Kategorie-Archiv: Lateinamerika

Im Dienst für die Armen in Lateinamerika

Wie gerne würde ich heute alle unsere lieben Freunde einladen, von meinem Fenster aus, die im Glanz der Wintersonne schneebedeckten strahlenden Anden zu betrachten. Ich bin von Herzen dankbar für die vielen wunderbaren Begegnungen während meiner „Missionsreise“ im vergangenen Juni durch Deutschland, Luxemburg und die Schweiz.

Nur wenigen Freunden habe ich während meines Aufenthaltes in Europa erzählt, dass meine Reise ein Schatten begleitete: Vor meinem Abflug nach Europa lag unser langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter und Geschäftsführer, Freund und Mitgründer von Cristo Vive, Jorge Fernandez, todkrank im Krankenhaus und der Arzt fragte mich, was ich machen würde, im Falle wenn er heimgehen würde… Der Arzt wusste, dass Jorge mich gebeten hatte, seine Beerdigung zu feiern. Ich hatte immer geantwortet mit ja, – wenn er dann auf meine Beerdigung gehen würde, aus Spaß. Dem Arzt versprach ich, ich würde sofort meine Reise unterbrechen und zur Beerdigung kommen. Jorge selbst rief ich dann an, um ihn zu erinnern, dass wir am 11. Juli seinen 80. Geburtstag feiern wollen und er sich daran halten müsste.

Während meiner Reise jedoch war ich immer mit einem Ohr in Chile und im Herzen bat ich Gott, dass wir noch Jorges Geburtstag feiern dürfen. So rief ich ihn gleich nach meiner Rückkehr an und machte mich auf, um ihn umarmen zu können. Wir verbrachten zwei glückliche Stunden und ich konnte ihm die Grüße aller Freunde überbringen, worüber er sich unglaublich gefreut hat. Dennoch ließ er mich wissen, dass es ihm voll bewusst ist, dass er zwischen Leben und Tod lebt, in Gottes Händen.

Es ist unbeschreiblich, wie unser lieber Jorge Fernández über jeden der vielen Hundert Geburtstagsgrüße überrascht war und sich gefreut hat. Aber auch ich bin überwältigt und kann nur danken für die unzähligen Zeilen, Wünsche, Gedanken und Gebete für Jorge. In einer Zeit des Lebens, in dem jeder Tag für Jorge ein besonderes Geschenk ist, konnte ich in einem persönlichen Gespräch herausfinden, wie er sich die Feier seines 80. Geburtstages mit uns wünschte. Er wollte, dass wir mit ihm und seiner Frau Nena „im Kleinen“ in seiner Wohnung als Comunidad, im Kreis der Gründergemeinschaft und Vorstandsmitglieder Cristo Vive, das Gedächtnis Jesu feiern. So verwandelte sich Jorges Wohnzimmer in den Abendmahlssaal, wo wir miteinander Gott für Jorges Leben, seinen Einsatz für die Armen und seinen Beitrag zur Gründung der Fundación Cristo Vive dankten. Mit Nena und Jorge und dem mit Jorge verwandten Befreiungstheologen, Pater Sergio Torres, waren wir zusammen 18 Jünger und Jüngerinnen Jesu.

Was unsere Dienste angeht, habe ich inzwischen viele Mitarbeiter getroffen und mit Freude gesehen, dass die Arbeit auf Hochtouren läuft. Immer geht es darum, den Menschen mit Liebe zu dienen.

Wir hatten in der vergangenen Woche das Abschieds-Seminar unserer 25 Freiwilligen, die ein Jahr in unseren verschiedenen Diensten unter den Armen Einsatz geleistet haben. Ist das nicht eine neue Form von missionarischem Dienst? Durch ihr Engagement wird den Menschen Jesu Frohe Botschaft sichtbar.

Fünf junge Frauen aus der Diözese Eichstätt kehren in ihre Heimat zurück: Franziska Breitenhuber und Katharina Geitner aus Eichstätt, Isabell Schöpfel aus Kipfenberg, Theresa Schmidt aus Weigersdorf und Susanna Bauer aus Rupertbuch, die schon daheim sein müsste. Ihnen allen von Herzen Dank! Gleichzeitig erwarten wir im August schon die neuen Freiwilligen für 2017/18 in Chile, Bolivien und Peru: Bienvenidos – Willkommen!

Ganz herzlich grüße ich alle Eichstätter Schulen, die unsere Arbeit beim Altstadtfest unterstützt haben und danke allen unseren lieben Unterstützern!

Eine ganze Reihe ehemaliger Freiwilliger ist bereit, bei Vorbereitungsseminaren künftiger Freiwilliger bei Cristo Vive Europa mitzumachen, um den Neuen aus erster Hand Erfahrungen für ihren Dienst zu vermitteln. So zum Beispiel Agnes Birzer aus Pietenfeld. Warum sie mitmache? Ihre Antwort: „Weil ich seit meinem Jahr in Chile ein Teil der Cristo-Vive-Familie bin und jedes Seminar wie ein Familientreffen ist. Es tut gut, die eigenen Erfahrungen an die neuen Freiwilligen weiterzugeben. Ich kann dort meine eigenen Erlebnisse immer wieder reflektieren und daran zurück denken. Es ist mir wichtig, dass die Vision und Mission von Cristo Vive weitergegeben werden und möglichst viele Menschen erreichen“.

Unterwegs an der Grenze zwischen Brasilien und Bolivien

Ich war in den vergangenen Wochen viel unterwegs und habe in Städten in der Region von Rondonópolis und auch an der Grenze zwischen Brasilien und Bolivien Lepravorträge für das Gesundheitspersonal gehalten. Ich habe auch einige neue Leprafälle entdeckt. Ein Arzt in der Urwaldstadt Araputanga, den ich schon 20 Jahre kenne, behandelte einen Patienten drei Jahre auf Reumathismus. Da keine Besserung auftrat, bat er mich den Patienten zu untersuchen, es war Lepra. Die Straßen zu einigen Städten an der bolivianischen Grenze waren teilweise sehr schlecht und ein plötzlich auftretender Tropenregen hat die Erdstraße schnell in Schlamm verwandelt, was meinem alten Jeep einiges an Kraft kostete. Doch die kleinen Städte in der Region sind noch ziemlich sicher mit wenig Gewalt und vor allem die Landschaft ist sehr schön mit vielen Wasserfällen. Doch bei den Wasserfällen muss man aufpassen, weil in letzter Zeit in einigen Wasserfällen Anakondas bis zu fünf Meter gesehen wurden. Das Bild mit der Anakonda auf der Straße wurde in der Region von einem Freund gemacht.

Buschstadt Jauru mit Kirche im Bundesstaat Mato Grosso: Foto Manfred Göbel

Dreimal in den letzten Monaten hat mich der Jeep auf der Straße gelassen. Der Motor schaltete plötzlich ab, weil die Sicherung für die Einspritzpumpen durchbrannte. Jedes Mal passierte das mitten in der Prärie. Einmal kurz vor einer Polizeistation, die mir einen Abschleppdienst organisierte und zweimal in einer sehr gefährlichen Region an der Grenze zu Bolivien, wo normalerweise keiner anhält. Da wurde es mir schon ein wenig bange. Doch ein Ehepaar hielt an und benachrichtige in der nächsten Stadt – ca. 40 Kilometer entfernt – einen Abschleppdienst. Zuerst wollte ich in einer nahegelegenen Farm Hilfe holen, doch scharfe Hunde und bewaffnete Angestellte verhinderten mir den Zutritt. Nach einer Stunde kam der Abschleppdienst und brachte mich in eine Werkstatt. Es wurde die Sicherung gewechselt und ich konnte weiterfahren. Doch nach drei Kilometer blieb der Jeep wieder stehen. Der Abschleppdienst kam wieder und der Jeep musste nach Cuiabá gebracht werden, ca. 200 Km entfernt. Der Besitzer des Abschleppdienstes meinte, dass es ein guter Tag für mich gewesen sei, worauf ich protestierte und meinte, nicht für mich, sondern für ihn, da er mich zweimal abschleppen musste und Geld damit verdiente. Doch er bestand darauf und meinte, dass ich Gott danken soll, dass nur der Jeep versagte und ich ohne Schaden blieb. Da hatte er Recht, denn wenn mir der Jeep beim Überholen versagt hätte und die schweren Fernlaster mit hoher Geschwindigkeit durch die Prärie rasen, hätte das für mich böse enden können. Jetzt habe ich eine Generalüberholung des Jeeps machen lassen: Zwei Einspritzpumpen wurden ausgewechselt und die Stromversorgung überholt. Inzwischen war ich schon wieder viel unterwegs und ohne Probleme.

In Rondonópolis besuchte ich ein altes Ehepaar, das vor mehr als 35 Jahren Lepra bei mir und meiner Frau behandelte. Heute leben sie in einem kleinen Häuschen in einem Armenviertel, das ihnen ein deutscher Priester gebaut hat. Der Mann hat schwere Verstümmelungen wegen Lepra und beide sind an Chagas erkrankt. Sie haben sich sehr über meinen Besuch gefreut. In Rondonópolis hatte ich auch eine Besprechung mit den Stadträten und der Leiterin des Gesundheitsdienstes.

Im Gespräch mit Stadträten und Leiterin des Gesundheitsdienstes in Rondonopolis. Foto: privat

In einer kleinen Buschstadt hielt ich einen Vortrag für Kleinbauern, viele kannten mich noch als ich vor 30 Jahren Leprakampagnen organisierte. Nach dem Vortrag organisierten sie ein typisches Abendessen mit Reis und Huhn. Die Freude der Kleinbauern über meinen Besuch war wirklich beeindruckend. Eine weitere Kampagne ist geplant.

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) hat die Gelder für Südamerika und vor allem auch Brasilien drastisch gekürzt, so dass nur noch wenige Projekte unterstützt werden können. Deshalb fahre ich wieder in die Städte und helfe an der Basis, das Gesundheitspersonal auszubilden und besuche Kranke. Das macht viel Freude, denn die Menschen sind sehr dankbar, vor allem auch die Fachkräfte.

Meine angeschlagene Wirbelsäule hat bisher gut mitgemacht dank der guten Behandlung durch das orthopädische Team des Klinikums in Ingolstadt.

Anakonda auf der Straße. Foto: Manfred Göbel

Die Lage in Brasilien ist chaotisch und trostlos. Grenzenlose Korruption auf allen Ebenen (Justiz, Politik, Unternehmen, Banken, Gewerkschaften und Gesellschaft) hat das Land zerstört. Massenarbeitslosigkeit, extrem hohe Kriminalitätsrate, Chaos in allen öffentlichen Diensten – vor allem Gesundheitsversorgung – und allgemeine Frustration sind die Folge. Viele Brasilianer, vor allem Jugendliche wollen das Land verlassen. Es ist momentan keine Perspektive auf Besserung da. Eine korrupte Elite dominiert das Land, sowohl die linksorientierten als auch rechtsorientierten, konservative oder progressive, alle sind sie in Korruption verwickelt. 30 Jahre nach Ende der Militärdiktatur haben gerade diejenigen, die gegen die Militärdiktatur kämpften, das Land in den Abgrund gestürzt.

Manfred Göbel mit Erzbischof Simon Ntamwana aus Burundi in Eichstätt
Erzbischof Simon Ntamwana aus Burundi in Eichstätt. Foto: Referat Weltkirche

Im letzten Jahr war ich in Deutschland und bei der Gelegenheit hat die Hörfunkredaktion der Diözese Eichstätt ein Interview mit mir geführt. Weltkirchereferent Gerhart Rott lud mich zusammen mit dem Erzbischof von Gitega (Burundi) zum Mittagessen ein. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch.

Manfred Göbel – ein Leben für die Kranken

Marianisches Jahr in Brasilien – „Marias“ im Gefängnis

Nach dem Jahr der Barmherzigkeit 2016 feiert Brasilien heuer ein Marianisches Jahr, das 300-jährige Jubiläum der Verehrung der Gottesmutter Maria. 1717 erschien die Gottesmutter angeblich drei Fischern, die eine Marienstatue fanden. An Fundort entstand das Heiligtum Aparecida, mit jährlich rund 8 Millionen Pilgern der größte Marienwallfahrtsort Brasiliens. 1929 erklärte Papst Pius XI. „Unsere Liebe Frau von Aparecida“ zur Schutzpatronin des Landes. Das Fest zu Ehren der Heiligen ist der 12. Oktober.

Basilika Nossa Senhora Aparecida im Bundesstaat Sao Paulo. Foto: Valter Campanato/ABr
Basilika Nossa Senhora Aparecida im Bundesstaat Sao Paulo. Foto: Valter Campanato/ABr

Die Frauengefängnisseelsorge im Rahmen der Brasilianischen Bischofskonferenz hat Maria zum Leitthema für Jahr 2017 gemacht: „Maria und die vielen ‚Marias‘ im Gefängnis“ lautet das Motto. Maria, die Hoffnung gibt, wo es scheinbar keine Hoffnung gibt.

Maria ist eine Frau inmitten der Menschen, die in einer ungleichen und patriarchalischen Gesellschaft leben, in der nur die mächtigen Männer das Sagen haben. Sie wohnt in Galiläa, im Dorf Nazareth, in einer armen und an den Rand gedrängten Region, wo ein widerstandsfähiges Volk lebt, das sich gegen die willkürliche Unterdrückung durch die Römer wehrt. In diesem Ort wird Jesus geboren. Wo würde Maria heute leben? In den ausgegrenzten Stadträndern, den unzugänglichen Hügeln der Städte, in den Armenvierteln, in den Gefängnissen? Wäre sie arm, schwarz, jung?

Mit Maria werden die Grundsätze dieser Gesellschaft gebrochen und wird das Neue geboren. Für Jesus war Maria mehr als nur seine Mutter: In ihr erkennt er eine Frau, die zur Geschichte der Menschheit gehört, in einer Gesellschaft, in der die Frau kein (Mit-) Sprachrecht hatte. Maria, mit ihrer Spiritualität der „Armen im Herzen“, gibt den Armen und Unterdrückten ein Zeugnis des Glaubens und der Hoffnung. Sie steht den Gefangenen und den Vergessenen im ständigen Kampf um das Leben und die Würde bei.

Woher kommt diese Bevorzugung Gottes der Armen? Der brasilianische Theologe Afonso Murad drückt es so aus: “Gott erwählt zuerst die Armen, weil er barmherzig ist und sich den Bedürftigen zuwendet. Das ist die Strategie seiner allumfassenden Liebe. Er liebt alle gleich, aber er kommt zuerst denen zu Hilfe, die es am nötigsten haben”.

Die Kraft, die von Maria für so viele „Marias“ in den Gefängnissen ausgeht, ist spürbar in diesem Kampf um die Freiheit von Frauen und Männern, die im Gefängnis eine Welt erfahren, die das Leben zerstört. Eine Welt, die ausgegrenzten sozialen Gruppen in Verliese steckt und Menschenrechtsverletzungen aussetzt. In dieser an Strafe und an Männern orientierten Gesellschaft wird die gefangene Frau nicht einmal als Frau anerkannt. Hinter den Wänden der Gefängnisse sind die Frauen in der Minderheit. Die massenhaften Gefängniseinweisungen der letzten Jahre betreffen auch sie in großem Ausmaß. Die Inhaftierung nimmt ihnen die Selbstbestimmung, ihre Wünsche, ihre Entscheidungsfreiheit, ihre familiäre und emotionale Beziehungen.

„Maria ist eine Frau, die ganz Gott gehört, mit einem Bewusstsein für die Geschichte, des sozialen Engagements, der Hoffnung”, schreibt Murad. Auf gleicher Weise haben die gefangenen Frauen ein Bewusstsein für ihr Leben außerhalb der Gefängnismauern. Sie kämpfen für ihre Kinder, für ihre Würde, und sie leben den nie endenden Traum eines besseren Lebens. Nur wer die Gefängnisumwelt kennt, diesen Ort, an dem die Grund- und Menschenrechte systematisch verletzt werden, diesen Ort der erniedrigenden Lebensbedingungen und der Folter, wird die Kraft der Liebe und der Hoffnung verstehen, die in diesen vielen gefangenen Marias lebendig ist. Wir sprechen hier von mehr als 40.000 Frauen in Brasilien, die diese schreckliche Situation in den Gefängnissen durchstehen.

Marienstatue in einem Gefängnis in Brasilien. Foto: Petra Pfaller
Marienstatue in einem Gefängnis in Brasilien. Foto: Petra Pfaller

In den Gesprächen mit den Frauen im Gefängnis wird eine Figur Marias besonders deutlich: die immer gegenwärtige „Mutter Gottes“, die in den schwierigsten und dunkelsten Stunden hilft, in den stinkenden und überfüllten Zellen, in der Einsamkeit und der Sehnsucht nach den Kindern und den Familienangehörigen. Es sind eingesperrte ‚Marias‘, Frauen voll von Träumen und Bedürfnissen, die lieben und die ihre Rechte geachtet sehen wollen, jedoch gebrandmarkt sind vom einem Staat, der ihre Würde verletzt und ignoriert; so wie Maria von Nazareth, eine Frau aus einem so vergessenen Ort, die die Liebe von tief innen kannte. Sie hat diese Liebe zu Gott ernstgenommen und nahm ihre Aufgabe mutig an, die Mutter des Sohnes Gottes zu sein. Möge der Glaube an Maria uns helfen im Einsatz für eine Welt, in der wir alle in Freiheit und Würde leben können.

Antworten der „Marias” im Gefängnis auf die Frage, wer für sie Maria ist:
„Maria kennt den Schmerz und die Sehnsucht der Mutter, die an ihre Kinder denkt”. „Maria ist die weibliche Hand, die sich den Frauen entgegenstreckt.“
„Maria ist ein Brunnen inmitten der gefangenen Frauen.“
„Maria ist die Mutter der Barmherzigkeit.“

Diesen Beitrag hat Schwester Petra Silvia Pfaller zusammen mit Luisa M. Cytrunowicz, Mitglied des juristischen Teams der nationalen Gefängnisseelsorge Brasiliens, verfasst.

 

Krankenhilfe für Heimatvertriebene in Kolumbien

„Zusammen sind wir Heimat“ heißt die Jahreskampagne der Caritas in ganz Deutschland. Sie soll zum Beispiel das Zusammenleben mit Flüchtlingen fördern, die ihre Heimat verließen und sich nach einer neuen in Deutschland sehnen. Doch das Phänomen „Flucht aus der Heimat“ gibt es auch in vielen anderen Teilen der Welt, etwa in Kolumbien. Einen Gesundheitsdienst für vor allem Heimatvertriebene in diesem Land unterstützen verschiedene Caritas-Sozialstationen aus dem Bistum Eichstätt – im Sinne „Kirchliche ambulante Krankenhilfe hier für dergleichen dort“.

Ihre Heimat hat sie verloren. „Ich bin mit meinen Geschwistern vor der Guerilla geflohen. Man hat meine Eltern umgebracht und unser Haus angezündet“, erzählt Maria Murillo Mosqueda. Sie kommt aus dem Chocó, einem Gebiet in Kolumbien, in dem die Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten besonders unter der Gewalt bewaffneter Gruppen gelitten hat. Jetzt sitzt sie mit einem ihrer drei kleinen Kinder in der Krankenstation der Ordensgemeinschaft Hermanas de la Doctrina Cristiana (Schwestern der christlichen Lehre) in Los Robles, einem Armenviertel am Rand der Hauptstadt Bogotá. Viele, die in dieses Viertel geflüchtet sind, gehören zu den Millionen Menschen, die durch Gewalt und Krieg aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Vom Friedensprozess in Kolumbien, in den viele Hoffnungen setzen, erwartet Maria Murillo Mosqueda nicht viel: „Also ich habe Zweifel.“

Offenes Ohr für Sorgen

Den Gesundheitsdienst sucht die Frau nicht nur wegen der medizinischen Versorgung gerne auf, wenn ihre Kinder zum Beispiel Fieber haben. „Hier sprechen sie mit einem“, schätzt sie auch die menschliche Zuwendung der Ordensschwestern sowie ihrer Mitarbeitenden. Ihnen schütten im Wartesaal viele Patienten aus Los Robles und zunehmend auch aus benachbarten Vierteln ihr Herz über ihre vielfältigen Sorgen aus. Luz Mery Palacio, die den Ordensschwestern freitags für den allgemeinärztlichen Dienst ihr kleines Häuschen zur Verfügung stellt, hat heute zum Beispiel ein offenes Ohr für eine Patientin, die ihr mitteilt, dass ihre farbigen Kinder im Kindergarten nicht akzeptiert seien. Andere Probleme der Hilfesuchenden reichen von den Traumata, die sie durch Gewalt und Flucht erlebten, über Schwierigkeiten in prekären Arbeitsverhältnissen bis hin zu  unhygienischen Wohnverhältnissen in zum Teil einfachen Holz- und Wellblechhütten.

In die Krankenstation, die eine von zwei Gesundheitsdiensten in dem kaum überschaubaren Randgebiet von Bogotá ist, kommen Menschen aller Generationen, vor allem aber Kinder. „Ihre wesentlichen Krankheiten sind Magenbeschwerden, Grippe, Durchfall, Atemwegsinfektionen, Fehlernährung und auch Allergien“, informiert Krankenschwesterhelferin Liliana Trilleras Diaz. Der 67-jährige Arzt Pedro Arturo Aldana Gracia untersucht heute auch mehrere Erwachsene mit zu hohem Blutdruck. Dass sich ihr Alltagsstress auf die Gesundheit auswirkt, erlebt er immer wieder. „Die Leute leben aus dem Nichts heraus. Es gibt viel Depression und Seelenangst. Oft brauchen sie nicht so sehr Medikamente, sondern eine menschliche Unterstützung, die sie in den staatlichen Diensten nicht bekommen“, so der Arzt. Er empfindet es als Berufung, seine letzten Berufsjahre im Dienst an armen und vertriebenen Menschen zu verbringen.

Solidarisch für Kollegen

Sozial Bedürftige haben in Kolumbien zwar ein Recht auf eine staatlich subventionierte Gesundheitsversorgung. Doch viele halten unter anderem lange Wartezeiten und -schlangen sowie Kosten für den Bus von diesen entfernt liegenden Diensten ab und suchen lieber das Angebot der Ordensschwestern auf. Auch wenn sie hier für die Sprechstunde rund 1,25 Euro entrichten müssen. „Wir verlangen diese Gebühren, damit nicht alles geschenkt wird. Das gehört für uns zur Würde des Patienten“, erklärt Schwester Isabel Hervas Sanchez. Wenn jemand das Geld nicht hat, wird er dennoch behandelt. Möglich ist dies sowie der Gesundheitsdienst überhaupt durch Spenden. Zu diesen tragen seit kurzem auch einige Caritas-Sozialstationen im Bistum Eichstätt bei. Sie unterstützen das Projekt nach dem Motto „Solidarische kirchliche ambulante Gesundheitshilfe“. Manche haben direkte Zuschüsse geleistet, andere auch Mitarbeiter-Spendenaktionen durchgeführt.

Neben dem allgemeinmedizinischen Dienst freitags bieten die Ordensschwestern auch einige Male im Jahr Gesundheitsaktionen in einer Schule an, bei denen viele Menschen vor allem zahn- und augenärztlich untersucht – und oft danach in ein nahegelegenes ordenseigenes Basisgesundheitszentrum zu eingehenderen Behandlungen überwiesen werden. Diese Aktionen möchten die Schwestern ausweiten. Zudem streben sie an, ein größeres Haus anzumieten, um ihren Dienst noch besser leisten zu können: in einem Raum, der mehr Platz für persönliche Gespräche, aber etwa ebenso für Ernährungsberatung oder eine Kinderspielecke bietet. So sollen Hilfesuchende durch ihre Gesundheitshilfe auch ein Stück weit Geborgenheit in der neuen Heimat erfahren.

Hörfunksendung von Radio K1 und Spendenkonto zum Projekt

Brücke von Eichstätter Schulen nach Chile

„Das Größte ist: das Leben geben für seine Freunde…“ (Jesus)

In Lateinamerika feiern wir das Gedächtnis des heiligen Bischof Oscar Romero, der am 24. März 1980 mitten in der Messe ermordet wurde, nachdem er Tage zuvor von der Kathedrale aus in einer Predigt an das ganze Land El Salvador die Militärs im Namen Gottes angefleht und ihnen befohlen hatte, nicht mehr auf das Volk zu schießen.

Der Heldenmut Oscar Romeros strahlt weiter in Lateinamerika und ermutigt uns mit, all unseren Kräften der Liebe weiter für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen gegen ein neoliberales Wirtschaftssystem, das weiter Armut und Elend produziert.

Nun möchte ich auch ein paar gute Nachrichten erzählen:

Am 14. März hat sich für uns ein Traum erfüllt, denn wir konnten bei einer kleinen Feier unsere neu gebaute Solaranlage mit 40 KWh in Betrieb nehmen. Das Projekt wurde von Prof. Ulf Blieske, seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Rudi Gecke und sieben Studenten der Technischen Hochschule Köln entwickelt. Diese haben die Anlage mit 200 Fotovoltaikmodulen hier zusammen mit unserem Experten von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Sebastian Bayer, dem chilenischen Berufsschullehrer und unseren Schülern in 14 Tagen unermüdlicher Arbeit auf dem Dach unserer Berufsschule installiert. Wie sollen wir ihnen danken?

Finanzieren konnten wir das Projekt in erster Linie mit Hilfe von MISEREOR-BEGECA, aber auch mit der wichtigen Unterstützung der deutschen Firmen Kraftwerk, Renusol und Avancis. In Chile hat der ehemalige Energieminister, Máximo Pacheco, zwei Firmen begeistert, uns kräftig beizustehen und für das Projekt zu spenden.
Über einen Monitor können wir jeden Tag genau sehen, wie viel Energie die Anlage produziert, bis zum heutigen Tag schon 1.994 KWh, dies entspricht einer Einsparung von 1346 kg CO2.

Vielleicht werdet ihr staunen zu hören, dass in diesem Jahr 29 deutsche Freiwillige junge Leute bei uns in unseren verschiedenen Diensten mitarbeiten, fünf kommen aus der Eichstätter Diözese:
Franziska Breitenhuber, Katharina Geitner, Theresa Schmidt, Susanna Bauer und Isabell Schöpfel.

Auch bei unserer Hilfe für eine Familie, die durch den Waldbrand ihr Haus verloren hat, waren sie an den Wochenenden mit viel Elan dabei.

Außerdem sind auch gerade zwei ehemalige Freiwillige bei uns zu Besuch – Agnes Birzer und Maria Brems. Welch eine Brücke haben die Schulen und Gymnasien Eichstätts zu uns gebaut!
Vor zwei Jahren war es der Spendenlauf, der für uns eine unglaubliche Hilfe in Not wurde. Diese Woche wird im Gabrieli Gymnasium ein Benefizkonzert unter Leitung von Michael Beck stattfinden für die 350 Kinder der Tagestätte Naciente, während die Lehrerin Maria Frey die Schülerinnen und Schüler des Gabrieli-Gymnasiums einlädt, „auf Überflüssiges zu verzichten, damit andere das Notwendigste haben.“

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie diese Gesten unsere Mitarbeiter berühren, wenn ich davon berichte.

Eine frohe vorösterliche Zeit – immer auf Jesu Spuren – wünscht euch

eure Karoline