Kategorie-Archiv: Lateinamerika

Feste und Feiern in Mexiko

Die Mexikaner sind ein feierfreudiges Volk, und die vielen verschiedenen Feste prägen ihr Leben entscheidend mit. Die Lust zum Feiern wird den Kindern sozusagen schon in die Wiege gelegt, denn die erste Feier zu ihren Ehren findet schon vor der Geburt statt. Ungefähr im 8. Schwangerschaftsmonat gibt die Mutter eine Art Willkommensfeier für das Kind, zu der nur die Frauen der Familie eingeladen werden.

Das nächste große Fest ist, wie auch in Deutschland, die Taufe. Anders als in Deutschland gibt es für die Taufe aber nicht nur einen Paten oder eine Patin, sondern beides, also Pate und Patin, die sogenannten Padrinos. Padrinos gibt es viele, auch bei der nächsten wichtigen Feier, dem 3. Geburtstag, werden neue Padrinos gesucht. Gefeiert wird zuerst mit einer Messe in der Kirche, und danach mit vielen Kindern zu Hause. Die meisten Kinder verkleiden sich für das Fest, von Pirat über Prinzessin bis Spiderman ist alles dabei. Bei diesen Kindergeburtstagen darf natürlich auch ein wichtiger Bestandteil nicht fehlen: die Piñata. Piñatas sind mit Süßigkeiten gefüllte Figuren aus Pappmaché, auf die die Kinder, teilweise mit verbundenen Augen, einschlagen, bis sie zerbrechen und die Süßigkeiten herausfallen. Und auf die stürzen sich dann nicht nur die Kinder.

Für die Jungs geht es dann bis zum Schulabschluss erstmals sehr ruhig zu, für die Mädchen aber steht das wichtigste Fest von allen erst noch an: der 15. Geburtstag. Dieser Geburtstag wird – vor allem von den reicheren Familien – extrem groß gefeiert, vergleichbar mit den Sweet Sixteen in den USA, oder sogar noch ein bisschen größer. Das Geburtstagskind (die 15-añera) zieht ein an ein Hochzeitskleid in Farbe erinnerndes Kleid an, auf das dann die Farbe der Kleider der unzähligen Madrinas und die Farbe der Krawatten der Chambelanes abgestimmt werden. Begonnen wird die Feier auch wieder mit einer Messe. Das Geburtstagskind wird in einem geschmückten Auto vorgefahren und zieht dann feierlich mit sämtlichen Madrinas, den Eltern und den Padrinos, dies es neu ausgesucht hat, in die Kirche ein. Dort nimmt sie auf einem separaten Stuhl vor dem Altar Platz. Nach der Messe begeben sich die Gäste zum Ort der Feier, und dort wird dann erstmals auf die Ankunft des Geburtstagskindes mit den Chambelanes gewartet. Die Chambelanes sind meistens die Cousins. Sie sind für die Choreographie zuständig, die das Geburtstagskind direkt nach der Ankunft tanzen wird. (Mittlerweile gibt es aber auch viele Mädchen, die auf die traditionelle Feier mit Tanz sowie die Chambelanes verzichten.) Danach folgt der unverzichtbare Walzer mit dem Vater und meistens auch noch mit sämtlichen Onkels. Damit ist der offizielle Teil beendet und die Feier kann beginnen. Bei der Feier werden viele Baby- und Kinderfotos des Geburtstagskindes gezeigt, und die Madrinas verteilen Mitbringsel an die Frauen, die mit dem Namen des Geburtstagskindes und dem Datum der Feier versehen sind.

Neben diesen Festen, die jeder Mexikaner einmal in seinem Leben feiert, werden auch Weihnachten und das Neue Jahr groß gefeiert. An Weihnachten gibt es in Mexiko aber keine Geschenke, die werden erst am 6. Januar von den Heiligen Drei Königen gebracht. Ostern und die Karwoche, die Semana Santa, habe ich als deutlich größer als in Deutschland erlebt. In fast jeder Gemeinde wird die komplette Passionsgeschichte nachgespielt, meistens sehr detailreicht. In einer Gemeinde Mexikos soll das angeblich so weit gehen, dass der Jesus-Darsteller wirklich an Händen und Füssen verwundet wird. In einer anderen Stadt werden außerdem keine Kreuze getragen, sondern Kakteen, die auf dem Rücken der Schauspieler befestigt werden.

Zwei Feiern, die auf jeden Fall in Mexiko deutlich größer begangen werden als in Deutschland, das sind der Valentinstag und der Muttertag. Zu beiden Anlässen werden Serenatas veranstaltet, das heißt der Freund bzw. Ehemann oder die Kinder engagieren eine Mariachi-Band oder eine Banda (eine Art Blaskapelle), die dann vor dem Haus der gewünschten Person vier oder fünf Lieder spielen. Das passiert in Begleitung großer Gruppen junger Männer, die bis in der Früh um die Häuser ziehen und in den Serenatas vor allem einen sehr guten Anlass sehen, um mal wieder einen über den Durst zu trinken. Diese Serenatas finden am Vorabend des jeweiligen großen Tages statt, und am nächsten Tag gibt es dann natürlich noch viele Geschenke.

Schwester Karoline Mayer in Eichstätt

Am vergangenen Wochenende flog Schwester Karoline Mayer wieder zurück nach Chile. Auf ihrer Deutschlandreise stattete sie auch der alten Heimat Pietenfeld einen Besuch ab und sprach in Eichstätt über das Werk Cristo Vive, das sie gegründet hat.

Schwester Karoline, geboren 1943, lebt seit 1968 in Santiago de Chile. Sie ist ausgebildete Universitätskrankenschwester und Leiterin der Fundación Cristo Vive.
Vieler Auszeichnungen könnte sie sich rühmen, des Bundesverdienstkreuzes, der Kardinal-Frings-Medaille, des Edith-Stein-Preises oder -jüngst- des Marion-Dönhoff-Preises für internationale Verständigung und Versöhnung. Aber sie tritt bescheiden auf, ein großes Kreuz über dem dunkelblauen Kleid, eine Plakette, die sich gegen die Privatisierung der Schulen in Chile wendet, am Revers. Sie spricht von Gott und seiner Liebe zu den Menschen. Setzt sich keine Minute an den schön dekorierten Tisch.

Ein freudiges Wiedersehen mit guten Freunden, Verwandten, ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten, die in Chile und Bolivien im Werk Cristo Vive Erfahrungen in einer anderen Welt machen konnten, ist es jedes Mal, wenn Schwester Karoline Mayer nach Eichstätt kommt. Denn längst ist Schwester Karoline Chilenin. In der Katholischen Hochschulgemeinde erinnerte Pater Haas daran, dass Schwester Karoline auch Trägerin des Shalompreises ist.

Auf dem Katholikentag in Regensburg war sie eingeladen, auf dem Podium über die Theologie der Befreiung zu sprechen. Das hat sie bei einem Besuch im Bistum Eichstätt nochmals getan. Vieles sei in Europa falsch verstanden worden, Angst vor kommunistischen Gedanken sei geschürt worden, erklärte sie in der Hochschulgemeinde.

Theologie der Befreiung aber bedeute, das Wort Jesu Christi ernst zu nehmen. Sie habe beim Anblick der Armen, als sie noch bei den Steyler Missionarinnen lebte, bei den Ärmsten sein wollen. Im Laufe der Zeit entstanden Kindergärten, Schulen, Werkstätten und Zentren für Drogenabhängige. Ein großes Ziel sei die berufliche Bildung. Deutschland sei hier sehr weit und sie wünsche sich für Chile eine ähnlich gute Ausbildung von Handwerkern.

Das Gesundheitszentrum in Santiago de Chile bietet mittlerweile 22.000 Menschen die Möglichkeit zur Behandlung und Beratung. Es ist eine ambulante Einrichtung. Inzwischen hat sich der Staat an der Finanzierung vieler Einrichtungen beteiligt. Dennoch flössen die Geldleistungen oft sehr verzögert und ohne Unterstützung aus Deutschland wüssten sie bei Cristo Vive oft nicht, wie sie weitermachen sollten.

Papst Franziskus und sein Blick auf die Armen und Ausgegrenzten sei sehr ermutigend, meinte Schwester Karoline. Der Austausch mit jungen Leuten, die für einige Monate, manche länger, nach Chile oder Bolivien kämen, sei für beide Seiten bereichernd. Die Armen fühlten sich wertgeschätzt und die Gäste aus Deutschland könnten viel lernen, auch von einer anderen Weise, Kirche zu erleben.

Freud und Leid bei der Fußball-WM in Brasilien

Die Fußballweltmeisterschaft ist hier in Brasilien im vollen Gange – und kostet ganz viele Nerven mit all den Verlängerungen. Die Demonstrationen gegen die WM halten sich in Grenzen und finden vor allem in São Paulo und Rio de Janeiro statt, wo die Polizei mit Gewalt dagegen ankämpft. Viele junge Demonstranten werden verhaftet und „verschwinden“ in den eh schon überfüllten Polizeistationen.

Ich denke, solange die brasilianische Nationalmannschaft bei der WM mitspielt, wird es „nur“ diese kleineren Demos geben. Auch wenn die Seleção bisher keinen mitreißenden Fußball spielt, hat sich die Stimmung der Brasilianer laut Umfragen in den letzten Wochen etwas verbessert. Die größte Zeitung des Landes – Folha de São Paulo – berichtet heute, dass 60 Prozent der Brasilianer stolz auf die WM-Austragung sind. Trotzdem denkt knapp die Hälfe der Befragten (46 Prozent), das die Copa do Mundo dem Land mehr schadet als hilft.

Die erste Seite unserer lokalen Tageszeitung „Hoje“ ist heute sehr erschreckend. „Ein Monat, 80 Ermordete“ – das ist neuer Rekord in Goiânia, einem der zwölf WM-Standorte in Brasilien. Und auf der unteren Seite sieht man die feiernden Fußballer.

Diese vielen Todesfälle geschehen unabhängig von der WM. Die Aufklärungsquote dieser Fälle liegt fast bei null Prozent. Meistens steht in der Akte „im Drogenhandel verwickelt“ oder „vorbestraft“, so werden die Fälle gleichmal ad acta gelegt und nie aufgeklärt. Bei wie vielen Fällen Polizisten verwickelt waren oder sind wird nicht veröffentlicht – und interessiert ja auch nicht wirklich. Bei den meisten Fällen sind es Jugendliche aus der Peripherie, die getötet werden.

So treffen hier Freud und Leid sehr nah aufeinander. Wie das wohl weitergehen wird…. „Só Deus sabe!“ (Nur Gott weiß es) –  wie die Brasilianer hier gerne sagen.

Mehr zum Thema: Brasilien – ein reiches Land mit armer Bevölkerung

Hilfe zum Ausstieg aus der Prostitution

Auf einer privaten Reise nach Kolumbien habe ich die Möglichkeit, ein beeindruckendes Hilfsprogramm von Ordensschwestern kennenzulernen, die betroffenen Frauen einen Weg zu neuem Leben sowie würdiger und fairer Arbeit ermöglichen. Dafür bin ich bei den Schwestern und in einer Fabrik in Bogotá zu Besuch.

Direktorin Schwester Rosaura Patiño  und Mitarbeiterin Olga Lucia Camelo bei der Endkontrolle der Kleidungsstücke. Foto: Peter Esser
Direktorin Schwester Rosaura Patiño und Mitarbeiterin Olga Lucia Camelo bei der Endkontrolle der Kleidungsstücke. Foto: Peter Esser

In der großen Werkhalle der Fabrik „Creaciones Miquelina“ rattern Nähmaschinen. Rund 200 Frauen produzieren hier Kleidung. Ich gehe an zahlreichen „Werktätigen“ vorbei bis zum Arbeitsplatz von Alicia Gomez Quintero (36). Sie bringt gerade die Kapuze an einer Jacke an. Die Schneiderin war bis vor einigen Jahren Prostituierte in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá. „Ich lebte mit vielen Problemen auf der Straße, war drogenabhängig. Schon mit 14 Jahren ging ich auf den Strich“, erzählt sie mir. Ihr Lebenspartner ließ sie mit zwei Töchtern allein. Ein Pfarrer informierte sie über das Hilfsprogramm der Hermanas Adoratrices (Schwestern der Anbetung) „Ciudadela María Micaela“. Hier erhielt sie psychologische Hilfe, dann absolvierte sie in der Schneiderei eine halbjährige Ausbildung. Eine ihrer Töchter machte auf der Schule der Ordensgemeinschaft ihr Abitur. „Mein Traum wäre es, eine eigene kleine Fabrik für Schlafanzüge zu errichten“, sagt Alicia Gomez Quintero und sieht sich noch nicht am Ende ihrer Karriere. Vor allem zeigt sie sich aber dankbar, dass sich ihr Leben mit Hilfe der Ordensfrauen zum Guten wendete.

Engagement seit 40 Jahren

Die Schwestern zeigen Frauen wie Alicia in vielen Ländern Wege aus der Prostitution auf. In Kolumbien tun sie das seit genau 40 Jahren. Seit Anfang an dabei ist Schwester Ofelia Rivera. Sie sucht gemeinsam mit einem Helferteam betroffene Frauen im Rotlichtmilieu auf und bietet ihnen an, das Hilfsprogramm kennenzulernen. „Die Situation hat sich verschlechtert. Jetzt fangen immer mehr jüngere Frauen an“, beobachtet sie. In den vergangenen Jahrzehnten sind immer mehr Bordelle in Bogotá aus dem Boden geschossen und die „Geschäfte auf der Straße“ sind unüberschaubar. Entschieden wendet sich Ofelia dagegen, Prostitution als Arbeit anzuerkennen. Sie verweist auf eine Studie, nach der sich rund 80 Prozent von befragten betroffenen Frauen in Kolumbien aus sozialer Not prostituieren. „Das Einzige, was sie brauchen, ist eine richtige Arbeit, um so schnell wie möglich aussteigen zu können“, erfährt Schwester Ofelia immer wieder.

Viele der Frauen sind vom Land in die Stadt geflüchtet, um dort bessere Lebensbedingungen zu suchen oder auch aufgrund des internen Krieges zwischen Guerilla, paramilitärischen Gruppen und dem Militär. Dort landen sie meistens in Holz- und Blechhütten der Armenviertel und stehen erst einmal vor dem Nichts. Viele Frauen treibt es so in die Prostitution.

Solcher Frauen nehmen sich im Hilfsprogramm zunächst eine Psychologin, eine Sozialarbeiterin, bei Bedarf auch eine Rechtsanwältin und ein Arzt, an. Kinder werden im Kindergarten und in der Schule der Einrichtung betreut. Die Frauen können zwischen verschiedenen Ausbildungen wählen: Neben der Schneiderei werden etwa auch Lehren im Friseur- und Bäckerhandwerk sowie im Gastronomiewesen angeboten. „In unserem Haus gehen täglich etwa 1.000 Menschen ein und aus in Fabrik, Werkstätten, Kindergarten und Schule“, gibt mir Direktorin Schwester Rosaura Patiño einen Eindruck von der Größe des Programms. Dieses wird vom Hilfswerk „Caritas international“ und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert.

Zumindest Mindestlohn gezahlt

Nicht ohne Stolz erwähnt die Schwester, dass die Schneiderei wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht: „Wir stellen monatlich zwischen 5.000 und 6.000 Kleidungsstücke her.“ Ein Großteil wird nach England verkauft, doch die Frauen produzieren auch für einheimische Schulen, Krankenhäuser und Firmen. Dass alle Angestellten in der Fabrik zumindest den staatlich festgesetzten Mindestlohn mit Sozialleistungen erhalten, ist für die leitende Ordensschwester selbstverständlich. Höherqualifizierte vermitteln die Schwestern auch an andere Unternehmen. Wiederum andere machen sich selbstständig: Frauen, die im Gastronomiewesen ausgebildet wurden, gründen zum Beispiel eigene Restaurants.

In der Schneiderei schätzen viele, dass sie immer wieder einmal Neues tun können. Die 44-jährige siebenfache Mutter Olga Lucia Camelo ist zum Beispiel jetzt zur letzten Station der Produktionskette gewechselt. Während Schwester Rosaura Patiño und ich bei ihr sind, überprüft Olga gerade eine Jacke auf Falten und Nähte. Dabei entdeckt sie noch einen kleinen losen Faden und beseitigt ihn: „Das hier ist die Endkontrolle der Kleidungsstücke. Von unseren Augen hängt ab, wie das hier rausgeht“, sagt sie mir und freut sich über ihre neue verantwortungsvolle Aufgabe.

Spenden erbeten

Die Anzahl der begünstigten Frauen in dem Hilfsprogramm ist gestiegen: Im Jahr 2012 wurde 580 Frauen psychologisch und sozial sowie durch Ausbildung geholfen, 2013 waren es 615. Die Zahl der in Arbeit Vermittelten erhöhte sich von 209 auf 303. Spenden tragen dazu bei, das Programm zu sichern, weiter zu verbessern sowie noch mehr Frauen zu helfen. Die monatlichen Kosten für eine Sozialarbeiterin betragen rund 1.100 Euro. Eine gute Industrie- und Spezialnähemaschine kostet etwa 2.000 Euro. Der Caritasverband Eichstätt bittet unter dem Stichwort „Frauen in Kolumbien“ um Unterstützung auf folgendes Caritaskonto in Eichstätt: LIGA Bank: Konto-Nr . 107 617 313, BLZ 750 903 00, IBAN DE94 7509 0300 0107 6173 13

Radio K1-Beitrag zum Thema

Proteste in Brasilien

Hier in Brasilien gehen momentan viele Leute auf die Straße, und oft hört man von neuen Streiks. Aber nicht alles hat mit der Fußballweltmeisterschaft (auf brasilianisch „Copa do Mundo“) zu tun. Insgesamt kann man zwischen drei “Arten” der Demonstrationen und Streiks unterscheiden:

  1. Die Streiks und Demonstrationen, die es immer und unabhängig von sämtlichen anderen Ereignissen gibt. Hier in Goiânia streiken zum Beispiel gerade die Lehrer, die bei der Stadt angestellt sind. Ihnen geht es aber nur um das Gehalt, Copa hin oder her.
  1. Die Demonstrationen, die im Frühjahr ausgebrochen sind, als der Preis der Busse erhöht wurde, dabei aber an den öffentlichen Verkehrsmitteln nichts verbessert wurde. Die Busse hier in Goiânia sind zum Beispiel immer überfüllt und sehr oft unpünktlich, und dafür zahlt man pro Fahrt 2,80 Reais (knapp 1 Euro). Wer von den Bussen abhängt und jeden Tag damit zur Arbeit fährt, für den ist das dann teuer und auch ganz schön unbequem. Das war der Auslöser für landesweite Demonstrationen, die aber nicht nur bei diesem Thema blieben. Gleichzeitig ging es dann auch noch um alles andere, das die Leute hier in Brasilien bewegt: Das Gesundheits- und Bildungssystem, die Rechte der Indios, die Korruption im Allgemeinen, und dann eben auch noch die Copa bzw. deren Organisation. Diese Demonstrationen, die vor allem von Studenten veranstaltet wurden, waren lange Zeit friedlich, bis die Polizei eingriff. Sie schlug die Proteste an vielen Orten mithilfe von Gewalt nieder. Angeblich schickte die Polizei sogar Leute in die Demonstrationen, die dafür bezahlt wurden, Unruhe zu stiften, um dann ein Eingreifen der Polizei mit Gewalt zu rechtfertigen und die Bevölkerung gegen die Demonstranten aufzubringen. Solche Gerüchte hört man hier oft, beweisen konnte das aber bis jetzt noch niemand. Die Protestbewegung schaffte es, sogar das Dach des Regierungsgebäudes in Brasilia zu besetzen.
  1. Die Anti-WM-Bewegung: Diese Bewegung gibt es im Prinzip schon, seit Brasilien als Gastgeberland der WM kandidiert hat. Sie hat Demonstrationen und verschiedene Aktionen gegen die Copa veranstaltet und veranstaltet sie auch immer noch bzw. wird sie wohl während der WM weiterführen. Auch einige brasilianische Musiker sind in dieser Bewegung engagiert, die vor allem bemängelt, dass für die WM Geld ausgegeben wird, das für Belange der Bevölkerung nie zur Verfügung gestellt würde.

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