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Einsatz im Flüchtlingslager im Libanon

Wieder bin ich unterwegs – und wieder im Libanon bei den syrischen Flüchtlingen – zur medizinischen Basisversorgung bei den nicht Registrierten in der Beeka-Ebene.

Wegen der in den Nachrichten immer wieder berichteten Situation hier mit Schießereien (v.a. in Tripoli), Autobomben und zuletzt vor wenigen Tagen der Anschlag auf die iranische Botschaft in einem südlichen Viertel von Beirut gab es natürlich viele Fragen und Ängste — aber: die Wahrscheinlichkeit, dass es gerade jetzt einen weiteren Anschlag gibt, ist definitiv nicht groß! Des Weiteren hat unser Team hier eine sehr enge Anbindung an die internationalen Sicherheitsinformationen (mit Alarmierungssystem und Notfall-Evakuierungsplan) und weiterhin sehr vielfältige Kontaktmöglichkeiten (Internet, Handy mehrfache Notnummern, Satellitentelefon).

Land und Mentalität sind mir ja nicht unbekannt. Trotzdem nutze ich die Wartezeit auf dem Flughafen in Istanbul bis zum Weiterflug nach Beirut um mich nochmals eingehend zu informieren: Landesinfo, Projektskizze, Info über das medizinische Team, allgemeine Sicherheitsrichtlinien und speziell für den Libanon, Sicherheitshinweise vom auswärtigen Amt.

In Beirut angekommen (23.20) holt mich ein Taxi ab und bringt mich ins Guesthouse – mitten in Beirut eine Unterkunft, wo alle Teammitglieder „durchlaufen“. Am frühen Vormittag geht’s dann in das Einsatzgebiet – in die Beeka-Ebene nach Zahle. Hier hält sich ein Teil der mittlerweile geschätzten Millionen syrischer Libanonflüchtlinge auf – nahe der Heimat (es sind ca 30 km bis zur syrischen Grenze) und doch sicher. Oft unregistriert – aus Angst, dass Listen in falsche Hände geraten und Angehörige „daheim in Syrien“ zu leiden haben oder es mit dem Leben büßen. Unregistriert – und dadurch aber auch nicht offiziell für Hilfslieferungen vorgemerkt!

Jetzt am ersten Tag – Sonntag – ist keine Behandlung in den Lagern – und wir nutzen die Zeit zu Kennenlernen, zur Sicherheitsunterweisung, zum Check der Medikamente und zur Absprache von Behandlungsmöglichkeiten und medizinischen Möglichkeiten – auch durch Einbeziehung offizieller Stellen, die so langsam für wichtige Erkrankungen Ansprechpartner und Behandlungen zur Verfügung stellen – wenn denn jemand Patienten zu ihnen schickt. Es ist beruhigend, dass die Absprache mit den anderen Teilnehmern hier – Amerikaner mit Doc und Krankenpfleger – völlig problemlos ist.

Soeben kommt eine Sicherheitsmeldung, dass es einen kleinen waffenmässigen Konflikt im Norden gegeben hat. Betrifft uns nicht. Aber es zeigt, dass das System funktioniert.

Und während ich da so sitze, kommen natürlich ein paar Gedanken: Im Nahen Osten, Menschen unterwegs ohne würdige und vernünftige Unterkunft, gerade noch geduldet aber bestimmt nicht willkommen, eher irgendwo noch hingeschoben! – so oder ähnlich hab ich das doch schon mal – immer wieder – gehört, es passt in die kommenden Wochen: nicht als Erzählung, Geschichte, Bericht, sondern Real Live!

Einen Gruß an alle
Gerhard Gradl