Kategorie-Archiv: Aktion

Im Blick: Thérèse Mema, Shalom-Preisträgerin 2015

Unser Blick richtet sich auf die diesjährigen Shalom-Preisträgerin Thérèse Mema. Mit ihr auf ihr Land Kongo, auf Brennpunkte in ihrer Heimat. Wir sehen sie in ihren „brennenden Anliegen“, was ihr auf dem Herzen liegt, ihr auf der Seele lastet, ihr „unter den Nägeln brennt“. Wir sehen sie, die junge Sozialpädagogin, in ihrem Engagement für Menschen, die Opfer anderer Menschen werden, verwundet am Leib, verletzt in der Seele, vergewaltigt in ihrer Würde als Frauen, wehrlose Opfer von brutaler Gewalt: Sklaven 2015, Kinder-Soldaten, Frauen, Männer. Traumatisiert.

Thérèse eröffnet Trauma-Zentren: Räume, in denen Traumata heilen können, zerstörte Träume begraben werden, Räume für neue Träume, zaghafte Pflanzen von Erfahrungen: Leben ist mehr als Leiden, Zukunft anders als Vergangenheit, Lichtblicke jenseits von Schattenseiten.

Die Shalom-Aktion lenkt unsere Blicke auf Menschen, mit denen Thérèse Mema Wege geht – von Altem zu Neuem, von Traumata zu Träumen, klein wie Samenkörner, in denen Gottes Traum von uns Menschen leben will. Gott will nicht, dass Menschen Opfer von Menschen werden. Gott hat uns nicht als Täter geschaffen, die andere unterdrücken, beherrschen, versklaven, ausbeuten, Hoffnungen ersticken, Räume einengen, Träume zerstören.

Gott will in seinem Sohn seine Schöpfung erneuern. Paulus: „Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine Neuschöpfung: das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“ (2 Kor 5,17)

Thérèse Mema begleitet Menschen vom Altem zum Neuen, von Leben in Gewalt zu gewaltfreiem Leben, von Verwundungen zu Wunden, die ausheilen, vom Trauma zum Traum. Trauma-Zentren sind Orte, an denen Altes vergehen, Neues entstehen kann. „Orte zum Zuhören“. Herz-Orte.

Thérèse Mema, ihr Mann (links), Pater Haas und das Kreuz aus aus Kugeln von Kinder-Soldaten. pde-Foto: Geraldo Hofmann
Thérèse Mema, ihr Mann (links), Pater Haas und das Kreuz aus aus Kugeln von Kinder-Soldaten. pde-Foto: Geraldo Hofmann

In Thérèse erleben wir „jemand in Christus“. In Ihm steht sie an der Seite von Menschen, mit Ihm geht sie Wege zur Heilung. Mit dem „Heiland“ eröffnet sie heilsames Neuland. Er, der in Therese an der Seite von Menschen steht, steht heute vor uns in einem Kreuz aus Angola. Ein Kreuz aus Kugeln von Kinder-Soldaten. Erinnerung an Kindheit in Gewalt, an Kinder im Krieg. Kugeln, die töten, werden zum Kreuz, zum Zeichen für Leben. Im Gekreuzigten schreit Gott in die Welt: Nicht den Tod will ich, sondern das Leben. Nicht Gewalt, sondern gewaltfreien Umgang miteinander. Nicht Ausbeutung der Schöpfung, sondern schöpferische Entfaltung. Nicht Schuften zum Hungerlohn unter der Erde, sondern gerechten Lohn für Arbeit auf dieser Erde. Nicht Leben im Schatten, sondern Leben im Licht.

Dieses Kreuz hat Papst Benedikt gesegnet und als Zeichen für Frieden gesendet. Von Rom nach Aachen, von Eichstätt in den Kongo ist dieses Kreuz unterwegs. Über missio zur Shalom-Aktion, von der Shalom-Preisträgerin in ihre Heimat. Das Kreuz-Zeichen: ein Zeichen für Wege von altem zu neuem Leben. Ein Zeichen für die Botschaft: Wer in Christus ist, ist eine Neuschöpfung. Wer im Heiland verwurzelt ist, ist gerufen und gesandt, dazu beizutragen, dass neue Schöpfung entsteht.

(Gedanken aus der Predigt zum Shalom-Gottesdienst im Salesianum Rosenthal am Sonntag, 21. Juni 2015, in Anwesenheit von Thérèse Mema)

Thérèse Mema, links neben ihr missio Aachen-Präsident Dr. Klaus Krämer, rechts neben ihr OB Andreas Steppberger, ganz rechts Prof. Dr. Markus Eham, daneben Bischofsvikar Georg Härteis. Foto: Lukas Hanreich/AK Shalom
Thérèse Mema, links neben ihr missio Aachen-Präsident Dr. Klaus Krämer, rechts neben ihr OB Andreas Steppberger, ganz rechts Prof. Dr. Markus Eham, daneben Bischofsvikar Georg Härteis. Foto: Lukas Hanreich/AK Shalom

 

Anmerkung der Redaktion
Der Shalom-Preis, einer der renommiertesten Menschenrechtspreise in Deutschland, wurde am Samstag, 20. Juni, in Eichstätt an Thérèse Mema verliehen. Das Preisgeld kommt ausschließlich aus Spenden und fließt zu 100 Prozent in ein Projekt, das die Preisträger selbst vorschlagen. In den vergangenen Jahren kamen regelmäßig jeweils mehr als 20 000 Euro zusammen. Wer für die Aktion 2015 spenden möchte, kann das bis September tun. Die Bankverbindung lautet: Katholische Hochschulgemeinde, Konto 1 09 62 03 20 bei der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, BLZ 721 608 18, IBAN: DE34721608180109620320, Stichwort „ShalomAktion 2015“.

Kongo, Krieg und unsere Handys

Der Shalompreis 2015 vom Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt geht an ein Projekt im Kongo. Thérèse Mema, Sozialarbeiterin und Trauma-Therapeutin, kümmert sich um Opfer sexualisierter Gewalt. Die diesjährige Shalom-Aktion hat am Sonntag, 19. April, mit einem Gottesdienst im Salesianum-Rosental begonnen. Die Preisverleihung ist am 20. Juni im Spiegelsaal der Residenz Eichstätt.

„Eure Handys haben etwas mit unserem Krieg zu tun“: Das sagt Thérèse Mema, die sich um vergewaltigte, traumatisierte Frauen kümmert. Sie kommt aus dem Land, das von den Vereinten Nationen als das gefährlichste Land für Frauen bezeichnet wird – aus dem Kongo. Vergewaltigung wird dort als „Waffe“ im Krieg eingesetzt, Rebellengruppen vertreiben die Zivilbevölkerung brutal.

In der Grenzregion des Ost-Kongo kämpfen verschiedene ethnische Gruppen ebenso wie das kongolesische Militär und paramilitärische Verbände der Nachbarländer, zum Beispiel Kämpfer aus Ruanda, die nach dem Völkermord 1994 dorthin flohen.

Aber welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Grausamkeit im Ost-Kongo und unseren Handys, Smartphones, Tablets und anderen elektronischen Geräten? Zur Halbleiterherstellung wird das seltene Erz Coltan benötigt. Im Ost-Kongo gibt es reiche Vorkommen an Wolfram, Gold, Diamanten – und Coltan.

Die Paramilitärs und Rebellen kontrollieren den Großteil der ungefähr 900 Minen, mehr und mehr wurden von ausländischen Firmen übernommen. Die Menschen aus den Dörfern werden gezwungen, die Erze mit Schaufeln, manchmal mit den bloßen Händen aus dem Boden zu holen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Roherze finanzieren die Paramilitärs Waffenkäufe. Über verschiedene Zwischenhändler landen die Erze in Mombasa/Kenia und werden zur Verarbeitung nach Asien transportiert. Der Profit der Händler am Ende der Kette ist groß.

Das Leid der vergewaltigten Frauen, manchmal auch Kinder, ist unsagbar. Die Sozialarbeiterin und Trauma-Therapeutin Thérèse Mema fährt in die Dörfer, in die Minen, und hört von unfassbaren Grausamkeiten, Verstümmelungen, die den versklavten Männern und Frauen angetan wurden und werden. Wer zu fliehen versucht oder sich verweigert, wird ermordet. Keine offizielle Stelle wie etwa Polizei, Regierung oder Soldaten, versuchen, das Schicksal der verschleppten Menschen aufzuklären. Manchmal retten vereinzelt Angehörige der Armee einige Verschleppte.

Thérèse Mema hat zusammen mit der Katholischen Organisation Justice et Paix in 18 Dörfern südlich von Bukavu Traumazentren errichtet. Sie hat sie Centre d’Ecoute – Orte des Zuhörens – genannt. Mit großem Einfühlungsvermögen und Zuneigung hört sie den gequälten Überlebenden zu. Die 31-jährige Sozialarbeiterin begleitet die Frauen ins Krankenhaus und leistet psychologische Hilfe. Therese Mema schulte Sozialarbeiter vor Ort, damit die in den Dörfern erklären, warum es gut ist, über die grausamen Erfahrungen zu reden. Justice et Paix wird vom katholischen Hilfswerk missio finanziell unterstützt. Damit die Traumazentren weiter bestehen können, ist jede Spende wichtig.

„Nein zu Blut-Telefonen“ ist eine Aktion im Kongo, die von missio auch in Deutschland publik gemacht wird und Thérèse Mema ein großes Anliegen ist. Illegal gefördertes Erz soll nicht verwendet werden. Ein Artikel in der Frauenzeitschrift Brigitte mit einer Reportage über den Zusammenhang zwischen „ihrer Hölle und unseren Handys“ wie es in der Überschrift hieß, rüttelte viele Menschen auf.

Mehr zum Thema: AK-Shalom

Leben mit Behinderung in Palästina

Das Friedenslicht, das jedes Jahr in der Geburtsgrotte in Bethlehem entzündet und von Pfadfindern nach Deutschland gebracht wird, leuchtet in diesen Tagen in vielen Pfarreien und Einrichtungen in unserem Bistum. Eine Besonderheit in diesem Jahr ist, dass die Pfadfinder ein Lichtzeichen der Hoffnung zurück nach Palästina senden. Sie unterstützen die Behinderteneinrichtung Lifegate in Beit Jala nahe Bethlehem, indem sie Olivenholzschnitzereien, Gotteslobhüllen und Olivenöl aus den Werkstätten dieser Institution verkaufen und Spenden sammeln.

Leben mit Behinderung in Palästina heißt in vielen Fällen versteckt werden, weil die Familie Angst hat, dass die ganze Familie von der Gesellschaft verstoßen wird. Das habe ich bei einem längeren Aufenthalt direkt vor Ort erfahren. Oftmals bleibt behinderten Kindern auch Bildung, Ausbildung und eine normale Entwicklung vorenthalten – aus Unwissenheit und Scham der Eltern. Die medizinische Versorgung ist mangelhaft. Menschen mit Behinderungen werden mit ihren Leiden und Problemen oft nicht ernst genommen. Hinzu kommt, dass viele Familien nicht über die Mittel verfügen, teure Diagnostik und Behandlungen finanzieren zu können bzw. für viele Krankheitsbilder in Palästina weder eine Diagnostik, geschweige denn eine adäquate Behandlung verfügbar ist.

In dieser großen Not nimmt die Rehabilitationseinrichtung „Lifegate“ eine herausragende Stellung ein. Sie ist einzig in ihrer Art in Palästina und in Beit Jala beheimatet. Beit Jala ist eine Kleinstadt im Westjordanland, etwa fünf Kilometer von Jerusalem und mit Bethlehem inzwischen zusammengewachsen. Ziel der Arbeit ist es, die Situation betroffener Menschen zu verändern. Lifegate führt behinderte Menschen in die Selbstständigkeit, integriert sie in die Gesellschaft und in das Berufsleben, hilft ihnen, somit für sich selber zu sorgen.

Im Jahr 1989 begann der deutsche Erzieher und CVJM-Sekretär Burghard Schunkert aus Gießen in Beit Jala damit, jungen behinderten Männern eine Ausbildung anzubieten – kurze Zeit später kamen behinderte Frauen dazu. Inzwischen bietet die Berufsausbildungswerkstatt 14 Lernberufe und für schwer behinderte Menschen einen beschützenden Arbeitsplatz an.

Lifegate ist die einzige Einrichtung im Westjordanland, die eine fundierte Frühförderarbeit und einen Förderkindergarten anbietet. Dazu kommt eine Therapieabteilung mit einem Ausbildungs- und Fortbildungsprogramm für die Mütter der Kinder. Die Lifegate-Therapeuten und -Techniker bieten mit der Fachwerkstatt eine Rollstuhl- und Hilfsmittelversorgung an. Regelmäßige Hilfsmittelsprechstunden werden bei Lifegate für andere Organisationen der Behindertenhilfe durchgeführt. Vor zwei Jahren hat Lifegate eine Förderschule eingerichtet. Gleich zu Beginn gab es so viele Anmeldungen, dass mit drei Klassen begonnen werden musste. Im letzten Jahr gab es sogar fünf 1. Klassen.

Die Arbeit finanziert sich aus Spenden und dem Verkauf der Geschenkgegenstände, die von den behinderten Menschen hergestellt. Die Handwerksarbeiten können über die Caritas-Werkstätten in Tauberbischofsheim und bei der laufenden Friedenslichtaktion im Bistum Eichstätt erworben werden. Mit dem Verkauf werden Menschen mit Behinderungen mit Arbeit versorgt. Zudem stellen Eltern von behinderten Kindern und die Bauern der Umgebung ihr Olivenöl zum Verkauf zur Verfügung. Über 150 Volontäre aus Deutschland unterstützten bisher die Arbeit von Lifegate und gründeten in Würzburg den Förderverein Lifegate-Tor zum Leben.

Bei den vielen Besuchen im vergangenen Jahr hat mich die Arbeit von Burghard Schunkert und seinem Team aus etwa 40 Mitarbeitern sehr fasziniert und überzeugt – als wirkliche Friedensarbeit und „Völkerverständigung“. Es hat mich tief beeindruckt, dass der palästinensische, muslimische Vater erkennt, dass die „eigenen Leute“ sein Kind niemals so gut behandelt hätten, wie es die Israelis tun, und dafür deren Sprache lernt. Und wie es den israelischen Arzt fasziniert, wie sich dieser Vater für seine behinderte Tochter einsetzt und dafür Arabisch büffelt. Auch hat es mich tief beeindruckt, wie muslimische und christliche Eltern miteinander umgehen: Sie tauschen Erfahrungen und bei Bedarf Hilfsmittel aus, besuchen sich gegenseitig zu den Festen und lernen miteinander Hebräisch.

Der Umgang der Mitarbeiter hat mir ebenso imponiert. Er ist von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Es ist jeder wichtig und wertvoll. Eine große Stärke von Lifegate ist der Umgang mit den Spendengeldern. Diese fliesen zu einem sehr hohen Prozentsatz in die Arbeit von Lifegate. Die Verwaltung besteht aus zwei Sekretärinnen (eine in Beit Jala und die andere hier in der Geschäftsstelle) sowie einer 400-Euro-Kraft zum Verkauf der Waren in Deutschland.

Natürlich gefällt mir auch, dass man die Arbeiten aus den Werkstätten hier Deutschland bestellen kann. Mein Mann und ich haben viele „Mitbringsel“ geordert und damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Kein Problem mit einem zu schweren Koffer, keine Probleme am Zoll und so ganz nebenbei haben wir auch noch ein gutes Werk getan – und schön, oftmals sehr individuell, sind die Geschenkartikel zudem auch noch.

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Jugend in Brasilien – ein Blick hinter die WM-Fassade

Seit mehreren Jahren unterstützt die Mitarbeiterschaft der Caritas-Zentrale Eichstätt und der ihr angeschlossenen Beratungsstellen im Bistum ein Hilfsprogramm zugunsten von Straßenkindern und anderen benachteiligten jungen Menschen in Recife/Brasilien. Vor zwei Jahren starteten Jugendliche innerhalb dieses vom Hilfswerk Caritas international geförderten Programms ein besonders anschauliches Projekt: Sie wurden zu Fotoreportern ausgebildet, erforschten mit der Kamera ihre Umgebung und dokumentierten, welche Missstände sie berühren: zum Beispiel Müllhalden und Umweltverschmutzung in ihren Vierteln, Wohnungslosigkeit, Armut und Drogenproblematik. Die Fotografie diente so dazu, die Wahrnehmung der Kinder und Jugendlichen für ihre Lebensbedingungen zu verändern und dadurch für soziale Themen in ihrer Gesellschaft sowie auch im Ausland zu sensibilisieren.

Aus dieser Arbeit entstand eine Wanderausstellung, die bereits in verschiedenen Städten in Deutschland zu sehen war – in den vergangenen Wochen bei uns im Diözesanjugendhaus Schloss Pfünz. Anlass, sie hierher zu holen war zum einen die Projektpartnerschaft der Eichstätter Caritas mit der Caritas in Brasilien. Zum anderen diente die Ausstellung als eine Initiative unseres Caritasverbandes innerhalb der bundesweiten Caritas-Jahreskampagne unter dem Motto „Weit weg ist näher, als du denkst“.

Das Projekt wurde im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien durchgeführt. Die Macher wollten damit die Vor- und Nachfreude (vor allem aus deutscher Sicht) über dieses Großereignis sicherlich nicht vermiesen. Doch die Ausstellung zeigt, wie sich jenseits der „WM-Fassade Brasilien“ junge benachteiligte Menschen in schwierigen Lebenslagen – unter anderem aus „Favelas“ (Armenvierteln) – kritisch mit ihrer eigenen schwierigen Lebenswelt auseinandersetzen. Brasilien wird als Land der Gegensätze dargestellt: Dass es inzwischen zu einer Wirtschaftsmacht aufgestiegen ist, wurde zum Beispiel mit fotografierten Hochhäusern deutlich gemacht. Im Vordergrund standen aber Bilder über soziale Problematiken: von der Familie, die keine Bleibe findet, über die Arbeit der Müllersammler bis zum drogenabhängigen Jungen. Es waren aber auch schlicht einfallsreiche Bilder dabei, die auf persönliche Vorlieben der jungen Menschen in ihrem Alltag aufmerksam machten. Ein Nachwuchsreporter fotografierte zum Beispiel seine Trompete als Schattendarstellung.

So hatten wir Freude an einer sozial wie künstlerisch ansprechendende Ausstellung. Danke an Caritas international, dass wir sie in Pfünz haben konnten. Dank vor allem aber den neuen jungen Fotoreporter in Brasilien dafür, dass sie uns durch ihre Bilder und ihr Engagement diesen „Weitblick“ ermöglichten.

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Hoffnung für das Klima in Peru

Derzeit findet die 20. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (COP20) in der peruanischen Hauptstadt Lima statt. Der Klimawandel lässt auch die Peruaner nicht kalt, wie man hier im Alltag erfahren kann. Vor einigen Wochen war ich mit einer anderen Laienmissionarin aus Brasilien im Armutsviertel von Arequipa unterwegs, um eine Familie mit einem frisch geborenen Baby zu besuchen. Auf dem Rückweg von diesem Besuch kamen wir ins Gespräch mit einer Frau, die in einer einfachen Hütte wohnt. Sie erzählte, dass sie Angst hat vor den Starken Regenfällen im Januar und Februar und dass sie hofft, dass der Regen wie in diesem Jahr „ausbleibt“ oder sich auf geringe Mengen beschränkt. Der Regen bedeutet für sie, für ihre kleine Hütte und alles was für sie existenziell ist, eine ernsthafte Bedrohung. Der Regen könnte ihr mit seiner gewaltigen Macht alles nehmen.

Ihre Aussage ist verständlich und doch zugleich verstörend. Denn das Wasser ist knapp hier. Besonders nachdem es im letzten Jahr in der Regenzeit kaum geregnet hat. Alle Pflanzen, die sich nicht mit der Hilfe von Bewässerung ans Leben klammern können, vertrocknen. Der große Fluss Arequipas, der „Rio Chili“, führt wenig Wasser. Alle warten sehnsüchtig auf die Tropfen, die vom Himmel fallen sollen, außer die Bewohner im Armutsviertel. Für sie ist scheinbar der Regen eine Bedrohung und kein Segen.

Dass Arequipa unter Wassernot leidet, ist kein Zufall. Peru bleibt nicht vom Klimawandel verschont. An nichts lässt sich das so gut ablesen wie am Wahrzeichen Arequipas, dem Hausberg Misti. Traditionell ist seine Spitze von einem zarten weißen Schneemantel überzogen. Doch seit zwei Jahren ist nur noch roher Stein die Zierde des Vulkans. Nur wenn Nebel den Berg verhüllt lässt sich manchmal hier und da ein kleiner Fleck Schnee entdecken. Auch der andere Vulkan in der Nähe von Arequipa, der Chachani, der wesentlich höher ist als der Misti, ist nur noch an oberster Stelle von Schnee bedeckt. Zerstört der Klimawandelt also die Wahrzeichen Arequipas?

Erst kürzlich habe ich mit einer Arbeitskollegin aus dem Kindergarten über dieses Phänomen gesprochen. Sie glaubt, dass der Klimawandel die Peruaner nachdenklich stimmt, sie beschäftigt. Sie hat mir gesagt, dass die meisten Menschen diese Anzeichen durchaus ernst nehmen. Aber es ändere sich nichts, weil es kaum Hilfestellungen von der Regierung gebe. Für die Politiker seien diese Anzeichen offensichtlich nicht so bedeutend wie sie es für die Bevölkerung sind. Steckt Resignation hinter dieser Aussage? Hoffnungslosigkeit, die ein Stoppen des Klimawandels nicht mehr für möglich hält?

Ich glaube nicht, denn es gibt Zeichen, die den Glauben an Möglichkeiten des Einzelnen und ihre Tragweite bestärken. Wenn meinen Fünfjährigen eine Woche lang im Kindergarten die Bedeutung von Strom und Wasser erklärt wird. Wenn sie die Bedeutung des Wassers und seine Kostbarkeit verstehen lernen und sich voller Begeisterung ausdenken, wie sie Wasser sparen können. Wenn sie Bilder malen, die das Einsparen von Strom zeigen, um das Klima zu schützen. Und wenn sie selbst kleine Pflanzen züchten, um ein Verständnis für deren Einfluss auf unser Leben zu erhalten.

Der Klimaschutz ist auch ein Anliegen der Kirche, die anlässlich der COP20 (vom 1. bis 12. Dezember) verschiedene Veranstaltungen zum Thema Klimawandel und Umweltschutz organisiert. Bereits am 9. November haben Katholiken in Peru und in Deutschland (hier besonders in der Erzdiözese Freiburg, die eine Partnerschaft mit der Katholischen Bischofskonferenz Peru pflegt) gemeinsam einen Tag des Fastens und Gebetes abgehalten. So haben sie unter anderem für die Achtung vor den Gütern der Schöpfung gebetet.

Am 5. Dezember findet zudem ein Treffen von Bischöfen aus der ganzen Welt mit Regierungsvertretern der teilnehmenden Staaten an der Klimakonferenz in Lima statt. Auswirkungen des Klimawandels insbesondere auf die arme und marginalisierte Bevölkerung sowie die Achtung vor den Gütern der Schöpfung und Vorschläge für mehr Klimagerechtigkeit stehen auf der Gesprächsagenda. Wenn das kein Anlass zur Hoffnung ist!

Mehr zum Thema:

Ein Jahr in Peru (persönlicher Blog von Anna Schönstedt)