Alle Beiträge von Ottmar Breitenhuber

Ottmar Breitenhuber, Priester der Diözese Eichstätt, ist seit September 2011 Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde St. Albertus Magnus in Barcelona. Davor war er zehn Jahre Pfarrer in Ingolstadt, St. Augustin, und acht Jahre Regionaljugendpfarrer im Landkreis Eichstätt. Schon immer hat ihn die weltumspannende Vielfalt der katholischen Kirche fasziniert. Nach einem Studienaufenthalt in Salamanca (Spanien) unternahm er Reisen in verschiedenste Länder Lateinamerikas.

Für die einen das Christkind, für die anderen die Dreikönige

Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Matthäus 2,11b

Weihnachten, Heiligabend, Christkind, Geschenke – diese Begriffe gehören untrennbar zusammen. Bei uns in Deutschland. In sehr, sehr vielen Ländern unserer Erdkugel ist das aber ganz anders. Zum Beispiel in Spanien, oder genauer gesagt Katalonien, wovon ich erzählen kann.

Weihnachten: Natürlich feiert man die Geburt Jesu auch in der katalanischen Hauptstadt Barcelona. Aber nicht nicht so sehr wie in Deutschland und in anderen nordeuropäischen Ländern am 25. Dezember und in der vorausgehenden Nacht, sondern vor allem am 6. Januar mit dem Fest der Epiphanie Christi (Erscheinung des Herrn), in Spanien bekannt als „la Fiesta de los Reyes Magos“, also der Heiligen Drei Könige. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass in Spanien das Christentum von Anfang an der byzantinischen Ostkirche sehr nahe stand. Diese feierte die Menschwerdung Gottes schon immer nicht wie die lateinische Westkirche am 25. Dezember, sondern am 6. Januar.

Deshalb kommt in Spanien am Heiligabend auch kein Christkind, um den Kindern Geschenke unter den Christbaum zu legen (der Christbaum wird übrigens auch erst in den letzten Jahren immer mehr von den Ländern nördlich der Alpen abgeschaut). Christkind, das kennen die Spanier gar nicht. Sie kennen vielleicht einen „Papa Noel“. Aber der ist eindeutig eine Kopie des amerikanischen Weihnachtsmannes, der nachweislich mehr mit dem hl. Nikolaus verwandt ist als mit dem Christkind.

Heißt das dann, die Kinder Spaniens – und die Erwachsenen – gehen am Heiligabend leer aus? Gar keine Weihnachtsgeschenke? Ja! An dem für fast jeden Deutschen „heiligen“ Abend sind in Spanien die Geschäfte offen wie immer, bis 22 Uhr. Für die meisten geht das Leben und die Arbeit weiter wie an jedem anderen Tagen auch. Am 25. Dezember, am Weihnachtsfeiertag, kommt man dann aber doch etwas zur Ruhe und zum Feiern. Dieser Tag ist ein klassischer Familien- und Besuchstag. Da sind die Straßen den ganzen Tag wie ausgestorben und die unzähligen Bars und Restaurants bleiben geschlossen. – Gut, viele von den Stammkneipen haben für eine kurze Zeit geöffnet. Spanien ohne seine Bars, das geht überhaupt nicht!

Und was ist jetzt mit Geschenken? Natürlich gibt es zu dem frohen Fest der Geburt Jesu auch Geschenke. Vor allem für die Kinder. Die werden aber nicht vom Christkind gebracht (das in Spanien ja nicht existiert!), sondern von den „Reyes“, den „Königen“. Und ist ja irgendwie auch logisch. Am Dreikönigsfest feiern wir Christen, dass Gott auf Erden als Mensch unter Menschen, uns ganz gleich, erschienen ist. Überall auf Erden, in allen Teilkirchen des Christentums, wird diese Botschaft am 6. Januar mit der Geschichte des Besuchs der drei Weisen aus dem Morgenland erzählt. Der Evangelist Matthäus berichtet ausdrücklich davon, wie die Weisen dem Kind drei Geschenke brachten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und deshalb werden in Spanien den Kindern die Geschenke auch von den Königen gebracht.

Das Ganze ist aber ein Mordsspektakel: In Barcelona zum Beispiel kommen die königlichen Herren am Vorabend des Dreikönigsfestes mit dem Schiff im Hafen angefahren. Vom Bürgermeister und hunderten Schaulustigen werden sie freudig begrüßt. Dann ziehen sie in einem kilometerlangen Konvoi durch die Stadt. Auf ca. 20 bunt geschmückten Wägen sind die Könige mitsamt ihrem Hofstaat verteilt. Den Umzug kann man sich ein wenig vorstellen wie den Karnevalsumzug in Köln. Jeder der Wägen ist phantasievoll geschmückt. Oft werden Themen der Tagespolitik in lustiger Art und Weise aufs Korn genommen. Zu Tausenden säumen die Menschen die Straßenränder und die Kinder sammeln in Tüten die Süßigkeiten, die ihnen von den Wägen herunter zugeworfen werden.

An der Placa Jaume angekommen, werden die Dreikönige mit ihrem Gefolge nochmal vom Bürgermeister und anderen wichtigen Vertretern der Gesellschaft empfangen. Jetzt ist aber vor allem der Zeitpunkt gekommen, dass die Könige auf je einem Thron Platz nehmen und Audienz halten. In langen Schlangen stehen die Kinder an, um den Königen die Briefe mit ihren Wunschlisten zu überreichen. Schließlich verabschieden sich die Könige wieder. Jetzt haben sie ja allerhand zu tun, um in der folgenden Nacht die Geschenke den entsprechenden Empfängern auch richtig zuzustellen. Denn schließlich möchte doch jedes Kind in Spanien, dass am Morgen des 6. Januar vor der Wohnungstür seine langersehnten Weihnachts-Geschenke stehen.

Partnerschaft Ghana–Eichstätt: Wie´s begann

„Akwaaba“ (Willkommen) – So schallte es mir von überall entgegen, als ich am 1. September 1997 den Flughafen von Akkra verlies. Es war meine erste unmittelbare Begegnung mit der afrikanischen Welt. Gefühlte 1000 Menschen stürmten gleichzeitig auf mich los und boten mir etwas an: Taxi, Hotel, Früchte, Feuerzeug, Taschenradio, alle möglichen Dienste… Gott sei Dank war Eugen gleich zur Stelle. Er hatte auf mich gewartet, um mich abzuholen. Nach einer kurzen Taxifahrt – es ist unbeschreiblich, wie viele Eindrücke in dieser 20 minütigen Fahrt auf mich eindrangen – konnte ich mich in einem kleinen und ruhigen Hostel bei einer „Africola“ etwas abkühlen und ankommen.

Es war eine völlig neue und fremde Welt für mich, in der ich da gelandet war. Natürlich hatte ich mich schon früher oft mit Afrika beschäftigt. Aber deine Vorstellungen werden  total auf den Kopf gestellt, wenn du plötzlich mitten drin stehst und Afrika hautnah erleben kannst. Wie kam´s dazu?

Zu Beginn der Fastenzeit 1997 wurde die bundesweite Misereor-Fastenaktion in Eichstätt eröffnet. Aus allen Erdteilen kamen Vertreter und machten unsere kleine Bischofsstadt für ein Wochenende zum Mittelpunkt der Weltkirche. Dabei konnte ich Charles Palmer-Buckle kennen lernen, den damaligen Bischof von Koforidua, einer Provinzhauptstadt im westafrikanischen Staat Ghana. Mit seiner sympathischen, offenen und gewinnenden Art suchte er vor allem Kontakt zur Jugend und gewann auch schnell unsere Herzen (bei der MISEREOR-Party am Samstagabend ergriff er spontan ein Mikrofon und sang mit der Soul-Band einen Gospel). Er erzählte uns von dem noch relativ jungen Jugendverband COSRA (Catholic Organisation for Social and Religious Advancement) in seiner Diözese. Ein Referent von Misereor erwähnte schließlich dem Erwin Krottenthaler (damaliger BDKJ-Referent) und mir gegenüber verschiedene Zuschussmöglichkeiten für internationale Jugendpartnerschaften. Und schon war eine neue Idee geboren…

Eugen Hartleitner, Thomas Kienast, Michael „Charly“ Eichenseer und ich beschlossen darauf hin unseren Sommerurlaub in Ghana zu verbringen. Erstes Ziel der Reise: Land, Leute und vor allem Vertreter von COSRA-Koforidua kennen lernen und ihnen von unserer Idee erzählen. Meine drei Freunde hatten sich schon eine Woche vor mich auf die Reise gemacht und diverse Abendteuer erlebt. Eugen holte mich am Flughafen der ghanaischen Hauptstadt ab und half mir mit seinem einwöchigen Vorsprung an Afrika-Erfahrung in dieser fremden Welt anzukommen. Am nächsten Morgen machten wir uns in einem klapprigen Tro-Tro-Bus auf die vierstündige Fahrt nach Koforidua. Unmittelbar vor dem Schlusssegen der Sonntagsmesse erreichten wir die Kathedrale. Sie war bis zum Bersten gefüllt mit Gläubigen, alle in farbenprächtigen Kleidern. Verschiedene Gruppen brachten gerade ihre Kollekten in nicht enden wollenden Prozessionen tanzend und singend an den Altar. Bischof Charly hat uns gleich entdeckt, vom Altar aus zugewunken und noch im Gottesdienst der Gemeinde vorgestellt. „Akwaaba – Wellcome“ schallte es uns wieder von allen Seiten entgegen.

Dann ging alles wie im Traum. Der Bischof wollte uns natürlich auf alle Fälle in seinem Bischofshaus für die nächsten Tage als Gast beherbergen. Persönlich zeigte er uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Provinzhauptstadt. Am nächsten Tagen stießen Charly und Thomas zu uns. Und schließlich war auch das erste Treffen mit COSRA-Vertretern. Wir lernten uns kennen, erzählten uns gegenseitig von der kirchlichen Jugendarbeit in unseren Diözesen und von den Verbänden BDKJ und COSRA. Erste Ideen einer Partnerschaft wurden ausgetauscht. In den nächsten Tagen zeigten uns die neuen Freunde alles, was uns interessierte: ein Berufsbildungszentrum für Mädchen, eine Schreinerei der Steyler-Missionare, die kirchlichen Schulen, das Priesterseminar… Aber vor allem auch die Sehenswürdigkeiten der Stadt und des Umlandes. Schließlich begleiteten sie uns sogar noch die nächsten Wochen und zeigten uns die Stadt Kumasi, das kulturelle Zentrum der Ashanti, die Küste Ghanas und die Hauptstadt Akkra. Und alles, obwohl es gar nicht geplant worden war. Sie ließen einfach alles liegen und waren voll und ganz für uns da.

Akwaaba – Welcome – Willkommen. Menschen haben sich füreinander interessiert. Wer sie sind, wie sie leben, was ihnen wichtig ist, was ihre Sorgen und Freuden sind. Sie haben einander von sich erzählt. Sie haben miteinander das Leben geteilt. Sie haben sich gegenseitig willkommen geheißen. Sie waren Gäste und gleichzeitig Gastgeber. Und so eröffneten sich neue Welten, entstand eine Partnerschaft, ja mehr noch, eine Freundschaft, die bis heute (über 16 Jahre!) hält. Inzwischen ist die Partnerschaft längst institutionalisiert: Vor zwei Wochen feierte der AK Ghana des BDKJ im Bistum Eichstätt sein 15-jähriges Jubiläum.

Mehr zum Thema: Voneinander lernen – von Kontinent zu Kontinent (Bericht der Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt)