Archiv der Kategorie: Allgemein

Durch Rom mit dem Segway und Fürbitten als SMS

Fortsetzung der Ministrantenwallfahrt nach Rom

Donnerstag

Heute werden wir ganz was Besonderes erleben, so viel ist schon im Vorfeld klar. Die Teilnehmer dürfen zwischen verschiedenen Angeboten wählen. Somit teilt sich unsere bisherige Busgruppe erstmalig. Die meisten Teilnehmer entscheiden sich für den Gang auf die Kuppel des Petersdoms und geniessen den Ausblick auf Rom. Vorher feiern wir gemeinsam die Messe in Sacro Cuore. Während unsere Musikgruppe unter Leitung von Lukas Weindl für uns in der Kirche probt, haben wir Freizeit. Diese wird am nahegelegenen Hauptbahnhof Termini genutzt. Anschließend teilen wir uns in die Neigungsgruppen auf. Zusammen mit 50 Minis und acht Betreuern geht es für uns in die Villa Borghese. Der schöne Garten oberhalb der Piazza del Popolo wird auf dem Segway erkundet. „Oh man wie cool, wir gehen Segway fahren!“ In unserer Gruppe haben wir natürlich sehr viel Spaß, abends im Bus wird schnell klar: Die anderen Neigungsgruppen auch! Erstmals wollen unsere Minis keine Musik bei der Rückfahrt in die Unterkunft, da sie sich so viel zu erzählen haben. Allerdings hat unser Bus noch eine Aufgabe zu meistern. Am morgigen Tag wird unser Busgeistlicher Martin Seefried die Messe zelebrieren. Da wir schon seit Montag super zusammenarbeiten, ist dem ganzen Bus klar: Das meistern wir als Team. Pfarrer Martin Seefried hat eine coole Idee: Wir formulieren unsere Fürbitten als SMS und schicken sie ihm aufs Handy, das kommt wirklich gut an! Für eine Teilnehmerin soll ich die Fürbitte vorher lesen, ich bemerke ihr schönes Hintergrundbild, „Clappo, hab ich selbstgeschossen von der Kuppel“.

Freitag

Heute fahren wir Baden! Ehrlich gesagt darauf freue ich mich schon riesig. Vorher haben wir allerdings noch ein richtig volles Programm: Lateran und St. Paul stehen heute an! Wirklich beeindruckt sind die Minis von der Lateranbasilika, diese Größe, diese Schönheit. Spontan wird in der Kirche gesungen, das ist wirklich toll. Die Messe feiern wir heute in St. Paul vor den Mauern, die Kirche ist sogar noch größer als die Lateranbasilika. Heute haben wir als Gruppe unseren „großen Auftritt“. „Unser“ Pfarrer Martin Seefried gestaltet die Messe. wirklich toll, und dann unsere Fürbitten. Martin Seefried tritt ans Mikro: „Oh jetzt kann ich mein Handy nicht finden.“ Sofort eile ich mit einem Freund in die Sakristei. Mein bisschen Italienisch reicht tatsächlich aus, um dem Mesner zu erklären, dass ich jetzt die Taschen durchsuche nach dem Handy des Pfarrers, weil dort die Fürbitten sind… Wie sich herausstellt, hatte einer der Minis das Handy. Puuuh, nun haben wir uns das Baden noch mehr verdient. Endlich, wir stehen vor unserem Privatstrand, das hat Sarah Hairbucher wirklich schön ausgesucht. Nur der harte Wellengang trübt das Bild, wir werden nur Hüfthoch ins Wasser gehen. Doch auch das macht genauso viel Spaß. Und wir Betreuer haben tatsächlich noch die Chance auf einen Kaffee am Strand, den haben wir uns wirklich verdient.

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Feste und Feiern in Mexiko

Die Mexikaner sind ein feierfreudiges Volk, und die vielen verschiedenen Feste prägen ihr Leben entscheidend mit. Die Lust zum Feiern wird den Kindern sozusagen schon in die Wiege gelegt, denn die erste Feier zu ihren Ehren findet schon vor der Geburt statt. Ungefähr im 8. Schwangerschaftsmonat gibt die Mutter eine Art Willkommensfeier für das Kind, zu der nur die Frauen der Familie eingeladen werden.

Das nächste große Fest ist, wie auch in Deutschland, die Taufe. Anders als in Deutschland gibt es für die Taufe aber nicht nur einen Paten oder eine Patin, sondern beides, also Pate und Patin, die sogenannten Padrinos. Padrinos gibt es viele, auch bei der nächsten wichtigen Feier, dem 3. Geburtstag, werden neue Padrinos gesucht. Gefeiert wird zuerst mit einer Messe in der Kirche, und danach mit vielen Kindern zu Hause. Die meisten Kinder verkleiden sich für das Fest, von Pirat über Prinzessin bis Spiderman ist alles dabei. Bei diesen Kindergeburtstagen darf natürlich auch ein wichtiger Bestandteil nicht fehlen: die Piñata. Piñatas sind mit Süßigkeiten gefüllte Figuren aus Pappmaché, auf die die Kinder, teilweise mit verbundenen Augen, einschlagen, bis sie zerbrechen und die Süßigkeiten herausfallen. Und auf die stürzen sich dann nicht nur die Kinder.

Für die Jungs geht es dann bis zum Schulabschluss erstmals sehr ruhig zu, für die Mädchen aber steht das wichtigste Fest von allen erst noch an: der 15. Geburtstag. Dieser Geburtstag wird – vor allem von den reicheren Familien – extrem groß gefeiert, vergleichbar mit den Sweet Sixteen in den USA, oder sogar noch ein bisschen größer. Das Geburtstagskind (die 15-añera) zieht ein an ein Hochzeitskleid in Farbe erinnerndes Kleid an, auf das dann die Farbe der Kleider der unzähligen Madrinas und die Farbe der Krawatten der Chambelanes abgestimmt werden. Begonnen wird die Feier auch wieder mit einer Messe. Das Geburtstagskind wird in einem geschmückten Auto vorgefahren und zieht dann feierlich mit sämtlichen Madrinas, den Eltern und den Padrinos, dies es neu ausgesucht hat, in die Kirche ein. Dort nimmt sie auf einem separaten Stuhl vor dem Altar Platz. Nach der Messe begeben sich die Gäste zum Ort der Feier, und dort wird dann erstmals auf die Ankunft des Geburtstagskindes mit den Chambelanes gewartet. Die Chambelanes sind meistens die Cousins. Sie sind für die Choreographie zuständig, die das Geburtstagskind direkt nach der Ankunft tanzen wird. (Mittlerweile gibt es aber auch viele Mädchen, die auf die traditionelle Feier mit Tanz sowie die Chambelanes verzichten.) Danach folgt der unverzichtbare Walzer mit dem Vater und meistens auch noch mit sämtlichen Onkels. Damit ist der offizielle Teil beendet und die Feier kann beginnen. Bei der Feier werden viele Baby- und Kinderfotos des Geburtstagskindes gezeigt, und die Madrinas verteilen Mitbringsel an die Frauen, die mit dem Namen des Geburtstagskindes und dem Datum der Feier versehen sind.

Neben diesen Festen, die jeder Mexikaner einmal in seinem Leben feiert, werden auch Weihnachten und das Neue Jahr groß gefeiert. An Weihnachten gibt es in Mexiko aber keine Geschenke, die werden erst am 6. Januar von den Heiligen Drei Königen gebracht. Ostern und die Karwoche, die Semana Santa, habe ich als deutlich größer als in Deutschland erlebt. In fast jeder Gemeinde wird die komplette Passionsgeschichte nachgespielt, meistens sehr detailreicht. In einer Gemeinde Mexikos soll das angeblich so weit gehen, dass der Jesus-Darsteller wirklich an Händen und Füssen verwundet wird. In einer anderen Stadt werden außerdem keine Kreuze getragen, sondern Kakteen, die auf dem Rücken der Schauspieler befestigt werden.

Zwei Feiern, die auf jeden Fall in Mexiko deutlich größer begangen werden als in Deutschland, das sind der Valentinstag und der Muttertag. Zu beiden Anlässen werden Serenatas veranstaltet, das heißt der Freund bzw. Ehemann oder die Kinder engagieren eine Mariachi-Band oder eine Banda (eine Art Blaskapelle), die dann vor dem Haus der gewünschten Person vier oder fünf Lieder spielen. Das passiert in Begleitung großer Gruppen junger Männer, die bis in der Früh um die Häuser ziehen und in den Serenatas vor allem einen sehr guten Anlass sehen, um mal wieder einen über den Durst zu trinken. Diese Serenatas finden am Vorabend des jeweiligen großen Tages statt, und am nächsten Tag gibt es dann natürlich noch viele Geschenke.

Freud und Leid bei der Fußball-WM in Brasilien

Die Fußballweltmeisterschaft ist hier in Brasilien im vollen Gange – und kostet ganz viele Nerven mit all den Verlängerungen. Die Demonstrationen gegen die WM halten sich in Grenzen und finden vor allem in São Paulo und Rio de Janeiro statt, wo die Polizei mit Gewalt dagegen ankämpft. Viele junge Demonstranten werden verhaftet und „verschwinden“ in den eh schon überfüllten Polizeistationen.

Ich denke, solange die brasilianische Nationalmannschaft bei der WM mitspielt, wird es „nur“ diese kleineren Demos geben. Auch wenn die Seleção bisher keinen mitreißenden Fußball spielt, hat sich die Stimmung der Brasilianer laut Umfragen in den letzten Wochen etwas verbessert. Die größte Zeitung des Landes – Folha de São Paulo – berichtet heute, dass 60 Prozent der Brasilianer stolz auf die WM-Austragung sind. Trotzdem denkt knapp die Hälfe der Befragten (46 Prozent), das die Copa do Mundo dem Land mehr schadet als hilft.

Die erste Seite unserer lokalen Tageszeitung „Hoje“ ist heute sehr erschreckend. „Ein Monat, 80 Ermordete“ – das ist neuer Rekord in Goiânia, einem der zwölf WM-Standorte in Brasilien. Und auf der unteren Seite sieht man die feiernden Fußballer.

Diese vielen Todesfälle geschehen unabhängig von der WM. Die Aufklärungsquote dieser Fälle liegt fast bei null Prozent. Meistens steht in der Akte „im Drogenhandel verwickelt“ oder „vorbestraft“, so werden die Fälle gleichmal ad acta gelegt und nie aufgeklärt. Bei wie vielen Fällen Polizisten verwickelt waren oder sind wird nicht veröffentlicht – und interessiert ja auch nicht wirklich. Bei den meisten Fällen sind es Jugendliche aus der Peripherie, die getötet werden.

So treffen hier Freud und Leid sehr nah aufeinander. Wie das wohl weitergehen wird…. „Só Deus sabe!“ (Nur Gott weiß es) –  wie die Brasilianer hier gerne sagen.

Mehr zum Thema: Brasilien – ein reiches Land mit armer Bevölkerung

Hilfe zum Ausstieg aus der Prostitution

Auf einer privaten Reise nach Kolumbien habe ich die Möglichkeit, ein beeindruckendes Hilfsprogramm von Ordensschwestern kennenzulernen, die betroffenen Frauen einen Weg zu neuem Leben sowie würdiger und fairer Arbeit ermöglichen. Dafür bin ich bei den Schwestern und in einer Fabrik in Bogotá zu Besuch.

Direktorin Schwester Rosaura Patiño  und Mitarbeiterin Olga Lucia Camelo bei der Endkontrolle der Kleidungsstücke. Foto: Peter Esser
Direktorin Schwester Rosaura Patiño und Mitarbeiterin Olga Lucia Camelo bei der Endkontrolle der Kleidungsstücke. Foto: Peter Esser

In der großen Werkhalle der Fabrik „Creaciones Miquelina“ rattern Nähmaschinen. Rund 200 Frauen produzieren hier Kleidung. Ich gehe an zahlreichen „Werktätigen“ vorbei bis zum Arbeitsplatz von Alicia Gomez Quintero (36). Sie bringt gerade die Kapuze an einer Jacke an. Die Schneiderin war bis vor einigen Jahren Prostituierte in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá. „Ich lebte mit vielen Problemen auf der Straße, war drogenabhängig. Schon mit 14 Jahren ging ich auf den Strich“, erzählt sie mir. Ihr Lebenspartner ließ sie mit zwei Töchtern allein. Ein Pfarrer informierte sie über das Hilfsprogramm der Hermanas Adoratrices (Schwestern der Anbetung) „Ciudadela María Micaela“. Hier erhielt sie psychologische Hilfe, dann absolvierte sie in der Schneiderei eine halbjährige Ausbildung. Eine ihrer Töchter machte auf der Schule der Ordensgemeinschaft ihr Abitur. „Mein Traum wäre es, eine eigene kleine Fabrik für Schlafanzüge zu errichten“, sagt Alicia Gomez Quintero und sieht sich noch nicht am Ende ihrer Karriere. Vor allem zeigt sie sich aber dankbar, dass sich ihr Leben mit Hilfe der Ordensfrauen zum Guten wendete.

Engagement seit 40 Jahren

Die Schwestern zeigen Frauen wie Alicia in vielen Ländern Wege aus der Prostitution auf. In Kolumbien tun sie das seit genau 40 Jahren. Seit Anfang an dabei ist Schwester Ofelia Rivera. Sie sucht gemeinsam mit einem Helferteam betroffene Frauen im Rotlichtmilieu auf und bietet ihnen an, das Hilfsprogramm kennenzulernen. „Die Situation hat sich verschlechtert. Jetzt fangen immer mehr jüngere Frauen an“, beobachtet sie. In den vergangenen Jahrzehnten sind immer mehr Bordelle in Bogotá aus dem Boden geschossen und die „Geschäfte auf der Straße“ sind unüberschaubar. Entschieden wendet sich Ofelia dagegen, Prostitution als Arbeit anzuerkennen. Sie verweist auf eine Studie, nach der sich rund 80 Prozent von befragten betroffenen Frauen in Kolumbien aus sozialer Not prostituieren. „Das Einzige, was sie brauchen, ist eine richtige Arbeit, um so schnell wie möglich aussteigen zu können“, erfährt Schwester Ofelia immer wieder.

Viele der Frauen sind vom Land in die Stadt geflüchtet, um dort bessere Lebensbedingungen zu suchen oder auch aufgrund des internen Krieges zwischen Guerilla, paramilitärischen Gruppen und dem Militär. Dort landen sie meistens in Holz- und Blechhütten der Armenviertel und stehen erst einmal vor dem Nichts. Viele Frauen treibt es so in die Prostitution.

Solcher Frauen nehmen sich im Hilfsprogramm zunächst eine Psychologin, eine Sozialarbeiterin, bei Bedarf auch eine Rechtsanwältin und ein Arzt, an. Kinder werden im Kindergarten und in der Schule der Einrichtung betreut. Die Frauen können zwischen verschiedenen Ausbildungen wählen: Neben der Schneiderei werden etwa auch Lehren im Friseur- und Bäckerhandwerk sowie im Gastronomiewesen angeboten. „In unserem Haus gehen täglich etwa 1.000 Menschen ein und aus in Fabrik, Werkstätten, Kindergarten und Schule“, gibt mir Direktorin Schwester Rosaura Patiño einen Eindruck von der Größe des Programms. Dieses wird vom Hilfswerk „Caritas international“ und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert.

Zumindest Mindestlohn gezahlt

Nicht ohne Stolz erwähnt die Schwester, dass die Schneiderei wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht: „Wir stellen monatlich zwischen 5.000 und 6.000 Kleidungsstücke her.“ Ein Großteil wird nach England verkauft, doch die Frauen produzieren auch für einheimische Schulen, Krankenhäuser und Firmen. Dass alle Angestellten in der Fabrik zumindest den staatlich festgesetzten Mindestlohn mit Sozialleistungen erhalten, ist für die leitende Ordensschwester selbstverständlich. Höherqualifizierte vermitteln die Schwestern auch an andere Unternehmen. Wiederum andere machen sich selbstständig: Frauen, die im Gastronomiewesen ausgebildet wurden, gründen zum Beispiel eigene Restaurants.

In der Schneiderei schätzen viele, dass sie immer wieder einmal Neues tun können. Die 44-jährige siebenfache Mutter Olga Lucia Camelo ist zum Beispiel jetzt zur letzten Station der Produktionskette gewechselt. Während Schwester Rosaura Patiño und ich bei ihr sind, überprüft Olga gerade eine Jacke auf Falten und Nähte. Dabei entdeckt sie noch einen kleinen losen Faden und beseitigt ihn: „Das hier ist die Endkontrolle der Kleidungsstücke. Von unseren Augen hängt ab, wie das hier rausgeht“, sagt sie mir und freut sich über ihre neue verantwortungsvolle Aufgabe.

Spenden erbeten

Die Anzahl der begünstigten Frauen in dem Hilfsprogramm ist gestiegen: Im Jahr 2012 wurde 580 Frauen psychologisch und sozial sowie durch Ausbildung geholfen, 2013 waren es 615. Die Zahl der in Arbeit Vermittelten erhöhte sich von 209 auf 303. Spenden tragen dazu bei, das Programm zu sichern, weiter zu verbessern sowie noch mehr Frauen zu helfen. Die monatlichen Kosten für eine Sozialarbeiterin betragen rund 1.100 Euro. Eine gute Industrie- und Spezialnähemaschine kostet etwa 2.000 Euro. Der Caritasverband Eichstätt bittet unter dem Stichwort „Frauen in Kolumbien“ um Unterstützung auf folgendes Caritaskonto in Eichstätt: LIGA Bank: Konto-Nr . 107 617 313, BLZ 750 903 00, IBAN DE94 7509 0300 0107 6173 13

Radio K1-Beitrag zum Thema

Ein katholischer König in einem katholischen Spanien?

Damit hat keiner gerechnet. Don Juan Carlos I de Borbón ist als König von Spanien zurückgetreten und will Krone und Zepter in die Hände seines Sohnes Felipe legen. Was man von anderen europäischen Königshäusern her schon kennt, ist in der erst knapp 40 Jahre alten Verfassung der demokratischen Monarchie Spaniens eigentlich nicht vorgesehen. Der König von Spanien bleibt Oberhaupt seines Volkes bis zum Tod. Juan Carlos hat aber entschieden, mit dieser Tradition und mit diesem Artikel der spanischen Verfassung zu brechen.

Hat der König von Spanien von Papst Benedikt XVI. gelernt? Vor eineinhalb Jahren überraschte der Bischof von Rom die ganze katholische Kirche, ja die ganze Welt mit seinem Rücktritt als Papst. Und keine andere Entscheidung in seinem achtjährigen Pontifikat hat ihm mehr Sympathie und Bewunderung eingebracht als dieser „letzte Schritt“. Wollte sich auch Don Juan Carlos nach 39 Jahren König von Spanien mit seinem final cut nochmal die Sympathie und Bewunderung der Spanier sichern?

„Durch sein Abdanken hat der König Spanien, seiner Familie und sich selbst einen Gefallen getan“ sagte der Journalist Salvador Aragonès, Professor an der Universidad Internacional de Cataluña, in „Ràdio Estel“, dem katholischen Rundfunk Kataloniens. Denn, so schreibt die katholische Wochenzeitung „CatalunyaCristiana“, die Gründe für das Abdanken Juan Carlos‘ liegen neben der ökonomischen, sozialen, politischen und institutionellen Krise Spaniens vor allem im Prestigeverlust der spanischen Monarchie. Mit Elefanten-Safari, außerehelichen Affären und Vaterschaftsklagen hat der 76jährige Monarch in den letzten Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Das war aber nicht immer so. „Sein Dienst am spanischen Volk ist von einem außergewöhnlichen Wert gewesen“, bescheinigte auch die spanische Bischofskonferenz dem scheidenden König.

Die katholischen Bischöfe haben damit ausgedrückt, was die große Mehrheit der Spanier empfindet. Sie alle wissen, was sie ihrem König verdanken: nichts weniger als die Demokratie. Und vor allem auch eine friedliche und unblutige Einführung der Demokratie nach einem grausamen Bürgerkrieg (1936 – 1939) und einer brutalen Militärdiktatur (1939 – 1975). Gleich in den Jahren nach den wilden 68ern, als sich das revolutionäre Studentenvolk Europas mühevoll von den „Fesseln“ der Traditionen, des Bürgertums und der Kirchen befreien wollte, jubelt das spanische Volk Juan Carlos de Borbón zu, dem letzten Nachkommen des Jahrhunderte alten französischen Königshauses, das bis zu den unglückseligen Republiken Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts den spanischen Monarchen stellte.

„Los reyes católicos“ werden Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon genannt. Papst Alexander VI. höchstpersönlich hat ihnen den Titel aufgrund ihrer großen Verdienste für die Kirche verliehen. Mit ihrer Hochzeit 1469 haben die beiden die zwei mächtigsten Königreiche der iberischen Halbinsel vereint und damit den Grundstein für das heutige Spanien gelegt. Ihr großer Erfolg war die Reconquista (Rückeroberung) der über Jahrhunderte von den Mauren besiedelten Gebiete. 1492 wurde Muhammad XII., der letzte in Spanien verbliebene Emir, aus seinem märchenhaften orientalischen Palast in Granada, der Alhambra, vertrieben. Im gleichen Jahr haben die „katholischen Könige“ alle Juden gezwungen, das Land zu verlassen oder sich taufen zu lassen. Und schließlich setzt im selben Schicksalsjahr 1492 mit der Entdeckung Amerikas von Spanien ausgehend eine Eroberung und damit auch Christianisierung der Neuen Welt ein. Über zwei Jahrhunderte lang war nun Spanien die katholische Weltmacht, von der das Evangelium in alle Teile der ganzen Erde getragen wurde. Katholische Kirche und spanisches Königshaus waren immer eng miteinander verflochten und die Könige sahen sich als die von Gott berufenen „Aposteln“ ihrer Zeit. Außerdem kennt Spanien keine Reformation und Spaltung der Kirche, wie sie im 16. Jahrhundert in Deutschland stattgefunden hat. Spanier sein bedeutete Katholik sein.

Und heute? Wie katholisch ist Spanien heute? Die religiöse Situation der spanischen Gesellschaft heute ist vor allem geprägt von dem Staatskatholizismus der Franco-Ära. 36 Jahre wurde alles Nicht-Katholische von Seiten der Diktatur systematisch unterdrückt. Mit Hilfe eines religiösen Drucks hat die weltliche Macht versucht, das Volk im Zaum zu halten. Und nicht selten haben die Vertreter der Kirche die Machenschaften des Militärs gedeckt, um damit die eigene Autorität in der Gesellschaft zu stärken. So empfanden die meisten Spanier den Tod General Francos im Jahre 1975 nicht nur als Befreiung von einer politischen Unterdrückung, sondern auch gleichzeitig als eine Befreiung von einer religiösen und moralischen Unterdrückung durch die katholische Kirche. Endlich fühlte man sich befreit von jeder Fremdbestimmung des eigenen Lebens. Und den König, wie gesagt, den ließ man nur gelten, weil man ihm diese Freiheit ja verdankte.

Nur knapp 35 Prozent der steuerpflichtigen Spanier wollten 2012 ihre Renta der Kirche zukommen lassen. (Eine für jeden Steuerzahler verpflichtende Sozialabgabe, bei der man wählen kann, welcher Einrichtung oder Institution sie zukommen soll.) In Katalonien waren es sogar unter 20 Prozent. Hier sind in den letzten 26 Jahren zum Beispiel auch die kirchlichen Eheschließungen von 76 Prozent auf nur noch 19,4 Prozent zurückgegangen. Von einem katholischen Spanien kann man heute also nicht mehr sprechen. Nach zwei Generationen „Freiheit“ scheint mir außerdem auch ein christliches Bewusstsein und Wissen in der Bevölkerung Spaniens immer mehr zu verschwinden. Christliche Traditionen und Bräuche verkümmern vielfach zu einer oberflächlichen Folklore.

Noch am selben Tag der Abdankung des spanischen Königs versammelten sich auf der Puerta del Sol von Madrid 20.000 und auf der Placa Catalunya von Barcelona 5.000 Demonstranten, die die Abschaffung der Monarchie und die Einführung der III. Republik forderten. Obwohl Kronprinz Felipe noch völlig unbeschadet ist von Skandalen und einen weitaus besseren Ruf genießt als fast alle Politiker, kann er im Unterschied zu seinem Vater nicht mehr mit einem Vertrauensbonus im Volk rechnen. Das einzige, was zählen wird, ist, wie der Thronfolger seine königliche Macht zum Wohl Spaniens einsetzen wird. Ähnlich wie bei der katholischen Kirche. Das einzige was für die Spanier zählt, ist, wie sie sich zum Wohl der Menschen einsetzt. Und was das Wohl der Menschen ist, das lässt man sich von keiner Institution mehr vorschreiben, das definiert jeder für sich selbst.

Ein katholischer König in einem katholischen Spanien? Ja und Nein. Nur wer aus den Veränderungen, den Krisen und Verlusten lernt und Konsequenzen zieht, der wird einen neuen, anderen und vielleicht auch besseren Weg in die Zukunft finden. Das gilt für Könige, und das gilt für die katholische Kirche.