Kategorie-Archiv: Reise

Pilger als Zeugen der Auferstehung

Tief beeindruckt von den Osterfeierlichkeiten kehre ich mit einer Pilgergruppe gerade von Jerusalem zurück. Das war schon ein besonderes spirituelles Erlebnis, den Leidensweg des Herrn nachzugehen, unter seinem Kreuz zu stehen und seine Auferstehung zu bejubeln.

Ich war sehr gespannt, wie wir das Osterfest in Jerusalem erleben. Ob wir auf den Berg Golgatha hinaufsteigen und das Heilige Grab betreten können oder in der Masse untergehen. Beeindruckend die Gründonnerstagsliturgie mit Fußwaschung bei den Benediktinern in der Dormitio Abtei. Kein Besucherandrang wie an den Heiligen Stätten Jerusalems, sondern eher ein kleiner Kreis von Gläubigen. Und die Liturgie in deutscher Sprache. Ehrfurchtsvoll verfolgten die Pilger die Feier von den vorderen Plätzen aus. Die Teilnahme am Kreuzweg der Franziskaner entlang der Via Dolorosa am Karfreitag ist ein großes Spektakel. Menschentrauben drängen durch die engen Gassen Jerusalems, begleitet von der Weltpresse. Eine innige Andacht kommt nicht auf, wegen der sprachlichen Barrieren und der Geschäftigkeit im Basar. Die Prozession zieht sich in die Länge, reißt ab und ein Teil der Beter kommt zu spät in die Grabeskirche mit den letzten Stationen des Kreuzwegs. Das liegt auch an den Barrieren, die die israelische Polizei zur Sicherheit der Besucher errichtet.

Domvikar Reinhard Kürzinger neben dem Heiligen Grab bei der Osterliturgie. Foto: privat

Ein besonderes religiöses Erlebnis war die Teilnahme an der Osternachtfeier am frühen Morgen des Karsamstags. In der Grabeskirche wird die katholische Osternacht schon am frühen Samstagmorgen gefeiert. Dies geht zurück auf den sogenannten „Status Quo“, ein Regelwerk aus dem 19. Jahrhundert, in dem der Gebetsplan der an der Kirche beteiligten sechs Konfessionen festgeschrieben ist. Weltweit ist das die erste Auferstehungsfeier. Diese österliche Liturgie mit dem der Leiter des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem beginnt um 7.30 Uhr und zieht sich über dreieinhalb Stunden hin, die die Gläubigen stehend verfolgen.

Die Nacht sei gleichermaßen der Moment der Offenbarung Gottes wie auch die Zeit der Angst, des Zweifels, der Einsamkeit und der Gefahr, predigte Erzbischof Pierbattista Pizzaballa. „Ich denke an jene, die wegen der Dunkelheit ihrer Nacht das Licht nicht sehen können: die Nacht unserer Familien, getrennt durch Abwanderung in der Not für Arbeit, gespalten durch kalte und zynische politische Kalkulationen. Ich denke an die Nacht so vieler junger Menschen, die darum kämpfen sich selbst Perspektiven für die Zukunft zu geben, ich denke an die Nacht unserer religiösen Spaltungen, die unsere Beziehungen erblinden lassen, an die neuen Formen der Sklaverei in der Arbeit von Migranten und Flüchtlingen, in vielen Formen der Abhängigkeit“, so der Italiener. Pizzaballa rief die Gläubigen auf, Licht zu sein und das Licht der Osterkerze und des auferstandenen Christus hoffnungsvoll weiterzutragen. „Wir sind das Licht. Es wird kein außerordentliches Wunder von außen kommen“, betonte er. Die Liturgie der Osternacht sei nicht nur eine Erinnerung an das, was Gott an den Vorfahren getan habe, sondern hier und heute ereigne sich Erlösung.

Das Heilige Grab – Innenansicht. Foto: privat

Wenn man es geschickt einfädelt, können die Pilger anschließend das Heilige Grab besuchen.

Am Ostersonntag feierte ich mit der Pilgergruppe den Gottesdienst um 11 Uhr im Dominus flevit und konnte bei diesem herrlichen Panoramablick von der Kapelle auf Jerusalem die Ereignisse von Tod und Auferstehung noch einmal Revue passieren lassen.

Interview mit der tagesschau

Mein Fazit in einem Interview für die ARD: Jerusalem ist für mich die Stadt dreier Weltreligionen. Eigentlich sollte man hier nicht gegeneinander arbeiten, sondern Schritte der Versöhnung aufeinander zu tun – religiös, aber vor allem auch politisch.

Indien – ein Land für alle Sinne

Unter dem Motto – „Die Juwelen Indiens entdecken“ machte sich unsere 34-köpfige Reisegruppe aus der Seelsorgeeinheit Eitensheim, Buxheim und Tauberfeld auf, um dorthin zu reisen, „wo der Pfeffer wächst“. Die Vorfreude, aber auch die Aufregung bei uns allen war schon am Flughafen München deutlich spürbar. Ein erstes Highlight war sicherlich der Flug mit dem weltweit größten Passagierflugzeug, dem Airbus A 380, von München nach Dubai, zumal einige von uns das erste Mal in ihrem Leben überhaupt flogen. Nach einem vierstündigen Aufenthalt nachts am Flughafen in Dubai ging es dann endlich weiter zu unserem ersten Ziel Delhi im Norden Indiens, mit (zumindest offiziell) fast 17 Millionen Einwohnern.

Die ersten Wahrnehmungen dieser Millionen-Metropole waren die durch den Smog „würzige“ Luft sowie der neblig-verschleierte Himmel. Im unglaublichen und unvorstellbaren Straßenverkehr Delhis schließlich angekommen, erschloss sich eine weitere Sinnesqualität: das beständige Hupen von mindestens 20 Fahrzeugen gleichzeitig. Der Straßenverkehr in Indien gleicht einer Extremsportart, die uns auch nach zwei Wochen noch beeindruckte: Vor und auf den Kreuzungen standen mind. 50 Fahrzeuge (hauptsächlich Tuk-Tuks und Mopeds) und es gilt insbesondere eine landestypische Regel: „Egal, wie schnell und wohin du fährst, hupe, um dich anzukündigen.“ Eigentlich eine einfache Regel, die allerdings bei der unglaublichen Fülle an Fahrzeugen (teilweise acht in die gleiche Richtung fahrende Fahrzeuge nebeneinander) doch schnell zur Herausforderung wird und bei uns Deutschen zu neuen Dimensionen der Angst führte – aber Inder haben offensichtlich großes Vertrauen in ihre Multi-Tasking-Fähigkeiten.

Noch abenteuerlicher fühlte sich der Straßenverkehr in Nordindiens Großstädten an, wenn man selbst im wahrsten Sinne des Wortes hautnah dabei ist. So war es in Jaipur der Fall, als wir eine Tour mit Fahrrad-Rikschas durch die Innenstadt machten. Göttlicher Beistand war in dieser Stunde für unsere Gruppe mehr als nötig – doch scheinbar hatten unsere Guides, die für uns unermüdlich in die Pedale traten, genügend Gottvertrauen, so dass wir spontane Wendemanöver mit unseren Rikschas mitten auf der Fahrbahn oder im Kreisverkehr alle wohlbehalten überstanden.

Wer durch Indien reist, kommt mit einer Überfülle an Erinnerungen im Gepäck wieder zurück. Die Eindrücke können überwältigend schön und zugleich verstörend oder deprimierend sein. Das war vielen von uns durch Berichte und Erzählungen von Bekannten und Freunden schon bekannt. Darauf, die Gegensätze dann auch wirklich hautnah zu erleben und zu erfahren, konnte man sich jedoch nicht wirklich vorbereiten. Wahrscheinlich in kaum einem anderen Land ist man mit einer so großen Armut der Bevölkerung konfrontiert wie in Indien. Teilweise breitete sich eine Stille und auch Betroffenheit in unserem Reisebus, mit dem wir die Städte erkundeten, aus, angesichts der (einfachsten) Zustände, in denen ein Großteil der Menschen dort lebt – auf Matratzen am Straßenrand, umgeben von Müll und streunenden Hunden. Das rückt den eigenen Wohlstand und den Wert eines eigenen Daches über dem Kopf schnell wieder in ein anderes Licht. Vor diesem Hintergrund jedoch umso beeindruckender war die aus den Menschen selbst heraus kommende Freude am Leben und Dankbarkeit für das, was sie haben, zu erleben. Egal wo wir uns in Indien befanden – Nord oder Süd – mit unserem Reisebus fielen wir für indische Verhältnisse schon von Weitem ins Auge. Lassen wir uns in unserer westlichen Welt oft schnell von (sozialem) Vergleich leiten, reagierten die Inder, jung wie alt, mit großer Freude und Begeisterung auf uns, lachten und winkten uns zu. Von Neid oder Missgunst auf unseren weitaus höheren Lebensstandard keine Spur! Diese Erfahrung in diesen zwei Wochen immer und immer wieder machen zu dürfen, war sicherlich eine der berührendsten und definitiv bleibenden Erinnerungen.

In unserer ersten Woche im Norden Indiens besuchten wir die Städte Delhi, Agra und Jaipur und besichtigten eine Fülle unterschiedlicher Denkmäler, wie beispielsweise beeindruckende Hindutempel, Moscheen, große Festungsanlagen („Forts“) sowie das Grabmal „Taj Mahal“, auf dessen dahinter liegende Geschichte wir am Abend zuvor in einer Art Operette bzw. Musical, einer sog. „Kalakriti“-Show, musikalisch und mit vielen beeindruckenden Kostümen eingestimmt wurden.

Auf den Backwaters von Kerala

Nach dieser ersten Woche im Norden flogen wir nach Cochin in den Süden des Landes. Von Pater Praveen Job, Kaplan in Buxheim, Eitensheim und Tauberfeld, wurden wir bereits darauf eingestimmt, dass uns im Süden „ein ganz anderes Indien“ erwarten würde, was unsere Vorfreude auf das Bundesland Kerala, der Heimat unseres Paters, steigen ließ. Während wir im Norden viele religiöse Baudenkmäler besichtigen und vieles über die zahlreichen verschiedenen Religionen in Indien erfahren durften (u.a. Hinduismus, Islam, Christentum, Sikhismus, Buddhismus), lernten wir Indien schließlich von einer neuen Seite kennen, mit einer vielfältigen und bunten Natur und Pflanzenwelt. Im Gegensatz zu den nördlichen Bundesstaaten Indiens könnte man das Leben im Süden als langsamer und entspannter beschreiben, der Lebensstandard ist deutlich höher und die Menschen dort sind vergleichsweise wohlhabend.

Wir erkundeten Kerala zu Land wie auch zu Wasser. Einer der Höhepunkte war die Fahrt mit einem Hausboot auf den Backwaters von Kerala, die als eine der wichtigsten Handels- und Verkehrswege dort dienen. Es stellte sich sofort ein Gefühl von Urlaub ein, als wir bei Sonnenschein, fast 30 Grad und einem leichten Wind durch die Backwaters glitten, frisches Kokoswasser tranken und Kokospalmen, Reisplantagen und heimische Vogelarten sahen. Auch bereitete ein Koch extra für unsere Gruppe an Bord ein typisch indisches Essen mit Reis, Fisch, Fleisch und verschiedenen Soßen zu.

Wie schmeckt eigentlich Indien?

Auf jeden Fall intensiv und mit einer reichen Fülle unterschiedlichster Gewürze. Die Frage lässt sich jedoch nicht einheitlich beantworten, da sich der Geschmack von Region zu Region unterscheidet, im Norden schmeckt es anders als im Süden. Neben scharfen und milden Currys auf Sahne- oder Kokosmilchbasis, probierten wir auch die verschiedenen indischen Fladenbrote oder Masala-Tee, einen gewürzten Milchtee.

Was unseren Aufenthalt im Süden des Landes auf eine ganz besondere Art bereicherte, war das Kennenlernen der Familie unseres Paters. Wir wurden von seiner gesamten Familie (den Eltern, der Familie des Bruders sowie Tante und Onkel) zu einem Mittagessen eingeladen und bereits bei der Ankunft von seiner kleinen Nichte mit liebevoll selbstgebastelten Blumen sehr herzlich begrüßt. Anhand der Art und Weise, wie wir von allen Familienmitgliedern mit im wahrsten Sinne des Wortes offenen Armen empfangen wurden und auch anhand des aufwändig gekochten Buffets mit sehr leckerem indischen Essen erlebten wir nicht nur eine große Gastfreundschaft und Herzlichkeit seiner Familie und Stolz auf ihre indische Kultur. Sie drückten so auch ihre große Wertschätzung und Liebe für Pater Praveen und seinen Beruf aus, was berührend war miterleben zu dürfen.

Gruppenfoto mit Katholiken in Indien. Foto: Julia Sangl

Bei Katholiken in Südindien

Einen weiteren, sehr persönlichen Einblick in sein bisheriges Leben in Indien gewannen wir an unserem leider schon letzten Tag der Reise, als wir einen indisch-bayerischen Gottesdienst in der alten Heimatpfarrei von Pater Praveen gemeinsam mit den indischen Katholiken der Gemeinde feierten. Während wir von Zuhause farblich eher dezente, oft mit Gold geschmückte Kirchen kennen, staunten wir angesichts der farbenfrohen Gestaltung der indischen Kirchen. Knallige Farben (grün und pink) und mit Glitzer geschmückte Heiligenfiguren lassen die Gotteshäuser sehr fröhlich und lebendig wirken. Der Gottesdienst selbst wird im syro-malabarischen Ritus gefeiert und zu einem überwiegenden Großteil mit Gesängen und Musik begleitet. Der Begriff „syro-malabarisch“ ist eine Kombination aus den beiden Wörtern syrisch und malabarisch. Der heutige indische Bundesstaat Kerala wurde früher als Malabar bezeichnet. Die Liturgische Sprache war damals Syrisch. Heute wird anstatt Syrisch die Landessprache Malayalam in der Liturgie verwendet.

Es war schön zu sehen, wie viele Kinder und Jugendliche den Gottesdienst besuchten. Das Leben der Religion ist in Indien sehr wichtig. Pater Praveen erklärte uns, dass die regelmäßige Teilnahme am Gottesdienst in Indien sogar Pflicht sei, um später einmal heiraten zu dürfen. Normalerweise beginnen die Gottesdienste am Sonntag bereits um 6 Uhr morgens und dauern mindestens zwei Stunden. Im Anschluss erfolgt der Religionsunterricht für die Kinder. Als Zugeständnis an unsere – was die Gottesdienstzeiten angeht – verwöhnte Reisegruppe wurde der Gottesdienstbeginn an diesem Tag auf 8 Uhr verschoben 😊. Im Anschluss an den Gottesdienst hatten sowohl die indischen Kinder und Jugendlichen als auch wir selbst die Gelegenheit, uns gegenseitig Fragen zu stellen. Diese „Fragestunde“ wurde mit einem gemeinsamen Fotoshooting abgeschlossen. Bei diesem „Fototermin“ wurde wieder einmal die indische Fröhlichkeit und Offenheit deutlich. Während wir uns sehr „brav“ aufstellten, lachten die Kinder und Jugendlichen fröhlich durch die Gegend, schnitten Grimassen für das Foto, machten Späße und alberten herum. Doch nicht nur wir kamen aus dem Staunen angesichts unserer ganzen Eindrücke nicht mehr heraus, auch die indischen Jugendlichen staunten aufgrund der blonden Haarfarbe einiger unserer Gruppe. Da wurden fleißig Fotos und Selfies gemacht – also ein besonderes Erlebnis für uns alle 😊

Es ist schwer, ein Fazit für unsere Reise und dem Land Indien zu finden. Indien ist ein Land der Extreme und Kontraste: Es gibt sehr warme und kalte Orte, dichtbesiedelte Plätze und leere, weite Landschaften, sehr viele arme und im Verhältnis hierzu wenige reiche Leute, scharfes und mildes Essen und noch so vieles mehr… Aber wenn eines auf die Menschen in Indien zutrifft, dann folgende indische Lebensweisheit: „Am reichsten sind die Menschen, die auf das meiste verzichten können.“

„Oh wie schön ist Panama!“

Die Bauarbeiter, die im vierten Stock im noch offenen Zimmer eines Hochhauses stehen, halten in ihrer Arbeit inne, lachen und winken. Denn unten auf der Straße marschiert eine Gruppe ausländischer Pilger vorbei. Auch die Taxifahrer winken und hupen. So zeigte sich Panama-Stadt den jungen Menschen aus 156 Ländern, die zum Weltjugendtag zu Gast waren. Überall war das Logo, ein Herz mit einer stilisierten Muttergottes, zu sehen. Das Straßenbild von Panama-Stadt prägten junge Leute, die in den Straßen tanzten, klatschten, ihre Fahnen schwenkten. 110.000 Dauerteilnehmer reisten an, um eine Woche lang Gemeinschaft im Glauben und Papst Franziskus zu erleben.

Höhepunkt war wie jeden Weltjugendtag die Vigil und die Sonntagsmesse. Am Samstag machten sich die Pilger aus Panama-Stadt auf den Weg zum Campo San Juan Pablo II. im Metro Park südöstlich der Stadt. Dort entstand ein internationales Camp. Die jungen Menschen rollten Isomatten aus, bauten Zelte auf und ließen die Landesfahnen an ihren Lagern wehen.

Da der Weg nicht weit war, waren viele Pilger aus Kolumbien, Guatemala, Nicaragua, Costa Rica und Mexiko angereist. Aus Europa waren die Polen stark vertreten. Nach ihnen kamen die Deutschen mit 2.300 Teilnehmern.

Eine große Gruppe aus Deutschland, 160 junge Menschen, kam mit der „Jugend 2000“ und den Bistümern Augsburg und Eichstätt, bestens organisiert von Biblische Reisen. Für viele von ihnen war der Weltjugendtag vor allem ein spirituelles Erlebnis und die Vigil mit dem anschließenden Rosenkranz ein besonderer Moment. Monika Krause aus Augsburg beschreibt diesen so: „Es kehrt Stille ein, alle schweigen und beten. Man hat richtig gespürt, dass alle im Gebet vereint sind.“ Weihbischof Florian Wörner aus Augsburg erklärte später in einer Predigt: „Ein ganz starker Moment. Der Nachfolger des Heiligen Petrus mit der Jugend der Welt – stellvertretend für die ganze Welt – betend auf diesem Platz.“ In der Dämmerung wurde das Allerheiligste ausgesetzt und die Jugendlichen sanken auf ihren Isomatten auf die Knie. Der Rosenkranz später am Abend war für Philip Rusnak nach einer stressigen, heißen Anreise eine gute Möglichkeit, „nochmals ruhig ins Gebet zu gehen.“

Der versammelten Menge – bei der Vigil nach Veranstalterangaben 600.000, am Sonntagmorgen 700.000 Menschen – legte Papst Franziskus ans Herz, nicht auf ein wages Morgen zu warten. „Ihr seid nicht die Zukunft – ihr seid das Jetzt Gottes!“ Die Jugendlichen sollten sich nicht von Plänen ruhig stellen lassen, die Erwachsene für sie gemacht hätten. Denn dann begännen in der „Zwischenzeit“ ihre Träume zu verblassen. Eine Frucht der Jugendsynode sei „der Reichtum generationenübergreifenden Zuhörens“ gewesen. „Nun müssen wir uns bemühen, Räume zu fördern, in denen wir uns beim Träumen und Aufbau des Morgens schon heute einbringen können. Ein Raum, für den auch ihr kämpfen müsst.“ Zusammen mit den Großeltern und Erwachsenen sollten die Jugendlichen „den Traum verwirklichen, mit dem der Herr euch geträumt hat.“ In Bezug auf das Motto, das „Ja“ Mariens in den Worten „Mir geschehe, wie du gesagt hast“ erklärte Franziskus: „Maria hat den Mut gehabt, am Jetzt des Herrn teilzunehmen.“ Ob die Jugendlichen dies auch wollten? Denn: „Euer Ja möge das Eingangstor sein, auf dass der Heilige Geist der Welt und der Kirche ein neues Pfingsten schenke.“

Manuel Hoppermann aus Hamburg hat nicht einfach nur den Papst gesehen. Er hatte den Auftrag, die Segenswünsche seiner Gastgeber in der Diözese Penonomé, wo die Gruppe fünf Tage vor dem Programm in Panama-Stadt gewohnt hatte, zu überbringen. Dort habe es sich nicht jeder leisten können, zum Programm nach Panama-Stadt zu kommen. Manche der Pilger wohnten bei Familien, wo es kein fließendes Wasser gab und keine geteerten Straßen zum Haus hinführten. Manuel Hoppermann erzählt: „Die Begegnung mit der Gastfamilie war unglaublich herzlich.“ Wie er waren alle in der Gruppe von der großen Gastfreundschaft in Panama beeindruckt, die in Penonomé erstmals erlebbar war und sich in der Großstadt fortsetzte.

Während die Jugendlichen in den Tagen in den Diözesen einen Einblick in die Kultur des Gastlandes bekamen, begegneten sie in Panama-Stadt jungen Christen aus aller Welt. „Foto? Foto?“, sprach da etwa eine Gruppe aus Guatemala junge Pilger mit Deutschlandflagge an. Schnell formierte sich da ein Gruppenbild, bei dem die Landesflaggen gut sichtbar in die Handy-Kamera gehalten wurden. „Where are you from?“ – „Wo kommst du her?“ rufen sich die Gruppen, die durch die Straßen ziehen, gegenseitig zu, während andere nebenan klatschen und Lieder singen. Beim Weltjugendtag wird den jungen Christen deutlich: Sie teilen ihren Glauben mit Vielen ihrer Generation in allen Ländern der Erde.

Während die Pilger beim Weltjugendtagsprogramm in der Stadt unterwegs waren, verfolgten viele Gastgeber in den Nachrichten die Lage in Venezuela. Bei seinem Besuchsprogramm griff Franziskus das Thema zunächst nicht auf. Bein Angelus am Sonntag sagte er, die Lage in dem sozialistisch regierten Land sei „gravierend“. Er sei dem venezolanischen Volk in diesen Stunden besonders nahe und bete für eine „gerechte, friedliche Lösung“.

Die Probleme der Länder des Kontinents kamen beim Kreuzweg zur Sprache. Die 14 Stationen wurden mit Gebeten und Meditationen von Gruppen aus Nord-, Zentral- und Südamerika gestaltet. Unter anderem sprachen junge Venezolaner über die Leiden von Flüchtlingen und Migranten und Kolumbianer von Gewalt in ihrem Land. Besonders drastisch war die Wortwahl allerdings bei der 14. Station, in der gemahnt wurde, den Mutterleib durch Abtreibung nicht „zu einem Grab“ zu machen. Die Themen Lebensbejahung und Zukunft wurden dann bei der Vigil wieder aufgegriffen. Der Pontifex erklärte, ohne Familie, Arbeit, Gemeinschaft und Erziehung sei das Leben leer. Da müssten sich auch „wir ältere Leute“ fragen: „Was tun wir, um junge Menschen voran zu bringen?“ Er stellte den heiligen Johannes Bosco als Beispiel vor und forderte: „Wir müssen sie richtig anschauen – mit dem Blick Gottes.“

In der Dämmerung strahlte auf dem Campo San Juan Pablo II. auch eine besonders: die Statue der Muttergottes von Fatima. Sie wurde in einer Prozession über das Feld gefahren. Mit ihrer Anwesenheit verwies sie bereits auf den Veranstaltungsort des nächsten Weltjugendtags 2022: Lissabon, das ebenso wie Fatima in Portugal liegt. Am Ende der Sonntagsmesse sandte Papst Franziskus die Pilger zurück in ihre Länder und dankte ihnen: „Euer Glaube und eure Freude haben Panama, Amerika und die ganze Welt zum Pulsieren gebracht.“ Diese Freude und ihre Erfahrungen sollten sie in ihren Pfarreien, Gemeinschaften und Familien weitergeben. Auf dem Rückweg vom Campo in die Innenstadt, einem Fußmarsch zur Metro unter sengender Sonne, sorgten Anwohner mit Gartenschläuchen für Abkühlung. „Vielen Dank, dass ihr da wart!“, erklärte eine Einheimische Pilgern auf dem Weg zum Flughafen. Auch zum Abschied zeigte das Land sein freundlichstes Gesicht. So mancher Pilger sagte sich da: „Oh wie schön ist Panama!“

Zu Gast bei Freunden in Panama

Fünf Jugendleiter aus der Pfarrei Postbauer-Heng – Tobias Roth, Stephanie Sigl, Thomas Meier, Christiane Kraus und David Hink – haben im Vorfeld des Weltjugendtages die Tage der Begegnung bei Gastfamilien in der Pfarrei Almirante in Panama verbracht. Hier berichten sie über ihre Erlebnisse.

……

Die Tage in unserer Gastpfarrei Almirante bei den „Tagen der Begegnung“ sind leider schon vorbei. Von unseren Gastfamilien wurden wir sehr herzlich aufgenommen, sie haben sich um alles gekümmert. Wir wurden mit Plakaten, Schildern und Luftballons am Haus begrüßt und regelrecht erwartet.

Auf dem Foto mit der Panamaerin in der Mitte, sind wir, die Kolumbianische Gruppe und Schwester Claudia aus Guatemala, die die Tage der Begegnung organisiert hat.

In der Pfarrei feierten wir und Pilger aus Kolumbien, Brasilien, Argentinien und Uruguay zusammen mit den Panamaern. Die Stimmung war ausgelassen, es wurde viel getanzt und gesungen. Am ersten Tag standen ein Willkommensgottesdienst und ein Abendessen bei den Familien auf dem Plan. Es gab Hähnchen mit Ananassoße.

Am zweiten Tag haben wir dann den Ort erkundet und bei einer Fotorallye sind schon Freundschaften entstanden. Dabei haben wir auch den Hafen von Almirante gesehen, bei dem es nur um eines geht: Bananen. Chiquita verschifft von hier aus seine Bananen nach Europa – nach Rotterdam und Rostock. Am Abend gab es eine Talentshow und neben Beiträgen aller Nationen gab es auch traditionelle Tänze aus Panama, bei denen alle mitmachten. Am dritten Tag stand ein Besuch auf einer Kakaoplantage an, die von Indigenen betrieben wird. Wir konnten erfahren, wie die Produkte angebaut und auch fair vermarktet werden können.

Am vorletzten Tag feierten wir auf der Isla Colon in einer Grotte Gottesdienst und entspannten mit unseren neuen Freunden aus der ganzen Welt an der karibischen Playa. Am Abend gab es dann einen bewegenden Kreuzweg durch den Ort mit Statements der Gastfamilien und der Pilger.

Die Tage in Almirante waren besonders bewegend, weil innerhalb von wenigen Tagen Freundschaften mit Leuten aus verschieden Ländern entstanden sind. (Stefanie Sigl)

Am Sonntag sammelten sich alle Pilger aus der Prälatur zu einem großen und sehr frohen Gottesdienst und dann hieß es Abschied nehmen von unseren Freunden. Mit einer Gruppe aus Kolumbien wollen wir uns aber auch nochmal in Panama-Stadt treffen.

Wir wurden von unseren Gastfamilien sehr herzlich aufgenommen und haben uns wirklich als Teil der Familie gefühlt. Unsere Gastmutter meinte: „Now you have a home, far away from home“. (Christiane Kraus)

Gruppenfoto vor der Kathedrale von Panama

Nach einem Sicherheitscheck des Busses ging es dann 14 Stunden Übernacht unter Polizeischutz nach Panama-Stadt. Hier sind wir alle fünf bei einer sehr netten Gastfamilie untergebracht, die uns schon durch die Stadt geführt hat und wo wir mit leckerem Essen verwöhnt werden.

Heute Nachmittag steht nun der Eröffnungsgottesdienst des WJT an der Cinta Costera an und wir bereiten uns gerade vor.

Ein besonderes Epiphaniefest in Konstantinopel

Das griechische Wort „epiphaneia“ = Epiphanie (Erscheinung) bezeichnet nach Aussagen der Lexika „einerseits das Erscheinen einer heilsbringenden Gottheit und die Erfahrung ihres rettenden Heilshandelns, andererseits das kultische Auftreten des gottgleichen Herrschers im hellenistisch-römischen Staatskult.“ Sie ist „sowohl die plötzliche Erscheinung eines übernatürlichen Wesens als auch die sichtbare und zeitlich begrenzte Wirkung von Gottheiten und das bloße Bewusstwerden der Nähe des Heiligen“.

Seit dem Neuen Testament und im kirchlichen Sprachgebrauch steht Epiphanie (= die Theophanie oder auch das Jordan-Fest) für die sichtbare und spürbare Erscheinung Gottes in Jesus Christus, die besonders am gleichnamigen Fest – im byzantinischen Ritus am 6. Januar – begangen wird.

In diesem Jahr wurde dieses Fest im Phanar, dem Sitz des Ökumenischen Patriarchats, der ehrenhaft ersten Kirche in der weltweiten orthodoxen Kirchenfamilie, unter einem besonderen Vorzeichen begangen. Denn an diesem Tag kam Mehrfaches zum Erscheinen. Es kamen gleich mehrere wichtige Ereignisse zusammen und wurden in langen orthodoxen Gottesdiensten mit zahlreichen Gläubigen und Pilgern und vor allem mit einer starken Präsenz der Medien gefeiert.

Als Erstes stand das christliche Hochfest selbst im Vordergrund. Im Unterscheid zur Tradition der römisch-katholischen Kirche, die an diesem Tag die Erscheinung Gottes, die Epiphanie in Jesus Christus durch die Anbetung der sterndeutenden Könige aus dem Morgenland begeht, feiern die byzantinischen Kirchen „das Fest der Taufe unseres Herrn, unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus“. Sie feiern die Erscheinung des dreifaltigen Gottes am Jordan im Augenblick der Taufe Jesu Christi: In der Stimme des Vaters aus den geöffneten Himmeln, im Sohne, der zur Taufe in den Jordan hinabsteigt, und im Heiligen Geiste, der als Taube herabsteigt. An diesem Fest ist daher eine Große Wasserweihe vorgesehen – in Konstantinopel/Istanbul mit einer Prozession zum Bosporus verbunden –, was auch in diesem Jahr wie gewohnt der Fall war.

Zusätzlich zu der gottesdienstlich begangenen Epiphanie ist im Phanar am Wochenende 5./6. Januar 2019 auch eine größere Delegation aus der Ukraine erschienen. Zahlreiche Politiker, an deren Spitze der ukrainische Präsident Petro Poroshenko, und kirchliche Würdenträger kamen nach Konstantinopel, um einem Jahrtausendereignis beiwohnen zu dürfen. Denn an diesem Tag hat die orthodoxe Kirche der Ukraine ihre Eigenständigkeit von dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios, dem Ehrenoberhaupt der byzantinischen Weltorthodoxie, erhalten. Die Urkunde darüber, „Tomos über die Autokephalie“ genannt, wurde am Samstag, 5. Januar, im Rahmen eines in Ukrainisch gefeierten Dankgottesdienstes offiziell unterschrieben. Am Sonntag darauf fand die offizielle Übergabe des Tomos im Rahmen mehrerer Gottesdienste, konkret nach dem Verlesen des Festtagsevangeliums zum Fest „Erscheinung des Herrn“ statt. Der gesamte Festgottesdienst dauerte sechs Stunden und wurde in Griechisch und zum Teil in Ukrainisch gefeiert.

Am 15. Dezember 2018 wurde auf Initiative des Ökumenischen Patriarchen in der altehrwürdigen Sophienkathedrale in Kiew die sogenannte Vereinigungssynode aller orthodoxen Bischöfe in der Ukraine zusammengerufen. Auf dieser wurde unter Beteiligung von vielen Bischöfen, Priestern und Laien das neue Oberhaupt der ukrainischen Kirche gewählt, der 39-jährige Metropolit Epiphaniy. Er, dessen Vorname mit dem kirchlichen Fest der Epiphanie aufs Engste zusammenhängt, durfte die Urkunde am 6. Januar in Empfang nehmen und sie noch am gleichen Tag als kostbares Weihnachtsgeschenk zum Heiligen Abend (6. Januar nach dem julianischen Kalender) in die Ukraine bringen. Die Urkunde stellt eine Pergamentrolle dar, die auf dem Berg Athos – mit ikonenhaften Miniaturen umrahmt – mit goldenen Buchstaben kunstvoll und eigens hergestellt wurde. Der Inhalt ist für die orthodoxen Ukrainer natürlich das Wertvollste daran: Er bekundet offiziell, dass die ukrainische Kirche formal allen anderen bisher bestehenden 14 orthodoxen und unabhängigen Landeskirchen gleichgestellt wird. Anders gesagt, die orthodoxe Kirche in der Ukraine wurde offiziell autokephal, also selbständig und selbstverwaltend. Sie wird nun als die 15. autokephale orthodoxe Kirche unter den orthodoxen Schwesterkirchen gezählt. Alle orthodoxen Kirchen der byzantinischen Tradition sind nun vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios von Konstantinopel, dem „ersten unter den gleichen orthodoxen Ersthierarchen“ eingeladen, ja aufgerufen, sich seiner offiziellen Kundgebung über die Autokephalie der orthodoxen Kirchen der Ukraine zuzustimmen.

Äußerst unglücklich mit dem nun besiegelten Projekt der Anerkennung der Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche ist die Russisch-Orthodoxe Kirche, die den Sachverhalt anders beurteilt, da sie die Ukraine zu ihrem Einflussgebiet zählt; man spricht hier von einem sogenannten kanonischen Territorium. Doch aus der Geschichte der Orthodoxie lernen wir, dass die Entstehung einer jeder orthodoxen National- bzw. Landeskirche auf Widerstand stößt. Dies geschieht vor allem deshalb, weil sie immer mit einer Teilung einhergeht: Denn eine größere orthodoxe Struktur oder Einheit soll dabei im Grunde genommen kleiner werden. Und wer wird gerne kleiner? Wer wäre freiwillig bereit, seinen Einfluss einschränken zu lassen bzw. sogar darauf zu verzichten? Daher hat mehr oder weniger jede Gründung einer neuen Kirche zu Spannungen geführt, ja mitunter zur Aufkündigung jeglicher Kommunion- und Kommunikationsgemeinschaft zwischen den einzelnen Zweigen der orthodoxen Kirchen, bis irgendwann der Tag der Heilung, der Versöhnung und Normalisierung der Verhältnisse zwischen den orthodoxen Geschwisterkirchen kommt.

Eine kleine Gruppe von Priestern und Seminaristen des Collegium Orientale Eichstätt nutzte die Möglichkeit der Weihnachtsferien und reiste mit einer spontan organisierten Wallfahrt und Studienreise nach Konstantinopel, um an diesem besonderen und Geschichte schreibenden Epiphaniefest 2019 teilzunehmen. Sie wurden Zeugen von einer mindestens zweifachen Epiphanie und kamen mit vielen unschätzbaren Eindrücken nach Hause zurück. Denn zum einen ist der Herr Jesus Christus ist erschienen, „der sich um der Menschen willen von Johannes im Jordan taufen ließ“. Zum anderen erlebten sie hautnah – neben vielen anderen persönlichen Erfahrungen – die Geburtsstunde einer neuen orthodoxen Kirche, die in der Welt erschienen ist.