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Traktoren und Pflüge für Klöster in Georgien

Über das Collegium Orientale Eichstätt erreichte die Katholische Landvolkbewegung (KLB) im Bistum Eichstätt die Anfrage des georgisch-orthodoxen Bischofs Svimeon Tsakashvili von Surami-Khashuri um Unterstützung seiner Klöster bei der Beschaffung von landwirtschaftlichen Geräten. Der Diözesanausschuss der KLB befasste sich mit diesem Wunsch und stellte 15.000 Euro zur Verfügung. Auf Antrag von Bischof Svimeon stellte die Diözese Eichstätt weitere 15.000 Euro bereit.

Nun stellte sich die Frage, welche Fahrzeuge für die georgischen Klöster geeignet sein könnten. Die meisten der über 20 Klöster in der Diözese Surami bewirtschaften mit zwei oder drei Brüdern bzw. Schwestern je eine Fläche von 2 bis 10 Hektar. Bei den Überlegungen kamen wir auf gebrauchte Kubota-Traktoren, die speziell für japanische Reisbauern gebaut werden. Sie sind robust und ohne technischen Schnickschnack selbst zu warten. So machten wir – Herbert und Agnes Bauernfeind sowie Thomas und Gertraud Schneider – uns auf den Weg ins ferne Georgien, um dort nach geeigneten Geräten zu suchen. Die Reisevorbereitungen zeigten bereits, dass wir in ein Land reisen wollen, das touristisch noch nicht besonders erschlossen ist. Spätestens als wir georgische Lari – das Zahlungsmittel in unserem Zielland – beschaffen wollten, mussten wir feststellen, dass diese nicht einmal über die Bundesbank besorgt werden konnten. So nahmen wir einige Euro mit, in der Hoffnung, dass sie auch in Georgien akzeptiert würden.

Von München über Istanbul flogen wir nach Tiflis. Bereits während des Fluges konnten wir aufgrund der hervorragenden Sichtverhältnisse einen ersten Eindruck von Georgien gewinnen. Bergrücken ohne Bewuchs deuteten auf größere Höhen hin, dazwischen lagen grüne Täler, aber relativ wenige Orte konnten wir erkennen. Straßen oder Eisenbahnlinien, wie wir sie in Deutschland gewohnt sind, fehlten fast komplett aus der Vogelperspektive. Ein sandig-beigen Braun prägte das Bild des Landes im August. Unser Dolmetscher Erekle und der Chauffeur Schio warteten bereits am Flughafen. Zwei Stunden dauerte die Fahrt zum Bischofshaus in Surami, wo wir in einem relativ neuen Hotel

Kühe auf der Autobahn

Nachdem wir die Details der Beschaffung am nächsten Tag mit dem Bischof besprochen hatten, fuhren zum wir Einkauf nach Tiflis. Grasende Kühe auf dem Mittelstreifen der Autobahn waren eine gewisse Überraschung als wir auf der relativ gut ausgebauten Autobahn unterwegs waren. Die Bauern lassen ihre Kühe in Georgien frei grasen. Daher findet man sie auf jeder Straße und sogar auf der Autobahn. Ab und zu kommt es natürlich zu Unfällen, aber zum Glück blieben wir davon verschont.

Bereits im Vorfeld hatten wir eine Firma gefunden die Kubota-Traktoren in Tiflis verkauft. Der Händler ist Mitglied im Deutsch-Georgischen-Wirtschaftsforum. Herbert Bauernfeind nahm die Traktoren in Augenschein und testete sie. Nachdem wir drei geeignete Fahrzeuge gefunden und markiert hatten, ging es an die Anbaugeräte. In Georgien wird auf dem Basar hart verhandelt, in Geschäften jedoch eigentlich nicht. Trotzdem gelang es uns, die Traktoren um rund 3.000 Euro günstiger zu bekommen. Dafür konnten wir andere Geräte beschaffen. Wir kauften 3 Traktoren mit Fräse, 3 Pflüge, 3 Kunstdüngerstreuer, 2 Unkrautspritzen, eine zweireihige Kartoffellegemaschine und einen Schüttelroder für die Kartoffelernte. In einem nahegelegenen Geschäft konnten wir dann noch eine Unkrautspritze mit Gebläse für den Weinanbau erwerben. Nachdem wir rund 28.000 Euro ausgegeben hatten, fuhren wir bei 30 Grad im Schatten wieder in Richtung Surami.

Begegnung mit den Mönchen

Am dritten Tag unserer Reise stand die Begegnung mit den Mönchen im Vordergrund. Wir besuchten einige der Klöster, für die die Traktoren bestimmt waren. So starteten wir zum 1200 Meter hoch gelegenen Kloster „Korangedi“, was so viel bedeutet wie „Rabenspitze“. Dort wirkte Bischof Svmeon früher als Abt. Mit einer Landfläche von 13 Hektar ist es eines der größten Klöster in der Diözese. Doch bevor wir zur Besichtigung aufbrachen, besuchten wir den Gottesdienst in der Klosterkirche: ein beeindruckendes und doch seltsames Erlebnis. Erst nach diesem Gottesdienstbesuch wurde mir bewusst, wie schön es in unserer Kirche ist, gemeinsam die Eucharistie zu feiern. Die Liturgie dauerte über zwei Stunden. Bänke gibt es keine in der georgischen Kirche. Die ganze Messe findet hinter der Ikonenwand statt. Ab und zu sieht man einen Geistlichen, doch was hinter dem Vorhang geschieht bleibt dem gemeinen Gottesdienstbesucher verborgen. Allein die Gesänge lassen erahnen, an welcher Stelle die Liturgie gerade ist. Nach dem Gottesdienst waren wir Gäste im Kloster und wurden dort wieder mit lokalen Köstlichkeiten verwöhnt.

Nach dem Essen besuchten wir das Kloster „Mtazminda“ (heiliger Berg). Auf 1400 Meter leben dort einige Mönche und bauen, trotz kaum befahrbarer Straße, eine wunderbare Klosterkirche. Sie leben vom Kartoffel- und Bohnenanbau. In der Nähe des Klosters liegt ein Nationalpark. So erhoffen sich die Mönche zusätzliche Einnahmen durch Wanderer. Da das Kloster so abgelegen liegt, wird auch dort einer der Traktoren der KLB stationiert.

In der Nähe des Parks liegt ein ehemaliges Schulgebäude mit Erholungsheim, das schon fast zerfallen ist. Der Staat Georgien hat es der Diözese Surami-Khashuri überlassen. Bischof Svmeon sucht nun nach Investoren, die dort einen Hotelbetrieb errichten. Durch die Nähe zum Nationalpark wären sicher Touristen für diese Lage zu gewinnen. Der Bischof verspricht sich von dem Projekt Arbeitsplätze und etwas mehr Wohlstand für die Menschen in seiner Diözese.

Borjomi und die Felsenklöster

Zu Beginn unserer Reise hatten wir mit unserem Dolmetscher besprochen, dass wir gerne das Land kennen lernen wollten. So führte er uns am 4. Tag nach Borjomi, zum bekanntesten Thermalwasserort in Georgien, um uns die berühmten Felsenklöster zu zeigen. Kaum angekommen, haben wir das bekannte Heilwasser probiert. So übel wie dieses Wasser geschmeckt hat, muss es wirklich heilende Wirkung haben. Das Thermalbad ist eine Mischung aus Freizeitpark und Kurort. An den modernen Gebäuden hat der Zahn der Zeit bereits sehr genagt. Die Anlagen wurden noch zu Zeiten der Sowjetunion von Russland gebaut. Nun haben die Georgier offensichtlich nicht die nötigen Mittel. Weiter ging es zu den berühmten Felsenklöstern, eine in Stein gemeißelte Stadt, die vor Jahrhunderten von Mönchen bewohnt wurde. Leider sind bereits große Teile der Felsen abgebrochen. So steht die Felsenkirche nun schon sehr nahe an der Felskante. Einzelne Zellen werden auch heute noch von Mönchen bewohnt.

Den schönten Platz der Welt

Über Kontakte, die wir im Hotel herstellten, führte uns Zaza, ein wohlhabender Georgier, in ein Skigebiet, in dem er zwei Ferienhäuser errichtet hat. Schließlich wollte er uns neben einer Reihe seiner Projekte „den schönsten Platz der Welt“ zeigen. In einem Hochtal auf 2700 Metern errichtete er ein Jagdhotel an einem wunderschön gelegenen See. In dem Dorf am See herrschte reges Treiben, denn die spärliche Ernte musste eingefahren werden. Obwohl schon im Oktober der Winter einkehrt, blühen erst Ende August die Kartoffeln. Die Menschen auf dem Hochplateau leben von den rund 300.000 Schafen, die im Sommer auf den Wiesen weiden. Geschlachtet wird am Bach und gewohnt wird in kleinen Hütten aus Plastikplanen. Was auf den Bildern wildromantisch anzusehen ist, bedeutet für die Menschen einen harten Überlebenskampf, dem sie sich jeden Tag neu stellen müssen. Aber auch hier hoffen die Menschen durch den Bau des Hotels auf etwas mehr Wohlstand.

Caritas in Kutaissi

Unsere nächste Station war die alte Königsstadt Kutaissi. Aus dieser Region stammte unser Dolmetscher Erekle. In Kutaissi angekommen suchte er uns ein Gästehaus der Caritas als Übernachtungsmöglichkeit aus. Die katholische Kirche hat es in Georgien nicht einfach und wird vielerorts unterdrückt. Trotzdem ist es der katholischen Diözese gelungen, in Kutaissi dieses kleine Gästehaus zu erhalten. Wir besuchten die alte philosophisch-theologische Hochschule und damit ein wichtiges geistliches Zentrum der Vergangenheit. Das Kloster Gelati gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Anlage wird derzeit mit viel Aufwand restauriert.

Am vorletzten Tag machten wir uns auf zum Schwarzen Meer. In Batumi mussten wir natürlich das Schwarze Meer testen. Anschließend fuhren wir zum bekannten botanischen Garten in Batumi und besuchten schließlich einen klassischen Basar, die Einkaufsmeile der Georgier. Obwohl die Menschen nicht viel zum Leben haben, hört man niemanden jammern. Die Menschen sind freundlich und machen einen zufriedenen Eindruck.

Familienzusammenhalt

Der Höhepunkt des Tages war aber dann der Besuch bei Erekles Eltern. Er lud uns zu einem kleinen Abendessen ein. Dies hat sich dann jedoch als Festmahl dargestellt. Die ganze Familie hat uns voller Gastfreundschaft empfangen und verwöhnt. In Georgien dürfen bei einem Festmahl niemals die Schüsseln leer werden. Es wird immer nachgereicht. So erhielten wir auch einen kleinen Einblick in das Leben der Menschen.

In Georgien zählt vor allem die Familie. So waren alle Geschwister und sogar ein Onkel beim Festessen dabei. Im Haus gibt es keine Küche, denn das Leben findet meistens draußen statt. Gekocht wird im Keller. Die Häuser sehen von außen recht baufällig aus, sind aber wohnlich eingerichtet. Jede Familie versucht sich selbst zu versorgen, denn die staatliche Rente reicht nicht aus. 150 Lari (rund 60 Euro) bekommt ein Rentner im Monat. Wasserversorgung gibt es nicht. Das Trinkwasser kommt meistens recht salzig aus dem Hausbrunnen und hat nichts mit dem Trinkwasser zu tun, das wir gewohnt sind. Ein Stand wie bei uns auf dem Land vor 70 Jahren oder früher. Das Hauptgetränk ist selbstgemachter Wein, der in Amphoren vergoren wird. Das Brot wird in einer Art Amphoren-Backofen selbst gebacken. Auf staatliche Stellen verlässt sich kaum jemand in Georgien, denn Sozialhilfe usw. gibt es nicht. Aus diesem Grund ist der Familienzusammenhalt so besonders wichtig.

Fazit

Wie im Flug sind die Tage in Georgien vergangen. Während viele orthodoxe Kleriker der katholischen Kirche gegenüber große Vorbehalte haben, konnten wir Bischof Svmeon als engagierten Hirten und Glaubensbruder kennenlernen. So machte es auch Freude, seine Arbeit und die Menschen in seiner Diözese aktiv zu unterstützen. Als wir bereits auf dem Rückweg waren, kam uns das Fahrzeug des Bischofs entgegen und wir stoppten an der nächsten Möglichkeit, um uns zu verabschieden.

Vor dem Rückflug nach Deutschland wollte unser Dolmetscher Erekle uns noch unbedingt den „georgischen Vatikan“ zeigen. Die Svetiskhoveli-Kathedrale ist ein bedeutendes religiöses Zentrum für Georgien. In der Kathedrale werden die heiligen Öle geweiht. Ein prachtvoller Bau, der auch im Inneren voll kultureller Schätze ist. In Tiflis konnten wir am Abend noch die Schönheit der Stadt hautnah erleben. Die beleuchtete Burg und der sanierte Bereich, die nach Ausgrabungen erst vor wenigen Jahren zum Vorschein kamen, geben der Hauptstadt Georgiens ein ganz besonderes Flair.

Georgien ist ein wunderschönes Land mit einer fleißigen Bevölkerung, die in ländlichen Gegenden unter sehr widrigen Bedingungen ihr Leben meistern muss. Etwas bessere Lebensverhältnisse gibt es nur für sehr reiche Menschen in den Städten. Selbstverständlichkeiten wie sauberes Trinkwasser, Abwasserentsorgung und ein funktionierendes Straßensystem sind in diesem Land zwischen Europa und Asien noch nicht einmal in Städten mit 40.000 Einwohnern vorhanden. Aber die Menschen jammern nicht, sondern versuchen das Beste daraus zu machen. Neben dem christlichen Armenien und Russland ist Georgien von islamischen Staaten umringt. Wir kamen zu dem Schluss, dass es unsere Glaubensbrüder verdient haben, dass wir sie auf ihren weiteren Weg begleiten und unterstützen.

„Wir treten vom Dunkel ins Licht“

Bildung und Weiterbildung sind Grundlagen für die Entwicklung eines Landes: Diese Erkenntnisse gelten auch für Senegal. Das konnte ich bereits mehrmals bei Aufenthalten in dem westafrikanischen Land buchstäblich erleben.

Nach dem überaus erfolgreichen dreijährigen Projekt für Frauenförderung in Zentralsenegal wird eine weitere vierjährige Bildungsmaßnahme für Frauen in der Umgebung der Stadt Koumpenntoum in der Diözese Tambacounda angestrebt. Die Voraussetzungen für dieses Projekt, an dem 3600 Frauen aus 90 Dörfern teilnehmen werden, wurden bereits geschaffen. Es wurden Lehrer speziell dafür ausgebildet und die finanziellen Mittel von 400.000 Euro – auf vier Jahre verteilt – werden bereitgestellt. Auf die Katholische Landvolkbewegung, die das Projekt eingefädelt hat, werden 80.000 Euro entfallen. Einen Teil wird der Lions Club Kempten übernehmen. Der größte Anteil, nämlich 75 Prozent, wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) getragen.

Federführend für die Vorbereitung und Organisation ist der Ländliche Entwicklungsdienst (JLD), eine Abteilung der Katholischen Landvolkbewegung Deutschland, unter der Leitung von Lothar Kleipass. Verantwortlich für die praktische Umsetzung im Senegal ist der ehemalige Schuldirektor Bernard Seck, der das Büro von ASDI (Organisation zur Durchführung von Entwicklungsprojekten) in Tambacounda leitet.

Am 26. Januar werde ich zusammen mit Lothar Kleipass und Helene Dumont, die als Übersetzerin und wichtigstes Bindeglied zwischen dem Büro von ASDI und ILD fungiert, nach Senegal reisen, um den Vertrag zu unterzeichnen und weitere organisatorische Details zu besprechen. Von vergangenen Besuchen haben wir selbst erfahren, mit welcher Begeisterung und Fleiß sich die teilnehmenden Frauen einsetzen. Dreimal in der Woche haben sie Unterricht und lernen nicht nur Lesen und Schreiben, sondern auch Grundlagen der gesunden Ernährung, Hygiene und Prävention von Krankheiten. Jede Dorfgemeinschaft bekommt auch einen Kleinkredit für geschäftliche Unternehmungen, den sie am Jahresende wieder zurückzahlen muss.

Erstaunlicherweise wird das Projekt auch von den Männern, die eine klare Rollenverteilung gewohnt sind, befürwortet. Von ihnen hörten wir unter anderem Sätze wie „seit Beginn der Maßnahmen hat niemand mehr unser Dorf verlassen“ oder „auch die Frauen müssen zur Entwicklung unseres Landes beitragen“. Bemerkenswert ist auch das gesteigerte Selbstwertgefühl der Frauen. Sie erklären stolz, dass sie jetzt einen Pass beantragen und selbst unterschreiben können. Mit diesem Frauenförderungsprojekt ist bereits eine erhebliche Verbesserung der Lebenssituation der Dorfbewohner zu erkennen, und somit können auch Fluchtursachen bekämpft werden.

Rückkehr aus Kenia in die Konsumwelt

Zum zwölften Mal durfte ich 2016 Weihnachten in Kenia feiern, was wirklich ein wunderbares Geschenk war. Es war wohl für etliche Jahre auch das letzte Mal, da ich 2017/2018 neue Aufgaben übernehmen soll und nach einigen Monaten in Rom nach Deutschland zurückkehre. Ich weiß noch nicht, was mich erwartet oder was aus diesem Plan werden wird.

Weihnachten in Kenia. Bild: Samuel Ng'ang'a Njoroge, Diözese Runden/Kenia
Weihnachten in Kenia. Bild: Samuel Ng’ang’a Njoroge, Diözese Runden/Kenia

Vielleicht stellen sich ja auch die zwei Jungen Männer, die auf dem Bild vor dem neugeborenen Christkind knien, die Frage, was aus diesem Kind werden wird? Es könnten zwei Pokot sein, die Milch in einer Kürbisflasche mitgebracht haben und sich mit der Familie über das Kind freuen. Ehrlich gesagt habe ich fast ein wenig Angst, in die „Konsumwelt“ zurückzukehren, wo das Wesentliche so leicht verloren geht. Wie ich schon oft geschrieben habe, leben die Pokot ein sehr einfaches Leben, wo der Luxus manchmal darin besteht, ein Bett mit Matratze zu haben und Tisch und Stühle. Natürlich hat sich vieles getan in unserer Gegend. Leute mit Ausbildung, die vielleicht eine Anstellung als Lehrer oder Krankenpfleger erhalten haben, richten sich auch anders ein. Aber für die meisten Pokot ist das Leben noch immer sehr existentiell und unkompliziert.

Zurzeit bin ich noch immer in Chelopoy, der Filiale der Pfarrei Amakuriat tätig. Inzwischen ist unser Pfarrer nach nur einem Jahr nach Nairobi versetzt worden und da ich bald auch die Pfarrei verlassen werde ist nun P. Maciej der Pfarrer in Verantwortung für die ganze Pfarrei. Wir organisieren unsere Pastoral weitgehend unabhängig voneinander, wenngleich wir monatliche Treffen haben in denen wir unsere Arbeit abgleichen. Die drei kenianischen Mitbrüder, die Anfang 2016 zu Diakonen geweiht wurden, sind nun alle Priester.

Priesterweihe beim Volk der Pokot in Kenia. Foto: P. Hubert Grabmann
Priesterweihe beim Volk der Pokot in Kenia. Foto: P. Hubert Grabmann

Nicht nur die Primizen, sondern auch die Priesterweihen fanden jeweils in den Pfarreien der Weihekandidaten statt. So war besonders die Weihe von Abraham Sireu ein unvergessliches Ereignis für unsere Christen in Amakuriat. Etwa 4000 Leute kamen von den umliegenden Pfarreien und deren Außenstationen hier zusammen, um den ersten Pokot-Comboni-Missionar und zweiten Pokot-Priester zu feiern. Es war eine Menge zu organisieren, da alle Leute wegen der Entfernung Übernachtung brauchten. Bis vier Uhr morgens kamen Busse an und mussten Leute zu den verschiedenen Schulen gebracht werden, wo sie dann zum Teil auf dem blanken Boden oder auf Bastmatten schliefen. Trotz der einfachen Unterbringung war die Feier sehr schön und beeindruckte nicht nur unsere Katholiken.

Ende August durfte ich auch an der Silbernen Ordensprofess einer unserer Schwestern von Chelopoy teilnehmen. Die Schwestern feiern ihre Professen jedes Jahr am selben Tag, deshalb kommen natürlich viele Jubilare zusammen. Zu dem Gottesdienst kamen dann auch mehr als 150 Priester und drei Bischöfe aus den Pfarreien und Diözesen Kenias, in denen die Schwestern arbeiten.

Im Juli kam der Regen glücklicherweise noch rechtzeitig zurück für viele unserer Bauern, so dass die Ernte nicht ganz so schlecht war. Aber natürlich sind die Gegenden auch innerhalb unserer Pfarrei ziemlich unterschiedlich. In den Bergen hatten sie gute Ernte, während in den tieferen Lagen der Regen trotzdem nicht genug war und der Mais sehr klein ausfiel dieses Jahr. Im Nordosten Kenias herrscht gerade auch eine verheerende Dürre, an der viele Menschen zu leiden haben. In Amakuriat war der Regen ziemlich gut, während Kacheliba sehr wenig ernten konnte.

Unsere Schulen bekommen Gott sei Dank Mittagessen von der Welthungerhilfe. Leider geht hier sehr viel verloren wegen der Bestechlichkeit der Behörden etc. Andererseits gibt es in noch sehr vielen unserer Dörfer weder Kindergarten noch Schule. Wir arbeiten daran, solche Situationen zu identifizieren und den Kindern wenigstens einen Kindergartenplatz mit einer warmen Mahlzeit zu ermöglichen. Schulen und Kindergarten brauchen aber auch Wasser, wenn sie etwas kochen wollen. Manchmal bringen die Mütter oder die Kinder selber Wasser mit in die Schule. Aber oft kommt das Wasser von einem Damm oder Wasserloch, das gegen Ende der Trockenzeit immer schmutziger wird und irgendwann austrocknet. So ist auch der Brunnenbau ein weiterer Schwerpunkt, an dem wir neben der Pastoral arbeiten. 2017 möchten wir, wenn möglich, fünf Brunnen bohren, von denen jeder etwa 15.000 Euro kostet. Die Dörfer sollen 10% der Kosten selber tragen, der Rest soll dann von Organisationen, Freunden und anderen Quellen gedeckt werden. Um diese Vorhaben zu begleiten und um sicherzustellen, dass die Lehrer an den Schulen auch wirklich unterrichten, ist es unumgänglich, die Dörfer regelmäßig zu besuchen.

Was die Pfarrarbeit angeht, so arbeiten wir daran, die Seelsorge in den Teilpfarreien weiter voranzubringen. Wir haben festgestellt, dass es uns in Dörfern an Katholiken fehlt, die in irgendeiner Weise ausgebildet sind; oft können auch nicht einmal die Vorstände schreiben oder lesen. So möchten wir 2017 unsere Wortgottesdienstleiter und Katecheten verstärkt zu besonderen Fortbildungen schicken und auch die Vorsitzenden der Teil-Pfarrgemeinderäte und katholischen Vereinigungen über ihre Aufgaben mehr aufklären. Da ich ziemlich lange brauche, meine 30 Außenstationen in der Chelopoy Filiale zu besuchen, haben die Freikirchen und Sekten leichtes Spiel und verunsichern unsere Leute sehr. Oftmals reden sie schlecht über die Katholische Kirche, sprechen ihr sogar den Status einer Kirche ab und werben mit ihren Keyboards und Lautsprechern auch immer wieder einige unserer Leute einfach ab. Es ist wichtig präsent zu sein, gute Seelsorge zu machen und auch in humaner und sozialer Weise tätig zu sein. Die Priesterweihe von Abraham war sicher ein wichtiges Ereignis, das unseren Christen viel neue Kraft gegeben hat. So hoffen wir, dass es gut weitergehen wird und unsere Pfarrei langsam weiterwächst.

Ich werde wahrscheinlich im Juni nach Deutschland kommen. Ich bin dann auch gerne bereit in Schulen oder in Pfarreien über Kenia zu erzählen. Scheut euch nicht, mich zu kontaktieren.

Nochmals möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die sich Sorge um unsere Arbeit machen und uns unterstützen. Möge es euch Gott vergelten.

Betlehem liegt in Barcelona

Es ist Samstag, der 24. Dezember 2016, halb acht am Abend. Mit Sharon und Johannes, den beiden Freiwilligen unserer deutschsprachigen Gemeinde, eile ich durch die Straßen der Innenstadt Barcelonas. In Spanien sind die Geschäfte an Heiligabend ganz normal bis 21 oder 22 Uhr geöffnet. Dementsprechend herrscht noch die ganz normale „vorweihnachtliche“ Großstadthektik. In den engen Gassen der Altstadt kämpfen wir uns durch Massen von einkaufswütigen Schnäppchenjägern und Weihnachtstouristen aus aller Welt. An den großen Plätzen der Stadt sehen wir überall ein Großaufgebot von Polizei postiert, zum Teil mit gepanzerten Wägen und Maschinengewehren. Wenn wir nicht gerade von der Kindermette unserer Pfarrei kämen, kämen wir sicher nicht auf die Idee, dass es Heiligabend ist (Da die weihnachtliche Lichterdekoration ja schon seit fast sechs Wochen zum Straßenbild gehört, löst auch diese inzwischen keine besonderen weihnachtlichen Gefühle mehr bei uns aus).

Wir sind auf dem Weg zum „Chiringuito de Dios“, zur „Suppenküche Gottes“. Es ist eine Obdachlosentafel mitten im Raval, dem vielleicht verrufensten Stadtviertel Barcelonas mit dem größten Migranten- und Prostituiertenanteil. Seit fast 20 Jahren gibt hier Wolfgang Striebinger mit seinen Helfern täglich an 60 bis 80 Personen Frühstück und Abendessen aus. Donnerstags gibt es eine Paella, gestiftet von einem Fünf-Sterne-Hotel. Heute sind die Leute zu einer „cena nadal“, zu einem Weihnachtsessen eingeladen. Mitglieder unserer Gemeinde haben zahlreiche Taschen voll mit Lebensmittel gespendet (dazu auch eine schöne Summe Geld) und Ivan, der Chefkoch, hat zusammen mit dem Chiringuito-Team ein festliches Weihnachts-Buffet vorbereitet: Gemüsesuppe, Brathähnchen, Tortilla, Empanadas, Kroketten, Reis, Kuchen …

Um acht wird die Tür geöffnet. Manche haben schon eine halbe Stunde davor gewartet. Die Situation erinnert mich fast ein wenig an die Bescherung am Heiligabend in meiner Kindheit, an den Augenblick, in dem der Vater die Tür zum Wohnzimmer öffnete und sich vor uns Kindern endlich der Christbaum mit den Geschenken auftat. Wolfgang Striebinger begrüßt die Gäste mit Handschlag, er kennt sie alle beim Namen, manche kommen ja schon seit Jahren. Die meisten leben auf der Straße, andere haben zwar irgendwo im Viertel mehr oder weniger ein Dach über dem Kopf, aber es reicht nicht für ein anständiges Essen. Für viele ist der Besuch im Chiringuito die einzige warme Mahlzeit des Tages. Es sind vor allem Männer, aber auch nicht wenige Frauen, jeden Alters. Sie stammen aus aller Herrn Länder. Ruhige Musik aus dem CD-Player gibt dem kleinen Saal eine feierliche Stimmung. Wolfgang heißt noch einmal alle willkommen und weist kurz darauf hin, warum sich das Abendessen heute von den Essen der anderen Tage des Jahres unterscheidet.

Dann darf ich die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vorlesen. Die Erzählung von dem jungen unbekannten Paar aus einem vergessenen Kaff dieser Erde, das durch die Mächtigen der Welt in die Fremde geschupst wurde. Die Erzählung von den armen Schluckern, die sich als Hirten durchs Leben fretten. Die Erzählung davon, dass gerade diesem jungen Paar ein Kind geboren wurde und dass genau jene Hirten es waren, die als erstes davon erfahren haben. Und wie mit diesem Kind neue Hoffnung in die ganze Welt kam – angefangen dort, am Rand von Betlehem.

Es ist mucksmäuschenstill im Chiringuito de Dios. Alle hören sie ganz aufmerksam zu. Manchen kommen ein paar Tränen. Wir spüren, es ist unsere Geschichte, und sie ereignet sich jetzt.

An der Krippe begegnen wir uns

Jesus, das Kind in der Krippe, das wir anbeten, sagt uns: „Was ihr den Geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Ich komme gerade aus Bolivien zurück. Diesmal hat mich unser Freund Klaus Sperlich (81) von Cristo Vive Europa begleitet, der uns zusammen mit dem Göttinger Freundeskreis schon seit über 40 Jahren unterstützt. Er hat miterlebt, was hier gewachsen ist. Ihr könnt es euch nicht vorstellen, wie froh und dankbar ich bin, wenn ich sehe, wie viele Menschen wir vor Ort in ihren verschiedenen Nöten und Bedürfnissen durch eure Solidarität zu einem würdigeren Leben verhelfen können.

Bei unserer Sitzung des Teams der Leiter unserer verschiedenen Dienste der Fundacion Cristo Vive Bolivia lasen wir das Tagesevangelium, in dem Jesus freudig ausruft: „Vater, ich preise dich, dass du den Kleinen dieser Welt geoffenbart, was du den Weisen und den Mächtigen verborgen hast.“ (Lukas 20, 21-24)

Armenspeisung Bolivien: Foto von Sr. Edith Petersen
Armenspeisung Bolivien: Foto von Sr. Edith Petersen

Beim Austausch über diese Botschaft sagte Tilme, die Leiterin der Kindertagesstätte Chaskaya, der Elternschule und der Poliklinik Tirani: „Bei diesem Wort Jesu denke ich an mich. Ich bin als kleines Kind in Tirani aufgewachsen, war verachtet und habe schrecklich viel gelitten. Wenn ich heute ein trauriges, hungerndes, leidendes Kind sehe, sehe ich in ihm die kleine Tilme und tue alles, was mir möglich ist, ihm beizustehen. Das habe ich von Jesus gelernt.”
Alle im Team kannten Tilmes Geschichte und waren betroffen von ihren Worten. Ihre Eltern waren bekannt als Alkoholiker, die oft vor aller Augen die Bergstraße hoch torkelten oder betrunken am Wegrand saßen. Auch ich habe sie noch so gesehen. Eine ihrer Tanten in Tirani hat Tilme großgezogen und zur Schule geschickt. Nach ihrem Schulabschluss konnte sich niemand vorstellen, dass sie es schaffen würde, an die Staatsuniversität zu kommen und Pädagogik zu studieren.

Sie war gerade am Ende ihres Studiums, als unsere Schwester Mercedes im Februar 2007 in die Bergsiedlung Tirani zog, um das Leben der Menschen dort zu teilen. Sie lernte Tilme kennen, die Quetchua sprach, und ihr zunächst als Freiwillige half. Während Mercedes mit den Müttern zu arbeiten begann, die auf ihren kleinen Feldern Blumen anbauten, um sie in der Stadt zu verkaufen, bemerkte sie, dass die Frauen oft ihre Kinder vernachlässigten. Tilme, die den Leuten ja bekannt war, stand Mercedes bei, das Vertrauen der Leute zu gewinnen. Daraufhin stellten die Verantwortlichen der Siedlung ein altes, verlassenes Gebäude für den Dienst zur Verfügung. Bald konnte begonnen werden, Kinder darin aufzunehmen und zu betreuen, während die Mütter auf dem Acker arbeiteten oder zum Verkauf der Blumen in die Stadt hinuntergingen. Schnell kamen immer mehr Kinder und wir beschlossen Tilme anzustellen, zusammen mit Karina, einer jungen Psychologin, da wir mit Mercedes sahen, wie viele Probleme die Kinder mitbrachten, dass in deren Familien häusliche Gewalt, Alkoholismus, Verrohung und materielles Elend herrschte. Gleichzeitig sah das kleine Team, dass sie nicht fertig wurden mit den rund 50 Kindern und beschlossen, junge Mütter gegen ein kleines Entgelt einzuladen, ihnen zu helfen.

Ohne die Hilfe der vielen Freunden der Organisation Cristo Vive hätten wir das nicht bezahlen können. In kurzer Zeit bemerkten wir, dass mehrere dieser Frauen das Zeug hatten, ihre Schulausbildung zu beenden und eventuell sogar eine Kindergärtnerinnenausbildung zu machen. So hatten wir nach einem Jahr sechs Frauen, die halbtags bei uns mitarbeiteten und halbtags ihre Ausbildung in einem uns befreundeten Institut begannen. Zunächst finanziert mit Spenden von Cristo Vive Europa, später von der Organisation Niños de la Tierra.

Indessen half uns das Schweizer „Notnetz Sankt Petrus“ aus Embrach zunächst auf dem Grundstück, das uns die Siedler zugewiesen haben, für unsere Gemeinschaft ein Haus zu bauen, in dem jetzt die Freiwilligen wohnen. Danach entstand das Gemeindezentrum, das gleichzeitig als Kapelle und Gemeindehaus dient.

Im Jahr 2010 begeisterten sich unsere Luxemburger Freunde, uns in Tirani beizustehen und die inzwischen notwendig gewordene Kindertagesstätte Chaskalla zu bauen, sowie die Ausbildung von weiteren Frauen zu finanzieren. Heute sind es im neuen Gebäude 120 Kinder zwischen drei Monaten und fünf Jahren, die liebevoll von den sieben Müttern – inzwischen ausgebildete Kindergärtnerinnen – betreut werden. Vier junge deutsche Freiwillige stehen ihnen bei. Zwei Mütter, ausgebildete Köchinnen, sorgen für ein gutes Essen für alle.

Im alten Gebäude werden indessen um die 60 Schulkinder und Jugendliche begleitet mit Hausaufgabenbetreuung, Spielen und kultureller Förderung. Schwester Mercedes, die den ganzen Aufbauprozess begleitet hat, überraschte uns vor drei Jahren mit dem Vorschlag, Tilme die Verantwortung für diesen Dienst zu übergeben. Nicola Wiebe, die damalige Geschäftsführerin von Fundación Cristo Vive Bolivia, ließ sich darauf ein und wir konnten in diesen Jahren nur über Tilmes Einsatz staunen. Zeugen dieser Leistung sind auch die „Niños de la Tierra“, die nach dem Bau der Kindertagesstätte Chaskalla für fünf Jahre die laufenden Kosten für die Arbeit mit den Kindern, den Eltern und der Poliklinik tragen.
Am Ende unserer Versammlung erzählte uns Tilme an jenem Tag, dass ihre Eltern nach Jahrzehnten wieder zusammenleben und immer weniger trinken würden, nachdem sie gemerkt hätten, welch wichtige Aufgabe ihre Tochter in Tirani habe. Übrigens wurde auch mir bei meinem Besuch eines Abends in der Elternschule gesagt, dass viele Eltern in Tirani weniger Alkohol trinken, seit wir dort arbeiten und ihre Kinder “wacher” geworden sind.

Wie ihr seht, werde ich immer reich beschenkt mit ermutigenden Erfahrungen in Chile, Bolivien und Peru. Aber wie noch nie zuvor fühlen wir uns im Dienst des Reiches Gottes vom Papst Franziskus gestärkt. Der Papst hatte Anfang November rund 200 Vertretern der Volksbewegungen der Armen aus 69 Ländern nach Rom eigeladen und sie mit den Worten ermutigt: 1) Steht auf gegen die Knechtschaft des Geldes (des Kapitals), 2) seid solidarisch, 3) belebt die Demokratie neu, 4) seid nüchtern und bescheiden, flieht der Bestechung.

Wir bleiben als seine Jüngerinnen und Jünger auf Jesu Spuren. Zusammen mit all unseren Mitarbeitern möchte ich euch in dieser Heiligen Nacht viel Liebe und Freude und ein gesegnetes Jahr 2017 wünschen. An der Krippe des göttlichen Kindes begegnen wir uns.