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Überfall auf Mallersdorfer Schwestern in Südafrika

Leider hatten wir, die Mallersdorfer Schwester in Vryheid/Südafrika, am 3. Februar einen bewaffneten Raubüberfall. Die Schwestern haben sich inzwischen etwas vom Schock erholt.

Die Schwestern Dolorosa und Immaculate sind am vorletzten Mittwochnachmittag zur Bank gegangen, aus Sicherheitsgründen durch den Hintereingang, um Geld abzuholen, das sie am Vortag bestellt hatten, denn es war eine größere Summe. Sie fuhren heim in die Garage, die offen war. Ein Auto fuhr heran und im Nu waren zwei Männer auf jeder Seite des Wagens. Sie wollten natürlich die Tasche mit dem Geld. Die Schwestern hatten die Türen verschlossen, schrien um Hilfe und hupten in der Hoffnung, dass jemand zu Hilfe kommt. Dann schlugen die beiden Täter die Fenster links und rechts des Autos ein. Der eine auf der Fahrersitzseite hat Sr. Dolorosa wahrscheinlich auf die Seite geschubst, dass er die Tasche mit dem Geld erreichen konnte. Sie haben den Schwestern nichts angetan und auch nicht geschossen. Die Täter liefen, als sie das Geld hatten, sofort zum Auto und fuhren weg. Sr. Dolorosa war so schnell, ist sofort wieder rückwärts aus der Garage rausgefahren, um die Autonummer zu sehen. Die Täter fuhren links und Dolorosa nach rechts sofort zur Polizei. In Kürze konnte das Auto mit einer ND Nummer in Lakeside gefunden werden, ein zweites Auto war im Spiel und wurde in Bhekuzulu entdeckt. Vom Geld war allerdings keine Spur sichtbar.

Weil Sr. Dolorosa so schnell reagierte, ist sie dann gleich mit der Polizei nach Lakeside gefahren, um das Auto zu identifizieren. Das Schlimme war, unsere 82-jährige Sr. Edith, die Einzige, die um die Wege war, zufällig früher als sonst beim Kaffee trinken war und das Schreien, das Hupen und das Geklirr der gebrochenen Autoscheiben hörte. Sie wusste nicht genau, was passiert war, drückte den Panik-Knopf um unsere Sicherheitsfirma zu alarmieren, die aber nicht gekommen ist.

Auch einige Arbeiter hörten alles, liefen zusammen, wussten aber nicht, was passiert war. Als sie das Garagentor aufsperrten, sahen sie nur das Glas herumliegen, etwas Blut, kein Auto und keine Schwestern. Die logische Folgerung war, die Schwestern wurden entführt. Bis sie dann endlich von der Polizei hörten, dass die Schwestern auf der Polizeistation und sicher sind, dauerte es leider einige Zeit, denn Sr. Dolorosa hatte ihr Handy stumm gestellt und auf die vergeblichen Anrufe nicht geantwortet. So waren alle hier im Schock und großem Kummer. Man stellt sich ja alles Mögliche vor.

Ich war die letzte, die von allem hörte, weil ich Hausaufgabenbetreuung hatte und im letzten Eck der Schule war. Wir sind Gott von Herzen dankbar, dass die Schwestern nicht erschossen wurden. Ja, es ist schlimm, aber trotzdem hoffen wir, dass die Polizei noch etwas Genaueres herausfindet.

Südafrika verzeichnet im Vergleich zu Deutschland hohe Kriminalitätsraten, vor allem in den Großstädten und deren Randgebieten, den Townships. Vryheid in der Battlefields-Region von KwaZulu-Natal ist eigentlich ein gemütliches Landstädtchen. Aber auch hier gibt es Schattenseiten. Der Konvent und die Schule der Nardini-Sisters, wo ich lebe und arbeite, sind mit Alarmanlagen und hohen Zäunen abgesichert. Das Leben in der Stadt geht seinen gewohnten Lauf, allerdings gab es in den letzten Wochen mehrere Überfälle auf Geschäfte. Man muss einfach aufpassen und umsichtig sein. Für mich ist es traurig, dass man niemand mehr trauen kann.

Sechs Monate USA – Ein Traum wird wahr

Inzwischen leben ich schon seit über sechs Monaten in Washington. Ich hab schon so viel erlebt, andere Au Pairs von überall auf der Welt kennengelernt, Freundschaften geknüpft und Freunde heimfahren gesehen. Es ist einfach immer was los hier! Meine beste Freundin, Maria, hat vor zwei Wochen frühzeitig ihren Dienst abgebrochen und ist nach Hause nach Dänemark geflogen. Meine zwei anderen Freunde sind gerade in ihrem Reisemonat (am Ende des Au-Pair-Jahres hat man einen Monat lang die Möglichkeit, in den USA zu bleiben und zu reisen). Zur Zeit haben wir in meiner Nachbarschaft vier südafrikanische Au Pairs, eine aus Dänemark und (mit mir) zwei Deutsche.

Am 26. November haben wir Thanksgiving gefeiert. Zum ersten Mal habe ich diesen speziellen amerikanischen Feiertag miterlebt. Meine Gastfamilie ist für Thanksgiving nach New Jersey gefahren (die Familie meines Gastvaters lebt dort). Die Kinder hatten von Mittwoch bis Sonntag keine Schule, deswegen sind wir am Dienstagabend losgefahren. Wir haben im Haus der Großeltern übernachtet und ein paar schöne Tage zusammen gehabt. Wir sind eislaufen gegangen, ins Kino und haben uns mit der Familie getroffen. Am Donnerstag war es dann so weit und wir sind nach Manhattan, New York, gefahren, um in einem Apartmentkomplex zusammen Dinner zu haben. Der Bruder meines Gastvaters wohnt in diesem Gebäude und wir hatten einen großen Saal zur Verfügung. Es waren so viele Menschen da! Sogar meine Gastmutter hat nicht jeden gekannt, wir waren über 70 Leute, alle irgendwie miteinander verwandt. Und jeder hat etwas mitgebracht zum Essen. Wir hatten so viel Truthahn, Süßkartoffelbrei (der war das Beste!), andere Beilagen und ganz viel Essen, dass ich nicht kannte. Ich habe von allem ein bisschen probiert und ich muss sagen, dass Truthahn mit Cranberry-Sauce gar nicht so schlecht schmeckt wie ich gedacht habe! Und dann noch der Nachtisch: Nusskuchen, Apfelkuchen, Plätzchen, ein anderer Nusskuchen, Schlagsahne und vieles mehr! Allein bei dieser Mahlzeit habe ich locker zwei Kilo zugenommen! Es war so gutes Essen!

An dem Abend ist meine Gastfamilie weiter nach Connecticut gefahren, um den Rest der Woche mit der Familie meiner Gastmutter zu verbringen. Ich habe mir einen Sitzplatz im Bus gebucht und bin nach Hause gefahren. Ich wollte ja unbedingt den Black Friday miterleben! (Black Friday ist der Tag, an dem alle Geschäfte ganz viele Angebote und Rabatte machen). Lisa und Maria haben mich vom Bus abgeholt (es war so 11 Uhr abends) und dann sind wir direkt in ein Einkaufszentrum gefahren, um mit den Ersten um Mitternacht einkaufen zu gehen. Um Mitternacht war die Mall noch relativ leer und je später es wurde desto mehr Leute kamen. Und es war echt stark reduziert! Ich habe mir viele Klamotten gekauft!

Um ca. 3 Uhr morgens hatten wir dann fertig geshoppt und dann waren wir hungrig. Also sind in einem amerikanischen Diner, um zu frühstücken. Pancakes mit Eiern und Würstchen oder Bacon! Es war echt lecker und obwohl wir alle ganz viel an Thanksgiving gegessen haben, hat uns die Einkaufstour noch einmal hungrig gemacht. Hundemüde sind wir dann um 5 Uhr morgens daheim angekommen und ins Bett gefallen…


Es war sehr spannend, Weihnachten hier zu verbringen. Meine deutsche Freundin Lea und ich sind an Heiligabend in eine katholische Kirche gegangen. Es war sehr interessant, eine Messe auf Englisch mitzuerleben. Der Ablauf war im Großen und Ganzen der gleiche wie in deutschen Kirchen, auch wenn Lea und ich bei einigen Gebeten und Predigten nicht alles verstanden haben. Das Vater Unser konnten wir auch nicht mitbeten und selbst den Friedensgruß kannten wir nicht auf Englisch. Es war jedoch eine echt spannende Erfahrung!

Aber wie feiert man denn den ersten Weihnachtstag in einem jüdischen Haushalt? Eigentlich gar nicht. Meine Gastfamilie ist Ende Dezember in den Urlaub gefahren, sodass ich das Haus zur Verfügung hatte. Ich habe alle meine Au Pair Freunde eingeladen und wir haben zusammen ein (kosheres) Weihnachtsessen gekocht, wir hatten Hähnchen, allerlei Beilagen und Gemüse. Und ganz viel Nachtisch! Wir hatten viel Spaß alles zusammen zuzubereiten, gemeinsam zu essen und zu Wichteln.

Weihnachten im Allgemeinen wird in den USA anders verbracht als in Deutschland. Die Geschäfte und Straßen sind weihnachtlich geschmückt mit Schneeflocken und roten Schleifen, jedoch hab ich mir das viel extremer vorgestellt, so wie man das in den meisten Filmen sieht. Auch hat es mich sehr gewundert, dass Supermärkte an Heiligabend und am ersten Weihnachtstag offen waren (von 8 Uhr bis 17 Uhr). In Deutschland ist das ja unvorstellbar. Und ich muss sagen, dass auch relativ viele Menschen an Weihnachten einkaufen waren, u.a. auch meine Freundin, die zwei Stunden vor unserem Dinner erst das Hähnchen eingekauft hat! Den zweiten Weihnachtsfeiertag feiert man hier eigentlich gar nicht.

Das neue Jahr 2016! Neujahr hab ich mit meiner dänischen Freundin Maria und meinen beiden südafrikanischen Freunden Lisa und Amanda verbracht. Wir sind nach Downtown (ins Stadtzentrum zu all den Touristenattraktionen) gefahren und haben dort zusammen angestoßen. In einer Stadt wie Washington DC zu leben und hier Neujahr zu verbringen ist echt cool!

Was mir dagegen wirklich gefehlt hat, war die Sternsingeraktion. Ich bin seit Jahren als Betreuer mitgelaufen und hier hat man diese Tradition nicht. Selbst den Feiertag Heilige Drei Könige gibt es hier nicht. Zum Glück hat mich Irene Keil auf dem Laufenden gehalten, was Erfolg und Wettersituation dieses Jahr in meiner Heimat angeht.

Meine Gastkinder sind am 4. Januar wieder in die Schule gegangen, meine Gasteltern sind wieder zur Arbeit und die Feiertagsstimmung war vergessen. Der Alltag ist hier wieder eingekehrt!

Der Weltklimavertrag und seine Konsequenzen

Die 21. UN-Klimakonferenz ist zu Ende gegangen und erstmalig beschlossen 196 Staaten dieser Erde, Mechanismen für eine globale Energiewende einzuführen. Auf der Basis dieses ersten verbindlichen Weltklimaabkommens soll die globale Erwärmung auf weit unter 2 Grad gegenüber vorindustriellen Werten begrenzt werden.

Die Kommentare in den Medien sprechen von einem Meilenstein, von dem „Wunder von Paris“, einem historischen Durchbruch, einer „Botschaft des Lebens“ oder einem Wendepunkt für die Welt. Auch die katholische Kirche und vor allem Papst Franziskus haben an diesem Erfolg einen gehörigen Anteil. Immer wieder wurde vom Papst, verschiedenen Bischöfen, kirchlichen Hilfswerken und Verbänden auf die Notwendigkeit eines bindenden globalen Klimaabkommens hingewiesen.

Abschluss der Klimakonferenz in Paris. Foto: COP21
Zufriedene Gesichte beim Abschluss der Klimakonferenz in Paris. Foto: COP21

Es wird sich zeigen wie sich die beschlossenen Punkte tatsächlich umsetzen lassen bzw. sie sich tatsächlich auf unser Weltklima auswirken.

  1. „Deutlich unter“ zwei Grad Celsius
    In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts soll die Welt ihre Treibhausgas-Emissionen auf Null senken. Zielmarke ist eine Erderwärmung „deutlich unter“ zwei Grad Celsius, mit dem Endziel, noch 1,5 Grad zu erreichen.
  2. Alle fünf Jahre ein neuer Plan
    Die Staaten sollen alle fünf Jahre Pläne vorlegen, wie sie das Ziel erreichen wollen. Alle Industrieländer und nach Möglichkeit auch die Schwellenländer sollen sich feste Ziele für die Minderung ihrer Emissionen setzen.
  3. Was passiert bis zum Jahr 2020?
    Im Jahr 2018 soll erstmalig überprüft werden, ob die Staaten das Fernziel erreichen können.
  4. Wer muss zahlen?
    Die reichen Staaten sollen Finanzen bereitstellen, um den Armen im Kampf gegen die Erderwärmung zu helfen.
  5. Anerkennung von Klimaschäden
    Entwicklungsländer hatten für eine Art Haftung plädiert, für Schäden, die jetzt bereits auftreten. Sie konnten sich damit nicht durchsetzen. Stattdessen werden die Schäden nun lediglich anerkannt.

Mit den Emissionsminderungen, die von 185 Staaten zu Beginn der Pariser Klimakonferenz eingereicht wurden, würde die globale Erwärmung, so wissenschaftliche Berechnungen, um rund 2,7°Grad steigen. Deshalb sind eine Kontrolle der nationalen Klimaziele und deren Fortschreibung unumgänglich.

Ein weiteres wichtiges Signal betrifft die Entwicklungsländer, diese sollen in ihrem Bemühen um Klimaschutz, Anpassung und bei der Bewältigung der Klimaschäden verpflichtend von Industrieländern unterstützt werden. Weniger schön dabei: Die Höhe der Zusagen ist bei weitem nicht ausreichend, um diese Aufgabe zu bewältigen. Die Anpassung an den Klimawandel nimmt langfristig alle Staaten, inbesondere die Industriestaaten, in die Verantwortung, die Betroffenen nicht mit ihren Problemen alleine zu lassen. Die Verbindlichkeit der Zusagen für das Finanzpaket wurde im letzten Moment noch abgeschwächt, aber dennoch zeigt sich eine Grundlage für die Unterstützung von Anpassung und Klimaschutz in Entwicklungsländern.

Logo der COP21 in Paris
Die Ergebnisse der COP21 sind ein zartes Pflänzchen (im Bild das Logo der Konferenz): Foto: COP21

Für mich ein großes Manko ist die Tatsache, dass die Treibhausgas-Emissionen des internationalen Flug- und Schiffsverkehrs noch immer nicht berücksichtigt werden. Obwohl nachgewiesenermaßen rund 5% der gesamten globalen Emissionen – das entspricht der Gesamt-Emission des Subkontinentes Indien – durch diesen Bereich erzeugt werden.

Aber im Prinzip ist es wie mit allen Dingen: Auch der Klimaschutz fängt unten, bei jedem Einzelnen von uns an, so wie es auch Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato Si“ von uns verlangt. Nur wenn auch wir unseren Lebensstil ändern, den Verbrauch von Erdöl und Gas massiv einschränken und energieeffizient leben, wird dieser Planet mit seiner ganzen Schönheit der Schöpfung erhalten bleiben.

Deshalb möchte ich mit einen bekannten Spruch enden: „Wo viele kleine Leute viele kleine Schritte tun, da können sie die Welt verändern.“

Weitere Informationen zum Thema:

Kloster Tabgha: „Die Brandstifter haben unbewusst zwei Feuer gelegt“

Einige Tage nach dem Brandanschlag vom 17. auf 18. Juni 2015 auf das Benediktinerkloster Tabgha möchte ich kurz aus meiner ganz persönlichen Sicht vor Ort darüber berichten. An Informationen und Bildern mangelt es sicher nicht in unserer modernen Medienwelt.

Die erste Erfahrung: Nach einem fröhlichen Tag, an dem man lachend auseinander geht, findet man sich mitten in der Nacht vor einem gewaltigen Feuer, das unausweichlich niederbrennt, was alle lieben. So schnell kann alles anders sein und man lebt in einer anderen Wirklichkeit.

Pater Zacharias stand am längsten auf dem Dach und versuchte das Feuer aufzuhalten, damit es nicht auf die Kirche übergreift, was glücklicherweise auch nicht passiert ist. Die Schäden sind groß, allerdings sind Kirche, Oratorium und alle Speise- und Privaträume erhalten geblieben. Das Leben kann also eingeschränkt weitergehen. Menschliches Leben blieb unversehrt, bis auf die Rauchvergiftung, d.h. Sophie hatte etwas zu viel und Pater Zacharias deutlich zu viel Kohlenmonoxid abbekommen, so dass er bis Freitag in Safed im Krankenhaus blieb. Dort war ich die meiste Zeit bei ihm, weil er nur eingeschränkt englisch spricht. Mit Sicht auf den See von der schönen Stadt Safed aus beteten wir die Vesper zusammen.

Die zweite Erfahrung schließt sich an eine Bemerkung von jemand an, der meinte, nach diesem Feuer mag er den Gedanken nicht mehr, dass Gott wie verzehrendes Feuer sei. Nun sind Tausende und Abertausende von Menschen herbeigeströmt, um ihre Anteilnahme auszudrücken, sich für die Brandstifter zu entschuldigen, Hilfe anzubieten, zu beten, singen und in großer Gemeinschaft miteinander ihren Glauben zu teilen, der sich hier innerhalb der christlichen Welt in viele Lager aufspaltet. Es kamen auch Juden und Muslime in großer Zahl, vom Handwerker, der mit Blumen, Freunden und Werkzeug kam, Familien, die dem Abt ein Rosensträußchen überreichten, einem alten Mann, der einen Olivenbaum brachte mit einem Zettel, er möge 100 Jahre in Frieden bei uns wachsen, bis zu religiösen und politischen Führern aller Couleur … So glaube ich persönlich, die Brandstifter haben unbewusst zwei Feuer gelegt: Eins, das zerstört, und ein größeres, das verbindet und Liebe und Gemeinschaft stiftet, wie es zuvor nicht denkbar war.

Man fühlte sich fast erdrückt von so viel Anteilnahme. Die Christen im Land wurden auf außerordentliche Weise gestärkt. Allein am Sonntagnachmittag wurden 21 Busse erwartet und die Straße war bis zum Berg rauf eine einzige Autoschlange. Es trafen sich melkitische, orthodoxe und aramäisch sprechende Christen, die eine Demonstration für ihre Anliegen anschlossen. Das Treffen war laut und fröhlich und irgendwie hatte es in unseren Ohren Festivalcharakter. Unsere Aufgabe, die Grenzen hin zu privatem Grund zu schützen, war nicht einfach. Nicht alle Menschen fügen sich gern Anordnungen, und das arabische Temperament ist deutlich anders als unseres. Zu sehen, wie in dieser Hitze auf ausgedörrtes Gras Zigarettenkippen geworfen wurden, hat mir echt Nerven geraubt. In einem Tiefpunkt, als ich nicht mal mehr lächeln wollte, war da plötzlich ein nettes junges Paar, und es entstand ein Gespräch wie eine aufgehende Blume, geprägt von aufrichtigem gegenseitigen Interesse und lernendem Zuhören über Religion, Kultur bis hin zum Sinn des Lebens. Beide arbeiten für die UNO, kamen nur zufällig hier vorbei. Auch Suhad, unsere Köchin, die wie alle arabischen Mitarbeiter schwer mitgenommen war von der Art, wie man sich im Land Christen gegenüber verhält, war mit Familie bei diesem Treffen und glücklich über das stärkende Miteinander von Christen in dieser Region.

Die dritte Erfahrung ist, dass in der ganzen Zeit nie auch nur eine Spur von Hass, Wut oder Rache zu spüren war. Es ist eine durch und durch friedliche Stimmung. Wir kennen die Motive der Täter nicht tiefergehend. Abt Gregory hat deutlich aktive Aufklärung eingefordert, betonte aber, wie wichtig es gerade in dieser Region ist, Frieden zu leben, der von Liebe und Vergebungsbereitschaft lebt – im Kleinen und im Großen. Sogar ein Brandanschlag könne Teil einer Erziehung zum Frieden sein. Eine gute Erfahrung auch für die jungen Volontäre, die allmählich in ihre Heimat aufbrechen und sich vorbildlich ins Leben hier eingebracht haben.

Ich persönlich bin froh, dass hier im Kloster alle an Leib und Seele unversehrt geblieben sind. Der materielle Schaden kann behoben werden und ist hoffentlich versichert, da tut man sich mit der Vergebung natürlich leichter, als wenn Menschen schwer leiden müssen. Für die Täter und uns alle wünsche ich mir, dass wir Menschen nicht so verbohrt und engstirnig unsere Grenzen verteidigen, sondern der Liebe und Weisheit Gottes in den Herzen mehr Raum geben, um aufeinander zu hören und voneinander zu lernen.

In diesem Sinne ein herzliches Shalom aus Israel!

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Diplom in der Kinderkrippe und ab in den Süden

Da ich seit Weihnachten viel unterwegs bin, hab ich auch mehrere Chilenen kennengelernt und so ist bis jetzt kein Wochenende vergangen, an dem ich nicht bei einem „asado“ (Grillfest) war. Das war immer sehr schön. Die Chilenen grillen sehr oft und es schmeckt auch immer wieder sehr lecker.

Außerdem bin ich mit ein paar Freiwilligen an einem Sonntag ans Meer gefahren. Das war zwar alles etwas chaotisch, aber es hat richtig gut getan, mal wieder aus der dreckigen Luft Santiagos rauszukommen und die Meeresluft zu genießen.

Auf der Arbeit sind es die letzten Wochen mit meinen jetzigen Kindern und Tías (Erzieherinnen). Darüber bin ich schon sehr traurig, da ich sowohl meine Kinder, als auch meine Tías sehr in mein Herz geschlossen habe. Aber im März, wenn hier das neue Schuljahr beginnt, bekomme ich wieder neue Kinder und ein neues Team, das wird bestimmt auch schön.

Um die Kinder aus der Sala Cuna (Kinderkrippe) zu verabschieden (mit zwei Jahren gehen sie in den Kindergarten) wird hier auch eine sogenannte „Graduación“ gefeiert. Unsere Graduación war am 15. Januar und es war ein richtig schöner Tag. Die Tías haben sich wirklich viel Mühe gegeben, alles vorzubereiten. In Chile ist es normal, dass man den Abschied aus der Sala Cuna so groß feiert. Die Tías haben sich alle sehr herausgeputzt und jedes Kind kam mit seiner Familie. Bei einer offiziellen Zeremonie bekam jedes Kind ein Diplom von uns Tías überreicht. Danach gab es noch für alle Torte und Eis.

Einerseits freue ich mich jetzt schon riesig auf den Urlaub – ich werde mit einer anderen Freiwilligen in den Süden Chiles fahren –, andererseits bin ich schon etwas traurig, über den Abschied von meinen Kindern.

Am 19. Januar hatte ich Geburtstag! Und das war ein richtig schöner Tag! Auf der Arbeit wurde fleißig für mich gesungen. Abends kamen ein paar andere Freiwillige und chilenische Freunde und wir haben zusammen gegrillt. Das war wirklich schön, da ich mir schon immer mal gewünscht habe, meinen Geburtstag im Sommer feiern zu können J

Rückblick: Weihnachten und Silvester

Sommerliche Temperaturen hatten wir auch zur Jahreswende. Weihnachten bei 35°C, in T-Shirt und kurzer Hose, ist wirklich etwas anderes, aber wir haben das Beste draus gemacht. So haben wir (ein Teil meiner WG und die Eltern von einer meiner WG-Mitbewohnerinnen) am 24. Dezember nachmittags gegrillt. Abends sind wir alle zusammen in die Christmette von Schwester Karoline Mayer gegangen. Wir Freiwilligen durften auch ein paar deutsche Weihnachtslieder singen. Danach war ich bei einer chilenischen Familie zum Weihnachtsessen eingeladen. Das war richtig schön für mich, weil ich mich so herzlich aufgenommen gefühlt habe und auch einmal ein richtiges chilenisches Weihnachtsfest erleben konnte. Hier kommt nicht das Christkind oder der Weihnachtsmann, sondern der „viejito pascuero“, das ist so was Ähnliches wie der Weihnachtsmann. Außerdem ist die Bescherung erst um 24 Uhr. Ein bisschen weihnachtlich hat es sich dann schon angefühlt, weil alles schön geschmückt war. Neben einem Weihnachtsbaum und Plätzchen gab es viele typische chilenische Weihnachtsgerichte.

Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir Weihnachten in der WG gefeiert. Natürlich haben wir auch sehr lecker gekocht. Es gab selbstgemachte Kartoffelknödel mit Blaukraut und Pute. Auch die Bescherung durfte nicht fehlen. Einen zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es hier nicht, somit habe ich da schon wieder gearbeitet.

An Silvester waren einige Freiwillige abends zum Essen bei uns und danach sind wir alle zusammen ins Zentrum von Santiago gegangen, um dort die „fuegos artificiales“ (Feuerwerke) zu sehen. Es war richtig gute Stimmung und um 24 Uhr haben die Leute richtig gefeiert und man wurde mit Sekt, Konfetti und allem Möglichen übergossen. Jedoch ist es in Chile verboten, selbst Böller abzuschießen. An Neujahr hatte ich dann wieder frei und habe den Tag Ruhe mal genossen.