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Missionsarbeit in Südafrika

Wir feierten vor wenigen Wochen den 95. Gründungstag der Benediktinerabtei Inkamana in Vryheid in Südafrika. Der 3. August ist zugleich der Gründungstag der Ottilianer Benediktinermission im Zululand. Als ich 1968 als Neumissionar ins Zululand kam, lebten noch mehrere der Pioniere, die 1922 unter schwierigen Bedingungen mit der Missionierung begannen. Der letzte der Pioniere starb 1983. Inzwischen gehört die Epoche der Erstmission im Zululand längst der Vergangenheit an. Rund 150 Jahre protestantische Missionsarbeit und knapp 100 Jahre Missionsarbeit der Ottilianer Benediktiner haben den Zulus den Weg zum Christentum geöffnet. Die große Mehrheit der Zulus gehört jetzt einer christlichen Kirche oder Sekte an. Das Gebiet, das Rom 1921 der Kongregation von St. Ottilien zur Missionierung zugeteilt hatte, ist nun eine Diözese. Mittlerweile hat unsere Diözese bereits ihren zweiten einheimischen Bischof. In den 30 Pfarreien sind ausschließlich einheimische Priester tätig. Zwei Zulu Priester unserer Diözese sind momentan sogar in Pfarreien im Ausland tätig. Einer ist in den USA im Einsatz, der andere auf einer Pfarrei in der Pfalz in Deutschland.

In den knapp 100 Jahren seit der Ankunft der ersten Benediktiner im Zululand stellte unsere Kongregation großzügig Personal für die Mission in dieser Nordostecke von Südafrika zur Verfügung. Insgesamt erhielten nicht weniger als 72 Ottilianer Patres und 65 Ottilianer Brüder das Missionskreuz für das Zululand. 1968 wurde zum letzten Mal eine ganze Gruppe ausgesandt. Sie bestand aus vier Mann; ich war einer von den Vieren. Seitdem erhielt die Zululand Mission nur noch wenig Verstärkung aus den Heimatabteien. Mit Recht sagten unsere Äbte in Deutschland: „Seht zu, dass ihr im eigenen Land um Nachwuchs wirbt und Benediktinermissionare heranbildet.“ Das haben wir auch getan. Es war kein einfaches Unterfangen. Seit 1968 sind nicht weniger als 220 einheimische Kandidaten in die Abtei Inkamana eingetreten. Von diesen 220 Kandidaten legten nach zwei- bzw. dreijähriger Vorbereitung immerhin 64 die einfachen Gelübde ab. Von diesen 64 banden sich 30 nach weiteren drei bzw. sechs Jahren durch die ewigen Gelübde auf Lebenszeit an unsere Gemeinschaft. Allerdings traten auch von diesen „ewigen Professen“ acht nach einiger Zeit wieder aus dem Kloster aus. Von den 64, die seit 1968 die einfachen Gelübde abgelegt hatten, sind zurzeit sechs in der Vorbereitung auf die ewige Profess.

Mönche der Benediktinerabtei Inkamana. Foto: inkamana.mariannhillmedia.org

Erfolgreiche Missionsarbeit

Ähnliche Erfahrungen wie Inkamana machten auch andere Missionskongregationen in Südafrika, ganz gleich ob es sich um religiöse Frauengemeinschaften oder religiöse Männergemeinschaften handelt. Südafrika ist nun einmal kein „Mistbeet“ für Priester- und Ordensberufe. Das haben wir schon lange festgestellt. Die Hälfte der afrikanischen Kandidaten, die zwischen 1968 und 2017 in Inkamana die ewigen Gelübde abgelegt hatten, stammte aus Namibia bzw. aus Malawi. Aus diesem Grund haben wir vor zwanzig Jahren eine Niederlassung in Namibia eröffnet. Dieses Nachbarland Südafrikas hat mit rund 20% einen weit höheren Prozentsatz an Katholiken als Südafrika, wo nur rund 6% der Einwohner katholisch sind.

Wenn man im Rückblick von einer erfolgreichen katholischen Missionsarbeit im Zululand sprechen kann, dann verdanken wir das nicht zuletzt dem Einsatz und der Mitarbeit mehrerer Schwesterngemeinschaften. In erster Linie sind da die Tutzinger Missionsbenediktinerinnen zu nennen. Sie haben von 1922 bis zu ihrer Ablösung im Jahr 2000 mit den Ottilianern zusammengearbeitet, haben Krankenhäuser und Schulen geleitet und haben in verschiedenen Bereichen auf allen Hauptstationen gewirkt. Nicht weniger als 110 Tutzinger Schwestern kamen in den 78 Jahren zwischen 1922 und 2000 im Zululand zum Einsatz. Fünfundvierzig sind in Inkamana gestorben und haben auf unserem Klosterfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden, darunter auch Schwester Reinolda May (1901–1981).

Wallfahrtsort Ngome

Ihr Name wurde über die Grenzen von Zululand und sogar über Südafrika hinaus bekannt, als sich nach ihrem Tod die Kunde verbreitete, dass sie Marienerscheinungen hatte. Zwischen 1954 und 1971 sei ihr die Muttergottes angeblich nicht weniger als zehn Mal in der Krankenhauskapelle von Nongoma erschienen. Sie selber hat darüber Aufzeichnungen gemacht. Bei einer dieser Erscheinungen äußerte die Muttergottes angeblich den Wunsch, „an einem Ort im Zululand, an dem sieben Quellen entspringen, als Tabernakel des Allerhöchsten verehrt zu werden“. Dieser Ort wurde mit Hilfe von Schwester Reinolda als ein Außenposten der Missionsstation Nongoma namens Ngome identifiziert.

Ngome liegt etwa 20 km westlich von Nongoma am Rand eines dichten Urwalds. In diesem Urwald wurden tatsächlich mehrere Quellen entdeckt. Der zuständige Bischof, Aurelian Bilgeri OSB (1909-1973), der von 1947 bis zu seinem Tod die Diözese Eshowe leitete, stand der ganzen Geschichte eher skeptisch gegenüber, genehmigte aber aufgrund inständiger Bitten von Schwester Reinolda, dass in Ngome 1966 eine kleine Kapelle von kaum mehr als vier Quadratmeter gebaut wurde. Erst 1984 erlaubte Bischof Mansuet Biyase (1933-2005), der Nachfolger von Bischof Bilgeri, den Bau einer größeren Kapelle. Sie wurde auf einem Felsplateau errichtet und enthält ein von einem Kunstmaler angefertigtes Gemälde der „Muttergottes, Tabernakel des Allerhöchsten“. Rasch stieg die Zahl der Pilger, die privat oder durch eine organisierte Pilgertour nach Ngome kamen. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wurde 2002 noch eine zweite, größere Kirche errichtet.

Auf ihrem Weg nach Ngome machen viele Pilger bei uns in Inkamana Halt und besuchen das Grab von Schwester Reinolda, legen Blumen nieder und hängen Rosenkränze über ihren Grabstein. Schon seit längerem wird in der Diözese sogar die Möglichkeit eines Seligsprechungsprozesses erwogen. Aufgrund dieser Entwicklung hat nun der Bischof von Eshowe, Thaddeus Xolelo Kumalo, einen seiner Priester beauftragt, Material über das Leben und Wirken von Schwester Reinolda zu sammeln. Für diesen Schritt hatte der Bischof zuvor von Rom das nötige Placet eingeholt in der Hoffnung, dass nach einiger Zeit der Seligsprechung Prozess eröffnet werden kann. Ob es jemals so weit kommt, wird sich zeigen.

Auch Mallersdorfer Schwestern im Zululand´

Außer den Missions-Benediktinerinnen von Tutzing haben auch noch drei weitere Schwesterngemeinschaften aus Deutschland in den 1950er Jahren Missionarinnen ins Zululand entsandt und sind dort heute noch präsent. In diesen rund sechzig Jahren kamen 33 Franziskanerinnen aus Oberzell bei Würzburg, 21 Benediktinerinnen von St. Alban am Ammersee und 37 Mallersdorfer Schwestern in die Zululand Mission. Alle drei Gemeinschaften nahmen sehr bald auch einheimische Kandidatinnen auf. Heute sind unter den 26 Oberzeller Schwestern mehr als die Hälfte Afrikanerinnen, darunter auch die Oberin der Gemeinschaft. Unter den 40 Mallersdorfer Schwestern (dazu gehört auch die in der Missionsstation „Vryheid“ tätige Sr. Emanuela Kraus aus Breitenbrunn/Oberpfalz, Bistum Eichstätt) befinden sich 23 einheimische; die Leitung der Gemeinschaft liegt jedoch noch in den Händen einer deutschen Schwester. Das gleiche gilt auch für die Benediktinerinnen von St. Alban. Die Gemeinschaft setzt sich momentan aus acht afrikanischen und sechs deutschen Schwestern zusammen. Oberin ist eine deutsche Schwester.

Die Ottilianer Benediktiner haben in ihren ehemaligen Missionsgebieten in Afrika sechs Abteien und ein Konventualpriorat (Vorstufe zur Abtei) errichtet. Alle sieben selbständigen Klöster werden von einheimischen Mönchen geleitet. In vier dieser Klöster sind alle Patres und Brüder Afrikaner; in dreien ist der Konvent gemischt, wobei die Europäer jeweils nur noch eine Minderheit bilden. Noch einen Schritt weiter in dieser Entwicklung sind die Klöster, die von Ottilianer Mönchen in Korea, in China und auf den Philippinen gegründet wurden. Während einige unserer sechs Deutsch sprachigen Abteien (vier in Deutschland und jeweils eine in Österreich und in der Schweiz) unter Nachwuchsmangel leiden, verlagert sich der Schwerpunkt unserer Kongregation langsam auf unsere Klöster in Afrika und Asien. Mit weit über 600 Mitgliedern machen sie jetzt schon 60% der Ottilianer Missionsbenediktiner aus.

Jahrhundertdürre

In Südafrika herrschte in den letzten zwei Jahren eine katastrophale Trockenheit. Im Zululand sprach man von einer Jahrhundertdürre. Nicht nur die Großfarmer und Kleinbauern waren davon betroffen, sondern auch die Menschen in den Städten. Die Farmer konnten wegen Regenmangel nicht pflügen und säen und in den Städten mussten die Leute ihren Wasserverbrauch gewaltig einschränken. Mittlerweile hat sich die Situation verbessert, da es im Sommer (Dezember bis März) reichlich geregnet hat. Die Wasserversorgung in der Stadt Vryheid war ein ganzes Jahr lang (von Mai 2016 bis Mai 2017) von Tankfahrzeugen abhängig, die die im Stadtgebiet aufgestellten 5000 Liter Behälter immer wieder auffüllten. Bevor die Wasserleitungen wieder benützt werden konnten, mussten Hunderte von Hausanschlüssen repariert und mit neuen Messgeräten aus Plastikmaterial versehen werden. Während der langen Trockenheit waren nämlich die alten Messgeräte aus Metall reihenweise geklaut und von den Dieben als Altmetall verkauft worden.

Die lange Trockenheit hat auch unserer Abtei schwer zugesetzt. Um die Wasserversorgung sicher zu stellen, mussten wir zusätzlich Brunnen bohren. Weil die aber nicht den erwarteten Erfolg brachten, haben wir nun entschieden, Regenwasser zu „ernten“. Inzwischen wurden an den verschiedenen Dachrinnen 5000 Liter Plastikbehälter aufgestellt, die das Regenwasser sammeln, wenn sich im kommenden Sommer die Himmelsschleusen öffnen.

„Ein Missionar geht nicht in Pension“

Comboni-Missionar Josef Gerner ist seit 1996 in Uganda tätig. Sein erster Einsatz in dem ostafrikanischen Land hatte er bereits von 1971 bis 1976. Anschießend arbeitete er bis 1986 in Kenia. Es folgten Stationen in Innsbruck und Bamberg. Derzeit ist Die Diözese Eichstätt hat bereits mehrere seiner Projekte in Uganda unterstützt hat.

Trotz seiner 82 Jahre ist Pater Josef Gerner MCCJ in Uganda noch immer unverzichtbar. Insgesamt ist der dort schon 26 Jahre aktiv. Kaum einer kennt Ostafrika so gut wie er.

Der gebürtige Meckenhausener pflegt zwar intensiv die Verbindungen in die Heimat, dennoch kann er es sich nur schwer vorstellen, nicht in Uganda zu wirken. Das Land und die Leute sind ihm ans Herz gewachsen. Im Video-Interview sagt er: „Ein Missionar geht nicht in Pension“.


Im Heimaturlaub berichtet er den Verantwortlichen im Referat Weltkirche über seine Aktivitäten und die nächsten anstehenden Projekte. Dazu gehört der Bau eines neuen Pfarrhauses für seine neue Pfarrei, in der er neben einem einheimischen Priester die pastorale Verantwortung trägt und sich sehr darum bemüht, die Grundlagen für eine gute Entwicklung der Pfarrei zu legen.

Zuletzt erhielt er 2012 und 2014 für den Bau von Kirchen aus Eichstätt Zuschüsse über 15.000 €. Die Gebäude sind für ihn aber nur die notwendige Infrastruktur, um die frohe Botschaft unseres christlichen Glaubens den Menschen zu verkünden, die nach den schweren Jahren des Bürgerkrieges nach Orientierung für sich und ihre Kinder suchen.

Zu Besuch bei Pater Josef Schmidpeter in Arequipa

„Josef, kümmere dich um die Kranken und Armen“, das war und ist die Berufung, die P. Josef Schmidpeter verspürt und die den 81jährigen Comboni-Missionar aus dem Bistum Eichstätt bis heute nicht ruhen lässt.

Nachdem er von 1982 bis 1994 bereits in Peru tätig war ist er vor sechs Jahren wieder an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt, an der er nie vergessen war. 2008 hat man aus Dankbarkeit für sein sozial-pastorales Wirken ein kommunales Hallenbad nach ihm benannt. Und auch in vergangenen Tagen habe ich die Liebe der Menschen zu ihrem „Padre Jose“ in der Pfarrei Buen Pastor in einem der armen Randgebiete von Arequipa erlebt. Man grüßt ihn über die Straße, Kinder winken ihm zu. Die Mitarbeiter im Altenheim freuen sich, wenn er vorbeischaut, und selbst die über 90jährige Indigene, die kein Spanisch spricht, ruft seinen Namen zur Begrüßung. Aktuell fehlen rund 8.000 Euro, um einen Aufzug in den zweiten Stock zu bauen, dann könnte die Aufnahmekapazität in der sehr familiär konzeptionierten Einrichtung verdoppelt werden.

Aber Schmidpeters größte Leistung sind seine beiden Polikliniken „Espiritu Santo“, in denen täglich 2000 Menschen von 140 Fachärzten behandelt werden. Viele der Mediziner haben auch eine eigene Praxis, aber einen Tag in der Woche arbeiten sie bei Padre Jose für die Armen und Kranken mit. Während des Streiks in den öffentlichen Krankenhäusern waren es täglich bis zu 2600 Hilfesuchende.

Stolz verweist P. Josef am Eingang auf die drei Tafeln mit Namen von Spendern und dass sein Heimatbistum ganz weit oben darauf steht. Auch der deutsche Botschafter hat sein herausragendes Werk gewürdigt.

So sehr er sich darüber freut, noch wichtiger sind ihm die Menschen, die als Kranke kamen, aber wie Menschen behandelt wurden. Dazu gehört auch, dass er als Klinikseelsorger wirkt, weil er aus Erfahrung berichten kann, dass viele Krankheiten seelische Ursachen haben. Darum sind ihm die Stunden im Beichtstuhl wichtig, als Ort der Versöhnung. „Leider gibt es aber unter den jungen Priestern wenige, die für diese Aufgabe Zeit aufwenden“, findet Schmidpeter, aufgrund seiner pastoralen Erfahrungen.

Leider ist der Aufenthalt hier viel zu schnell vorbei, um sein gesamtes Wirken nachvollziehen zu können. Dazu gehört zum Beispiel seine Zeit als Gründer des Kolpingwerks in Peru Mitte der 80er Jahre. Aber er hat auch in Zukunft noch viel vor. So will er in einer der Kapellen, in der am Samstagabend Mariä Himmelfahrt gefeiert wurde, einen Chor aufbauen und sich um die Ministranten kümmern. Missionare der alten Schule gehen halt nie in den Ruhestand. Was für ein Leben für die Armen und Kranken.

Im Dienst für die Armen in Lateinamerika

Wie gerne würde ich heute alle unsere lieben Freunde einladen, von meinem Fenster aus, die im Glanz der Wintersonne schneebedeckten strahlenden Anden zu betrachten. Ich bin von Herzen dankbar für die vielen wunderbaren Begegnungen während meiner „Missionsreise“ im vergangenen Juni durch Deutschland, Luxemburg und die Schweiz.

Nur wenigen Freunden habe ich während meines Aufenthaltes in Europa erzählt, dass meine Reise ein Schatten begleitete: Vor meinem Abflug nach Europa lag unser langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter und Geschäftsführer, Freund und Mitgründer von Cristo Vive, Jorge Fernandez, todkrank im Krankenhaus und der Arzt fragte mich, was ich machen würde, im Falle wenn er heimgehen würde… Der Arzt wusste, dass Jorge mich gebeten hatte, seine Beerdigung zu feiern. Ich hatte immer geantwortet mit ja, – wenn er dann auf meine Beerdigung gehen würde, aus Spaß. Dem Arzt versprach ich, ich würde sofort meine Reise unterbrechen und zur Beerdigung kommen. Jorge selbst rief ich dann an, um ihn zu erinnern, dass wir am 11. Juli seinen 80. Geburtstag feiern wollen und er sich daran halten müsste.

Während meiner Reise jedoch war ich immer mit einem Ohr in Chile und im Herzen bat ich Gott, dass wir noch Jorges Geburtstag feiern dürfen. So rief ich ihn gleich nach meiner Rückkehr an und machte mich auf, um ihn umarmen zu können. Wir verbrachten zwei glückliche Stunden und ich konnte ihm die Grüße aller Freunde überbringen, worüber er sich unglaublich gefreut hat. Dennoch ließ er mich wissen, dass es ihm voll bewusst ist, dass er zwischen Leben und Tod lebt, in Gottes Händen.

Es ist unbeschreiblich, wie unser lieber Jorge Fernández über jeden der vielen Hundert Geburtstagsgrüße überrascht war und sich gefreut hat. Aber auch ich bin überwältigt und kann nur danken für die unzähligen Zeilen, Wünsche, Gedanken und Gebete für Jorge. In einer Zeit des Lebens, in dem jeder Tag für Jorge ein besonderes Geschenk ist, konnte ich in einem persönlichen Gespräch herausfinden, wie er sich die Feier seines 80. Geburtstages mit uns wünschte. Er wollte, dass wir mit ihm und seiner Frau Nena „im Kleinen“ in seiner Wohnung als Comunidad, im Kreis der Gründergemeinschaft und Vorstandsmitglieder Cristo Vive, das Gedächtnis Jesu feiern. So verwandelte sich Jorges Wohnzimmer in den Abendmahlssaal, wo wir miteinander Gott für Jorges Leben, seinen Einsatz für die Armen und seinen Beitrag zur Gründung der Fundación Cristo Vive dankten. Mit Nena und Jorge und dem mit Jorge verwandten Befreiungstheologen, Pater Sergio Torres, waren wir zusammen 18 Jünger und Jüngerinnen Jesu.

Was unsere Dienste angeht, habe ich inzwischen viele Mitarbeiter getroffen und mit Freude gesehen, dass die Arbeit auf Hochtouren läuft. Immer geht es darum, den Menschen mit Liebe zu dienen.

Wir hatten in der vergangenen Woche das Abschieds-Seminar unserer 25 Freiwilligen, die ein Jahr in unseren verschiedenen Diensten unter den Armen Einsatz geleistet haben. Ist das nicht eine neue Form von missionarischem Dienst? Durch ihr Engagement wird den Menschen Jesu Frohe Botschaft sichtbar.

Fünf junge Frauen aus der Diözese Eichstätt kehren in ihre Heimat zurück: Franziska Breitenhuber und Katharina Geitner aus Eichstätt, Isabell Schöpfel aus Kipfenberg, Theresa Schmidt aus Weigersdorf und Susanna Bauer aus Rupertbuch, die schon daheim sein müsste. Ihnen allen von Herzen Dank! Gleichzeitig erwarten wir im August schon die neuen Freiwilligen für 2017/18 in Chile, Bolivien und Peru: Bienvenidos – Willkommen!

Ganz herzlich grüße ich alle Eichstätter Schulen, die unsere Arbeit beim Altstadtfest unterstützt haben und danke allen unseren lieben Unterstützern!

Eine ganze Reihe ehemaliger Freiwilliger ist bereit, bei Vorbereitungsseminaren künftiger Freiwilliger bei Cristo Vive Europa mitzumachen, um den Neuen aus erster Hand Erfahrungen für ihren Dienst zu vermitteln. So zum Beispiel Agnes Birzer aus Pietenfeld. Warum sie mitmache? Ihre Antwort: „Weil ich seit meinem Jahr in Chile ein Teil der Cristo-Vive-Familie bin und jedes Seminar wie ein Familientreffen ist. Es tut gut, die eigenen Erfahrungen an die neuen Freiwilligen weiterzugeben. Ich kann dort meine eigenen Erlebnisse immer wieder reflektieren und daran zurück denken. Es ist mir wichtig, dass die Vision und Mission von Cristo Vive weitergegeben werden und möglichst viele Menschen erreichen“.

Johannes der Täufer: Mahner, Kritiker und Wegweiser

Wer mag schon gerne Menschen mit erhobenem Zeigefinger? Diese Geste erinnert uns an unsere Kindheit und weckt möglicherweise unangenehme Gefühle.

Johannes der Täufer (rechts im Bild) auf Jesus weisend. Foto: Geraldo Hoffmann

Viele Darstellungen in der Kunst zeigen Johannes den Täufer mit einem überdimensionalen Zeigefinger. An dieser Person und seinem Finger will ich ein paar Gedanken festmachen, die mich bewegen. Johannes ist mein Taufname, auch wenn ich von den meisten Menschen „Hans“ genannt werde. Nur mein Vater hat mich immer wieder mit Johannes angesprochen.

Drei Überlegungen bringe ich mit diesem Namen in Verbindung. Prophetie mit dem Aufruf zur Umkehr, Kritik am Bürgerlichen und das Verwiesen-Sein auf Gott hin.

  • Johannes war ein Mahner und hat zur Umkehr aufgerufen. Die Umkehr war sein Lebensprogramm. Er wohl ein unbequemer Mensch, zumindest auf dem ersten Blick. Der Blick auf die Geschichte zeigt uns, dass es in der Natur des Menschen zu liegen scheint, dass er, wenn sich die Möglichkeit ergibt, Macht ausübt und diese missbraucht, die Wahrheit zu seinen Gunsten verdreht und Unfriede streut, um von seinen Schwächen abzulenken. Johannes hat das Verhalten der Mächtigen – in seinem Fall König Herodes Antipas – kritisiert und das mit dem Leben bezahlt. Ein Prophet lebt offensichtlich gefährlich.
    Erst über die Jahre habe ich gelernt, dass eine Haltung der ständigen Umkehr auch ein Segen für mein Leben ist. Lange habe ich die Sünde nur als Vergehen gegen meinen Nächsten und somit auch gegen Gott angesehen. Nicht weniger schwerwiegend ist, dass die Sünde eine Verfehlung gegen mich selbst und meine Entwicklung zum ganzen Mensch-Sein verhindert. Die Sünde macht den Menschen klein. Johannes aber war groß. Moralisch und somit auch menschlich.
  • Für mich verkörpert Johannes auch die Kritik am Establishment. Sein Auftreten zeigt deutlich, dass ihm das Gut-Bürgerliche zuwider war. Er tauscht das bequeme Leben gegen die Wüste und macht klar, dass es ihm um Werte und nicht um Besitz und Wohlstand geht. Sein hageres Auftreten zeigt auch, dass er frei von sich selbst war. Wie würde er wohl heute auftreten?

    Johannes der Täufer – Dekenfresko in der Kirche St. Johannes in Rebdorf bei Eichstätt. Foto: Geraldo Hoffmann
  • Als Drittes ist mir der übergroße Zeigefinger bei Johannes immer mehr aufgefallen. Dieser verweist auf Jesus Christus, von dem er sagt, dass er nicht einmal wert ist, seine Schuhriemen zu lösen. Nicht er will groß sein, sondern Jesus Christus. Nur er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wie oft sind wir als Missionare in Gefahr, mit unserer Arbeit – draußen in der weiten Welt – im Mittelpunkt zu stehen? Dabei muss man noch gar nicht unter einem Messias-Komplex leiden. Informationen und Berichte aus krisengeschüttelten Orten wirken dann oft wie eine Kriegsberichterstattung. Und stellen wir uns selbst nicht in die Mitte, so sind es manchmal Bewunderer oder Verehrer, die ihren Teil zur Überhöhung der Person beitragen. Ich erinnere mich an eine ordensinterne Studie vor wenigen Jahren mit dem Titel: Ratio Missionis (= der Grund unserer Mission). Dabei war ein wichtiger Gesichtspunkt die Unterscheidung unserer Arbeit in die Missio Mea (meine Mission) und die Missio Dei (die Mission Gottes). Letztere ist die Mission, durch die das Kommen des Reiches Gottes verheißen ist. Darum beten wir in jedem „Vater unser“.Auf Gott verweisen und selbst auf Gott verwiesen sein, das sind zwei Haltungen, die Missionare und alle Arbeiter der Kirche am besten in ihre Arbeit aufnehmen. Den Kopf, wie Johannes, riskieren dabei die wenigsten, vielleicht den Kragen, aber ihre Verkündigung und ihr Einsatz wird wahrhaftig.

Geistlicher Impuls: Johannes auf Jesus weisend