Kategorie-Archiv: Gastbeitrag

Friedenslichtaktion 2013: „Das Recht auf Frieden“

In diesem Jahr steht die Aktion Friedenslicht aus Bethlehem in Deutschland, die wir für die Diözese Eichstätt soeben in der ehemaligen Franziskanerkirche Heilig Kreuz eröffnet haben, unter dem Motto „Recht auf Frieden“. Damit wird auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen verwiesen, die in diesem Jahr seit 65 Jahren besteht. Darin wird zu Recht darauf hingewiesen, dass alle Menschen die gleichen Rechte auf „Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt“ haben.

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Im 2. Artikel wird zudem ausgeführt, dass „jeder Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigen Stand“ hat. Dafür möchten sich die 220.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Deutschland einsetzen und mit der Weitergabe des Friedenslichtes aus Bethlehem an „alle Menschen guten Willens“ ab dem 3. Advent, also heute, ein klares Zeichen für Frieden und Völkerverständigung sowie gegen Rassismus setzen. Denn Jede und Jeder hat ein „Recht auf Frieden“.

Ohne Frieden leben zu müssen stellt jede Ordnung auf den Kopf. Menschen, besonders Kinder werden verunsichert. Ich kann niemandem mehr trauen, ich weiß nicht, was als nächstes passieren wird.

Der Prophet Jesaja (9, 1-6) macht diesem grausamen Spuk ein Ende: Die Schreckensbilder von Hass und Terror wischt er einfach weg. Der Hilfe-Schrei nach Frieden bleibt so oft unbeantwortet und wird nicht erfüllt, an vielen Orten dieses, unseres Planeten.

Mehr zur Friedenslichtaktion 2013: Radio K1-Beitrag: Von Wien nach Eichstätt: Das Friedenslicht aus Betlehem ist angekommen

Lima – die Stadt der Gegensätze

Lima ist keine typisch „schöne“ Stadt –  eher laut, schmutzig, chaotisch und fast das ganze Jahr von einer Dunstglocke umhüllt. Trotzdem habe ich in dem halben Jahr, das ich nun hier lebe, viel erlebt und habe einiges über die peruanische Kultur sowie die Lebens- und Arbeitsweise gelernt und wahrscheinlich noch viel mehr über meine eigene Kultur.

Man bekommt in Lima schnell das Gefühl, dass hier eine sehr strikte Trennung zwischen Arm und Reich herrscht – auch wenn beides räumlich sehr eng beieinander liegt – und während sich in den wohlhabenden Stadtteilen Fast-Food-Kette an Fast-Food-Kette reiht und man alle 20m einem Süßigkeiten- oder Eisverkäufer begegnet, freut man sich in den Randbezirken von Lima über fließendes Wasser und die kleinen Bodegas, in denen man das Nötigste kaufen kann. Auch Bildung ist extrem abhängig vom Geldbeutel der Eltern und der Name der Universität bestimmt zu großen Teilen den späteren Berufserfolg. In einem Kurs zur Personalauswahl beispielsweise, den ich an der Uni besucht habe, wurde uns immer wieder erläutert, Absolventen welcher Privatuniversitäten man für bessere Positionen einstellen könne und welche lieber gleich auszusortieren seien.

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An der Uni, an der ich studiere, liegen die Studiengebühren – je nach Einkommen der Eltern weiter ansteigend – bei einem Mindestbeitrag von 1400 Soles (ca.370 Euro) im Monat. Die meisten Studierenden leben dafür während des Studiums noch zu Hause bei ihrer Familie und ziehen meistens erst (wenn überhaupt) zur Hochzeit oder nach Erreichen finanzieller Unabhängigkeit aus. Allgemein habe ich den Eindruck, dass Familie hier eine sehr viel größere Bedeutung hat als bei uns, oft leben mehrere Generationen unter einem Dach und wenn nicht, so besuchen sich die Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen und was noch alles so dazugehört, ziemlich oft oder treffen sich bei den Großeltern.

Viele Studierende an meiner Uni äußern sich oft eher negativ über Menschen, die in ärmeren Stadtteilen leben oder an öffentlichen Universtäten studieren und deklarieren alles mit Armut konnotierte als „gefährlich“. Tatsächlich ist Kriminalität kein unbedeutendes Problem, vor allem bewaffnete Überfälle passieren häufig. Trotzdem denke ich, man sollte es sich nicht ganz so einfach machen und alles in die gleiche Schublade stecken. Solange man sich an bestimmte Regeln hält (z.B. nicht alleine Taxi fahren, nachts einsame Straßen meiden oder seine Wertsachen nicht offen vor sich herzutragen) lernt man auch ziemlich schnell damit umzugehen.

Was man außerdem in Peru ziemlich schnell lernt ist Geduld. Egal ob im Supermarkt, bei der Bank oder im Bus  – man hat das Gefühl, alles dauert unglaublich lange. Und wenn man sich mit einem peruanischen Freund verabredet, kann es schon mal sein, dass man 2 Stunden wartet. Ist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, ist es allerdings auch ziemlich schwer einzuschätzen, wie lange man braucht. Für die Strecke von meinem Wohnheim zur Uni bin ich beispielsweise je nach Verkehrslage zwischen 25 Minuten und mehr als 1 ½ Stunden unterwegs. Dementsprechend gibt es auch keinen Fahrplan, sondern kleine Busse, sogenannte „Mikros“, die man an der Straße anhält und in denen immer ein Busfahrer sowie ein Fahrkartenverkäufer (der gleichzeitig die Haltestellen ausruft und die Tür öffnet, wenn jemand aussteigen möchte) mitfahren. Wenn der Bus allerdings zu voll ist um die Tür zu schließen, stört es auch niemanden mit offener Tür zu fahren, genauso wenig wie mitten auf der Straße auszusteigen. Es scheint aber, als wäre das Einhalten von Regeln und Gesetzen ohnehin nicht so wichtig, was wohl leider auch an der Unzuverlässigkeit und hohen Bestechlichkeit der Polizei liegt. Vor allem die Teilnahme am Straßenverkehr ist deshalb oft lebensgefährlich (überholt wird z.B. von beiden Seiten und eine grüne Fußgängerampel bedeutet nur, dass die Fahrer von links gerade rot haben, nicht aber, dass man keine kreuzenden Autos zu befürchten hat).

Aber trotz Chaos – oder vielleicht gerade deswegen – kommt mir das Leben hier in Lima auch wesentlich lebhafter vor als in Deutschland. Die vielen Straßenverkäufer preisen lautstark ihre Produkte an, Autos hupen, der Busfahrer fängt an die Musik aus dem Radio lautstark mitzusingen, oder die Menschen in der Bar stehen plötzlich auf und fangen an Salsa zu tanzen. So viel gefühlte Lebensfreude kann richtig ansteckend sein und einem selbst die schlechten Tage ziemlich schnell wieder aufheitern. Der manchmal vorhandene Mangel an deutscher Effizienz und Pünktlichkeit wird somit durch peruanisches Temperament und Herzlichkeit wieder ausgeglichen und macht einem dann doch gar nicht mehr so viel aus.

Krokodilfleisch zum Probieren

Zurzeit bin ich in Tabatinga, einer kleine Stadt mitten im Urwald vom riesigen Amazonas-Gebiet. Die Stadt hat ca. 25.000 Einwohner und liegt an der Grenze von Peru und Kolumbien. Gestern war ich abends mit den Schwestern in Kolumbien beim Pizzaessen und morgen fahre ich schnell mal nach Peru – auf die andere Seite des Flusses „Rio Solimoes“ – kurz gesagt, es geht mir sehr, sehr gut hier.

Die Gegend, die Menschen, einfach alles ist sehr geprägt vom Drogenhandel, die Route geht von Kolumbien und Peru durch den brasilianischen Dschungel, auf dem Fluss und/oder mit kleinen Fliegern in „alle Welt hinaus!“. Die Gewalt, Korruption, Morde, Folter,… sind hier Alltag. Ich habe ja schon einiges gesehen und gehört in Brasilien, aber was ich hier antreffe ist noch viel, viel schlimmer, dem entsprechend sind auch die Gefängnisse, aber davon später mal mehr.

Das Gesicht der Menschen hier ist „Indigena“ – Gesicht der Indianer, das prägt natürlich auch die Kirche, eine sehr lebendige Kirche der Basisgemeinden. Die Städte Tefe und Tabatinga sind mit dem Flieger erreichbar (und natürlich mit dem Schiff), alle andere Städte und Dörfer nur mit Booten, die Preise sind sehr gesalzen. Ich flog von Manaus nach Tefe (1 ½ Std.) und dann ging es weiter mit dem Schiff (18 Std.) nach „Fonte Boa“, nach drei Tagen dann wieder 9 Std. mit dem Schiff nach Jutai und nun wieder 12 Stunden unterwegs auf dem riesigen Fluss nach Tabatinga ins sogenannte „Drei-Länder-Eck“.

Ich bin noch keinen Monat unterwegs, aber mir scheint es schon viel, viel länger. Es sind viele verschiedenste Eindrücke. Die Menschen hier sind sehr freundlich, meistens bin ich bei Schwestern untergebracht, besuche immer die Gefängnisse, die Richter und Staatsanwälte (wenn es sie gibt), die Gruppe der Gefängnisseelsorge vor Ort. Das Programm ist sehr dicht, aber dann auf dem Schiff geht es ruhig dahin, flussaufwärts mitten in einer riesigen Dschungellandschaft. Ein riesiger Fluss, der Rio Solimoes, besser gesagt es sind viele Flüsse, große Inseln, riesige Nebenflüsse, da ist die schöne blaue Donau ein kleines „Bach’l“. Es gibt natürlich viel Fisch zum Essen, viele verschiedenste Sorten, mir schmeckt das sehr, diese Tage bekam ich sogar Krokodilfleisch zum Probieren, es gibt wenig Gemüse und Salat, aber dafür viele verschiedenste Früchte. Ich habe schon viele Fluss-Delfine gesehen und natürlich die Krokodile am Ufer.

Die Armut der Menschen, die Gewalt, die verheerenden Zustände in den Gefängnissen, das Desinteresse der Regierung für diese Gegend und dieser Menschen – außer wenn es um große Projekte mit den multinationalen Firmen geht, um das reiche Amazonasgebiet auszubeuten – berührt mich sehr, beschäftigt mein Denken, Fühlen, mein Gebet und meine Träume,… und es ist ein Geschenk morgen gerade hier das Christkönigsfest zu feiern – für uns Missionarinnen Christi ein sehr wichtiges und schönes Fest – ich werde in einem kleinen Indianer-Dorf im Urwald die Messe mitfeiern.

Herzlichen Gruß und Vergelt’s Gott an allen, die mitgeholfen haben, diese Reise zu ermöglichen, noch ist sie nicht zu Ende, andermal wieder mehr.

Ich wünsche Euch allen einen gesegneten Advent und hoffe vor Weihnachten nochmal „online“ zu sein, um euch Weihnachtsgrüße schicken zu können.

Um grande abraço!

Petra

Hier im Amazonas Zugang zum Internet zu haben ist gar nicht so leicht, in Tabatinga funktioniert es ganz gut, die letzten 14 Tage war ich aber „offline“!