Kategorie-Archiv: Afrika

Einsatz für Menschenrechte in Tansania

Im Jipe Moyo Center in Musoma, Tansania, wo ich derzeit einen Freiwilligendienst leiste,  hat der Einsatz für die Menschenrechte oberste Priorität. Für deren Einhaltung setzen sich hier alle Mitarbeiter konkret ein. So auch Sister Annunciata, meine erste Ansprechpartnerin hier und Leiterin des Centers. Sie ist eine bewundernswerte Frau.

Sister Annunciata, Leiterin des Jipe Moyo Center: Foto: Olivia Ermel

Mitarbeitergruppen des Centers gehen zum Beispiel in Schulen und gründen ‚Children’s Rights Clubs‘, in denen sich die Kinder gezielt mit ihren Rechten beschäftigen – vor allem lernen sie, dass Mädchen und Jungen die gleichen haben. Neben den Clubs werden Kurse für Frauen angeboten, in denen ihnen beigebracht wird, ihr eigenes kleines Business zu starten. Dabei wird ihnen dann erst einmal erklärt, dass sie den Männern gegenüber gleichberechtigt sind. Um die Menschenrechte immer weiter zu verbreiten, ist das Ziel deshalb auch, das Jipe Moyo Center in der Mara Region in Tansania bekannter zu machen. Eine große Hilfe stellt zudem die Polizei dar, die dazu beiträgt, dass das Center an Autorität gewinnt. Oft bringt sie hilfsbedürftige Kinder her und verhindert, dass Verwandte kommen, um sie sofort wieder zurückzuholen. Einige nationale Regeln stehen in Tansania nämlich auch hinter den Menschenrechten. So sind Kinderehen und Kinderarbeit zum Beispiel gesetzlich verboten. Leider macht die Regierung viel zu wenig, um diese Gesetze durchzusetzen. So erhält das Center auch keine finanzielle Unterstützung vom Staat.

Letzte Woche habe ich drei Mitarbeiter ins Dorf begleitet. Zuerst haben wir eine Primary School besucht. Dort haben die ‚Grundschüler‘ des Children Rights Clubs ihr Ergebnisse der vergangenen Woche präsentiert. Durch Gesang und Tanz versuchen sie, die Menschenrechte ihren Mitschülern weiterzuvermitteln.

Besprechung zur Lage der Kinderrechte. Foto: Olivia Ermel

Childrens Rights Club Besprechung – das Interesse an unserem Besuch ist groß (siehe die Zuschauer im Hintergrund).
Anschließend ging es weiter zu einer Familie, in der die minderjährige Tochter als Prostituierte gearbeitet hat, um an Geld zu gelangen. Nun wird sie vom Jipe Moyo Center finanziell unterstützt, damit sie sich ihre Schulsachen leisten kann und sich nicht mehr verkaufen muss.

Familienberatung. Foto: Olivia Ermel

Danach sind wir in eine Secondary School gefahren. Der Children Rights Club dort hatte zusätzlich zu Gesang und Tanz noch ein Schauspiel zum Thema Menschenrechte einstudiert. Zudem haben sie uns von Vorfällen in ihrer Umgebung erzählt, in denen diese Rechte nicht eingehalten werden. Die Kinder einer Familie dürfen abends zum Beispiel nicht ins Haus kommen, wenn sie nichts zu Essen mitgebracht haben. Dann müssen sie draußen schlafen. Ein Mädchen einer anderen Familie wiederum darf nicht zur Schule gehen. Daraufhin sind wir zur Community des Dorfes gefahren, um dort von den Missetaten zu berichten und die betroffenen Familiennamen zu nennen. Nun werden sich die Menschen vor Ort, um diese Probleme kümmern. (Das hoffen wir zumindest. Laut Sister Annunciata wird das manchmal mehr und manchmal weniger getan.)

Secundary School – Childrens Rights Club. Foto: Olivia Ermel

Bisher kannte ich solche Umstände nur aus Filmen. Es ist für mich manchmal schwer zu begreifen, dass ich nun tatsächlich mitten im Geschehen bin. Das Problem der weiblichen Genitalverstümmelung, die in vielen Dörfern noch traditionell praktiziert wird, kennen viele auch nur aus dem Film “Wüstenblume“.

Jipe Moyo Gemeinschaft. Foto: Olivia Ermel

Nach einem Gespräch mit einem Mädchen, das vor dieser Tradition geflüchtet ist, wird mir wieder bewusst wie wichtig die Existenz und der Fortbestand des Jipe Moyo Centers ist. Ansonsten hätte dieses Mädchen keinen Platz auf der Erde gehabt, wo es hingehen  hätte können, um vor dieser Gewalttat beschützt zu werden.

Herzlichkeit und Freundlichkeit zeichen die Menschen in Tansania aus. Foto: Olivia Ermel

Trotz der oben genannten Probleme gibt es in Tansania sehr viele herzliche und freundliche Menschen. Deshalb fühle ich mich hier wohl und freue mich, das afrikanische Temperament und den Lifestyle besser kennenzulernen. Viele Frauen haben eine enorme Ausstrahlung und sprühen vor Lebenslust. Sie tanzen gerne und begeistern mit ihrer Fröhlichkeit.
Die Schwestern haben gestern sogar in ihrer Sisterbekleidung Aerobic am Boden im Wohnzimmer gemacht und sich gegenseitig ausgelacht.

Zudem hatte ich auch schon die Gelegenheit tansanische Männer kennenzulernen, mit denen man sich gut unterhalten konnte und die lustig und gut drauf waren. Der Bischof von Musoma wirkte auf mich mit seinem Dauergrinsen und seinem offenen, fröhlichen Verhalten auch auf Anhieb sympathisch.
Feiern sind hier außerdem immer mit Tanzen, Singen, gutem Essen und Fröhlichkeit verbunden.

Feiern und Tanzen gehören zusammen. Foto: Olivia Ermel

Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das besagt:

“Ihr Europäer habt die Uhren, wir Afrikaner haben die Zeit.“

Da man in Deutschland öfter mal von Zeitdruck, Hektik und Stress spricht, war der Prozess der “Entschleunigung“ für mich anfangs sehr schwer. Inzwischen schätze ich es allerdings schon mehr, dass man sich hier auch öfter mal die Zeit nimmt, um miteinander zu relaxen und einfach mal zu Sein.

Austauschprogramm ermöglicht Begegnung auf Augenhöhe

Junge Erwachsene entdecken Land und Leute Ghanas.

Zwei Jahre ist es her, dass zum letzten Mal eine Gruppe Ghanaer zu Gast bei uns im Bistum Eichstätt war. Seit fast 20 Jahren besteht zwischen dem Eichstätter Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und dem ghanaischen Verband COSRA (catholic organisation for social and religious advancement) im Bistum Koforidua ein partnerschaftliches Verhältnis. Regelmäßige Programme zum Fachkräfteaustausch ermöglichen eine Begegnung auf Augenhöhe, die das gegenseitige voneinander Lernen ermöglichen sollen. Im August waren wir nun mit acht Mitgliedern des Arbeitskreises Ghana (AK) zum Gegenbesuch in Ghana. Die Delegation wurde angeführt von den beiden Sprechern des AK Ines Huibens (Stein) und René Palermo (Nürnberg) und dem Geschäftsführer des Bischöflichen Jugendamtes Josef Neumeyer (Kipfenberg).

Nun war es also soweit, zwei Jahre Vorbereitung sind vorüber. Die ganze Zeit über waren wir in Kontakt mit unseren ghanaischen Freunden, über Facebook und WhatsApp. Für jeden und jede Einzelne unserer Delegation war klar, dass wir einzelne Personen vor Ort kennen, keiner wusste aber, was einen in Afrika erwartet. Und das ist schon der erste Gedankenfehler, den man machen kann – von Afrika zu sprechen, als wäre es ein einziges Land. Im Rahmen eines interkulturellen Trainings bei Missio München haben wir gelernt, wie wir am besten in einen interkulturellen Dialog eintreten – genau zuhören, genau hinschauen und immer im Bewusstsein haben, dass das Gegenüber unsere Gesten, Aussagen oder unser Handeln anders verstehen kann, als wir es vielleicht meinen.

Mit diesem Wissen, einer großen Neugierde und der ein oder anderen Erwartung starten wir unsere Reise Anfang August am Flughafen Frankfurt. Mit Umstieg in Lissabon geht es nach Westafrika – Landung in Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Raus aus dem Flugzeug, die Wärme schlägt uns entgegen – etwa um die 30 Grad Celsius , nicht viel anders als derzeit in Deutschland, es ist dunstig, die Sonne sticht nicht so herunter. Ein erstes „Akwaba“ – Herzlich Willkommen steht über der kleinen Türe über die wir in das Flughafengebäude gelangen. Ein erster Kontrollposten scannt mit einer Wärmebildkamera die Körpertemperatur – die Ebola-Krise schien uns längst überwunden, aber hier wird sie wieder präsent.

Einreiseformalitäten – Gepäckabholung – Geld wechseln und auf in ein fremdes Land. Die Türen des geschützten Flughafenbereichs öffnen sich, wir sehen einige vertraute Gesichter, COSRA-Mitglieder, die wir bereits vom Austauschprogramm 2015 kennen. Herzliche Begrüßungen mit Umarmungen und vielen lieben Worten – die Freude über das Wiedersehen ist auf beiden Seiten groß. Und dann, womit wohl keiner gerechnet hat, rund 20 weitere COSRA-Mitglieder warten ein Stück weiter auf uns um uns ein fröhliches „Akwaba“ entgegen zu rufen. „Überwältigend“ wie Regina Raithel (Hilpoltstein) später sagen wird, ein „offener und freundlicher Umgang mit großer Herzlichkeit“, fügt Michaela Gsänger (Röttenbach) hinzu.

Mit mehreren Autos geht es von Accra ins rund 70 Kilometer entfernte Koforidua. Eine Fahrt, auf der einem schnell bewusst wird, dass Verkehr hier ganz anders funktioniert, „einmal hupen bedeutet Vorfahrt“ und die „Fußgänger müssen sehen, wie sie zurecht kommen“. Und schon nach ein paar Minuten wird klar, Leben findet auf der Straße statt. Verkaufsstände an den Straßenrändern und Verkäuferinnen mit großen Schüsseln auf dem Kopf verkaufen direkt ins Auto Getränke, Snacks, Waschmittel und allerhand andere Waren. Die Landschaft zieht wie im Film vorbei und der Kopf kann gar nicht so schnell realisieren, welche Eindrücke auf ihn einprasseln.

Als der Bus an einer Kreuzung in Koforidua anhielt, blickt ein kleines Mädchen zum Seitenfenster hinein in den Kleinbus mit uns Europäern – „Das Mädchen ist furchtbar erschrocken, weil ich so anders bin!“ wird sich Josef Neumeyer an diese Szene erinnern. Unbewusst wir einem klar, nun sind wir die, die anders sind.
Unsere ghanaischen Freunde machen uns die Ankunft leicht, freundlich, liebevoll und äußerst bemüht kümmern sie sich um uns. Nachdem wir die Zimmer im Pastoral Center der Diözese bezogen haben treffen sich alle zu einem abendlichen Bier. Lebensfreude pur, es wird gelacht, getanzt, gesungen. Der erste Tag in Ghana neigt sich dem Ende zu.

Nach der ersten Nacht und einem stärkenden Frühstück feiern wir mit einigen COSRA-Mitgliedern und Father Felix unseren ersten gemeinsamen Gottesdienst, als Zeichen der Verbundenheit übergibt BDKJ-Diözesanvorstand Max Holzer (Hilpoltstein) eine Kerze mit dem Symbol des AK Ghanas, einer Hand mit hellen und dunklen Fingern und dem Daumen nach oben. Im Gottesdienst wurde gesungen und dazu geklatscht.

Nach der Fahrt zur Kathedrale folgte eine imposante Tanzaufführung. Kinder und Jugendliche brachten im Tanz zum Ausdruck, wie der katholische Glaube nach Ghana kam und wie die Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Naturreligionen von statten ging.

Schon die beiden ersten Tage waren so intensiv, dass es eine große Herausforderung war, alles zu verarbeiten. Geprägt hat uns alle aber die überwältigende Gastfreundschaft unserer Partner.

Weitere Informationen, Bilder und Videos: www.bdkj-eichstaett.de/ak-ghana

Missionsarbeit in Südafrika

Wir feierten vor wenigen Wochen den 95. Gründungstag der Benediktinerabtei Inkamana in Vryheid in Südafrika. Der 3. August ist zugleich der Gründungstag der Ottilianer Benediktinermission im Zululand. Als ich 1968 als Neumissionar ins Zululand kam, lebten noch mehrere der Pioniere, die 1922 unter schwierigen Bedingungen mit der Missionierung begannen. Der letzte der Pioniere starb 1983. Inzwischen gehört die Epoche der Erstmission im Zululand längst der Vergangenheit an. Rund 150 Jahre protestantische Missionsarbeit und knapp 100 Jahre Missionsarbeit der Ottilianer Benediktiner haben den Zulus den Weg zum Christentum geöffnet. Die große Mehrheit der Zulus gehört jetzt einer christlichen Kirche oder Sekte an. Das Gebiet, das Rom 1921 der Kongregation von St. Ottilien zur Missionierung zugeteilt hatte, ist nun eine Diözese. Mittlerweile hat unsere Diözese bereits ihren zweiten einheimischen Bischof. In den 30 Pfarreien sind ausschließlich einheimische Priester tätig. Zwei Zulu Priester unserer Diözese sind momentan sogar in Pfarreien im Ausland tätig. Einer ist in den USA im Einsatz, der andere auf einer Pfarrei in der Pfalz in Deutschland.

In den knapp 100 Jahren seit der Ankunft der ersten Benediktiner im Zululand stellte unsere Kongregation großzügig Personal für die Mission in dieser Nordostecke von Südafrika zur Verfügung. Insgesamt erhielten nicht weniger als 72 Ottilianer Patres und 65 Ottilianer Brüder das Missionskreuz für das Zululand. 1968 wurde zum letzten Mal eine ganze Gruppe ausgesandt. Sie bestand aus vier Mann; ich war einer von den Vieren. Seitdem erhielt die Zululand Mission nur noch wenig Verstärkung aus den Heimatabteien. Mit Recht sagten unsere Äbte in Deutschland: „Seht zu, dass ihr im eigenen Land um Nachwuchs wirbt und Benediktinermissionare heranbildet.“ Das haben wir auch getan. Es war kein einfaches Unterfangen. Seit 1968 sind nicht weniger als 220 einheimische Kandidaten in die Abtei Inkamana eingetreten. Von diesen 220 Kandidaten legten nach zwei- bzw. dreijähriger Vorbereitung immerhin 64 die einfachen Gelübde ab. Von diesen 64 banden sich 30 nach weiteren drei bzw. sechs Jahren durch die ewigen Gelübde auf Lebenszeit an unsere Gemeinschaft. Allerdings traten auch von diesen „ewigen Professen“ acht nach einiger Zeit wieder aus dem Kloster aus. Von den 64, die seit 1968 die einfachen Gelübde abgelegt hatten, sind zurzeit sechs in der Vorbereitung auf die ewige Profess.

Mönche der Benediktinerabtei Inkamana. Foto: inkamana.mariannhillmedia.org

Erfolgreiche Missionsarbeit

Ähnliche Erfahrungen wie Inkamana machten auch andere Missionskongregationen in Südafrika, ganz gleich ob es sich um religiöse Frauengemeinschaften oder religiöse Männergemeinschaften handelt. Südafrika ist nun einmal kein „Mistbeet“ für Priester- und Ordensberufe. Das haben wir schon lange festgestellt. Die Hälfte der afrikanischen Kandidaten, die zwischen 1968 und 2017 in Inkamana die ewigen Gelübde abgelegt hatten, stammte aus Namibia bzw. aus Malawi. Aus diesem Grund haben wir vor zwanzig Jahren eine Niederlassung in Namibia eröffnet. Dieses Nachbarland Südafrikas hat mit rund 20% einen weit höheren Prozentsatz an Katholiken als Südafrika, wo nur rund 6% der Einwohner katholisch sind.

Wenn man im Rückblick von einer erfolgreichen katholischen Missionsarbeit im Zululand sprechen kann, dann verdanken wir das nicht zuletzt dem Einsatz und der Mitarbeit mehrerer Schwesterngemeinschaften. In erster Linie sind da die Tutzinger Missionsbenediktinerinnen zu nennen. Sie haben von 1922 bis zu ihrer Ablösung im Jahr 2000 mit den Ottilianern zusammengearbeitet, haben Krankenhäuser und Schulen geleitet und haben in verschiedenen Bereichen auf allen Hauptstationen gewirkt. Nicht weniger als 110 Tutzinger Schwestern kamen in den 78 Jahren zwischen 1922 und 2000 im Zululand zum Einsatz. Fünfundvierzig sind in Inkamana gestorben und haben auf unserem Klosterfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden, darunter auch Schwester Reinolda May (1901–1981).

Wallfahrtsort Ngome

Ihr Name wurde über die Grenzen von Zululand und sogar über Südafrika hinaus bekannt, als sich nach ihrem Tod die Kunde verbreitete, dass sie Marienerscheinungen hatte. Zwischen 1954 und 1971 sei ihr die Muttergottes angeblich nicht weniger als zehn Mal in der Krankenhauskapelle von Nongoma erschienen. Sie selber hat darüber Aufzeichnungen gemacht. Bei einer dieser Erscheinungen äußerte die Muttergottes angeblich den Wunsch, „an einem Ort im Zululand, an dem sieben Quellen entspringen, als Tabernakel des Allerhöchsten verehrt zu werden“. Dieser Ort wurde mit Hilfe von Schwester Reinolda als ein Außenposten der Missionsstation Nongoma namens Ngome identifiziert.

Ngome liegt etwa 20 km westlich von Nongoma am Rand eines dichten Urwalds. In diesem Urwald wurden tatsächlich mehrere Quellen entdeckt. Der zuständige Bischof, Aurelian Bilgeri OSB (1909-1973), der von 1947 bis zu seinem Tod die Diözese Eshowe leitete, stand der ganzen Geschichte eher skeptisch gegenüber, genehmigte aber aufgrund inständiger Bitten von Schwester Reinolda, dass in Ngome 1966 eine kleine Kapelle von kaum mehr als vier Quadratmeter gebaut wurde. Erst 1984 erlaubte Bischof Mansuet Biyase (1933-2005), der Nachfolger von Bischof Bilgeri, den Bau einer größeren Kapelle. Sie wurde auf einem Felsplateau errichtet und enthält ein von einem Kunstmaler angefertigtes Gemälde der „Muttergottes, Tabernakel des Allerhöchsten“. Rasch stieg die Zahl der Pilger, die privat oder durch eine organisierte Pilgertour nach Ngome kamen. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wurde 2002 noch eine zweite, größere Kirche errichtet.

Auf ihrem Weg nach Ngome machen viele Pilger bei uns in Inkamana Halt und besuchen das Grab von Schwester Reinolda, legen Blumen nieder und hängen Rosenkränze über ihren Grabstein. Schon seit längerem wird in der Diözese sogar die Möglichkeit eines Seligsprechungsprozesses erwogen. Aufgrund dieser Entwicklung hat nun der Bischof von Eshowe, Thaddeus Xolelo Kumalo, einen seiner Priester beauftragt, Material über das Leben und Wirken von Schwester Reinolda zu sammeln. Für diesen Schritt hatte der Bischof zuvor von Rom das nötige Placet eingeholt in der Hoffnung, dass nach einiger Zeit der Seligsprechung Prozess eröffnet werden kann. Ob es jemals so weit kommt, wird sich zeigen.

Auch Mallersdorfer Schwestern im Zululand´

Außer den Missions-Benediktinerinnen von Tutzing haben auch noch drei weitere Schwesterngemeinschaften aus Deutschland in den 1950er Jahren Missionarinnen ins Zululand entsandt und sind dort heute noch präsent. In diesen rund sechzig Jahren kamen 33 Franziskanerinnen aus Oberzell bei Würzburg, 21 Benediktinerinnen von St. Alban am Ammersee und 37 Mallersdorfer Schwestern in die Zululand Mission. Alle drei Gemeinschaften nahmen sehr bald auch einheimische Kandidatinnen auf. Heute sind unter den 26 Oberzeller Schwestern mehr als die Hälfte Afrikanerinnen, darunter auch die Oberin der Gemeinschaft. Unter den 40 Mallersdorfer Schwestern (dazu gehört auch die in der Missionsstation „Vryheid“ tätige Sr. Emanuela Kraus aus Breitenbrunn/Oberpfalz, Bistum Eichstätt) befinden sich 23 einheimische; die Leitung der Gemeinschaft liegt jedoch noch in den Händen einer deutschen Schwester. Das gleiche gilt auch für die Benediktinerinnen von St. Alban. Die Gemeinschaft setzt sich momentan aus acht afrikanischen und sechs deutschen Schwestern zusammen. Oberin ist eine deutsche Schwester.

Die Ottilianer Benediktiner haben in ihren ehemaligen Missionsgebieten in Afrika sechs Abteien und ein Konventualpriorat (Vorstufe zur Abtei) errichtet. Alle sieben selbständigen Klöster werden von einheimischen Mönchen geleitet. In vier dieser Klöster sind alle Patres und Brüder Afrikaner; in dreien ist der Konvent gemischt, wobei die Europäer jeweils nur noch eine Minderheit bilden. Noch einen Schritt weiter in dieser Entwicklung sind die Klöster, die von Ottilianer Mönchen in Korea, in China und auf den Philippinen gegründet wurden. Während einige unserer sechs Deutsch sprachigen Abteien (vier in Deutschland und jeweils eine in Österreich und in der Schweiz) unter Nachwuchsmangel leiden, verlagert sich der Schwerpunkt unserer Kongregation langsam auf unsere Klöster in Afrika und Asien. Mit weit über 600 Mitgliedern machen sie jetzt schon 60% der Ottilianer Missionsbenediktiner aus.

Jahrhundertdürre

In Südafrika herrschte in den letzten zwei Jahren eine katastrophale Trockenheit. Im Zululand sprach man von einer Jahrhundertdürre. Nicht nur die Großfarmer und Kleinbauern waren davon betroffen, sondern auch die Menschen in den Städten. Die Farmer konnten wegen Regenmangel nicht pflügen und säen und in den Städten mussten die Leute ihren Wasserverbrauch gewaltig einschränken. Mittlerweile hat sich die Situation verbessert, da es im Sommer (Dezember bis März) reichlich geregnet hat. Die Wasserversorgung in der Stadt Vryheid war ein ganzes Jahr lang (von Mai 2016 bis Mai 2017) von Tankfahrzeugen abhängig, die die im Stadtgebiet aufgestellten 5000 Liter Behälter immer wieder auffüllten. Bevor die Wasserleitungen wieder benützt werden konnten, mussten Hunderte von Hausanschlüssen repariert und mit neuen Messgeräten aus Plastikmaterial versehen werden. Während der langen Trockenheit waren nämlich die alten Messgeräte aus Metall reihenweise geklaut und von den Dieben als Altmetall verkauft worden.

Die lange Trockenheit hat auch unserer Abtei schwer zugesetzt. Um die Wasserversorgung sicher zu stellen, mussten wir zusätzlich Brunnen bohren. Weil die aber nicht den erwarteten Erfolg brachten, haben wir nun entschieden, Regenwasser zu „ernten“. Inzwischen wurden an den verschiedenen Dachrinnen 5000 Liter Plastikbehälter aufgestellt, die das Regenwasser sammeln, wenn sich im kommenden Sommer die Himmelsschleusen öffnen.

„Ein Missionar geht nicht in Pension“

Comboni-Missionar Josef Gerner ist seit 1996 in Uganda tätig. Sein erster Einsatz in dem ostafrikanischen Land hatte er bereits von 1971 bis 1976. Anschießend arbeitete er bis 1986 in Kenia. Es folgten Stationen in Innsbruck und Bamberg. Derzeit ist Die Diözese Eichstätt hat bereits mehrere seiner Projekte in Uganda unterstützt hat.

Trotz seiner 82 Jahre ist Pater Josef Gerner MCCJ in Uganda noch immer unverzichtbar. Insgesamt ist der dort schon 26 Jahre aktiv. Kaum einer kennt Ostafrika so gut wie er.

Der gebürtige Meckenhausener pflegt zwar intensiv die Verbindungen in die Heimat, dennoch kann er es sich nur schwer vorstellen, nicht in Uganda zu wirken. Das Land und die Leute sind ihm ans Herz gewachsen. Im Video-Interview sagt er: „Ein Missionar geht nicht in Pension“.


Im Heimaturlaub berichtet er den Verantwortlichen im Referat Weltkirche über seine Aktivitäten und die nächsten anstehenden Projekte. Dazu gehört der Bau eines neuen Pfarrhauses für seine neue Pfarrei, in der er neben einem einheimischen Priester die pastorale Verantwortung trägt und sich sehr darum bemüht, die Grundlagen für eine gute Entwicklung der Pfarrei zu legen.

Zuletzt erhielt er 2012 und 2014 für den Bau von Kirchen aus Eichstätt Zuschüsse über 15.000 €. Die Gebäude sind für ihn aber nur die notwendige Infrastruktur, um die frohe Botschaft unseres christlichen Glaubens den Menschen zu verkünden, die nach den schweren Jahren des Bürgerkrieges nach Orientierung für sich und ihre Kinder suchen.

Worauf es im Leben ankommt

Meine Ankunft in Musoma, Tansania, war überwältigend – so viele Eindrücke auf einmal. Als die Kinder des Jipe Moyo Centers die Landung meines Flugzeugs sahen, rannten sie anscheinend zum Flughafen. Dementsprechend wurde ich auch begrüßt: von allen Seiten Umarmungen und “Karibu“ ’s („Willkommen“ in Suaheli). Das Leben sprüht hier im Jipe Moyo Center förmlich. Lachen und Tanzen scheint eine der Lieblingsbeschäftigungen zu sein, sobald die Kinder erst einmal richtig im Center angekommen sind.

Die Kinder Lachen und Tanzen gerne. Foto: Olivia Ermel

Ich bin nun seit drei Wochen im Jipe Moyo Center und habe das Gefühl, dass ich hier sehe, worauf es im Leben wirklich ankommt. Das Jipe Moyo Center ist ein Zufluchtsort für schutzbedürftige Kinder, die vor der Genitalverstümmelung, Vergewaltigung oder Obdachlosigkeit flüchten. Hier können sie sich in Sicherheit wissen, es wird ihnen keine Gewalt angetan und sie bekommen zu Essen und zu Trinken. Außerdem wird ihnen ermöglicht, in die Schule zu gehen und sie bekommen medizinische Versorgung. Ebenso wichtig ist für die Kinder die Gemeinschaft, das Miteinander und zusammen Lachen. Man kann wirklich von einer Familie sprechen, in der sich die Kinder respektiert und geborgen fühlen können. Es ist schön zu sehen, wie herzlich und freundlich hier miteinander umgegangen wird und wie viel Spaß die 54 Mädchen und 10 Jungen an einfachen Dingen wie Singen, Tanzen und Zusammensein haben können.

Freude über entwickelte Fotos von den Kindern. Foto: Olivia Ermel

Leider ist das Center abhängig von Spenden, sodass der Ausbau des Hauses der Mädels und die Renovierung des Schlafplatzes der Jungs noch nicht ermöglicht werden kann. Die Betten der Mädchen stehen sehr eng beieinander, so dass eine große Ansteckungsgefahr bei Krankheit vorliegt. Die Jungen duschen aktuell noch hinter dem Haus. Zudem essen die Kinder draußen, weshalb der Wunsch eines Essens- und Aufenthaltsraumes besteht.

Schlafzimmer der Mädchen. Foto: Olivia Ermel

Die Anschaffung eines Fahrzeuges, mit dem gleichzeitig mehrere Kinder zum Arzt gebracht werden können, steht auch auf der To-Do-List. Ebenso wird hier gehofft, dass man das Geld aufbringen kann, um Kinder, die ihre Eltern verloren haben, im Fernsehen oder Radio zu erwähnen. Bevor dies alles erreicht werden kann, müssen jedoch immer die Kosten für Nahrung, Wasser, Schulbildung und Gesundheit gedeckt werden. Dies hat selbstverständlich Priorität.