Kategorie-Archiv: Gemeinschaft

Worauf es im Leben ankommt

Meine Ankunft in Musoma, Tansania, war überwältigend – so viele Eindrücke auf einmal. Als die Kinder des Jipe Moyo Centers die Landung meines Flugzeugs sahen, rannten sie anscheinend zum Flughafen. Dementsprechend wurde ich auch begrüßt: von allen Seiten Umarmungen und “Karibu“ ’s („Willkommen“ in Suaheli). Das Leben sprüht hier im Jipe Moyo Center förmlich. Lachen und Tanzen scheint eine der Lieblingsbeschäftigungen zu sein, sobald die Kinder erst einmal richtig im Center angekommen sind.

Die Kinder Lachen und Tanzen gerne. Foto: Olivia Ermel

Ich bin nun seit drei Wochen im Jipe Moyo Center und habe das Gefühl, dass ich hier sehe, worauf es im Leben wirklich ankommt. Das Jipe Moyo Center ist ein Zufluchtsort für schutzbedürftige Kinder, die vor der Genitalverstümmelung, Vergewaltigung oder Obdachlosigkeit flüchten. Hier können sie sich in Sicherheit wissen, es wird ihnen keine Gewalt angetan und sie bekommen zu Essen und zu Trinken. Außerdem wird ihnen ermöglicht, in die Schule zu gehen und sie bekommen medizinische Versorgung. Ebenso wichtig ist für die Kinder die Gemeinschaft, das Miteinander und zusammen Lachen. Man kann wirklich von einer Familie sprechen, in der sich die Kinder respektiert und geborgen fühlen können. Es ist schön zu sehen, wie herzlich und freundlich hier miteinander umgegangen wird und wie viel Spaß die 54 Mädchen und 10 Jungen an einfachen Dingen wie Singen, Tanzen und Zusammensein haben können.

Freude über entwickelte Fotos von den Kindern. Foto: Olivia Ermel

Leider ist das Center abhängig von Spenden, sodass der Ausbau des Hauses der Mädels und die Renovierung des Schlafplatzes der Jungs noch nicht ermöglicht werden kann. Die Betten der Mädchen stehen sehr eng beieinander, so dass eine große Ansteckungsgefahr bei Krankheit vorliegt. Die Jungen duschen aktuell noch hinter dem Haus. Zudem essen die Kinder draußen, weshalb der Wunsch eines Essens- und Aufenthaltsraumes besteht.

Schlafzimmer der Mädchen. Foto: Olivia Ermel

Die Anschaffung eines Fahrzeuges, mit dem gleichzeitig mehrere Kinder zum Arzt gebracht werden können, steht auch auf der To-Do-List. Ebenso wird hier gehofft, dass man das Geld aufbringen kann, um Kinder, die ihre Eltern verloren haben, im Fernsehen oder Radio zu erwähnen. Bevor dies alles erreicht werden kann, müssen jedoch immer die Kosten für Nahrung, Wasser, Schulbildung und Gesundheit gedeckt werden. Dies hat selbstverständlich Priorität.

Benediktineroblatin in Tabgha

In der Rückschau auf die zwei Jahre in der benediktinischen Gemeinschaft von Tabgha und Jerusalem, wurde mir der Wert der monastischen Lebensstruktur besonders bewusst und veranlasste mich, nach guter Vorbereitung von Pater Jonas Trageser, dem Oblatenrrektor, mich dieser Gemeinschaft als Benediktineroblatin anzuschließen. Jedes Kloster mit Oblateninstitut kann Frauen und Männer – Kleriker und Laien – als Oblaten und Oblatinnen aufnehmen in einer zum Kloster passenden Größenordnung.

In der Taufe ist jeder Christ zur Nachfolge des Herrn und zum Leben nach dem Evangelium aufgerufen. Dazu geben die Meister des geistlichen Lebens besondere Weisungen. So hat der Heilige Benedikt im 6. Jahrhundert auf dem Monte Cassino die Regel als „Schule für den Dienst des Herrn“ eingerichtet. Von ihrem Geist lasse ich mich schon länger leiten, weil sie auch im Familienalltag wertvoll ist.

Grundzüge benediktinischer Lebensgestaltung sind: Gebet, geistliche Lesung, Arbeit, Gastfreundschaft und Friede. Das Leben versteht sich als eine Begegnung mit Jesus Christus in unterschiedlicher Ausprägung.

Oblation

Andrea Krebs (Mitte) bei ihrer Oblation in Tabgha. Foto: privat
Andrea Krebs (Mitte) bei ihrer Oblation in Tabgha. Foto: privat

Am 21. Mai feierte ich in Tabgha am See Genezareth im Sonntagsgottesdienst am See meine Oblation im Kreise unserer Mönche, Mitoblaten, Gäste und Pilger. Die Oblation ist das vor Gott abgegebene und von der Kirche angenommene Versprechen, sich in Verbindung mit einem bestimmten Kloster GOTT darzubringen. Dieses handschriftliche Versprechen liest man vor allen vor, es wurde vom Prior-Administrator Pater Nikodemus Schnabel entgegengenommen und unter die Altardecke gelegt, auf der die Gaben von Brot und Wein gewandelt wurden in Leib und Blut Christi. Ein schönes Zeichen, finde ich. Unser ganzes Leben ist Wandlung und und Gabe.

In der würdigen Eucharistiefeier haben die anderen 7 anwesenden Oblatinnen und Oblaten ihr Versprechen erneuert und wir hatten neben den Pilgergruppen aus Köln liebenswerte Gäste in unserer Mitte , besonders ein befreundetes Ehepaar aus Haifa: Günther und Judith mit Freunden und meine liebe Freundin, Sr. Marie Madeleine Wagner aus dem Benediktinerkloster von Abu Gosh. Der ganze Tag war wirklich ein Festtag, mit gutem Essen, benediktinischen Gastfreundschaft und vielfältigen Begegnungen. Ich musste selbst gar nichts dafür tun, was sehr ungewohnt ist als Mutter! Ein Ausflug am Nachmittag ließ uns von einem herrlichen Plateau aus den See Genezareth, der die Form einer Harfe hat, im gleißenden Sonnenlicht bestaunen.

Was bedeutet es für mich Oblatin der Abtei Dormitio Beatae Mariae Virginis mit dem Priorat Tabgha zu sein?

Es soll mir eine Hilfe sein, beständig Gott zu suchen, indem ich das monastische Stundengebet so gut es im Alltag möglich ist, in mein Leben integriere und die „lectio divina“, den regelmäßigen meditativen Umgang mit dem Wort Gottes pflege. Ich lebe nicht viel anders als zuvor, weiß mich aber durch dieses Engagement in offizieller Weise mit der Gemeinschaft verbunden. Wir gehen einen gemeinsamen geistlichen in verschiedener Ausprägung. So hat es der heilige Benedikt in seiner Regel vor 1500 Jahren bereits vorgesehen: Die Mönche und Nonnen leben die Regel in Stabilitas vor Ort und Oblaten im gleichen Geist angebunden an ein Kloster in der Welt. So trägt man sich gegenseitig, was ich besonders beim überraschenden Tod meines Sohnes erleben durfte.

Ich bin glücklich über diesen Schritt und habe noch viel Zeit im Austausch mit den anderen Oblaten und in Anbindung an das Kloster mit den sympathischen Mönchen, den Reichtum auszuschöpfen, der darin liegt.

Zusammenfassend habe ich entschiedener Jesus Christus gewählt als meinen Weg, meine Wahrheit und mein Leben und lebe monastisch verortet als das, was ich bin: Mutter, Oma, Witwe, Lehrerin, Freundin, Schwester, Nachbarin und Begleiterin.

Gelebter Glaube in Tansania

Jeder Sonntagmorgen stellt hier in Tansania mit dem Besuch der Kirche etwas ganz Besonderes dar. So stellen sich alle Kinder des Jipe Moyo Centers um 9 Uhr schick gekleidet zum Gehen bereit am Tor auf und strahlen bereits die Vorfreude auf den Gottesdienst aus. Die Mädchen ziehen eigens genähte Röcke und Schmuck an, die Jungen glänzen mit Anzugschuhen. Alle Kinder zeigen ihre Zusammengehörigkeit durch das Tragen der Jipe Moyo T-Shirts und zelebrieren den Gang in die Kirche, der als große Gemeinschaft eine Besonderheit im Alltag darstellt.

Mit wie viel Gesang und Tanz der Gottesdienst hier gestaltet wird, hat mich von Anfang an beeindruckt. So wird man von der Begeisterung für den Glauben mitgerissen und kann sich der Energie und der Freude, die von den Stimmen des Chors ausgehen, welche die ganze Kirche mit Leichtigkeit füllen, nicht entziehen. Jedes Lied wird mit Rasseln und Trommeln rhythmisch begleitet und mit Bewegung verbunden. Meine Faszination für den tansanischen Gesang lebe ich inzwischen als Mitglied des Chors Mtakatifu Yosefu aus. So wird mein Bemühen im Alt der Sauti ya Pili auf Kiswahili mein Bestes zu geben mit Begeisterung aufgenommen. Gottesdienste werden hier gefeiert und sind mit ehrlicher Freude, statt mit Pflichtgefühl verbunden. Die Kirche ist zentrale Anlaufstelle für alle Mitglieder der Gemeinde und bildet sowohl Ort des Gebets als auch des Zusammenkommens. Alle Generationen treffen sich hier, tauschen sich aus und bilden eine Gemeinschaft. Der Gang in die Messe und das Kultivieren des Glaubens ist den Menschen sehr wichtig und spielt auch im Leben der Jipe Moyo Kinder eine tragende Rolle. So hat sich auch meine Beziehung zum Glauben durch meine Zeit in Tansania verändert.

Glaube erfüllt bei Jipe Moyo den Sinn, alle zusammenzubringen und legt das Fundament für eine starke Gemeinschaft. Das gemeinsame Beten bildet ein wichtiges Ritual im Alltag des Centers, bei dem täglich alle Kinder zusammenkommen. Dabei werden alle Mädchen und Jungen miteinbezogen und niemand fühlt sich ausgegrenzt. Auf diese Weise stärken wir das Gruppengefühl und finden einen Weg, auch neue Kinder schnell in die Gemeinschaft zu integrieren. Im Gebet haben die Kinder die Möglichkeit, ihren Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sich zu öffnen und sich frei mitzuteilen. Beim abendlichen Beten reflektieren wir alle gemeinsam über den vergangenen Tag und versichern uns der gegenseitigen Unterstützung für die Zukunft. So fühlen sie sich verstanden, können Sorgen, die sie bedrücken, loswerden und stehen einander bei. Das Vertrauen in die Liebe Gottes wirkt sich auch auf das Zusammenleben bei Jipe Moyo aus und unterstützt den Heilungsprozess, sowie das Rückgewinnen der eigenen Würde und die Stärkung des Selbstwertgefühls. Glaube bildet eine starke Verbindung zwischen allen Kindern und schenkt ihnen neue Hoffnung.

Diese Auffassung vom christlichen Glauben wird von den Immaculate Heart Sisters of Africa, die das Jipe Moyo Center leiten, vertreten und täglich vorgelebt. Sie schenken den Kindern ein Zuhause sowie neue Hoffnung und eine Zukunftsperspektive. So nehmen die Mädchen und Jungen bei Jipe Moyo Kirche als etwas Schönes wahr und verbinden es mit Geborgenheit und Zuneigung. Auch für mich war diese positive Energie im Jipe Moyo Convent der Sisters, in dem ich seit fünf Monaten lebe, sofort spürbar. Ich bin froh und dankbar von Beginn an als Teil der Gemeinschaft aufgenommen worden zu sein und auf beeindruckende Weise zu erleben, wie Glaube aktiv gestaltet und die christliche Lehre in tätiger Nächstenliebe gelebt werden kann.

Hilfe von Ordensschwerstern

Die Gemeinschaft der Immaculate Heart Sisters of Africa strahlt Akzeptanz und Offenheit aus. Die Sisters zeigen immer Interesse an ihren Mitmenschen und suchen die Verbindung zu ihnen. So haben sie in jeder Situation ein offenes Ohr und vermitteln Verständnis und das Gefühl, nicht allein zu sein. Egal zu welcher Zeit oder an welchem Ort nehmen sie sich Zeit für die Geschichten und Sorgen der Leute und versuchen ihnen eine helfende Hand zu sein. Sie begrüßen einander offen und schließen Freundschaft mit ihrem Umfeld. Durch diese offen gelebte Nächstenliebe, die von ihrem Engagement ausgeht, begegnet man ihnen überall mit offener Zuneigung und großem Respekt.

Die Immaculate Heart Sisters sind im selbstlosen Dienst für ihre Mitmenschen auf vielfältige Weise tätig und bemühen sich um ein friedvolleres Zusammenleben. So setzen sie sich vor allem für Bedürftige ein und bilden besonders in ländlichen Gegenden oft die einzige Anlaufstelle und Unterstützung. In der Diözese Musoma, in der auch Jipe Moyo für Menschenrechte und den Schutz von Kindern und Frauen kämpft, unterhalten sie zahlreiche weitere Projekte. Mit der Kitenga Secondary School ermöglichen sie Mädchen den Zugang zu Bildung und die freie Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Neben der Förderung von Mädchen und Frauen vermitteln die Sisters mit der Baraki Krankenstation medizinisches Grundwissen und retten Leben in einer Gegend, in der die Menschen unter der fehlenden medizinischen Versorgung leiden. Außerdem haben die Immaculate Heart Sisters of Africa das St. Justin Heim für Kinder mit Behinderungen gegründet, mit dem sie gegen deren Ausgrenzung vorgehen und ihnen die spezielle Hilfe, die sie brauchen, geben.

In ihrem Engagement vermitteln die Sisters immer die Einladung, den Glauben mitzufeiern und ihn so zu leben wie sie. Die Gemeinschaft wirkt jederzeit offen und heißt alle Menschen willkommen. Im Dezember letzten Jahres fanden mehrere Feierlichkeiten statt bei denen auch ich zu Gast sein durfte. Alle wurden wie selbstverständlich aufgenommen und die Freude über jeden, der mitfeierte, war intensiv zu spüren. Es war beeindruckend, den lebendigen Glauben von dem so viel Energie ausgeht, in der Gemeinschaft mit anderen zu erleben.

Video: Hilfe für Kinder in Not: Besuch im Zentrum Jipe Moyo in Tansania

„Gott braucht keine Kelche aus Gold“: Frühlingsgrüße aus Chile

„Willst du den Leib Christi ehren? Erlaube nicht, dass er in seinen Gliedern verachtet wird, das heißt in den Armen, denen die Kleidung fehlt, um sich zu bedecken. Ehre ihn nicht hier in der Kirche mit Seidentüchern, während du ihn draußen bei Seite lässt und er an Kälte und Nacktheit leidet. Jener, der gesagt hat: ‚Das ist mein Leib‘ und diese Tatsache mit dem Wort bestätigt hat, der sagte auch: ‚Ihr habt mich hungrig gesehen und mir nicht zu essen gegeben‘ und auch ‚was ihr jeweils nicht an diesen Kleinen getan habt, habt ihr nicht an mir getan‘ (Mt.25. 42-45). Der Leib Christi auf dem Altar braucht keine Tücher, sondern reine Seelen, während der, der draußen ist, viel Aufmerksamkeit braucht. Lernen wir, so zu denken und Christus zu ehren, wie Er es will. In der Tat, die Ehre, die am meisten dem entspricht, den wir verehren wollen, ist die, die er selbst möchte, nicht die wir denken. Auch Petrus glaubte, dass er ihn ehren würde, als er verhindern wollte, dass er ihm die Füße wasche. Das war keine Ehre, sondern eine wirkliche Unhöflichkeit. Ehre du ihn ebenso, wie er befohlen hat. Sieh zu, dass die Armen von deinem Reichtum genießen. Gott braucht keine Kelche aus Gold, sondern Seelen aus Gold.“ (Johannes Chrysostomus aus Antiochien, Kirchenvater, 2. Patriarch von Konstantinopel, Jahr 344-407).

Noch immer bin ich sehr bewegt von diesem Text, den unser Papst Franziskus zitiert und der uns Christen einlädt, bewusst den Leib Christi, den Leib Gottes zu berühren, wenn wir einen Armen anfassen.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie Deutschland heute „von außen“ gesehen wird. Deutschland, als Teil des christlichen Abendlandes, hat die Welt überrascht mit der Entscheidung der Frau Angela Merkel, die vielen Flüchtlinge an den Grenzen aufzunehmen. Das war eine Entscheidung, die in die Geschichte Europas eingehen wird. Ich weiß, dass dieser Entschluss ein unvorstellbares Wagnis ist und einen noch nicht abzuschätzenden Preis kosten wird. Dennoch möchte ich alle Deutschen einladen zu diesem Opfer für die Menschheit.

Ich bin Teil eines nach der Kapitulation 1945 verachteten Volkes, das es geschafft hat, ein zerstörtes Deutschland zusammen mit 11 Millionen deutschen heimatlosen Flüchtlingen unter unbeschreiblichen Opfern wieder aufzubauen. Kaum aus den Trümmern, haben unsere Kirchen 1958 und 1959 die großen Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt gegen Hunger und Krankheit in der Welt und für eine menschenwürdige Entwicklung der benachteiligten Völker gegründet. Und dann haben wir auch die Wiedervereinigung geschafft.

Wovor sollen wir heute Angst haben? Vor den Mitbürgern der AfD? Wenn die Zahlen stimmen, dann gibt es mehr als 70.000 Freiwillige, die sich für die Flüchtlinge in verschiedenster Weise einsetzen: Sie erfüllen Jesu Wort „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“. Aber am meisten würde ich mir natürlich wünschen, dass wir einer großen Zahl von Flüchtlingen beistehen, dass sie mit Würde zurückkehren können, um ihre Heimat wieder aufzubauen, sobald der Krieg dort zu Ende ist.

Unsere lieben Freunde, hier in Chile hängen schon wieder üppig kleine Aprikosen an den Bäumen, wie ihr auf dem obigen Foto sehen könnt. Dabei denke ich an alle, die uns unterstützt haben, tausende dieser Bäume zu pflanzen…

Sr. Karoline Mayer im Gespräch mit Daniela Schadt. Foto: Fundacion Cristo Vive
Sr. Karoline Mayer im Gespräch mit Daniela Schadt. Foto: Fundacion Cristo Vive

Während unsere Dienste auf Hochtouren laufen, hatten wir hier in den vergangenen Monaten mehrmals hohen Besuch, der die Herzen unserer Mitarbeiter und der Leute im Armenviertel erfreut hat. Mitte Juli war Frau Daniela Schadt, Lebensgefährtin unseres Bundespräsidenten, mit ihrer Delegation bei uns im Gesundheitszentrum und in der Krankenpflegeschule. Sie hat uns alle überrascht, wie viel sie von uns wusste. So ging sie auch gleich mit Fragen auf die Krankenpflegeschüler/-Innen zu: Warum sie diesen Beruf gewählt haben und was diese Ausbildung für sie bedeutet? Erstaunt hörten wir eine unserer Schülerinnen, die mit der Schulleiterin viele Konflikte gehabt hatte, sagen, dass sie nie ihre Ausbildung hätte bezahlen können, sich aber für den Krankendienst berufen gefühlt habe. Nun wolle sie mit den erlernten geistigen Werten des Dienens und der Liebe in den öffentlichen Krankendienst gehen, wo diese Werte fehlen, um diesen Dienst zu verändern. Ende des letzten Jahres konnten wir Garrelt Duin, den Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, und seine Delegation bei uns begrüßen und nun werden wir Unterstützung in Form von Lehrmitteln für die Berufsschulen bekommen.

Angehende Krankenschwestern in der Krankenpflegeschule. Foto: Fundacion Cristo Vive
Angehende Krankenschwestern in der Krankenpflegeschule. Foto: Fundacion Cristo Vive

Vor 14 Tagen hatten wir die Freude, dass uns der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier mit seiner Delegation von 50 Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft besucht hat. Die ganze Mannschaft ging vom Gesundheitszentrum zu Fuß durch die Siedlung zur Kindertagesstätte Naciente, wo sie von Kindern und Eltern erwartet wurde. Schwester Maruja erhielt eine Spende überreicht.

Von dort aus ging es in unser Berufsbildungszentrum. Da bat Nelson, ein Schüler überraschend, dass er uns und dem Besuch etwas sagen dürfe. Mit wenigen Worten beschrieb er sein bisher hartes, trauriges Leben, wahrscheinlich ähnlich dem Leben seiner Mitschüler, wie er bemerkte, bis er Aufnahme in unserer Schule fand. Zum ersten Mal in seinem Leben fühle er sich angenommen und respektiert. Jetzt könne er sich auf ein neues, gutes Leben vorbereiten und dafür wolle er danken. Wir waren alle sehr berührt. Der Ministerpräsident sprach zu uns ermutigende Worte und wir dankten ihm und seiner Delegation für den Besuch bei uns in der Welt der Armen, die sich geehrt fühlen und sich über die Solidarität freuen. […]

Auszug aus dem Frühlingsbrief – Santiago zum Frühlingsanfang in Chile, 2016

Zu Gast bei den Goralen

Ziemlich müde nach der Übernachtung auf dem Campus Misericordiae mit Abschlussmesse des Weltjugendtages waren wir alle froh, als wir spät abends die Pension „Vier Jahreszeiten“ in der Nähe von Zakopane erreichten. Kaum waren die Zimmer bezogen und das Abendessen verputzt, kehrte schon Ruhe ein.

Das Frühstück am nächsten Tag wurde für die erschöpften Pilger zum Glück erst um 10 Uhr abgehalten, dennoch fand sich aber ein kleiner motivierter Trupp, der noch vor dem ersten Frühstück schon mal die alte Holzkirche besichtigte. Gestärkt bestiegen wir den Bus und feierten in der Pfarrkirche der Hl. Familie in Zakopane Gottesdienst. Danach inspizierten wir zuerst mal den schönen Ort in den Bergen, wo wir untergekommen waren. Dazu fuhren wir mit der Zahnradbahn Gubalowka zu einem Aussichtspunkt, wo wir das Panorama der Tatra bewundern wollten, aber der Nebel verdeckte leider diesen Teil des Karpartenbogens. Wir genossen dennoch diese Fahrt und schlenderten anschließend noch über den kleinen traditionellen Markt am Fuße des Berges und probierten den ein oder anderen geräuchterten Schafskäse.

Nachdem wir so erste Eindrücke von unserer neuen Heimat für die kommende Woche gesammelt hatten, verließen wir sie am nächsten Tag schon wieder für einen Tagesausflug, um Wadowice, den Geburtstort von Papst Johannes Paul II, und das KZ Auschwitz zu besichtigen. In Wadowice besuchten wir das Museum zu Johannes Paul II, wo man sogar seine original eingerichtete Wohnung betreten konnte. Dieser Besuch brachte uns dem Erfinder der Weltjugentage ein Stück näher und fasziniert von dieser Persönlichkeit genossen wir noch das italienische Flair von Wadowice.

Der nächste Programmpunkt – das KZ Auschwitz – stand dazu in hartem Kontrast. Aufgrund der vielen WJT-Pilger konnten wir nur die Außenanlagen besichtigen, aber das genügte schon, um die Verzweiflung, Kälte und Trostlosigkeit des Ortes zu spüren. Der Hungerbunker, wo der hl. Pater Maximilian Kolbe sein Leben ließ, erinnerte uns aber daran, dass selbst in dunklen Zeiten Gott bei uns ist. Anschließend hielten wir noch eine Andacht im Zentrum für Gebet und Frieden ab, wo wir unsere Eindrücke verarbeiten konnten.

Der nächste Tag sollte uns dann nicht mehr so erschüttern, denn wir besuchten die Salzgrube in Wieliczka. Wir bewältigten insgesamt über 800 Treppenstufen und kamen so 130 Meter unter die Erde. Man könnte sich fragen, wozu die ganze Anstrengung, aber wir wurden mit einer wunderschönen Führung belohnt und waren richtig beeindruckt von der riesigen Kapelle mit Kronleuchtern, tollen Skulpturen und Heiligen-Bildern eingemeißelt in die Wände – natürlich alles aus Salz! Auch dort unten begegnete uns Johannes Paul II, denn selbst er hatte diesen beeindruckenden Ort schon mehrmals besucht.

Am Abend stimmten wir uns mit einer Kutschenfahrt und Lagerfeuer noch mehr in die Bergstimmung von Zakopane ein, mit der es am Donnerstag weiterging. Wir fuhren mit einer Kabinenbahn auf den Hausberg Kasprowy Wierch von Zakopane. Dort oben wanderten wir eine Stunde herum, und bestaunten das Bergmassiv der Tatra, die ganz anders als die Alpen anmutet. Daraufhin hieß es Freizeit in Zakopane.

Wir freuen uns nun auf den bayrisch-polnischen Abend und die morgige Floßfahrt mit Abschluss in den modernen Thermen in Chocholow. Diese Woche intensivierte mit täglichen Gottesdiensten und Andachten unsere Pilgerreise zum Weltjugendtag und wir erlebten das Gastgeberland Polen von seiner gemütlichen Seite abseits der Metropole Krakau. Wir sind uns alle einig, wir wollen nach Zakopane zurückkehren!