Kategorie-Archiv: Alltag

Tabgha am See Genezareth – eine kleine Oase des Friedens

Vertrautes Gesicht in der Ferne! Am 31. August wurde ich von Pater Matthias und einem Volontär in Tel Aviv abgeholt, hergebracht und herzlich aufgenommen. Tabgha in Galiläa am See Genezareth ist mir ein bekannter Ort, der mich doch ins Staunen bringt. Bei all den Nachrichten über die Auseinandersetzungen im Land eine kleine Oase des Friedens.

Ich habe hier vorerst eins abgemacht: Zwei Jahre Lebenszeit, die ich in besonderer Weise meiner Beziehung zu Jesus Christus widmen möchte und außerdem einer schönen Lebensgemeinschaft hier am Ort. Sie besteht aus sechs Benediktinermönchen, die mit zwölf Mönchen in Jerusalem zusammengehören, sechs Volontären aus Deutschland und Amerika und neun arabischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Hinzu kommen die aktuellen Gäste und die große Gruppe der Pilger aus aller Welt, die sich von der Schönheit und der Botschaft dieses Ortes berühren und senden lassen.

Meine Aufgaben sind bisher angedeutet, aber noch nicht so ganz konkret. Ich habe hier ein  Nähplätzchen mit herrlichem Blick auf die Brotvermehrungskirche, den Klosterneubau und den See Genezareth. In der zweiten Hälfte des Raumes hat sich Pater Prior Basilius ein Malatelier eingerichtet.

Neben mir liegt die erste Aufgabe: Eine Albe von Bruder Nathanael, der Faden wurde morsch, die Nähte gingen auf. Neben meiner Tätigkeit an der Nähmaschine, wo so einiges entstehen wird, kommen die Verantwortung für das Gästerefektorium und Hilfe in der Küche hinzu. Außerdem ein Dienst für die Volontäre, der sich noch herauskristallisiert.

In der Begegnungsstätte Beith Noah, wo den Sommer über Gruppen jüdischer und palästinensischer Kinder mit Behinderung Urlaub machen dürfen, möchte ich ein kleines Nähprojekt anbieten. Paul, der Verantwortliche für alle Volontäre in Beith Noah, und Prior Pater Basilius sind dafür aufgeschlossen. So bitte ich meine Freundin Brigitte, mir zwei Nähmaschinen zuzusenden, die mir für diese Art von Arbeit geschenkt wurden.

Kleber für Nähmaschine

4.9.14: Ich war ich mit Pater Jonas einkaufen. Das Nähmaschinenöl entpuppte sich allerdings als Kleber! So ist das, wenn man die Schriftzeichen nicht lesen kann. Aber ich bekam auch eine herrliche Taschenlampe, damit ich im Dunkeln nicht stolpere, denn zur Laudes (5:30 Uhr) und zur Komplet (20:15 Uhr) ist es schon dunkel.

Am Pool kann man sich in der Früh und nachmittags, wann immer man halt will, erfrischen, denn heiß ist es hier! Wir haben zwischen 32 und 38 Grad zurzeit.

Heute treffe ich mit Pater Matthias Gabi, aus Regensburg, die um 16 Uhr mit der Gruppe St. Augustin aus Würzburg, Gottesdienst hat. Wir haben alle drei zusammen den Gestaltkurs in Werdenfels besucht.

Rollmäppchen aus Tischdecke

7.9.14: In Beith Noah war eine arabische christliche Gruppe zu Besuch. Sie nennen sich „House of light“ und bestehen in der Hauptsache aus einem sehr engagiertem Ehepaar und vielen Helfern. Anis, der Mann geht regelmäßig in die Gefängnisse, lässt sich die Listen von den christlichen Gefangenen geben und besucht sie. Er erzählt von seinem Glauben und bestärkt die Gefangenen im christlichen Glauben, damit sie Kraft und Hoffnung schöpfen. Dann besucht er ihre Familien und versucht sie so gut wie möglich zu unterstützen. Zu Besuch bei uns  waren die Familien der Gefangenen, um sich zu erholen.

Ich bot ihnen an, mit den Kindern etwas herzustellen an der Nähmaschine und sie waren sehr dankbar, weil sie niemanden für die älteren Kinder hatten.

So verkleinerte ich, mit Erlaubnis, eine alte Tischdecke, die ich im Keller fand und nähte mit den Kindern die auch hier beliebten Rollmäppchen. Plötzlich wurde es eiskalt und alles war nass. Ein kleiner Junge, der gerade einen Zorn auf seinen Bruder hatte, der gerade nähte, wollte ihn mit einem Glas kaltem Wasser erschrecken. Er traf nicht ihn, sondern mich, ganz, ganz schön „erfrischend“!

Abends, als alle schon abgereist waren, hatte ich noch ein gutes Gespräch mit Noel und Anis, die mich und uns alle herzlich einluden, sie zu besuchen. Wir beteten am Sonntag Abend miteinander, wie ich es seit 30 Jahren mit Freunden zu Hause um diese Zeit meistens tue. Das war sehr verbindend.

11.9.14: Heute machten die Patres mit den Volontären einen Ausflug in die „Berge“. Wir wanderten 16 km durch bewaldete Berglandschaft des Merongebirges. Am Schluss bereiteten wir mit Pater Jonas ein herrliches und üppiges Picknick im Freien.

„Die Nähmaschine ist bei mir ein Teil der Kommunikation“

13.-15.9.14: Am Wochenende war eine Gruppe der Palestinian Medical Relief Society ( PMRS) in Beith Noah zu Besuch. Eine moslemische Gruppe mit einem vorbildlich liebevollen und partnerschaftlichen Umgang untereinander.

Majida, die Leiterin, besucht Familien mit behinderten Kindern und lehrt den Eltern diese Kinder anzunehmen und zu fördern. Eines dieser Kinder lebte sechs Jahre im Stall bei den Schafen, ein anderes lebte das ganze Jahr draußen.

Seit elf Jahren verbringt Majida mit diesen Kindern einige Ferientage wie hier in Tabgha. Diese Kinder sind dankbar und zufrieden. Ich habe mit ihnen kleine Kissen genäht und ihren Namen in Arabisch draufgestickt, darüber waren sie sehr glücklich. Nun wünschen sich die Mütter, dass ich nach Ramallah komme und ihnen lerne, wie das geht. Paul hat es ihnen für Januar, wenn hier nicht viel los ist, in Aussicht gestellt.

Das freut mich, denn die Nähmaschine ist bei mir ein Teil der Kommunikation, auch wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Ich habe viel über arabische Lebensweise und Gastfreundschaft dieser engagierten Menschen kennengelernt und erlebt, was Jesus meinen könnte mit: „Liebe deinen Nächsten!“

15.9.14: In Dalmanutha, dem Platz am See, feierten wir mit 50 philippinischen UN-Soldatinnen und -Soldaten, die mit diesem Gottesdienst ihren Friedensdienst auf den Golanhöhen beendeten. Sie haben viel gegeben für ihre schwierige Mission bei der zunehmend eskalierenden Gewalt. Es war einfach schön, mit ihnen zusammen ganz selbstverständlich katholischen Gottesdienst zu feiern. Die philippinischen Schwestern, die hier auf dem Grundstück ein kleines benediktinische Kloster haben, bereiteten die Lieder vor und bekochten die Soldaten u.a. mit Fisch, den diese sich zuvor mit der Hand fingen.

Außerdem nahmen rund 20 christliche arabische Frauen aus Nazareth  und eine kleine österreichische Pilgergruppe teil. Es wurde deutsch, englisch und arabisch gefeiert.

Neue Woche, neues Glück!

Meine Aufgaben sind übersichtlich: Gardinen für zwei Gästehäuser nähen, Fischernetze flicken und in der Küche helfen, denn der zweite Koch hat nun endgültig keine Lust mehr. All diese Arbeiten finde ich sehr selbstverständlich und mit Suad, auch Mama und Oma, verstehe ich mich bestens und lerne von ihr.

Heute besuchte uns Abt Gregory in der Küche, eine herzliche Begegnung. Ihm habe ich letzten Herbst unter Anleitung von Sr. Benedikta, mein erstes Messgewand genäht.

San Miguel de Allende, ein magischer Ort

Vor einigen Wochen habe ich San Miguel de Allende besucht. Die Kolonialstadt im Bundesstaat Guanajuato in Zentralmexiko lockt jährlich Tausende Besucher an. Vor allem den US-Amerikanern – darunter viele Künstler und ehemalige Soldaten – hat es San Miguel de Allende angetan. So finden sich unter den rund 70 000 Einwohnern über 12 000 „Gringos“, wie sie von den Mexikanern genannt werden, die in San Miguel de Allende ihren Alterswohnsitz oder ein Ferienhaus haben. In den meisten Banken im Zentrum werden die Immobilien daher schon auf Englisch und in US-Dollar ausgeschrieben.

Das Zentrum von San Miguel de Allende als Beispiel des mexikanischen Barockstils steht schon seit 1926 unter Denkmalschutz. 2008 wurde die befestigte Stadt San Miguel zusammen mit der jesuitischen Wallfahrtskirche Jesús Nazareno de Atotonilco von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Bereits zuvor zählte die Kolonialstadt zu den Pueblos Mágicos („Magischen Orten“). Als solcher wurde sie im Jahre 2002 wegen ihres typischen und gepflegten Charakters ausgezeichnet und gilt deshalb als besonders sehenswert. Was mir persönlich besonders gut an San Miguel de Allende gefällt, das sind die warmen und kräftigen Farben, in denen die Häuser gehalten sind.

Gegründet wurde San Miguel de Allende 1542 von dem spanischen Franziskaner-Missionar Juan de San Miguel unter dem Namen „Miguel el Grande“. Die Spanier nannten sie zeitweise auch San Miguel de los Chichimecas nach dem „Chichimeca-Krieg“ (1550-1620), in dem Indigene gegen die Eroberer aus Europa kämpften. Den Namenszusatz Allende verdankt die Stadt dem dort geborenen General Ignacio Allende, der maßgeblich am mexikanischen Unabhängigkeitskampf gegen die Spanier beteiligt war. Zu den berühmten Persönlichkeiten der Stadt gehört auch Pedro Vargas Mata (1904-1989), einer der populärsten mexikanischen Sänger des 20. Jahrhunderts.

Das Wahrzeichen von San Miguel de Allende ist die rosafarbene Paroquia de San Miguel Arcángel (Kathedrale). Diese Kirche wurde ursprünglich im 17. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut, im 19. Jahrhundert aber von einem Laienarchitekten namens Ceferino Gutiérrez verfremdet und weist daher Stilmerkmale verschiedener Epochen auf. 1880 wurde sie nach Vorlage des Ulmer Münsters umgebaut.

Feste und Feiern in Mexiko

Die Mexikaner sind ein feierfreudiges Volk, und die vielen verschiedenen Feste prägen ihr Leben entscheidend mit. Die Lust zum Feiern wird den Kindern sozusagen schon in die Wiege gelegt, denn die erste Feier zu ihren Ehren findet schon vor der Geburt statt. Ungefähr im 8. Schwangerschaftsmonat gibt die Mutter eine Art Willkommensfeier für das Kind, zu der nur die Frauen der Familie eingeladen werden.

Das nächste große Fest ist, wie auch in Deutschland, die Taufe. Anders als in Deutschland gibt es für die Taufe aber nicht nur einen Paten oder eine Patin, sondern beides, also Pate und Patin, die sogenannten Padrinos. Padrinos gibt es viele, auch bei der nächsten wichtigen Feier, dem 3. Geburtstag, werden neue Padrinos gesucht. Gefeiert wird zuerst mit einer Messe in der Kirche, und danach mit vielen Kindern zu Hause. Die meisten Kinder verkleiden sich für das Fest, von Pirat über Prinzessin bis Spiderman ist alles dabei. Bei diesen Kindergeburtstagen darf natürlich auch ein wichtiger Bestandteil nicht fehlen: die Piñata. Piñatas sind mit Süßigkeiten gefüllte Figuren aus Pappmaché, auf die die Kinder, teilweise mit verbundenen Augen, einschlagen, bis sie zerbrechen und die Süßigkeiten herausfallen. Und auf die stürzen sich dann nicht nur die Kinder.

Für die Jungs geht es dann bis zum Schulabschluss erstmals sehr ruhig zu, für die Mädchen aber steht das wichtigste Fest von allen erst noch an: der 15. Geburtstag. Dieser Geburtstag wird – vor allem von den reicheren Familien – extrem groß gefeiert, vergleichbar mit den Sweet Sixteen in den USA, oder sogar noch ein bisschen größer. Das Geburtstagskind (die 15-añera) zieht ein an ein Hochzeitskleid in Farbe erinnerndes Kleid an, auf das dann die Farbe der Kleider der unzähligen Madrinas und die Farbe der Krawatten der Chambelanes abgestimmt werden. Begonnen wird die Feier auch wieder mit einer Messe. Das Geburtstagskind wird in einem geschmückten Auto vorgefahren und zieht dann feierlich mit sämtlichen Madrinas, den Eltern und den Padrinos, dies es neu ausgesucht hat, in die Kirche ein. Dort nimmt sie auf einem separaten Stuhl vor dem Altar Platz. Nach der Messe begeben sich die Gäste zum Ort der Feier, und dort wird dann erstmals auf die Ankunft des Geburtstagskindes mit den Chambelanes gewartet. Die Chambelanes sind meistens die Cousins. Sie sind für die Choreographie zuständig, die das Geburtstagskind direkt nach der Ankunft tanzen wird. (Mittlerweile gibt es aber auch viele Mädchen, die auf die traditionelle Feier mit Tanz sowie die Chambelanes verzichten.) Danach folgt der unverzichtbare Walzer mit dem Vater und meistens auch noch mit sämtlichen Onkels. Damit ist der offizielle Teil beendet und die Feier kann beginnen. Bei der Feier werden viele Baby- und Kinderfotos des Geburtstagskindes gezeigt, und die Madrinas verteilen Mitbringsel an die Frauen, die mit dem Namen des Geburtstagskindes und dem Datum der Feier versehen sind.

Neben diesen Festen, die jeder Mexikaner einmal in seinem Leben feiert, werden auch Weihnachten und das Neue Jahr groß gefeiert. An Weihnachten gibt es in Mexiko aber keine Geschenke, die werden erst am 6. Januar von den Heiligen Drei Königen gebracht. Ostern und die Karwoche, die Semana Santa, habe ich als deutlich größer als in Deutschland erlebt. In fast jeder Gemeinde wird die komplette Passionsgeschichte nachgespielt, meistens sehr detailreicht. In einer Gemeinde Mexikos soll das angeblich so weit gehen, dass der Jesus-Darsteller wirklich an Händen und Füssen verwundet wird. In einer anderen Stadt werden außerdem keine Kreuze getragen, sondern Kakteen, die auf dem Rücken der Schauspieler befestigt werden.

Zwei Feiern, die auf jeden Fall in Mexiko deutlich größer begangen werden als in Deutschland, das sind der Valentinstag und der Muttertag. Zu beiden Anlässen werden Serenatas veranstaltet, das heißt der Freund bzw. Ehemann oder die Kinder engagieren eine Mariachi-Band oder eine Banda (eine Art Blaskapelle), die dann vor dem Haus der gewünschten Person vier oder fünf Lieder spielen. Das passiert in Begleitung großer Gruppen junger Männer, die bis in der Früh um die Häuser ziehen und in den Serenatas vor allem einen sehr guten Anlass sehen, um mal wieder einen über den Durst zu trinken. Diese Serenatas finden am Vorabend des jeweiligen großen Tages statt, und am nächsten Tag gibt es dann natürlich noch viele Geschenke.