Kategorie-Archiv: Partnerschaft

Bildung und Kleinkredite für Frauen im Senegal

Die Resonanz auf das Alphabetisierungsprojekt für Frauen, das die Katholische Landvolkbewegung (KLB) im Bistum Eichstätt seit Jahren in der Partnerdiözese Tambacounda im Senegal mitträgt, ist so groß, dass sich der Verband für seine Weiterführung entschlossen hat. Das Projekt umfasst die Begleitung und Fortführung der bisherigen Maßnahme in 40 Dörfern und den Neubeginn in 50 Dörfern. Ungefähr 3600 Frauen in der Region der Stadt Koumpentoum werden damit unterstützt. Dreimal pro Woche werden sie von Lehrern unterrichtet. Die ersten Hürden sind schon überwunden, nämlich die Einrichtung eines Büros für den Koordinator Bernard Seck und die Ausbildung der Lehrer. Beides wurde von der KLB vorfinanziert.

Die zweite Phase des Projektes hat im Januar dieses Jahres begonnen, nachdem das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das 75 Prozent der Kosten übernimmt, seine Zustimmung gegeben hatte. Bei unserem Besuch vor Ort vor wenigen Wochen wurde der Vertrag, der drei Jahre laufen soll, von den beiden Vertragspartnern unterzeichnet. Auf senegalesischer Seite ist das die Organisation ASDI Tamba (L´Assocition Sénégalaise pour le développement intégré), vertreten durch den Geschäftsführer Bernard Seck. Auf deutscher Seite ist es der ILD, der ländliche Entwicklungsdienst der Landvolkbewegung, vertreten durch Geschäftsführer Lothar Kleipass.

Der Finanzplan für das Projekt umfasst die Bezahlung der Lehrer und Lehrbücher, die Beschaffung von fünf Motorrädern für die Supervisoren und das Gehalt des Koordinators. Zudem ist ein großer Posten vorgesehen für die Kleinkreditaufnahme für Frauen, die sich damit eine Existenz aufbauen können. So soll das wichtigste Ziel des Projektes, nämlich eine spürbare, nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Familien, erreicht werden.

Natürlich wurde bei unserem Besuch auch gefeiert. Rund 800 Frauen kamen im Dorf Patoulane zusammen und erwarteten uns schon am Dorfplatz. Eine Trommelgruppe animierte sie unentwegt zu temperamentvollen Tanzeinlagen. Jedes Dorf versuchte sich möglichst gut in Szene zu setzen. In verschiedenen Theatervorführungen wurde die Wichtigkeit der Fördermaßnahmen veranschaulicht. Dorfchef, Bürgermeister und Religionsführer würdigten den Einsatz der Frauen. Sogar eine Abgeordnete des senegalesischen Parlaments fand lobende Worte für das Projekt. Auch wir kamen zu Wort und betonten, dass wir keine Geschenke bringen, sondern ihnen partnerschaftlich helfen wollen, ihre Situation persönlich und wirtschaftlich messbar zu verbessern.

Zum Abschluss gab es ein gemeinsames Essen. Auf vielen Feuerstellen hatten die Frauen in großen Kesseln Reis und Gemüse mit ein bisschen Fleisch gekocht. Es wurde auf flachen Schüsseln verteilt und in kleinen Tischgemeinschaften mit der Hand gegessen.

Als Fazit unserer Reise können wir feststellen, dass die senegalesischen Frauen mit sehr großem Einsatz zu Werke gehen und wir auf eine erfolgreiche Durchführung des Projektes vertrauen können.

Indien ganz anders – typisch Indien!?!

Erfahrungen am Rande einer Migrationstagung

Mittlerweile war ich elfmal in Indien, oft in der Umgebung von Poona, aber auch einmal ganz im Norden und Osten des Landes, um Projekte von Misereor kennen zu lernen. Doch Kerala ist anders, und das ist schon wieder typisch. Indien ist einfach sehr vielfältig.

Der Bundesstaat Kerala in Südindien unterscheidet sich von den anderen Teilen Indiens. Es ist ein anderes Indien. Es gibt deutlich weniger Bettler und Bedürftige, die man von der Straße aus sehen kann. Und dennoch wird hier der landesweite Aufruf zum Generalstreik konsequenter befolgt als in anderen Gegenden Indiens. Es war der weltweit größte Streik, mehr als 150 Millionen Menschen haben die Arbeit nieder gelegt, um v.a. für eine Anhebung des Mindestlohns und bessere Sozialleistungen zu streiken. Unsere Gastgeber mussten das Programm umstellen, weil wir an diesem Tag das Hotel nicht verlassen sollten und sowieso alle Einrichtungen, die wir an diesem Tag besuchen wollten, geschlossen waren. So leer habe ich noch keine Straße in Indien gesehen, wie die vor unserem Quartier, eine der Hauptstraßen des Landes.

Kerala ist anders: Die westliche und arabische Kultur haben mehr Einfluss, das sieht man an der Kleidung. Viele gut gebildete Menschen aus diesem Teil Indiens gehen als Gastarbeiter in die Golf-Staaten. Dort können sie noch mehr verdienen als in der Heimat. Einen Großteil des Gehaltes überweisen sie aber zurück nach Indien, um die zurückgebliebene Familie zu finanzieren. Nach ein paar Jahren kehren dann viel zurück, um mit dem erarbeiteten Kapital ein eigenes Unternehmen zu starten. Kerala ist aber zugleich auch ein Einwanderungsland. Aus vielen ärmeren Teilen Indiens kommen Arbeitskräfte, um hier mehr Geld zu verdienen. Migration ist in Kerala in doppelter Weise real, es ist Entsende- und Aufnahmestaat zugleich. Das macht es für die Wissenschaft zu einem spannenden Forschungsobjekt. Zusammen mit dem Rajagiri College of Social Sciences (RCSS) wollen Wissenschaftler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hieran arbeiten. Meine Frau, Dr. Monika Pfaller-Rott, folgte einer Einladung und hielt dazu einen Vortrag über „Social Diversitiy“ während einer Tagung, an der auch Forscher aus den USA teilnahmen. Mein Beitrag bestand darin, die globale Situation von Migration darzustellen. Wenn sich diese Kooperation etabliert, gibt es neben der Beziehungen der WFI zum Rajagiri Centre for Business Studies (RCBS) eine zweite Säule der akademischen Zusammenarbeit. Diese haben echte Pionierarbeit geleistet.

Besonders beeindruckt war ich von der einwöchigen Pflichtexkursion für alle Erstsemester-Studenten, die sieben Tage in einem Dorf gut 120 km von Cochin entfernt leben und arbeiten müssen. Zu ihren Aufgaben gehört es, eine Straße anzulegen. Dazu müssen mit den Händen die Pflanzen gerodet werden, Steine klein geklopft und verlegt werden sowie am Nachmittag mit den einfachen Bauern Interviews zu deren Situation geführt werden. Abwechselnd müssen sie auch füreinander kochen. Und geschlafen wird auf einfachen Schilfmatten auf dem Boden des Schulhauses, wo dann am Vormittag die Kinder zur Schule gehen. Selbstverständlich können sich die Professoren und Professorinnen, darunter auch Priester und Ordensschwestern, nicht davon absetzen, sie sind die ganze Zeit mit dabei. So erfahren die angehenden Akademiker, was ländliche Armut wirklich heißt. Viele waren in ihrem Leben das erste Mal in der Küche, weil es selbst für indische Mittelschichtsfamilien normal ist, dass „Angestellte“ (ein echter Euphemismus, eigentlich sind es „Diener“) das Essen zubereiten. Pro Jahr schaffen die rund 100 Studenten in dieser Woche so immerhin gut zwei Kilometer neue Straße. Nebenbei entsteht so aber auch eine familiäre Verbindung an der Universität, die sich sehr positiv auf das Lernklima wirkt.

Geschwisterlichkeit über Kontinente hinweg

Der Kolpingverband in der Diözese Eichstätt hat eine Partnerschaft mit dem Kolping-Nationalverband Togo besiegelt.

„Wenn man Freud und Leid miteinander teilt, wächst man zusammen“. Dieses Zitat  des Seligen Adolph Kolping ist das Leitmotiv der neuen Partnerschaft zwischen Kolping Togo und Eichstätt. Zur Feier am Freitag, 16. September, kam eine vierköpfige Delegation aus Togo, um den Auftakt der Partnerschaft zu würdigen. Bischof Gregor Maria Hanke stand dem Festgottesdienst im Dom vor, der musikalisch von Kirchenchor Woffenbach gestaltet wurde.

„Akpe kaka loo“ – so sagt man in Togo „Danke“. Und der Dank, dass man partnerschaftlich verbunden sein darf, prägte die Feierlichkeiten. Bischof Gregor Maria griff in seiner Predigt auf den Apostel Paulus und dessen Bilder von der Einheit der an Christus Glaubenden zurück. Die Geschwisterlichkeit, die Paulus mit den Gliedern eines Leibes vergleicht, wirkt der Gefahr der Ghettoisierung einzelner Gruppen in der Kirche entgegen, so der Bischof. Das vertonte Motto des Kolpingtages in Köln „Wer Mut zeigt, macht Mut“, vorgetragen vom Kirchenchor Woffenbach und begleitet von Domorganist Martin Bernreuther, wies ebenso wie das Kolpinglied allen Gottesdienstbesuchern den Weg der angestrebten christlichen Geschwisterlichkeit. Als Zeichen der christlichen Verbundenheit brachten Kolping-Diözesanvorsitzende Eva Ehard aus  Spalt und die Vorsitzende des Nationalverbands Togo, Marie-Thérèse Awoussah, je eine Stola aus Deutschland und Togo zu Bischof Gregor Maria, der diese segnete. Künftig werden die Präsides hier in Bayern und Westafrika bei Gottesdiensten die Stola des jeweiligen Partners umlegen und die Verbundenheit so sinnenfällig zum Ausdruck bringen.

Den Festzug vom Dom zum Kolpinghaus begleitete die Möckenloher Blaskapelle, die im weiteren Verlauf des Abends noch zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen sollte.

Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen dem Kolping-Diözesanverband Eichstätt und dem Kolping-Nationalverband Togos. Foto: Ewald Kommer
Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen dem Kolping-Diözesanverband Eichstätt und dem Kolping-Nationalverband Togos. Foto: Ewald Kommer

Im Kolpinghaus wurde dann tatsächlich in vielen Sprachen gesprochen. Nicht nur in Ewe, einer von vielen Menschen in Togo gesprochenen Sprache, sondern auch in Französisch wurden die Gäste begrüßt. Kolping-Diözesanvorsitzende Eva Ehard war nicht die Einzige, die sich freute, ihre Sprachkenntnisse anwenden zu können. Auch stellvertretende Landrätin Tanja Schorer-Dremel (MdL) und Peter Schwab vom Internationalen Kolpingwerk ehrten die Delegation aus Togo durch Grußworte in der offiziellen Landessprache. Oberbürgermeister Andreas Steppberger hielt sich mit fremden Sprachen zurück, versprach aber dafür, sich für die Partnerschaftsreise im kommenden Jahr in das westafrikanische Land zu interessieren. Für das Referat Weltkirche der Diözese Eichstätt dankte – in Vertretung von Prälat Dr. Christoph Kühn, der später zur Versammlung stieß und die Unterzeichnung der Urkunde „notariell“ begleitete – Gerhard Rott, der auch Vorsitzender der Kolpingsfamilie Eichstätt und somit Hausherr ist, für die Erweiterung der im Bistum gepflegten Partnerschaften der Gemeinden und Verbände. Landtagsabgeordnete und Oberbürgermeister hatten inhaltlich die Aspekte der Bildung und des praktischen Tuns bei Kolping als unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung und zum Erhalt des Friedens in einer Gemeinschaft, auch der großen Weltgemeinschaft, hervorgehoben.

In seinem Grußwort betonte der togolesische Kolping-Nationalpräses, Dieudonné Agbeko, wie wichtig für sein Land die spirituelle Brücke zu den deutschen Brüdern und Schwestern sei. Natürlich freue man sich auch über die materielle Unterstützung, die sowohl vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit als auch aus Spendengeldern der Kolpingsfamilien komme, so der Nationalpräses. „Als Volk Gottes sind wir Brüder und Schwestern, die sich auf Augenhöhe begegnen und einander mit unterschiedlichen Gaben beschenken“. Damit knüpfte er nahtlos an Diözesanvorsitzende Ehard an, die aus einer Broschüre des anderen Eichstätter Partnerverbandes, nämlich Peru, zitierte: „Keiner ist so arm, dass er nicht etwas geben könnte, keiner ist so reich, dass er nicht etwas empfangen müsste“.

Bei der Unterzeichnung der kunstvoll gestalteten Partnerschaftsurkunde durch die Vorsitzende des Nationalverbands, Marie-Thérèse Awoussah, Nationalpräses Dieudonné Agbeko, Diözesanvorsitzende Eva Ehard und Diözesanpräses Monsignore Dr. Stefan Killermann, spürte man im Kolpinghaus den bedeutsamen Augenblick durch die feierliche Gespanntheit der Anwesenden, unterbrochen nur durch das Blitzlichtgewitter der Fotografen.

Anschließend konnten sich alle Gäste an einer bayerischen Brotzeit erfreuen, begleitet von den zünftigen Klängen der Blaskapelle. Eine besondere Freude bereitete Dirigent Dominik Harrer den Kolpingern, als die Möckenloher das Kolpinglied intonierten. Mit Standing Ovations quittierten die Anwesenden diese Hommage an den Gesellenvater und Seligen Adolph Kolping.

Die Vorstellung des Lebens in Togo und der Arbeit des Kolping-Nationalverbandes übernahm dessen Nationalsekretär Laurent Tay, der auch als Dolmetscher für die Reisegruppe fungierte. In den Kolpingsfamilien Togos werden viele ganz praktische Projekte umgesetzt, die das Leben verbessern. So finden Schulungen vor Ort auf dem Feld statt, in denen die Bauern lernen, durch eigene Kompostbereitung zur Düngung und Bodenverbesserung, die Erträge auf umweltverträgliche und nachhaltige Weise zu steigern. Neben diesen Landwirtschaftskursen werden die Menschen in der Fischzucht ebenso unterstützt wie beim Aufbau eigener Aktivitäten zur Sicherung des Lebensunterhalts: Das reicht vom eigenen Friseurladen bis hin zur genossenschaftlich geführten Fahrradwerkstatt.

Was wäre ein Festabend ohne die Ehrung verdienter Menschen: So bekam ein Dreigestirn der Kolpingsfamilie Woffenbach, der Keimzelle der Togo-Partnerschaft im Diözesanverband Eichstätt, aus den Händen von Frau Ehard die Dankurkunde mit Medaille. Diese Ehrung wurde auch Diözesanpräses Dr. Killermann für seine spirituelle Leitung des Verbandes zuteil. Heinz-Jürgen Adelkamp, Vorsitzender der Woffenbacher Kolpingsfamilie, dankte allen, die durch ihr Engagement zur Lebendigkeit der Partnerschaft beitragen und die Ausweitung auf die diözesane Ebene ermöglicht haben. Ebenfalls geehrt wurde der Vorsitzende der Kolping-Bildungsstätte und stellvertretende Vorsitzende der Kolpingsfamilie Eichstätt, Willi Reuder. Er, so Diözesanvorsitzende Ehard, unternimmt alles, um für die Zusammenkünfte im Kolpinghaus einen wohnlichen und gemütlichen Rahmen zu schaffen, so dass sich alle wohlfühlen können. Eine Ehrung ganz anderer Art nahm Edi Babiel, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Beilngries, entgegen: Die Beilngrieser traten bei der Deutschen Kolping-Fußballmeisterschaft in Eppingen mit mehreren Mannschaften an und erzielten bei der Jugend die Vize-Meisterschaft.

Nach weiteren schwungvollen Orchesterstücken klang der Abend mit vielen Gesprächen und der Vorfreude auf kommende Begegnungen mit einem kraftvollen „Treu Kolping – Kolping treu“ aus.

Radio k1: Kolping-Diözesanverband Eichstätt feiert neue Partnerschaft mit Togo

Partnerschaft Kolping Eichstätt-Peru

Seit fast 30 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen dem Kolping-Nationalverband Peru und dem Kolping-Diözesanverband Eichstätt. Vom 14. bis 29. August sind wir – eine Reisegruppe von zwölf Personen aus dem Kolping-Diözesanverband Eichstätt – zu Besuch bei den Partnern in Südamerika. Ziel der Reise ist es, die Kontakte zu unseren peruanischen Kolpingschwestern und -brüdern zu verstärken und auszubauen.

Erster Station war Cajamarca im Nordwesten des Landes. Die Stadt, einst Residenz des Inkaherrschers Atahualpa, ist für seine barocken Kirchengebäude, heißen Quellen und Inkabäder bekannt. Nach einem Stadtrundgang ging es mit dem Bus über einen 3950 Meter hohen Pass nach Bambamarca. Alle Kolpingfamilien der Umgebung waren mit Abordnungen erschienen, um uns zu begrüßen. In einem Umzug mit Musik um den Marktplatz wurden wir in das Pfarrheim geführt zu einer feierlichen Zeremonie mit Tanz- und Gesangseinlagen.


Von Bambamarca aus besuchten wir eine Kolpingfamilie in Chalapampa Bajo. Das Kolpingwerk unterstützt und begleitet wichtige Projekte in dem Dorf. Der Erlös aus den Projekten kommt in eine gemeinsame Kasse. Angefangen hat es mit dem Aufbau einer kleinen Schafzucht. Jetzt wird auch eine Cuyzucht (Meerscheinchenzucht) betrieben. Aktuell ist die  Wasserversorgung das größte Problem. Das Grundwasser ist zum Teil durch die umliegenden Minen verseucht und das Regenwasser reicht nicht aus. Mehr Wassertanks würden hier helfen. Spannend war der Besuch bei einer der Frauen zu Hause, wie sie lebt, kocht und arbeitet. Es ist schon bewundernswert, was diese Frauen alles leisten.

Weitere Besuche führten uns zu Kolpingfamilien in San Juan de Lacamaca, Miraflores und Capuli. In Machaypongo Bajo erwarteten uns die Familien vor dem Haus im Gras sitzend. Das besondere hier ist eine große Meerschweinchenzucht mit manchmal über 500 Tieren. Ein Cuy (aus dem Quechua Quwi für Meerschweinchen) lebt drei Monate und bringt rund 25 Soles Erlös. In San Antonio trafen wir uns im Rohbau einer Kirche, deren Bau von der dortigen Kolpingfamilie unterstützt wurde. Einige Mitglieder sind in politischen Gremien tätig. So begrüßte uns auch der Bürgermeister vor Ort.

Auf fast 3000 Höhenmeter leben die Mitglieder der Kolpingfamilie San Isidro Labrador, benannt nach dem Heiligen ihrer Kapelle. Die Mitglieder der noch jungen Kolpingfamilie versorgen sich weitgehend selbst mit dem Anbau von Mais und Kartoffeln und der Kleintierzucht. Das größte Problem ist auch hier die Wasserversorgung. Es gibt zwar ein Wasserreservoir, aber das gehört der Nachbargemeinde. Die Wasserverschmutzung durch den Bergbau ist hier ebenfalls ein sehr wichtiges Thema.

Über abenteuerliche Wege gelangten wir zu einer weiteren Kolpingsfamilie in der Nähe von Bambamarca. Dazu gehört eine Gruppe von taubstummen Menschen. Die Menschen dort sind von staatlichen und anderen Organisationen weitgehend allein gelassen. Umso wichtiger ist für sie die Kolpinggemeinschaft, um Unterstützung zu bekommen.

Ereignisreiche Tage in Bagua

Am Sonntag, 21. August, waren wir Gäste bei der zentralen Aufnahmefeier neuer Kolpingmitglieder in der Pfarrkirche in Bagua in der Provinz Amazonas. Pfarrer Don Magno hielt eine Katechese mit Gruppenarbeit zur Papstenzyklika „Amoris Laetitia“. Im Gottesdienst versprachen die 21 Neumitglieder, dass sie den Zielen des Kolpingwerkes verbunden bleiben wollen.

Am Nachmittag fuhren wir am Rio Maranon, einem der beiden großen Quellflüsse des Amazonas entlang, überquerten ihn mit einer abenteuerlichen Seilbahnfahrt und wanderten zu einem Wasserfall hinauf. Am Abend trafen wir uns noch im Pfarrheim mit der Kolpingfamilie Virgen de Fatima, einer Frauengruppe aus der Stadt Bagua.

Am zweiten Tag in Bagua ging es wieder hinauf auf ca. 800 Meter Höhe zur Kolpingfamilie San Isidro de Labrador. Der Vorsitzende, der auch der Bürgermeister ist, zeigte uns mit Stolz das neue Projekt: den Aufbau einer Fischzucht. Am Abend besuchten wir die Kolpingfamilie Virgen de Primavera in einem Vorort von Bagua. In diesem Armenviertel bessern vor allem die Frauen das Familieneinkommen durch Sammeln, Trennen und Verkaufen von Kompost und Wertstoffen auf. Stolz zeigten sie uns ihre aus Plastikmüll gefertigten Kleider, Taschen und Hüte. Bei einem Wettbewerb für recycelte Kleidung haben sie dafür schon einen Preis bekommen. Dank des Einsatzes der Kolpingfamilie erhielten sie auch den Preis für das sauberste Stadtviertel in Bagua. Es entwickelte sich ein sehr interessantes Gespräch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Länder und Kolpingfamilien, was mit dem Singen der Bagua- und Bayernhymne endete.

Auf dem Programm der letzten Etappe unserer Reise stehen Besuche bei Kolpingfamilien

der Region Loreto in Nordosten Perus.

Mehr zum Thema:

  • Ausführliches Reisetagebuch mit vielen Bildern und weitere Informationen zu Kolping Peru
  • Video: Verband lebt von Verbindung – Kolping Partnerschaft mit Peru

„Generation Beziehungsunfähig“ contra „Der unbesiegbare Sommer in uns“

Zwei neue Bücher liegen vor mir: Michael Nasts „Generation Beziehungsunfähig“ (vor der Veröffentlichung schon in 2. Auflage) und Nina Ruges „Der unbesiegbare Sommer in uns (in neuer, 4. Auflage).

Michael Nast, „Sprachrohr seiner Generation“ (so sein Verlag), dem bei seinen Lesungen (meist im Audimax der Unis) junge urbane Singles zu Tausenden lauschen, hat seinen Netz-Artikel zu einem Buch mit gleichem Titel ausgebaut. Der literaturbewanderte 40-jährige Single, Buchhändler aus Köpenick, spricht seinem zu 90 Prozent weiblichen Publikum aus der Seele. Mit der Formel „Ich kann nicht, ich bin beziehungsunfähig“, legt er ein Bekenntnis ab über seine emotionale Unzulänglichkeit. Zu kompliziert sei das zeitgenössische Ich, um sich einem Leben in Partnerschaft auszusetzen. Die „Flexibilisierungslogik der Arbeitswelt“ verlange ein entsprechend kühles Kalkulieren auch im Privatleben. Es bleibe eine Unzufriedenheit von immer nur potenziell einander Liebenden. Und diese bilden die Anhängerschaft dieses „charismatischen Wanderpredigers der Beziehungsunfähigkeitslehre“, eines „Suchenden, der zu Suchenden spricht“ (ZEIT 18.02.16). Für ihn ist am Ende immer „das System“ schuld an der emotionalen Verkorkstheit der jungen Erwachsenen.

Nasts Lösungen? Die Ehe als herkömmliche Antwort, als Beziehungsform, die „ja religiös geprägt“ sei drohe sich aufzulösen. Man wage dafür keinen Einsatz mehr, weil man Verletzungen vermeiden wolle. Gegen diesen Egotrip verweist Nast auf den Schriftsteller Jonathan Franzen: „Mein Herz sagt es mir, und mein gesunkenes Maß an Selbstsucht liefert verlässliche Beweise dafür“. Es sei die Liebe, die den Impuls auslöst, ein „besserer Mensch zu werden“ und damit „die Selbstsucht zu überwinden“.

Neue Anfänge lägen in uns, mit ihnen beginne die Veränderung, so endet Nasts Buch.

Neue Anfänge – wie das aussehen könnte, das zeigt Nina Ruge in ihrem sehr persönlichen Buch „Der unbesiegbare Sommer in uns“. Die bekannte TV-Moderatorin versteht ihr Buch als „Wegweiser zu unserem ureigenen Kraftort“. Die ehemalige Studienrätin für Biologie und Deutsch sieht sich als „Mitglied der modernen Wissensgesellschaft“ und ist zugleich dankbar, dass sie „die tiefe Bewusstheit für das Geschenk des Lebens“ entdeckt hat. „Seit mehr als 40 Jahren befinde ich mich auf einem anderen Weg. Ich preise das Geschenk unseres Verstandes und trainiere mich zugleich in einem neuen Bewusstsein“. Nach der Angstphase ihrer Kindheit und nach der Pubertät erfuhr sie die Kraftquelle in sich selbst, die durch Worte nicht erreichbar ist, weil sie auf einer anderen Ebene als der des Verstandes wohnt. „Letztlich haben alle Religionen das zum Ziel: uns die Tür zu dem zu öffnen, was der Verstand nicht zu fassen weiß“. Jenen Ort intensiver Kraft nennt sie den unbesiegbaren Sommer, nach der Metapher von Albert Camus: „Mitten im tiefsten Winter entdeckte ich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.“

Solches Entdecken, das ständiges Üben erfordert, ist eine „mühsame Reise ins Innere der Liebe“. „Gott verspricht eine sichere Landung, aber keine ruhige Reise. Also, los!“

In Ruges Reiseführer ist besonders bemerkenswert das Kapitel 13 (S. 167 – 181), mit der Überschrift: WAS IST LIEBE – UND WENN JA, WIE VIELE?) Und als Untertitel:
„Ihr seid das Licht für die Welt“ (Mt. 5,15).

Angesichts einer Riesenpalette verschiedener Spielarten von Liebe auf dem Markt der Gefühle im 21. Jahrhundert fragt Ruge nach einem „Quell für Liebe, und wenn ja – wo entspringt er?“ Die „Erretter – Liebesvorstellungen der Hollywood- und TV-Schmonzetten“ (à la Pretty Woman und Rosamunde Pilcher) sind für Ruge „großartige Lehrstücke darüber, was die Essenz der Liebe gerade nicht sein kann“.

Gibt es, so fragt sie, vielleicht Formen von Liebe, die weniger in Abhängigkeit von außen stehen. Und sie antwortet: „Vielleicht solche, die aus uns selbst kommen. Zum Beispiel die, von der uns das Johannesevangelium erzählt? Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, der lebt in Gott, und Gott lebt in ihm.

„Die Scarlett-Julia-Liebe hat mit der Bibel-Liebe nichts zu tun, oder? Jawohl, dieser Meinung bin ich (weitgehend)“. Ein starkes Bekenntnis von Nina Ruge – und sie belegt es aus ihren Erfahrungen mit Menschen –„ich fürchte, es sind nicht so sehr viele -, die tun alles mit Liebe.“

In solchen Menschen finde das Ego einfach keinen Nährboden! Und sie verweist auf Meister Eckhart (der vor 700 Jahren auch in Köln gepredigt hatte): „Der wahrhaft Liebende liebt Gott in allem und findet Gott in allem.“

Und Nina Ruge fragt weiter, „was uns denn überhaupt liebesfähig macht, im Sinne von Johannes und Meister Eckhart natürlich“.

„Durch den unbesiegbaren Sommer in uns“, also „aus dem klaren und permanenten Bewusstheit für das Wunder des Lebens in uns und um uns herum“, lautet die Antwort. „Diese Bewusstheit ist nicht Liebe. Aber aus ihr heraus sprudelt sie.“

Ruge nennt diese Bewegtheit im Anklang an den Zen-Buddhismus ihr Satori, eine Art befristete Erleuchtung, empfunden als Befreiung vom Ich und vom Diktat der Zeiten. Von Gotteserfahrung mag sie nicht sprechen, „weil die Vokabel zu verquer aufgeladen ist“.

Aus dieser Erfahrung entstehe eine „unerschöpfliche, unzerstörbare Liebe zu allem, was ist“. Wer in diesem Bewusstsein lebt, der fragt nicht: „Wo kriege ich Liebe her?“, weil er weiß, dass diese Frage einer der größten Irrtümer überhaupt über die Liebe ist.

© Patrick Marty / cc0 - gemeinfrei / Quelle: pixabay.com/Pfarrbriefservice.de
„Gott verspricht eine sichere Landung, aber keine ruhige Reise. Also, los!“ (Nina Ruge). Foto: Patrick Marty / cc0-gemeinfrei / pixabay.com/pfarrbriefservice.de

1:0 für Nina Ruge, mit Gruß an Michael Nasts „Generation Beziehungsunfähig“!

„Wenn wir sie vermessen wollen, die Liebe unseres Partners, dann verlieren wir uns.“

„Wenn keiner den anderen retten muss, verlieren Liebesgeschichten ihren tragischen Charakter.“

„Wo wir den starken Quell der Liebe in uns selbst entdecken, dann, ja dann wird Liebe zwischen zwei Menschen auf einer ganz anderen Ebene möglich.“

Und wie öffnet sich für Nina Ruge das Portal zum unbesiegbaren Sommer in uns? Indem wir ein Bewusstsein für die Heiligkeit und Kraft des Seins als zweite Wahrnehmungsebene in den Alltag einbeziehen.

Wie gelingt das Nina Ruge?

„Wenn ich nachfühle, mit welcher Bestimmtheit ich meine Umwelt betrachte (und sei es die Rose in meiner Badezimmer-Vase), dann weiß ich auch, wie es um meine Portale in Richtung unbesiegbarer Sommer steht. Keine liebevolle Bestimmtheit – kein offenes Tor. Ein Seismograph mit Namen Herzlichkeit.“

Kennen wir das nicht von Ignatius von Loyola? „Gebet liebender Aufmerksamkeit“ nennt er das in seinen geistlichen Übungen.

In den Schlusssätzen ihres Liebeskapitels spricht Nina Ruge vom „gravierenden Irrtum unserer Zeit, dass Liebe auf wenige Menschen zu beschränken sei und vor allem, dass sie auf der Haben-Seite verbucht wird. Es geht darum, Liebe zu GEBEN, umfassend und immer, mal mit hoher Frequenz, mal mit niedriger“.

Nina Ruges „Wegweiser zu unserem ureigenen Kraftort“ – eine dringende Lesempfehlung für die „Generation Beziehungsunfähig“!

Michael Nast, Generation Beziehungsunfähig, Edel Verlag (14,95 Euro)

Nina Ruge, Der unbesiegbare Sommer in uns, Kailash Verlag (17,99 Euro)