loskommen von Abhängigkeiten, das kann eine Befreiung sein.

Die Fastenzeit hat gerade begonnen und wir sind aufgerufen zur Umkehr. Fasten kann dazu eine Hilfe sein. Umkehr ist nichts anderes als das Leben vor Gott transparent zu machen; vor ihm, der uns ohnehin durch und durch kennt. Oberflächlichkeit, Selbstbetrug und andere Irrwege stellen sich leicht in unserem Leben ein und das Leben wird ziellos und leer. Die Fastenzeit ist deshalb eine Einladung, an Gott mehr die Kontrolle meines Lebens abzugeben. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Mit ihm zusammen gelingt das Leben. Gnade ist, wenn ich erfahre, dass ich von ihm abhänge und nicht von Menschen und Dingen. Gott ist da.

Beim Fasten werden wir wieder mehr unserer tiefen Sehnsucht nach Glück bewusst. Da wir aber nicht erkennen, dass sie Sehnsucht von Gott stammt und nur mit ihm beantwortet werden kann, irren wir durch das Leben. Die „Welt“ wirbt mit Konsum, Selbstverwirklichung und Wellness und ist fürwahr keine Hilfe. Sollten wir deshalb nicht die „Welt“ fasten, um Gott besser wahrzunehmen? Im Psalm 16 heißt es so wunderbar: Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir. Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr; mein ganzes Glück bist du allein.“

Fasten im Südsudan

In meiner Wahlheimat Südsudan ist Fasten ein Luxus. Es fehlt am notwendigsten. Meiner Erfahrung nach ist dort das Fasten aus religiösen Gründen nicht sehr ausgeprägt. Für die Katholiken gilt natürlich auch die Fastenzeit. Immer wieder habe ich einzelne Personen angetroffen, die für ein Anliegen oder für den Frieden gefastet haben. Mehr ausgeprägt ist das Fasten der Muslime. Zur Zeit des Ramadan essen die Muslime nur nach Sonnenuntergang und immer gemeinschaftlich. Tagsüber werden weder Flüssigkeit noch Speisen eingenommen. Und das wird sehr ernst genommen.

Die derzeitige Trockenheit ist schon schlimm und der desaströse Krieg macht die Lage aussichtslos. Mehr als eine Million Menschen hungern jetzt schon und bis zur Regenzeit ist es noch lang. Erst dann gibt es wenigstens wieder etwas Grüngemüse und Blätter. Während die Menschen leiden, hoffen sie auf Hilfe vom Himmel. Sie hoffen auf Gott, dass er ihnen Regen und Sicherheit schickt und auch auf die Flugzeuge, die Nahrungsmittel abwerfen. Letztendlich erleben die Menschen in dieser Situation, dass sie von Gott abhängen. Gott ist da. Denn er schickt Regen und Hilfe, selbst wenn diese vom Welternährungsprogramm stammt.

Ein Aufblühen ganz gegen den Trend: Neues geistliches Leben in der norwegischen Diaspora

Im Rückblick auf unsere Reise mit dem Bonifatiuswerk im November 2016 nach Trondheim fällt mir auf, welch bedeutende Rolle die Klöster und Ordensgemeinschaften in Norwegen spielen: sie sind wie Leuchttürme des Glaubens in einem Land, wo katholische Christen weit verstreut leben. Das Bilden von Gemeinden wird immer mühsamer, je weiter man in den Norden kommt:  im Bistum Oslo  (das ganz Südnorwegen umfasst)  leben immerhin ca. 140.000 Katholiken, im Stift Trondheim  (Mittelnorwegen)  ca. 15.000 Katholiken, im Stift Tromsø  (Nordnorwegen) gerade mal ca. 5.000 Katholiken, so viel wie in unserer Heimatpfarrei St. Walburga in Nürnberg-Eibach – nur dass sich bei uns die Katholiken auf eineinhalb Stadtteile verteilen und in Stift Tromsø  auf eine Fläche von 112.000 km² (mehr als Bayern und Baden-Württemberg zusammen).

Drei Klöster im Trøndelag – der historisch gewichtigen Region um Trondheim – durften wir kennen lernen: das Kloster der Birgitten in Tiller, das Tautra Mariakloster und das Munkeby Mariakloster.  Jede Kommunität ist auf ihre Art individuell und beeindruckend. Was sie eint: dass sie Orte gelebter Gastfreundschaft sind, wo Menschen unabhängig von ihrer Nationalität und Religion Aufnahme finden, dass sie Raum bieten für Stille und Sinnsuche, dass hier in Gemeinschaft und verlässlich gebetet wird und die Suche nach Gott achtsame Begleitung erfährt.

Die Wurzeln von Tautra und Munkeby reichen zurück bis ins Mittelalter. Im Gefolge von Olav Haraldsson, dem  zum Christentum bekehrten Wikinger und späteren König, kamen die ersten Missionare ins Land und gründeten Stützpunkte, um den christlichen Glauben einzupflanzen. Nicht selten suchten sie die Nähe zur politischen Macht. Das Kloster auf der Insel Tautra wurde 1207 bewusst in der Nähe des  „Frosta-Thing“ errichtet, einer sehr frühen Rechtsinstitution aus dem 4.-9. Jahrhundert.  Das Kloster Munkeby (= „Platz der Mönche“) nahe Levanger war der nördlichste Vorposten der Zisterzienser überhaupt. Seine Gründung wird auf die Zeit zwischen 1150 und 1180 datiert. Es lag an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen und nahe bei Stiklestad, wo König Olav im Kampf getötet wurde.  Die Bewohner des  Trøndelag profitierten in vielfacher  Hinsicht von den Kenntnissen der Mönche: diese waren Spezialisten auf dem Gebiet der Be- und Entwässerung, der Fischzucht, der Landwirtschaft, der Metallbearbeitung, auch der Medizin und Rechtskunde. Zudem beherbergten sie Pilger.  1531 wurde Tautra  im Zuge der Reformation aufgelöst und das Klostergebäude verkauft. Heute liegt es in Ruinen wie das alte Munkeby. Doch zurück zur Gegenwart und den Neuaufbrüchen!

Wir beginnen unsere Drei-Klöster-Tour in Tiller, einem Vorort von Trondheim.  Kloster und Kirche der Birgitten wurden in den Jahren 2009-2011 mitten in einem Neubaugebiet errichtet. Die Gründung erfolgte 1998 von Italien aus; die Nonnen lebten zunächst an einem anderen Ort, bevor der Neubau zur Verfügung stand.  Von Anfang war der Konvent multinational wie die meisten anderen Klostergründungen. Neun Schwestern aus Italien, Mexiko, Indien und Polen leben heute in Tiller – keine Norwegerin.

Sr. Deepa empfängt unsere Gruppe und führt uns durch die Kirche und das Kloster. Die Birgitten sind ein kontemplativer Orden; ihr Tagesablauf gliedert sich durch das Chorgebet, die Hl. Messe, die Anbetung. Die Schwestern verdienen ihren Lebensunterhalt, indem sie Gäste beherbergen  und Pilger aufnehmen. Mit besonderem Engagement widmen sie sich dem ökumenischen Dialog: sie empfangen Gruppen und Schulklassen, veranstalten Einkehrtage und Glaubenskurse. Der Konferenzraum ist gleichermaßen für die Katechese eingerichtet (mit fest installiertem Beamer) wie für den obligatorischen „Kirkekaffe“. Für ein tiefer gehendes Gespräch oder einen längeren Aufenthalt bleibt leider keine Zeit, denn am Mittag desselben Tages findet die Einweihung der katholischen Domkirche St. Olav statt.

Am nächsten Tag brechen wir in aller Frühe nach Tautra auf. Die Insel liegt nur 25 km (Luftlinie) weit von Trondheim entfernt – doch auf der Straße wollen die Ausbuchtungen des Trondheimfjords umfahren werden, so dass es letztlich 80 km sind. Die Ruinen des alten Klosters liegen im Norden der Insel, das neue Tautra Mariakloster im Westen.  Dort leben vierzehn Trappistinnen (= „Zisterzienserinnen der strengen Observanz“) aus acht verschiedenen Nationen in Stille und im Gebet.

Das Grundstück grenzt direkt an den Trondheimfjord. Kirche und Kloster sind ganz aus Holz und Glas gebaut; die Außenwände wurden mit dünnen Steinplatten verblendet. Der ungewöhnliche Bau von Jan Olav Jensen wurde mit fünf internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet. Das Dachgebälk lässt den Himmel durchscheinen und die Sonne zaubert immer neue und bewegliche Schatten-Muster auf den Boden und die Wände. Unvergleichlich ist der Blick auf den Fjord an der Stirnseite. Die Tür der Kirche steht von vier Uhr morgens bis acht Uhr abends offen.  Es kommen viele Gäste, die die Stille suchen, die am Gebet teilnehmen. Die wenigsten sind katholisch.

Gegründet wurde das neue Tautra im Jahr 1999 von der Abtei Our Lady of the Mississippi, Iowa, mit einer norwegischen Schwester aus Wrentham (USA) und einer weitern aus Laval (Frankreich). Im Gespräch erfahren wir, dass bei der Neugründung  ein zweiter Ort zur Debatte gestanden war: Thibirine im Atlasgebirge, wo 1996 sieben Trappistenmönche während des algerischen Bürgerkrieg verschleppt und umgebracht wurden. Die Entscheidung fiel schließlich für den hohen Norden.  Sieben Jahre lang lebten die Schwestern in einem Übergangsbau, der heute als Gästehaus dient. Im Jahr 2006 konnten die Schwestern das neue Kloster beziehen. Zwei „Tage des offenen Klosters“ hatten die Schwestern damals geplant – das Interesse war so groß, dass zwölf Tage daraus wurden!

Inzwischen haben die Gründerinnen Zuwachs aus der ganzen Welt bekommen: aus den Niederlanden, England, Polen, Belgien und Hongkong. Mit der Gemeinschaft feiern wir die Eucharistie am Christkönigssonntag. Priorin Sr. Gilkrist richtet das Wort an unsere Gruppe und bedankt sich aufs Herzlichste beim Bonifatiuswerk, ohne dessen Engagement der Neubau nicht möglich gewesen wäre.

Zwischen den einzelnen Gebäuden gibt es kleine und größere Höfe. Einer davon wurde als interreligiöser Garten gestaltet, weil sich die Schwestern sehr im Dialog der großen Weltreligionen engagieren. Nach dem Kirkekaffe dürfen wir einen Blick in den Speisesaal tun, der für jede Schwester einen Platz mit Fjordblick bereit hält.  Dann machen wir Halt in der Kosmetikwerkstatt.  Die Schwestern produzieren in Handarbeit Seife, Lotionen und Babypflegemittel und verdienen so ihren Lebensunterhalt. Ihre Erzeugnisse sind nicht nur in Norwegen bekannt. Selbst große, weltweit bekannte Designer und Vertriebe haben versucht, sie in ihre Kollektion aufzunehmen. Doch die Schwestern wollen ihre Produktion nicht um jeden Preis ausweiten; es geht ihnen nicht ums Geld.

Nur schwer können wir uns von diesem zugleich so stillen und lebendigen Ort trennen. Doch es steht ja noch eine dritte Ordensgemeinschaft mit origineller Genese auf der Agenda: die Trappisten von Munkeby.

Als Tautra eingeweiht wurde, verbrachte Frère Joel, ein Mönch aus Citeaux, dort eine Sabbatzeit. Beeindruckt vom Wagemut der Schwestern und vom Interesse der Bevölkerung, fuhr er zurück nach Frankreich mit einem „Floh im Ohr“: der Idee, dem Frauenkloster im hohen Norden ein Männerkloster zur Seite zu stellen.  Er musste harte Überzeugungsarbeit bei seinem Abt und dem Konvent leisten. Erschwerend kam hinzu, dass Frère  Joel zwei wichtige Positionen im Kloster bekleidete: er war der Prior – der Stellvertreter des Abtes – und der Fromager, der Käsemeister.

Heute ist Bror Joel, wie er auf Norwegisch angesprochen wird, der Prior der vierköpfigen Gemeinschaft, die seit 2009 im neuen Munkeby  Mariakloster lebt, betet und gleichermaßen die Tür und das Herz offenhält für alle, die kommen. Drei der Mönche stammen aus Citeaux in Burgund, der vierte kommt aus Irland.

Wieder wurden Werkstoffe der Gegend genommen zum Bau des Klosters. Im Oberstock befinden sich die Kapelle, die Zellen und die Gemeinschaftsräume der Mönche, außerdem einige Gästezimmer.  Die Kapelle ist so winzig, dass sich unsere 32-köpfige Gruppe teilen muss. Die Mönche wurden von ihren Nachbarn herzlich willkommen geheißen und sind geschätzte Gesprächspartner, Ratgeber und geistliche Männer.  Ob es hier auch Katholiken gebe, fragen wir. – Ja, sagt Bror Joel, drüben in Levanger, da gäb’s einen…

Im Untergeschoss befindet sich eine der renommiertesten Käsereien Norwegens.  Durch die Käseproduktion haben die Brüder sofort gute Kontakte zu den norwegischen Nachbarn geknüpft: deren Kühe liefern die Milch für den köstlichen Klosterkäse. Dieser wird sogar im norwegischen Königshaus serviert. Jährlich stellen die Mönche 5.000 dieser Käse mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen her. Immer mehr Menschen besuchen die Mönche – natürlich um Käse zu kaufen, aber auch um auf ihrem Pilgerweg von Stiklestad nach Trondheim hier zu übernachten.

Deshalb sollen das Kloster und die Käseproduktion vergrößert und um eine eigene Kirche erweitert werden. Zehn Mönche sollen dann dort wohnen können. Das jetzige kleinere Gebäude wird dann komplett für den Gästebetrieb genutzt. Der Architekt und die Mönche legen großen Wert auf Nachhaltigkeit, weswegen der Neubau mit Erdwärme geheizt wird.  Auch dieses Bauvorhaben wird maßgeblich durch das Bonifatiuswerk gefördert. –  Und während unserer Baustellenbesichtigung ist es finster geworden und Zeit für die Abfahrt.

Was bleibt an Eindrücken von diesen drei Blitzbesuchen? Dass katholisches Leben in Norwegen bunt und international ist. Dass in Zeiten des Abbruchs Aufbrüche geschenkt werden. Dass Architekten es verstanden haben, Orte mit geistlicher Atmosphäre zu schaffen. Dass mutige Frauen und Männer diese Orte beleben und offen halten als Dienst an den Menschen. Und schließlich: dass die Zuwendungen an das Bonifatiuswerk höchst sinnvoll eingesetzt werden und helfen, dass Katholiken in extremer Diaspora ihren Glauben leben können.

Mehr zum Thema: „Deutlich katholisch, aber nicht ideologisch“: Eindrücke von einer Domweihe in Norwegen

Rückkehr aus Kenia in die Konsumwelt

Zum zwölften Mal durfte ich 2016 Weihnachten in Kenia feiern, was wirklich ein wunderbares Geschenk war. Es war wohl für etliche Jahre auch das letzte Mal, da ich 2017/2018 neue Aufgaben übernehmen soll und nach einigen Monaten in Rom nach Deutschland zurückkehre. Ich weiß noch nicht, was mich erwartet oder was aus diesem Plan werden wird.

Weihnachten in Kenia. Bild: Samuel Ng'ang'a Njoroge, Diözese Runden/Kenia
Weihnachten in Kenia. Bild: Samuel Ng’ang’a Njoroge, Diözese Runden/Kenia

Vielleicht stellen sich ja auch die zwei Jungen Männer, die auf dem Bild vor dem neugeborenen Christkind knien, die Frage, was aus diesem Kind werden wird? Es könnten zwei Pokot sein, die Milch in einer Kürbisflasche mitgebracht haben und sich mit der Familie über das Kind freuen. Ehrlich gesagt habe ich fast ein wenig Angst, in die „Konsumwelt“ zurückzukehren, wo das Wesentliche so leicht verloren geht. Wie ich schon oft geschrieben habe, leben die Pokot ein sehr einfaches Leben, wo der Luxus manchmal darin besteht, ein Bett mit Matratze zu haben und Tisch und Stühle. Natürlich hat sich vieles getan in unserer Gegend. Leute mit Ausbildung, die vielleicht eine Anstellung als Lehrer oder Krankenpfleger erhalten haben, richten sich auch anders ein. Aber für die meisten Pokot ist das Leben noch immer sehr existentiell und unkompliziert.

Zurzeit bin ich noch immer in Chelopoy, der Filiale der Pfarrei Amakuriat tätig. Inzwischen ist unser Pfarrer nach nur einem Jahr nach Nairobi versetzt worden und da ich bald auch die Pfarrei verlassen werde ist nun P. Maciej der Pfarrer in Verantwortung für die ganze Pfarrei. Wir organisieren unsere Pastoral weitgehend unabhängig voneinander, wenngleich wir monatliche Treffen haben in denen wir unsere Arbeit abgleichen. Die drei kenianischen Mitbrüder, die Anfang 2016 zu Diakonen geweiht wurden, sind nun alle Priester.

Priesterweihe beim Volk der Pokot in Kenia. Foto: P. Hubert Grabmann
Priesterweihe beim Volk der Pokot in Kenia. Foto: P. Hubert Grabmann

Nicht nur die Primizen, sondern auch die Priesterweihen fanden jeweils in den Pfarreien der Weihekandidaten statt. So war besonders die Weihe von Abraham Sireu ein unvergessliches Ereignis für unsere Christen in Amakuriat. Etwa 4000 Leute kamen von den umliegenden Pfarreien und deren Außenstationen hier zusammen, um den ersten Pokot-Comboni-Missionar und zweiten Pokot-Priester zu feiern. Es war eine Menge zu organisieren, da alle Leute wegen der Entfernung Übernachtung brauchten. Bis vier Uhr morgens kamen Busse an und mussten Leute zu den verschiedenen Schulen gebracht werden, wo sie dann zum Teil auf dem blanken Boden oder auf Bastmatten schliefen. Trotz der einfachen Unterbringung war die Feier sehr schön und beeindruckte nicht nur unsere Katholiken.

Ende August durfte ich auch an der Silbernen Ordensprofess einer unserer Schwestern von Chelopoy teilnehmen. Die Schwestern feiern ihre Professen jedes Jahr am selben Tag, deshalb kommen natürlich viele Jubilare zusammen. Zu dem Gottesdienst kamen dann auch mehr als 150 Priester und drei Bischöfe aus den Pfarreien und Diözesen Kenias, in denen die Schwestern arbeiten.

Im Juli kam der Regen glücklicherweise noch rechtzeitig zurück für viele unserer Bauern, so dass die Ernte nicht ganz so schlecht war. Aber natürlich sind die Gegenden auch innerhalb unserer Pfarrei ziemlich unterschiedlich. In den Bergen hatten sie gute Ernte, während in den tieferen Lagen der Regen trotzdem nicht genug war und der Mais sehr klein ausfiel dieses Jahr. Im Nordosten Kenias herrscht gerade auch eine verheerende Dürre, an der viele Menschen zu leiden haben. In Amakuriat war der Regen ziemlich gut, während Kacheliba sehr wenig ernten konnte.

Unsere Schulen bekommen Gott sei Dank Mittagessen von der Welthungerhilfe. Leider geht hier sehr viel verloren wegen der Bestechlichkeit der Behörden etc. Andererseits gibt es in noch sehr vielen unserer Dörfer weder Kindergarten noch Schule. Wir arbeiten daran, solche Situationen zu identifizieren und den Kindern wenigstens einen Kindergartenplatz mit einer warmen Mahlzeit zu ermöglichen. Schulen und Kindergarten brauchen aber auch Wasser, wenn sie etwas kochen wollen. Manchmal bringen die Mütter oder die Kinder selber Wasser mit in die Schule. Aber oft kommt das Wasser von einem Damm oder Wasserloch, das gegen Ende der Trockenzeit immer schmutziger wird und irgendwann austrocknet. So ist auch der Brunnenbau ein weiterer Schwerpunkt, an dem wir neben der Pastoral arbeiten. 2017 möchten wir, wenn möglich, fünf Brunnen bohren, von denen jeder etwa 15.000 Euro kostet. Die Dörfer sollen 10% der Kosten selber tragen, der Rest soll dann von Organisationen, Freunden und anderen Quellen gedeckt werden. Um diese Vorhaben zu begleiten und um sicherzustellen, dass die Lehrer an den Schulen auch wirklich unterrichten, ist es unumgänglich, die Dörfer regelmäßig zu besuchen.

Was die Pfarrarbeit angeht, so arbeiten wir daran, die Seelsorge in den Teilpfarreien weiter voranzubringen. Wir haben festgestellt, dass es uns in Dörfern an Katholiken fehlt, die in irgendeiner Weise ausgebildet sind; oft können auch nicht einmal die Vorstände schreiben oder lesen. So möchten wir 2017 unsere Wortgottesdienstleiter und Katecheten verstärkt zu besonderen Fortbildungen schicken und auch die Vorsitzenden der Teil-Pfarrgemeinderäte und katholischen Vereinigungen über ihre Aufgaben mehr aufklären. Da ich ziemlich lange brauche, meine 30 Außenstationen in der Chelopoy Filiale zu besuchen, haben die Freikirchen und Sekten leichtes Spiel und verunsichern unsere Leute sehr. Oftmals reden sie schlecht über die Katholische Kirche, sprechen ihr sogar den Status einer Kirche ab und werben mit ihren Keyboards und Lautsprechern auch immer wieder einige unserer Leute einfach ab. Es ist wichtig präsent zu sein, gute Seelsorge zu machen und auch in humaner und sozialer Weise tätig zu sein. Die Priesterweihe von Abraham war sicher ein wichtiges Ereignis, das unseren Christen viel neue Kraft gegeben hat. So hoffen wir, dass es gut weitergehen wird und unsere Pfarrei langsam weiterwächst.

Ich werde wahrscheinlich im Juni nach Deutschland kommen. Ich bin dann auch gerne bereit in Schulen oder in Pfarreien über Kenia zu erzählen. Scheut euch nicht, mich zu kontaktieren.

Nochmals möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die sich Sorge um unsere Arbeit machen und uns unterstützen. Möge es euch Gott vergelten.

„Deutlich katholisch, aber nicht ideologisch“: Eindrücke von einer Domweihe in Norwegen

Das Datum hätte nicht passender sein können: genau an dem Wochenende, an dem das Bonifatiuswerk deutschlandweit um Spenden für die Christen in der Diaspora bat, wurde in Trondheim/Norwegen die katholische Domkirche St. Olav geweiht. Ihr Bau wurde maßgeblich durch das Bonifatiuswerk unterstützt. Mein Mann und ich durften zusammen mit einer deutschen Reisegruppe bei diesem festlichen Anlass zugegen sein.

Norwegen ist wahrhaftig Diaspora:  Unter den rund 5 Millionen Einwohnern leben etwa 160.000 Katholiken, das entspricht gerade mal 3,2 Prozent.  Die Norweger unter den Katholiken machen nur 15 % aus. Die anderen 85 % haben einen Migrationshintergrund, kommen zumeist aus Polen, von den Philippinen, aus Vietnam, Äthiopien, Eritrea. Bischof Bernt Eidsvig aus Oslo, als Apostolischer Administrator auch für Trondheim zuständig, sagt: „Bei uns ist jeden Sonntag Pfingsten!“  Auf dem Gebiet der Territorial-Prälatur Trondheim (56.458 qkm – im Vergleich dazu: Bayern hat rund 70.000 qkm) gibt es fünf Pfarreien, in denen 12 Priester die Seelsorge an den knapp 15.000 Katholiken zu bewältigen haben.

Die Domgemeinde St. Olav  ist mit 5500 registrierten Mitgliedern etwas größer als unsere Heimatpfarrei St. Walburga und darf sich freuen über kontinuierlichen Zuwachs. – Ich versuche mir vorzustellen, was das für die Zusammensetzung der Gemeinde bedeutet:  825 Einheimische auf 4675 Gastarbeiter oder Flüchtlinge – kann der katholische Glaube bei so einem „steilen“ Verhältnis genug integrative Kraft entfalten?  Tatsächlich bestätigt die Bürgermeisterin von Trondheim, die Dompfarrei St. Olav sei ein vorzüglicher Ort der Integration! – Auch wir erleben bei der Domweihe eine bunte Mischung – Ordensleute, Ministranten, Festgäste, Gemeindemitglieder aus aller Herren Länder (goldig: die drei Sprösslinge einer philippinischen Familie mit Krawatten in den norwegischen Landesfarben) – und ein fröhliches, unkompliziertes Miteinander. Die Liturgie nimmt auf diese Internationalität Rücksicht: es wird im gelenkigen Wechsel  norwegisch, lateinisch und englisch gebetet und gesungen; ein deutscher Wortbeitrag richtet sich speziell an unsere Gruppe vom Bonifatiuswerk.

Eigentlich beginnt die Geschichte der Trondheimer Domkirche auf der gegenüber liegenden Straßenseite: dort steht der altehrwürdige Nidaros-Dom. An dieser Stelle wurde vor fast 1000 Jahren  ein Holzkirchlein als Grabstätte für König Olav Haraldsson errichtet, der auf einem Wikingerzug bis nach Nordfrankreich kam. In Rouen überwinterte er, lernte das Christentum kennen und ließ sich schließlich taufen. Der von ihm importierte und propagierte neue Glaube konnte sich nur schwer durchsetzen. Olav selbst kam 1030 in der Schlacht von Stiklestad ums Leben. Bald setzten Pilgerströme zu seinem Grab ein. Wegen des Olavsschreins gilt die Kathedrale – seit der Reformation lutherisch – als „Herz Norwegens“ und war bis ins 20. Jh. Krönungskirche der norwegischen Könige. Zwar werden die Monarchen Skandinaviens heute nicht mehr gekrönt, erfahren wir. Aber das Königspaar komme verlässlich einmal im Jahr nach Trondheim, und dann sei die riesige Kirche auch voll. Und Pilger kämen natürlich, heute mehr denn je.

Die neue katholische Domkirche St. Olav nimmt sich gegenüber dem prächtigen Nidaros-Dom schlicht und solide aus. (Ein Vorgängerbau aus den 70er Jahren war nicht mehr zu retten.) Im Grundriss ist sie einer römischen Basilika nachempfunden. Das Baumaterial ist so international wie ihre Besucher. Wir dürften uns wie zu Hause fühlen, versichert man uns, denn die Bodenfliesen seien aus Juramarmor und die Ziegel ebenfalls deutscher Herkunft. Die dänischen Fliesen und schwedischen  Steine wären teurer gekommen. Der Beichtstuhl sei ein Geschenk aus Dol-de Bretagne (Frankreich), der Stein für den Altar komme aus Carrara/Italien. Die Kirchenbänke seien in Polen hergestellt  worden – immerhin hätten norwegische Physiotherapeuten das Aufmaß zum ergonomisch Besseren hin verändert, schmunzelt Dompfarrer Egil Mogstad beim Domrundgang mit unserer Gruppe.

Sonntags gibt es einen dichten Gottesdienst-Takt in St. Olav: um 9 Uhr in Latein („Wir sind doch die Domkirche!“), um 11.00 Uhr in Norwegisch, um 13.00 Uhr in Polnisch, um 15.00 Uhr abwechselnd in Vietnamesisch und Tagalog, um 18.00 Uhr in Englisch; die Gottesdienste sind allesamt gut besucht. Hinterher trifft sich die Gemeinde in den sehr zweckmäßig ausgestatteten Gemeinderäumen zum „kirkekaffe“, dem „8. Sakrament“, wie man in Skandinavien augenzwinkernd sagt. Für die wenigen Katholiken zählt die Gemeinschaft umso mehr.

Der Weihegottesdienst am 19. November dauert satte drei Stunden und fesselt von Anfang bis Ende. An das Taufgedächtnis und die Wortverkündigung mit den kraftvollen Lesungen des Kirchweihfestes schließen sich das feierliche Credo und die Allerheiligenlitanei an. Mithilfe des Textheftes finden wir die Heiligen des Landes und der Region heraus:  Der Hl. Olav natürlich (er wird gleich dreimal angerufen), Hallvard, Magnus, Sunniva, Eystein, Thorfinn. Kardinal em. Cormac Murphy-O’Connor, der Abgesandte des Papstes, setzt Reliquien des Hl. Olav in den Altar ein, salbt ihn mit Chrisam und inzensiert ihn mit Weihrauch. Dann werden die 12 Apostelkreuze gesegnet und angebracht, ebenso die Leuchter. Bei der musikalischen Begleitung wechselt sich die Orgel mit der aus Frauen bestehenden Schola Sancta Sunnivae ab (norwegische Gregorianik und ein strahlender „Ingressus Solemnis Regis Olavi“) und den Buben und Männern des „Nidarosdomens guttekor“, die Teile aus der „Messe solennelle op. Nr. 16“ von Louis Vierne singen und das zu Herzen gehende „Som en brudgom“ von John Rutter. Der Kardinal emeritus bringt es am Schluss auf den Punkt: „What a wonderful liturgy in a wonderful church!“ und erntet ein hörbares Schmunzeln, als er hinzufügt: „I‘ll recommend Pope Francis: If you don’t have anything better to do, go to Trondheim!“

Manches kommt uns deutschen Katholiken im Nachsinnen über die Kirche und den Weiheakt ein wenig altmodisch vor:  Ein barock anmutender Baldachin aus grünem Samt markiert den Bischofssitz. Priester und Bischöfe tragen Rochetts mit breiten Spitzen, die Kapläne den Talar und darüber einen schwarzem Umhang, sogar ein Birett auf dem Kopf. Statt nüchterner Flambeaus bringen die Ministranten zum Sanctus eine Art Laternen aus Buntglas auf Tragestangen; ein Schirm aus Goldstoff dient als „Himmel“ bei der Übertragung des Allerheiligsten. Ein „Speisgitter“ (Kommunionbank) trennt Altarraum und Kirchenschiff. Hätte man da nicht auch ein wenig moderner sein können?  Dompfarrer Mogstad beruhigt uns: In Norwegen sei man zwar deutlich katholisch, aber nicht ideologisch. Für die Kommunionbank habe man sich z.B. auch aus praktischen Gründen entschieden, weil der Dom den ganzen Tag offen bleiben solle, für Touristen ebenso wie für Beter. Durch das Gitter werde der Altarraum als „heiliger Bereich“ markiert. Man lege großen Wert auf den Ritus, auf eine festliche Liturgie und auf eine verlässliche Lehre  – das werde (in Abhebung zur lutherischen Kirche)als „katholisch“ wahrgenommen. Aber wohlgemerkt: Nicht ideologisch!

Der festliche Tag klingt mit einem Empfang in einem nahe gelegenen Hotel aus, da das neu erbaute Gemeindezentrum die Zahl der Gäste nicht annähernd fassen könnte. Eine Trommelgruppe aus Äthiopien empfängt uns mit rhythmischen Gesängen. In der Schlange vorm kalten Büffet mischen sich nicht nur geborene und zugewanderte Norweger/innen mit Gästen aus der halben Welt, sondern auch Kleriker und Laienleute.  Wir stehen hinter dem Bischof von Reykjavik, der mit seinem dunkelroten Vollbart aussieht wie ein Nachfahre der Wikinger – weit gefehlt, er ist ein slowakischer Kapuziner. Eine junge Dominikanerin fällt mir auf, weil sie – sehr passend zu den Farben ihres Ordensgewandes – eine schwarz-weiße Wolljacke mit Norwegermuster unterm Skapulier trägt. Ich spreche sie lächelnd an: „A norwegian nun in a norwegian  sweater!“ – und erfahre, dass sie aus Polen stammt….

Überhaupt sind die Ordensleute in Norwegen eine ganz besondere Spezies!
Aber davon soll in einem späteren Beitrag berichtet werden.

Weitere Fotos und Informationen zur Reise nach Norwegen gibt es bei einem Vortrag am Sonntag, 22. Januar,  um 15 Uhr im Pfarrheim von St. Walburga, Nürnberg-Eibach.

 

Christliche Werte: Zündstoff oder warme Luft?

Im Blick auf die veränderte Gesellschaftliche Situation verweisen Bundeskanzlerin und Landrat in Ihren Ansprachen zum Neuen Jahr auf die christlichen Werte und wenn rechts-populistische Gruppierungen von den Werten des Abendlandes sprechen, dann meinen sie nichts anderes als diese.

Seit wenigen Wochen bin ich zurück aus dem Südsudan. Ich fahre auf Straßen, die ich nicht gebaut habe, lebe in einem Haus wozu ich vor vielen Jahren beim Bau nur ein wenig beigetragen habe. Es gibt eine Heizung, Krankenversorgung und so vieles mehr. So viele Bequemlichkeiten finde ich vor und nehme sie nicht einfach selbstverständlich. Ich lebe gewissermaßen auf dem Erbe meiner Vorfahren und eigentlich nicht schlecht.

Möglicherweise ist es auch so mit den sogenannten christlichen Werten. Wir sind gewohnt, dass das Gemeinwohl funktioniert, eine Abmachung gehalten wird, Recht und Ordnung eingehalten werden. Die soziale Verantwortung des Staates steht außer Zweifel. Die Glaubwürdigkeit ist ein großes Ideal.

Also alles geerbt? Eine alte Bauernregel, genauer gesagt Goethe, schreibt. „Was du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“.

Wahrscheinlich ist es notwendig, die christlichen Werte immer wieder neu zu buchstabieren und in die Zeit zu übersetzen. Nichts ist selbstverständlich und auf Dauer. Wenn die christlichen Werte nicht immer wieder neu erworben werden – um im Bild der Bauernregel zu bleiben –, dann wird es sie nicht mehr geben. Dann sind sie Muster ohne Wert.

Was aber sind die christlichen Werte? Viele Jahre habe ich Afrika verbracht. Extrem waren die vergangenen drei Jahre mit kriegerischen und militärischen Auseinandersetzung geprägt von Hassreden, Misstrauen und teilweise menschlicher Verrohung. Das ist das Erbe der Menschen im Südsudan nach vielen Jahren Krieg und jetzt Stammeskriegen. Die Fähigkeit zur Rache ist ein Wert, der das Überleben sichert. Nächstenliebe bis hin zur christlich geforderten Feindesliebe ist eine Utopie und passt eigentlich nicht in das Denken. Bei aller Frömmigkeit und Religiosität ist das wahrhaft Christliche nur bei einzelnen, nicht aber in der Gesellschaft aufgebrochen. Das macht den missionarischen Einsatz mühsam, aber umso mehr „Not-wendend“.

So habe ich oft die Abwesenheit der christlichen Werte erfahren und bin zur Überzeugung gekommen, dass nur sie eine bessere Gesellschaft schaffen können. Wüsste ich einen besseren Glauben, dann würde ich diesen hier vorschlagen. Jesus Christus stellt das „Allzu Menschliche“ auf den Kopf und zeigt einen Weg aus dem Teufelskreis des Misstrauens, des Hassens, der Angst, der Eifersucht und des Zukurzgekommenseins.

Christliche Werte sind ein großes Erbe und verweisen mich auf mein persönliches Bekenntnis zum wahrhaft Christlichen. „Jede Generation muss Christus neu entdecken“ sagt Bischof Gregor Maria in der Jahresschlussandacht. Gesellschaftlich relevant werden die Werte in dem Maße, wie ich sie persönlich umsetze und mein Leben danach gestalte. Deshalb habe ich über die Voraussetzungen nachgedacht, wie die Werte in mir und Dir wachsen können. Wenn ich hier ein paar Gedanken bringe, dann aus meiner Erfahrung (gewissermaßen ohne Gewähr).

  • Als erstes habe ich erkannt, dass die Gebote Gottes in Wirklichkeit Angebote Gottes sind. Angebote zu einem besseren Leben.
  • Gelten-Wollen, Haben-wollen und wie Gott-Sein-Wollen bestimmen entscheidend unser Menschsein. Sie sind eine Reflektion der Versuchungen Jesu und die Einfallstore für unsere Sünden und unser Falsch-Verhalten. Sie zu erkennen und an ihnen zu arbeiten ist unsere erste Christenpflicht. Als Gewinn stellt sich eine innere Freiheit ein.
  • Und zuletzt die Bereitschaft zur Wandlung. Sie ist auch Zentrum und Inhalt einer jeden Heiligen Messe. Christus will nicht unseren „Kirchenzehnt“. Er will uns ganz: also 100% statt 10%. Und gerade diese Wandlung fällt uns so schwer und bleibt ein lebenslanger Prozess. Aber nur die Fähigkeit und Offenheit zur Wandlung lässt uns in unserem „Menschwerden“ (Weihnachten = Gott wird Mensch) vorankommen und zum glücklichen Menschen werden. Dann wird der Glaube eine Therapie für mich und meine Mitmenschen und die Kirche wird zum Lazarett, wie es Papst Franziskus fordert.

Christliche Werte wachsen mit dem Interesse und der Liebe zum Glauben. Wir Christen bestimmen welchen Klang, Farbe und Kraft sie für den einzelnen und die Gesellschaft haben. Wir entscheiden, ob sie Zündstoff oder leere Floskeln sind. Wir müssen sie erkennen und vor allem in den Alltag umsetzen; nicht nur vorsichtig und diplomatisch, sondern, wenn nötig, auch radikal und ungeteilt. Wir sind die Hände, die Füße und das Herz Gottes. Hier und heute. Denn:

„Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun.
Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.“
Gebet aus dem 14. Jh.