Kategorie-Archiv: Begegnung

Taizé-Treffen – Grenzen er-fahren

Heute ging es endlich richtig los, das Taizé-Treffen in Strasbourg, dem Elsass und der Ortenau. Bereits viermal haben wir heute die deutsch-französische Grenze im wahrsten Sinne des Wortes er-fahren – diese Grenze, die ein charakteristisches Merkmal dieses Taizé-Treffens darstellt.

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Frère Alois beschrieb dies in seiner heutigen Abendansprache folgendermaßen:
„Wir sind als Pilger des Friedens und des Vertrauens hierher nach Straßburg gekommen, in diese Stadt und in diese Region Europas, die nach den schrecklichen Kriegen des 20. Jahrhunderts zu einem Symbol der Versöhnung geworden ist.“

Am frühen Morgen brach ich von Nürnberg aus auf. Wie passend, dass ein Großteil der Strecke exakt die gleiche Route ist wie bei den Pilgerfahrten der Diözese Eichstätt nach Taizé. In Karlsruhe traf ich mich dann mit einer Freundin und gemeinsam überfuhren wir zum ersten Mal die deutsch-französische Grenze, um uns in Strasbourg beim allgemeinen Empfang anzumelden. Anschließend ging es zurück nach Deutschland, da unsere Unterkunft auf der deutschen Rheinseite in Offenburg liegt. Nach dem Empfang in der Gastgemeinde und der Gast-WG fuhren wir dann erneut mit speziellen Pendelbussen nach Strasbourg zum Abendessen und Abendgebet.

Mitten in diesem bunten Durcheinander von jungen Menschen aus den verschiedensten Ländern Europas trafen wir auch gleich die ersten bekannten Gesichter. Auf dem Rückweg in unsere Unterkunft überschritten wir die Grenze dann zum 4. Mal. Für unsere Generation ist diese problemlose und unkomplizierte Überwindung der Grenzen selbstverständlich, sie macht uns in diesen Tagen aber neu bewusst, wie dankbar wir dafür sein können. Ich hoffe, dass wir in diesen Tagen die Grenze nicht nur er-fahren, sondern auch immer neu dazu beitragen, Grenzen zu überwinden und die europäische Einigung voranzutreiben!

Eindrücke von meinem Aufenthalt in Deutschland

Zunächst möchte ich mich vorstellen: Ich heiße Pamela Tripailaf Lefio del Carmen, ich bin 34 Jahre alt und als Lehrerin mit dem Hauptfach Interkulturelle Bildung im Mapuche-Kontext tätig. Zurzeit lebe ich in der Stadt Temuco, Südchile. Ich bin verheiratet und habe zwei Kindern, ein Junge (Lienan, 9) und ein Mädchen (Liqenray, 5 Jahre), beide Mapuche-Namen sind eine Anspielung auf das Sonnenlicht.

Geboren wurde ich in der Mapuche-Gemeinde Trumpulo Chico, wo meine Eltern noch heute leben. Bis zum Alter von zehn Jahren wuchs ich in der Obhut meiner Großmutter auf. Als sie starb, kehrte ich zu meinen Eltern und meinen vier Brüdern zurück.

Ich hatte eine sehr schwierige Kindheit, zuerst wegen des Todes meiner Großmutter, die mich nach den Prinzipien und Werte der Mapuche erzogen hat. Danach kam die Krankheit meiner Mutter, was dazu führte, das ich nicht regelmäßige den Unterricht in der Grundschule besuchen konnte.

Nun, trotz all dieser Schwierigkeiten und zusätzlichen wirtschaftlichen Probleme, auch der gelegentlichen Gewalt in der Familie, habe ich es dankt meiner Großmutter geschafft, in der Stadt zu studieren. Zu Lebzeiten hatte sie – ohne meine Familie in Kenntnis zu setzten – ein Ehepaar in der Stadt beauftragt, mich anzunehmen und mir den Besuch der Sekundarschule zu ermöglichen. Glücklicherweise nahmen sie die Anfrage meiner Großmutter ernst und holten mich an einem Sommertag auf dem Land ab, damit ich in der Stadt zur Schule gehen konnte.

Ab diesem Tag konnte mich nichts und niemand aufhalten. Ich hatte viele Schwierigkeiten zu überwinden, und dabei dachte ich immer an die Lehre meiner Großmutter, dass man trotz allem, Hoffnung haben soll: „Wir müssen weitermachen.“ Zudem haben mir Menschen von der katholischen Kirche geholfen.

So habe ich die Sekundarschule abgeschlossen und konnte dann an einem Ausbildungsprogramm für Mapuche-Lehrer der Katholischen Universität von Temuco teilnehmen. Und so kam ich in die St. Vincent-Schule, wo ich derzeit als Lehrerin tätig bin. Bei dieser Arbeit geht es um die Vermittlung und Wiederbelebung der Mapuche-Sprache sowie um Einbeziehung von Wissen und Know-how der Mapuche-Kultur.

In diesem Zusammenhang berührte es mich, Schüler zu begegnen, die mich an meiner Situation, vor allem in meiner Kindheit, erinnern. Sie wollten studieren, konnte aber nicht, auf der einen Seite, wegen der wirtschaftlichen Situation und zum anderen, weil die Eltern weder Motivation noch Interesse hatten, ihre Kinder auf die Sekundarschule in der Stadt zu schicken. Außerdem bot die Schule nicht den geeigneten Raum, um die Schüler zum Weiterlernen zu motivieren, was mich dazu brachte, mehr außerhalb des Klassenzimmers aktiv zu werden. Ich besuchte freiwillig die Familien, um den Kindern bei ihren Schulaufgaben zu unterstützen. So wandte ich mich an Pater Fernando Diaz, der damit begann, Hilfe zu organisieren. Heute können wir einen kleinen Zuschuss für die Transportkosten der Schüler anbieten.

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Reise nach Deutschland

Als ich die Einladung von Adveniat für eine Reise nach Deutschland erhielt, war ich ein wenig beunruhigt, weil ich nicht wusste, was mich erwarten würde. Außerdem beschäftigte mich sehr  die Trennung von meiner Familie. Dennoch war es sehr wichtig, zunächst, um neue Orte kennen zu lernen und auch über meine Berufserfahrung in Mapuche-Gemeinden zu erzählen.

Aber vom ersten Moment an, als ich am Flughafen empfangen wurde, fühlte ich die Wertschätzung und die Liebe vor allem der Adveniat-Mitarbeiter. Was mich als erstes beeindruckt hat, war die Schönheit der Stadt, nicht so sehr der Häuser und Gebäude, sondern so viele Bäume und Parks in der Stadt zu sehen.

Später bei den Schulbesuchen bemerkte ich die Disziplin der Kinder, wie sie ihre Hände hoben und warteten, bis sie zum Sprechen an der Reihe waren, und das Interesse, das sie zeigten, mehr über die Mapuche-Kultur und ihr Land kennen zu lernen. Ich konnte Kinder sehen, die frei sind, ohne Angst zu sprechen. Auf der anderen Seite schätze ich die entgegengebrachte Liebe und das Interesse der Schüler: Einige blieben am Ende der Klasse, um noch etwas zu fragen oder einfach um mich zu bitten, meinen Namen auf ein Papier zu schreiben.

Bei den Besuchen in den Pfarreien fühlte ich mich gut aufgenommen von den Priestern und anderen Menschen, die zu meinen Vorträgen kamen. Ich war überrascht, dass einige bereits etwas über meine Kultur wussten, und ich habe keinen Zweifel daran, dass sie nach meinem Aufenthalt noch etwas mehr wissen.

Abschließend, möchte ich mich bei Adveniat für die Einladung bedanken, vor allem meiner Dolmetscherin Stefanie Hoppe, die mir bei all diesen neuen Erfahrungen in diesem fernen Land viel Sicherheit und Vertrauen vermittelte, vor allem als Lebenserfahrung und berufliche Entwicklung. Im Gegensatz zu meiner Vorstellung, die Deutsche seien distanzierte Menschen, habe ich viel Nähe, Herzlichkeit und sehr einladende Atmosphäre erfahren.

Danken möchte ich auch den Bischöfen, Priestern und Verantwortlichen der Gemeinden, die uns bei den endlosen Gesprächen begleiteten. Vielen Dank für die Einladungen, das Vertrauen und die Aufnahme.

Ich danke auch der Diözese Eichstätt für die Einladung, über meine Erfahrungen in Deutschland zu schreiben.

Ich bin zurück in meinem Land mit großen Hoffnungen und Herausforderungen in der Bildung von Mapuche- und Nicht-Mapuche-Kindern. Die Reise bedeutete eine Stärkung meiner Arbeit in der Schule vor allem mit den Mapuche-Gemeinden. Sie bestärkte mich in meiner Überzeugung, dass es notwendig und möglich ist, weiterzumachen in einem Bildungsprojekt, vor allem mit Kindern und Jugendlichen, um aus unserer Situation der Benachteiligung herauszukommen, um ausgehend von der Ausbildung unsere Identität als Mapuche aufrechtzuhalten und zu entfalten. Und das in einem schwierigen Kontext wie es die dominierende Gesellschaft und die Globalisierungsprozesse darstellen.

Übersetzung aus dem Spanischen: Geraldo Hoffmann

Mehr zum Thema: „Menschen der Erde“ – eine Mapuche in Eichstätt

Die Bedeutung des Friedenslichts für Betlehem

Mit einer 30-köpfigen Delegation von DPSG-Pfadfindern aus ganz Deutschland bin ich Ende Oktober nach Israel und Palästina gereist. Neben der Besichtigung der heiligen Stätten stand vor allem der Austausch mit Pfadfindergruppen vor Ort im Vordergrund. Nachdem wir in Tel Aviv einen Tag jüdische Pfadfinder besuchten, folgten vier Tage bei den katholischen Pfadfindern in Nazareth. Dabei besuchten wir auch den See Genezareth. In Nazareth trafen wir mehrmals die dortigen Pfadfindergruppen und tauschten uns über die Situation aus, sie zeigten uns die Sehenswürdigkeiten und bewirteten uns. Die Gastfreundschaft zeigte auch sich beim Mittagessen, das wir bei Familien in Gruppen genießen durften.

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Daraufhin reisten wir weiter nach Jerusalem und Betlehem hinter der Mauer auf palästinensischer Seite. In Betlehem wurden wir in Gruppen für vier Tage bei Familien herzlich aufgenommen. Wir besuchten auch eine Menschenrechtsorganisation, die uns auf die schwierige Lage in dem Konflikt hinwies und die Ungerechtigkeiten aufzeigte. Teilweise besitzen auch Christen israelische Pässe. Sofern dies nicht der Fall ist, haben sie lediglich eine palästinensische ID, welche jedoch nicht international anerkannt ist, was große Beschränkungen beim Reisen nach sich zieht.

Im Touristenbus passierten wir die Checkpoints problemlos. Bei den palästinensischen Autos bildeten sich dagegen lange Schlangen. Gerade auf palästinensischer Seite gibt es zahlreiche Proteste gegen die Mauer, die 11 Meter hoch ist und Betlehem von Jerusalem trennt. An der Mauer sind zahlreiche Bemalungen zu sehen, die von einer friedlichen Lösung träumen lassen.

Aufgrund der Vergangenheit des Staates Israel und dem großen Unrecht, das Juden angetan wurde, ist Sicherheit ist ein wichtiges Gut in Israel. Umso bedauerlicher ist es, dass im Heiligen Land eine Mauer entstanden ist und sich eine friedliche Koexistenz von Israel und Palästina sehr konfliktbehaftet gestaltet. Besonders negativ fiel mir der Siedlungsbau auf, da ganze Städte mit bis zu 15.000 Einwohnern ohne Genehmigung auf palästinensischem Gebiet gebaut werden. Leider sind auf beiden Seiten radikale Strömungen zu finden, so dass uns nur zu hoffen bleibt, dass die gemäßigten Kräfte beider Seiten zum Frieden finden werden.

Wir besuchten ebenso das Caritas Baby Hospital in Betlehem, dem auch unsere komplette Kollekte aus dem Friedenslicht-Gottesdienst in Eichstätt gespendet wird. Das Kinderkrankenhaus nimmt sich jedem Kind an – unabhängig von Religion, Nationalität oder sozialem Status. In diesem Krankenhaus arbeitete einer unserer Gastgeber und führte uns herum. Da man als Patient keine Gesundheitsversicherung braucht, ist das Krankenhaus auf Spenden angewiesen. Die Wichtigkeit dieses Krankenhauses wurde uns auch in der Familie bewusst, als der kleinste Sohn krank wurde. Eine Gesundheitsversicherung ist in den palästinensischen Gebieten kaum vorhanden.

Mit insgesamt fünf christlichen Pfadfindergruppen tauschten wir uns aus, spielten und informierten uns über ihre Situation. Wir wollen diese Partnerschaft ausbauen und versprachen uns gegenseitige Solidarität.

In Betlehem besuchten wir auch die Geburtsgrotte, den Ort, an dem jedes Jahr das Friedenslicht entzündet wird. Frieden wird von der Bevölkerung auf beiden Seiten gewünscht. Mit dem Friedenslicht wollen wir Hoffnung geben und uns gemeinsam für den Frieden an jedem Ort auf der Welt einsetzen. Wenn wir im Kleinen keine Mauern aufbauen, wird dies auch nicht im Großen passieren.

Mehr zum Thema: Friedenslichtaktion 2103 | Bildergalerie und Audio

Besuch aus Benin

Benin liegt in West-Afrika. Auf der Weltkarte erscheint die ehemalige französische Kolonie als ein schmales Land mit kleinem Kopf, eingeklemmt zwischen dem noch kleineren Staat Togo und dem großen Nigeria. Seit 1960 ist Benin von Frankreich unabhängig – und nimmt sein Geschick selbst in die Hand. Jedenfalls versucht das für afrikanische Verhältnisse eher kleine Land im Konzert der mehr und mehr globalisierten Welt seinen eigenen Weg zu gehen. Und das mit Stolz. Jedes Land hat guten Grund, stolz zu sein auf sein eigenes Volk. Auch Benin. Das sagte mir schon vor Jahren mein alter Studienfreund Pascal N’Koué aus Natitingou in Benin. Er ist heute Erzbischof von Parakou in seiner Heimat. Ich durfte manches von ihm lernen.

Heute ist aber ein anderer Bischof aus Benin zu Besuch in Eichstätt: Victor Agbanou, geboren im Jahr 1945, ist Bischof von Lokossa. Soeben hat er mit unserem Bischof Gregor Maria Hanke OSB einen festlichen Gottesdienst im Eichstätter Dom gefeiert. Bischof Victor spricht gut Deutsch. Die Sprache ist ihm aus eigenen Studientagen in Deutschland erhalten geblieben. Zum Bischof geweiht wurde er durch seinen großen Landsmann Kardinal Bernardin Gantin (1922 – 2008) im Jahr des großen Jubiläums 2000. Der freundlich zurückhaltende Gast aus Benin öffnet sich im Gespräch. Er erzählt Bischof Hanke und uns vom Referat Weltkirche von seinem Land und von der Kirche in Benin.

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Politisch ist Benin eine Präsidialrepublik. Die Korruption in der öffentlichen Verwaltung macht den Menschen zu schaffen. Der westafrikanische Staat hat heute ca. 10 Millionen Einwohner.  Etwas weniger als die Hälfte davon sind Christen; neben den Katholiken gibt es eine Vielzahl von evangelischen und evangelikalen Denominationen. Bischof Victor sagt: „Bei uns schießt fast jeden Tag eine neue Kirche aus dem Boden“. Neben dem massiven Vordringen des Islams gehört die Koexistenz mit den vielen ganz neuen christlichen Gruppen zu den Herausforderungen, denen sich die katholische Kirche zu stellen hat. Auch der Anteil der Naturreligionen ist in Benin noch relativ hoch. Der Bischof erzählt, viele der neuen „Kirchen“, die von Predigern aus den USA gegründet werden, reduzierten den christlichen Glauben auf eine rein individuelle Gottesbeziehung und auf die religiöse Feier. Der soziale Aspekt des Christseins, der Ruf zur gesellschaftlichen Mitverantwortung, das Mitbauen an einer sozial gerechten Gesellschaft nach den Maßstäben des Evangeliums falle nahezu gänzlich weg. Dies und die Zerspaltung in viele kleine voneinander unabhängige Gruppierungen mindere insgesamt die Kraft des Christentums in Benin. Trotzdem kann die katholische Kirche einen wertvollen Beitrag für das Land leisten. So werden zum Beispiel die kirchlichen Schulen nicht nur von katholischen Christen besucht. Auch viele andere Menschen in Benin schicken Kinder und Jugendliche gerne auf katholische Schulen. Kirche, Bildung und Wertevermittlung, das gehört in Benin zusammen.

Im Bistum Lokossa leben heute ca. 142.500 katholische Christen. Die etwa 170 Diözesanpriester müssen oft weite Wege zurücklegen, um die Dörfer zu erreichen. „Ohne unsere Katechisten wäre die Glaubensvermittlung undenkbar“, sagt Bischof Victor. Vielleicht können wir ihm ein wenig bei der Ausbildung der Katechisten helfen. Der Glaube ist ja ein großes Geschenk. Ein Geschenk Gottes, das uns hilft, das Leben zu verstehen und die Welt mit den Augen dessen zu sehen, der sie geschaffen hat und alles Leben bejaht. Ein Geschenk, zu dessen Weitergabe wir Christen berufen sind. Bischof Victor, danke für Deinen Besuch.