Kategorie-Archiv: Menschenrechte

Maidan in Eichstätt

Am Mittwoch, den 18. Dezember, fand von 8 bis 16 Uhr am Eichstätter Marktplatz, wie in vielen anderen Städten der Welt, eine Solidaritätsaktion für die Protestierenden in der Ukraine statt. Sie wurde von einer Gruppe ukrainischer Studierender der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt organisiert und stand unter dem Hauptmotto: „Maidan, wir sind bei Dir“.

Die Veranstaltung hatte drei Ziele: Erstens ging es darum, alle Passanten und Interessierten über die aktuelle Lage und die Chronologie der Ereignisse am Maidan zu informieren. Ein zweites Anliegen bestand darin, die Menschen in Deutschland mit der Ukraine besser vertraut zu machen und Klischees abzubauen. Zu guter letzt wollten die Veranstalter, indem sie acht Stunden in der Kälte stehen, auch physisch ihre Solidarität mit den ukrainischen Demonstranten zeigen – in der Ukraine harren die Menschen nun schon seit einem Monat bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich aus.

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Die ukrainischen Studierenden hatten einen Stand mit Fahnen, Plakaten und Info-Flyer über die Ukraine und die Maidan-Bewegung gestaltet. Außerdem bestand die Möglichkeit, auf einem großen Plakat schriftlich oder bildlich Wünsche und Grüße an die ukrainischen Protestierenden zu hinterlassen. Dabei ist ein ermutigendes Kunstwerk entstanden, das schon bald auf den Weg in die ukrainische Hauptstadt Kiew geschickt wird. Das Interesse der Eichstätter Bevölkerung und der Studierenden war erfreulich groß. Zahlreiche Passanten blieben am Stand der Solidaritätsaktion stehen und brachten ihre Unterstützung für die Ukraine zum Ausdruck.

Von 14 bis 15 Uhr fand schließlich eine Kundgebung statt, bei der die ukrainische Hymne angestimmt und weitere ukrainische Lieder gesungen wurden. Außerdem wurden einige bewegende Ansprachen gehalten. So erläuterte der Rektor des Collegium Orientale, Domkapitular Msgr. Paul Schmidt, wie er die Situation in der Ukraine aus deutscher Sicht betrachtet. Der Vize-Rektor des Collegium Orientale, Dr. Oleksandr Petrynko, und Prof. Andriy Mykhaleyko von der Ukrainischen Katholischen Universität sprachen als Ukrainer zu den Versammelten. Givi Lomidze bekundete als Vertreter der georgischen Studierenden die Solidarität seines Heimatlandes mit der Ukraine. Die Veranstaltung endete mit einem auf Deutsch gesungenen Vaterunser für eine positive Lösung des in der Ukraine entstandenen Dilemmas und für eine friedliche Welt.

Die Studierenden, die diese Solidaritätsaktion auf die Beine gestellt haben, sind allen dankbar, die sich ihnen angeschlossen haben und die ihre Verbundenheit und ihr Interesse zeigten. Viele Eichstätter Bürger und Studierende erzählten, dass sie die Ereignisse in den Nachrichten verfolgten, und brachten zum Ausdruck, dass ihnen nicht gleichgültig ist, was in der Ukraine geschieht. Im Namen der ukrainischen Studierenden in Eichstätt und im Namen der ganzen Ukraine ergeht daher ein herzlicher Dank an Eichstätt!

Mehr zum Thema: Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche und die Demonstrationen auf dem „Maidan“

Die Bedeutung des Friedenslichts für Betlehem

Mit einer 30-köpfigen Delegation von DPSG-Pfadfindern aus ganz Deutschland bin ich Ende Oktober nach Israel und Palästina gereist. Neben der Besichtigung der heiligen Stätten stand vor allem der Austausch mit Pfadfindergruppen vor Ort im Vordergrund. Nachdem wir in Tel Aviv einen Tag jüdische Pfadfinder besuchten, folgten vier Tage bei den katholischen Pfadfindern in Nazareth. Dabei besuchten wir auch den See Genezareth. In Nazareth trafen wir mehrmals die dortigen Pfadfindergruppen und tauschten uns über die Situation aus, sie zeigten uns die Sehenswürdigkeiten und bewirteten uns. Die Gastfreundschaft zeigte auch sich beim Mittagessen, das wir bei Familien in Gruppen genießen durften.

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Daraufhin reisten wir weiter nach Jerusalem und Betlehem hinter der Mauer auf palästinensischer Seite. In Betlehem wurden wir in Gruppen für vier Tage bei Familien herzlich aufgenommen. Wir besuchten auch eine Menschenrechtsorganisation, die uns auf die schwierige Lage in dem Konflikt hinwies und die Ungerechtigkeiten aufzeigte. Teilweise besitzen auch Christen israelische Pässe. Sofern dies nicht der Fall ist, haben sie lediglich eine palästinensische ID, welche jedoch nicht international anerkannt ist, was große Beschränkungen beim Reisen nach sich zieht.

Im Touristenbus passierten wir die Checkpoints problemlos. Bei den palästinensischen Autos bildeten sich dagegen lange Schlangen. Gerade auf palästinensischer Seite gibt es zahlreiche Proteste gegen die Mauer, die 11 Meter hoch ist und Betlehem von Jerusalem trennt. An der Mauer sind zahlreiche Bemalungen zu sehen, die von einer friedlichen Lösung träumen lassen.

Aufgrund der Vergangenheit des Staates Israel und dem großen Unrecht, das Juden angetan wurde, ist Sicherheit ist ein wichtiges Gut in Israel. Umso bedauerlicher ist es, dass im Heiligen Land eine Mauer entstanden ist und sich eine friedliche Koexistenz von Israel und Palästina sehr konfliktbehaftet gestaltet. Besonders negativ fiel mir der Siedlungsbau auf, da ganze Städte mit bis zu 15.000 Einwohnern ohne Genehmigung auf palästinensischem Gebiet gebaut werden. Leider sind auf beiden Seiten radikale Strömungen zu finden, so dass uns nur zu hoffen bleibt, dass die gemäßigten Kräfte beider Seiten zum Frieden finden werden.

Wir besuchten ebenso das Caritas Baby Hospital in Betlehem, dem auch unsere komplette Kollekte aus dem Friedenslicht-Gottesdienst in Eichstätt gespendet wird. Das Kinderkrankenhaus nimmt sich jedem Kind an – unabhängig von Religion, Nationalität oder sozialem Status. In diesem Krankenhaus arbeitete einer unserer Gastgeber und führte uns herum. Da man als Patient keine Gesundheitsversicherung braucht, ist das Krankenhaus auf Spenden angewiesen. Die Wichtigkeit dieses Krankenhauses wurde uns auch in der Familie bewusst, als der kleinste Sohn krank wurde. Eine Gesundheitsversicherung ist in den palästinensischen Gebieten kaum vorhanden.

Mit insgesamt fünf christlichen Pfadfindergruppen tauschten wir uns aus, spielten und informierten uns über ihre Situation. Wir wollen diese Partnerschaft ausbauen und versprachen uns gegenseitige Solidarität.

In Betlehem besuchten wir auch die Geburtsgrotte, den Ort, an dem jedes Jahr das Friedenslicht entzündet wird. Frieden wird von der Bevölkerung auf beiden Seiten gewünscht. Mit dem Friedenslicht wollen wir Hoffnung geben und uns gemeinsam für den Frieden an jedem Ort auf der Welt einsetzen. Wenn wir im Kleinen keine Mauern aufbauen, wird dies auch nicht im Großen passieren.

Mehr zum Thema: Friedenslichtaktion 2103 | Bildergalerie und Audio

Friedenslichtaktion 2013: „Das Recht auf Frieden“

In diesem Jahr steht die Aktion Friedenslicht aus Bethlehem in Deutschland, die wir für die Diözese Eichstätt soeben in der ehemaligen Franziskanerkirche Heilig Kreuz eröffnet haben, unter dem Motto „Recht auf Frieden“. Damit wird auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen verwiesen, die in diesem Jahr seit 65 Jahren besteht. Darin wird zu Recht darauf hingewiesen, dass alle Menschen die gleichen Rechte auf „Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt“ haben.

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Im 2. Artikel wird zudem ausgeführt, dass „jeder Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigen Stand“ hat. Dafür möchten sich die 220.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Deutschland einsetzen und mit der Weitergabe des Friedenslichtes aus Bethlehem an „alle Menschen guten Willens“ ab dem 3. Advent, also heute, ein klares Zeichen für Frieden und Völkerverständigung sowie gegen Rassismus setzen. Denn Jede und Jeder hat ein „Recht auf Frieden“.

Ohne Frieden leben zu müssen stellt jede Ordnung auf den Kopf. Menschen, besonders Kinder werden verunsichert. Ich kann niemandem mehr trauen, ich weiß nicht, was als nächstes passieren wird.

Der Prophet Jesaja (9, 1-6) macht diesem grausamen Spuk ein Ende: Die Schreckensbilder von Hass und Terror wischt er einfach weg. Der Hilfe-Schrei nach Frieden bleibt so oft unbeantwortet und wird nicht erfüllt, an vielen Orten dieses, unseres Planeten.

Mehr zur Friedenslichtaktion 2013: Radio K1-Beitrag: Von Wien nach Eichstätt: Das Friedenslicht aus Betlehem ist angekommen

Oscar Romero – der Heilige El Salvadors

Die Sonne brennt vom Himmel, durch das geöffnete Autofenster kommt etwas Luft ins Innere, die nach den Abgasen der Busse riecht, die eng neben uns stehen. Musikfetzten und der Lärm des Marktes prasseln auf uns nieder. Kaum zeigt die Ampel grün, hupen die Autos. Langsam kriechen wir durch das Verkehrschaos von San Salvador. Wer kann, fährt Auto, die Gefahr im Bus überfallen zu werden ist zu groß. Und das wirkt sich auf die Infrastruktur der Stadt aus. Nahezu zu jeder Tageszeit stauen sich die Autos.

Als wir die Schranke zum „Hospitalito“ passieren, wird es still. Leise rauschen die Blätter im Wind – nur aus der Ferne hört man noch den Lärm der Stadt. Hier steht die Kapelle, in der am 24. März 1980 Erzbischof Oscar Romero während der Messe am Altar erschossen wurde. Eine Inschrift in goldenen Buchstaben erinnert an das Verbrechen.

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Oscar Romero hat sich während des Bürgerkriegs auf die Seite des Volkes gestellt, auf die Seite der Armen. Gegen das Militär. Das war sein Todesurteil. Und das macht ihn noch heute zu einem der wichtigsten Männer El Salvadors. Unabhängig von religiöser Zugehörigkeit ist er schon jetzt für die Menschen ein Heiliger – egal was Rom dazu sagt.

Noch heute haben die älteren Menschen Tränen in den Augen, wenn sie von ihm sprechen. Und auch viele junge Menschen kommen an die Gedenkstätten, ins „Hospitalito“ oder an sein Grab in der Krypta der Kathedrale von San Salvador.

Ein Kult, der für mich als Deutsche, völlig unbekannt ist und mich vielleicht auch deshalb so beeindruckt.

Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche und die Demonstrationen auf dem „Maidan“

Seit rund drei Wochen dauern in der Ukraine bereits die Demonstrationen gegen die Regierung Janukowitschs an. Auslöser für die massenhaften Proteste war die plötzliche Entscheidung des Präsidenten, die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union, die für den 29. November in Vilnius (Litauen) vorgesehen war, zu verweigern. Kiew ist als Hauptstadt der Ukraine der Hauptschauplatz der Proteste. Dort versammeln sich die Menschen, wie bereits vor neun Jahren bei der Orangen Revolution, am Unabhängigkeitsplatz, dem „Maidan“. Dieser Platz ist nicht nur der zentrale Ort des friedlichen Aufstandes, sondern auch der Namengeber einer Bewegung, die im ganzen Land um sich gegriffen hat.

Die Demonstrationen verliefen zunächst in friedlicher und optimistischer Atmosphäre und wurden hauptsächlich von Studenten getragen. In der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember, als die Spezialeinheiten der Polizei („Berkut“) den „Maidan“ gewaltsam räumten, kam es jedoch zu zahlreichen Verletzen. Dutzende Menschen, vorwiegend Studenten, aber auch zufällige Passanten, wurden grausam verprügelt. Auf der Flucht fanden die Demonstranten Schutz in der St. Michael-Kathedrale (Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats). Das gewaltsame Vorgehen der staatlichen Sicherheitskräfte hat eine Empörungswelle im ganzen Land ausgelöst. Allein in Kiew fanden sich daraufhin hunderttausende empörte Bürger zu Demonstrationen zusammen.

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In dieser schwierigen Gesellschaftslage stehen die Kirchen der Ukraine nicht abseits. Die Türen der Gotteshäuser sind für die Demonstrierenden geöffnet: Die Menschen können sich dort aufwärmen, bekommen Essen und warme Getränke und die Möglichkeit zu übernachten. In vielen Kiewer Kirchen sowie auch auf dem „Maidan“ selbst – in einer eigens errichteten Zelt-Kapelle und auch auf der Bühne – werden Gottesdienste für den Frieden im Land gefeiert.

Vom Beginn der Proteste an nahm die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (UGKK) eine aktive Rolle ein. Ihre Bischöfe, Priester, Priesteramtskandidaten und Ordensleute sind fester Bestandteil auf dem „Maidan“. Sie geben nicht nur geistliche Begleitung, feiern Gottesdienste, erteilen die heiligen Sakramente der Beichte und Kommunion, sondern helfen auch bei allen täglich auf dem „Maidan“ anfallenden Aufgaben.

Seine Eindrücke vom Leben auf dem „Maidan“ schilderte einer der Priesteramtskandidaten des Lemberger Priesterseminars wie folgt:

„Unsere Anwesenheit in der ukrainischen Hauptstadt, genauer auf dem zentralen Euro-Maidan, erwies sich als eine große Erfahrung nicht nur für uns selbst, sondern auch für die Menschen, die dort für eine bessere Zukunft unseres Vaterlandes einstehen. […] Es ist wirklich schwer, die geistig erhebende Atmosphäre mit Worten zu beschreiben […]. All das habe ich persönlich in dem Moment gespürt als wir – etwa hundert Seminaristen und Priester – mit einer großen ukrainischen Fahne singend durch Kiew gingen. Die Demonstrierenden applaudierten uns und stimmten in die Gesänge ein, womit sie uns für unsere Unterstützung und Solidarität dankten. Einen besonderen Eindruck hinterließen auch die Menschen, mit denen wir uns unterhielten, die auf uns zukamen, um mit uns zu reden und gemeinsam zu beten, die die Fahne in die Hand nahmen und mit uns durch die Straßen schritten, um zu bezeugen, dass wir mit Gott alles schaffen, das wir mit seiner Hilfe alles erlangen, wonach wir streben.“

Aus Solidarität mit dem zentralen „Euro-Maidan“ in Kiew finden zurzeit in vielen Städten der Ukraine und in der ganzen Welt, darunter auch in deutschen Städten, „Euro-Maidane“ statt. Am 7. Dezember versammelten sich zu diesem Zweck rund 200 Ukrainer und deren Freunde vor dem Bundestag in Berlin. Auch sechs ukrainische Studierende des Collegium Orientale in Eichstätt nahmen an dem Berliner „Maidan“ teil, um die Idee des „Maidan“ und ihre Freunde und Verwandten in der Heimat zu unterstützen.

Mehr zum Thema: Ukrainische Kirchen rufen zum Dialog auf

Video: Das Collegium Orientale in Eichstätt

Anmerkung der Redaktion: Diakon Nazar Mysyakovskyy hat diesen Beitrag zusammen Mykola Dobra verfasst. Dobra, geboren in Transkarpatien/Ukraine, lebt seit 2006 in Eichstätt. Nach dem Diplomabschluss promoviert er am Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte und Patrologie der Theologischen Fakultät an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.