Kategorie-Archiv: Alltag

Alltag in einer chilenischen Kinderkrippe

Über einem Monat arbeite ich jetzt in der Sala Cuna Naciente (Kinderkrippe in Santiago de Chile). In meiner Gruppe sind 20 Kinder im Alter von ein bis zwei Jahren und es gibt drei Tías (Erzieherinnen mit Ausbildung) und eine Educadora (Erzieherin mit Studium).

Die Arbeit mit den Kindern macht mir echt viel Spaß, auch wenn man schon einige heftige Dinge erlebt. Viele der Familien sind sehr arm und die Kinder kommen deshalb oft mit dreckigen Klamotten oder werden zu Hause nicht gewaschen. Viele Kinder haben Läuse und kommen oft krank in die Sala Cuna. Sehr auffallend ist auch, dass sie sich gegenseitig viel beißen, kratzen und schlagen. Trotz allem habe ich die Kleinen schon sehr in mein Herz geschlossen.

Meine Aufgaben bestehen im Moment darin, die Tías beim Wickeln und Füttern und bei sonstigen Aufgaben zu unterstützen, um mich an die Arbeit zu gewöhnen. Ab nächsten Freitag darf ich dann die Aktivitäten mit den Kindern selbst durchführen.

Damit ihr euch vorstellen könnt, wie ein typischer Tag in der Sala Cuna aussieht, beschreibe ich den im nächsten Teil mal etwas ausführlicher:

Um 8:30 Uhr beginnt die Arbeit und die ersten Kinder trudeln langsam ein und bekommen warme Milch und ein Stück Brot. Um halb zehn setzten wir uns in einen Stuhlkreis, um mit den Kindern gemeinsam Lieder zur Begrüßung zu singen. Am Anfang kannte ich noch kein Lied, doch mittlerweile kann ich schon bei vielem mitsingen. Hier wird wirklich viel gesungen und die Kinder klatschen immer eifrig mit.

Danach machen wir meistens irgendwelche Aktivitäten mit den Kindern (Malen, Lego spielen, Sport, gesunde Ernährung, usw.) und die erste Wickelrunde beginnt. Jedes Kind wird auf das Töpfchen gesetzt, da versucht wird, den Kindern die Windel abzugewöhnen. Bei einigen klappt das auch schon ganz gut.

Um halb elf gibt es meistens „Tutti-Frutti“, das heißt klein geschnittene Früchte. Danach geht es raus in den Patio (Hof) an die frische Luft, um dort zu spielen, bis es um halb zwölf Mittagessen gibt.

Nach dem Essen werden die Kinder alle bettfertig gemacht, während ich meistens die Betten der Kinder beziehe. Dann beginnt der ruhige Teil des Tages: Die Kinder werden in den Schlaf gestreichelt, die Tías und ich können abwechselnd zum Essen gehen.

Bis halb drei schlafen die Kleinen, danach werden sie geweckt und ihnen werden die Haare gemacht, damit sie dann – frisch herausgeputzt – wieder Milch und ein Stück Brot bekommen.

Dann ist es meistens nur noch eine Stunde, bis die Kleinen wieder abgeholt werden und es wird wieder gespielt und gewickelt. Nachdem die Kinder um halb fünf abgeholt wurden, wird die Sala noch geputzt und wichtige Dinge werden besprochen. Und um halb sechs ist auch für mich Feierabend.

Abends bin ich meistens echt kaputt, jedoch habe ich jetzt schon zweimal die Residencia (das ist ein Obdachlosenheim für Männer) besucht, um mit den Menschen dort zu kochen, zu reden und zu backen. Das hat mir gut gefallen.

Außerdem gehe ich zweimal die Woche ins Basketballtraining, da man so mehr Leute kennen lernt und sich auch ein bisschen sportlich betätigt, was hier wirklich notwendig ist. Denn: Hier wird unglaublich viel, fettig und süß gegessen. Und auch in meiner WG wird sehr oft gekocht und wir essen viel und gerne zusammen. 😉

Es gibt jedoch viel Obst und Gemüse, das hier sehr billig ist. Jedes Wochenende macht meine WG den Obst- und Gemüseeinkauf auf einer Fería (Makt) hier in der Nähe.

Was sonst noch so los war:

Am 18. September ist Nationalfeiertag in Chile und die Unabhängigkeit wird gefeiert. Das ist aber nicht mit dem 3. Oktober in Deutschland zu vergleichen. Hier wird vom 17. bis zum 21. September durchgefeiert. Ich konnte dieses Fest sowohl in der Sala Cuna (wir haben typische chilenische Gerichte probiert und mit den Kindern verschiedene Tänze aufgeführt), als auch auf den sogenannten „Fondas“ (Feste mit Live-Musik, und viel leckerem Essen und Trinken) sehr schön miterleben.

Außerdem war ich auch mal wandern mit meiner WG, ein bisschen außerhalb von Santiago. Das war sehr schön, weil ich endlich mal wieder nur Natur um mich herum hatte, und etwas abseits vom Großstadtleben war. Das ist für mich, als Landkind, ja schon eine etwas größere Umstellung.

Ich war auch bereits auf einer Tallrinata . Das bedeutet, dass eine Familie etwas verkauft, um Geld zu sammeln. In diesem Fall wurden Nudeln mit Bolognese und Salat verkauft, um der Nichte die Abschlussfahrt des Colegios ermöglichen zu können. So konnte ich nicht nur ein sehr leckeres Essen genießen, sondern auch mal ein typisches chilenisches Haus von innen sehen, das war sehr interessant.

Vor kurzem hatten wir wieder ein Treffen (Reunión) mit allen Freiwilligen von Cristo Vive. Der ehemalige Exilchilene Mario Sotoliccchio hat uns über die Zeit vor, während und nach der Pinochet-Diktatur erzählt. Das war für mich sehr interessant zu hören.

Am vergangenen Wochenende war ich mal wieder wandern – auf den Rencaberg ging es dieses Mal. Obwohl der Aufstieg in praller Sonne über Stock und Stein (so was wie einen richtigen Weg gab es wohl nicht) ging, hat sich die Mühe für die tolle Sicht über Santiago echt gelohnt.

Das war es jetzt wieder aus Chile. Ich freue mich über jede Nachricht und über jede Rückmeldung auf meine Blogeinträge. Ein großes Dankeschön an alle, die an mich denken und mich so kräftig unterstützen. Ganz liebe Grüße aus dem gerade sehr frühlingshaften Santiago und bis bald.

Meine ersten Wochen in Tansania

Vier Wochen bin ich jetzt schon als Missionarin auf Zeit in Poli Singisi/Tansania und langsam komme ich an. Bei so viel Trubel wie hier herrscht, ist das gar nicht mal so leicht. Der eine Monat kommt mir vor wie drei. Unglaublich, wie viel passiert ist! Aber von vorne…

Am 11. September ging es sehr früh mit meiner Familie zum Flughafen in Nürnberg zur letzten Abschiedsrunde. Über Amsterdam flog ich zum Kilimanjaro Airport, den ich leider erst im Dunkeln erreichte, weshalb mir mein Sitzplatz am Fenster nicht sonderlich viel gebracht hat. Endlich gelandet, bin ich von einer deutschen Schwester, die hier für das Homecraft Center, in dem ich arbeite, verantwortlich ist, einer tansanischen Schwester, die auch als Lehrerin in der Schule arbeitet, und einigen Mädchen abgeholt worden. Alle haben mich sehr herzlich begrüßt. In Poli Singisi angekommen, sind allerdings rund 30 weitere Mädchen auf mich zu gerannt, die mich auch alle umarmen wollten. Das dauerte dann … 😀

Ich habe hier mein eigenes Zimmer mit eigenem Bad (an das kalte Wasser zum Duschen muss ich mich allerdings noch gewöhnen). Ein Kleiderschrank, ein Schreibtisch, ein Bett. Das Gelände besteht aus einem großen Bau, in dem sich eins der Klassenzimmer, der Store, die Teeküche, das Office und das Lehrerzimmer befinden. In einem weiteren befinden sich die Schlafräume und Bäder der Mädchen und ein Gästezimmer. Außerdem gibt es ein Küchengebäude für den Unterricht, eine Küche für die Mädchen, die ihr Essen selbst kochen, ein weiteres Klassenzimmer und einen großen Garten, in dem sie Gemüse anbauen.

Zurzeit leben hier im Konvent, der ein paar Meter vom Schulgelände entfernt ist, zehn Schwestern, die fast alle aus Tansania kommen. Am Essenstisch wird deshalb doch häufiger auch Swahili gesprochen, was ich leider (noch) nicht verstehe. Dafür sprechen wir ja zum Glück alle Englisch. Das Zusammenleben funktioniert sehr gut, auch wenn es sich eigentlich fast nur auf das Gebet und das Essen beschränkt, da die Schwestern alle einfach sehr viel beschäftigt sind.

In der ersten Woche habe ich oft bei den Mädchen gesessen und mich (versucht) mit ihnen zu unterhalten. Einige sprechen aber ganz gut Englisch, so dass es meistens klappt. Wenn es dann mal in die Stadt ging, war natürlich alles super aufregend. Viele Dinge, die hier total alltäglich sind, fand ich einfach faszinierend. Dazu gehören die übervollen, klapprigen Hiaces (auch als Dala-Dalas bekannt), die hier zusammen mit den Piki-Pikis (Motorräder) die öffentlichen Verkehrsmittel darstellen, die Frauen und Männer, die egal was oder wie auf dem Kopf tragen, die Märkte, auf denen man alles kaufen kann (und einem auch alles mehrfach angeboten wird), die vielen Menschen in Arusha und die Farben (sei es die Natur, die Kleidung der Menschen oder die Häuser).

Nachdem zuerst eine tansanische Studentin meine Stunden gehalten hatte, bin ich mittlerweile voll in meinem Tagesplan drin. Ich stehe für meine Verhältnisse sehr früh auf, nämlich um 5.40 Uhr. Dann geht es zur Messe, zum Frühstück und in den Unterricht bzw. zur Büroarbeit. Um 13 Uhr gibt es Mittagessen und von 14 bis 17 Uhr fällt noch mal Büroarbeit an. Um 18 Uhr gehe ich in die Vesper, vorher je nachdem mit Rosenkranz oder Anbetung, anschließend gibt es Abendessen. Danach verbringe ich Zeit mit den Mädchen oder alleine, bis es dann um 22 Uhr Schlafenszeit ist.

Meine erste Unterrichtsstunde war schon eine Herausforderung. Es ist nämlich gar nicht so leicht einen abwechslungsreichen und interessanten Unterricht zu gestalten. Und seine Autorität muss man sich auch erst einmal erkämpfen. Das Verständigungsproblem ist dabei, je nach Tagesform von Lehrer und Schülern, unterschiedlich groß. Aber es wird … Übung macht den Meister!

Ich hatte in den vergangenen Wochen außerdem das Glück schon einige Feiern miterleben zu dürfen – und das ist hier wirklich etwas Besonderes! Es wird getanzt, gesungen und gelacht! Es gibt viel zu Essen und auch Unterhaltungsprogramm … ein Fest für alle! Egal, ob bei der Verabschiedung von einer unserer Lehrerinnen, bei der Graduation in der Secondary School oder bei der Eröffnung eines neuen Konventgebäudes in der Nähe und der ersten Profess einer Novizin.

Außerdem habe ich Schwestern in Lushoto besucht, das in den Usambara Mountains liegt, und habe da einen der schönsten Orte überhaupt entdeckt. Mitten im Dschungel und dennoch mit Aussichtspunkten über das ganze Flachland, einfach unglaublich!

Jetzt steht aber erstmal wieder „normaler“ Alltag bevor. Wir müssen ganz schön dran bleiben, da die Mädchen im Dezember Prüfung haben und bis dahin noch einiges zu erledigen und zu schaffen ist! Deswegen, ran an den Speck, auf die Plätze, fertig, los!

„Dann werden sie kommen und jauchzen auf Zions Höhen“

In der Klosterbäckerei. Foto: Andrea Krebs
In der Klosterbäckerei. Foto: Andrea Krebs

Im Pilgerhaus in Tabgha tagten eine Woche lang rund 60 Äbte und einige Äbtissinnen, die in der Kongregation der Verkündigung zusammengeschlossen sind. Die Mönche führten durch das neue Kloster, die Volontäre erklärten ihre Aufgaben in der Begegnungsstätte – auf Deutsch, Englisch und Französisch. In der Küche wurde herrlich viel kreiert. Nach der gemeinsamen lateinischen (sprachverbindenden) Vesper feierten wir ein fröhliches Fest. Es erinnerte mich an das Lied: „Dann werden sie kommen und jauchzen auf Zions Höhen und jeder wird sich freuen an den Gaben des Herrn. Über Korn und über Wein, über Öl und junge Schafe, über Rinder auf den Weiden, halleluja.“

Mein Nähzimmer mit dem schönen Ausblick auf den See Genezareth nimmt immer mehr Gestalt an. Pater Matthias baute mir aus den Handläufen des alten Klosters und einem Besenstiel einen Ständer, auf dem Messgewänder, die zum Reparieren gebracht werden, oder Habite einen angemessenen Platz haben. Ein altes Regal aus dem Schuppen wurde zum Stoffregal. Die erste Nähmaschine aus Deutschland (gesponsert von Gabi Heller) ist bereits angekommen. Vielen Dank!

Messgewänder am neuen Ständer. Foto: Andrea Krebs
Messgewänder am neuen Ständer. Foto: Andrea Krebs

Am Tag der Deutschen Einheit waren zwei Benediktinerinnen aus Berlin-Alexanderdorf bei uns zu Besuch. Es war das erste Mal, dass jemand aus ihrem Orden aus dem Osten Deutschlands ins Heilige Land reiste. Sie brachten ihre jüdische Freundin Hella mit, die in Berlin Ethiklehrer ausbildet. Ein fröhliches Gespann. Wir badeten gemeinsam im See Genezareth, das ist hier nur an einer Stelle möglich. Mein Sohn und meine Schwiegertochter heirateten am Tag der Deutschen Einheit. Auch ihre Liebe und nun die wunderbare kleine Familie sind eine Frucht dieses Tages. Dafür danke ich Gott von Herzen.

Mehr zum ThemaTabgha am See Genezareth – eine kleine Oase des Friedens

Update aus Tschechien

Vor zwei Wochen habe ich als Einstand und aus gegebenem Anlass eine Kleinigkeit mit ins Büro gebracht und wurde ebenfalls mit einem kleinen Empfang und einem Geschenk überrascht. Ich durfte von jedem Glückwünsche entgegennehmen, teils auf Tschechisch (ich vermute mir wurde nur Gutes gewünscht ;), teils auf Englisch und auch auf Deutsch, was mich besonders gefreut hat. Dem Empfang ging eine kleine Andacht voraus, bei der dem gewaltsamen Tod eines Priesters gedacht wurde.
Für das Abendprogramm waren die Erasmus-Leute, die schon da sind, in einer kleinen Bar verabredet und auch hier hat die Orga-Gruppe herausgefunden, dass ich Geburtstag habe, und ich habe ein multikulturelles Happy Birthday, ein Teelicht und einen Tequila bekommen. Da ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte, war ich kurz sprachlos und dann einfach nur happy, dass ich doch noch Geburtstag feiern konnte.

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Samstag und Sonntag waren wir dann in Usti und Umgebung unterwegs, haben eine Staustufe und eine Burg angeschaut und die tschechische Küche, die sehr zu empfehlen ist, genossen.

Dienstags war ich dann zu einem Treffen von Caritas-Vertretern zum Thema Migrations- und Flüchtlingsbewegungen in Prag eingeladen. Da ich die Vertreterin „meiner“ Caritas erst dort treffen sollte, fuhr ich allein nach Prag und mit den entsprechenden U-Bahnen zum vereinbarten Treffpunkt. Nach dem Treffen habe ich noch mit zwei weiteren Vertretern Treffen zur Besichtigung von Asylbewerber- Camps (Flughafen/Transitbereich und ein Auffanglager) vereinbart. Generell ist die Flüchtlingsthematik allerdings nicht so stark im Fokus der Öffentlichkeit, da die Fallzahlen sich sehr stark von denen in Deutschland unterscheiden.

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Mein Projekt, das ich im Auftrag der Caritas national und als Aufgabe im Praxissemester durchführen darf, nimmt auch langsam Gestalt an. In Kooperation mit der Universität in Usti soll eine Bilderausstellung über tschechische Einwanderer stattfinden. Ein weiterer Ausstellungsort ist noch in Planung. Meine Aufgabe ist hierbei die Organisation und Durchführung. Mehr dazu, wenn es wirklich spruchreif ist.

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Das Wohnheim füllt sich so langsam und inzwischen sind auch alle Erasmus-Leute angekommen –eine ziemlich multikulturelle Truppe. Insgesamt sind wir 100 Erasmus-Studenten, von denen rund 50 türkischer und 25 spanischer Herkunft sind. Die 25 anderen verteilen sich auf alle Länder Europas.

Sobald es wieder etwas zu berichten gibt, melde ich mich hier wieder, um euch auf dem Laufenden zu halten.

In diesem Sinne, Na shledanou!

Mehr zum Thema:

Tabgha am See Genezareth – eine kleine Oase des Friedens

Vertrautes Gesicht in der Ferne! Am 31. August wurde ich von Pater Matthias und einem Volontär in Tel Aviv abgeholt, hergebracht und herzlich aufgenommen. Tabgha in Galiläa am See Genezareth ist mir ein bekannter Ort, der mich doch ins Staunen bringt. Bei all den Nachrichten über die Auseinandersetzungen im Land eine kleine Oase des Friedens.

Ich habe hier vorerst eins abgemacht: Zwei Jahre Lebenszeit, die ich in besonderer Weise meiner Beziehung zu Jesus Christus widmen möchte und außerdem einer schönen Lebensgemeinschaft hier am Ort. Sie besteht aus sechs Benediktinermönchen, die mit zwölf Mönchen in Jerusalem zusammengehören, sechs Volontären aus Deutschland und Amerika und neun arabischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Hinzu kommen die aktuellen Gäste und die große Gruppe der Pilger aus aller Welt, die sich von der Schönheit und der Botschaft dieses Ortes berühren und senden lassen.

Meine Aufgaben sind bisher angedeutet, aber noch nicht so ganz konkret. Ich habe hier ein  Nähplätzchen mit herrlichem Blick auf die Brotvermehrungskirche, den Klosterneubau und den See Genezareth. In der zweiten Hälfte des Raumes hat sich Pater Prior Basilius ein Malatelier eingerichtet.

Neben mir liegt die erste Aufgabe: Eine Albe von Bruder Nathanael, der Faden wurde morsch, die Nähte gingen auf. Neben meiner Tätigkeit an der Nähmaschine, wo so einiges entstehen wird, kommen die Verantwortung für das Gästerefektorium und Hilfe in der Küche hinzu. Außerdem ein Dienst für die Volontäre, der sich noch herauskristallisiert.

In der Begegnungsstätte Beith Noah, wo den Sommer über Gruppen jüdischer und palästinensischer Kinder mit Behinderung Urlaub machen dürfen, möchte ich ein kleines Nähprojekt anbieten. Paul, der Verantwortliche für alle Volontäre in Beith Noah, und Prior Pater Basilius sind dafür aufgeschlossen. So bitte ich meine Freundin Brigitte, mir zwei Nähmaschinen zuzusenden, die mir für diese Art von Arbeit geschenkt wurden.

Kleber für Nähmaschine

4.9.14: Ich war ich mit Pater Jonas einkaufen. Das Nähmaschinenöl entpuppte sich allerdings als Kleber! So ist das, wenn man die Schriftzeichen nicht lesen kann. Aber ich bekam auch eine herrliche Taschenlampe, damit ich im Dunkeln nicht stolpere, denn zur Laudes (5:30 Uhr) und zur Komplet (20:15 Uhr) ist es schon dunkel.

Am Pool kann man sich in der Früh und nachmittags, wann immer man halt will, erfrischen, denn heiß ist es hier! Wir haben zwischen 32 und 38 Grad zurzeit.

Heute treffe ich mit Pater Matthias Gabi, aus Regensburg, die um 16 Uhr mit der Gruppe St. Augustin aus Würzburg, Gottesdienst hat. Wir haben alle drei zusammen den Gestaltkurs in Werdenfels besucht.

Rollmäppchen aus Tischdecke

7.9.14: In Beith Noah war eine arabische christliche Gruppe zu Besuch. Sie nennen sich „House of light“ und bestehen in der Hauptsache aus einem sehr engagiertem Ehepaar und vielen Helfern. Anis, der Mann geht regelmäßig in die Gefängnisse, lässt sich die Listen von den christlichen Gefangenen geben und besucht sie. Er erzählt von seinem Glauben und bestärkt die Gefangenen im christlichen Glauben, damit sie Kraft und Hoffnung schöpfen. Dann besucht er ihre Familien und versucht sie so gut wie möglich zu unterstützen. Zu Besuch bei uns  waren die Familien der Gefangenen, um sich zu erholen.

Ich bot ihnen an, mit den Kindern etwas herzustellen an der Nähmaschine und sie waren sehr dankbar, weil sie niemanden für die älteren Kinder hatten.

So verkleinerte ich, mit Erlaubnis, eine alte Tischdecke, die ich im Keller fand und nähte mit den Kindern die auch hier beliebten Rollmäppchen. Plötzlich wurde es eiskalt und alles war nass. Ein kleiner Junge, der gerade einen Zorn auf seinen Bruder hatte, der gerade nähte, wollte ihn mit einem Glas kaltem Wasser erschrecken. Er traf nicht ihn, sondern mich, ganz, ganz schön „erfrischend“!

Abends, als alle schon abgereist waren, hatte ich noch ein gutes Gespräch mit Noel und Anis, die mich und uns alle herzlich einluden, sie zu besuchen. Wir beteten am Sonntag Abend miteinander, wie ich es seit 30 Jahren mit Freunden zu Hause um diese Zeit meistens tue. Das war sehr verbindend.

11.9.14: Heute machten die Patres mit den Volontären einen Ausflug in die „Berge“. Wir wanderten 16 km durch bewaldete Berglandschaft des Merongebirges. Am Schluss bereiteten wir mit Pater Jonas ein herrliches und üppiges Picknick im Freien.

„Die Nähmaschine ist bei mir ein Teil der Kommunikation“

13.-15.9.14: Am Wochenende war eine Gruppe der Palestinian Medical Relief Society ( PMRS) in Beith Noah zu Besuch. Eine moslemische Gruppe mit einem vorbildlich liebevollen und partnerschaftlichen Umgang untereinander.

Majida, die Leiterin, besucht Familien mit behinderten Kindern und lehrt den Eltern diese Kinder anzunehmen und zu fördern. Eines dieser Kinder lebte sechs Jahre im Stall bei den Schafen, ein anderes lebte das ganze Jahr draußen.

Seit elf Jahren verbringt Majida mit diesen Kindern einige Ferientage wie hier in Tabgha. Diese Kinder sind dankbar und zufrieden. Ich habe mit ihnen kleine Kissen genäht und ihren Namen in Arabisch draufgestickt, darüber waren sie sehr glücklich. Nun wünschen sich die Mütter, dass ich nach Ramallah komme und ihnen lerne, wie das geht. Paul hat es ihnen für Januar, wenn hier nicht viel los ist, in Aussicht gestellt.

Das freut mich, denn die Nähmaschine ist bei mir ein Teil der Kommunikation, auch wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Ich habe viel über arabische Lebensweise und Gastfreundschaft dieser engagierten Menschen kennengelernt und erlebt, was Jesus meinen könnte mit: „Liebe deinen Nächsten!“

15.9.14: In Dalmanutha, dem Platz am See, feierten wir mit 50 philippinischen UN-Soldatinnen und -Soldaten, die mit diesem Gottesdienst ihren Friedensdienst auf den Golanhöhen beendeten. Sie haben viel gegeben für ihre schwierige Mission bei der zunehmend eskalierenden Gewalt. Es war einfach schön, mit ihnen zusammen ganz selbstverständlich katholischen Gottesdienst zu feiern. Die philippinischen Schwestern, die hier auf dem Grundstück ein kleines benediktinische Kloster haben, bereiteten die Lieder vor und bekochten die Soldaten u.a. mit Fisch, den diese sich zuvor mit der Hand fingen.

Außerdem nahmen rund 20 christliche arabische Frauen aus Nazareth  und eine kleine österreichische Pilgergruppe teil. Es wurde deutsch, englisch und arabisch gefeiert.

Neue Woche, neues Glück!

Meine Aufgaben sind übersichtlich: Gardinen für zwei Gästehäuser nähen, Fischernetze flicken und in der Küche helfen, denn der zweite Koch hat nun endgültig keine Lust mehr. All diese Arbeiten finde ich sehr selbstverständlich und mit Suad, auch Mama und Oma, verstehe ich mich bestens und lerne von ihr.

Heute besuchte uns Abt Gregory in der Küche, eine herzliche Begegnung. Ihm habe ich letzten Herbst unter Anleitung von Sr. Benedikta, mein erstes Messgewand genäht.