Kategorie-Archiv: Ostkirchen

Verfolgung um Christi und des Evangeliums willen: „Es ist eine religiöse Säuberung“

„Grausame, unmenschliche, unerklärliche Verfolgungen, vor allem gegen Christen“, nennt Papst Franziskus das Vorgehen von islamischen Terroristen und Fanatikern im Nahen Osten gegen Minderheiten. „Sie sind die Märtyrer von heute, gedemütigt und diskriminiert um ihrer Treue zum Evangelium willen“ (Papst Franziskus, rv 6.8.2015). „Ich rufe die internationale Gemeinschaft von neuem dazu auf, nicht stumm und tatenlos zu bleiben angesichts dieses inakzeptablen Verbrechens“ (Papst Franziskus, Mai 2014). Seit Beginn der Kämpfe in Syrien im Frühjahr 2011 wurden Schätzungen zufolge rund 250.000 Menschen getötet. Fast die Hälfte der Bevölkerung – zwölf Millionen Männer, Frauen und Kinder – sind auf der Flucht. Der Patriarch der syrisch-katholischen Kirche Ignace Youssif III. Younan ruft uns zu:

„…Es ist eine religiöse Säuberung! Was Ihre Regierungen nicht sehen wollen, und wovon Ihre Regierungen nichts wissen wollen. Denen ist die Religionsfreiheit dieser Gemeinschaften, die über Hunderte von Jahren durch ihre Treue zum Evangelium dort durchgehalten haben, ziemlich egal! …Man sagt uns, es gebe internationale Einrichtungen zur Verteidigung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit – aber wo sind die denn? Das ist eine Lüge! …Was sollen wir tun? Wie hat es der ‚Islamische Staat’ geschafft, so weit zu kommen!“(rv 08.08.15).

Wachen wir endlich auf! Realitätssicht und kein falsches Neutralitätsprinzip! Wir werden an unserer Äquidistanz und verbaler Ausgeglichenheit noch kaputt gehen. Wir sind dabei, die eigenen christlichen Wurzeln zu verleugnen. Ohne eigene Identität aber fehlt uns die Fähigkeit, Ereignisse und Zusammenhänge richtig zu deuten. Der permanente Versuch, die Christenverfolgungen der Gewalt gegen andere religiöse Gruppen gleichzustellen, entspricht nicht den Tatsachen. Mindestens 70 Prozent aller Verfolgungen in der Welt trifft Christen (Pew Research Center, Washington). Die EU verwechselt leider bis heute oft die europäische Identität mit der eigenen Brieftasche. Europäische Identität ist ohne das Christentum nicht denkbar.

Die Ankunft von immer mehr muslimischen Flüchtlingen bei uns wird sehr bald zu einer großen Herausforderung für die christliche und demokratische Identität des Kontinents werden. „Als Christen haben wir die Pflicht, die Flüchtlinge aufzunehmen, aber Europa muss auch die eigene, d.h. eine christliche Identität wahren können. … Es gibt muslimische Migranten, die sich (bei uns) mit einem speziellen Problem konfrontiert sehen. Sie können z.B. die Trennung von Religion und Politik, von Kirche und Staat, wie wir es sagen würden, nicht akzeptieren. Das hat einen direkten Einfluss auf den Integrationsprozess. Und was machen wir da? Wir müssen sagen, dass es Grundwerte gibt, die akzeptiert werden müssen. Dazu gehört die Wahrung des Pluralismus in unserer Gesellschaft, die Trennung von Politik und Religion und die Akzeptanz normaler demokratischer Prozesse, sodass ein friedliches, konstruktives Zusammenleben möglich ist, und die Menschen, die kommen, Teil der Gesellschaft werden und sie bereichern“ (Erzbischof S. M. Tomasi, Vertreter des Hl. Stuhls bei der UNO, 23/08/2015).

Hilfe für alle, ja – aber auch in Rücksicht auf unsere christlichen Schwestern und Brüder. Wenn wir größere Zusammenstöße vermeiden wollen, dann müssen wir bei der Flüchtlingsverteilung bei uns auch über die nationale und religiöse Zusammensetzung der einzelnen Gruppierungen nachdenken. Es müssen sich die Christen wenigstens in unseren Einrichtungen sicher und wohl fühlen können, was längst nicht mehr überall gewährleistet ist.

Ich bitte Sie alle, soweit es Ihnen möglich ist, engagieren Sie sich in Helferkreisen für die Flüchtlinge. Jeder von Ihnen hat ein Talent, das dringend gebraucht wird. Im Vertrauen auf die Hilfe Gottes, seiner Mutter und aller Heiligen, werden wir, dank Ihrer Mithilfe und Ihrem Gebet, auch weiterhin unseren notleidenden Brüdern und Schwestern helfen können.

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Ein Jahr nach dem Opfer der Himmlischen Hundertschaft

Im letzten Jahr haben wir jeden Tag hören müssen, dass soundsoviele Soldaten und soundsoviele Zivilisten durch die Kämpfe in der Ostukraine getötet wurden. Vor einem Jahr hat der Tod der sogenannten Himmlischen Hundertschaft der auf dem Maidan getöteten Demonstranten noch die Welt bewegt. Heute, so scheint es, sind die Getöteten zur Normalität geworden. Bei vielen Opfern haben wir Schwierigkeiten sie noch als Einzelschicksale wahrzunehmen. Ohne die einzelnen Namen wird sogar das größte Opfer – und unsere eigene Verantwortung ihnen gegenüber – nur verschwommen wahrgenommen.

Aus diesem Grund möchte ich Ihnen heute von einem jungen Mann erzählen, dessen Leben und Sterben uns die Entwicklung in der Ukraine zu verstehen helfen.

Sein Name war Bohdan Solchanyk und er wurde 28 Jahre alt. Ein vielversprechender Historiker, ein Mitglied der Fakultät der Ukrainischen Katholischen Universität (UKU), ein Dichter, ein junger Mann, der sich verliebt hat. Er versuchte, die Vergangenheit seiner Heimat zu verstehen, während er mit all seinen Kräften im Hier und Jetzt an einer besseren Zukunft seines Volkes mitgebaut hat. Diese bessere Zukunft bedeutete für ihn auch die Ehe mit seiner Frau Maria Pohorilko, die ihrerseits eine aufstrebende Historikerin, eine Promovendin an der UKU ist. Beide wollten, wie wir es in der Ukraine nennen, ein „Leben in Würde“. Sie hofften, die Geschichte ihres Landes mit den Studenten, mit den Lesern ihrer Artikel und mit der ganzen Welt zu teilen.

Leider wurde Bohdan Solchanyk am 20. Februar vor einem Jahr jäh aus diesen Träumen gerissen. Zusammen mit weiteren achtzig  unbewaffneten Idealisten, die von einer europäischen Ukraine träumten, wurde Bohdan kaltherzig erschossen, getötet von Scharfschützen der Polizei auf dem Zentralplatz der ukrainischen Hauptstadt, während die Fernsehkameras der Welt das Massaker live sendeten.

Die Botschaft von Bohdans Leben und Sterben ist einfach. Es ist eine Botschaft, die Europa und die Welt im Angesicht der großen Sorge und der Verworrenheit zwischen der Ukraine und Russland nötig hat. Die entstandene Verworrenheit ist größtenteils durch die Propaganda derer geschaffen worden, die die Träume und Hoffnungen von Bohdan verachten und die von Bohdans Opferbereitschaft, sich bis in den Tod hinzugeben, verwirrt worden sind.

Bohdan war einer der Millionen, die sich monatelang friedlich versammelt haben, die fröhlich, mit Liedern und Gebeten, mit Gedichten und Straßentheater, mit Musik und Tanz im Zentrum von Kiew und in zahllosen anderen ukrainischen Städten und Dörfern ihren Traum, ihr Ziel verwirklichen wollten. Dieses Ziel ist einfach: Freiheit, eine lebendige Zivilgesellschaft, Pressefreiheit, keine Korruption in Wirtschaft, Politik, Bildung oder im Gesundheitswesen und ein funktionierender Rechtsstaat. Wir in der Ukraine nennen das: ein Leben in Würde. Ein Leben, das in Europa gelebt wird.

Bohdans Leben war kurz, weil seine staatsbürgerliche Haltung eine Bedrohung für die bestehenden Autoritäten, die Vetternwirtschaft und die Korruption war. Er war eine Bedrohung für die radikale gesellschaftliche Ungleichheit, bei der Oligarchen und Politiker in obszönem Überfluss lebten, während der Rest des Volkes um sein Überleben kämpfte. Er wurde getötet, weil die Mächtigen seine Lieder und Freude fürchteten, den Tanz von Millionen und die Eintracht einer Nation.

Bohdan war in den letzten zehn Jahren, seit der Orangenen Revolution 2004, als er 19 Jahre alt, bei den gesellschaftlichen Protesten aktiv. Er wurde nicht von amerikanischen Agenten bezahlt, um bei minus fünfzehn Grad mitten in der Nacht zu demonstrieren. Er war keine Marionette einer fremden Macht, er war nicht ein geheimer Provokateur der Europäischen Union.

Er war einfach ein Mensch, der seine gottgegebene Würde erkannte und diese Würde für alle Ukrainer verteidigen wollte.

Bohdans Tod und der Tod der ersten Hundertschaft, von einer gnadenlosen Polizeimacht getötet, führten zum Kollaps des korrupten Yanukovych’ Regimes. Yanukovych floh, weil sein Sicherheitsapparat das brutale Vorgehen, das der ruchlose Präsident angeordnet hat, nicht weiter aufrechterhalten wollte. Genug war genug! Sie erkannten, dass die kriminellen Machenschaften das Land nicht länger unterdrücken konnten. Das österliche Opfer der Unschuldigen, das Blutvergießen – das tiefgründigste und ehrfürchtigste Sakrament – hat eine ungerechte Tyrannei gestürzt.

Der Zusammenbruch der korrupten und tyrannischen Regierung in Kiew durch den friedlichen Aufstand der ukrainischen Zivilgesellschaft, mit Liedern und Tänzen, im Kampf für Presse- sowie Versammlungsfreiheit und gegen Korruption sowie Bevormundung, konnte der Präsident von Russland nicht hinnehmen. Die Gefahr einer Ausbreitung dieses Freiheitskampfes war zu groß. Um ein russisches Ringen um ein Leben in Würde zu verhindern, suchte er seinem Volk Stolz auf einem anderen Weg zu geben. Er vergrößerte sein Reich: Die Krim wurde annektiert. Dazu wurde ein sinnloser Krieg angezettelt, um die neu erlangte Würde des ukrainischen Volkes zu zerstören. Es soll gezeigt werden, dass die Ukraine ein gescheiterter Staat war, und dass Bohdan Solchanyk umsonst gestorben ist.

Das ist die Geschichte von Bohdan Solchanyk und den Millionen, die an seiner Seite standen. Das ist die Erklärung, was in der Ukraine und worum der Kampf heute geht. Es gibt noch viele Seiten dieses Kampfes und es ist eine komplexe Geschichte, aber im Herzen ist es ein Pilgerweg von Unterdrückung und Angst, hin zu Freiheit und Würde – letztlich kann man sagen: von Tod zu Leben; es ist eine österliche Geschichte.

Am 20. Februar werden Ukrainer und alle Freunde der Ukraine der Opfer der Himmlischen Hundertschaft gedenken – der ersten, die auf diesem Weg zur Würde gestorben sind. Sie werden sich der 5500 Soldaten und Zivilisten erinnern, die durch die Invasion getötet wurden.

Wenn sie der Toten gedenken, denken sie auch an die humanitäre Krise die heute vorherrscht: Zehntausende Verwundete, tausende Witwen und Waisen, 1,5 Millionen Vertriebene und 5 Millionen, die direkt vom Krieg betroffen sind.

Uns Gläubige, die Christus nachfolgen, seines Leidens gedenken und seine Auferstehung feiern, erinnert das Opfer von Bohdan und seinen Leidensgenossen an das Blutzeugnis der Märtyrer. Es gibt keine größere Liebe als die, wenn man sein Leben hingibt für einen Freund (Joh 15,13). Diese Worte erklären vielleicht am Besten dieses schmerzliche Gedenken an Bohdan und die Himmlische Hundertschaft und die Ereignisse in der heutigen Ukraine.

Andreasfest und Papstbesuch in der Türkei – Ökumene und Dialog

„Kommt und seht … Wir haben den Messias gefunden!“

Nach dem Bericht des Evangelisten Johannes gehörte der heilige Apostel Andreas zu den ersten Jüngern des Herrn. Gemäß dieser Überlieferung erhielt der Apostel Andreas den Beinamen der Erstberufene, weil er auf das Wort des Herrn hin „Kommt und seht!“ (Joh 1,39) als erster Jesus nachgefolgt ist, um zu schauen, wo Er wohnt. Andreas war auch derjenige, der unmittelbar nach der Begegnung mit dem menschgewordenen Erlöser zu seinem leiblichen Bruder, dem Apostel Petrus, lief und sagte „Wir haben den Messias gefunden“; und er führte auch seinen Bruder zum Herrn (Joh 1,41f.).

Für die Kirche im oströmischen Reich, mit dem Zentrum in Konstantinopel, heute Istanbul,  diente dieser Abschnitt des Evangeliums, untermauert durch eine Apostel-Andreas-Legende, seit dem 6./7. Jahrhundert als Legitimation für den Führungsanspruch des eigenen Bischofssitzes, des Patriarchen von Konstantinopel. Gerne berufen sich die frühen christlichen Gemeinden und die aus ihnen herausgebildeten Teilkirchen auf die Gründung durch einen Apostel. Seit früher Zeit hat der Apostel Andreas für die byzantinischen Kirchen eine große Bedeutung. Er ist ihr Apostel, genauso wie die Apostelfürsten Petrus und Paulus für die Kirche von Rom, der Apostel Markus für die Kopten, die Christen Ägyptens, und der Apostel Thomas für die Christen Indiens.  Es lag deshalb nahe, dass die östlich-byzantinischen Kirchen, die mit Byzanz in der Theologie, der Glaubenspraxis und der Kirchenpolitik besonders verbunden waren beziehungsweise von Konstantinopel aus missioniert wurden und von dort die Taufe erhielten, den Apostel Andreas ebenfalls zu Ihrem Patron wählten. So entstanden frühe Berichte, mitunter mit legendären Zügen, gemäß denen der Apostel Andreas grundlegend für die Ausbreitung des Christentums beispielsweise in Kleinasien, im westlichen  Georgien, in der Kiewer Rus (ostslawischer Vorgänger Staat für die heutigen Länder Russland, Weißrussland und Ukraine mit Zentrum in Kiew) wirkte. Manche Historiker schließen einen Wahrheitskern zum Beispiel bei der Legende über die Wanderung des Apostels Andreas am Fluss Dnipro (Dnjepr)/Ukraine nicht aus.

Andreasfest im Collegium Orientale Eichstätt. Foto: COr
Andreasfest im Collegium Orientale Eichstätt. Foto: COr

Der Gedächtnistag des Apostels Andreas wird in der byzantinischen Tradition am 30. November begangen. Dies entspricht dem 13. Dezember nach dem julianischen Kalender. Im Unterschied zu den kleineren Tagesgedächtnissen und -heiligen wird dieses Fest liturgisch gesehen als großer Festtag gefeiert (zum Beispiel große Vesper mit Einzug). Dieser Heilige war schon immer einer der beliebtesten Namenspatronen für die Kinder in den östlichen Ländern und ist es auch bis heute geblieben. Deshalb dürfen im Collegium Orientale in Eichstätt gleich sieben Bewohner des Kollegs am Andreastag ihren Namenstag feiern. Außerdem haben sich einige Volksbräuche um das Andreas-Fest entwickelt, die einen weiteren Beleg für die Bedeutung dieses Heiligen im Leben und im Bewusstsein der östlichen Christen liefern. So besuchen junge Burschen in der Ukraine am Vorabend zum Andreasfest die Familien ihrer Freundinnen und versuchen dabei eine Kleinigkeit im Haus mitzunehmen – erlaubterweise zu stehlen –, damit die Dame ihres Herzens einen Grund hat, danach zu suchen und mit ihnen wieder Kontakt aufzunehmen. Die Gastgeber müssen besonders aufpassen, dass ihnen die Töchter selber nicht gestohlen werden. Es verläuft alles natürlich in einem lustigen Rahmen. Vielleicht spiegelt sich in diesem Brauch ein weiter gefasster Widerhall der eingangs zitierten Worte des Apostels Andreas wider: „Ich habe den Messias, die wichtige Person in meinem Leben, gefunden.“ Denn die jungen Männer sind bei diesem Brauch tatsächlich auf der Suche nach einer Partnerin für das ganze Leben und dürfen mit der Fürsprache des Apostels Andreas rechnen.

Papst Franziskus beim Andreasfest in Konstantinopel

Das Andreasfest in diesem Jahr steht unter dem Zeichen des Besuches des Heiligen Vaters in Konstantinopel. Das Oberhaupt der Katholischen Kirchen, Papst Franziskus, der Nachfolger des Apostels Petrus und Paulus, besucht unter anderem seinen Mitbruder im patriarchalen Dienst, den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus, den Nachfolger des Apostels Andreas, des Erstberufenen. Damit reiht sich der Heilige Vater in die seit Jahrzehnten andauernde gute Tradition der gegenseitigen Besuche zwischen Rom und Konstantinopel an den Apostelfesten ein: Am Andreasfest in Konstantinopel und am Hochfest Peter und Paul in Rom. Somit rufen sie die erste dieser brüderlichen Begegnungen zwischen Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras im Jahr 1964 in Jerusalem in Erinnerung.

Durch diesen Besuch wird einerseits das offizielle Bekenntnis der katholischen Teilkirchen zum Ökumenismus, der Einheitsbewegung unter den Christen, bestätigt. Es ist aber auch ein Herzensanliegen des Papstes selbst, das er in seinen Ansprachen immer wieder zum Thema macht, wie zum Beispiel im August dieses Jahres in einer Mittwochskatechese. Sinngemäß sagte er damals Folgendes: Viele haben sich mit der Teilung der Kirche abgefunden, auch innerhalb der katholischen Kirche; dies ist eine Schande. Mit seinem offenen, ökumenischen Besuch in Konstantinopel bestärkt der Heilige Vater auf eine sehr deutliche Weise alle Initiativen, die sich in den Dienst der Einheit der Kirchen stellen, in ihrem Engagement und ruft immer wieder unermüdlich zum Dialog auf, zum Gebet für die Einheit und zur Offenheit gegenüber den anderen christlichen Konfessionen.

Was auf der höchsten Ebene zwischen den offiziellen Sprechern und Repräsentanten der Kirchen zum Ausdruck gebracht wird und als dreitägiges punktuelles Geschehen gewertet werden kann, gilt insbesondere, ganz konkret und tagtäglich für uns im Collegium Orientale, für unser gemeinsames Leben und Studieren in diesem internationalen, interrituellen sowie ökumenisch offenen Haus der Diözese Eichstätt, in der praktischen Werkstatt der Annäherung und des Kennenlernens der einzelnen Ostkirchen.

Die Apostelfeste eignen sich meines Erachtens sehr gut für das Besinnen auf die Einheitsbemühungen innerhalb der Kirchen. Bekanntlich beruhen alle Bemühungen um die Einheit auf dem letzten Gebet unseres Herrn im Johannes-Evangelium im Kreise seiner Jünger vor seinem Kreuzweg, seinem lebenspendenden Tod und der Auferstehung. Jesus betete damals: „[Vater], ich bitte Dich nicht nur für diese hier [für die Apostel], sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein!“ (Joh 17,20f.) Eine wunderbare Tatsache: Jesus Christus betet für die Apostel und für uns und bringt beide, die Apostel und uns, in eine lebendige Verbindung zueinander; besonders was den Einsatz für die Einmütigkeit und Einheit im Glauben angeht. Auf die Fürbitten aller Apostel des Herrn, besonders der Apostelbrüder Petrus und Andreas, des Erstberufenen, dessen Fest wir am kommenden Sonntag begehen, dürfen wir hoffen, dass die ganze Christenheit irgendwann gemeinsam und einmütig bekennen wird: Seht, wir haben den Messias gefunden.

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Der Konflikt in der Ostukraine und die Kirchen: ein Propagandakrieg

Seit mehreren Monaten wird der ukrainische Staat von dem Konflikt im Osten des Landes zerrissen. Dabei geht es nicht nur um die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen ukrainischen Militärkräften und prorussischen Separatisten, sondern parallel dazu wird auch ein Propaganda- bzw. Informationskrieg geführt. Die russische Propaganda versucht mit allen Mitteln, den Konflikt, der aus Russland mit allen Kräften unterstützt wird, als einen Krieg der Kiewer Regierung gegen das eigene Volk darzulegen.

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Ökumenisches Gebet für die Ukraine in Lviv / Lemberg. Foto: Pressestelle der griech.-kath. Erzeparchie Lviv

In den ersten Augustwochen gerieten auch die Kirchen in den Fokus der russischen Propaganda. Am 14. August meldete sich Patriarch Kyrill, der Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche, zu Wort. Er wandte sich an die orthodoxen Kirchen und rief ihre Vorsteher dazu auf, ihre Stimme zur Verteidigung der orthodoxen Christen zu erheben. In seinem Aufruf benannte er auch die „Schuldigen“ an der prekären Lage der Orthodoxen, nämlich die „Uniaten“ und „Schismatiker“. Damit waren die Mitglieder der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche und der ukrainischen orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchat gemeint.

Das Moskauer Patriarchat erhob in der auf seiner Internetseite veröffentlichten Stellungnahme den Vorwurf, bewaffnete Mitglieder der griechisch-katholischen Kirche und des orthodoxen Kiewer Patriarchats hätten in der Ukraine „moskautreue Priester beschimpft, gefoltert und verhaftet“. Der Patriarch listete mehrere angebliche Fälle von „gezielter Verfolgung“ orthodoxer Priester auf, die er „Unierten und Schismatikern“ zuschrieb.

Dabei blieb es aber nicht. Am 20. August ging der russisch-orthodoxe Patriarch noch weiter und bat die Vereinten Nationen um Hilfe für seine Kirche in der Ukraine. Nach Angaben des russisch-orthodoxen Außenamtes und der Agentur „Interfax“ wandte er sich an die UNO, den Europarat und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit der Bitte, sie sollten Gewalt gegen orthodoxe Priester „nicht gleichgültig“ gegenüberstehen. Im Mittelpunkt der Kritik standen wiederum die mit Rom verbundene griechisch-katholische Kirche und das orthodoxe Kiewer Patriarchat. Diese hätten der ukrainisch-orthodoxen Kirche, die mit Moskau verbunden ist, „Schaden zufügen“ wollen.

Beide betroffenen Kirchen waren herausgefordert, auf diese Angriffe zu reagieren. Entsprechende Vorwürfe weisen sie entschieden zurück. Der für die griechisch-katholische Militärseelsorge zuständige Erzpriester Lubomyr Jaworskyj erklärte in einer Stellungnahme, Kyrill I. lasse sich von „Informationen aus Quellen der russischen Propaganda leiten“. Es habe keinerlei Übergriffe von Geistlichen seiner Kirche auf orthodoxe Priester gegeben. Darauf folgten auch zwei offizielle Erklärungen der griechisch-katholischen Kirche (UGKK) auf die Vorwürfe des Moskauer Patriarchen. Am 15. August wurde in einer Mitteilung erklärt, dass die Situation in der Ukraine die „Tragödie des ganzen Volkes, der Anhänger aller Konfessionen und aller Schichten der Gesellschaft“ sei und nicht bloß nur der einen Konfession, wie es das Moskauer Patriarchat zu vermitteln versuche. Es sei unzulässig, den Konflikt auf die interkonfessionelle Ebene zu übertragen, denn dies würde die Spannungen in der ukrainischen Gesellschaft nur vertiefen.

Die UGKK unterstrich, dass „Geistliche aller Konfessionen, welche ihren Seelsorgedienst in den Regionen von Donetsk und Luhansk sowie in der Autonomen Republik Krim verrichten, leiden und ihr Leben riskieren“. Unabhängig von der konfessionellen und religiösen Zugehörigkeit der Betroffenen wurde in der Stellungnahme der UGKK jegliche Art von Gewalt gegen friedliche Bewohner verurteilt. Darin wurde ebenfalls an das Engagement des gesamtukrainischen Rates der Kirchen erinnert, dem alle ukrainischen Kirchen angehören und der sich seit Monaten um eine friedliche Lösung des Konflikts bemüht.

Am 21. August wandte sich auch das Oberhaupt der UGKK, Großerzbischof Sviatoslav Shevchuk an die weltweite Gemeinschaft der Katholischen Kirche und an alle Menschen guten Willens. In seiner Erklärung wies er die Vorwürfe des Moskauer Patriarchen erneut zurück. Er hob das gemeinsame Martyrium der Kirchen und der kirchlichen Vertreter im vom Konflikt beladenen Osten der Ukraine hervor und führte eine Reihe von konkreten Beispielen auf, die zeigen, dass im Osten nicht nur die Katholiken, sondern auch die Orthodoxen und Protestanten zu Opfern von Gewalt, Misshandlung und Tötung werden. Der gegenwärtige Propagandakrieg macht es nochmals deutlich, dass der russische Staat alle Mittel einsetzt, damit die Situation nicht nur im Osten, sondern in der Gesamtukraine instabil bleibt. Es erweist sich erneut, dass auch die russisch-orthodoxe Kirche sich in diesem Propagandakrieg wieder in den Dienst des Staates stellen und missbrauchen lässt.

Die russischen Propagandastrategen und das Moskauer Patriarchat bedenken jedoch zu wenig, dass sie durch solche Vorwürfe und Versuche einen interkonfessionellen Konflikt in der Ukraine entfachen und der ukrainischen orthodoxen Kirche, die dem Patriarchen in Moskau unterstellt ist, großen Schaden zufügen können. Denn diese Kirche, die vor kurzem ihr neues Oberhaupt, den Metropoliten Onufrij, gewählt hat, wird in ihrer gegenwärtigen Haltung zwischen Kiew und Moskau zerrissen. Sie, die seit Jahren als eine Kirche galt, die die russischen Einflüsse und Interessen in der Ukraine vertrat, muss sich einerseits in der heutigen Situation neu definieren, um ihre Gläubigen nicht zu verlieren; andererseits muss sie ebenfalls einen solchen modus vivendi mit ihrem geistlichen und jurisdiktionellen Zentrum in Moskau finden, dass aus der öffentlichen Meinung der Verdacht weggeräumt wird, diese Kirche erfülle weiterhin die Funktion eines verlängerten Armes der russischen Politik in der Ukraine.
Es bleibt also die Hoffnung, dass die Kirchen in diesem Informationskrieg doch nicht missbraucht werden oder sich missbrauchen lassen, sondern umgekehrt durch ihr Engagement und ihre Frieden stiftende Rolle zur Beilegung des Konfliktes in der Ukraine beitragen.

Der Maidan in Kiew – Fotoimpressionen

Ivan Kupar, ehemaliger Kollegiat des Collegium Orientale Eichstätt aus Transkarpatien/Südwestukraine, war mehrere Male auf dem Maidan in Kiew. Er hat eine Fotodokumentation zum Thema „Maidan in Kiew: friedliche Organisation, Aufgabenverteilung und Zusammenhalt der Demonstranten“ erstellt.

Eine Auswahl seiner Bilder hat er mir zugesandt und zur Veröffentlichung hier im Blog freigegeben. Es sind Aufnahmen von der Versorgung der Maidan-Teilnehmer mit Wasser, Essen, Tee; von der medizinischen Versorgung der Verletzten und Kranken. Gezeigt werden auch Aufräumarbeiten nach den nächtlichen Angriffen der bewaffneten Polizei, Barrikadenbau aus Straßenpflastersteinen und Reifen, die letzteren zum Verbrennen, um eine dunkle Rauchwolke zu erwirken und die klare Sicht der Polizeileute auf den Maidan zu verhindern. Auch Blutspuren eines Ermordeten, umgeben von Pflastersteinen – in der Mitte mit einem Holzkreuz, damit niemand drauf tritt – sind zu sehen.

Vielleicht können diese Bilder manchen der prorussischen Journalisten überzeugen, dass die unbewaffneten Demonstranten ganz normale Menschen sind, die für ihre und unsere Menschenwürde standen und bisher noch stehen (in größter Lebensgefahr!), und dass sie keine Nazis beziehungsweise Faschisten sind, wie sie offiziell von der russischen Seite genannt und leider viel zu oft von russlandfreundlichen Medien – auch in Deutschland – ungeprüft bezeichnet werden.

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