Kategorie-Archiv: Partnerschaft

Kleine christliche Gemeinschaften in Indien

„Ich glaube, ich falle vom Glauben ab!“ Diese Redensart ist mir in den letzten Tagen im indischen Poona, der Eichstätter Partnerdiözese, mehrfach durch den Kopf gegangen. Seit über 20 Jahren komme ich ca. alle zwei Jahre hier her und jedes Mal bin ich über das Tempo der Veränderungen erstaunt.

Leider sind es keine Veränderungen, die man sofort begrüßen würde, wie die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen, Kindern und Dalits, oder einer saubereren Umwelt. Nein, was mich tief geschockt hat, war das Tempo der Verwestlichung. Beispiel: Es gibt in meinem indischen Lieblingslokal nun einen Biergarten, italienische Holzofenpizza und Espresso. Warum komme ich dann eigentlich noch hier her? Warum kommen 13 hochrangige pastorale Mitarbeiter und Laien hier her? Weil wir etwas lernen können, das uns Hoffnung macht und Mut gibt.

Die Gruppe aus dem Bistum Eichstätt beim Empfang an der Ornella School. Foto: Merwyn Mascarenhas

Es gibt ein Mittel, um nicht vom Glauben abzufallen: SCC

SCC, die Small Christian Communities (kleine christliche Gemeinschaften), sind hier im Bistum und auch andernorts in Indien ein Ansatz, um in den Pfarrgemeinden eine neue Art Kirche-sein zu leben.

Der pastorale Ansatz geht auf bayerische Missionare zurück, die in Afrika versucht haben, die Gemeinden zu stärken, die lange ohne den Besuch eines Priesters auskommen mussten. Kernelemente sind dabei die Bildung von überschaubaren Gemeinschaften, die Ermöglichung echter Partizipation und die Verbindung der Bibellektüre mit einer karitativ-sozialen Aktion.

Das alles kann man auf akademischem Weg studieren oder in der Praxis erfahren. Im Rahmen der seit 1955 bestehenden Verbindung von Eichstätt und Poona haben wir uns für den zweiten Weg entschieden und auf den Weg gemacht, um zu sehen und zu erfahren, wie das in der pfarrlichen Realität einer Millionenstadt geht.

Und wir waren überrascht, wie viele gute Beispiele wir in verschiedenen Pfarreien erleben durften. Sogar eine SCC für Kinder haben wir beim Bibelteilen getroffen. Allerdings ist hier nicht alles so, wie es die reine Lehre vorsah. Doch das finden wir alle gut, schließlich muss jedes Konzept auf den konkreten Kontext hin angepasst werden.

Die Eichstätter Delegation bei einer kleinen christlichen Gemeinschaft in Indien

Die bewegende Musik, Action-Songs und blumenreichen Rituale haben uns gezeigt, dass es in Indien anders zugeht als in Afrika. Und dass auch in unseren Gemeinden vielleicht die eine oder andere Neuerung, z.B. in der Kirchenmusik ausprobiert werden sollte, um jüngere Generationen anzusprechen. Mitmach-Lieder bringen nicht nur die mitgereisten Mitglieder des Domkapitels dazu, auf der Bühne den Dresscode des Tages „Smile“ zu beachten.

Vielen von uns ist ein Rollenspiel von jungen Erwachsenen in Erinnerung geblieben. Darin halfen die Mitglieder der SCC einem anderen Mitglied, einen Arbeitsplatz zu finden. Es erinnert an die ersten Christen, die sich umeinander kümmerten. Diese Zeugnisse der Gemeinschaft sind starke Zeichen in Indien und sicher auch bei uns.

Aber es sind auch ganz grundsätzliche Dinge, die zum SCC-Ansatz dazu gehören. Zum Beipiel geben die Priester viel Verantwortung aus der Hand, sie trauen den Laien viel zu, geben ihnen Gestaltungsraum. Beim Bibelteilen sind sie nicht dabei, die Treffen und sozialen Aktivitäten werden i.d.R. von den mündigen Christen vorbereitet. Partizipation meint nicht nur, mithelfen zu dürfen, sondern auch entscheiden zu können. Auch die Bedeutung von gut vorbereiteten Hausbesuchen durch Laien wurde intensiv diskutiert, weil sie ein guter Weg sein können, um mit SCC´s zu beginnen.  Das sind sicher Herausforderungen für das Selbstverständnis vieler Priester und Theologen bzw. Theologinnen, aber der hiesige Ortsbischof steht voll zu diesem lebensweltorientierten und nicht defizitorientierten Konzept.

Blick auf die Stadt Pune. Foto: Reinhard Förster

Es wird noch ein paar Tage dauern, bis wir wieder in Eichstätt sein werden und bis dahin werden auch noch andere Eindrücke auf uns einwirken. Ich denke da nur an die tollen Umwelt- und Sozialprojekte, die morgen auf dem Programm stehen, oder die Schulen und karitativen Einrichtungen, die wir bereits besucht haben und die auch nachwirken.

Aber eines ist klar, diese Reise lässt mich nicht vom Glauben abfallen, sondern sie bestärkt und inspiriert mich und meine Mitreisenden. Weil wir Hoffnung schöpfen durften, dass es Wege gibt, um das Christentum auch im 21. Jahrhundert zu leben. „We are the church.“

Und davon werden wir gerne überall berichten, wo wir eingeladen werden, oder man unser Angebot annimmt, zu kommen.

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Austauschprogramm ermöglicht Begegnung auf Augenhöhe

Junge Erwachsene entdecken Land und Leute Ghanas.

Zwei Jahre ist es her, dass zum letzten Mal eine Gruppe Ghanaer zu Gast bei uns im Bistum Eichstätt war. Seit fast 20 Jahren besteht zwischen dem Eichstätter Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und dem ghanaischen Verband COSRA (catholic organisation for social and religious advancement) im Bistum Koforidua ein partnerschaftliches Verhältnis. Regelmäßige Programme zum Fachkräfteaustausch ermöglichen eine Begegnung auf Augenhöhe, die das gegenseitige voneinander Lernen ermöglichen sollen. Im August waren wir nun mit acht Mitgliedern des Arbeitskreises Ghana (AK) zum Gegenbesuch in Ghana. Die Delegation wurde angeführt von den beiden Sprechern des AK Ines Huibens (Stein) und René Palermo (Nürnberg) und dem Geschäftsführer des Bischöflichen Jugendamtes Josef Neumeyer (Kipfenberg).

Nun war es also soweit, zwei Jahre Vorbereitung sind vorüber. Die ganze Zeit über waren wir in Kontakt mit unseren ghanaischen Freunden, über Facebook und WhatsApp. Für jeden und jede Einzelne unserer Delegation war klar, dass wir einzelne Personen vor Ort kennen, keiner wusste aber, was einen in Afrika erwartet. Und das ist schon der erste Gedankenfehler, den man machen kann – von Afrika zu sprechen, als wäre es ein einziges Land. Im Rahmen eines interkulturellen Trainings bei Missio München haben wir gelernt, wie wir am besten in einen interkulturellen Dialog eintreten – genau zuhören, genau hinschauen und immer im Bewusstsein haben, dass das Gegenüber unsere Gesten, Aussagen oder unser Handeln anders verstehen kann, als wir es vielleicht meinen.

Mit diesem Wissen, einer großen Neugierde und der ein oder anderen Erwartung starten wir unsere Reise Anfang August am Flughafen Frankfurt. Mit Umstieg in Lissabon geht es nach Westafrika – Landung in Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Raus aus dem Flugzeug, die Wärme schlägt uns entgegen – etwa um die 30 Grad Celsius , nicht viel anders als derzeit in Deutschland, es ist dunstig, die Sonne sticht nicht so herunter. Ein erstes „Akwaba“ – Herzlich Willkommen steht über der kleinen Türe über die wir in das Flughafengebäude gelangen. Ein erster Kontrollposten scannt mit einer Wärmebildkamera die Körpertemperatur – die Ebola-Krise schien uns längst überwunden, aber hier wird sie wieder präsent.

Einreiseformalitäten – Gepäckabholung – Geld wechseln und auf in ein fremdes Land. Die Türen des geschützten Flughafenbereichs öffnen sich, wir sehen einige vertraute Gesichter, COSRA-Mitglieder, die wir bereits vom Austauschprogramm 2015 kennen. Herzliche Begrüßungen mit Umarmungen und vielen lieben Worten – die Freude über das Wiedersehen ist auf beiden Seiten groß. Und dann, womit wohl keiner gerechnet hat, rund 20 weitere COSRA-Mitglieder warten ein Stück weiter auf uns um uns ein fröhliches „Akwaba“ entgegen zu rufen. „Überwältigend“ wie Regina Raithel (Hilpoltstein) später sagen wird, ein „offener und freundlicher Umgang mit großer Herzlichkeit“, fügt Michaela Gsänger (Röttenbach) hinzu.

Mit mehreren Autos geht es von Accra ins rund 70 Kilometer entfernte Koforidua. Eine Fahrt, auf der einem schnell bewusst wird, dass Verkehr hier ganz anders funktioniert, „einmal hupen bedeutet Vorfahrt“ und die „Fußgänger müssen sehen, wie sie zurecht kommen“. Und schon nach ein paar Minuten wird klar, Leben findet auf der Straße statt. Verkaufsstände an den Straßenrändern und Verkäuferinnen mit großen Schüsseln auf dem Kopf verkaufen direkt ins Auto Getränke, Snacks, Waschmittel und allerhand andere Waren. Die Landschaft zieht wie im Film vorbei und der Kopf kann gar nicht so schnell realisieren, welche Eindrücke auf ihn einprasseln.

Als der Bus an einer Kreuzung in Koforidua anhielt, blickt ein kleines Mädchen zum Seitenfenster hinein in den Kleinbus mit uns Europäern – „Das Mädchen ist furchtbar erschrocken, weil ich so anders bin!“ wird sich Josef Neumeyer an diese Szene erinnern. Unbewusst wir einem klar, nun sind wir die, die anders sind.
Unsere ghanaischen Freunde machen uns die Ankunft leicht, freundlich, liebevoll und äußerst bemüht kümmern sie sich um uns. Nachdem wir die Zimmer im Pastoral Center der Diözese bezogen haben treffen sich alle zu einem abendlichen Bier. Lebensfreude pur, es wird gelacht, getanzt, gesungen. Der erste Tag in Ghana neigt sich dem Ende zu.

Nach der ersten Nacht und einem stärkenden Frühstück feiern wir mit einigen COSRA-Mitgliedern und Father Felix unseren ersten gemeinsamen Gottesdienst, als Zeichen der Verbundenheit übergibt BDKJ-Diözesanvorstand Max Holzer (Hilpoltstein) eine Kerze mit dem Symbol des AK Ghanas, einer Hand mit hellen und dunklen Fingern und dem Daumen nach oben. Im Gottesdienst wurde gesungen und dazu geklatscht.

Nach der Fahrt zur Kathedrale folgte eine imposante Tanzaufführung. Kinder und Jugendliche brachten im Tanz zum Ausdruck, wie der katholische Glaube nach Ghana kam und wie die Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Naturreligionen von statten ging.

Schon die beiden ersten Tage waren so intensiv, dass es eine große Herausforderung war, alles zu verarbeiten. Geprägt hat uns alle aber die überwältigende Gastfreundschaft unserer Partner.

Weitere Informationen, Bilder und Videos: www.bdkj-eichstaett.de/ak-ghana

Bildung und Kleinkredite für Frauen im Senegal

Die Resonanz auf das Alphabetisierungsprojekt für Frauen, das die Katholische Landvolkbewegung (KLB) im Bistum Eichstätt seit Jahren in der Partnerdiözese Tambacounda im Senegal mitträgt, ist so groß, dass sich der Verband für seine Weiterführung entschlossen hat. Das Projekt umfasst die Begleitung und Fortführung der bisherigen Maßnahme in 40 Dörfern und den Neubeginn in 50 Dörfern. Ungefähr 3600 Frauen in der Region der Stadt Koumpentoum werden damit unterstützt. Dreimal pro Woche werden sie von Lehrern unterrichtet. Die ersten Hürden sind schon überwunden, nämlich die Einrichtung eines Büros für den Koordinator Bernard Seck und die Ausbildung der Lehrer. Beides wurde von der KLB vorfinanziert.

Die zweite Phase des Projektes hat im Januar dieses Jahres begonnen, nachdem das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das 75 Prozent der Kosten übernimmt, seine Zustimmung gegeben hatte. Bei unserem Besuch vor Ort vor wenigen Wochen wurde der Vertrag, der drei Jahre laufen soll, von den beiden Vertragspartnern unterzeichnet. Auf senegalesischer Seite ist das die Organisation ASDI Tamba (L´Assocition Sénégalaise pour le développement intégré), vertreten durch den Geschäftsführer Bernard Seck. Auf deutscher Seite ist es der ILD, der ländliche Entwicklungsdienst der Landvolkbewegung, vertreten durch Geschäftsführer Lothar Kleipass.

Der Finanzplan für das Projekt umfasst die Bezahlung der Lehrer und Lehrbücher, die Beschaffung von fünf Motorrädern für die Supervisoren und das Gehalt des Koordinators. Zudem ist ein großer Posten vorgesehen für die Kleinkreditaufnahme für Frauen, die sich damit eine Existenz aufbauen können. So soll das wichtigste Ziel des Projektes, nämlich eine spürbare, nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Familien, erreicht werden.

Natürlich wurde bei unserem Besuch auch gefeiert. Rund 800 Frauen kamen im Dorf Patoulane zusammen und erwarteten uns schon am Dorfplatz. Eine Trommelgruppe animierte sie unentwegt zu temperamentvollen Tanzeinlagen. Jedes Dorf versuchte sich möglichst gut in Szene zu setzen. In verschiedenen Theatervorführungen wurde die Wichtigkeit der Fördermaßnahmen veranschaulicht. Dorfchef, Bürgermeister und Religionsführer würdigten den Einsatz der Frauen. Sogar eine Abgeordnete des senegalesischen Parlaments fand lobende Worte für das Projekt. Auch wir kamen zu Wort und betonten, dass wir keine Geschenke bringen, sondern ihnen partnerschaftlich helfen wollen, ihre Situation persönlich und wirtschaftlich messbar zu verbessern.

Zum Abschluss gab es ein gemeinsames Essen. Auf vielen Feuerstellen hatten die Frauen in großen Kesseln Reis und Gemüse mit ein bisschen Fleisch gekocht. Es wurde auf flachen Schüsseln verteilt und in kleinen Tischgemeinschaften mit der Hand gegessen.

Als Fazit unserer Reise können wir feststellen, dass die senegalesischen Frauen mit sehr großem Einsatz zu Werke gehen und wir auf eine erfolgreiche Durchführung des Projektes vertrauen können.

Indien ganz anders – typisch Indien!?!

Erfahrungen am Rande einer Migrationstagung

Mittlerweile war ich elfmal in Indien, oft in der Umgebung von Poona, aber auch einmal ganz im Norden und Osten des Landes, um Projekte von Misereor kennen zu lernen. Doch Kerala ist anders, und das ist schon wieder typisch. Indien ist einfach sehr vielfältig.

Der Bundesstaat Kerala in Südindien unterscheidet sich von den anderen Teilen Indiens. Es ist ein anderes Indien. Es gibt deutlich weniger Bettler und Bedürftige, die man von der Straße aus sehen kann. Und dennoch wird hier der landesweite Aufruf zum Generalstreik konsequenter befolgt als in anderen Gegenden Indiens. Es war der weltweit größte Streik, mehr als 150 Millionen Menschen haben die Arbeit nieder gelegt, um v.a. für eine Anhebung des Mindestlohns und bessere Sozialleistungen zu streiken. Unsere Gastgeber mussten das Programm umstellen, weil wir an diesem Tag das Hotel nicht verlassen sollten und sowieso alle Einrichtungen, die wir an diesem Tag besuchen wollten, geschlossen waren. So leer habe ich noch keine Straße in Indien gesehen, wie die vor unserem Quartier, eine der Hauptstraßen des Landes.

Kerala ist anders: Die westliche und arabische Kultur haben mehr Einfluss, das sieht man an der Kleidung. Viele gut gebildete Menschen aus diesem Teil Indiens gehen als Gastarbeiter in die Golf-Staaten. Dort können sie noch mehr verdienen als in der Heimat. Einen Großteil des Gehaltes überweisen sie aber zurück nach Indien, um die zurückgebliebene Familie zu finanzieren. Nach ein paar Jahren kehren dann viel zurück, um mit dem erarbeiteten Kapital ein eigenes Unternehmen zu starten. Kerala ist aber zugleich auch ein Einwanderungsland. Aus vielen ärmeren Teilen Indiens kommen Arbeitskräfte, um hier mehr Geld zu verdienen. Migration ist in Kerala in doppelter Weise real, es ist Entsende- und Aufnahmestaat zugleich. Das macht es für die Wissenschaft zu einem spannenden Forschungsobjekt. Zusammen mit dem Rajagiri College of Social Sciences (RCSS) wollen Wissenschaftler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hieran arbeiten. Meine Frau, Dr. Monika Pfaller-Rott, folgte einer Einladung und hielt dazu einen Vortrag über „Social Diversitiy“ während einer Tagung, an der auch Forscher aus den USA teilnahmen. Mein Beitrag bestand darin, die globale Situation von Migration darzustellen. Wenn sich diese Kooperation etabliert, gibt es neben der Beziehungen der WFI zum Rajagiri Centre for Business Studies (RCBS) eine zweite Säule der akademischen Zusammenarbeit. Diese haben echte Pionierarbeit geleistet.

Besonders beeindruckt war ich von der einwöchigen Pflichtexkursion für alle Erstsemester-Studenten, die sieben Tage in einem Dorf gut 120 km von Cochin entfernt leben und arbeiten müssen. Zu ihren Aufgaben gehört es, eine Straße anzulegen. Dazu müssen mit den Händen die Pflanzen gerodet werden, Steine klein geklopft und verlegt werden sowie am Nachmittag mit den einfachen Bauern Interviews zu deren Situation geführt werden. Abwechselnd müssen sie auch füreinander kochen. Und geschlafen wird auf einfachen Schilfmatten auf dem Boden des Schulhauses, wo dann am Vormittag die Kinder zur Schule gehen. Selbstverständlich können sich die Professoren und Professorinnen, darunter auch Priester und Ordensschwestern, nicht davon absetzen, sie sind die ganze Zeit mit dabei. So erfahren die angehenden Akademiker, was ländliche Armut wirklich heißt. Viele waren in ihrem Leben das erste Mal in der Küche, weil es selbst für indische Mittelschichtsfamilien normal ist, dass „Angestellte“ (ein echter Euphemismus, eigentlich sind es „Diener“) das Essen zubereiten. Pro Jahr schaffen die rund 100 Studenten in dieser Woche so immerhin gut zwei Kilometer neue Straße. Nebenbei entsteht so aber auch eine familiäre Verbindung an der Universität, die sich sehr positiv auf das Lernklima wirkt.

Geschwisterlichkeit über Kontinente hinweg

Der Kolpingverband in der Diözese Eichstätt hat eine Partnerschaft mit dem Kolping-Nationalverband Togo besiegelt.

„Wenn man Freud und Leid miteinander teilt, wächst man zusammen“. Dieses Zitat  des Seligen Adolph Kolping ist das Leitmotiv der neuen Partnerschaft zwischen Kolping Togo und Eichstätt. Zur Feier am Freitag, 16. September, kam eine vierköpfige Delegation aus Togo, um den Auftakt der Partnerschaft zu würdigen. Bischof Gregor Maria Hanke stand dem Festgottesdienst im Dom vor, der musikalisch von Kirchenchor Woffenbach gestaltet wurde.

„Akpe kaka loo“ – so sagt man in Togo „Danke“. Und der Dank, dass man partnerschaftlich verbunden sein darf, prägte die Feierlichkeiten. Bischof Gregor Maria griff in seiner Predigt auf den Apostel Paulus und dessen Bilder von der Einheit der an Christus Glaubenden zurück. Die Geschwisterlichkeit, die Paulus mit den Gliedern eines Leibes vergleicht, wirkt der Gefahr der Ghettoisierung einzelner Gruppen in der Kirche entgegen, so der Bischof. Das vertonte Motto des Kolpingtages in Köln „Wer Mut zeigt, macht Mut“, vorgetragen vom Kirchenchor Woffenbach und begleitet von Domorganist Martin Bernreuther, wies ebenso wie das Kolpinglied allen Gottesdienstbesuchern den Weg der angestrebten christlichen Geschwisterlichkeit. Als Zeichen der christlichen Verbundenheit brachten Kolping-Diözesanvorsitzende Eva Ehard aus  Spalt und die Vorsitzende des Nationalverbands Togo, Marie-Thérèse Awoussah, je eine Stola aus Deutschland und Togo zu Bischof Gregor Maria, der diese segnete. Künftig werden die Präsides hier in Bayern und Westafrika bei Gottesdiensten die Stola des jeweiligen Partners umlegen und die Verbundenheit so sinnenfällig zum Ausdruck bringen.

Den Festzug vom Dom zum Kolpinghaus begleitete die Möckenloher Blaskapelle, die im weiteren Verlauf des Abends noch zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen sollte.

Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen dem Kolping-Diözesanverband Eichstätt und dem Kolping-Nationalverband Togos. Foto: Ewald Kommer
Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen dem Kolping-Diözesanverband Eichstätt und dem Kolping-Nationalverband Togos. Foto: Ewald Kommer

Im Kolpinghaus wurde dann tatsächlich in vielen Sprachen gesprochen. Nicht nur in Ewe, einer von vielen Menschen in Togo gesprochenen Sprache, sondern auch in Französisch wurden die Gäste begrüßt. Kolping-Diözesanvorsitzende Eva Ehard war nicht die Einzige, die sich freute, ihre Sprachkenntnisse anwenden zu können. Auch stellvertretende Landrätin Tanja Schorer-Dremel (MdL) und Peter Schwab vom Internationalen Kolpingwerk ehrten die Delegation aus Togo durch Grußworte in der offiziellen Landessprache. Oberbürgermeister Andreas Steppberger hielt sich mit fremden Sprachen zurück, versprach aber dafür, sich für die Partnerschaftsreise im kommenden Jahr in das westafrikanische Land zu interessieren. Für das Referat Weltkirche der Diözese Eichstätt dankte – in Vertretung von Prälat Dr. Christoph Kühn, der später zur Versammlung stieß und die Unterzeichnung der Urkunde „notariell“ begleitete – Gerhard Rott, der auch Vorsitzender der Kolpingsfamilie Eichstätt und somit Hausherr ist, für die Erweiterung der im Bistum gepflegten Partnerschaften der Gemeinden und Verbände. Landtagsabgeordnete und Oberbürgermeister hatten inhaltlich die Aspekte der Bildung und des praktischen Tuns bei Kolping als unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung und zum Erhalt des Friedens in einer Gemeinschaft, auch der großen Weltgemeinschaft, hervorgehoben.

In seinem Grußwort betonte der togolesische Kolping-Nationalpräses, Dieudonné Agbeko, wie wichtig für sein Land die spirituelle Brücke zu den deutschen Brüdern und Schwestern sei. Natürlich freue man sich auch über die materielle Unterstützung, die sowohl vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit als auch aus Spendengeldern der Kolpingsfamilien komme, so der Nationalpräses. „Als Volk Gottes sind wir Brüder und Schwestern, die sich auf Augenhöhe begegnen und einander mit unterschiedlichen Gaben beschenken“. Damit knüpfte er nahtlos an Diözesanvorsitzende Ehard an, die aus einer Broschüre des anderen Eichstätter Partnerverbandes, nämlich Peru, zitierte: „Keiner ist so arm, dass er nicht etwas geben könnte, keiner ist so reich, dass er nicht etwas empfangen müsste“.

Bei der Unterzeichnung der kunstvoll gestalteten Partnerschaftsurkunde durch die Vorsitzende des Nationalverbands, Marie-Thérèse Awoussah, Nationalpräses Dieudonné Agbeko, Diözesanvorsitzende Eva Ehard und Diözesanpräses Monsignore Dr. Stefan Killermann, spürte man im Kolpinghaus den bedeutsamen Augenblick durch die feierliche Gespanntheit der Anwesenden, unterbrochen nur durch das Blitzlichtgewitter der Fotografen.

Anschließend konnten sich alle Gäste an einer bayerischen Brotzeit erfreuen, begleitet von den zünftigen Klängen der Blaskapelle. Eine besondere Freude bereitete Dirigent Dominik Harrer den Kolpingern, als die Möckenloher das Kolpinglied intonierten. Mit Standing Ovations quittierten die Anwesenden diese Hommage an den Gesellenvater und Seligen Adolph Kolping.

Die Vorstellung des Lebens in Togo und der Arbeit des Kolping-Nationalverbandes übernahm dessen Nationalsekretär Laurent Tay, der auch als Dolmetscher für die Reisegruppe fungierte. In den Kolpingsfamilien Togos werden viele ganz praktische Projekte umgesetzt, die das Leben verbessern. So finden Schulungen vor Ort auf dem Feld statt, in denen die Bauern lernen, durch eigene Kompostbereitung zur Düngung und Bodenverbesserung, die Erträge auf umweltverträgliche und nachhaltige Weise zu steigern. Neben diesen Landwirtschaftskursen werden die Menschen in der Fischzucht ebenso unterstützt wie beim Aufbau eigener Aktivitäten zur Sicherung des Lebensunterhalts: Das reicht vom eigenen Friseurladen bis hin zur genossenschaftlich geführten Fahrradwerkstatt.

Was wäre ein Festabend ohne die Ehrung verdienter Menschen: So bekam ein Dreigestirn der Kolpingsfamilie Woffenbach, der Keimzelle der Togo-Partnerschaft im Diözesanverband Eichstätt, aus den Händen von Frau Ehard die Dankurkunde mit Medaille. Diese Ehrung wurde auch Diözesanpräses Dr. Killermann für seine spirituelle Leitung des Verbandes zuteil. Heinz-Jürgen Adelkamp, Vorsitzender der Woffenbacher Kolpingsfamilie, dankte allen, die durch ihr Engagement zur Lebendigkeit der Partnerschaft beitragen und die Ausweitung auf die diözesane Ebene ermöglicht haben. Ebenfalls geehrt wurde der Vorsitzende der Kolping-Bildungsstätte und stellvertretende Vorsitzende der Kolpingsfamilie Eichstätt, Willi Reuder. Er, so Diözesanvorsitzende Ehard, unternimmt alles, um für die Zusammenkünfte im Kolpinghaus einen wohnlichen und gemütlichen Rahmen zu schaffen, so dass sich alle wohlfühlen können. Eine Ehrung ganz anderer Art nahm Edi Babiel, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Beilngries, entgegen: Die Beilngrieser traten bei der Deutschen Kolping-Fußballmeisterschaft in Eppingen mit mehreren Mannschaften an und erzielten bei der Jugend die Vize-Meisterschaft.

Nach weiteren schwungvollen Orchesterstücken klang der Abend mit vielen Gesprächen und der Vorfreude auf kommende Begegnungen mit einem kraftvollen „Treu Kolping – Kolping treu“ aus.

Radio k1: Kolping-Diözesanverband Eichstätt feiert neue Partnerschaft mit Togo