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Dorfleben in Mexiko

Die Gesellschaft hier in Ezequiel Montes ist – wie in allen mexikanischen Dörfern und Kleinstädten – noch sehr von den traditionellen Geschlechterrollen geprägt. Frauen arbeiten in der Regel nicht außerhalb des Haushalts, es sei denn, die Familie hat es wirklich nötig. Normalerweise haben die Männer im Haus das Sagen, und in einigen Familien geht es sogar soweit, dass die Frauen sich vorschreiben lassen, was sie anzuziehen haben, oder nicht alleine ausgehen dürfen.

Auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind alle sehr bodenständig und orientieren sich an traditionellen Werten wie etwa der Familie. Generell wird im Vergleich zu Europa sehr früh geheiratet. Mittlerweile liegt das Durchschnittsalter zum Heiraten bei Mädchen bei ungefähr 17 bis 19 Jahren, bei den Jungs bei Mitte 20, wobei es normal ist, dass der Mann bis zu acht Jahre älter ist als die Frau. Noch vor fünf Jahren aber gab es viele Mädchen, die schon mit 14 oder 15 geheiratet haben, und bei den Jungs lag das Durchschnittalter bei Anfang 20. Dabei muss man aber dazu sagen, dass in Mexiko „zusammen wohnen“ auch schon als „heiraten“ bezeichnet wird, anders als bei uns in Europa, wo sich „heiraten“ ja nur auf das Sakrament der Hochzeit bezieht.

Wenn ein Mädchen in Ezequiel Montes nicht studiert oder die Schule nicht beendet, dann ist das keine Seltenheit. Denn sobald die Mädchen heiraten, werden sie in der Regel sowieso ihre berufliche Tätigkeit aufgeben. Es gibt hier sogar studierte Ärztinnen, die ihrem Beruf nicht nachgehen und auch noch nie gearbeitet haben! Manche Väter erlauben es ihren Töchtern auch einfach nicht, weiter zur Schule zu gehen, wenn die allgemeine Schulpflicht beendet ist.

Obwohl Ezequiel Montes mit seinen knappen 14.000 Einwohnern noch eine relativ kleine Stadt ist, wird auch hier schon der Unterschied zwischen Arm und Reich ganz offensichtlich. Die Reichen wohnen im Zentrum, die Armen weiter außerhalb, und desto weiter man rausfährt, desto ärmer werden die Leute.

Es gibt natürlich auch verschiedene Schulen: die privaten für die Reichen und die staatlichen für die Armen. Was ich persönlich sehr schade finde ist die Tatsache, dass viele der reicheren Leute im Zentrum sich abfällig über die Ärmeren äußern. Mitleid oder den Willen, groß etwas zu verändern, haben hier nicht so viele.

Was mir hier in Ezequiel Montes sehr gut gefällt ist, dass die Stadt sich auch mit fast 14.000 Einwohnern noch den Dorfcharakter und das Cowboyflair bewahrt hat. Hier kennt noch jeder jeden, und die meisten Familien sind schon seit mehreren Generationen hier ansässig und dementsprechend riesig und weit verzweigt. Anders als ich das von zu Hause gewohnt bin, wird sogar noch mit Cousins und Cousinen dritten Grades viel Kontakt gehalten.

Was mir außerdem gut gefällt ist, dass sich das Leben viel mehr auf der Straße oder dem Dorfplatz abspielt. Jeden Abend, vor allem aber am Wochenende, treffen sich dort Freunde und Bekannte auf ein kleines Pläuschchen. Jeden Sonntag findet auf dem Dorfplatz der „Domingo Cultural“ statt, das heißt, es werden verschiedene Tänze oder ein Theaterstück aufgeführt, und diese Veranstaltungen sind immer sehr gut besucht.

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