Kategorie-Archiv: Hilfe

Eindrücke von meinem Aufenthalt in Deutschland

Zunächst möchte ich mich vorstellen: Ich heiße Pamela Tripailaf Lefio del Carmen, ich bin 34 Jahre alt und als Lehrerin mit dem Hauptfach Interkulturelle Bildung im Mapuche-Kontext tätig. Zurzeit lebe ich in der Stadt Temuco, Südchile. Ich bin verheiratet und habe zwei Kindern, ein Junge (Lienan, 9) und ein Mädchen (Liqenray, 5 Jahre), beide Mapuche-Namen sind eine Anspielung auf das Sonnenlicht.

Geboren wurde ich in der Mapuche-Gemeinde Trumpulo Chico, wo meine Eltern noch heute leben. Bis zum Alter von zehn Jahren wuchs ich in der Obhut meiner Großmutter auf. Als sie starb, kehrte ich zu meinen Eltern und meinen vier Brüdern zurück.

Ich hatte eine sehr schwierige Kindheit, zuerst wegen des Todes meiner Großmutter, die mich nach den Prinzipien und Werte der Mapuche erzogen hat. Danach kam die Krankheit meiner Mutter, was dazu führte, das ich nicht regelmäßige den Unterricht in der Grundschule besuchen konnte.

Nun, trotz all dieser Schwierigkeiten und zusätzlichen wirtschaftlichen Probleme, auch der gelegentlichen Gewalt in der Familie, habe ich es dankt meiner Großmutter geschafft, in der Stadt zu studieren. Zu Lebzeiten hatte sie – ohne meine Familie in Kenntnis zu setzten – ein Ehepaar in der Stadt beauftragt, mich anzunehmen und mir den Besuch der Sekundarschule zu ermöglichen. Glücklicherweise nahmen sie die Anfrage meiner Großmutter ernst und holten mich an einem Sommertag auf dem Land ab, damit ich in der Stadt zur Schule gehen konnte.

Ab diesem Tag konnte mich nichts und niemand aufhalten. Ich hatte viele Schwierigkeiten zu überwinden, und dabei dachte ich immer an die Lehre meiner Großmutter, dass man trotz allem, Hoffnung haben soll: „Wir müssen weitermachen.“ Zudem haben mir Menschen von der katholischen Kirche geholfen.

So habe ich die Sekundarschule abgeschlossen und konnte dann an einem Ausbildungsprogramm für Mapuche-Lehrer der Katholischen Universität von Temuco teilnehmen. Und so kam ich in die St. Vincent-Schule, wo ich derzeit als Lehrerin tätig bin. Bei dieser Arbeit geht es um die Vermittlung und Wiederbelebung der Mapuche-Sprache sowie um Einbeziehung von Wissen und Know-how der Mapuche-Kultur.

In diesem Zusammenhang berührte es mich, Schüler zu begegnen, die mich an meiner Situation, vor allem in meiner Kindheit, erinnern. Sie wollten studieren, konnte aber nicht, auf der einen Seite, wegen der wirtschaftlichen Situation und zum anderen, weil die Eltern weder Motivation noch Interesse hatten, ihre Kinder auf die Sekundarschule in der Stadt zu schicken. Außerdem bot die Schule nicht den geeigneten Raum, um die Schüler zum Weiterlernen zu motivieren, was mich dazu brachte, mehr außerhalb des Klassenzimmers aktiv zu werden. Ich besuchte freiwillig die Familien, um den Kindern bei ihren Schulaufgaben zu unterstützen. So wandte ich mich an Pater Fernando Diaz, der damit begann, Hilfe zu organisieren. Heute können wir einen kleinen Zuschuss für die Transportkosten der Schüler anbieten.

Diese Slideshow erfordert aktiviertes JavaScript.

Reise nach Deutschland

Als ich die Einladung von Adveniat für eine Reise nach Deutschland erhielt, war ich ein wenig beunruhigt, weil ich nicht wusste, was mich erwarten würde. Außerdem beschäftigte mich sehr  die Trennung von meiner Familie. Dennoch war es sehr wichtig, zunächst, um neue Orte kennen zu lernen und auch über meine Berufserfahrung in Mapuche-Gemeinden zu erzählen.

Aber vom ersten Moment an, als ich am Flughafen empfangen wurde, fühlte ich die Wertschätzung und die Liebe vor allem der Adveniat-Mitarbeiter. Was mich als erstes beeindruckt hat, war die Schönheit der Stadt, nicht so sehr der Häuser und Gebäude, sondern so viele Bäume und Parks in der Stadt zu sehen.

Später bei den Schulbesuchen bemerkte ich die Disziplin der Kinder, wie sie ihre Hände hoben und warteten, bis sie zum Sprechen an der Reihe waren, und das Interesse, das sie zeigten, mehr über die Mapuche-Kultur und ihr Land kennen zu lernen. Ich konnte Kinder sehen, die frei sind, ohne Angst zu sprechen. Auf der anderen Seite schätze ich die entgegengebrachte Liebe und das Interesse der Schüler: Einige blieben am Ende der Klasse, um noch etwas zu fragen oder einfach um mich zu bitten, meinen Namen auf ein Papier zu schreiben.

Bei den Besuchen in den Pfarreien fühlte ich mich gut aufgenommen von den Priestern und anderen Menschen, die zu meinen Vorträgen kamen. Ich war überrascht, dass einige bereits etwas über meine Kultur wussten, und ich habe keinen Zweifel daran, dass sie nach meinem Aufenthalt noch etwas mehr wissen.

Abschließend, möchte ich mich bei Adveniat für die Einladung bedanken, vor allem meiner Dolmetscherin Stefanie Hoppe, die mir bei all diesen neuen Erfahrungen in diesem fernen Land viel Sicherheit und Vertrauen vermittelte, vor allem als Lebenserfahrung und berufliche Entwicklung. Im Gegensatz zu meiner Vorstellung, die Deutsche seien distanzierte Menschen, habe ich viel Nähe, Herzlichkeit und sehr einladende Atmosphäre erfahren.

Danken möchte ich auch den Bischöfen, Priestern und Verantwortlichen der Gemeinden, die uns bei den endlosen Gesprächen begleiteten. Vielen Dank für die Einladungen, das Vertrauen und die Aufnahme.

Ich danke auch der Diözese Eichstätt für die Einladung, über meine Erfahrungen in Deutschland zu schreiben.

Ich bin zurück in meinem Land mit großen Hoffnungen und Herausforderungen in der Bildung von Mapuche- und Nicht-Mapuche-Kindern. Die Reise bedeutete eine Stärkung meiner Arbeit in der Schule vor allem mit den Mapuche-Gemeinden. Sie bestärkte mich in meiner Überzeugung, dass es notwendig und möglich ist, weiterzumachen in einem Bildungsprojekt, vor allem mit Kindern und Jugendlichen, um aus unserer Situation der Benachteiligung herauszukommen, um ausgehend von der Ausbildung unsere Identität als Mapuche aufrechtzuhalten und zu entfalten. Und das in einem schwierigen Kontext wie es die dominierende Gesellschaft und die Globalisierungsprozesse darstellen.

Übersetzung aus dem Spanischen: Geraldo Hoffmann

Mehr zum Thema: „Menschen der Erde“ – eine Mapuche in Eichstätt

Regen, heißer Tee und eine 24-Jährige mit fünf Kindern

Wie angenehm war doch die erste Woche für uns – jetzt beim Anziehen bereits lange Unterwäsche, doppelte Oberbekleidung, Regensachen, Handschuhe – und wirklich feste schlammaushaltende Schuhe. Im Camp angekommen, warten wir noch in unserem Transporter. Der Fahrer ist mit dicker Mütze und Kapuze in den Regen rausgegangen und versucht den Chef des Lagers zu erreichen, um zu klären, in welches Zelt oder in welchen Unterstand wir gehen können, um die Menschen zu behandeln. Es ist nicht so einfach die Familie zu finden, die ihre Unterkunft zur Verfügung stellt – denn schließlich kommen alle Patienten und bringen Dreck, Kälte und Nässe mit herein. Ja es gibt sogar Lager, die angeblich keinen Behandlungsbedarf haben – wir glauben, die Bedingungen schrecken mehr ab, als die Aussicht auf medizinische Versorgung.

In den allermeisten Fällen werden wir aber doch gerne eingeladen und so steigen wir aus dem Wagen hinaus in den Regen und stehen in irgendwelchen Pfützen oder tiefem Schlamm. Wir bilden eine Kette zum Ausladen. Nicht alle müssen gleich von Anfang an den ganzen Dreck auf den teppichbefreiten Boden mit hineinbringen – die, die draußen ausladen im Regen, haben aber das Pech, durchnässt zu werden. Sie sind dann während der Behandlung die ersten, denen es kalt wird, denn irgendwo zieht es immer rein. Nur in den seltenen Fällen heizt ein Ofen die Unterkunft. Oft – aber nicht immer – wird uns ein wohltuender heißer Tee oder Kaffee angeboten. Während der Behandlung wird es immer wieder dunkel durch den nächsten auf die Planen prasselnden Regenschauer, oft vermischt mit dem Grollen des Donners, der über die Bekaa-Ebene hinweg ziehenden Gewitter.

Da der Strom immer wieder ausfällt, bleibt nur die Behandlung unter dem Licht der Stirnlampen. Wir versuchen so gut wir können, die oft durchnässten Patienten mit ihren zunehmenden Infekten zu versorgen. Wenn für uns schon die Situation unangenehm ist, wie sehr müssen diese Menschen darunter leiden, die oft nicht genügend Schutz gegen die Kälte haben. So wie der Zweijährige, der wie seine Geschwister keine Strümpfe hat und von seiner barfüßigen Mutter gebracht wird. Und in den nächsten Tagen und Wochen soll es kälter werden und sogar Schnee geben!!

Dagegen ist die Unannehmlichkeit, am Abend mit ca. 1Kg schweren Schuhen in der Unterkunft anzukommen und nach dem Ausladen das Treppenhaus vom Schlamm unserer Spuren zu reinigen eigentlich nur eine Kleinigkeit.

Zu manchen Zeitpunkten schießen die Behandlungszahlen sprunghaft in die Höhe: Viele Familien sind sehr kinderreich und alle wollen versorgt sein.

Und wir lernen dabei die unterschiedlichen Kulturen kennen: Eine 24-jährige kommt mit ihren fünf Kindern. Sie werden behandelt und am Ende will sie für die anderen sieben Kinder der Familie auch noch Medikamente mitnehmen, was uns aufgrund des Alters der Mutter stutzig macht. Zufällig bemerken wir, dass diese gerade mit deren Mutter, der zweiten Frau des Mannes, an unserer anderen Behandlungsstelle versorgt wird – arabischer Familiensinn im guten Einvernehmen der Beteiligten??

Der letzte Tag ist angebrochen. Es wird noch einmal in ein Camp hinausgehen. Es wird keinen Regen geben, aber noch hängen dicke Wolkenfetzen an den Gebirgshängen bei ansonsten klarem Wetter. Was werde ich heute noch sehen und behandeln? Was werde ich den Familien und Kindern noch mitgeben können, bevor ich dann wieder zurück in die Behaglichkeit komme – auch wenn da gerade ein Sturm tobt und Schnee alles zu behindern scheint.

Die Adventszeit wird mich dann sicher an das hier ebenfalls weihnachtlich geschmückte christliche Zahle erinnern – und an die Bekaa-Ebene mit den Flüchtlingscamps, die ab nächster Woche einen Wetterumschwung mit Schneestürmen und frostigen Temperaturen erwarten …

Ein Flüchtlingscamp wurde angezündet

Gestern Abend noch die großen von der Sonne beschienenen und vom heftigen Wind getriebenen Wolken und das Rot auf den Bergen des Libanons – jetzt im klaren Morgenblau die sich abzeichnenden Berge des Antilibanons mit der darauf verlaufenden syrischen Grenze – und der Dunst in der unten liegenden Bekaa-Ebene, vermischt mit den Rauchschwaden der brennenden Müllhalden, teilweise direkt in die auch hier liegenden Lager ziehend. (Allein schon mit diesen Bildern ist der große Zwiespalt hier im Land für mich fühl- und sichtbar).

Es geht wieder zu diesen Lagern am Rande der Strassen, neben den Feldern – befestigt auf Betonplatten oder auch nur einfach auf der blanken festgestampften Erde aufgerichtet. Dann bei Regen und Schnee die Wege natürlich entsprechend tief im Schlamm versinkend – für die Fahrzeuge nur noch schwer erreichbar.

Da ist es dann auch kein Wunder, dass wir nicht nur einmal Kinder sehen, die von Ratten in Finger und Nase gebissen wurden. Oder dass eine junge Frau kommt mit unregelmäßigen frischen blutigen Striemen im Gesicht. Wir alle (auch die syrischen Helfer) zweifeln an ihrer Version, dass dies Zeichen der Trauer sind, weil sie sich wegen dem Tod eines nahen Angehörigen mit Sand und Erde im Gesicht gerieben hat. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sie vom eigenen Mann(?) geschlagen wurde – weil es auch auf Grund der ganzen Umstände immer wieder zu Konflikten in den Familien kommt. Aber sie kommt nicht deswegen zur Behandlung zu uns und will auch nichts weiter darüber sagen – und so haben wir keine Möglichkeit, hierfür irgendwelche Hilfe anzubieten, obwohl es auch für solche Vorkommnisse spezielle Angebote und Anlaufstellen gibt.

Neben der medizinischen Versorgung der Menschen in den Camps fallen auch immer wieder andere Arbeiten an. Wie z.B. die Gutschein/Voucher für den Brennstoff der verteilten Öfen in den Zelten durchnummerieren und den entsprechenden Zelten mit ihren Besitzern anhand der Listen zuordnen. Die Verteilung von sogenannten Nonfood-Items (Decken, Öfen mit Ofenrohren und Grundplatte, Mützen, Handschuhe, …) ist für das Überleben genauso wichtig und unsere Koordinatoren müssen dafür auch verdammt viel Zeit aufbringen. Und natürlich hilft jeder so gut er kann mit.

So auch beim Umzug unseres Quartiers oben auf den Hügeln über Zachle näher in die Stadt hinein. Der ist schon seit langem geplant – viele Fahrten werden dadurch kürzer oder unnötig, weil man die Dinge mit einem Fußweg erledigen kann – und die Wohnung hatte keine Heizung, was für die vorherigen Teams z.T. ein richtiges Problem wurde, wenn der scharfe Wind von unten heraufzog und die nach Norden ausgerichtete Wohnung weiter auskühlte. Also alles verpacken: Medikamente, Planungs- und Bürounterlagen, persönliche Ausrüstung und natürlich einige Schränke und Betten – und in die neue weitgehend möblierte Wohnung aufbrechen!

Sechs Fahrten mit unseren vollbeladenen Jeep und Van durch die Stadt sind notwendig, hindurch durch das arabische Verkehrsgewirr, in dem man mit der Zeit einfach mitschwimmt und sich als Fahrer ganz natürlich anpasst. Nach stundenlanger Putz- und Tragearbeit sind wir am späten Nachmittag froh und auch ein bisschen stolz darauf, alles so gut geschafft zu haben und schon fast fertig eingerichtet wieder startbereit für den nächsten Einsatz zu sein. Den Abend in der Stadt und am nächsten Tag einen „day off“ (Alternative wäre Restumzug gewesen) genießen wir – auch indem wir ein nahe gelegenes altes Omajadenschloss anschauen.

Aber wir werden sehr bald in die Realität zurückgeholt. Das Internet – unsere Nabelschnur nach draußen – funktioniert nicht und der Empfänger muss erst neu programmiert werden. Dann fällt der Strom immer wieder aus bis schließlich der Verteiler ganz defekt ist und wir „ohne Saft“ sind – hoffentlich kommt die Reparatur zeitnah – was das hier auch immer bedeuten mag??!! Und schließlich gibt uns die Sicherheitsmeldung am Abend zu denken: Ein Flüchtlingscamp nicht gar zu weit im Norden wurde angezündet – warum und weswegen wissen wir nicht, möglicherweise eine wilde Ansiedlung an unerwünschter Stelle oder Diebstahl von irgendwas – keine Ahnung – aber daraufhin wurde ein libanesischer Junge entführt. Weiteres wissen wir nicht, aber die Nachricht hat das Potential, dass sich was Grundsätzliches zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Flüchtlingen anbahnen könnte. Wir werden morgen früh auf jeden Fall genaue Erkundigungen von UN und anderen sicherheitsrelevanten Stellen einholen, bevor wir in unsere Camps aufbrechen.

Bei der Lagebesprechung in der Frühe gibt es keine weitere Unruhemeldung und wir entschließen uns, den Tag ganz normal wie geplant anzugehen – allerdings mit vermehrter Achtsamkeit auf Dinge, die sich so um uns herum ergeben. Die folgenden Sicherheitsmeldungen empfehlen dann auch nur die Einstellung der Aktivitäten in den direkt betroffenen Gebieten – wir sind also nicht tangiert – es ist vielmehr ein Tag, an dem wir so viele Patienten wie noch nie behandeln, v.a. sehr viele Kinder, denen anzusehen ist, dass sich die Verhältnisse in denen sie leben (müssen) sehr an den Grenzen bewegen.

„Menschen der Erde“ – eine Mapuche in Eichstätt*

Die 42 Stunden in denen die 34-jährige chilenische Lehrerin Pamela del Carmen Tripailaf Lefio in Eichstätt war, sind gerade rum. Die Arbeit am Schreibtisch hat schon wieder das Kommando übernommen und die Eindrücke der intensiven Begegnung beginnen in den Hintergrund zu rücken.

Am Bahnhof war das vorhin noch ganz anders: Der Besuch in der Pfarrei Reichertshofen, die Unterrichtsstunden am Eichstätter Willibald-Gymnasium, der Austausch über den fairen Handel im Eichstätter Weltladen, die ungewöhnlich niederschwellige Kontaktaufnahme mit Studenten der Katholischen Universität beim „Lebendigen Adventskalender“ und natürlich der Vortrag in der Katholischen Hochschulgemeinde waren noch so präsent, dass wir beide erleben konnten, was es heißt, der Globalisierung ein menschliches Antlitz zu geben. Natürlich auch dank der Unterstützung von der Adveniat-Mitarbeiterin Steffi Hoppe, die uns die sprachlichen Barrieren überbrücken half.

Klar kann ich nicht alles ändern in Chile, speziell die kulturelle Identität des Mapuche-Volkes (zu dem rund eine Million der 17,4 Millionen Chilenen gehören) zu stärken fällt mir da ein, aber auch die Sorge wegen der Privatisierung des Grundwassers. Und Pamela kann auch nur wenig gegen das rückläufige Interesse an der Kirche hier unternehmen. Wir beide hatten jedoch das Gefühl, dass durch die Adveniat-Aktion uns beiden geholfen wird. Pamela bekommt Unterstützung, um ihren Weg weiter zu gehen und wir haben erleben dürfen, dass man noch Menschen erreichen kann. Immerhin über 100 Personen haben ihr in diesen Stunden zugehört und sind in den Dialog mit ihr gekommen.

Beeindruckt haben mich speziell die Schüler des Willibald-Gymnasiums, weil sie wirklich über Entwicklung und unsere Rolle nachgedacht haben. Ein Fazit: Das missionarische Wirken der Kirche wird zum einen noch von unseren Missionaren, aber zunehmend auch von den Einheimischen selbst getragen.

*In der Sprache der Mapuche, dem Mapudungun, die Pamela spricht, bedeutet Mapu Erde und Che so viel wie Mensch. Die Mapuche nennen sich selbst, wie viele andere Indianervölker, „Menschen der Erde“.

El Salvador – Zwischen Glaube und Gewalt

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten … oder so ähnlich. Bereits jetzt beginnt eine kleine Gruppe von Journalisten, die Adveniat Jahresaktion 2014 vorzubereiten. Erstes Ziel der Reise ist El Salvador.

Das kleine Land in Mittelamerika hat viel zu bieten. Nach drei sehr intensiven Tagen mit den Partnern von Adveniat, die gefüllt waren mit den unterschiedlichsten Impressionen, ist schnell klar, man trifft immer wieder auf zwei Themen: Glaube und Gewalt. Sowohl in der Vergangenheit als auch heute. 1980 wurde der damalige Erzbischof Oscar Romero während der Messe erschossen, heute wartet das Land auf den Seligsprechungsprozess.
Heute kämpfen in den kleinen Gemeinden verfeindete Jugendbanden, sogenannte „Maras“ erbarmungslos gegeneinander. Die Kirche will mit verschiedenen Programmen die jungen Menschen davon abhalten, sich den Banden anzuschließen. Vergibt Stipendien für Schulen und Universitäten, um den Jugendlichen eine Alternative zu geben. Nach der Messe am Donnerstag verteilt der Weihbischof gemeinsam mit Schwestern Kaffee und Brot an Bedürftige.

Fast auf jedem Bus, der durch die überfüllten Straßen von San Salvador rattert, liest man „Jesus Christus unser Herr“ oder „Vertraue auf Gott“. Gleichzeitig patrouillieren Soldaten oder Polizisten mit Messern, Schlagstöcken und Maschinengewehren in den Straßen, vor Restaurants oder sogar vor Krankenhäusern.

pfarrei-san-francisco
Begegnung bei Kaffee und Brot in der Pfarrei San Francisco

Wenn man tagsüber durch die Stadt fährt, wirkt sie wie irgendeine Stadt in Mittelamerika: alte Busse, die ihre Abgase in die Luft schleudern, Straßenhändler, die Chips verkaufen, riesige Werbetafeln. Doch sicher ist in San Salvador eigentlich niemand. Eine Frau aus der Pfarrei erzählt mir, wer nach 21 Uhr nicht mehr unbedingt raus muss, bleibt zu Hause. Und dass merkt man: Sobald es dunkel wird, ist die Stadt erschreckend leer. Schwestern der Pfarrei San Francisco wurden auch am Tag schon überfallen. Eine hatte ein Messer an der Seite, eine andere eine Pistole am Hals.

In der Pfarrei treffe ich immer wieder junge Menschen, die ihre Zukunft in der Kirche sehen. Jungs, die mit 15 Jahren schon den Wunsch haben, Priester zu werden. Mädchen, die mit 18 Jahren bereits im Noviziat sind. Aber auch andere, die Lehrer oder Psychologe werden wollen. Junge Menschen, die trotz der harten Realität, die sie umgibt, tief im Glauben verwurzelt sind.