Archiv der Kategorie: Gemeinschaft

Zu Gast bei den Goralen

Ziemlich müde nach der Übernachtung auf dem Campus Misericordiae mit Abschlussmesse des Weltjugendtages waren wir alle froh, als wir spät abends die Pension „Vier Jahreszeiten“ in der Nähe von Zakopane erreichten. Kaum waren die Zimmer bezogen und das Abendessen verputzt, kehrte schon Ruhe ein.

Das Frühstück am nächsten Tag wurde für die erschöpften Pilger zum Glück erst um 10 Uhr abgehalten, dennoch fand sich aber ein kleiner motivierter Trupp, der noch vor dem ersten Frühstück schon mal die alte Holzkirche besichtigte. Gestärkt bestiegen wir den Bus und feierten in der Pfarrkirche der Hl. Familie in Zakopane Gottesdienst. Danach inspizierten wir zuerst mal den schönen Ort in den Bergen, wo wir untergekommen waren. Dazu fuhren wir mit der Zahnradbahn Gubalowka zu einem Aussichtspunkt, wo wir das Panorama der Tatra bewundern wollten, aber der Nebel verdeckte leider diesen Teil des Karpartenbogens. Wir genossen dennoch diese Fahrt und schlenderten anschließend noch über den kleinen traditionellen Markt am Fuße des Berges und probierten den ein oder anderen geräuchterten Schafskäse.

Nachdem wir so erste Eindrücke von unserer neuen Heimat für die kommende Woche gesammelt hatten, verließen wir sie am nächsten Tag schon wieder für einen Tagesausflug, um Wadowice, den Geburtstort von Papst Johannes Paul II, und das KZ Auschwitz zu besichtigen. In Wadowice besuchten wir das Museum zu Johannes Paul II, wo man sogar seine original eingerichtete Wohnung betreten konnte. Dieser Besuch brachte uns dem Erfinder der Weltjugentage ein Stück näher und fasziniert von dieser Persönlichkeit genossen wir noch das italienische Flair von Wadowice.

Der nächste Programmpunkt – das KZ Auschwitz – stand dazu in hartem Kontrast. Aufgrund der vielen WJT-Pilger konnten wir nur die Außenanlagen besichtigen, aber das genügte schon, um die Verzweiflung, Kälte und Trostlosigkeit des Ortes zu spüren. Der Hungerbunker, wo der hl. Pater Maximilian Kolbe sein Leben ließ, erinnerte uns aber daran, dass selbst in dunklen Zeiten Gott bei uns ist. Anschließend hielten wir noch eine Andacht im Zentrum für Gebet und Frieden ab, wo wir unsere Eindrücke verarbeiten konnten.

Der nächste Tag sollte uns dann nicht mehr so erschüttern, denn wir besuchten die Salzgrube in Wieliczka. Wir bewältigten insgesamt über 800 Treppenstufen und kamen so 130 Meter unter die Erde. Man könnte sich fragen, wozu die ganze Anstrengung, aber wir wurden mit einer wunderschönen Führung belohnt und waren richtig beeindruckt von der riesigen Kapelle mit Kronleuchtern, tollen Skulpturen und Heiligen-Bildern eingemeißelt in die Wände – natürlich alles aus Salz! Auch dort unten begegnete uns Johannes Paul II, denn selbst er hatte diesen beeindruckenden Ort schon mehrmals besucht.

Am Abend stimmten wir uns mit einer Kutschenfahrt und Lagerfeuer noch mehr in die Bergstimmung von Zakopane ein, mit der es am Donnerstag weiterging. Wir fuhren mit einer Kabinenbahn auf den Hausberg Kasprowy Wierch von Zakopane. Dort oben wanderten wir eine Stunde herum, und bestaunten das Bergmassiv der Tatra, die ganz anders als die Alpen anmutet. Daraufhin hieß es Freizeit in Zakopane.

Wir freuen uns nun auf den bayrisch-polnischen Abend und die morgige Floßfahrt mit Abschluss in den modernen Thermen in Chocholow. Diese Woche intensivierte mit täglichen Gottesdiensten und Andachten unsere Pilgerreise zum Weltjugendtag und wir erlebten das Gastgeberland Polen von seiner gemütlichen Seite abseits der Metropole Krakau. Wir sind uns alle einig, wir wollen nach Zakopane zurückkehren!

„Die Polen sind sehr gastfreundlich“

Laura Brandes aus der Pfarrei Wettstetten nimmt an den Weltjugendtag in Polen teil. Wie alle Teilnehmer aus den Bistümern Eichstätt und Bamberg wohnt sie in einer Gastfamilie in der Pfarrei Bibice. Mit Laura (im Bild spielt sie Querflöte) sprach Anita Hirschbeck für den Blog „weitblick“.

weitblick: Am Mittwoch hat in Bibice ein Festival für die deutschen Gäste stattgefunden. Was war da geboten?

Laura: Die Leute aus Bibice haben sich sehr viel Mühe gemacht. Es waren mehrere Jugendgruppen auf der Bühne. Eine ganz junge Sängerin hat das Festival eröffnet. Die Hymne vom jetzigen und vom letzten Weltjugendtag in Polen wurden gespielt. Unsere Gruppen haben auch spontan einen Überraschungsbeitrag geleistet: Wir haben die Frankenhymne und die Bayernhymne gesungen. Die Stimmung war grandios.

Habt ihr denn viel Kontakt mit Einheimischen?

Während des Festivals haben wir zum Beispiel mit einem Mädchen aus dem Dorf gesprochen. Sie heißt Claudia, hat in einer Tanzgruppe mitgemacht und war sehr engagiert. Und wir haben Kontakt zu den freiwilligen Helfern aus Bibice. Die Jugendlichen haben viel mitgesungen und da hat man sich schon ein bisschen ausgetauscht. Ich schätze, mit Claudia werden wir auch weiterhin in Kontakt bleiben.

Wie nimmst du die Polen wahr?

Ich finde, sie sind super gastfreundlich. Wir haben eine sehr tolle Gastfamilie. Mittlerweile wurde uns sogar der Hausschlüssel anvertraut. Als wir gestern spät abends heimkamen, standen da noch Kuchen und Kekse. Sie machen sich sehr viel Mühe und man kommt sehr leicht mit ihnen ins Gespräch.

Und sind die Polen so katholisch wie ihr Ruf?

Bei unserer Gastfamilie würde ich das nicht vermuten. In der Wohnung hängt nirgendwo ein Kreuz. Aber die Jugendlichen, die sich in Bibice als Freiwillige engagieren, sind schon sehr begeistert von der Kirche. Trotzdem: Als so erzkatholisch, wie man es manchmal hört, würde ich sie nicht beschreiben.

Am Donnerstag haben der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke und Vertreter aus Bibice einen Baum gepflanzt – als Zeichen der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen. Spielt das Thema Zweiter Weltkrieg in eurer Generation überhaupt noch eine Rolle? Sprichst du darüber mit Polen in deinem Alter?

In meinem Alter eher nicht. Aber meine Nachbarn zu Hause sind Polen. Sie kommen aus Schlesien und haben deshalb eine besondere Geschichte. Unser ehemaliger Pfarrer war auch Pole. Von dieser Generation bekommt man das Thema schon eher mit. Auch dass die Freundschaft mittlerweile sehr eng geworden ist. Deswegen finde ich es eine sehr schöne Geste, dass wir einen Baum gepflanzt haben. Damit man sich daran erinnert, dass die Freundschaft nicht immer so tief war.

Der Weltjugendtag läuft noch bis 31. Juli. Worauf freust du dich besonders?

Ich freue mich vor allem auf die Stimmung, die entsteht, wenn so viele Nationen zusammenkommen. Schon die Eröffnungsmesse war voller Freude. Viele Leute sind danach noch durch die Straßen gezogen. Ich freue mich auf viel Austausch und gemeinsames Gottesdienstfeiern.

Das Interview als Audio

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Gebet in der Klostergemeinschaft

Vor einigen Wochen war das Glockenseil hier in der Kirche der Benediktinerabtei von Tabgha (am See Genezareth in Israel) abgerissen, so dass wir selbst die Zeit zum Gebet herausfinden mussten. Umso mehr freut es mich, wenn das Glöckchen wieder fünfmal am Tag zum Gebet ruft. Das mag von außen viel erscheinen. Ich erlebe es als einen wohlklingenden Ton, der dem Tag seine Struktur gibt und der Arbeit dazwischen ihren Wert. Das gleichmäßige Miteinander-vor-Gott-treten macht deutlich, dass hier ein Ort ist, an dem man Gott dient und vor seinem Angesicht lebt.

An die 150 Psalmen, jahrtausendealter Gebetsschatz, die hier in zwei Wochen alle gebetet werden, muss ich mich gewöhnen. In meinen Ohren klingen sie stark alttestamentlich. Mit der Zeit finde ich mich in vielen angesprochenen Lebenslagen wieder und finde nur Teile der Texte sehr befremdlich, besonders wenn man bedenkt, dass wir hier von radikalen Fundamentalisten aller Religionen umgeben sind.

Ich habe das Gefühl, dass man kein besserer Mensch wird, weil man viel betet, aber ich schätze mich glücklich, an einem Ort sein zu dürfen, an dem wir miteinander versuchen, Gott auf dieser Erde einen kleinen Anteil der Ehre zu geben, die ihm gebührt und gleichzeitig einen Beitrag für Frieden in dieser Region zu leisten.

Gebet gibt der Freundschaft, die Gott uns von sich aus anbietet, eine Antwort. Die Freundschaft zu Gott miteinander zu gestalten in allen Tagesformen, die man so durchlebt, ist ein Geschenk, das in der Form nur in Gemeinschaft möglich ist. Sie ersetzt nicht die ganz persönliche Beziehung zu Gott, die jeder für sich selber pflegen muss. Die Hinwendung zu Gott im Gebet ist wie das Einatmen, die Arbeit und Begegnung mit unseren Nächsten ist wie das Ausatmen.

Die Farben der Seele

In schöner kalligraphischer Handschrift las ich den Satz: „Mit der Zeit prägen deine Gedanken die Farben deiner Seele.“ Ein Satz, den man in Stille auf sich wirken lassen kann. Stille, Einsamkeit und eine nicht sehr ausgeprägte Kommunikationskultur bringen viele Gedanken hervor, die man nicht abstellen kann.

Als ich vor 16 Jahren das erste Mal der damals einzige Gast im Karmel in Wemding war und totale Stille vorfand, merkte ich, wie laut es in einem selbst sein kann, dass das Leben lautstark ohne Worte weiter pulsiert, bis man langsam leerer wird. Dieses Leererwerden hatte aber auch mit den täglichen Gesprächen mit der Mutter Oberin zu tun.

Hier nun, nach fast zwei Jahren mit viel Zeit in Abgeschiedenheit und einer stillen meditativen Arbeit in der Benediktinerabtei Tabgha, nimmt die Stille andere Züge an. Zum einen schätze ich die Zweisamkeit mit Gott und das “Bei sich selbst zu Hause sein“ mit Blick auf den See Genezareth sehr. Es ist so schön, dass ich es selbst nicht fassen kann. Zeit, in der sich ein bisschen Himmel in der Seele widerspiegelt. Desgleichen auch, wenn wir in einer Lesestunde die Spur Gottes in unserem Leben suchen, das Wort Gottes teilen oder in Gesprächen von Herz zu Herz reden.

Aber es gibt auch banale Anlässe, die andere Gedanken auslösen: Zuneigungen und Abneigungen, Rechtfertigungen, Fragen, Zukunftsängste. Wenn niemand zum klärenden Gespräch in Aussicht ist, bekommen die Gedanken ein Eigenleben und ziehen einen mit Kraft weg von sich selbst und von anderen. Schatten legen sich auf die Seele, die in den Augen zu lesen sind. Das ist natürlich und die Wege sind verschieden, wie man damit umgeht. Wenn es im Psalm heißt: „Herr, stelle eine Wache an meinen Mund …“, so können wir auch beten: Herr, stelle eine Wache an das Tor meiner Seele, dass ich dem Ankläger der Brüder und meiner selbst in den Gedanken nicht Raum gebe, denn Du bist Licht, Liebe und Weisheit und wohnst im Innersten meiner Seele.

Auf die Farben meiner Seele muss ich selbst achtgeben. Die Worte der Bergpredigt: „Richtet nicht und urteilt nicht“ sind ein gutes Hilfsmittel für eine helle Farbgebung. Aber auch das Miteinanderreden ist unabdingbar für ein glaubwürdiges Miteinander.

Bild: Blick vom Berg Arbel durchs  Taubental auf den See Genezareth. Foto: Andrea Krebs

Von Bienen Solidarität lernen

Bienen sind wichtige Insekten in der Natur und im Leben der Menschen. Sie werden seit jeher von Menschen geschätzt als Honigproduzenten, als Bestäuber der Kulturpflanzen und auch als Erzeuger von Heilmitteln wie Propolis. So lange es Menschen gibt und sie Honig essen, beschäftigen sie sich mit Bienen. Besonders faszinierend dabei ist, dass Bienen – vergleichbar mit Menschen – in Völkern, den Bienenvölkern, leben. Diese werden jeweils nur von einer einzigen Anführerin, der Königin, regiert.

Auch meine Familie in der Ukraine hat, seit ich denken kann, ein paar Bienenhäuser mit mehreren Bienenfamilien. Es war für uns Kinder immer spannend, den Opa in besonderer Kleiderausrüstung zu beobachten, wie er sich um seine Bienen kümmerte. Im Sommer suchte er immer wieder nach einer zweiten Bienenkönigin in einem Volk, um zu verhindern, dass die Hälfte der Bienen von diesem Volk sich selbstständig macht und wegfliegt. Sehr interessant war es für uns zu beobachten, wie der Großvater seine Bienen für den Winter fütterte, wie er Honig schleuderte und wie wir als erste von den Waben voller Honig eine Probe nehmen durften, aber auch wie er trauerte, wenn irgendeines der Völker von einer Krankheit befallen worden war. Nicht nur einmal wurde ich von Bienen gestochen: Es tat zwar weh, aber auf den Honig wollte ich deswegen trotzdem nicht verzichten.

Die biblischen Bücher des Alten Testamentes nehmen unterschiedlich akzentuierten Bezug auf Bienen. Wenn es beispielsweise um die feindlich gesinnten Eroberer ging, so wurden sie mit gereizten Bienen und deren Angriffs- und Stechlust verglichen (Dtn 1,44, Jes 7,18-20, Ps 118,12). Unübersehbar und geradezu sprichwörtlich ist der Fleiß und die Nützlichkeit dieser kleinen Tiere: „Klein unter den geflügelten Tieren ist die Biene, und doch bringt sie den besten Ertrag ein“ (Sir 11,3). Ein Mahnwort an die Faulenzer, das zugleich als Lob der kleinen, jedoch fleißigen Biene erscheint: „Gehe zur Biene, und lerne, wie arbeitsam sie ist, sie macht ihre Arbeit wie eine ehrenhafte, deren Erzeugnisse Könige und Privatleute zur Gesundheit verwenden, willkommen ist sie für alle und erwartet; auch wenn sie in der Kraft schwach ist, weil sie die Weisheit achtet, hat sie es so weit gebracht. Wie lange, Fauler, bleibst du liegen?“ (Spr 6,8f., LXX).

Unsere christliche Überlieferung hat das Positive aus den Bienengleichnissen übernommen und so haben Bienen bei uns einen eher positiven Ruf. Besonders vorbildlich war der Fleiß der Bienen in den geistlichen Unterweisungen der Mönchsväter. Die Bienen galten ihnen als vernünftige und kluge Geschöpfe in der Tierwelt, weil sie ein geordnetes gemeinschaftliches Leben führen, eine Aufgabeverteilung innerhalb ihres Bienenvolkes kennen und weil sie nach einem bestimmten Plan ihre Waben bilden. Gerade deshalb erkannten manche alte Denker darin ein Vorbild für den idealen Staat und der heilige Ambrosius von Mailand (+397) verglich die Kirche mit einem Bienenkorb.

Bienen-Solidarität: Foto: Oleksandr Petrynko
Bienen-Solidarität: Foto: Oleksandr Petrynko

Alles, was ich persönlich von den Bienen wusste und nun hier beschrieben habe, war nur eine schöne Theorie, bis ich Anfang Oktober 2015 in meinem Urlaub in Georgien das Bienenleben nochmal ganz bewusst erlebt habe. Die Fotos von diesem Erlebnis habe ich in einer alten Höhlenstadt Vardzia in Westgeorgien, nahe der Grenze zur Türkei gemacht. In einer Pause kaufte ich mir eine Waldmeisterlimonade (auf dem Foto grün im Glas, auf einem roten Tisch serviert). Sehr schnell und plötzlich waren mehrere Bienen und Wespen da. Eine der Bienen landete direkt in der Limonade und tat mir leid, als sie darin mehrere Kreisbewegungen machte. Sie schaffte dann doch herauszukommen, zwar nur langsam, aber letztlich kletterte sie bis an den oberen Rand des Glases. Und hier ist das Faszinierende passiert: Plötzlich setze sich eine der herumfliegenden Bienen auf den gleichen Rand hinter die nasse „süße“ Artgenossin und begann die verunglückte Biene abzusaugen, bis sie wieder fliegen konnte. Ich war für eine Weile außer mir vor Staunen. Denn nicht die Limonade auf der Freundin-Biene zog sie an, denn im Glas war ja viel mehr davon, sondern die Freundin selbst, die in Not geraten war. Da die Aktion relativ langsam verlief, konnte ich mit meinem Handy mehrere Bilder machen, die ich gerne mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, teilen möchte. Die Bilder zeigen Ihnen ein paar georgische Bienen, die nach wissenschaftlichen Untersuchungen den längsten Rüssel unter den Bienennationen auf der Erde haben, ihre georgische Heimat Vardzia und vor allem ein Beispiel ihres sozialen Verhaltens und ihrer Solidarität untereinander. Dies ist etwas, was die Menschen und gerade wir Christen von Bienen lernen können.

Eichstätt summt | Grußwort von Schirmherr Christoph Wölfle, Regens des Priesterseminars Eichstätt