Besuch aus der Heimat

Inzwischen ist schon ein Monat meines Praktikums vergangen und es warten noch vier weitere auf mich. Es ist schon erstaunlich, wie schnell dieser erste Monat vorbei ging. Was die Zeit hier natürlich auch verkürzt, zumindest gefühlt, sind die Unternehmungen und Aktivitäten außerhalb des Praktikums, an denen es nicht mangelt. Am letzten Septemberwochenende war Besuch aus meiner Heimat in Usti und wir haben neben Litomerice auch andere Sehenswürdigkeiten wie die Burg Strekov angeschaut. Mit einem herrlichen Panorama über das Labem (Elbe)-Tal und einem Ausblick auf Usti ist diese Sehenswürdigkeit echt einen Ausflug wert.

Am darauffolgenden Wochenende war dann Besuch aus meiner Wahlheimat Eichstätt in Litomerice. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen den Diözesen Eichstätt – Litomerice(Leitmeritz) machte sich eine Gruppe zu einer Studienreise auf, diese Partnerschaft mit Leben zu füllen und in gemeinsamen Austausch zu treten. Neben Besichtigungen und Ausflügen in das Umland stand auch ein Empfang durch den Bischof von Litomerice, Jan Baxant, an. Bei einem freundlichen Willkommenstreffen wurde auf die enge Verbundenheit der deutschen und tschechischen Geschichte hingewiesen und nicht zuletzt auch darauf aufmerksam gemacht, dass viele, die heute in Bayern leben, ihre Wurzeln in Böhmen – manche davon sogar in Litomerice – haben. Bei Kaffee und typisch böhmischen Köstlichkeiten zeigte sich die Herzlichkeit, mit der wir empfangen wurden.

Einen sehr intensiven Moment erlebten wir am Samstag bei der Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers Terezin (Theresienstadt). Hier starben über 30.000 Juden und 160.000 durchliefen das Lager, meist auf dem Weg in Richtung Auschwitz oder Treblinka. In zwei Museen wurde zum einen über das Leben und die Organisation in dem Ghetto berichtet und zum anderen über die beachtliche kulturelle Vielfalt an Musik, Theater und Kunst, die von den Häftlingen geschaffen wurde. Besonders erschreckend war es, die mit deutscher Gründlichkeit geplante Vernichtung eines ganzen Volkes so vor Augen geführt zu bekommen. Auch wenn man im Geschichtsunterricht natürlich über die Judenverfolgung im Dritten Reich aufgeklärt wurde, ist es doch ein anderes Gefühl, die Orte der Verbrechen zu besuchen. In einer Andacht in der Kirche in Terezin gedachte die Reisegruppe der Opfer der Gräueltaten und auch den heutigen Vertriebenen und Verfolgten.

Am Nachmittag machte sich die Reisegruppe nach Melnik auf. Hier stand das Anwesen Lobkowicz, das über dem Zusammenfluss von Moldau und Elbe thront, im Zentrum des Besuchs. Nach einer geführten Begehung des Schlosses der Familie Lobkowicz wurden wir in die Kellergewölbe zu einer Weinprobe geführt. Unter den Augen des Weingottes Bacchus genossen wir sechs verschiedene Weinsorten und heimisches Brot.

Beim anschließenden Essen im Restaurant des Anwesens konnten wir bei untergehender Sonne nochmals einen wunderschöner Ausblick auf das Böhmische Land werfen.

Mit der Feier der sonntäglichen heiligen Messe im Dom in Litomerice, die unter Mitwirkung eines Jugendchores gefeiert wurde, endete dann zumindest für mich der Besuch aus Eichstätt, da die Gruppe noch nach Prag weiterzog und ich nach Usti zurückkehrte.

Nachdem ich jetzt zwei Wochen inklusive Wochenende volles Programm hatte, bin ich froh, nächstes Wochenende noch keine festen Pläne zu haben und möglicherweise mal etwas auszuspannen. Allerdings gibt es bestimmt schon wieder ein Programm, so wie ich unsere Erasmus+-Organisatoren kenne.

Ich wünsche allen daheim eine gute Zeit und liebe Grüße aus Usti.

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