Kategorie-Archiv: Alltag

Brasilien: Krise, Hoffnung und Nächstenliebe

“Verständen wir den Wert und die Würde der Nächstenliebe, wir würden uns auf nichts anderes mehr verlegen”. (Teresa von Avila)

In Brasilien ist Hochsommer und Regenzeit mit Temperaturen zwischen 35°C und 40°C bei uns in Mato Grosso. Um die Jahreswende werden viele Aktionen für die Menschen in den Armenvierteln organisiert. Der Glaube und das Vertrauen in Gott sind Grund zur Freude und Hoffnung trotz der größten Krise und den vielen Probleme, die Brasilien erschütern.

Brasilien steckt seit drei Jahren in einer seiner größten Krisen mit Rezession, hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Millionen Menschen wurden in die Armut geworfen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 40%, jeder zweite Studienabgänger findet keinen Job. Im Jahre 2016 fielen 3,6 Millionen Brasilianer in die extreme Armut und erhöhten die Gesamtzahl auf 22 Millionen. Die hohe Arbeitslosigkeit und zunehmende Armut sind verantwortlich für eine zunehmende Auswanderung von Jugendlichen in die USA, Kanada, Australien und Europa.

Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich und Brasilien, einst 6. Wirtschaftsnation der Welt, ruchte auf Platz 9 ab. Das monatliche Durschschnittseinkommen fiel um 2,5% und betrug im vergangenem Jahr R$ 1.976,00 (umgerechnet 560 Euro). Die ungleiche Verteilung des Einkommens hat zugenommen, 71.000 Brasilianer verfügen über 22% des Gesamteinkommens bzw. die reichsten 5% der Bevölkerung besitzen 28% des Gesamteinkommens. Auf Grund der zunehmenden Armut haben auch Gewalt und Kriminalitäat extrem zugenommen. Mehr als 60.000 Menschen wurden 2016 ermordet. Brasilien ist gefährlicher als Regionen mit Krieg und Terrorismus. In Rio de Janeiro haben die Behörden die Kontrolle verloren und stark bewaffnete kriminelle Drogenbanden liefern sich fast täglich schwere Gefechte. Fast 100 Polizisten wurden bereits ermordet. Schwerbewaffnete Militärs unterstützen die Polizei im täglichen Kampf gegen die Drogenbanden.

Eine Anakonda überquert die Straße – nicht die größte Gefahr in Brasilien. Foto: Manfred Göbel

Verantwortlich für das Chaos ist die genzenlose Korruption, die alle Bereiche erfasst (Parlament, Regierung, Justiz, Polizei und Unternehmer). Ein junger mutiger Richter und ein paar junge Staatsanwälte kämpfen gegen die Korruption mit einigen Erfolgen, doch wie lange? Das Chaos hat auch die öffentlichen Dienste erreicht, die Komunen, Länder und Bund sind pleite. Folgen sind schlecht funktionierende Gesundheitsdienste, Schulen, Universitäten, Sicherheit. Viele Krankenhäuser leiden unter Materialmangel, einige schließen.

Doch die jüngst veröffentlichen Zahlen zur Inflation (2,46% gegenüber 10,71% in 2016) und Leitzins (7% gegenüber 14,24% in 2016) und die Prognose eines Wirtschaftswachstum von 0,5% sowie eines leichten Rückgangs der Arbeitslosenzahl lassen auf ein Ende der Rezession hoffen. Die politische Lage bleibt jedoch instabil mit einem Präsidenten, der wegen Korruption durch den Generalbundesanwalt angeklagt ist, und einem Parlament, in dem mehr als 40% der Abgeordneten in Korruptionskandale verwickelt sind.

Unsere Welt scheint auch aus den Fugen geraten zu sein. Die Konflikte nehmen zu, man versteht sich nicht mehr. Die Liebe und der Frieden werden von Hass und Krieg verdrängt. Wie konnte es so weit kommen? Die Intelligenz arbeitet ohne das Herz, doch nur wenn beide zusammenarbeiten, hat die Liebe eine Chance. “Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Die Liebe hört niemals auf”.(1 Kor 13,1-13).

Buch über Pater Nazareno

Kürzlich wurde eine Biografie des Märtyrers Pater Nazareno Lanciotti in Jauru vorgestellt. Er war italienischer Priester aus Rom und ein sehr guter Freund. Es nahmen ca. 4.000 Menschen an der Buchvorstellung teil (Stadt- und Landkreis haben nur 9.000 Einwohner), darunter auch der Bischof, Bürgermeister, Stadträte und Landtagsabgeordnete. Ich wurde als Vertreter der Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) und als Freund von Pater Nazareno eingeladen und hielt auch eine Ansprache.

Buchvorstellung in Jauru. Foto: Manfred Göbel

Pater Nazareno wurde am 11. Februar 2001 beim Abendessen im Pfarrhaus in Anwesenheit von zehn Personen, darunter zwei Ärzte, ein italienischer Enwticklungshelfer und einige Jugendliche, von zwei maskierten und bewaffneten Banditen niedergeschossen. Am 22. Februar 2001 starb er nach einem schmerzvollen Leiden. Am 8. Februar aßen wir beide noch zu Abend in Cuiaba und ich hätte auch am 11. Februar in Jauru sein sollen, verschob jedoch die Reise um einen Tag. Er wollte mit mir und den Ärzten über die Verbesserung des Gesundheitsdienstes und Leprakontrolle sprechen. Jauru hat eine sehr hohe Leprarate (240 Leprakranke/100.000 Einwohner).

Kirche in Jauru. Foto: Manfred Göbel

Bischof Dom Jose von der Diözese Caceres erwähnte in seiner Ansprache das soziale und spirituelle Engagement von Pater Nazareno, das viele störte und Motiv für seinen Tod war. Der Bischof ist auch ein begeisteter Verfechter der Lepraarbeit der DAHW. Seine Diözese liegt im Grenzgebiet zu Bolivien mit hoher Leprarate. Jauru liegt rund 400 km westlich von Cuiaba. Das Buch von Pater Nazareno gibt es in italienischer und portugiesischer Version, und wurde vor zwei Jahren vom italienischen Schriftsteller Ivaldo Riva in Italien veröffentlicht.

DAHW Brasilien

Die DAHW, für die ich seit 1979 in Brasilien tätig bin, hat ein Büro in der Stadt Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais eröffnet, das von Dr. Reinaldo Bechler geleitet wird. Er tritt meine Nachfolge an, da ich ab Januar 2019 in Rente gehe. Im kommenden Herbst bin ich in Deutschland und werde auch in Absprache mit der DAHW einige Gruppen besuchen. Meinen herzlichen Dank an alle, die unsere Arbeit unterstützen und Gottes Segen für 2018.

(Auszug aus dem Weihnachtsbrief 2017)

Friede durch Gerechtigkeit und Versöhnung

Mit den Jahren, so stelle ich fest, gestaltet sich meine religiöse Wahrnehmung und gerade an Weihnachten wird mir deutlich, wie schön und hilfreich unser Glaube ist. Weihnachten heißt: Gott wird Mensch. So zeigt Gott wie wichtig wir ihm sind und so will er das Göttliche in uns zur Geltung bringen. Das sind die Güte, die Freundlichkeit, die Barmherzigkeit, die Versöhnungsbereitschaft, die Liebe und so vieles mehr. Diese Werte sind wie ein Leitfaden für unser Leben.

Bei alledem weiß ich natürlich nur zu gut, dass in dieser Welt elend viel gelitten wird. Menschen hungern und werden erniedrigt. Sie sind Kriegen, der Brutalität und der Verachtung ausgesetzt. Kinder werden geboren und sterben bald darauf. Auch im Privaten, in den Familien, in den Altersheimen wird viel gelitten und oft kommen Menschen an ihre Grenzen. Aus diesem Grund können wir manchmal an keinen Gott (mehr) glauben und fragen: „Wo ist Gott? Warum greift er nicht ein?“. Hinter dieser Frage versteckt sich aber, dass wir einen allmächtigen Gott wollen. Einen, der eingreift. Natürlich so, wie wir es gerne hätten.

Dabei kommt Gott uns in einem Stall entgegen. Ohnmächtig auf dem ersten Blick. Zwischen Ochs und Esel kommt er in einer kalten Krippe zur Welt. Seine Botschaft ist: Friede durch Gerechtigkeit und Versöhnung. Er leidet mit einem jeden Menschen mit und seine Menschenfreundlichkeit steckt an. Er zeigt eine tiefe Ehrfurcht vor jedem Leben und sagt: „Was du einem Geringsten meiner Brüder getan hast, das hast Du mir getan“. Jesus lebt uns vor, was wirkliches Menschsein ist. Indem wir seinem Beispiel folgen, bekommt unser Leben einen Sinn. Aus diesem Grund haben wir alle, wenn wir ihn ernst nehmen, seit seiner Geburt eine Mission: Nämlich mitzuwirken, dass jeder Mensch auf dieser Erde ein Mensch sein oder werden kann. Der Kranke, der Alte, der Flüchtling, der Hungernde und, und, und…. Gott will durch uns wirken. Das ist das Geheimnis und macht einen jeden und jede von uns zum Bringer des Heils. In Anlehnung an ein Gebet von Albert Schweitzer könnte man (theologisch wohl nicht ganz richtig) sagen: „Gott verändert nicht die Welt. Gott verändert Menschen und Menschen verändern die Welt“.

Einsatz für Menschenrechte in Tansania

Im Jipe Moyo Center in Musoma, Tansania, wo ich derzeit einen Freiwilligendienst leiste,  hat der Einsatz für die Menschenrechte oberste Priorität. Für deren Einhaltung setzen sich hier alle Mitarbeiter konkret ein. So auch Sister Annunciata, meine erste Ansprechpartnerin hier und Leiterin des Centers. Sie ist eine bewundernswerte Frau.

Sister Annunciata, Leiterin des Jipe Moyo Center: Foto: Olivia Ermel

Mitarbeitergruppen des Centers gehen zum Beispiel in Schulen und gründen ‚Children’s Rights Clubs‘, in denen sich die Kinder gezielt mit ihren Rechten beschäftigen – vor allem lernen sie, dass Mädchen und Jungen die gleichen haben. Neben den Clubs werden Kurse für Frauen angeboten, in denen ihnen beigebracht wird, ihr eigenes kleines Business zu starten. Dabei wird ihnen dann erst einmal erklärt, dass sie den Männern gegenüber gleichberechtigt sind. Um die Menschenrechte immer weiter zu verbreiten, ist das Ziel deshalb auch, das Jipe Moyo Center in der Mara Region in Tansania bekannter zu machen. Eine große Hilfe stellt zudem die Polizei dar, die dazu beiträgt, dass das Center an Autorität gewinnt. Oft bringt sie hilfsbedürftige Kinder her und verhindert, dass Verwandte kommen, um sie sofort wieder zurückzuholen. Einige nationale Regeln stehen in Tansania nämlich auch hinter den Menschenrechten. So sind Kinderehen und Kinderarbeit zum Beispiel gesetzlich verboten. Leider macht die Regierung viel zu wenig, um diese Gesetze durchzusetzen. So erhält das Center auch keine finanzielle Unterstützung vom Staat.

Letzte Woche habe ich drei Mitarbeiter ins Dorf begleitet. Zuerst haben wir eine Primary School besucht. Dort haben die ‚Grundschüler‘ des Children Rights Clubs ihr Ergebnisse der vergangenen Woche präsentiert. Durch Gesang und Tanz versuchen sie, die Menschenrechte ihren Mitschülern weiterzuvermitteln.

Besprechung zur Lage der Kinderrechte. Foto: Olivia Ermel

Childrens Rights Club Besprechung – das Interesse an unserem Besuch ist groß (siehe die Zuschauer im Hintergrund).
Anschließend ging es weiter zu einer Familie, in der die minderjährige Tochter als Prostituierte gearbeitet hat, um an Geld zu gelangen. Nun wird sie vom Jipe Moyo Center finanziell unterstützt, damit sie sich ihre Schulsachen leisten kann und sich nicht mehr verkaufen muss.

Familienberatung. Foto: Olivia Ermel

Danach sind wir in eine Secondary School gefahren. Der Children Rights Club dort hatte zusätzlich zu Gesang und Tanz noch ein Schauspiel zum Thema Menschenrechte einstudiert. Zudem haben sie uns von Vorfällen in ihrer Umgebung erzählt, in denen diese Rechte nicht eingehalten werden. Die Kinder einer Familie dürfen abends zum Beispiel nicht ins Haus kommen, wenn sie nichts zu Essen mitgebracht haben. Dann müssen sie draußen schlafen. Ein Mädchen einer anderen Familie wiederum darf nicht zur Schule gehen. Daraufhin sind wir zur Community des Dorfes gefahren, um dort von den Missetaten zu berichten und die betroffenen Familiennamen zu nennen. Nun werden sich die Menschen vor Ort, um diese Probleme kümmern. (Das hoffen wir zumindest. Laut Sister Annunciata wird das manchmal mehr und manchmal weniger getan.)

Secundary School – Childrens Rights Club. Foto: Olivia Ermel

Bisher kannte ich solche Umstände nur aus Filmen. Es ist für mich manchmal schwer zu begreifen, dass ich nun tatsächlich mitten im Geschehen bin. Das Problem der weiblichen Genitalverstümmelung, die in vielen Dörfern noch traditionell praktiziert wird, kennen viele auch nur aus dem Film “Wüstenblume“.

Jipe Moyo Gemeinschaft. Foto: Olivia Ermel

Nach einem Gespräch mit einem Mädchen, das vor dieser Tradition geflüchtet ist, wird mir wieder bewusst wie wichtig die Existenz und der Fortbestand des Jipe Moyo Centers ist. Ansonsten hätte dieses Mädchen keinen Platz auf der Erde gehabt, wo es hingehen  hätte können, um vor dieser Gewalttat beschützt zu werden.

Herzlichkeit und Freundlichkeit zeichen die Menschen in Tansania aus. Foto: Olivia Ermel

Trotz der oben genannten Probleme gibt es in Tansania sehr viele herzliche und freundliche Menschen. Deshalb fühle ich mich hier wohl und freue mich, das afrikanische Temperament und den Lifestyle besser kennenzulernen. Viele Frauen haben eine enorme Ausstrahlung und sprühen vor Lebenslust. Sie tanzen gerne und begeistern mit ihrer Fröhlichkeit.
Die Schwestern haben gestern sogar in ihrer Sisterbekleidung Aerobic am Boden im Wohnzimmer gemacht und sich gegenseitig ausgelacht.

Zudem hatte ich auch schon die Gelegenheit tansanische Männer kennenzulernen, mit denen man sich gut unterhalten konnte und die lustig und gut drauf waren. Der Bischof von Musoma wirkte auf mich mit seinem Dauergrinsen und seinem offenen, fröhlichen Verhalten auch auf Anhieb sympathisch.
Feiern sind hier außerdem immer mit Tanzen, Singen, gutem Essen und Fröhlichkeit verbunden.

Feiern und Tanzen gehören zusammen. Foto: Olivia Ermel

Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das besagt:

“Ihr Europäer habt die Uhren, wir Afrikaner haben die Zeit.“

Da man in Deutschland öfter mal von Zeitdruck, Hektik und Stress spricht, war der Prozess der “Entschleunigung“ für mich anfangs sehr schwer. Inzwischen schätze ich es allerdings schon mehr, dass man sich hier auch öfter mal die Zeit nimmt, um miteinander zu relaxen und einfach mal zu Sein.

Quo vadis, Catalunya? Quo vadis, España?

Vor meinem Balkon ziehen Hunderte Demonstranten vorbei. „Demokratie“, „Freiheit für Katalonien“ steht auf ihren Bannern und rufen sie dem über ihnen kreisenden Polizeihubschrauber entgegen. Die Menschenmassen ziehen auf mehreren Straßen in Richtung Plaça Universitat (300 Meter von meiner Wohnung entfernt), wo sich inzwischen Tausende eingefunden haben müssen.

Wo führt das hin? In ganz Katalonien wurde Generalstreik ausgerufen. Letzte Woche, noch vor dem Referendum, wurde er schon angekündigt. Er sollte sich vor allem gegen die zentralistische Regierung Spaniens wenden und dem Verlangen der Katalanen nach mehr autonomer Selbstverwaltung Nachdruck verleihen. Gestern Abend aber, einen Tag nach dem verheerenden, gewalttätigen Vorgehen der Nationalpolizei gegen Wähler (es gab an die 900 Verletzte), hieß es in den Meldungen immer öfter, der Streik soll nun eine Kundgebung gegen die Gewaltausschreitungen sein. Immer mehr Institutionen haben die Gewalt im Zusammenhang mit dem Referendum der Katalanen am Sonntag öffentlich verurteilt. Auch kirchliche Institutionen, mehrere Bischöfe Kataloniens, sowie die Äbte der beiden bedeutendsten katalanischen Klöster Montserrat und Poblet.

Madrid hat den Bogen überspannt. Natürlich stand das Referendum auf nicht-legalem Boden. Das spanische Verfassungsgericht hat es mit mehreren Urteilen verboten. Aber kann man einem inzwischen derart starken Interesse des größten Teils der katalanischen Bevölkerung nur mit brutaler Gewalt begegnen? Hat man in dem Konflikt zwischen Katalonien und Spanien inzwischen jeden gesunden Menschenverstand und Dialogbereitschaft verloren? Gesellschaftliches Leben funktioniert doch nur im Dialog, im Diskutieren, aufeinander Hören und sich miteinander Auseinandersetzen. Gäbe uns die Demokratie nicht eine Menge Werkzeug in die Hand, miteinander einen gerechten Staat und eine gerechte Gesellschaft zu schaffen?

Wir Mitglieder der beiden deutschsprachigen Kirchengemeinden in Barcelona konnten in den letzten Tagen schöne, aufbauende und bereichernde Tage erleben – nicht nur wir Deutschen in Barcelona unter uns, sondern auch mit den Katalanen und Spaniern vor Ort, und mit Gästen aus dem Ausland. Am Freitag kam die Blaskapelle „EI g’spuit“ der Musikschule Eichstätt nach Barcelona gereist. 37 Musikerinnen und Musiker, Trachtlerinnen und Trachtler. Genau vor einem Jahr traten sie schon beim traditionellen Oktoberfest der deutschen Gemeinde auf. Es war ein voller Erfolg. Der Besuch demonstrierte, wie bereichernd es sein kann, wenn verschiedene Kulturen sich begegnen. Das hat sich in Barcelona rumgesprochen. Valldoreix, eine Vorstadtgemeinde von Barcelona, hat deshalb die Blaskapelle zu ihrem traditionellen Straßenfest am Samstag auch eingeladen. Und am Sonntag war dann wieder das ökumenische Oktoberfest in der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde. Das Fest begann mit einem ökumenischen Gottesdienst zum Erntedankfest, das von der Blaskapelle und dem gemeindeübergreifenden Kirchenchor gestaltet wurde. Danach gab es im herrlichen Gemeindegarten Weißwürste, Schweinsbraten, Kartoffelsalat, genauso wie katalanische Butifarra und spanische Tortilla. Trotz anfänglichem Regen war der Garten voll mit Gemeindemitgliedern, Freunden und Gästen.

Blaskapelle „EI g spuit“ in barcelona. Foto: Ottmar Breitenhuber

Das Tor der Gemeinde stand weit offen. So konnten wir auch sehen, was sich vor der Kirchenmauer abspielte: Gegenüber der evangelischen Gemeinde ist ein Stadtteiltreff, das von 9 bis 20 Uhr als Wahllokal für das „verbotene“ Referendum diente. Hunderte von Menschen hielten sich den ganzen Tag vor dem Wahllokal auf. Sie verteidigten das Lokal vor möglichen Einschreiten der Guardia Civil oder der Policía Nacional. Diese dachten – in unserem Fall – aber Gott sei Dank nicht daran. Nur zwei bis drei Polizisten schoben vor der Menschenmenge Dienst. Sie beobachteten in aller Ruhe das Geschehen und unterhielten sich mit Passanten. Es war den ganzen Tag völlig friedlich. Helfer von der Gemeinde brachten den Polizisten Kaffee und Kuchen. Katalanische Wähler und Bürger kamen auf unser Fest und erfreuten sich an den deutschen und bayerischen Köstlichkeiten.

Wir durften am Sonntag einen Tag der Begegnung und der Freude erleben. Natürlich war die „causa catalana“ Thema Nummer Eins. Und auch unter den Deutschsprachigen gehen die Meinungen sehr stark auseinander. Gegensätzliche Positionen werden heiß miteinander diskutiert. Auch unter den „Deutschen“ verlaufen die Gespräche oft mehr auf der emotionalen als auf der rationalen Ebene. Aber es wird diskutiert, engagiert und mit Leidenschaft. Auch mit den Katalanen und Spaniern auf der Straße. Und das ist gut, finde ich. Nur so kommen wir zusammen, lernen uns gegenseitig kennen und vielleicht auch verstehen. Nur so können wir vielleicht einen möglichen, einen für alle gerechten Weg in die Zukunft finden. Bleibt nur zu hoffen, dass endlich auch die spanische Nationalregierung und die katalanische Autonomieregierung anfangen wirklich miteinander zu sprechen und zu verhandeln. Dass es endlich wieder um die Menschen und das Allgemeinwohl geht, und nicht allein um Macht und Autorität. Was ich diese Tage in Barcelona erlebe, macht mir Sorgen. Es könnte sehr schlimm ausgehen. Es macht mir aber auch Hoffnung. Ich vertraue auf die Vernunft der Menschen. Es könnte etwas großartiges Neues entstehen. Und ich bete darum.

„Ein Missionar geht nicht in Pension“

Comboni-Missionar Josef Gerner ist seit 1996 in Uganda tätig. Sein erster Einsatz in dem ostafrikanischen Land hatte er bereits von 1971 bis 1976. Anschießend arbeitete er bis 1986 in Kenia. Es folgten Stationen in Innsbruck und Bamberg. Derzeit ist Die Diözese Eichstätt hat bereits mehrere seiner Projekte in Uganda unterstützt hat.

Trotz seiner 82 Jahre ist Pater Josef Gerner MCCJ in Uganda noch immer unverzichtbar. Insgesamt ist der dort schon 26 Jahre aktiv. Kaum einer kennt Ostafrika so gut wie er.

Der gebürtige Meckenhausener pflegt zwar intensiv die Verbindungen in die Heimat, dennoch kann er es sich nur schwer vorstellen, nicht in Uganda zu wirken. Das Land und die Leute sind ihm ans Herz gewachsen. Im Video-Interview sagt er: „Ein Missionar geht nicht in Pension“.


Im Heimaturlaub berichtet er den Verantwortlichen im Referat Weltkirche über seine Aktivitäten und die nächsten anstehenden Projekte. Dazu gehört der Bau eines neuen Pfarrhauses für seine neue Pfarrei, in der er neben einem einheimischen Priester die pastorale Verantwortung trägt und sich sehr darum bemüht, die Grundlagen für eine gute Entwicklung der Pfarrei zu legen.

Zuletzt erhielt er 2012 und 2014 für den Bau von Kirchen aus Eichstätt Zuschüsse über 15.000 €. Die Gebäude sind für ihn aber nur die notwendige Infrastruktur, um die frohe Botschaft unseres christlichen Glaubens den Menschen zu verkünden, die nach den schweren Jahren des Bürgerkrieges nach Orientierung für sich und ihre Kinder suchen.