Kategorie-Archiv: Mission

Johannes der Täufer: Mahner, Kritiker und Wegweiser

Wer mag schon gerne Menschen mit erhobenem Zeigefinger? Diese Geste erinnert uns an unsere Kindheit und weckt möglicherweise unangenehme Gefühle.

Johannes der Täufer (rechts im Bild) auf Jesus weisend. Foto: Geraldo Hoffmann

Viele Darstellungen in der Kunst zeigen Johannes den Täufer mit einem überdimensionalen Zeigefinger. An dieser Person und seinem Finger will ich ein paar Gedanken festmachen, die mich bewegen. Johannes ist mein Taufname, auch wenn ich von den meisten Menschen „Hans“ genannt werde. Nur mein Vater hat mich immer wieder mit Johannes angesprochen.

Drei Überlegungen bringe ich mit diesem Namen in Verbindung. Prophetie mit dem Aufruf zur Umkehr, Kritik am Bürgerlichen und das Verwiesen-Sein auf Gott hin.

  • Johannes war ein Mahner und hat zur Umkehr aufgerufen. Die Umkehr war sein Lebensprogramm. Er wohl ein unbequemer Mensch, zumindest auf dem ersten Blick. Der Blick auf die Geschichte zeigt uns, dass es in der Natur des Menschen zu liegen scheint, dass er, wenn sich die Möglichkeit ergibt, Macht ausübt und diese missbraucht, die Wahrheit zu seinen Gunsten verdreht und Unfriede streut, um von seinen Schwächen abzulenken. Johannes hat das Verhalten der Mächtigen – in seinem Fall König Herodes Antipas – kritisiert und das mit dem Leben bezahlt. Ein Prophet lebt offensichtlich gefährlich.
    Erst über die Jahre habe ich gelernt, dass eine Haltung der ständigen Umkehr auch ein Segen für mein Leben ist. Lange habe ich die Sünde nur als Vergehen gegen meinen Nächsten und somit auch gegen Gott angesehen. Nicht weniger schwerwiegend ist, dass die Sünde eine Verfehlung gegen mich selbst und meine Entwicklung zum ganzen Mensch-Sein verhindert. Die Sünde macht den Menschen klein. Johannes aber war groß. Moralisch und somit auch menschlich.
  • Für mich verkörpert Johannes auch die Kritik am Establishment. Sein Auftreten zeigt deutlich, dass ihm das Gut-Bürgerliche zuwider war. Er tauscht das bequeme Leben gegen die Wüste und macht klar, dass es ihm um Werte und nicht um Besitz und Wohlstand geht. Sein hageres Auftreten zeigt auch, dass er frei von sich selbst war. Wie würde er wohl heute auftreten?

    Johannes der Täufer – Dekenfresko in der Kirche St. Johannes in Rebdorf bei Eichstätt. Foto: Geraldo Hoffmann
  • Als Drittes ist mir der übergroße Zeigefinger bei Johannes immer mehr aufgefallen. Dieser verweist auf Jesus Christus, von dem er sagt, dass er nicht einmal wert ist, seine Schuhriemen zu lösen. Nicht er will groß sein, sondern Jesus Christus. Nur er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wie oft sind wir als Missionare in Gefahr, mit unserer Arbeit – draußen in der weiten Welt – im Mittelpunkt zu stehen? Dabei muss man noch gar nicht unter einem Messias-Komplex leiden. Informationen und Berichte aus krisengeschüttelten Orten wirken dann oft wie eine Kriegsberichterstattung. Und stellen wir uns selbst nicht in die Mitte, so sind es manchmal Bewunderer oder Verehrer, die ihren Teil zur Überhöhung der Person beitragen. Ich erinnere mich an eine ordensinterne Studie vor wenigen Jahren mit dem Titel: Ratio Missionis (= der Grund unserer Mission). Dabei war ein wichtiger Gesichtspunkt die Unterscheidung unserer Arbeit in die Missio Mea (meine Mission) und die Missio Dei (die Mission Gottes). Letztere ist die Mission, durch die das Kommen des Reiches Gottes verheißen ist. Darum beten wir in jedem „Vater unser“.Auf Gott verweisen und selbst auf Gott verwiesen sein, das sind zwei Haltungen, die Missionare und alle Arbeiter der Kirche am besten in ihre Arbeit aufnehmen. Den Kopf, wie Johannes, riskieren dabei die wenigsten, vielleicht den Kragen, aber ihre Verkündigung und ihr Einsatz wird wahrhaftig.

Geistlicher Impuls: Johannes auf Jesus weisend

Das Elend des Menschen mit Gott

Es fällt dem Menschen von heute schwer, an Gott, die Auferstehung Jesu und seine ständige Gegenwart im Leben zu glauben. Was ist da geschehen?

Die schwindelerregenden Kirchenaustritte der vergangenen Jahre haben viele Ursachen. Kirchensteuer-Ersparnis, Missbrauch und Protzbauten sind ernste Gründe. Tiefer jedoch wiegt – meiner Meinung nach – die Unfähigkeit des Menschen, Gott im modernen Leben wahrzunehmen.

In der Tat, die Weitergabe des Glaubens hat in den vergangenen Jahren in unserer Gesellschaft nicht mehr so richtig stattgefunden. Dazu gibt es viele Erklärungen. Wir waren alle mit Wohlstandvermehrung, Fortschritt und Machbarkeitsdenken beschäftigt und haben das Entscheidende, nämlich Gott einfach vergessen oder übersehen. Wir sind als Gesellschaft dabei, dass wir uns in uns selbst verirren. P. Alfred Delp, der von den Nazis umgebracht worden ist, hat schon vor über 75 Jahren Deutschland zum Missionsland erklärt, weil der Mensch der westlichen Welt gottunfähig, wie er es nennt, geworden ist. Tatsache ist, dass wir uns nicht mehr als Kinder Gottes wahrnehmen. Das kann jeder von uns selbst bestätigen. Wir haben alle Mittel entwickelt, um uns selbst zu erlösen und dabei hat sich uns der Himmel verschlossen. Und weil wir auch nicht mehr an einen Himmel glauben, sind wir bemüht, den Himmel auf Erden zu schaffen. Das überfordert uns nicht selten, weil wir Angst haben, in diesem zeitlich begrenzten Leben alles zu erleben und noch schlimmer, wir überfordern uns gegenseitig. Um wieviel besser könnte unser Leben sein, wenn wir uns als Kinder Gottes wahrnehmen würden und uns von ihm geführt wüssten. Wir würden die Gebote Gottes als Angebote zum Leben entdecken, der Himmel würde sich öffnen und eine gesunde Gelassenheit und Zuversicht würde uns zu glücklicheren Menschen machen. Wir würden von uns selbst loskommen und erfahren, dass das Leben in der Hingabe gelingt, wie es der Psychotherapeut Victor Frankl in seiner Sinntherapie eindrücklich beschreibt.

Unser Papst Franziskus, der einem Missionar wirklich aus der Seele spricht, fordert eine Kirche, die sich selbst vergisst und sich an den Rand der Kirche und der Gesellschaft wagt. Also Salz und Licht ist. Er will eine Kirche, die sich im unermüdlichen Einsatz für die Menschen lieber verbeult und schmutzig macht als eine Kirche, die sich selbst gefällt und feiert. Er spricht von Bequemlichkeit, in der wir uns Christen eingerichtet haben und so sind wir zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Die Kirche sei ein Feldlazarett, sagt er. Das sind starke Worte, die zwar ausgesprochen, aber noch lange nicht eingelöst sind.

Genauso wichtig ist es meiner Meinung nach, dass die Kirche die Geheimnisse des Glaubens besser erklärt. Im kirchlichen Alltag findet das leider kaum statt. In Gesprächen mit Menschen nehme ich wahr, dass z.B. die Hl. Messe in ihrem Aufbau und Tiefe nur wenig verstanden wird. „Jesus ist für uns als Sühnopfer gestorben“. Das ist wahr. Nur schade, dass kaum jemand etwas mit diesem Ausdruck anfangen kann. Glaube und Vernunft gehören zusammen und ich wünsche mir Glaubenskurse, die die Fragen des heutigen Menschen auf hin Gott deuten. Nicht oberflächlich und schnell, sondern mit Ernsthaftigkeit, Einfühlungsvermögen, Wertschätzung und Hingabe.

Rückkehr aus Kenia in die Konsumwelt

Zum zwölften Mal durfte ich 2016 Weihnachten in Kenia feiern, was wirklich ein wunderbares Geschenk war. Es war wohl für etliche Jahre auch das letzte Mal, da ich 2017/2018 neue Aufgaben übernehmen soll und nach einigen Monaten in Rom nach Deutschland zurückkehre. Ich weiß noch nicht, was mich erwartet oder was aus diesem Plan werden wird.

Weihnachten in Kenia. Bild: Samuel Ng'ang'a Njoroge, Diözese Runden/Kenia
Weihnachten in Kenia. Bild: Samuel Ng’ang’a Njoroge, Diözese Runden/Kenia

Vielleicht stellen sich ja auch die zwei Jungen Männer, die auf dem Bild vor dem neugeborenen Christkind knien, die Frage, was aus diesem Kind werden wird? Es könnten zwei Pokot sein, die Milch in einer Kürbisflasche mitgebracht haben und sich mit der Familie über das Kind freuen. Ehrlich gesagt habe ich fast ein wenig Angst, in die „Konsumwelt“ zurückzukehren, wo das Wesentliche so leicht verloren geht. Wie ich schon oft geschrieben habe, leben die Pokot ein sehr einfaches Leben, wo der Luxus manchmal darin besteht, ein Bett mit Matratze zu haben und Tisch und Stühle. Natürlich hat sich vieles getan in unserer Gegend. Leute mit Ausbildung, die vielleicht eine Anstellung als Lehrer oder Krankenpfleger erhalten haben, richten sich auch anders ein. Aber für die meisten Pokot ist das Leben noch immer sehr existentiell und unkompliziert.

Zurzeit bin ich noch immer in Chelopoy, der Filiale der Pfarrei Amakuriat tätig. Inzwischen ist unser Pfarrer nach nur einem Jahr nach Nairobi versetzt worden und da ich bald auch die Pfarrei verlassen werde ist nun P. Maciej der Pfarrer in Verantwortung für die ganze Pfarrei. Wir organisieren unsere Pastoral weitgehend unabhängig voneinander, wenngleich wir monatliche Treffen haben in denen wir unsere Arbeit abgleichen. Die drei kenianischen Mitbrüder, die Anfang 2016 zu Diakonen geweiht wurden, sind nun alle Priester.

Priesterweihe beim Volk der Pokot in Kenia. Foto: P. Hubert Grabmann
Priesterweihe beim Volk der Pokot in Kenia. Foto: P. Hubert Grabmann

Nicht nur die Primizen, sondern auch die Priesterweihen fanden jeweils in den Pfarreien der Weihekandidaten statt. So war besonders die Weihe von Abraham Sireu ein unvergessliches Ereignis für unsere Christen in Amakuriat. Etwa 4000 Leute kamen von den umliegenden Pfarreien und deren Außenstationen hier zusammen, um den ersten Pokot-Comboni-Missionar und zweiten Pokot-Priester zu feiern. Es war eine Menge zu organisieren, da alle Leute wegen der Entfernung Übernachtung brauchten. Bis vier Uhr morgens kamen Busse an und mussten Leute zu den verschiedenen Schulen gebracht werden, wo sie dann zum Teil auf dem blanken Boden oder auf Bastmatten schliefen. Trotz der einfachen Unterbringung war die Feier sehr schön und beeindruckte nicht nur unsere Katholiken.

Ende August durfte ich auch an der Silbernen Ordensprofess einer unserer Schwestern von Chelopoy teilnehmen. Die Schwestern feiern ihre Professen jedes Jahr am selben Tag, deshalb kommen natürlich viele Jubilare zusammen. Zu dem Gottesdienst kamen dann auch mehr als 150 Priester und drei Bischöfe aus den Pfarreien und Diözesen Kenias, in denen die Schwestern arbeiten.

Im Juli kam der Regen glücklicherweise noch rechtzeitig zurück für viele unserer Bauern, so dass die Ernte nicht ganz so schlecht war. Aber natürlich sind die Gegenden auch innerhalb unserer Pfarrei ziemlich unterschiedlich. In den Bergen hatten sie gute Ernte, während in den tieferen Lagen der Regen trotzdem nicht genug war und der Mais sehr klein ausfiel dieses Jahr. Im Nordosten Kenias herrscht gerade auch eine verheerende Dürre, an der viele Menschen zu leiden haben. In Amakuriat war der Regen ziemlich gut, während Kacheliba sehr wenig ernten konnte.

Unsere Schulen bekommen Gott sei Dank Mittagessen von der Welthungerhilfe. Leider geht hier sehr viel verloren wegen der Bestechlichkeit der Behörden etc. Andererseits gibt es in noch sehr vielen unserer Dörfer weder Kindergarten noch Schule. Wir arbeiten daran, solche Situationen zu identifizieren und den Kindern wenigstens einen Kindergartenplatz mit einer warmen Mahlzeit zu ermöglichen. Schulen und Kindergarten brauchen aber auch Wasser, wenn sie etwas kochen wollen. Manchmal bringen die Mütter oder die Kinder selber Wasser mit in die Schule. Aber oft kommt das Wasser von einem Damm oder Wasserloch, das gegen Ende der Trockenzeit immer schmutziger wird und irgendwann austrocknet. So ist auch der Brunnenbau ein weiterer Schwerpunkt, an dem wir neben der Pastoral arbeiten. 2017 möchten wir, wenn möglich, fünf Brunnen bohren, von denen jeder etwa 15.000 Euro kostet. Die Dörfer sollen 10% der Kosten selber tragen, der Rest soll dann von Organisationen, Freunden und anderen Quellen gedeckt werden. Um diese Vorhaben zu begleiten und um sicherzustellen, dass die Lehrer an den Schulen auch wirklich unterrichten, ist es unumgänglich, die Dörfer regelmäßig zu besuchen.

Was die Pfarrarbeit angeht, so arbeiten wir daran, die Seelsorge in den Teilpfarreien weiter voranzubringen. Wir haben festgestellt, dass es uns in Dörfern an Katholiken fehlt, die in irgendeiner Weise ausgebildet sind; oft können auch nicht einmal die Vorstände schreiben oder lesen. So möchten wir 2017 unsere Wortgottesdienstleiter und Katecheten verstärkt zu besonderen Fortbildungen schicken und auch die Vorsitzenden der Teil-Pfarrgemeinderäte und katholischen Vereinigungen über ihre Aufgaben mehr aufklären. Da ich ziemlich lange brauche, meine 30 Außenstationen in der Chelopoy Filiale zu besuchen, haben die Freikirchen und Sekten leichtes Spiel und verunsichern unsere Leute sehr. Oftmals reden sie schlecht über die Katholische Kirche, sprechen ihr sogar den Status einer Kirche ab und werben mit ihren Keyboards und Lautsprechern auch immer wieder einige unserer Leute einfach ab. Es ist wichtig präsent zu sein, gute Seelsorge zu machen und auch in humaner und sozialer Weise tätig zu sein. Die Priesterweihe von Abraham war sicher ein wichtiges Ereignis, das unseren Christen viel neue Kraft gegeben hat. So hoffen wir, dass es gut weitergehen wird und unsere Pfarrei langsam weiterwächst.

Ich werde wahrscheinlich im Juni nach Deutschland kommen. Ich bin dann auch gerne bereit in Schulen oder in Pfarreien über Kenia zu erzählen. Scheut euch nicht, mich zu kontaktieren.

Nochmals möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die sich Sorge um unsere Arbeit machen und uns unterstützen. Möge es euch Gott vergelten.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund – ein Friedenszentrum im Südsudan

Der junge Staat Südsudan hat eigentlich nicht angefangen ein Staat zu sein.  Die schweren Kämpfe vor wenigen Wochen in Juli haben wieder gezeigt, dass dieses Land ein Eldorado von Krieg-Machern, prinzipienlosen Opportunisten und machthungrigen Politikern ist. Ich komme gerade zurück aus einem der Flüchtlingscamps. Versorgung, Hygiene und Hunger sind schlimm. Größer aber sind der Ärger, die erfahrene Willkür und die Perspektivlosigkeit. Auch wir spüren das. Schon am Eingang des Camps, wo Regierungssoldaten uns hindern und nicht verstehen können, dass wir Menschen helfen und mit ihnen beten, die es doch besser gar nicht gäbe.

Flüchtlingscamp im Südsudan

Die Politiker in diesem Land haben nicht verstanden, dass jeder Mensch zum Leben ein Minimum an Sicherheiten braucht. Es kann und darf nicht sein, dass das, was man/frau sich tagsüber mühevoll erarbeitet hat, nachts dem Raub und Diebstahl ausgesetzt ist. Die Regierung hat nicht ansatzweise einen Sinn für einen Rechtsstaat und für das Gemeinwohl entwickelt. Gesetzlosigkeit und militärische Arroganz bestimmen das Bild der Hauptstadt Juba. So ist es verständlich, dass die Menschen sich mehr auf ihren Stamm als auf die Regierung verlassen. Das Ergebnis ist ein Land, das entlang der Stammeslinien zerfällt. Die Elite an der Macht hält sich dabei maßlos schadlos.

In diesem Kontext haben die 46 Orden im Land entschieden, ein Zentrum zur Förderung des Friedens und der Behandlung von Traumata in Kit nahe der Hauptstadt Juba zu erstellen. Das „Good Shepherd Peace Center“ wird am 15. Oktober eingeweiht und wird menschliche und spirituelle Werte fördern, die so sehr in den Jahren der Kriege gelitten haben. Das Zentrum setzt genau da an, woran das Land und die Menschen kranken. Die größten Herausforderungen sind: Feindschaft, Hass und Misstrauen unter den verschiedenen Volksgruppen, kaum ein Verständnis für ein Gemeinwohl und wie ein Staat funktionieren könnte und mangelnde Bereitschaft zur Versöhnung. Mit den Kriegsveteranen, die arrogant sind und den korrupten Politikern, für die niemand etwas zählt, der nicht zu ihrem Stamm oder Intrigen-Club gehört, ist kein „Staat“ zu machen. Die Orden, zusammen mit der Ortskirche, wollen einen Kontrapunkt setzen und das christliche Menschenbild für einen friedlichen Südsudan vorschlagen. Bei allem Dunklen finden sich immer wieder Menschen, die nicht der Rauigkeit der Gesellschaft zum Opfer gefallen sind. Sie sind wie Blumen unter den Dornen und ich freue mich über die Würde, die sie ausstrahlen. Sie helfen mir selbst in meinem Missionarsein und sie sind Anknüpfungspunkte für eine bessere Gesellschaft. Sie zu fördern ist oberstes Ziel.

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Die Leitung des Zentrums werden Ordensleuten aus verschiedenen Kongregationen haben. Auch werden kirchennahe NGOs die Möglichkeit haben, Kurse abzuhalten und es werden regelmäßig Exerzitien für Ordensleute und Laien angeboten werden.

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Das Projekt in Kit ist 15 Kilometer entfernt von Juba und verkehrsmäßig gut angebunden. Auf dem ehemaligen Land der Comboni-Missionare, heute unter dem Bischof, hat das Friedenszentrum mit Konferenz-, Tagungs- und Unterkunftsmöglichkeiten für rund 120 Personen einen idealen Platz gefunden. Das Zentrum liegt am Fluss Kit, kurz bevor er in den Nil mündet. Die Gegend ist landschaftlich sehr ansprechend und friedlich, obgleich dort viel Schlimmes in den Jahren des Krieges (nach 1983) zwischen dem Norden und dem Süden passiert ist. Kit war für viele Jahre die Kampfeslinie zwischen der Südsudanesischen Befreiungsarmee und der damaligen Regierung von Khartum, die Juba immer besetzt hatte. So wird mit Gottes Hilfe an einem Ort des Krieges der Friede keimen, der eine wahrhaft menschliche Entwicklung möglich macht. Möge Gott seinen Segen dazu geben.

Warme Worte aus dem chilenischen Winter

Der Prophet Jesaja fragt: 58.6-7

„Besteht nicht ein Gott wohlgefälliges Fasten (Handeln) darin, die Unterdrückten zu befreien, den Hungrigen dein Brot zu brechen und heimatlose Elende in dein Haus zu führen, wenn du einen Nackten siehst, dass du ihn bedeckst und dass du dich deinem Nächsten nicht entziehst?“

Und gleich fährt er fort: 58.8: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte. Und deine Heilung wird schnell sprossen. Deine Gerechtigkeit wird vor dir herziehen, die Herrlichkeit des Herrn wird deine Nachhut sein. Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten…“

Diese Worte des Propheten Jesaja möchte ich mit euch teilen, weil sie mich seit langen Jahren begleiten und ermutigen, sie in unserer Zeit zusammen mit euch an unseren verschiedenen Orten und mit unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten zu verwirklichen. All euer Einsatz für unsere Dienste in Chile, Bolivien und Peru betrachte ich aus dieser Perspektive, aber auch all euer Engagement für das Wohl anderer Menschen vor Ort oder in anderen Ländern, wie auch für die Flüchtlinge…

Nach meiner langen Reise durch Deutschland und Luxemburg möchte ich euch allen danken, denen ich begegnet bin, aber auch allen, die mich liebevoll in Gedanken und Gebeten begleitet haben. Voll Freude kehre ich heim, zusammen mit meinen beiden Mitarbeiterinnen Marla Solari und Dr. Ana Maria Pereira, die zur Mitgliederversammlung Cristo Vive Europa eingeladen waren. Wir fühlen uns reich beschenkt. Meine beiden Freundinnen hören nicht auf, von den wundervollen Erfahrungen während ihres Aufenthaltes in Deutschland zu erzählen. Sie waren – wie auch ich – ganz begeistert von der Cristo Vive Europa-Mitgliederversammlung. Ich kann nur staunen über den großen Einsatz des Vorstandes und die fröhliche Unterstützung der ehemaligen Freiwilligen. Auch die Migliederversammlung von Amntena war ein großes geschwisterliches Treffen.

Während meines Rückfluges überkam mich eine große Freude und Dankbarkeit. Auf Einladung des Katholikentages in Leipzig hatte ich zum Leitwort: „Seht, das ist der Mensch!“ folgendes geschrieben: „Mensch, ich und du und alle, gewünscht, gesehen und bedingungslos geliebt von Gott! Diesem Menschen – uns Menschen heute – gibt Gott die Erde in die Hände. Jesus hat uns die gute Botschaft gebracht und uns eingeladen, seine Jüngerinnen und Jünger zu werden. Er vertraut uns, dass wir von ihm lernen und mitarbeiten, allen Völkern das Reich Gottes anzukündigen und uns einzusetzen, dass es durch unseren konkreten Dienst in der Familie, in der Gemeinde, in der Arbeit, in Politik, Wirtschaft und Kultur Wirklichkeit wird.

Als sein Abbild tragen wir Gottes Liebe in unserem Herzen. Diese Liebe ist eine unendliche Energie. Durch sie können wir teilnehmen, die Erde verwandeln, Hunger, Ausgrenzung und Unterdrückung bekämpfen, Gerechtigkeit und Frieden schaffen. Ein alter Kirchenvater sagte: „Die Herrlichkeit Gottes ist, dass der Mensch lebe!“, San Oscar Romero sagte darauf: „Die Herrlichkeit Gottes ist, dass der Arme lebe!“ Dafür treffen wir uns auf dem 100. Katholikentag.

Wir sind alle Gottes Kinder. Was will ein Gott, der sich Vater nennen lässt, mehr als dass wir, seine Söhne und Töchter auf Erden, glücklich werden? Doch dieses Glücklich-Werden ist nicht von vornherein gegeben, fällt nicht vom Himmel und hat mit uns selbst und den anderen zu tun. Aber alle haben wir eine Sehnsucht danach.

Oft frage ich mich, ohne eine Antwort zu finden, warum viele Menschen – und ich kenne so viele – von klein auf ein so schweres Leben haben? Umso mehr spüre ich den liebenden Ruf Gottes in meinem Herzen, alles mir Mögliche zu tun, um den Menschen in Not beizustehen, dass sie in Würde und mit ihrer Mitarbeit ein gutes Leben oder wenigstens bessere Bedingungen erreichen. Das macht mich glücklich. Ich habe gesehen, dass auch ihr, liebe Freunde, an euren Orten auf dem gleichen Acker Gottes beschäftigt seid und ich fühle mich darin mit euch verbunden.

Nun ein paar Nachrichten: Am Freitag nach meiner Ankunft hatte ich gleich zusammen mit Gustavo und Ignacio eine Audienz bei unserem chilenischen Sozialminister, Marcos Barraza. Wir haben ihm unsere verschiedenen Dienste vorgestellt und um Unterstützung, vor allem für die Arbeit mit den Kranken im Gesundheitszentum, gebeten. Beistand, den wir dringend brauchen! Er hat uns sehr aufmerksam zugehört. Nächsten Mittwoch freuen wir uns, dass – während des Staatsbesuches unseres deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck – seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, uns mit einer Delegation besuchen kommt, um das Gesundheitszentrum Cristo Vive und die Krankenpflegeschule kennenzulernen.

Ansonsten kann ich euch berichten, dass alle unsere Mitarbeiter sich engagiert einsetzen. Ende nächster Woche geht es wieder nach Bolivien, wo wir unsere Freunde, Familie Hildebrand Alberti und Familie Schenker von Cristo Vive Suiza, erwarten. Natürlich möchte ich dabei auch unsere Mitarbeiter in den verschiedenen Diensten begleiten. Wieder möchte ich euch allen für eure Liebe und Unterstützung danken.