Kategorie-Archiv: Gastbeitrag

Die Zukunft Kubas ist ungewiss

Pater Klaus Väthröder, Missionsprokurator der Jesuiten in Nürnberg, nimmt an der Kubatagung zum Thema „Barmherzigkeit und kirchliche Arbeit in existentiellen Randbereichen“ von 21. bis 22. November 2016 in Eichstätt teil. Hier berichtet er von seinen Erlebnissen in der kubanischen Stadt Cienfuegos, wo er für sechs Wochen den Pfarrer der Gemeinde Nuestra Señora de Montserrat vertrat.  

„Pan Suaveeee“, ertönt es auf der Straße unter meinem Fenster früh am Morgen, begleitet von einer Trillerpfeife. Nach dem Verkäufer von „Feinem Brot“ kommen dann die ersten Pferdetaxis (siehe Foto oben) vorbeigerumpelt. Es sind Einspänner mit Platz für bis zu sechs Fahrgästen, die für 5 oder 10 Cent die Bewohner Cienfuegos an ihre Arbeitsplätze kutschieren. Mein Blick aus dem Fenster geht über die Bahia zum einzigen Atomkraftwerk Kubas. Es wurde allerdings nie in Betrieb genommen, da der Zusammenbruch der UDSSR die sowjetisch-kubanische Freundschaft Ende der 90er Jahre jäh beendete.

Es ist 6 Uhr morgens und Zeit die Kirche aufzuschließen. Im Laufe des Tages werden noch viele Verkäufer, rufend zu Fuß oder klingelnd auf dem Fahrrad, ihre Produkte anbieten: Gemüse, Nudeln, Handbesen, Putzlumpen, Knoblauch und vieles mehr. Sie sind die unüberhörbaren Vertreter der neuen Generations von Unternehmen, sogenannte „Cuentapropistas“, private Klein- und Kleinstunternehmen, die seit einigen Jahren im sozialistischen Cuba erlaubt sind. Dazu zählen Restaurants, Kleinbauern, Gästehäuser, Taxis, und Reparaturwerkstätten, um nur einige der insgesamt 178 unterschiedliche Kategorien zu nennen, die das Wirtschaftsministerium für die Gründung eines kleinen Unternehmens zulässt. Mit der Zeit wurden auch die Restriktionen weniger: so wurde die Anzahl der verfügbaren Restaurantplätze von 12 auf 20 und später auf 50 erhöht und die vormals regulierte Speisekarte wurde liberalisiert. Noch kann man nicht vom freien Unternehmertum auf Cuba sprechen, da unübersichtliche und zum Teil absurde Kontrollen weiterbestehen, aber es ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung.

P. Klaus Väthröder (hinten Mitte) mit Kindern in Cienfuegos. Foto: privat
P. Klaus Väthröder (hinten Mitte) mit Kindern in Cienfuegos. Foto: privat

Die kubanischen Jesuiten haben dies zum Anlass genommen, um ihr Arbeitsfeld, das weitgehend auf die kirchliche Pastoral beschränkt war, zu erweitern. In ihren Zentren „Fe y Cultura Loyola“ in Havanna, Camagüey, Cienfuegos, Colón und Santiago bieten sie Kurse für die Cuentapropistas an. Hierbei werden die Grundlagen der Geschäftsführung eines kleinen Unternehmens vermittelt: Buchhaltung, Personalführung – inzwischen darf auch eine gewisse Anzahl von Nicht-Familienmitglieder angestellt werden -, Kostenrechnung etc. Diese Kurse erfreuen sich einer großen Nachfrage. Auf meine Frage an den Oberen der kubanischen Jesuiten, ob dies denn legal sei, antwortet er etwas nebulös: „Die Kurse werden geduldet, kein Aufheben machen, sich bedeckt halten, weitermachen“.

Nachdem ich die Kirche aufgeschlossen habe, kommen schon die ersten Gläubigen, die vor der täglichen 7:30 Uhr Messe beten oder eine Andacht vor dem Bild der „Virgen de la Caridad de Cobre“ halten. Die Jungfrau von Cobre ist die Patronin Kubas quer durch alle Konfessionen, Religionen und politischen Bekenntnissen. Im Unterschied zu anderen lateinamerikanischen Ländern war die katholische Kirche in Kuba allerdings nie besonders bedeutend. Vor und auch nach der Revolution gingen und gehen ca. 5 Prozent der Bevölkerung regelmäßig zum Gottesdienst. So auch in unserer Gemeinde Montserrat in Cienfuegos. Jeden Morgen versammeln sich hier gut 30 Personen, um die Eucharistie mitzufeiern. Dienstag und Donnerstag sind es mehr, da wir dann der Toten gedenken. Dann kommen auch Kirchenferne und bringen Blumen zum Andenken an ihre Verstorbenen mit.

Wandel durch Papstbesuche

Die freie Ausübung des Glaubens war nicht immer so selbstverständlich. Nach dem Sieg von Fidel Castros Revolution Anfang der 60er Jahre wurde die katholische Kirche auf die Sakristei beschränkt. Soziale Aktivitäten und Schulen mussten eingestellt werden, Gebäude wurden enteignet, Ausländer des Landes verwiesen. Priester, Ordensleute und bekennende Katholiken wurden in vielen Bereichen der Gesellschaft diskriminiert und schikaniert. Dies änderte sich ab den 90er Jahren mit den Besuchen der Päpste Johannes Paul II (1998), Benedikt (2012) und Franziskus (2015) in Kuba. Ohne das Regime direkt anzugreifen haben die drei Päpste politische Freiheiten, die Achtung der Menschenrechte und mehr Autonomie für die katholische Kirche angemahnt. Auch die auf Dialog angelegte Politik des Kardinals von Havanna Jaime Ortega hat dazu beigetragen, dass sich die Beziehung zwischen Staat und Kirche entspannt hat. Kardinal Ortega ist inzwischen aus Altergründen zurückgetreten. Seine nicht allzu konfrontative Annäherung an das Regime war innerhalb der katholischen Kirche in Kuba nicht unumstritten.

Jesuitenschule in Cienfuegos, Kuba. Foto: Klaus Väthröder
Jesuitenschule in Cienfuegos, Kuba. Foto: Klaus Väthröder

Nach dem Gottesdienst treffe ich Pater Ignacio beim Frühstück der Kommunität. Ich frage ihn nach den Baufortschritten. Auf dem Gelände der Pfarrei in Cienfuegos befindet sich auch eine große ehemalige Schule der Jesuiten, die 1880 in Betrieb genommen und 1961 mit der Revolution vom Staat enteignet wurde. Zur Überraschung aller hat der Staat das Gebäude, das einen ganzen Häuserblock umfasst, vor drei Jahren der Gesellschaft Jesu zurückgeben. Allerdings in einem bemitleidenswerten Zustand. Türen, Fenster, Böden und Wände wurden entfernt oder sind zerstört. Das renovierte Gebäude würde Räume für Gemeinde, für Exerzitien und große Versammlungen ermöglichen. Die Renovierungsarbeiten werden wohl noch Jahre dauern. Es fehlt an Material, Geld und ausgebildeten Arbeitskräften. Der Hintergedanke der Regierung war wohl, dass die Jesuiten die Renovierung eher voranbringen können und dass zumindest die Fassade des ehemaligen Kollegs von Montserrat zum 200sten Stadtjubiläum Cienfuegos 2019 im alten Glanz erstrahlen wird. Das Kolleg ist eines der wenigen architektonisch bedeutenden Gebäude der Stadt. Cienfuegos, die auch „Perle des Südens“ genannt wird, wurde 1819 durch französische Siedler gegründet und hat sich einen frankophonen Charakter erhalten. Heute hat die Stadt, die 250 Kilometer von Havanna entfernt an der Bahia de Jagua gelegen ist, rund 170.000 Einwohner und wird von vielen Touristen besucht.

kuba-seniorenkreisNach dem Frühstück gehe ich zum Treffen der Senioren im Gemeindesaal. Die Sorge um die alten Menschen ist eine wichtige Aufgabe der katholischen Kirche. Bis vor einigen Jahren war diese Caritas für die Senioren vom Staat verboten. Gemäß offizieller Verlautbarung haben alle Menschen in Kuba das Notwendige zu einem zufriedenstellenden Leben inklusive einer guten und kostenlosen Gesundheitsversorgung sowie schulischer bzw. universitärer Ausbildung.  Das ist immer noch wahr, doch die Unterschiede im Lebensstil sind inzwischen gravierend. Wer Zugang zu Dollars oder Euros hat über Verwandte und Freunde im Ausland oder durch eine Arbeit in Kuba, z.B. im Tourismussektor, lebt um einiges besser, als die ohne diese zusätzliche Einkommensquelle. Das trifft auf die meisten alten Menschen zu. Sie leben von einer monatlichen staatlichen Rente von 10 bis 20 US Dollar. Und auch mit der famosen „Libreta“, eine Art von Bezugsscheinen für den Erwerb verbilligter Lernmitteln, kann man nicht mehr viel bekommen, da die Produkte der Libreta immer weniger und teurer werden.

Señora Maria Emilia, 115 Jahre. Foto: Klaus Väthröder
Señora Maria Emilia, 115 Jahre. Foto: Klaus Väthröder

Es sind vor allem Frauen, die zum Seniorenkreis kommen und sich ein gutes Frühstück schmecken lassen. Unter ihnen sind Lehrerinnen, Ärztinnen und auch die Gewinnerin einer olympischen Bronzemedaille. Die Hälfte des verteilten Essens packen sie ein und auch an einer kleinen Tasse Kaffee wird nur genippt, der Rest für die nächsten Tage aufgespart.  Besonders gern unterhalte ich mich mit Señora Maria Emilia. Sie ist 115 Jahr alt und bis vor kurzem kam sie noch zur sonntäglichen Messe zu Fuß, nun wird sie im Rollstuhl gebracht. In den letzten Wochen hatte sie Besuch von in- und ausländischen Journalisten und auch mir gibt sie bereitwillig Auskunft über meine Fragen zur Geschichte Kubas. Sie ist das lebendige Beispiel für die hohe Lebenserwartung in Kuba, vergleichbar mit der der westlichen Ländern und eine Zeugin der immer noch guten Gesundheitsversorgung.

Zerrissene Generation

Am Abend nehmen mich die großen Ministranten mit zum Malecón, dem Treffpunkt der jungen Generation an der Bahia Cienfuegos. Da die hunderten von Jugendlichen kein Geld haben, gibt es hier am Malecón auch kaum Smartphones, kaum Alkohol, kein Internet, kein Facebook oder Twitter und sowieso keine Drogen. Hier hängt man ab, redet und singt, hört oder macht Musik, ohne Stress oder Angst vor Kriminalität, wie in anderen lateinamerikanischen Ländern. Es ist eine friedliche und schöne Stimmung.

Straßenmusiker in Cienfuegos. Foto: Klaus Väthröder
Straßenmusiker in Kuba. Foto: Gerhard Rott

Allerdings wären die meisten dieser Jugendlichen jetzt lieber in Miami oder Madrid, denn trotz ihrer guten Ausbildung sehen viele von ihnen für sich keine Zukunft in Kuba. Diese Generation kennt die wichtigen Ereignisse der Revolution, die Diktatur Batistas und den Befreiungskampf Fidels in der Sierra Maestra, die Invasion in der Schweinbucht, die Raketenkrise 1962 und die Notlage Kubas nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Blocks nur aus Erzählungen und Büchern. Diese Ereignisse sind für sie kaum mehr identitätsstiftend. Es sind die Geschichten Ihrer Eltern und Großeltern. Bei meinen Gesprächen mit den Ministranten und am Malecón spüre ich die Zerrissenheit dieser Generation. Sie hängen an ihrem Land, ihren Familien und Freunden und doch wollen sie lieber ein neues Leben in einem anderen Land beginnen. Sie träumen von einem Leben wie ihre Altersgenossen in der globalisierten Welt: sie wollen an der vernetzten Welt teilhaben, sie wollen freie Information und Unterhaltung anstatt staatlich monopolisierte Zeitungen und Fernsehen, sie wollen mit Freunden über Internet, Facebook und Twitter verbunden sein, angesagte Klamotten tragen, für Ihre Arbeit einen entsprechenden Lohn erhalten. Sie wollen nicht Taxifahrer werden, da man damit mehr verdient als ein Arzt oder Lehrer. Ähnlich wie die junge Generation der Kubaner in Miami, die die radikale und revanchistische Anti-Castro Haltung ihrer Eltern und Großeltern hinter sich gelassen haben, ist vielen jungen Kubanern auf der Insel die revolutionäre Rhetorik des Regimes fremd geworden. Zwar hat sich in den letzten 20 Jahren durch die vorsichtigen Reformen einiges auf Kuba gewandelt, doch vielen in der jungen Generation geht dies zu langsam. Die Zukunft Kubas ist ungewiss. Wie gehen die Reformen der politischen und wirtschaftlichen Öffnung weiter? Was geschieht, wenn nach Fidel auch Raúl Castro 2018 zurücktreten wird? Werden immer mehr der jungen Generation Kuba verlassen und ihr Glück woanders suchen? Es bleibt zu hoffen, wie es Papst Johannes Paul II gesagt hat, „dass Kuba sich mit all seinen wunderbaren Möglichkeiten der Welt öffnen möge, und die Welt sich Kuba öffnet.“

Frieden in Kolumbien ist möglich

In Kolumbien gibt es seit über 50 Jahren einen bewaffneten Konflikt. Diesem sind über acht Millionen Menschen zum Opfer gefallen, davon 225.000 Toten, 87.000 verschwundenen Personen und rund sieben Millionen vertriebene Menschen.  Seit vielen Jahren, insbesondere seit dem Jahr 1991 als eine neue Verfassung in Kraft trat, bemühen sich verschiedene soziale und politische Akteure darum, diesen Konflikt durch Verhandlungen zu beenden.  Denn sie sind davon überzeugt, dass Gewaltanwendung nur zu mehr Gewalt, Armut und Ungleichheit führt.  Zu den bewaffneten Gruppen gehören nicht nur die FARC, sondern auch die Guerillaorganisation ELN (Nationale Befreiungsarmee), und es gibt zudem extrem rechtsgerichtete bewaffnete paramilitärische Gruppierungen.  Für Letztere führte der frühere Präsident und jetzige Oppositionsführer Álvaro Uribe Vélez eine Demobilisierung durch, die aber zum Großteil fehlgeschlagen ist.

Der politische Wettstreit in unserem Land ist immer durch die Dynamik des internen bewaffneten Konflikts bestimmt worden.  Bevor unser jetziger Präsident  Juan Manuel Santos 2012 sein Amt übernahm, gab es unter Uribe acht Jahre lang eine sogenannte Politik der demokratischen Sicherheit, die eine Politik der harten Hand war. In dieser Zeit erhöhte sich die Anzahl der Opfer und der Menschenrechtsverletzungen dramatisch und der Krieg verschärfte sich.  Santos war seinerzeit Verteidigungsminister und trug diese Politik wesentlich mit. Aber als er selbst Präsident wurde, distanzierte er sich von dieser und startete eine Friedenspolitik durch Verhandlungen.  Für diese neue Politik gewann er jenen Teil der kolumbianischen Gesellschaft, der acht Jahre lang die Politik Uribes bekämpft hatte, insbesondere die politische Linke im Land.  Dieser Teil ist zwar nicht mit Santos‘ Politik für Freihandel und Ausbeutung  der natürlichen Ressourcen einverstanden. Doch das Vorhaben eines ausgehandelten Friedens sah dieser Teil als Chance zur Beendigung des Krieges, zumindest mit einem der Hauptakteure.  Diese nun breitere Unterstützung der Gesellschaft hat es Santos ermöglicht, den Friedensprozess mit den FARC in Gang zu setzen und mit ihr letztlich ein besonderes Abkommen zu den Herausforderungen ländliche Entwicklung, politische Beteiligung, Entwaffnung, Drogenhandel und Umgang mit Opfern zu erreichen.

Hohe Nichtbeteiligung an Abstimmung offenbarte mangelndes demokratisches Bewusstsein

Eine grundlegende Prämisse für die verschiedenen Abkommen war: „Nichts ist vereinbart, bis alles vereinbart ist.“ Daher war es so wichtig, dass Regierung und FARC im September dieses  Jahres alles unterzeichneten, um so ein Gesamtabkommen der Bevölkerung zur Abstimmung vorzulegen.  Das Abstimmungsergebnis überraschte vor allem die internationale Gemeinschaft und die Teile der kolumbianischen Gesellschaft, die für das Abkommen votierten.  Letztlich brachte das Ergebnis die komplexe Realität in unserem Land zum Ausdruck.  Auf die Frage „Unterstützen Sie das Abkommen zur Beendigung des Konfliktes und für den Aufbau eines stabilen und dauerhaften Friedens?“  reagierte der größte Teil der Gesellschaft mit Nichtbeteiligung, nämlich über 62,5 Prozent aller abstimmungsberechtigten Bürgerinnen und Bürger.  Das heißt, dass nur gut 13 Millionen Personen (knapp 37,5 Prozent) von fast 34,9 Millionen abstimmten. Und das bedeutet: Ein ganz hoher Anteil der Bevölkerung zeigte sich uninteressiert an dem Friedensprozess oder/und offenbarte Mangel an Bewusstsein für die Rolle des Bürgers bei demokratischen Anliegen von dieser großen Bedeutung.  Vor allem junge Menschen haben wenig Vertrauen in die Institutionen, glauben nicht an die Politik und noch weniger an Parteien. Sie denken, ihre Stimme hat keine große Auswirkung für den Wandel des Landes.  Auf der anderen Seite gibt es jenen Teil der Bevölkerung, der sich interessiert gezeigt hat und gespalten ist. Der Siegeranteil des „No“ (Nein) mit 6,43 Millionen Stimmen lag gerade einmal um 0,43 Prozent höher als das Ergebnis für das „Si“ (Ja) mit knapp 6,38 Millionen.

Jene Bürgerinnen und Bürger, welche die Verhandlungen mit den FARC befürwortet haben – denen auch ich angehöre – sind sich sehr wohl bewusst, dass das Friedensabkommen nicht die vollständige Lösung ist, um Frieden in Kolumbien herzustellen.  Doch es ist ein erster nötiger Schritt und grundlegend, um ein neues Kapitel in unserem Land aufzuschlagen und den Aufbau des Friedens zu ermöglichen. Die Abkommen von Havanna haben Regeln gesetzt, die vor allem den Opfern – und hier besonderes den Frauen unter den Opfern – eine besondere Rolle zuweisen. Diese Regeln stimmen mit dem internationalen Recht überein: zum Beispiel darin, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Rahmen des Konfliktes nicht ungestraft bleiben dürfen.

Nobelpreis ist besonderes Zeichen der internationalen Gemeinschaft

Die internationale Gemeinschaft hat für die Abkommen eine entscheidende Rolle gespielt: nicht nur im Dialogprozess selbst, sondern auch für die Zukunft, in der es vor allem darum geht, die Abkommen mit einer bedeutsamen Beteiligung der Zivilgesellschaft umzusetzen.  Ein ganz besonderes Zeichen für die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft ist natürlich jetzt der Friedensnobelpreis für Juan Manuel Santos. Es ist auch eine überzeugende Botschaft an jene, die den Friedensprozess nicht unterstützen, denn der Preis deutlich macht: Es ist nicht wünschenswert, dass der bewaffnete Konflikt mit dieser Organisation weitergeht. Um dies zu unterstreichen, sind nun ja auch ganz viele Menschen in den großen Städten unseres Landes auf die Straße gegangen. Ganz wichtig ist aber vor allem, dass Regierung, FARC und die internationale Gemeinschaft ihren Willen zum Ausdruck gebracht haben, die erzielten Abkommen aufrechtzuerhalten und Wege finden wollen, jene anzuhören, die mit „No“ gestimmt haben: mit der Absicht, deren Forderungen soweit wie möglich in die Abkommen einzubeziehen.

Ich bin davon überzeugt: Jetzt, wo das Thema Frieden in unserem Land so hoch auf der nationalen wie internationalen Agenda steht, besteht eine einzigartige Gelegenheit, den gewünschten Frieden zu erreichen. Natürlich müssen wir uns aber auch bewusst sein, dass Frieden in Kolumbien noch wesentlich mehr fordert als Abkommen zwischen der Guerilla FARC und der Regierung. Es ist auch wichtig, dass 1) die anderen bewaffneten Akteure an den Verhandlungstisch kommen, 2) wir erkennen, dass wir eine gespaltene Gesellschaft sind, in der es Mangel an Information und Bildung sowie viel Misstrauen gibt und 3) uns klar wird, dass wir in einigen Bereichen eine schwache politische Kultur haben und in anderen eine durch Gewalt geprägte. Daher macht das Ergebnis der Volksabstimmung deutlich, dass wir dringend grundlegende Veränderungsprozesse in unserem Land brauchen.  Der Aufbau des Friedens braucht die aktive Beteiligung aller gesellschaftlichen Akteure.

Es gibt Wege der Hoffnung. Niemals hat es eine so entschlossene Unterstützung der internationalen Gemeinschaft gegeben. Ich bin zutiefst vom „Si“ überzeugt, das ein unerlässlicher Schritt hin zum Frieden ist, aber noch mehr davon, dass das größte Kapital unsere Menschen sind, die aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft heraus ein anderes Land aufbauen können, das demokratisch und insbesondere nicht gewaltsam ist. Die größte Aufgabe hat erst begonnen.

(Übersetzung aus dem Spanischen: Peter Esser)

Mehr zum Thema: Skepsis und Hoffnung vor der Abstimmung über den Friedensprozess in Kolumbien

Bildhinweis: Kolumbiens Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos im Gespräch mit Ureinwohnern. Foto: Juan David Tena – SIG

Geschwisterlichkeit über Kontinente hinweg

Der Kolpingverband in der Diözese Eichstätt hat eine Partnerschaft mit dem Kolping-Nationalverband Togo besiegelt.

„Wenn man Freud und Leid miteinander teilt, wächst man zusammen“. Dieses Zitat  des Seligen Adolph Kolping ist das Leitmotiv der neuen Partnerschaft zwischen Kolping Togo und Eichstätt. Zur Feier am Freitag, 16. September, kam eine vierköpfige Delegation aus Togo, um den Auftakt der Partnerschaft zu würdigen. Bischof Gregor Maria Hanke stand dem Festgottesdienst im Dom vor, der musikalisch von Kirchenchor Woffenbach gestaltet wurde.

„Akpe kaka loo“ – so sagt man in Togo „Danke“. Und der Dank, dass man partnerschaftlich verbunden sein darf, prägte die Feierlichkeiten. Bischof Gregor Maria griff in seiner Predigt auf den Apostel Paulus und dessen Bilder von der Einheit der an Christus Glaubenden zurück. Die Geschwisterlichkeit, die Paulus mit den Gliedern eines Leibes vergleicht, wirkt der Gefahr der Ghettoisierung einzelner Gruppen in der Kirche entgegen, so der Bischof. Das vertonte Motto des Kolpingtages in Köln „Wer Mut zeigt, macht Mut“, vorgetragen vom Kirchenchor Woffenbach und begleitet von Domorganist Martin Bernreuther, wies ebenso wie das Kolpinglied allen Gottesdienstbesuchern den Weg der angestrebten christlichen Geschwisterlichkeit. Als Zeichen der christlichen Verbundenheit brachten Kolping-Diözesanvorsitzende Eva Ehard aus  Spalt und die Vorsitzende des Nationalverbands Togo, Marie-Thérèse Awoussah, je eine Stola aus Deutschland und Togo zu Bischof Gregor Maria, der diese segnete. Künftig werden die Präsides hier in Bayern und Westafrika bei Gottesdiensten die Stola des jeweiligen Partners umlegen und die Verbundenheit so sinnenfällig zum Ausdruck bringen.

Den Festzug vom Dom zum Kolpinghaus begleitete die Möckenloher Blaskapelle, die im weiteren Verlauf des Abends noch zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen sollte.

Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen dem Kolping-Diözesanverband Eichstätt und dem Kolping-Nationalverband Togos. Foto: Ewald Kommer
Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen dem Kolping-Diözesanverband Eichstätt und dem Kolping-Nationalverband Togos. Foto: Ewald Kommer

Im Kolpinghaus wurde dann tatsächlich in vielen Sprachen gesprochen. Nicht nur in Ewe, einer von vielen Menschen in Togo gesprochenen Sprache, sondern auch in Französisch wurden die Gäste begrüßt. Kolping-Diözesanvorsitzende Eva Ehard war nicht die Einzige, die sich freute, ihre Sprachkenntnisse anwenden zu können. Auch stellvertretende Landrätin Tanja Schorer-Dremel (MdL) und Peter Schwab vom Internationalen Kolpingwerk ehrten die Delegation aus Togo durch Grußworte in der offiziellen Landessprache. Oberbürgermeister Andreas Steppberger hielt sich mit fremden Sprachen zurück, versprach aber dafür, sich für die Partnerschaftsreise im kommenden Jahr in das westafrikanische Land zu interessieren. Für das Referat Weltkirche der Diözese Eichstätt dankte – in Vertretung von Prälat Dr. Christoph Kühn, der später zur Versammlung stieß und die Unterzeichnung der Urkunde „notariell“ begleitete – Gerhard Rott, der auch Vorsitzender der Kolpingsfamilie Eichstätt und somit Hausherr ist, für die Erweiterung der im Bistum gepflegten Partnerschaften der Gemeinden und Verbände. Landtagsabgeordnete und Oberbürgermeister hatten inhaltlich die Aspekte der Bildung und des praktischen Tuns bei Kolping als unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung und zum Erhalt des Friedens in einer Gemeinschaft, auch der großen Weltgemeinschaft, hervorgehoben.

In seinem Grußwort betonte der togolesische Kolping-Nationalpräses, Dieudonné Agbeko, wie wichtig für sein Land die spirituelle Brücke zu den deutschen Brüdern und Schwestern sei. Natürlich freue man sich auch über die materielle Unterstützung, die sowohl vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit als auch aus Spendengeldern der Kolpingsfamilien komme, so der Nationalpräses. „Als Volk Gottes sind wir Brüder und Schwestern, die sich auf Augenhöhe begegnen und einander mit unterschiedlichen Gaben beschenken“. Damit knüpfte er nahtlos an Diözesanvorsitzende Ehard an, die aus einer Broschüre des anderen Eichstätter Partnerverbandes, nämlich Peru, zitierte: „Keiner ist so arm, dass er nicht etwas geben könnte, keiner ist so reich, dass er nicht etwas empfangen müsste“.

Bei der Unterzeichnung der kunstvoll gestalteten Partnerschaftsurkunde durch die Vorsitzende des Nationalverbands, Marie-Thérèse Awoussah, Nationalpräses Dieudonné Agbeko, Diözesanvorsitzende Eva Ehard und Diözesanpräses Monsignore Dr. Stefan Killermann, spürte man im Kolpinghaus den bedeutsamen Augenblick durch die feierliche Gespanntheit der Anwesenden, unterbrochen nur durch das Blitzlichtgewitter der Fotografen.

Anschließend konnten sich alle Gäste an einer bayerischen Brotzeit erfreuen, begleitet von den zünftigen Klängen der Blaskapelle. Eine besondere Freude bereitete Dirigent Dominik Harrer den Kolpingern, als die Möckenloher das Kolpinglied intonierten. Mit Standing Ovations quittierten die Anwesenden diese Hommage an den Gesellenvater und Seligen Adolph Kolping.

Die Vorstellung des Lebens in Togo und der Arbeit des Kolping-Nationalverbandes übernahm dessen Nationalsekretär Laurent Tay, der auch als Dolmetscher für die Reisegruppe fungierte. In den Kolpingsfamilien Togos werden viele ganz praktische Projekte umgesetzt, die das Leben verbessern. So finden Schulungen vor Ort auf dem Feld statt, in denen die Bauern lernen, durch eigene Kompostbereitung zur Düngung und Bodenverbesserung, die Erträge auf umweltverträgliche und nachhaltige Weise zu steigern. Neben diesen Landwirtschaftskursen werden die Menschen in der Fischzucht ebenso unterstützt wie beim Aufbau eigener Aktivitäten zur Sicherung des Lebensunterhalts: Das reicht vom eigenen Friseurladen bis hin zur genossenschaftlich geführten Fahrradwerkstatt.

Was wäre ein Festabend ohne die Ehrung verdienter Menschen: So bekam ein Dreigestirn der Kolpingsfamilie Woffenbach, der Keimzelle der Togo-Partnerschaft im Diözesanverband Eichstätt, aus den Händen von Frau Ehard die Dankurkunde mit Medaille. Diese Ehrung wurde auch Diözesanpräses Dr. Killermann für seine spirituelle Leitung des Verbandes zuteil. Heinz-Jürgen Adelkamp, Vorsitzender der Woffenbacher Kolpingsfamilie, dankte allen, die durch ihr Engagement zur Lebendigkeit der Partnerschaft beitragen und die Ausweitung auf die diözesane Ebene ermöglicht haben. Ebenfalls geehrt wurde der Vorsitzende der Kolping-Bildungsstätte und stellvertretende Vorsitzende der Kolpingsfamilie Eichstätt, Willi Reuder. Er, so Diözesanvorsitzende Ehard, unternimmt alles, um für die Zusammenkünfte im Kolpinghaus einen wohnlichen und gemütlichen Rahmen zu schaffen, so dass sich alle wohlfühlen können. Eine Ehrung ganz anderer Art nahm Edi Babiel, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Beilngries, entgegen: Die Beilngrieser traten bei der Deutschen Kolping-Fußballmeisterschaft in Eppingen mit mehreren Mannschaften an und erzielten bei der Jugend die Vize-Meisterschaft.

Nach weiteren schwungvollen Orchesterstücken klang der Abend mit vielen Gesprächen und der Vorfreude auf kommende Begegnungen mit einem kraftvollen „Treu Kolping – Kolping treu“ aus.

Radio k1: Kolping-Diözesanverband Eichstätt feiert neue Partnerschaft mit Togo

Zu Gast bei den Goralen

Ziemlich müde nach der Übernachtung auf dem Campus Misericordiae mit Abschlussmesse des Weltjugendtages waren wir alle froh, als wir spät abends die Pension „Vier Jahreszeiten“ in der Nähe von Zakopane erreichten. Kaum waren die Zimmer bezogen und das Abendessen verputzt, kehrte schon Ruhe ein.

Das Frühstück am nächsten Tag wurde für die erschöpften Pilger zum Glück erst um 10 Uhr abgehalten, dennoch fand sich aber ein kleiner motivierter Trupp, der noch vor dem ersten Frühstück schon mal die alte Holzkirche besichtigte. Gestärkt bestiegen wir den Bus und feierten in der Pfarrkirche der Hl. Familie in Zakopane Gottesdienst. Danach inspizierten wir zuerst mal den schönen Ort in den Bergen, wo wir untergekommen waren. Dazu fuhren wir mit der Zahnradbahn Gubalowka zu einem Aussichtspunkt, wo wir das Panorama der Tatra bewundern wollten, aber der Nebel verdeckte leider diesen Teil des Karpartenbogens. Wir genossen dennoch diese Fahrt und schlenderten anschließend noch über den kleinen traditionellen Markt am Fuße des Berges und probierten den ein oder anderen geräuchterten Schafskäse.

Nachdem wir so erste Eindrücke von unserer neuen Heimat für die kommende Woche gesammelt hatten, verließen wir sie am nächsten Tag schon wieder für einen Tagesausflug, um Wadowice, den Geburtstort von Papst Johannes Paul II, und das KZ Auschwitz zu besichtigen. In Wadowice besuchten wir das Museum zu Johannes Paul II, wo man sogar seine original eingerichtete Wohnung betreten konnte. Dieser Besuch brachte uns dem Erfinder der Weltjugentage ein Stück näher und fasziniert von dieser Persönlichkeit genossen wir noch das italienische Flair von Wadowice.

Der nächste Programmpunkt – das KZ Auschwitz – stand dazu in hartem Kontrast. Aufgrund der vielen WJT-Pilger konnten wir nur die Außenanlagen besichtigen, aber das genügte schon, um die Verzweiflung, Kälte und Trostlosigkeit des Ortes zu spüren. Der Hungerbunker, wo der hl. Pater Maximilian Kolbe sein Leben ließ, erinnerte uns aber daran, dass selbst in dunklen Zeiten Gott bei uns ist. Anschließend hielten wir noch eine Andacht im Zentrum für Gebet und Frieden ab, wo wir unsere Eindrücke verarbeiten konnten.

Der nächste Tag sollte uns dann nicht mehr so erschüttern, denn wir besuchten die Salzgrube in Wieliczka. Wir bewältigten insgesamt über 800 Treppenstufen und kamen so 130 Meter unter die Erde. Man könnte sich fragen, wozu die ganze Anstrengung, aber wir wurden mit einer wunderschönen Führung belohnt und waren richtig beeindruckt von der riesigen Kapelle mit Kronleuchtern, tollen Skulpturen und Heiligen-Bildern eingemeißelt in die Wände – natürlich alles aus Salz! Auch dort unten begegnete uns Johannes Paul II, denn selbst er hatte diesen beeindruckenden Ort schon mehrmals besucht.

Am Abend stimmten wir uns mit einer Kutschenfahrt und Lagerfeuer noch mehr in die Bergstimmung von Zakopane ein, mit der es am Donnerstag weiterging. Wir fuhren mit einer Kabinenbahn auf den Hausberg Kasprowy Wierch von Zakopane. Dort oben wanderten wir eine Stunde herum, und bestaunten das Bergmassiv der Tatra, die ganz anders als die Alpen anmutet. Daraufhin hieß es Freizeit in Zakopane.

Wir freuen uns nun auf den bayrisch-polnischen Abend und die morgige Floßfahrt mit Abschluss in den modernen Thermen in Chocholow. Diese Woche intensivierte mit täglichen Gottesdiensten und Andachten unsere Pilgerreise zum Weltjugendtag und wir erlebten das Gastgeberland Polen von seiner gemütlichen Seite abseits der Metropole Krakau. Wir sind uns alle einig, wir wollen nach Zakopane zurückkehren!

Warme Worte aus dem chilenischen Winter

Der Prophet Jesaja fragt: 58.6-7

„Besteht nicht ein Gott wohlgefälliges Fasten (Handeln) darin, die Unterdrückten zu befreien, den Hungrigen dein Brot zu brechen und heimatlose Elende in dein Haus zu führen, wenn du einen Nackten siehst, dass du ihn bedeckst und dass du dich deinem Nächsten nicht entziehst?“

Und gleich fährt er fort: 58.8: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte. Und deine Heilung wird schnell sprossen. Deine Gerechtigkeit wird vor dir herziehen, die Herrlichkeit des Herrn wird deine Nachhut sein. Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten…“

Diese Worte des Propheten Jesaja möchte ich mit euch teilen, weil sie mich seit langen Jahren begleiten und ermutigen, sie in unserer Zeit zusammen mit euch an unseren verschiedenen Orten und mit unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten zu verwirklichen. All euer Einsatz für unsere Dienste in Chile, Bolivien und Peru betrachte ich aus dieser Perspektive, aber auch all euer Engagement für das Wohl anderer Menschen vor Ort oder in anderen Ländern, wie auch für die Flüchtlinge…

Nach meiner langen Reise durch Deutschland und Luxemburg möchte ich euch allen danken, denen ich begegnet bin, aber auch allen, die mich liebevoll in Gedanken und Gebeten begleitet haben. Voll Freude kehre ich heim, zusammen mit meinen beiden Mitarbeiterinnen Marla Solari und Dr. Ana Maria Pereira, die zur Mitgliederversammlung Cristo Vive Europa eingeladen waren. Wir fühlen uns reich beschenkt. Meine beiden Freundinnen hören nicht auf, von den wundervollen Erfahrungen während ihres Aufenthaltes in Deutschland zu erzählen. Sie waren – wie auch ich – ganz begeistert von der Cristo Vive Europa-Mitgliederversammlung. Ich kann nur staunen über den großen Einsatz des Vorstandes und die fröhliche Unterstützung der ehemaligen Freiwilligen. Auch die Migliederversammlung von Amntena war ein großes geschwisterliches Treffen.

Während meines Rückfluges überkam mich eine große Freude und Dankbarkeit. Auf Einladung des Katholikentages in Leipzig hatte ich zum Leitwort: „Seht, das ist der Mensch!“ folgendes geschrieben: „Mensch, ich und du und alle, gewünscht, gesehen und bedingungslos geliebt von Gott! Diesem Menschen – uns Menschen heute – gibt Gott die Erde in die Hände. Jesus hat uns die gute Botschaft gebracht und uns eingeladen, seine Jüngerinnen und Jünger zu werden. Er vertraut uns, dass wir von ihm lernen und mitarbeiten, allen Völkern das Reich Gottes anzukündigen und uns einzusetzen, dass es durch unseren konkreten Dienst in der Familie, in der Gemeinde, in der Arbeit, in Politik, Wirtschaft und Kultur Wirklichkeit wird.

Als sein Abbild tragen wir Gottes Liebe in unserem Herzen. Diese Liebe ist eine unendliche Energie. Durch sie können wir teilnehmen, die Erde verwandeln, Hunger, Ausgrenzung und Unterdrückung bekämpfen, Gerechtigkeit und Frieden schaffen. Ein alter Kirchenvater sagte: „Die Herrlichkeit Gottes ist, dass der Mensch lebe!“, San Oscar Romero sagte darauf: „Die Herrlichkeit Gottes ist, dass der Arme lebe!“ Dafür treffen wir uns auf dem 100. Katholikentag.

Wir sind alle Gottes Kinder. Was will ein Gott, der sich Vater nennen lässt, mehr als dass wir, seine Söhne und Töchter auf Erden, glücklich werden? Doch dieses Glücklich-Werden ist nicht von vornherein gegeben, fällt nicht vom Himmel und hat mit uns selbst und den anderen zu tun. Aber alle haben wir eine Sehnsucht danach.

Oft frage ich mich, ohne eine Antwort zu finden, warum viele Menschen – und ich kenne so viele – von klein auf ein so schweres Leben haben? Umso mehr spüre ich den liebenden Ruf Gottes in meinem Herzen, alles mir Mögliche zu tun, um den Menschen in Not beizustehen, dass sie in Würde und mit ihrer Mitarbeit ein gutes Leben oder wenigstens bessere Bedingungen erreichen. Das macht mich glücklich. Ich habe gesehen, dass auch ihr, liebe Freunde, an euren Orten auf dem gleichen Acker Gottes beschäftigt seid und ich fühle mich darin mit euch verbunden.

Nun ein paar Nachrichten: Am Freitag nach meiner Ankunft hatte ich gleich zusammen mit Gustavo und Ignacio eine Audienz bei unserem chilenischen Sozialminister, Marcos Barraza. Wir haben ihm unsere verschiedenen Dienste vorgestellt und um Unterstützung, vor allem für die Arbeit mit den Kranken im Gesundheitszentum, gebeten. Beistand, den wir dringend brauchen! Er hat uns sehr aufmerksam zugehört. Nächsten Mittwoch freuen wir uns, dass – während des Staatsbesuches unseres deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck – seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, uns mit einer Delegation besuchen kommt, um das Gesundheitszentrum Cristo Vive und die Krankenpflegeschule kennenzulernen.

Ansonsten kann ich euch berichten, dass alle unsere Mitarbeiter sich engagiert einsetzen. Ende nächster Woche geht es wieder nach Bolivien, wo wir unsere Freunde, Familie Hildebrand Alberti und Familie Schenker von Cristo Vive Suiza, erwarten. Natürlich möchte ich dabei auch unsere Mitarbeiter in den verschiedenen Diensten begleiten. Wieder möchte ich euch allen für eure Liebe und Unterstützung danken.