Kategorie-Archiv: Lateinamerika

Ein Jahr in Brasilien und Mexiko – eine Zusammenfassung

Jetzt ist es also schon wieder vorbei, mein Auslandsjahr… Insgesamt sechs Monate Freiwilligendienst in Brasilien und drei Monate Betriebspraktikum in Mexiko liegen hinter mir. Viele Flugstunden, viele Menschen, Begegnungen, Erfahrungen. Doch was habe ich eigentlich gelernt aus diesem Auslandsjahr?

Zuerst einmal das, was ich natürlich lernen musste: Zwei mir bis dahin völlig fremde Sprachen. Obwohl Spanisch und Portugiesisch so eng miteinander verwandt sind, wie sonst vielleicht nur noch Schwedisch und Norwegisch, musste ich doch feststellen, dass es ganz schön viele Unterschiede gibt. Meine Sprachfehler haben oft zu lustigen Missverständnissen geführt, aber ich wurde nie ausgelacht, wenn ich mal etwas nicht wusste. Ganz im Gegenteil: Die meisten Leute, sowohl in Brasilien als auch in Mexiko, waren sehr erfreut darüber, dass ich versuchte, ihre Sprache zu lernen, und versuchten, mir dabei mit allen Mitteln zu helfen.

Dann habe ich natürlich auch sehr viel über Brasilien und Mexiko, meine beiden Gastländer gelernt. Ich durfte jeweils bei einer Gastfamilie leben und so die Kultur des Landes und seiner Menschen miterleben – sicherlich ein Privileg. So habe ich neben dem brasilianischen Phänomen des dreimal täglichen Duschens und den mexikanischen Familienfesten, die vielen kleinen Feinheiten und kulturellen Unterschiede der beiden Länder kennengelernt. Dabei habe ich auch einiges über unser Leben in Deutschland erfahren. Über viele Dinge denke ich jetzt anders, habe eine andere Sichtweise bekommen und mir meine eigene Meinung gebildet.

Und nicht zuletzt habe ich auch sehr viel über mich selbst gelernt. Ich bin offener und selbstbewusster geworden durch den Kontakt zu so vielen mir zuvor fremden Menschen, von denen die meisten zu engen Freunden geworden sind. Dass ein Lächeln Tür und Tor öffnet, ist wohl ein weltweiter Grundsatz.

Natürlich gab es auch ab und zu Schwierigkeiten. Nicht immer konnte ich wegen der Sprachbarriere genau das ausdrücken, was ich ausdrücken wollte. Und sicherlich gab es auch Gewohnheiten, die ich persönlich mir nicht aneignen möchte. Aber Schwierigkeiten sind dazu da, um überwunden zu werden. Letzten Endes bleiben nur die schönen Erinnerungen und Erfahrungen!

Alltag in einer chilenischen Kinderkrippe

Über einem Monat arbeite ich jetzt in der Sala Cuna Naciente (Kinderkrippe in Santiago de Chile). In meiner Gruppe sind 20 Kinder im Alter von ein bis zwei Jahren und es gibt drei Tías (Erzieherinnen mit Ausbildung) und eine Educadora (Erzieherin mit Studium).

Die Arbeit mit den Kindern macht mir echt viel Spaß, auch wenn man schon einige heftige Dinge erlebt. Viele der Familien sind sehr arm und die Kinder kommen deshalb oft mit dreckigen Klamotten oder werden zu Hause nicht gewaschen. Viele Kinder haben Läuse und kommen oft krank in die Sala Cuna. Sehr auffallend ist auch, dass sie sich gegenseitig viel beißen, kratzen und schlagen. Trotz allem habe ich die Kleinen schon sehr in mein Herz geschlossen.

Meine Aufgaben bestehen im Moment darin, die Tías beim Wickeln und Füttern und bei sonstigen Aufgaben zu unterstützen, um mich an die Arbeit zu gewöhnen. Ab nächsten Freitag darf ich dann die Aktivitäten mit den Kindern selbst durchführen.

Damit ihr euch vorstellen könnt, wie ein typischer Tag in der Sala Cuna aussieht, beschreibe ich den im nächsten Teil mal etwas ausführlicher:

Um 8:30 Uhr beginnt die Arbeit und die ersten Kinder trudeln langsam ein und bekommen warme Milch und ein Stück Brot. Um halb zehn setzten wir uns in einen Stuhlkreis, um mit den Kindern gemeinsam Lieder zur Begrüßung zu singen. Am Anfang kannte ich noch kein Lied, doch mittlerweile kann ich schon bei vielem mitsingen. Hier wird wirklich viel gesungen und die Kinder klatschen immer eifrig mit.

Danach machen wir meistens irgendwelche Aktivitäten mit den Kindern (Malen, Lego spielen, Sport, gesunde Ernährung, usw.) und die erste Wickelrunde beginnt. Jedes Kind wird auf das Töpfchen gesetzt, da versucht wird, den Kindern die Windel abzugewöhnen. Bei einigen klappt das auch schon ganz gut.

Um halb elf gibt es meistens „Tutti-Frutti“, das heißt klein geschnittene Früchte. Danach geht es raus in den Patio (Hof) an die frische Luft, um dort zu spielen, bis es um halb zwölf Mittagessen gibt.

Nach dem Essen werden die Kinder alle bettfertig gemacht, während ich meistens die Betten der Kinder beziehe. Dann beginnt der ruhige Teil des Tages: Die Kinder werden in den Schlaf gestreichelt, die Tías und ich können abwechselnd zum Essen gehen.

Bis halb drei schlafen die Kleinen, danach werden sie geweckt und ihnen werden die Haare gemacht, damit sie dann – frisch herausgeputzt – wieder Milch und ein Stück Brot bekommen.

Dann ist es meistens nur noch eine Stunde, bis die Kleinen wieder abgeholt werden und es wird wieder gespielt und gewickelt. Nachdem die Kinder um halb fünf abgeholt wurden, wird die Sala noch geputzt und wichtige Dinge werden besprochen. Und um halb sechs ist auch für mich Feierabend.

Abends bin ich meistens echt kaputt, jedoch habe ich jetzt schon zweimal die Residencia (das ist ein Obdachlosenheim für Männer) besucht, um mit den Menschen dort zu kochen, zu reden und zu backen. Das hat mir gut gefallen.

Außerdem gehe ich zweimal die Woche ins Basketballtraining, da man so mehr Leute kennen lernt und sich auch ein bisschen sportlich betätigt, was hier wirklich notwendig ist. Denn: Hier wird unglaublich viel, fettig und süß gegessen. Und auch in meiner WG wird sehr oft gekocht und wir essen viel und gerne zusammen. 😉

Es gibt jedoch viel Obst und Gemüse, das hier sehr billig ist. Jedes Wochenende macht meine WG den Obst- und Gemüseeinkauf auf einer Fería (Makt) hier in der Nähe.

Was sonst noch so los war:

Am 18. September ist Nationalfeiertag in Chile und die Unabhängigkeit wird gefeiert. Das ist aber nicht mit dem 3. Oktober in Deutschland zu vergleichen. Hier wird vom 17. bis zum 21. September durchgefeiert. Ich konnte dieses Fest sowohl in der Sala Cuna (wir haben typische chilenische Gerichte probiert und mit den Kindern verschiedene Tänze aufgeführt), als auch auf den sogenannten „Fondas“ (Feste mit Live-Musik, und viel leckerem Essen und Trinken) sehr schön miterleben.

Außerdem war ich auch mal wandern mit meiner WG, ein bisschen außerhalb von Santiago. Das war sehr schön, weil ich endlich mal wieder nur Natur um mich herum hatte, und etwas abseits vom Großstadtleben war. Das ist für mich, als Landkind, ja schon eine etwas größere Umstellung.

Ich war auch bereits auf einer Tallrinata . Das bedeutet, dass eine Familie etwas verkauft, um Geld zu sammeln. In diesem Fall wurden Nudeln mit Bolognese und Salat verkauft, um der Nichte die Abschlussfahrt des Colegios ermöglichen zu können. So konnte ich nicht nur ein sehr leckeres Essen genießen, sondern auch mal ein typisches chilenisches Haus von innen sehen, das war sehr interessant.

Vor kurzem hatten wir wieder ein Treffen (Reunión) mit allen Freiwilligen von Cristo Vive. Der ehemalige Exilchilene Mario Sotoliccchio hat uns über die Zeit vor, während und nach der Pinochet-Diktatur erzählt. Das war für mich sehr interessant zu hören.

Am vergangenen Wochenende war ich mal wieder wandern – auf den Rencaberg ging es dieses Mal. Obwohl der Aufstieg in praller Sonne über Stock und Stein (so was wie einen richtigen Weg gab es wohl nicht) ging, hat sich die Mühe für die tolle Sicht über Santiago echt gelohnt.

Das war es jetzt wieder aus Chile. Ich freue mich über jede Nachricht und über jede Rückmeldung auf meine Blogeinträge. Ein großes Dankeschön an alle, die an mich denken und mich so kräftig unterstützen. Ganz liebe Grüße aus dem gerade sehr frühlingshaften Santiago und bis bald.

San Miguel de Allende, ein magischer Ort

Vor einigen Wochen habe ich San Miguel de Allende besucht. Die Kolonialstadt im Bundesstaat Guanajuato in Zentralmexiko lockt jährlich Tausende Besucher an. Vor allem den US-Amerikanern – darunter viele Künstler und ehemalige Soldaten – hat es San Miguel de Allende angetan. So finden sich unter den rund 70 000 Einwohnern über 12 000 „Gringos“, wie sie von den Mexikanern genannt werden, die in San Miguel de Allende ihren Alterswohnsitz oder ein Ferienhaus haben. In den meisten Banken im Zentrum werden die Immobilien daher schon auf Englisch und in US-Dollar ausgeschrieben.

Das Zentrum von San Miguel de Allende als Beispiel des mexikanischen Barockstils steht schon seit 1926 unter Denkmalschutz. 2008 wurde die befestigte Stadt San Miguel zusammen mit der jesuitischen Wallfahrtskirche Jesús Nazareno de Atotonilco von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Bereits zuvor zählte die Kolonialstadt zu den Pueblos Mágicos („Magischen Orten“). Als solcher wurde sie im Jahre 2002 wegen ihres typischen und gepflegten Charakters ausgezeichnet und gilt deshalb als besonders sehenswert. Was mir persönlich besonders gut an San Miguel de Allende gefällt, das sind die warmen und kräftigen Farben, in denen die Häuser gehalten sind.

Gegründet wurde San Miguel de Allende 1542 von dem spanischen Franziskaner-Missionar Juan de San Miguel unter dem Namen „Miguel el Grande“. Die Spanier nannten sie zeitweise auch San Miguel de los Chichimecas nach dem „Chichimeca-Krieg“ (1550-1620), in dem Indigene gegen die Eroberer aus Europa kämpften. Den Namenszusatz Allende verdankt die Stadt dem dort geborenen General Ignacio Allende, der maßgeblich am mexikanischen Unabhängigkeitskampf gegen die Spanier beteiligt war. Zu den berühmten Persönlichkeiten der Stadt gehört auch Pedro Vargas Mata (1904-1989), einer der populärsten mexikanischen Sänger des 20. Jahrhunderts.

Das Wahrzeichen von San Miguel de Allende ist die rosafarbene Paroquia de San Miguel Arcángel (Kathedrale). Diese Kirche wurde ursprünglich im 17. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut, im 19. Jahrhundert aber von einem Laienarchitekten namens Ceferino Gutiérrez verfremdet und weist daher Stilmerkmale verschiedener Epochen auf. 1880 wurde sie nach Vorlage des Ulmer Münsters umgebaut.

Start zum Freiwilligenjahr in Chile

Mein Name ist Maria, ich komme von einem Bauernhof in der Nähe von Eichstätt und bin 18 Jahre alt. In diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen, die ich kommendes Jahr machen werde, mit euch teilen.

Maria Brems vor dem Abflug nach Chile. pde-Foto: Geraldo Hoffmann
Maria Brems vor dem Abflug nach Chile. pde-Foto: Geraldo Hoffmann

Ich fliege heute für ein Jahr als Freiwillige der Organisation „Cristo Vive Europa“ nach Chile, um dort in einer Kinderkrippe im Armenviertel zu arbeiten.

Viele von euch kennen vielleicht Schwester Karoline Mayer aus Pietenfeld, die das ganze Projekt ins Leben gerufen hat. In Santiago werde ich in einer WG mit drei anderen Freiwilligen wohnen. Ich bin schon sehr gespannt, sie kennen zu lernen!

Von „Cristo Vive“, mit der ich mit acht weiteren Freiwilligen nach Chile gehe, wurde ich bestens auf das Auslandsjahr vorbereitet. So hatten wir mehrere Seminare und konnten auch Kontakt mit ehemaligen Freiwilligen aufbauen. Außerdem habe ich schon Mitfreiwillige kennengelernt, die auch nach Chile gehen werden. Das ist sehr beruhigend, da man dann nicht ganz alleine ist.

Die Koffer sind gepackt und gleich geht es los! Wenn ihr diese Zeilen lest, sitze ich wahrscheinlich schon im Flieger. Meinen nächsten Beitrag werde ich aus Chile schreiben.

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Feste und Feiern in Mexiko

Die Mexikaner sind ein feierfreudiges Volk, und die vielen verschiedenen Feste prägen ihr Leben entscheidend mit. Die Lust zum Feiern wird den Kindern sozusagen schon in die Wiege gelegt, denn die erste Feier zu ihren Ehren findet schon vor der Geburt statt. Ungefähr im 8. Schwangerschaftsmonat gibt die Mutter eine Art Willkommensfeier für das Kind, zu der nur die Frauen der Familie eingeladen werden.

Das nächste große Fest ist, wie auch in Deutschland, die Taufe. Anders als in Deutschland gibt es für die Taufe aber nicht nur einen Paten oder eine Patin, sondern beides, also Pate und Patin, die sogenannten Padrinos. Padrinos gibt es viele, auch bei der nächsten wichtigen Feier, dem 3. Geburtstag, werden neue Padrinos gesucht. Gefeiert wird zuerst mit einer Messe in der Kirche, und danach mit vielen Kindern zu Hause. Die meisten Kinder verkleiden sich für das Fest, von Pirat über Prinzessin bis Spiderman ist alles dabei. Bei diesen Kindergeburtstagen darf natürlich auch ein wichtiger Bestandteil nicht fehlen: die Piñata. Piñatas sind mit Süßigkeiten gefüllte Figuren aus Pappmaché, auf die die Kinder, teilweise mit verbundenen Augen, einschlagen, bis sie zerbrechen und die Süßigkeiten herausfallen. Und auf die stürzen sich dann nicht nur die Kinder.

Für die Jungs geht es dann bis zum Schulabschluss erstmals sehr ruhig zu, für die Mädchen aber steht das wichtigste Fest von allen erst noch an: der 15. Geburtstag. Dieser Geburtstag wird – vor allem von den reicheren Familien – extrem groß gefeiert, vergleichbar mit den Sweet Sixteen in den USA, oder sogar noch ein bisschen größer. Das Geburtstagskind (die 15-añera) zieht ein an ein Hochzeitskleid in Farbe erinnerndes Kleid an, auf das dann die Farbe der Kleider der unzähligen Madrinas und die Farbe der Krawatten der Chambelanes abgestimmt werden. Begonnen wird die Feier auch wieder mit einer Messe. Das Geburtstagskind wird in einem geschmückten Auto vorgefahren und zieht dann feierlich mit sämtlichen Madrinas, den Eltern und den Padrinos, dies es neu ausgesucht hat, in die Kirche ein. Dort nimmt sie auf einem separaten Stuhl vor dem Altar Platz. Nach der Messe begeben sich die Gäste zum Ort der Feier, und dort wird dann erstmals auf die Ankunft des Geburtstagskindes mit den Chambelanes gewartet. Die Chambelanes sind meistens die Cousins. Sie sind für die Choreographie zuständig, die das Geburtstagskind direkt nach der Ankunft tanzen wird. (Mittlerweile gibt es aber auch viele Mädchen, die auf die traditionelle Feier mit Tanz sowie die Chambelanes verzichten.) Danach folgt der unverzichtbare Walzer mit dem Vater und meistens auch noch mit sämtlichen Onkels. Damit ist der offizielle Teil beendet und die Feier kann beginnen. Bei der Feier werden viele Baby- und Kinderfotos des Geburtstagskindes gezeigt, und die Madrinas verteilen Mitbringsel an die Frauen, die mit dem Namen des Geburtstagskindes und dem Datum der Feier versehen sind.

Neben diesen Festen, die jeder Mexikaner einmal in seinem Leben feiert, werden auch Weihnachten und das Neue Jahr groß gefeiert. An Weihnachten gibt es in Mexiko aber keine Geschenke, die werden erst am 6. Januar von den Heiligen Drei Königen gebracht. Ostern und die Karwoche, die Semana Santa, habe ich als deutlich größer als in Deutschland erlebt. In fast jeder Gemeinde wird die komplette Passionsgeschichte nachgespielt, meistens sehr detailreicht. In einer Gemeinde Mexikos soll das angeblich so weit gehen, dass der Jesus-Darsteller wirklich an Händen und Füssen verwundet wird. In einer anderen Stadt werden außerdem keine Kreuze getragen, sondern Kakteen, die auf dem Rücken der Schauspieler befestigt werden.

Zwei Feiern, die auf jeden Fall in Mexiko deutlich größer begangen werden als in Deutschland, das sind der Valentinstag und der Muttertag. Zu beiden Anlässen werden Serenatas veranstaltet, das heißt der Freund bzw. Ehemann oder die Kinder engagieren eine Mariachi-Band oder eine Banda (eine Art Blaskapelle), die dann vor dem Haus der gewünschten Person vier oder fünf Lieder spielen. Das passiert in Begleitung großer Gruppen junger Männer, die bis in der Früh um die Häuser ziehen und in den Serenatas vor allem einen sehr guten Anlass sehen, um mal wieder einen über den Durst zu trinken. Diese Serenatas finden am Vorabend des jeweiligen großen Tages statt, und am nächsten Tag gibt es dann natürlich noch viele Geschenke.