Kategorie-Archiv: Mission

Schwester Karoline Mayer in Eichstätt

Am vergangenen Wochenende flog Schwester Karoline Mayer wieder zurück nach Chile. Auf ihrer Deutschlandreise stattete sie auch der alten Heimat Pietenfeld einen Besuch ab und sprach in Eichstätt über das Werk Cristo Vive, das sie gegründet hat.

Schwester Karoline, geboren 1943, lebt seit 1968 in Santiago de Chile. Sie ist ausgebildete Universitätskrankenschwester und Leiterin der Fundación Cristo Vive.
Vieler Auszeichnungen könnte sie sich rühmen, des Bundesverdienstkreuzes, der Kardinal-Frings-Medaille, des Edith-Stein-Preises oder -jüngst- des Marion-Dönhoff-Preises für internationale Verständigung und Versöhnung. Aber sie tritt bescheiden auf, ein großes Kreuz über dem dunkelblauen Kleid, eine Plakette, die sich gegen die Privatisierung der Schulen in Chile wendet, am Revers. Sie spricht von Gott und seiner Liebe zu den Menschen. Setzt sich keine Minute an den schön dekorierten Tisch.

Ein freudiges Wiedersehen mit guten Freunden, Verwandten, ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten, die in Chile und Bolivien im Werk Cristo Vive Erfahrungen in einer anderen Welt machen konnten, ist es jedes Mal, wenn Schwester Karoline Mayer nach Eichstätt kommt. Denn längst ist Schwester Karoline Chilenin. In der Katholischen Hochschulgemeinde erinnerte Pater Haas daran, dass Schwester Karoline auch Trägerin des Shalompreises ist.

Auf dem Katholikentag in Regensburg war sie eingeladen, auf dem Podium über die Theologie der Befreiung zu sprechen. Das hat sie bei einem Besuch im Bistum Eichstätt nochmals getan. Vieles sei in Europa falsch verstanden worden, Angst vor kommunistischen Gedanken sei geschürt worden, erklärte sie in der Hochschulgemeinde.

Theologie der Befreiung aber bedeute, das Wort Jesu Christi ernst zu nehmen. Sie habe beim Anblick der Armen, als sie noch bei den Steyler Missionarinnen lebte, bei den Ärmsten sein wollen. Im Laufe der Zeit entstanden Kindergärten, Schulen, Werkstätten und Zentren für Drogenabhängige. Ein großes Ziel sei die berufliche Bildung. Deutschland sei hier sehr weit und sie wünsche sich für Chile eine ähnlich gute Ausbildung von Handwerkern.

Das Gesundheitszentrum in Santiago de Chile bietet mittlerweile 22.000 Menschen die Möglichkeit zur Behandlung und Beratung. Es ist eine ambulante Einrichtung. Inzwischen hat sich der Staat an der Finanzierung vieler Einrichtungen beteiligt. Dennoch flössen die Geldleistungen oft sehr verzögert und ohne Unterstützung aus Deutschland wüssten sie bei Cristo Vive oft nicht, wie sie weitermachen sollten.

Papst Franziskus und sein Blick auf die Armen und Ausgegrenzten sei sehr ermutigend, meinte Schwester Karoline. Der Austausch mit jungen Leuten, die für einige Monate, manche länger, nach Chile oder Bolivien kämen, sei für beide Seiten bereichernd. Die Armen fühlten sich wertgeschätzt und die Gäste aus Deutschland könnten viel lernen, auch von einer anderen Weise, Kirche zu erleben.

Missionarin auf Zeit in Tansania

Mein Name ist Katharina, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Nürnberg. Ich habe gerade die Schule mit dem Abitur beendet und werde nun einen Freiwilligendienst in Tansania machen. Darüber möchte ich in diesem Blog berichten und meine Eindrücke mit euch teilen. Dabei freue ich mich auf viele neue Erlebnisse und Erkenntnisse, die nicht nur mich, sondern vielleicht auch euch Leser in Deutschland, zum Nachdenken anregen.

Ich werde meinen Einsatz als „MissionarIn auf Zeit“ machen, wobei drei Elemente im Mittelpunkt stehen: das Mitleben an der Einsatzstelle, das Mitbeten im Kloster und die Mitarbeit im jeweiligen Projekt. Die Jugendlichen leben in den Ordensgemeinschaften mit, haben die Möglichkeit ihren Glauben neu zu entdecken und können sich engagieren, egal ob in einer Schule, in einem Kindergarten, Waisenhaus etc.

Der Ort, an dem ich nächstes Jahr arbeiten werde, heißt Poli Singisi und befindet sich im Norden Tansanias, in der Nähe von Arusha. Dort teile ich das Alltagsleben der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut. Mein Aufgabenbereich befasst sich hauptsächlich mit dem Unterrichten junger Frauen im Fach Englisch. Zusätzlich haben sie Unterricht in Schneidern, Kochen, Gartenarbeit und Haushaltsführung. Auch eine Farm und eine Secondary School befinden sich auf dem Gelände.

Unser Träger umfasst das MaZ-Team der Spiritaner, Spiritanerinnen, Missionsschwestern vom Kostbaren Blut und der Mariannhiller Missionare. Zusammen mit 18 anderen Jugendlichen werden wir von ihnen in verschiedene Länder Afrikas und auch nach Südamerika entsandt. Um für dieses Jahr entsprechend gerüstet zu sein, haben wir eine lange Phase der Vorbereitung durchgemacht, die sich langsam dem Ende zuneigt.

In verschiedenen Seminaren haben wir uns mit ganz unterschiedlichen Themen beschäftigt: Im „Eine Welt“ Seminar wurden wir sensibilisiert für die Vor- und Nachteile, welche die Globalisierung mit sich bringen kann. Wir haben über den Klimawandel gesprochen, die Problematik der Altkleidung und des Altfleischs, über Konflikte zwischen Bauern und der Regierung (zum Beispiel in Mexico) etc.

In dem nächsten Seminar haben wir uns mit uns selbst beschäftigt, unter dem Motto „So bin ich“. Wir haben versucht uns besser kennenzulernen, herauszufinden wer und was uns wichtig ist und auf was wir nächstes Jahr nicht verzichten können und wollen.

Bei unserem Osterkurs stand der Glauben im Mittelpunkt und natürlich die Feier der Kartage. Wir haben uns mit unserem eigenen Glauben auseinandergesetzt, auch mit den Zweifeln, haben versucht die Taten Jesu näher zu beleuchten und zu verstehen. Und das große gemeinsame Osterfrühstück am Ostersonntag durfte natürlich nicht fehlen.

Dann wurde es konkreter: Wir haben uns in verschiedene Länderseminare aufgeteilt. Mit Tansania (sowie Kenia, Uganda und Ruanda) habe ich zum Ostafrikaseminar gehört. Wir haben viele detaillierte Informationen über unsere Länder bekommen, Hinweise auf mögliche Fettnäpfchen, in die wir treten könnten (zum Beispiel darf man NUR die rechte Hand benutzen, egal ob zur Begrüßung, zum Essen, zur Entgegennahme von Gegenständen etc.) und vieles mehr. Wir haben afrikanische Lieder gesungen und schon die ersten Wörter auf Kiswahili gelernt, was man in Ostafrika hauptsächlich (neben Englisch) spricht.

Jetzt befinden wir uns in der letzten Phase, in der wir unsere Aussendungsgottesdienste in der heimischen Gemeinde feiern und außerdem noch für drei  Wochen in einem Kloster leben werden, um den Klosteralltag kennen zu lernen. Doch dazu dann später mehr …

Der sinnlose Krieg im Südsudan wird noch viele Menschenleben fordern

Offensichtlich sind auch in den deutschen Medien wieder Nachrichten über den Südsudan aufgetaucht, die aus ferner Sicht nicht so einfach einzuordnen sind. So will ich zumindest einmal versuchen, eine Einschätzung zu geben, auch wenn ich weiß, dass sie subjektiv und aufgrund der Komplexität ungenau sein wird.

Was war das doch für eine Freude als am 9. Januar 2011 ein Referendum die Unabhängigkeit des Südsudans vom verfeindeten Nordsudan einleitete, die dann ein halbes Jahr später zur Teilung des Landes führte. Aber das jüngste Land Afrikas, der 54. Staat auf dem afrikanischen Kontinent, ist nach so kurzer Zeit schon wieder mitten im Bürgerkrieg. Auch wir Missionare waren naiv und glaubten, dass nach den vielen Kriegsjahren (1956-1973 und 1982-2005) jetzt endlich der „Friede ausbrechen“ würde. Endlich befreit vom unterdrückerischen arabischen Norden schien das „Gelobte Land“ so nah. Wir aber haben doch gewusst, dass noch in den oben erwähnten Kriegsjahren die Sudan People‘s Liberation Army (SPLA = Sudanesische Volksbefreiungsarmee) große Konflikte untereinander hatte und, dass es zu Aufspaltungen untereinander gekommen war. Schwere interne Kämpfe hatten schon in den beiden Kriegen vor der Unabhängigkeit mehr Tote gefordert als die Kämpfe gegen den Feind im Norden.

Nach der Staatenbildung im Juli 2011 wollten natürlich alle, die sich im Krieg „verdient“ gemacht hatten, einen guten Platz in der Regierung. Das heißt, die neue Regierung entstand aus Politikern, die einen militärischen Hintergrund hatten und entsprechend das Land bis heute führen. Auch ist für sie ein Krieg nicht „The end oft the world“, sondern „Normalsituation“. Interessanterweise hat die Armee im neuen Staat nicht einmal den Namen gewechselt und heißt bis heute SPLA. Korruption und „Vetternwirtschaft“ wurde zur Tagespolitik und schnell kam es zu Uneinigkeiten und Streitigkeiten. Das bevölkerungsreichste Volk der Dinkas schaffte es, sich an die Spitze zu setzen und machte sich in allen Ämtern und einflussreichen Stellen breit. Das zweitgrößte Volk, das der Nuer, stellte den Vizepräsidenten. Sie aber stell(t)en fast 70 Prozent des Militärs, weil sie die besten „Krieger“ und „Kämpfer“, schon in der Zeit der Kriege mit dem Norden, waren. Und genau da ist das Problem.

Der Vizepräsident wurde Mitte 2013 entlassen und der Präsident baute sich eine Privatarmee aus seinen Stammesgenossen, den Dinka, auf. Mitte Dezember 2013 kam es zu einem als Militärcoup bezeichneten Überfall auf eine Kaserne in Juba, der sich blitzschnell in einem völkermordähnlichen Konflikt gegen die Nuer ausweitete. Es liegt nahe zu vermuten, dass die Regierung diesen Konflikt vom Zaun gebrochen hat, um die Übermacht der Nuer-Soldaten zu brechen und der vermuteten Gefahr einer militärischen Regierungsübernahme durch die Nuer zuvorzukommen. In der Folge kam es zu schweren Vergeltungsschlägen der Nuer in ihren Siedlungsgebieten, die sich bis heute fortsetzen.

In der Zwischenzeit zählen wir fast eine Million Flüchtlinge im eigenen Land, die in verschiedene Flüchtlingslager – zum Teile unter dem Schutz der UN – oder auch nach Uganda, Kenia, Äthiopien und in den Nordsudan geflohen sind. Die meisten sind jetzt schon in einer prekären Situation mit wenig oder fast gar keiner Nahrung. Dazu kommen ca. 20.000 Tote in den vergangenen Monaten. Wäre nicht Ende Dezember die Armee von Uganda in Juba und weiter im Norden bei Malakal eingeschritten, hätten wir wahrscheinlich bereits eine andere Regierung hier in Juba. Denn nachdem so viele Nuer-Soldaten von der SPLA, der Regierungsarmee, in die sogenannte „SPLA in Opposition“, der Armee der Nuer, übergelaufen sind, ist die Regierungsarmee enorm geschwächt und braucht Hilfe von außen. Die Gefahr, dass sich der Krieg zu einem regionalen Konflikt ausweitet, liegt nahe, denn leider gibt es sehr viele militärische Gruppierung in diesem Teil Afrikas, die sich – gegen Geld – als Kriegssöldner anheuern lassen und heute hier und morgen dort kämpfen.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist, dass man nicht weiß, auf welcher Seite die vielen kleineren Völker des Landes (mehr als 60) stehen. Die Dinka und die Nuer machen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Südsudans aus, wobei das Volk der Dinka doppelt so groß ist wie das der Nuer. Mit Sicherheit sind die kleineren Völker mit der Regierung nicht zufrieden, sie trauen aber auch der „SPLA in Opposition“ nicht. Diese hat – vor allem mit ihrer sogenannten „White Army“ (Weiße Armee = Wilde Jungs aus den Cattle camp, die sich zum Schutz vor Mosquitios mit Asche beschmieren) böse Vergeltungsschläge in den drei hauptsächlich von Nuer bewohnten Regionen (oder Bundesländern) Unity, Jonglei und Upper Nile verübt, die man nur als Kriegsverbrechen bezeichnen kann.

Da für die Nuer ein Marsch nach Juba aufgrund der militärischen Unterstützung der Regierung durch Söldner und der Armee des Nachbarlandes Uganda zurzeit nicht möglich ist, konzentriert sich die „SPLA in Opposition“ unter Führung des ehemaligen Vizepräsidenten auf die drei Regionen, wo die Nuer zuhause sind oder die sie als ihr angestammtes Gebiet bezeichnen. Es sind die großen Gebiete von Jonglei-, Upper Nile- und Unity State, in denen auch die Ölquellen des Landes liegen. Die Nuer wollen die Regierung in die Knie, zumindest an den Verhandlungstisch, zwingen. Aus diesem Grund gehe ich davon aus, dass sich der Konflikt noch lange hinziehen und noch viele Menschenleben fordern wird.

Jagd auf Menschen

Die letzte Woche hat das gezeigt: Am Dienstag in der Karwoche hat die „SPLA in Opposition“ (also die Nuer) mithilfe von Söldnern aus dem Nordsudan, den Janjaweed, die Öl-Stadt Bentiu überfallen und die Regierungsarmee mit vielen Verlusten an Menschenleben vernichtend geschlagen. Auch sehr viele Zivilisten wurden Opfer eines Massakers. Auch Mayom, eine weitere wichtige Stadt im Norden, wurde überfallen und eingenommen. Die Nuer in den Lagern haben den Sieg gefeiert. So kam es in einen Flüchtlingslager in Bor (Hauptstadt von Jonglei), wo viele der Flüchtlinge dem Volk der Nuer angehören, zu ausgelassenen Feiern. Die Dinka-Jugend der verwüsteten Stadt Bor drang daraufhin in das UN-Lager ein, überwältigte selbst die Blauhelmsoldaten und töteten viele Nuer.

Hier in Juba sind seit Dezember zwei Flüchtlingslager der UN. Wir gehen regelmäßig in die Lager zu Gottesdiensten und helfen auch, wo es möglich ist. Auch „unsere“ Leute dort im Camp haben am selbigen Dienstag den Sieg in Bentiu gefeiert und sind mit den Palmzweigen, die wir am Palmsonntag mitgebracht hatten, tanzend durch das Lager gezogen. Im Lager ist seitdem wieder erhöhte Alarmstufe. Wir (Comboni-Missionare) haben noch größere Schwierigkeiten reinzukommen und werden kritisch beäugt, weil man uns unterstellt, die „Rebellen“ zu unterstützen.

Natürlich warten die Menschen in den Camps auf ihre Befreier. Viele können vom Lager aus sogar ihre Häuser sehen, die sie bewohnt haben und die jetzt von anderen in Besitz genommen worden sind. Der Hass und die Ohnmacht sind groß. Fast alle im Lager haben Angehörige verloren. Viele hier in den Lagern sind Soldaten und würden sofort ihren Leuten zu Hilfe kommen, wenn sie könnten. Der sinnlose Krieg wird noch viele Menschenleben fordern. Die Möglichkeiten der Vereinten Nationen hier sind begrenzt. Sie können nur das Schlimmste an ein paar Orten im Land verhindern.

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Die große und heilige Woche in den Anden Boliviens

In der Pfarrei Incahuasi (Kaisershausen) auf 3.000m Höhe in den Anden Boliviens, in der ich über 23 Jahre als Pfarrer wirkten durfte, waren die beiden meist besuchten Gottesdienste nicht wie erwartet am Karfreitag, sondern am Palmsonntag und in der Osternacht.

Karwoche in Bolivien: Altar zur Anbetung des Allerheiligsten. Foto: Mario Herrera
Karwoche in Bolivien: Altar zur Anbetung des Allerheiligsten. Foto: Mario Herrera

Zum Palmsonntag brachten Männer von unseren Tälern echte Palmzweige. Palmen wachsen bei uns in Bolivien sogar hier in der Hauptstadt Sucre auf 2.750m. Meiner Einschätzung nach war dieses äußere Zeichen der Palmzweige einer der Anziehungspunkte für die überaus große Beteiligung. Als Pfarrer durfte ich bei der Prozession auf einem echten Esel reiten, dem Lasttier der armen und kleinen Leute.

In der Fastenzeit standen wir jeden Freitag um 5.00 Uhr auf. In der Kirche beteten wir das erste Gesätz vom Schmerzhaften Rosenkranz, dann die weiteren in Prozession bis zum Fuße unseres Kalvarienbergs außerhalb des Ortes. Von dort beteten wir die 14 Stationen des Kreuzweges den Berg hinauf. Wer auf dem Weg eine Schlange töten konnte, freute sich nach Meinung unserer Leute auf die „Vergebung seiner Sünden“.

Am Karfreitag standen wir erst um 6.00 Uhr auf. Die Beteiligung war immer sehr groß. Fast alle Familien waren vertreten. Dagegen am Nachmittag zur Karfreitagsliturgie waren nur die Bänke besetzt. Anschließend trugen die Gläubigen das „Heilige Grab“ durch den Ort und beteten die Sieben Worte des Erlösers am Kreuz. Ich war da oft bis 21.00 Uhr mit den Beichten beschäftigt.

Die Osternacht feierten wir sehr, sehr früh. Unsere Leute auf dem Land stehen mit dem Mond, den wir ja immer an Ostern haben, bald auf. Bereits um halb drei kamen die Ersten um das Osterfeuer zu schüren. Die Kirche gesteckt voll bis draußen und immer auch mehrere Taufen.

In den Gottesdiensten am Ostertag in den verschiedenen Gemeinden gab es immer Taufen, insgesamt meist über hundert.

Hier in der Bischofstadt bereiten wir jedes Jahr die Karwoche schon in der fünften Fastenwoche vor. Ab Montagvormittag um 11.00 Uhr kommen Schulklassen zum Jugendgottesdienst und füllen die Kathedrale. Mehrere Beichtväter stehen zur Verfügung, um das befreiende Sakrament der Lossprechung zu spenden. Ebenso am Abend ab 18.00 Uhr ist Beichtgelegenheit, ab 18:30 Rosenkranz und um 19.00 Uhr Hl. Messe mit Predigt. Auch da haben wir jedes Jahr sehr viele Teilnehmer.

Bereits am Samstag vor dem Palmsonntag feiern wir den Weltjugendtag in der Erzdiözese in einem kleinen Stadion mit etwa zweitausend Jugendlichen.

Das Besondere in der Karwoche in den Städten in Bolivien findet am Gründonnerstag nach der Feier der Abendmahlsmesse statt. In jeder Kirche wird wie in Deutschland ein Altar aufgebaut zur Anbetung des Allerheiligsten, des Sakramentes des Leibes und Blutes Christi, in dem Christus wirklich und ganz gegenwärtig ist – auch mit seiner Seele und mit seiner Gottheit! Unvorstellbar aber wahr. Da es in den Innenstädten mehrere Kirchen gibt, setzt nun ein Pilgerstrom ein. Tausende sind unterwegs von einem Gotteshaus zum anderen zum Schauen und Begutachten, aber auch zum Anbeten. Manche wollen zwölf Kirchen besuchen, andere geben sich mit der „vollkommenen“ Zahl sieben zufrieden.

Palmsonntag in einem Flüchtlingslager in Südsudan

Heute ist Palmsonntag und ich war wieder in einem der beiden Flüchtlingscamps in Juba. Mit ein paar Bildern will ich euch teilhaben lassen, wie es hier liturgisch und auch sonst zugeht. Heute war es wieder heiß und weil es in der Nacht geregnet hat, auch verdammt schwül. Die Ministranten haben mir fast Leid getan, so ist ihnen der Schweiß heruntergelaufen. Die Regenzeit fängt langsam an und die Menschen in den Flüchtlingscamps leiden vor allem an der schlechten sanitären Situation. Viele Latrinen laufen über und der Geruch mischt sich mit dem von getrocknetem Fisch.

Die Palmsonntagsprozession durch das Camp war sehr bewegend. Viele haben teilgenommen, auch wenn sicher nicht alle davon Christen waren. Die Flüchtlinge, fast alle aus dem Stamm der Nuer, die noch bis Mitte Dezember nur wenige Meter oder Kilometer von Camp (also in der Stadt Juba) gelebt haben, haben durch eine Genozid ähnliche Attacke von Seiten der Regierung viele aus ihrer Verwandtschaft verloren und fühlen sich erniedrigt. Die Parallele zu Jesu Leidensweg liegt nahe. Auch er wurde erniedrigt und hat in der Annahme und Hingabe seine Größe gezeigt und den Weg unserer Erlösung eingeschlagen. Nur ist unter den Flüchtlingen die Wut, die Angst und der Hass zu groß, um Jesu Beispiel (als Volksstamm) zu folgen. Der Einzelne mag das durchaus versuchen. Aber es ist nicht leicht. Der Weg der Versöhnung hier wird lange brauchen und es gibt noch keine Anzeichen, dass erste Schritte gemacht werden.