Kategorie-Archiv: Mission

Exit im Glauben: als Willibald sich für „leave“ entschied

„Niemand ist eine Insel“ – England schon, in seiner ganzen Geschichte! Und doch kamen aus England die Missionare zu uns, auf den Kontinent. Willibald und seine Gefährten sind Menschen eines „Exit“ – eines Herausgehens aus ihrem Land. Willibald hätte mit „leave“ gestimmt: mit „verlassen“, aber anders als die Brexit-Befürworter! Die eigene Heimat, die Insel verlassen, um auf den Kontinent zu gehen, um „aufzubrechen im Glauben“.

Nicht „remain“, nicht unter sich bleiben auf der Insel, war das Motiv, sondern: „leave“ – verlassen, die Heimat, die Insel, um zu evangelisieren; auf Wunsch des Papstes in unserer Heimat. Alle Missionare von der Insel – angelsächsische, irische, schottische – gaben damit dankbar zurück, was sie selber als Geschenk bekommen hatten: die beglückende Erfahrung, dass der Glaube an Christus zur Weitergabe drängt. Aufbrechen und reisen, das war damals alles andere als bequem für Willibald und Gefährten. Statt der heute schnellen Fahrt mit dem „EuroStar“ durch den Channel-Tunnel war die Überfahrt damals eher vergleichbar heutigen Flüchtlingsbooten. Doch, Willibald brach auf im Glauben, weil er eine Botschaft hatte und diese Botschaft leben wollte.

Und auch das, was er vorfand, schreckte ihn nicht: nur ein kleines Marienkirchlein fand er vor, keine Stadtverwaltung und auch kein Ordinariat! Auch das Zusammenleben mit den indigenen Stämmen, den Bajuwaren, Franken, Schwaben – es war nicht einfacher als in der heutigen transkontinentalen Völkerwanderung; die gleichen Probleme mit: Sprache, Mentalität, Kulturen; überkommene Glaubensreste, mit heidnischen Kulten vermischt. Willibald, der Missionar, er führte geduldig, über Jahrzehnte, zusammen, und machte damit deutlich: Die Kirche Jesu Christi ist kein Club von Einheimischen, die unter sich bleiben wollen. Kirche ist Gemeinschaft, über jede soziale, abstammungsmäßige Schranke hinweg! Die Kirche Jesu Christi kennt keine Fremden; in Jesus Christus sind alle zur Einheit und zur Gemeinschaft berufen. Ein Getaufter, der sich abschotten will, der sein Gruppen-Ego bedienen und sich auf eine eigene Insel zurückziehen will, der hat das Evangelium nicht verstanden. Und einer solchen Haltung muss auch jeder Verkünder des Evangeliums entgegentreten – so wie es Willibald auch bei unseren Vorfahren immer getan hat. Über vier Jahrzehnte hat Willibald hier standgehalten, er ist als erster Bischof „geblieben“.

„Remain – bleiben“: im biblischen Verständnis, besonders im Johannes-Evangelium, heißt das für jeden Getauften: bei Jesus bleiben, mit ihm in innerer Verbindung stehen – „Bleibt in mir, dann bleibe ich in Euch“!

„Aufbrechen im Glauben“: Wie steht es überhaupt mit der Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen, ausgetretene Pfade zu verlassen? Haben wir, so sagen wache Beobachter, in unserer Gesellschaft heute nicht eine ganz andere Bewegung? Überzogene, ja, irrationale Ängste machen sich breit und führen zum Rückzug vieler in private Sicherung und Abschottung, wegen vermeintlicher Bedrohung durch alles, was fremd ist. Willibald und die Glaubensboten kamen als Fremde zu Fremden, allein mit der Botschaft, dass alle in Jesus Christus eine Gemeinschaft werden können. Eine Gemeinschaft, die Eigenheiten und Unterschiede nicht einebnet, sondern nutzen will zum Wohl aller. Aufzugeben, zu verlassen haben wir freilich, im Sinne Jesu, das Kreisen um uns selbst, um unser Ego, das sich gerne, sich selbst genügend, auf eine Insel zurückziehen möchte.

Dass diese Botschaft zu allen Zeiten verstanden wurde, das zeigt die Meditation eines Mannes, der über 700 Jahre nach Willibald ebenfalls in England lebte. Es ist der anglikanische Priester John Donne; er galt als einer der gewandtesten Prediger seiner Zeit. Er starb im Jahr 1631 als Dekan von St. Paul’s in London.

Zwei Wendungen aus dem Werk Donnes fanden Eingang in die Populärkultur, nämlich das sprichwörtliche „Niemand ist eine Insel“, das Thomas Merton und Johannes Mario Simmel als Buchtitel wählten, und „Wem die Stunde schlägt“ als Titel eines Romans von Ernest Hemingway. Beide stammen aus demselben Absatz in Meditation XVII: „Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gespült wird, wird Europa weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge wäre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn ich bin Teil der Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt, sie schlägt dir selbst.“ (aus: Wikipedia, John Donne).

„No man is an island – Niemand ist eine Insel, in sich ganz“ – leave or remain – verlassen oder bleiben: Willibald verließ die Insel, ging aufs Festland und blieb, bis ihm die Stunde schlug in Eichstätt. Leave and remain – loslassen, aufbrechen und bleiben: Willibald lädt uns ein, den anderen Weg zu gehen – Aufbrechen im Glauben!

Dieser Blogbeitrag basiert auf der Predigt von Generalvikar Isidor Vollnhals bei der Pontifikalvesper zum Tag der Mitarbeiter(innen) im Rahmen der Willibaldswoche am 6. Juli 2016 im Eichstätter Dom

Eine ganz andere Mission

Als mein Vater im Sterben lag, informierte ich meinen Provinzial hier im Südsudan und ich war überrascht von seinem spontanen Vorschlag, doch sofort nach Hause zu fliegen. „Das ist jetzt deine Mission und zwar eine besondere“. Diese Worte hat er mir noch mit auf den Weg gegeben.

Es hat interessanterweise nicht lange gedauert und ich war bei meinem Vater. Die ganze Reise, quasi unerreichbar, habe ich mich gefragt, ob ich ihn noch lebend antreffen würde. Bei ihm angekommen, waren dann seine ersten Worte: „Gott sei Lob und Dank“. Vielleicht hat er auf den Sohn gewartet, der, neben den anderen vieren, in unerreichbarer Entfernung lebt?

Neun Tage konnte ich noch meinen Vater begleiten und mithelfen, ihn zu pflegen. Er wollte nicht mehr ins Krankenhaus. Das Herz war sehr, sehr schwach und sein Atem schwer. In diesen Tagen habe ich eine neue und tiefere Beziehung zu meinem Vater aufgebaut. Darüber bin ich froh und dankbar.

Mein Vater war kein besonders frommer Mann. Eher ein Mann mit Prinzipien. Es war für ihn klar, dass man sonntags in die Kirche geht und zu Tisch betet. Das tiefere Beten, so habe ich den Eindruck, hat er mit seiner Hoffnung auf den Himmel gelernt. Es wird für mich immer in Erinnerung bleiben, wie er in seinen letzten Tagen um das Gebet verlangt und gebeten hat. Wegen seines schweren Atems hat er kaum mehr mitbeten können. Die Luft hat dann gerade noch gereicht für: „jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.“ Dann war er schon wieder völlig ermattet. In diesen Tagen habe ich meine besondere Mission entdeckt. Der Sonntagabend (24. April), der Tage seins Todes, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Auch fühle ich mich ihm jeden Sonntagabend besonders nahe.

Über die vergangenen Jahre hat mein Vater durch sein Hobby für sich und für uns alle in der Familie „Neue Welten“ und „tiefere Schichten des Lebens“ erschlossen. Er war Landkreis-weit bekannt für seine sehr großen Sammlungen von Fossilen, Rosenkränzen, Frömmigkeitsartikel, Sterbe- und Andachtsbildchen. Durch diese Dinge wurde ihm klar, dass das Leben in einem größeren Zusammenhang steht; weit über den Tod hinaus. Das hat ihm Hoffnung und Zuversicht gegeben und geholfen, dem Abschied vom Leben mit aufrechtem Sinn und Gottvertrauen entgegenzusehen.

Mein Vater war stolz auf das, was er alles gesammelt hat. Ich selbst habe mich zunehmend darüber gefreut, wie er sich mehr und mehr in die Reihe derer einbetten konnte, die schon im Himmel einen Platz für immer gefunden haben. In diesem Zusammenhang ist mir auch der Wert von Sterbebildchen bewusst geworden.

Bei der Beerdigung wurde dann das Lied: „Wir sind nur Gast auf Erden“ gesungen und ich habe mir gedacht wie wahr doch diese Worte sind.

Für mich heißt das: Mit leichtem Gepäck, mit froher Gesinnung und der Hoffnung, dass sich hinter dem Dunkel des Todes etwas Großes auftut, durch das Leben zu schreiten. Denn es wird maximal die Zeit einer Generation dauern, bis auch ich meinem Vater folgen werde.

Mission: Vom Helfen zur wahrhaftigen Hilfe

Die Hitze in den vergangenen Wochen war fast unerträglich und es war schwer, erholenden Schlaf zu finden. Nicht nur die Menschen mit weißer Haut hatten ihre Probleme, auch die Einheimischen klagten über Hitzeausschlag und Abgeschlagenheit. Hier im Südsudan ist die politische Lage weiter sehr angespannt und viele Menschen hungern aufgrund der Dürre und wegen des totalen Wertverlusts der Währung. So frage ich mich als Missionar, wie man wahrhaftig helfen kann in einem Land, in dem die Hilfe pro Kopf weltweit am höchsten ist.

Eine Lesung aus der Apostelgeschichte in der vergangenen Woche hat mich bewegt, wieder einmal über das Thema „Mission“ und die Beziehung zum Nächsten nachzudenken, was für einen Missionar gar nicht so abwegig sein sollte.

Apostelgeschichte 3,1-10. In jenen Tagen, Petrus und Johannes gingen um die neunte Stunde zum Gebet in den Tempel hinauf.
Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels, das man die Schöne Pforte nennt; dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen, um Almosen betteln. Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen. Petrus und Johannes blickten ihn an, und Petrus sagte: Sieh uns an!

Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.
Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!
Und er faßte ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke; er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.

Sie erkannten ihn als den, der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte. Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das, was mit ihm geschehen war.

Über Mission konnte man die vergangenen 30 Jahre bis in die jüngere Geschichte hinein kaum mehr reden. Mission war fast eine „NO-GO-Zone“. Es war gewissermaßen ein Synonym für Kulturzerstörung in den Fußstapfen des Kolonialismus. Dagegen habe ich in den vergangen Jahren bei Besuchen in Schulen und Gemeinden in Süddeutschland festgestellt, dass das Wort „Mission“ durchaus wieder „salonfähig“ geworden ist. Nicht, weil sich ein Bewusstseinswandel ergeben hätte, sondern vielmehr weil das Wort „Mission“ von verschiedenen Institutionen übernommen worden ist. Fast jede Firma spricht heute von einer Mission und jeder, der was auf sich hält, hat eine Mission.

Hier im Südsudan ist das Wort Mission allgegenwärtig. Insbesondere die UNMISS, die „United Nation Mission in South Sudan“ ist überall sichtbar. Die UN-Mission im Südsudan ist derzeit die größte MISSION der Vereinten Nationen auf der Welt. Die Herrschenden nehmen die UNMISS als Besatzungsmacht wahr, während viele von der UN direkt oder indirekt leben. Mit ungeheurem Aufwand wird versucht, die unsichere Lage im Land zu stabilisieren und über das Welternährungsprogramm (WFP) werden viele Menschen „am Leben“ erhalten, vor allem die, die in großen Lagern zusammengepfercht leben. Es ist kein Geheimnis, dass nur 20 Prozent des Aufwandes der UN bei den Menschen ankommt, der Rest bleibt im Apparat stecken. In diesem Land jagt eine Notlage die andere und man frägt sich, wo das hinführen soll?

Mission im Südsudan. Foto: Hans Eigner
Mission im Südsudan. Foto: Hans Eigner

Die Lesung aus der Apostelgeschichte definiert Mission anders, auch anders als wir Mission normalerweise definieren und wahrnehmen.
Petrus und Johannes gehen wie gewohnt in den Tempel und dort sitzt – wie immer – ein Bettler. Eine Situation, an die sich alle Beteiligten schon gewöhnt haben. Möglicherweise hat der Bettler sein Gesicht nach unten geneigt, und die Hände nach oben – er will ja auch nicht erkannt werden. Und wahrscheinlich schauen die Vorbeiziehenden auch kaum nach unten, denn in eine echte Beziehung mit dem Bettler wollen sie eigentlich gar nicht treten. Das Gebet im Tempel ist ja nur ein kleiner Teil des strengen Tagesprogramms und die Zeit läuft.
So bleibt die Situation so, wie sie ist und immer war. Auf keiner Seite ändert sich was. Der Bettler bleibt ein Bettler, der Almosengeber ein Almosengeber.

Diese Situation haben wir jetzt 33 Jahre im Südsudan. 1983 ist der zweite Krieg nach der Unabhängigkeit 1955 ausgebrochen. Seitdem wird von außen interveniert, aber immer nur halbherzig. Beide Seiten: Bettler und Almosengeber „profitieren“, aber es tut sich nichts. Hilfswerke, NGOs und Vereinte Nationen (UN) haben ihr Mandat mit einer ganzen Armee von „Helfern“ und Blauhelmen und garantieren für ein Heer von Mitarbeitern ein sicheres Arbeitsfeld.
Auf der anderen Seite haben wir ein Land, das sich leicht selbst ernähren könnte. Die Menschen aber haben sich an das „Handaufhalten“ gewöhnt und die Regierung nimmt ihre soziale Verantwortung nicht wahr. Hilfsmaßnahmen, die nicht herausfordern, bewirken meist das Gegenteil. Man gewöhnt sich an die „bequeme“ Hilfe von außen (wie der handaufhaltende Bettler) und macht auf niedrigstem Niveau weiter. So wurden über die Jahre die Menschen hier zum Objekt der Hilfe. Kaum wurden sie herausgefordert, ihr Leben selbst in die „Hand“ zu nehmen.
Ich will hier die Not der Menschen nicht kleinreden – im Gegenteil; in der Tat, die Probleme sind riesengroß und Hilfe ist notwendig und wichtig. Die Frage ist nur wie?

Die Zeilen in der Apostelgeschichte geben hier wirklich erleuchtende Hinweise und bringen einen Neuansatz in die Begegnung mit den Armen.

Petrus und Johannes machen Halt beim Bettler. Das unterscheidet sie von den Vorbeieilenden. Gold und Silber haben sie nicht und können es auch nicht anbieten. Aber im Namen Jesu können sie sprechen. Sie sprechen den Bettler also an und, man stelle sich vor, fassen ihn – einen Bettler – an. Und dann heißt es im Text so wunderbar: „Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke; er sprang auf, konnte stehen und ging umher“.

Menschliche Nähe und das Vertrauen, dass Gott die bestimmende Kraft im Leben des Menschen ist, verändert auch das Leben des Bettlers. Und genau so kann und muss unsere Hilfe aussehen, die Bettler wieder zu Menschen macht, sie also aufrichtet. Wie sagt Papst Franziskus selbstkritisch: „Mir ist eine ‚verbeulte‘ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.“ Mit anderen Worten: Mission, die direkt zum Menschen führt ist die Ursprungsidee von Kirche. Weg also vom Projekt – hin zum Menschen.

Und wir werden feststellen: Echte Hilfe verändert nicht nur den Empfänger, sondern auch den Geber.

Überfall auf Mallersdorfer Schwestern in Südafrika

Leider hatten wir, die Mallersdorfer Schwester in Vryheid/Südafrika, am 3. Februar einen bewaffneten Raubüberfall. Die Schwestern haben sich inzwischen etwas vom Schock erholt.

Die Schwestern Dolorosa und Immaculate sind am vorletzten Mittwochnachmittag zur Bank gegangen, aus Sicherheitsgründen durch den Hintereingang, um Geld abzuholen, das sie am Vortag bestellt hatten, denn es war eine größere Summe. Sie fuhren heim in die Garage, die offen war. Ein Auto fuhr heran und im Nu waren zwei Männer auf jeder Seite des Wagens. Sie wollten natürlich die Tasche mit dem Geld. Die Schwestern hatten die Türen verschlossen, schrien um Hilfe und hupten in der Hoffnung, dass jemand zu Hilfe kommt. Dann schlugen die beiden Täter die Fenster links und rechts des Autos ein. Der eine auf der Fahrersitzseite hat Sr. Dolorosa wahrscheinlich auf die Seite geschubst, dass er die Tasche mit dem Geld erreichen konnte. Sie haben den Schwestern nichts angetan und auch nicht geschossen. Die Täter liefen, als sie das Geld hatten, sofort zum Auto und fuhren weg. Sr. Dolorosa war so schnell, ist sofort wieder rückwärts aus der Garage rausgefahren, um die Autonummer zu sehen. Die Täter fuhren links und Dolorosa nach rechts sofort zur Polizei. In Kürze konnte das Auto mit einer ND Nummer in Lakeside gefunden werden, ein zweites Auto war im Spiel und wurde in Bhekuzulu entdeckt. Vom Geld war allerdings keine Spur sichtbar.

Weil Sr. Dolorosa so schnell reagierte, ist sie dann gleich mit der Polizei nach Lakeside gefahren, um das Auto zu identifizieren. Das Schlimme war, unsere 82-jährige Sr. Edith, die Einzige, die um die Wege war, zufällig früher als sonst beim Kaffee trinken war und das Schreien, das Hupen und das Geklirr der gebrochenen Autoscheiben hörte. Sie wusste nicht genau, was passiert war, drückte den Panik-Knopf um unsere Sicherheitsfirma zu alarmieren, die aber nicht gekommen ist.

Auch einige Arbeiter hörten alles, liefen zusammen, wussten aber nicht, was passiert war. Als sie das Garagentor aufsperrten, sahen sie nur das Glas herumliegen, etwas Blut, kein Auto und keine Schwestern. Die logische Folgerung war, die Schwestern wurden entführt. Bis sie dann endlich von der Polizei hörten, dass die Schwestern auf der Polizeistation und sicher sind, dauerte es leider einige Zeit, denn Sr. Dolorosa hatte ihr Handy stumm gestellt und auf die vergeblichen Anrufe nicht geantwortet. So waren alle hier im Schock und großem Kummer. Man stellt sich ja alles Mögliche vor.

Ich war die letzte, die von allem hörte, weil ich Hausaufgabenbetreuung hatte und im letzten Eck der Schule war. Wir sind Gott von Herzen dankbar, dass die Schwestern nicht erschossen wurden. Ja, es ist schlimm, aber trotzdem hoffen wir, dass die Polizei noch etwas Genaueres herausfindet.

Südafrika verzeichnet im Vergleich zu Deutschland hohe Kriminalitätsraten, vor allem in den Großstädten und deren Randgebieten, den Townships. Vryheid in der Battlefields-Region von KwaZulu-Natal ist eigentlich ein gemütliches Landstädtchen. Aber auch hier gibt es Schattenseiten. Der Konvent und die Schule der Nardini-Sisters, wo ich lebe und arbeite, sind mit Alarmanlagen und hohen Zäunen abgesichert. Das Leben in der Stadt geht seinen gewohnten Lauf, allerdings gab es in den letzten Wochen mehrere Überfälle auf Geschäfte. Man muss einfach aufpassen und umsichtig sein. Für mich ist es traurig, dass man niemand mehr trauen kann.

Mission beim Nomadenvolk der Pokot in Kenia

Nacht etlichen Jahren als Pfarrer in Kacheliba bin ich nun in Amakuriat, der Nachbarpfarrei, tätig. Beide Pfarreien – Kacheliba und Amakuriat – haben ähnliche Herausforderungen, die mit der Lebensart der Pokot zu tun haben. Bei dem Nomadenvolk im Nordwesten von Kenia haben das Christentum und westliche Wertvorstellungen erst kurze Zeit Wurzeln gefasst. Allerdings muss ich anmerken, dass Amakuriat in der Wertschätzung von Ausbildung noch weit hinter Kacheliba hinterherhinkt. Wenn ein Kind in der Schule kein Essen bekommt, weil zum Beispiel der Staat das Geld für die Schulspeisung nicht auszahlt oder das Essen nicht ausliefert, oder wenn der Schulleiter Gebühren für den Unterricht verlangt, lassen viele Eltern ihre Kinder zu Hause. Andererseits gibt es hier noch relativ wenige Internatsschulen, so dass Kinder, die wirklich zur Schule gehen wollen, manchmal 10 Kilometer und mehr zurücklegen müssen, um zur Schule zu kommen. Bei Regen sind dann einige Flüsse nicht zu überqueren oder nur nach langem Warten. Etliche Schulen haben deshalb provisorische Internate eingerichtet. Die Kinder räumen abends die Schulbänke auf die Seite und breiten ihre Matten aus, auf denen sie dann schlafen. Zum Glück hat der Staat seinen ehrgeizigen Plan vorangebracht, jeden Erstklässler mit einem Laptop auszustatten. Nicht, dass die Kinder nun Computer hätten (das wird, wenn überhaupt, noch lange dauern), aber wenigstens hat der Staat Solarenergie in den Grundschulen installiert, die diesen provisorischen Internaten sehr zu Gute kommen.

Um die Christen in den entlegenen Gebieten besser versorgen und die Schulen regelmäßiger besuchen zu können, haben wir die Pfarrei Amakuriat in zwei Subpfarreien (Filialen) mit jeweils 30 Außenstationen aufgeteilt. Im Norden liegt das Zentrum Amakuriat. Im Süden und Südosten besuchen wir die Kapellen von Chelopoy aus. Während P. Maciej Mikolaj und Br. Cesar Chacón in Amakuriat sind, verbringe ich die meiste Zeit in Chelopoy zusammen mit dem kenianischen Scholastiker Benjamin, der hier vor seiner Diakonen Weihe zwei Jahre missionarischen Einsatz leistet. P. Junior Billo als Pfarrer von Amakuriat pendelt zwischen beiden Stationen hin und her. In Chelopoy haben wir ein Pfarrhaus gebaut, das mit dem nötigsten ausgestattet ist. Die Sonne liefert uns auch genug Strom, um zumindest nicht im Dunkeln zu sitzen und eine solarbetriebene Wasserpumpe bringt uns das Wasser auch bis zum Haus. Zudem gibt es dort das Gymnasium „St. Anna“, eine Grundschule und ein Schwesternhaus mit zwei Kenianischen Franziskus-Schwestern.
Mit der Zweiteilung der Pfarrei reduzieren sich die Entfernungen zwischen den Kapellen ziemlich; aber da die Gegend sehr bergig ist, brauchen wir auf den Schotter-, Fels- oder Schlammwegen trotzdem noch zwei bis drei Autostunden und manchmal Stunden zu Fuß bis ans Ziel. Was die Fahrten besonders beschwerlich machen, sind die vielen Wasserläufe, die sich bei Regen blitzartig zu reißenden Flüssen wandeln und die harte Einschnitte in den Wegen zurücklassen. Verglichen mit Kacheliba ist die Infrastruktur hier weit unterentwickelt.

Ein paar Gedanken noch zu meiner neuen Pfarrei

Obwohl wir Comboni-Missionare in dieser Gegend von Kacheliba aus seit 1973 präsent sind, war der Teil um Amakuriat herum etwas vernachlässigt, weil er über 100 Kilometer von Kacheliba entfernt liegt und die Straßen in der Vergangenheit größtenteils kaum passierbar waren. So sind wir hier im wahrsten Sinne des Wortes noch bei der „Erst-Evangelisierung“.

In manchen Gegenden waren Freikirchen vor den Katholiken da, an anderen Orten haben Katechisten, die oft betrunken waren, das Ansehen der Kirche unterminiert. In anderen Fällen ist es einfach so, dass die Leute keine Unterschiede zwischen den Konfessionen feststellen können und dann einfach zu der nächstgelegenen Kirche gehen. In diesem Fall ist es auch kein Thema, einen Sonntag hier und einen anderen Sonntag woanders zur Kirche zu gehen. Für uns ist das eine ziemliche Herausforderung. Während auf der Seite von Amakuriat die Kapellen ziemlich voll sind und ich wirklich sehr überrascht war von der Anwesenheit von vielen jungen Männern, sind auf der Seite von Chelopoy die Kirchen leer. In den Bergen, im Südöstlichen Teil der Pfarrei, geht es langsam aber mit viel Engagement voran. Vieles hängt auch von den Katechisten ab, die mehr oder weniger gut ausgebildet sind. Manche können gerade lesen und schreiben, andere sprechen kaum Kiswahili und nur ein paar wenige haben an einem Pastoralkurs in der Diözese als Vorbereitung zu ihrer Arbeit als Katechist teilgenommen. Leider haben wir kaum eine Wahl, da in den meisten Dörfern noch kaum Leute die Grundschule abgeschlossen haben oder die ersten gerade dabei sind, ihre Ausbildung zu beenden. Selbst ein Treffen der Christen in den „kleinen christlichen Gemeinschaften“ ist schwierig, da niemand da ist, der die Bibel lesen könnte. Anfang Juli hat der Bischof auch unsere neue Kirche in Chelopoy eingeweiht, die sehr vielen Christen Platz und damit auch viele Möglichkeiten der Fortbildung für die Christen bietet.

Ich als Priester genauso wie mein Mitbruder, der Scholastiker Benjamin, halten Gottesdienste (Eucharistie oder Wortgottesdienste) wo immer wir hinkommen und unterrichten die Leute über den Glauben. Wir schlafen in den Dörfern, so dass wir am nächsten Tag alle Zeit mit den Leuten verbringen können. Ich bin noch dabei, die Beste Art und Weise zu finden, wie wir den Menschen hier begegnen können. Da ist noch so viel Wissbegierde in den Leuten, die es einem wirklich leicht macht, sich Zeit für sie zu nehmen. Gottesdienste sind sehr lebendig, da wirklich jeder und jede mitsingt und mit guter Stimme. Die Pokot sind sehr freudige Menschen, wenngleich sie eigentlich auch sehr kriegerisch sein können, wenn es um ihre Herden geht.

Es ist auch hier wiederum eine wunderbare Erfahrung, die ich machen darf und ich wünschte mir das mit euch persönlich vor Ort teilen zu können.