Kategorie-Archiv: Alltag

Die Zeit nach dem Flugzeugunglück in Barcelona

Wir saßen gerade beim Mittagessen, als wir davon hörten. Sowohl die deutschen als auch die spanischen Medien berichteten nur noch über dieses unvorstellbare Ereignis: Ein Germanwings-Flugzeug soll auf seinem Flug von Barcelona nach Düsseldorf in den südfranzösischen Alpen mit 150 Personen an Bord abgestürzt sein. Unvorstellbar! Erst vor zweieinhalb Tagen bin ich mit Lufthansa von München nach Barcelona geflogen.

Schon läutet das Telefon. Eine katholische Religionslehrerin und Kollegin aus der Deutschen Schule Barcelona. Ob ich schon wisse, was passiert ist. Zwei Väter von Schülern saßen anscheinend in der Unglücksmaschine. Immer wieder läutet das Telefon. Ich kann es einfach nicht fassen.

In den Medien sprechen sie davon, dass am Flughafen in El Prat, Barcelona, ein Raum eingerichtet wurde, wo die Angehörigen der Verunglückten empfangen und betreut werden. Ich überlege nicht lange und mache mich sofort mit dem Auto auf den Weg zum Flughafen. Zuvor telefoniere ich noch mit Holger Lübs, dem Pfarrer der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde. Wir sprechen uns ab, was wir tun können. Unterwegs bekomme ich einen Anruf der Schulleitung: Inzwischen hat sich bestätigt, dass drei Väter in dem Flugzeug saßen, von denen fünf Kinder an unserer Schule sind.

Am Flughafen ist schon ein riesiger Auflauf. Unzählige Polizeiautos, eine Menge Übertragungswägen von Radio- und TV-Anstalten, Hunderte von Kameraleuten und Journalisten vor dem Tor des Flughafengebäudes. Als ich mich als deutscher Priester zu erkennen gebe, lässt man mich sofort durch und führt mich in ein Hintergebäude. Vizekonsul Bachmann vom Deutschen Generalkonsulat und zwei deutschsprachige Psychologinnen sind bereits vor Ort. Wir sprechen mit einem Vertreter der Flughafenverwaltung. Immer wieder treffen Angehörige ein. Sie werden sofort von der Presse und der Öffentlichkeit abgeschirmt. Deutsche Angehörige kommen nicht an den Flughafen.

Das Schlimmste ist, man fühlt sich völlig hilflos. Man kann scheinbar nichts tun. Ich stehe oder sitze mal bei dem einen, dann bei einem anderen Angehörigen, höre einfach zu, reiche etwas zu trinken, nehme die Person in den Arm, und sage vielleicht noch, wie unvorstellbar das auch für mich ist.

Ärzte nehmen den Angehörigen die DNA ab, damit man die Opfer später identifizieren kann. Es werden die Namen und die Kontaktdaten der Angehörigen aufgenommen. Sie werden dadurch „beschäftigt“. Eine Lufthansa-Sprecherin richtet sich an die Angehörigen. Man bietet den Angehörigen an, sie in Hotels zu bringen, wo sie in Ruhe betreut und informiert werden können.

Inzwischen ist es 18 Uhr. Wir deutschen Helfer können in El Prat nicht mehr viel tun, vor allem auch, weil keine deutschen Angehörigen an den Flughafen gekommen sind. Ich fahre zurück in die Stadt. Im Laufe des Nachmittags hatte ich mit meinem evangelischen Kollegen eine spontane Andacht organisiert. Der ökumenische Kirchenchor der beiden deutschsprachigen Gemeinden trifft sich jeden Dienstag um 20 Uhr in der evangelischen Gemeinde zu seiner wöchentlichen Probe. Der Chor studiert gerade die Choräle aus der Johannes-Passion von Bach ein. Über unsere Email-Verteiler laden wir alle Mitglieder unserer Gemeinden ein.

Deutsche Schule schockiert

An die hundert Personen sind der spontanen Einladung gefolgt. Viele sprechen mich an und sind dankbar für die Möglichkeit dieses gemeinsamen Gebetes. Viele sind zum Teil direkt aus dem Büro in die evangelische Kirche gekommen und treffen sich hier mit ihren Familienangehörigen. Es herrscht eine ruhige, andächtige Stimmung. Alles ist geprägt von einer allgemeinen Sprachlosigkeit. Auch der Gottesdienst. Wir beten den Psalm 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Es ist das Gebet Jesu, das er am Kreuz sterbend seinem Vater zu schreit. Warum? Auch Jesus begreift den Sinn des Leidens und des Sterbens nicht. Wir singen das Lied „Von guten Mächten still und treu umgeben“. Dietrich Bonhoeffer, der das Gedicht kurz vor seinem Tod im KZ geschrieben hat, war in den 1920er Jahren als Vikar in der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Barcelona. Das einzige, was wir tun können, ist, die Opfer, die Angehörigen, uns, unsere Fragen, unsere Verzweiflung, unsere Wut, unsere Trauer Gott hinzuhalten. Auch wenn wir vielleicht in dem Augenblick an diesen Gott überhaupt nicht glauben können und wollen.

Fünf Kinder aus der Deutschen Schule Barcelona haben bei dem tragischen Flugunglück plötzlich ihren Vater verloren. Diese schreckliche Tatsache hat die ganze Schule in einen gewissen Schockzustand versetzt. Für die meisten in der deutschen Gemeinde gehört es fast zum Alltag, regelmäßig mit dem Flugzeug zu verreisen. Nicht wenige Eltern von Schülern der DSB (Deutsche Schule Barcelona) sind beruflich gezwungen mehrmals wöchentlich zu fliegen.

Am Mittwochmorgen, am Tag nach dem Unglückstag, vor halb acht, als die ersten Schüler und Lehrer in die Schule kommen, stehe ich bereits in der großen Eingangshalle. Es gibt fast nur das eine Thema. Nach einer kurzen Besprechung mit der Schulleitung setze ich mich mit dem evangelischen Pfarrer zusammen und wir bereiten eine Andacht für die große Pause vor. Einen kleinen Raum neben der Eingangshalle, wo wir die wöchentliche Schulandacht abhalten, haben wir kurzfristig zu einem stillen „Rückzugsort“ umgestaltet. In der Mitte ein paar unaufdringliche Tücher, darauf eine schlichte, brennende Kerze und ein einfaches Kreuz. Während des ganzen Vormittags kommen immer wieder Schüler und Schülerinnen – vor allem aus den Oberstufen – und suchen das Gespräch mit uns. Ich kenne sie zum Teil aus dem Religionsunterricht oder von der Firmvorbereitung. Jeder sucht verzweifelt nach einer Antwort. Aber niemand weiß eine Antwort. Es fehlen die Worte, mit denen wir unsere Gefühle ausdrücken können. Oft bleiben nur Tränen, ein stiller Händedruck, eine Umarmung.

„Mein Gott, mein Gott, warum…“

„Jeder, der teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen!“, hieß es in der Email der Schulleitung an alle Lehrerinnen und Lehrer der DSB. In der großen Pause sollte in der großen Aula für die ganze Schulgemeinschaft ein kurzer Gedenkgottesdienst angeboten werden – freiwillig. Jeder will teilnehmen. Jeder, Schüler wie Lehrer, hat anscheinend das große Bedürfnis seiner Betroffenheit irgendwie Ausdruck zu geben. Über tausend Personen füllen die Aula. Die Kleinen sitzen am Boden, viele Hunderte stehen. Vorne im Zentrum, auf den Stufen der „Bühne“ wieder eine einfache, große Kerze in einem Glas. Daneben ein schlichtes Holzkreuz. Geschmückt mit ein paar Tüchern und einem kleinen Blumenstrauß. Es gibt keine „großen Reden“, keine Ansprachen. Auch hier hören wir einfach nur den Psalm 22, ohne viel Kommentar. „Mein Gott, mein Gott, warum…“. Zwei Schüler spielen auf dem Violoncello und der Violine den beeindruckenden „Cant Dels Ocells – Gesang der Vögel“, ein altes, bekanntes katalanisches Volkslied, das die Menschwerdung Gottes besingt. Nach einem kurzen Text von Dietrich Bonhoeffer singen wir gemeinsam das Taizé-Lied „Meine Hoffnung und meine Freude … Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht. – El Senyor es la meva força“. Die Aufmerksamkeit und Ruhe ist beeindruckend. Vor allem auch, als die Anwesenden eigeladen werden ihre Fragen, Gefühle, Bitten oder Gebete auf kleine Zettel zu schreiben und zur Kerze zu legen. In den 20 Minuten hatte ich einen der stillsten und intensivsten Gottesdienste erlebt – und das mit über tausend Kindern und Erwachsenen.

Nach der Andacht stellen wir die Kerze gut sichtbar, aber geschützt, seitlich in eine Ecke der Eingangshalle der Schule. Rundherum vier Tafeln, an die wir die Gebetszettel heften. So schaffen wir einen provisorischen Ort des Gedenkens. Den ganzen Vormittag kommen in ehrfürchtiger Stille Schüler, Lehrer, Eltern, einzeln, in Gruppen, in ganzen Klassenverbänden dorthin. Ständig werden neue Zettel geschrieben und an die Wand gepinnt.

„Warum?“ Das ist die große Frage, die jeden bewegt. Der Tod ist plötzlich so nah, unmittelbar. Und vor allem, dieser Tod scheint so sinnlos, es gibt keinen Grund. Am Freitag vor den Osterferien beten wir im Rahmen des katholischen Religionsunterrichtes an der DSB mit den Schülern der 8. Jahrgangsstufe den ökumenischen Jugendkreuzweg 2015. Plötzlich ist es nicht mehr nur dieser Jesus aus Nazareth, der vor 2000 Jahren einen schrecklichen Kreuzweg gehen musste. Plötzlich ist es aber auch dieser Jesus, ist es auch Gott, der den tragischen Tod unzähliger Menschen erlitten hat. Im Gemeindegottesdienst am vergangenen Palmsonntag stellen Kinder, während die Markus-Passion vorgelesen wird, die Szenen pantomimisch dar. Es wird uns nicht irgendeine längst vergangene Geschichte eines fremden Menschen erzählt. Es wird uns unsere Geschichte erzählt. Die Geschichte meines Lebens, meines Leidens und Sterbens. Und sie geht weiter, diese Geschichte. Zum Karfreitag gehört für uns Christen unbedingt auch die Osternacht. Auch wenn ich keine Antwort auf mein „Warum?“ bekomme. Es tröstet und gibt Hoffnung zu erleben, dass wir auf unserem „Kreuzweg des Lebens“ nicht allein sind, dass Gott mit mir denselben Weg geht.

Notfallseelsorge nach dem Flugzeugabsturz: Ottmar Breitenhuber im Interview mit Radio K1-Redakteur Bernhard Löhlein (29.03.2015)

Vielfältige Aufgaben in Bolivien

Seit Ende vergangenen Jahres helfe ich – neben meiner Aufgabe in der Pfarrei San Antonio – beim Kinderdorf “Aldea Padre Alfredo” mit. Vor rund 40 Jahren gehörte es zu den SOS-Kinderdörfern, ist dann aber unter Leitung des Tiroler Franziskaners Pater Alfredo Spiessberger eine selbstständige Einrichtung geworden. Den Statuten gemäß sitzt ein Franziskaner mit im Vorstand, und da Pater Alfredo schon ein Pflegefall ist, war einige Zeit der Bolivianer Pater Marcelo Garron im Vorstand. Jetzt hat man mich um diese Mitarbeit gebeten. Da diese Aufgabe sehr komplex ist, muss ich mich erst einarbeiten. Es handelt sich nämlich um zwei Kinderdörfer: eines hier in Santa Cruz de la Sierra und das andere in San José, rund 200 km entfernt. Neben der Finanzierung gibt es einige andere Probleme.

Pater Alfredo hat auch monatlich eine deutsche Messe mit den Deutschen in Santa Cruz gefeiert. Da er nicht mehr kann, hat man einen anderen deutschen Priester gesucht – und gefunden: Pater Reinaldo Brumberger. Da es kaum deutsche Priester in Bolivien gibt, blieb mir fast nichts anderes übrig als mitzuhelfen. Die Messe findet in der Kapelle des deutschen Friedhofs statt, der neben dem Generalfriedhof liegt. Und dort sah ich neulich an den Grabnischen folgende Nachnahmen: Ettmüller, Nürnberg, Voss, Schulze, Diescher, Wille, Engelmann Kuhn, Meyer… Ich werde nun versuchen, Kontakte mit den Angehörigen in Deutschland herzustellen und sehen, was in Sinne der Pastoral möglich ist.

Natürlich bin ich immer noch bei Kolping als sogenannter Regionalpräses tätig. Da ist zwar nicht viel zu tun, doch es ist immer wieder einmal eine Vorstandssitzung oder eine Messe. Auch in der nahegelegenen Kolpingschule helfe ich manchmal mit.
Im Januar waren 35 Franziskaner aus ganz Bolivien zu einer Exerzitienwoche in unserem Haus in Santa Cruz. Auch da hatte ich als Hausoberer einiges zu organisieren. In der Woche darauf hielt ich den neuen Novizen Exerzitien vor ihrer Einkleidung. Das muss natürlich auch vorbereitet werden – oder man braucht viel Improvisation (oder der Hl. Geist).

In der Franziskanerprovinz arbeite ich intensiv mit: Als Mitglied des Provinzrates (Definitorium) erledige ich einen Teil der Finanzen für den Osten Boliviens und in der Franziskanerprovinz San Antonio auch als Hausoberer. Zu San Antonio gehören auch das neue Exerzitienhaus und die Krankenstation. Und da ich auch Pfarrer der Gemeinde San Antonio bin… was soll man noch alles tun?!

Diplom in der Kinderkrippe und ab in den Süden

Da ich seit Weihnachten viel unterwegs bin, hab ich auch mehrere Chilenen kennengelernt und so ist bis jetzt kein Wochenende vergangen, an dem ich nicht bei einem „asado“ (Grillfest) war. Das war immer sehr schön. Die Chilenen grillen sehr oft und es schmeckt auch immer wieder sehr lecker.

Außerdem bin ich mit ein paar Freiwilligen an einem Sonntag ans Meer gefahren. Das war zwar alles etwas chaotisch, aber es hat richtig gut getan, mal wieder aus der dreckigen Luft Santiagos rauszukommen und die Meeresluft zu genießen.

Auf der Arbeit sind es die letzten Wochen mit meinen jetzigen Kindern und Tías (Erzieherinnen). Darüber bin ich schon sehr traurig, da ich sowohl meine Kinder, als auch meine Tías sehr in mein Herz geschlossen habe. Aber im März, wenn hier das neue Schuljahr beginnt, bekomme ich wieder neue Kinder und ein neues Team, das wird bestimmt auch schön.

Um die Kinder aus der Sala Cuna (Kinderkrippe) zu verabschieden (mit zwei Jahren gehen sie in den Kindergarten) wird hier auch eine sogenannte „Graduación“ gefeiert. Unsere Graduación war am 15. Januar und es war ein richtig schöner Tag. Die Tías haben sich wirklich viel Mühe gegeben, alles vorzubereiten. In Chile ist es normal, dass man den Abschied aus der Sala Cuna so groß feiert. Die Tías haben sich alle sehr herausgeputzt und jedes Kind kam mit seiner Familie. Bei einer offiziellen Zeremonie bekam jedes Kind ein Diplom von uns Tías überreicht. Danach gab es noch für alle Torte und Eis.

Einerseits freue ich mich jetzt schon riesig auf den Urlaub – ich werde mit einer anderen Freiwilligen in den Süden Chiles fahren –, andererseits bin ich schon etwas traurig, über den Abschied von meinen Kindern.

Am 19. Januar hatte ich Geburtstag! Und das war ein richtig schöner Tag! Auf der Arbeit wurde fleißig für mich gesungen. Abends kamen ein paar andere Freiwillige und chilenische Freunde und wir haben zusammen gegrillt. Das war wirklich schön, da ich mir schon immer mal gewünscht habe, meinen Geburtstag im Sommer feiern zu können J

Rückblick: Weihnachten und Silvester

Sommerliche Temperaturen hatten wir auch zur Jahreswende. Weihnachten bei 35°C, in T-Shirt und kurzer Hose, ist wirklich etwas anderes, aber wir haben das Beste draus gemacht. So haben wir (ein Teil meiner WG und die Eltern von einer meiner WG-Mitbewohnerinnen) am 24. Dezember nachmittags gegrillt. Abends sind wir alle zusammen in die Christmette von Schwester Karoline Mayer gegangen. Wir Freiwilligen durften auch ein paar deutsche Weihnachtslieder singen. Danach war ich bei einer chilenischen Familie zum Weihnachtsessen eingeladen. Das war richtig schön für mich, weil ich mich so herzlich aufgenommen gefühlt habe und auch einmal ein richtiges chilenisches Weihnachtsfest erleben konnte. Hier kommt nicht das Christkind oder der Weihnachtsmann, sondern der „viejito pascuero“, das ist so was Ähnliches wie der Weihnachtsmann. Außerdem ist die Bescherung erst um 24 Uhr. Ein bisschen weihnachtlich hat es sich dann schon angefühlt, weil alles schön geschmückt war. Neben einem Weihnachtsbaum und Plätzchen gab es viele typische chilenische Weihnachtsgerichte.

Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir Weihnachten in der WG gefeiert. Natürlich haben wir auch sehr lecker gekocht. Es gab selbstgemachte Kartoffelknödel mit Blaukraut und Pute. Auch die Bescherung durfte nicht fehlen. Einen zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es hier nicht, somit habe ich da schon wieder gearbeitet.

An Silvester waren einige Freiwillige abends zum Essen bei uns und danach sind wir alle zusammen ins Zentrum von Santiago gegangen, um dort die „fuegos artificiales“ (Feuerwerke) zu sehen. Es war richtig gute Stimmung und um 24 Uhr haben die Leute richtig gefeiert und man wurde mit Sekt, Konfetti und allem Möglichen übergossen. Jedoch ist es in Chile verboten, selbst Böller abzuschießen. An Neujahr hatte ich dann wieder frei und habe den Tag Ruhe mal genossen.

Missionarin auf Zeit – Lehrerin in Tansania

Ich will diesmal ein bisschen näher von meinem Alltag in Tansania erzählen, der sich in den letzten Wochen so breit gemacht hat. Jeder Morgen startet mit der heiligen Messe, in die abwechselnd die erste und zweite Klasse hingeht. Meistens beinhaltet das ein bisschen Morgensport, damit ich nicht zu spät komme. Von allen Seiten werde ich mit einem „Good morning, Teacher. How are you?“ begrüßt. Dass die Mädchen im Gottesdienst mit dabei sind, ist super, weil sie mir mit ihrem lebhaften Gesang ganz wunderbar beim Aufwachen helfen können.

Als Lehrerin in Tansania. Fotos: Katharina Stein
Schule in Tansania. Fotos: Katharina Stein

Nach dem Frühstück gehe ich zurück in die Schule, richte mein Zimmer und gehe zum Klassenraum. Montags, mittwochs und freitags haben wir vorher noch Assembly, wo wir das Vater Unser auf Englisch beten und organisatorische Dinge besprechen. Dann geht’s in die Klasse. Eine Unterrichtsstunde dauert zwei Stunden, was die Sache sowohl für Schüler als auch Lehrer nicht unbedingt leichter macht.

Im jetzigen Stundenplan bin ich montags immer in beiden Jahrgängen und Dienstag und Mittwoch jeweils in einem Jahrgang. Die restliche Zeit kann man mich im Büro antreffen, wo ich der Schwester alles Mögliche an Arbeit abnehme, mich um das Taschengeld der Mädchen kümmere, meinen Unterricht vorbereite oder Swahili lerne, wenn gerade nichts zu tun ist. Um 13 Uhr ist Mittagessen, danach hab ich eine kurze Pause, bis es um 14 Uhr wieder ins Büro geht. Um 17 Uhr Uhr verlasse ich (wenn möglich) das Büro, und vertreibe mir die Stunde bis zum Prayer (Abendgebet). Dann gibt es Abendessen und schon ist der Tag fast vorbei, da bis 21 Uhr noch  Lernzeit für die Mädchen ist.

Am Donnerstag oder Freitag gehen eine Schwester und ich meistens in die Stadt, um das Shopping für die Schule zu erledigen. Wenn wir Glück haben, bekommen wir den PickUp, ansonsten fahren wir mit dem Kleinbus eine halbe Stunde lang in die Stadt. Schön eingequetscht zwischen all den Menschen. In einen Bus passen 16 bis 28 Leute. Voll gibt’s da nicht! In Arusha gehen wir in alle möglichen Läden, auf den Markt, zur Post, zur Bank etc.

Am Samstagmorgen gehe ich mit den Mädchen joggen, die Straße runter bis zur Hauptstraße. Dabei muss man aber immer  aufpassen, dass man nicht von einem Piki-Piki-Fahrer überfahren wird, der da   mit 100 Sachen runterbrettert. Vormittags putze ich mein Zimmer, nachmittags ist die Wäsche dran, die ich mit der Hand wasche *ächz*. Den restlichen Nachmittag mache ich irgendwas anderes.

Besonders schön ist es natürlich, wenn ich mal in die Stadt gehe oder mich mit jemandem treffe  oder bei einer Veranstaltung bin. Abends bin ich mit den Mädchen zusammen, die ihre Lieder für den Sonntagsgottesdienst üben. Das bedeutet aber nicht, dass die sich brav irgendwo hinsetzen und ein bisschen singen. Nein, wenn meine Mädchen singen, dann geht die Post ab! Da sitzt niemand lange still. Es wird getrommelt, gehüpft, geklatscht, getanzt und gejubelt. Und das alles zu Kirchenliedern – bei uns unmöglich. Da kommt es auch nicht selten vor, dass unsere Maassai-Mädchen gemeinsam anfangen ihre Stammestänze zu tanzen oder sich die Mädchen gegenseitig die Bewegungen ihres Stammes beibringen. Das ist wunderschön anzuschauen.

Sonntags heißt es Ausschlafen, da erst um 8 Uhr Messe ist. Danach helfe ich in der Küche, beende meine Wäsche oder bin anders aktiv. Nach dem Mittagessen gehen wir um 15 Uhr zum Fußballspielen auf einen Bolzplatz, wo wir uns eine bis eineinhalb Stunden austoben. Nicht jeder Fußballer würde die Sportart vermutlich als solche erkennen, aber es macht Spaß und wenn ein Tor fällt, ist das Geschrei groß. Heimlaufen, duschen und schon ist es wieder Zeit für das Gebet und Abendessen.

Das ist eine ganz normale Woche bei mir. Auch wenn der Ablauf im  Detail vielleicht nicht so spannend ist, ist er doch für mich eine große Umstellung gewesen.

Halbzeit in Leitmeritz

So langsam nähere ich mich hier der Halbzeit und dann wird es ruck zuck gehen und das Praktikum ist rum. Die letzten Wochen waren echt spannend und vor allem der Workshop in Prag zusammen mit Vertreter deutscher Diözesen war sehr aufschlussreich. Ein nettes Schmankerl waren die Vertreter aus Passau, die mich mit ihrem Dialekt wieder an das schöne Bayern erinnerten. Durch die einzelnen Vertreter erhielten wir einen sehr guten Einblick in die Arbeit der Caritas- Einrichtungen während der Flut 2013 und die Chancen, die eine Kooperation während solcher Ereignisse bietet. Ein sehr spannender Vortrag eines Vertreters der Caritas Europa über Krisenmanagement und das Organisieren von Hilfe rundete das zweitätige Treffen ab. Leider ist damit aber auch die Evaluation des Hochwassers zum Großteil abgeschlossen und ein sehr praxisnaher Teil meines Praktikums geht zu Ende.

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Dieses Motiv wird auch in der Ausstellung zu sehen sein. Foto: Maximilian Behr

 

Mein Projekt, die Bilderausstellung über Immigration in Tschechien, geht auch voran. Am 14. Januar wird sie in Usti nad Labem eröffnet. Momentan versuche ich, die Ausstellung auch nach Eichstätt zu bringen und bin gespannt, ob mir das gelingt. Es wäre eine tolle Gelegenheit, die Partnerschaft der Diözesen Eichstätt und Leitmeritz mit weiterem Leben zu füllen.

Die nächsten Wochen stehen also ganz im Zeichen der Organisation dieser Ausstellung bevor dann die weihnachtliche Adventszeit beginnt und auch hier die drei Könige losziehen, um das Leid der Menschen zu mildern.

Ich wünsche euch allen einen schönen und hoffentlich nicht zu nebelverhangenen Spätherbst und Grüße euch ganz herzlich aus Tschechien.