Besuch aus Benin

Benin liegt in West-Afrika. Auf der Weltkarte erscheint die ehemalige französische Kolonie als ein schmales Land mit kleinem Kopf, eingeklemmt zwischen dem noch kleineren Staat Togo und dem großen Nigeria. Seit 1960 ist Benin von Frankreich unabhängig – und nimmt sein Geschick selbst in die Hand. Jedenfalls versucht das für afrikanische Verhältnisse eher kleine Land im Konzert der mehr und mehr globalisierten Welt seinen eigenen Weg zu gehen. Und das mit Stolz. Jedes Land hat guten Grund, stolz zu sein auf sein eigenes Volk. Auch Benin. Das sagte mir schon vor Jahren mein alter Studienfreund Pascal N’Koué aus Natitingou in Benin. Er ist heute Erzbischof von Parakou in seiner Heimat. Ich durfte manches von ihm lernen.

Heute ist aber ein anderer Bischof aus Benin zu Besuch in Eichstätt: Victor Agbanou, geboren im Jahr 1945, ist Bischof von Lokossa. Soeben hat er mit unserem Bischof Gregor Maria Hanke OSB einen festlichen Gottesdienst im Eichstätter Dom gefeiert. Bischof Victor spricht gut Deutsch. Die Sprache ist ihm aus eigenen Studientagen in Deutschland erhalten geblieben. Zum Bischof geweiht wurde er durch seinen großen Landsmann Kardinal Bernardin Gantin (1922 – 2008) im Jahr des großen Jubiläums 2000. Der freundlich zurückhaltende Gast aus Benin öffnet sich im Gespräch. Er erzählt Bischof Hanke und uns vom Referat Weltkirche von seinem Land und von der Kirche in Benin.

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Politisch ist Benin eine Präsidialrepublik. Die Korruption in der öffentlichen Verwaltung macht den Menschen zu schaffen. Der westafrikanische Staat hat heute ca. 10 Millionen Einwohner.  Etwas weniger als die Hälfte davon sind Christen; neben den Katholiken gibt es eine Vielzahl von evangelischen und evangelikalen Denominationen. Bischof Victor sagt: „Bei uns schießt fast jeden Tag eine neue Kirche aus dem Boden“. Neben dem massiven Vordringen des Islams gehört die Koexistenz mit den vielen ganz neuen christlichen Gruppen zu den Herausforderungen, denen sich die katholische Kirche zu stellen hat. Auch der Anteil der Naturreligionen ist in Benin noch relativ hoch. Der Bischof erzählt, viele der neuen „Kirchen“, die von Predigern aus den USA gegründet werden, reduzierten den christlichen Glauben auf eine rein individuelle Gottesbeziehung und auf die religiöse Feier. Der soziale Aspekt des Christseins, der Ruf zur gesellschaftlichen Mitverantwortung, das Mitbauen an einer sozial gerechten Gesellschaft nach den Maßstäben des Evangeliums falle nahezu gänzlich weg. Dies und die Zerspaltung in viele kleine voneinander unabhängige Gruppierungen mindere insgesamt die Kraft des Christentums in Benin. Trotzdem kann die katholische Kirche einen wertvollen Beitrag für das Land leisten. So werden zum Beispiel die kirchlichen Schulen nicht nur von katholischen Christen besucht. Auch viele andere Menschen in Benin schicken Kinder und Jugendliche gerne auf katholische Schulen. Kirche, Bildung und Wertevermittlung, das gehört in Benin zusammen.

Im Bistum Lokossa leben heute ca. 142.500 katholische Christen. Die etwa 170 Diözesanpriester müssen oft weite Wege zurücklegen, um die Dörfer zu erreichen. „Ohne unsere Katechisten wäre die Glaubensvermittlung undenkbar“, sagt Bischof Victor. Vielleicht können wir ihm ein wenig bei der Ausbildung der Katechisten helfen. Der Glaube ist ja ein großes Geschenk. Ein Geschenk Gottes, das uns hilft, das Leben zu verstehen und die Welt mit den Augen dessen zu sehen, der sie geschaffen hat und alles Leben bejaht. Ein Geschenk, zu dessen Weitergabe wir Christen berufen sind. Bischof Victor, danke für Deinen Besuch.

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