Kategorie-Archiv: Gemeinschaft

„Gott braucht keine Kelche aus Gold“: Frühlingsgrüße aus Chile

„Willst du den Leib Christi ehren? Erlaube nicht, dass er in seinen Gliedern verachtet wird, das heißt in den Armen, denen die Kleidung fehlt, um sich zu bedecken. Ehre ihn nicht hier in der Kirche mit Seidentüchern, während du ihn draußen bei Seite lässt und er an Kälte und Nacktheit leidet. Jener, der gesagt hat: ‚Das ist mein Leib‘ und diese Tatsache mit dem Wort bestätigt hat, der sagte auch: ‚Ihr habt mich hungrig gesehen und mir nicht zu essen gegeben‘ und auch ‚was ihr jeweils nicht an diesen Kleinen getan habt, habt ihr nicht an mir getan‘ (Mt.25. 42-45). Der Leib Christi auf dem Altar braucht keine Tücher, sondern reine Seelen, während der, der draußen ist, viel Aufmerksamkeit braucht. Lernen wir, so zu denken und Christus zu ehren, wie Er es will. In der Tat, die Ehre, die am meisten dem entspricht, den wir verehren wollen, ist die, die er selbst möchte, nicht die wir denken. Auch Petrus glaubte, dass er ihn ehren würde, als er verhindern wollte, dass er ihm die Füße wasche. Das war keine Ehre, sondern eine wirkliche Unhöflichkeit. Ehre du ihn ebenso, wie er befohlen hat. Sieh zu, dass die Armen von deinem Reichtum genießen. Gott braucht keine Kelche aus Gold, sondern Seelen aus Gold.“ (Johannes Chrysostomus aus Antiochien, Kirchenvater, 2. Patriarch von Konstantinopel, Jahr 344-407).

Noch immer bin ich sehr bewegt von diesem Text, den unser Papst Franziskus zitiert und der uns Christen einlädt, bewusst den Leib Christi, den Leib Gottes zu berühren, wenn wir einen Armen anfassen.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie Deutschland heute „von außen“ gesehen wird. Deutschland, als Teil des christlichen Abendlandes, hat die Welt überrascht mit der Entscheidung der Frau Angela Merkel, die vielen Flüchtlinge an den Grenzen aufzunehmen. Das war eine Entscheidung, die in die Geschichte Europas eingehen wird. Ich weiß, dass dieser Entschluss ein unvorstellbares Wagnis ist und einen noch nicht abzuschätzenden Preis kosten wird. Dennoch möchte ich alle Deutschen einladen zu diesem Opfer für die Menschheit.

Ich bin Teil eines nach der Kapitulation 1945 verachteten Volkes, das es geschafft hat, ein zerstörtes Deutschland zusammen mit 11 Millionen deutschen heimatlosen Flüchtlingen unter unbeschreiblichen Opfern wieder aufzubauen. Kaum aus den Trümmern, haben unsere Kirchen 1958 und 1959 die großen Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt gegen Hunger und Krankheit in der Welt und für eine menschenwürdige Entwicklung der benachteiligten Völker gegründet. Und dann haben wir auch die Wiedervereinigung geschafft.

Wovor sollen wir heute Angst haben? Vor den Mitbürgern der AfD? Wenn die Zahlen stimmen, dann gibt es mehr als 70.000 Freiwillige, die sich für die Flüchtlinge in verschiedenster Weise einsetzen: Sie erfüllen Jesu Wort „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“. Aber am meisten würde ich mir natürlich wünschen, dass wir einer großen Zahl von Flüchtlingen beistehen, dass sie mit Würde zurückkehren können, um ihre Heimat wieder aufzubauen, sobald der Krieg dort zu Ende ist.

Unsere lieben Freunde, hier in Chile hängen schon wieder üppig kleine Aprikosen an den Bäumen, wie ihr auf dem obigen Foto sehen könnt. Dabei denke ich an alle, die uns unterstützt haben, tausende dieser Bäume zu pflanzen…

Sr. Karoline Mayer im Gespräch mit Daniela Schadt. Foto: Fundacion Cristo Vive
Sr. Karoline Mayer im Gespräch mit Daniela Schadt. Foto: Fundacion Cristo Vive

Während unsere Dienste auf Hochtouren laufen, hatten wir hier in den vergangenen Monaten mehrmals hohen Besuch, der die Herzen unserer Mitarbeiter und der Leute im Armenviertel erfreut hat. Mitte Juli war Frau Daniela Schadt, Lebensgefährtin unseres Bundespräsidenten, mit ihrer Delegation bei uns im Gesundheitszentrum und in der Krankenpflegeschule. Sie hat uns alle überrascht, wie viel sie von uns wusste. So ging sie auch gleich mit Fragen auf die Krankenpflegeschüler/-Innen zu: Warum sie diesen Beruf gewählt haben und was diese Ausbildung für sie bedeutet? Erstaunt hörten wir eine unserer Schülerinnen, die mit der Schulleiterin viele Konflikte gehabt hatte, sagen, dass sie nie ihre Ausbildung hätte bezahlen können, sich aber für den Krankendienst berufen gefühlt habe. Nun wolle sie mit den erlernten geistigen Werten des Dienens und der Liebe in den öffentlichen Krankendienst gehen, wo diese Werte fehlen, um diesen Dienst zu verändern. Ende des letzten Jahres konnten wir Garrelt Duin, den Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, und seine Delegation bei uns begrüßen und nun werden wir Unterstützung in Form von Lehrmitteln für die Berufsschulen bekommen.

Angehende Krankenschwestern in der Krankenpflegeschule. Foto: Fundacion Cristo Vive
Angehende Krankenschwestern in der Krankenpflegeschule. Foto: Fundacion Cristo Vive

Vor 14 Tagen hatten wir die Freude, dass uns der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier mit seiner Delegation von 50 Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft besucht hat. Die ganze Mannschaft ging vom Gesundheitszentrum zu Fuß durch die Siedlung zur Kindertagesstätte Naciente, wo sie von Kindern und Eltern erwartet wurde. Schwester Maruja erhielt eine Spende überreicht.

Von dort aus ging es in unser Berufsbildungszentrum. Da bat Nelson, ein Schüler überraschend, dass er uns und dem Besuch etwas sagen dürfe. Mit wenigen Worten beschrieb er sein bisher hartes, trauriges Leben, wahrscheinlich ähnlich dem Leben seiner Mitschüler, wie er bemerkte, bis er Aufnahme in unserer Schule fand. Zum ersten Mal in seinem Leben fühle er sich angenommen und respektiert. Jetzt könne er sich auf ein neues, gutes Leben vorbereiten und dafür wolle er danken. Wir waren alle sehr berührt. Der Ministerpräsident sprach zu uns ermutigende Worte und wir dankten ihm und seiner Delegation für den Besuch bei uns in der Welt der Armen, die sich geehrt fühlen und sich über die Solidarität freuen. […]

Auszug aus dem Frühlingsbrief – Santiago zum Frühlingsanfang in Chile, 2016

Zu Gast bei den Goralen

Ziemlich müde nach der Übernachtung auf dem Campus Misericordiae mit Abschlussmesse des Weltjugendtages waren wir alle froh, als wir spät abends die Pension „Vier Jahreszeiten“ in der Nähe von Zakopane erreichten. Kaum waren die Zimmer bezogen und das Abendessen verputzt, kehrte schon Ruhe ein.

Das Frühstück am nächsten Tag wurde für die erschöpften Pilger zum Glück erst um 10 Uhr abgehalten, dennoch fand sich aber ein kleiner motivierter Trupp, der noch vor dem ersten Frühstück schon mal die alte Holzkirche besichtigte. Gestärkt bestiegen wir den Bus und feierten in der Pfarrkirche der Hl. Familie in Zakopane Gottesdienst. Danach inspizierten wir zuerst mal den schönen Ort in den Bergen, wo wir untergekommen waren. Dazu fuhren wir mit der Zahnradbahn Gubalowka zu einem Aussichtspunkt, wo wir das Panorama der Tatra bewundern wollten, aber der Nebel verdeckte leider diesen Teil des Karpartenbogens. Wir genossen dennoch diese Fahrt und schlenderten anschließend noch über den kleinen traditionellen Markt am Fuße des Berges und probierten den ein oder anderen geräuchterten Schafskäse.

Nachdem wir so erste Eindrücke von unserer neuen Heimat für die kommende Woche gesammelt hatten, verließen wir sie am nächsten Tag schon wieder für einen Tagesausflug, um Wadowice, den Geburtstort von Papst Johannes Paul II, und das KZ Auschwitz zu besichtigen. In Wadowice besuchten wir das Museum zu Johannes Paul II, wo man sogar seine original eingerichtete Wohnung betreten konnte. Dieser Besuch brachte uns dem Erfinder der Weltjugentage ein Stück näher und fasziniert von dieser Persönlichkeit genossen wir noch das italienische Flair von Wadowice.

Der nächste Programmpunkt – das KZ Auschwitz – stand dazu in hartem Kontrast. Aufgrund der vielen WJT-Pilger konnten wir nur die Außenanlagen besichtigen, aber das genügte schon, um die Verzweiflung, Kälte und Trostlosigkeit des Ortes zu spüren. Der Hungerbunker, wo der hl. Pater Maximilian Kolbe sein Leben ließ, erinnerte uns aber daran, dass selbst in dunklen Zeiten Gott bei uns ist. Anschließend hielten wir noch eine Andacht im Zentrum für Gebet und Frieden ab, wo wir unsere Eindrücke verarbeiten konnten.

Der nächste Tag sollte uns dann nicht mehr so erschüttern, denn wir besuchten die Salzgrube in Wieliczka. Wir bewältigten insgesamt über 800 Treppenstufen und kamen so 130 Meter unter die Erde. Man könnte sich fragen, wozu die ganze Anstrengung, aber wir wurden mit einer wunderschönen Führung belohnt und waren richtig beeindruckt von der riesigen Kapelle mit Kronleuchtern, tollen Skulpturen und Heiligen-Bildern eingemeißelt in die Wände – natürlich alles aus Salz! Auch dort unten begegnete uns Johannes Paul II, denn selbst er hatte diesen beeindruckenden Ort schon mehrmals besucht.

Am Abend stimmten wir uns mit einer Kutschenfahrt und Lagerfeuer noch mehr in die Bergstimmung von Zakopane ein, mit der es am Donnerstag weiterging. Wir fuhren mit einer Kabinenbahn auf den Hausberg Kasprowy Wierch von Zakopane. Dort oben wanderten wir eine Stunde herum, und bestaunten das Bergmassiv der Tatra, die ganz anders als die Alpen anmutet. Daraufhin hieß es Freizeit in Zakopane.

Wir freuen uns nun auf den bayrisch-polnischen Abend und die morgige Floßfahrt mit Abschluss in den modernen Thermen in Chocholow. Diese Woche intensivierte mit täglichen Gottesdiensten und Andachten unsere Pilgerreise zum Weltjugendtag und wir erlebten das Gastgeberland Polen von seiner gemütlichen Seite abseits der Metropole Krakau. Wir sind uns alle einig, wir wollen nach Zakopane zurückkehren!

„Die Polen sind sehr gastfreundlich“

Laura Brandes aus der Pfarrei Wettstetten nimmt an den Weltjugendtag in Polen teil. Wie alle Teilnehmer aus den Bistümern Eichstätt und Bamberg wohnt sie in einer Gastfamilie in der Pfarrei Bibice. Mit Laura (im Bild spielt sie Querflöte) sprach Anita Hirschbeck für den Blog „weitblick“.

weitblick: Am Mittwoch hat in Bibice ein Festival für die deutschen Gäste stattgefunden. Was war da geboten?

Laura: Die Leute aus Bibice haben sich sehr viel Mühe gemacht. Es waren mehrere Jugendgruppen auf der Bühne. Eine ganz junge Sängerin hat das Festival eröffnet. Die Hymne vom jetzigen und vom letzten Weltjugendtag in Polen wurden gespielt. Unsere Gruppen haben auch spontan einen Überraschungsbeitrag geleistet: Wir haben die Frankenhymne und die Bayernhymne gesungen. Die Stimmung war grandios.

Habt ihr denn viel Kontakt mit Einheimischen?

Während des Festivals haben wir zum Beispiel mit einem Mädchen aus dem Dorf gesprochen. Sie heißt Claudia, hat in einer Tanzgruppe mitgemacht und war sehr engagiert. Und wir haben Kontakt zu den freiwilligen Helfern aus Bibice. Die Jugendlichen haben viel mitgesungen und da hat man sich schon ein bisschen ausgetauscht. Ich schätze, mit Claudia werden wir auch weiterhin in Kontakt bleiben.

Wie nimmst du die Polen wahr?

Ich finde, sie sind super gastfreundlich. Wir haben eine sehr tolle Gastfamilie. Mittlerweile wurde uns sogar der Hausschlüssel anvertraut. Als wir gestern spät abends heimkamen, standen da noch Kuchen und Kekse. Sie machen sich sehr viel Mühe und man kommt sehr leicht mit ihnen ins Gespräch.

Und sind die Polen so katholisch wie ihr Ruf?

Bei unserer Gastfamilie würde ich das nicht vermuten. In der Wohnung hängt nirgendwo ein Kreuz. Aber die Jugendlichen, die sich in Bibice als Freiwillige engagieren, sind schon sehr begeistert von der Kirche. Trotzdem: Als so erzkatholisch, wie man es manchmal hört, würde ich sie nicht beschreiben.

Am Donnerstag haben der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke und Vertreter aus Bibice einen Baum gepflanzt – als Zeichen der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen. Spielt das Thema Zweiter Weltkrieg in eurer Generation überhaupt noch eine Rolle? Sprichst du darüber mit Polen in deinem Alter?

In meinem Alter eher nicht. Aber meine Nachbarn zu Hause sind Polen. Sie kommen aus Schlesien und haben deshalb eine besondere Geschichte. Unser ehemaliger Pfarrer war auch Pole. Von dieser Generation bekommt man das Thema schon eher mit. Auch dass die Freundschaft mittlerweile sehr eng geworden ist. Deswegen finde ich es eine sehr schöne Geste, dass wir einen Baum gepflanzt haben. Damit man sich daran erinnert, dass die Freundschaft nicht immer so tief war.

Der Weltjugendtag läuft noch bis 31. Juli. Worauf freust du dich besonders?

Ich freue mich vor allem auf die Stimmung, die entsteht, wenn so viele Nationen zusammenkommen. Schon die Eröffnungsmesse war voller Freude. Viele Leute sind danach noch durch die Straßen gezogen. Ich freue mich auf viel Austausch und gemeinsames Gottesdienstfeiern.

Das Interview als Audio

Mehr zum Thema:
Weltjugendtag in Krakau
Live-Blog zum Weltjugendtag

Gebet in der Klostergemeinschaft

Vor einigen Wochen war das Glockenseil hier in der Kirche der Benediktinerabtei von Tabgha (am See Genezareth in Israel) abgerissen, so dass wir selbst die Zeit zum Gebet herausfinden mussten. Umso mehr freut es mich, wenn das Glöckchen wieder fünfmal am Tag zum Gebet ruft. Das mag von außen viel erscheinen. Ich erlebe es als einen wohlklingenden Ton, der dem Tag seine Struktur gibt und der Arbeit dazwischen ihren Wert. Das gleichmäßige Miteinander-vor-Gott-treten macht deutlich, dass hier ein Ort ist, an dem man Gott dient und vor seinem Angesicht lebt.

An die 150 Psalmen, jahrtausendealter Gebetsschatz, die hier in zwei Wochen alle gebetet werden, muss ich mich gewöhnen. In meinen Ohren klingen sie stark alttestamentlich. Mit der Zeit finde ich mich in vielen angesprochenen Lebenslagen wieder und finde nur Teile der Texte sehr befremdlich, besonders wenn man bedenkt, dass wir hier von radikalen Fundamentalisten aller Religionen umgeben sind.

Ich habe das Gefühl, dass man kein besserer Mensch wird, weil man viel betet, aber ich schätze mich glücklich, an einem Ort sein zu dürfen, an dem wir miteinander versuchen, Gott auf dieser Erde einen kleinen Anteil der Ehre zu geben, die ihm gebührt und gleichzeitig einen Beitrag für Frieden in dieser Region zu leisten.

Gebet gibt der Freundschaft, die Gott uns von sich aus anbietet, eine Antwort. Die Freundschaft zu Gott miteinander zu gestalten in allen Tagesformen, die man so durchlebt, ist ein Geschenk, das in der Form nur in Gemeinschaft möglich ist. Sie ersetzt nicht die ganz persönliche Beziehung zu Gott, die jeder für sich selber pflegen muss. Die Hinwendung zu Gott im Gebet ist wie das Einatmen, die Arbeit und Begegnung mit unseren Nächsten ist wie das Ausatmen.

Die Farben der Seele

In schöner kalligraphischer Handschrift las ich den Satz: „Mit der Zeit prägen deine Gedanken die Farben deiner Seele.“ Ein Satz, den man in Stille auf sich wirken lassen kann. Stille, Einsamkeit und eine nicht sehr ausgeprägte Kommunikationskultur bringen viele Gedanken hervor, die man nicht abstellen kann.

Als ich vor 16 Jahren das erste Mal der damals einzige Gast im Karmel in Wemding war und totale Stille vorfand, merkte ich, wie laut es in einem selbst sein kann, dass das Leben lautstark ohne Worte weiter pulsiert, bis man langsam leerer wird. Dieses Leererwerden hatte aber auch mit den täglichen Gesprächen mit der Mutter Oberin zu tun.

Hier nun, nach fast zwei Jahren mit viel Zeit in Abgeschiedenheit und einer stillen meditativen Arbeit in der Benediktinerabtei Tabgha, nimmt die Stille andere Züge an. Zum einen schätze ich die Zweisamkeit mit Gott und das “Bei sich selbst zu Hause sein“ mit Blick auf den See Genezareth sehr. Es ist so schön, dass ich es selbst nicht fassen kann. Zeit, in der sich ein bisschen Himmel in der Seele widerspiegelt. Desgleichen auch, wenn wir in einer Lesestunde die Spur Gottes in unserem Leben suchen, das Wort Gottes teilen oder in Gesprächen von Herz zu Herz reden.

Aber es gibt auch banale Anlässe, die andere Gedanken auslösen: Zuneigungen und Abneigungen, Rechtfertigungen, Fragen, Zukunftsängste. Wenn niemand zum klärenden Gespräch in Aussicht ist, bekommen die Gedanken ein Eigenleben und ziehen einen mit Kraft weg von sich selbst und von anderen. Schatten legen sich auf die Seele, die in den Augen zu lesen sind. Das ist natürlich und die Wege sind verschieden, wie man damit umgeht. Wenn es im Psalm heißt: „Herr, stelle eine Wache an meinen Mund …“, so können wir auch beten: Herr, stelle eine Wache an das Tor meiner Seele, dass ich dem Ankläger der Brüder und meiner selbst in den Gedanken nicht Raum gebe, denn Du bist Licht, Liebe und Weisheit und wohnst im Innersten meiner Seele.

Auf die Farben meiner Seele muss ich selbst achtgeben. Die Worte der Bergpredigt: „Richtet nicht und urteilt nicht“ sind ein gutes Hilfsmittel für eine helle Farbgebung. Aber auch das Miteinanderreden ist unabdingbar für ein glaubwürdiges Miteinander.

Bild: Blick vom Berg Arbel durchs  Taubental auf den See Genezareth. Foto: Andrea Krebs