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Olivia Ermel aus Wendelstein hat im Juni 2017 die Schule mit dem Abitur abgeschlossen. Jetzt macht sie für vier Monate einen Freiwiligendienst in Ostafrika. Sie lebt nun in Tansania in Musoma, einer Stadt am Victoriasee, im Jipe Moyo Center.

Worauf es im Leben ankommt

Meine Ankunft in Musoma, Tansania, war überwältigend – so viele Eindrücke auf einmal. Als die Kinder des Jipe Moyo Centers die Landung meines Flugzeugs sahen, rannten sie anscheinend zum Flughafen. Dementsprechend wurde ich auch begrüßt: von allen Seiten Umarmungen und “Karibu“ ’s („Willkommen“ in Suaheli). Das Leben sprüht hier im Jipe Moyo Center förmlich. Lachen und Tanzen scheint eine der Lieblingsbeschäftigungen zu sein, sobald die Kinder erst einmal richtig im Center angekommen sind.

Die Kinder Lachen und Tanzen gerne. Foto: Olivia Ermel

Ich bin nun seit drei Wochen im Jipe Moyo Center und habe das Gefühl, dass ich hier sehe, worauf es im Leben wirklich ankommt. Das Jipe Moyo Center ist ein Zufluchtsort für schutzbedürftige Kinder, die vor der Genitalverstümmelung, Vergewaltigung oder Obdachlosigkeit flüchten. Hier können sie sich in Sicherheit wissen, es wird ihnen keine Gewalt angetan und sie bekommen zu Essen und zu Trinken. Außerdem wird ihnen ermöglicht, in die Schule zu gehen und sie bekommen medizinische Versorgung. Ebenso wichtig ist für die Kinder die Gemeinschaft, das Miteinander und zusammen Lachen. Man kann wirklich von einer Familie sprechen, in der sich die Kinder respektiert und geborgen fühlen können. Es ist schön zu sehen, wie herzlich und freundlich hier miteinander umgegangen wird und wie viel Spaß die 54 Mädchen und 10 Jungen an einfachen Dingen wie Singen, Tanzen und Zusammensein haben können.

Freude über entwickelte Fotos von den Kindern. Foto: Olivia Ermel

Leider ist das Center abhängig von Spenden, sodass der Ausbau des Hauses der Mädels und die Renovierung des Schlafplatzes der Jungs noch nicht ermöglicht werden kann. Die Betten der Mädchen stehen sehr eng beieinander, so dass eine große Ansteckungsgefahr bei Krankheit vorliegt. Die Jungen duschen aktuell noch hinter dem Haus. Zudem essen die Kinder draußen, weshalb der Wunsch eines Essens- und Aufenthaltsraumes besteht.

Schlafzimmer der Mädchen. Foto: Olivia Ermel

Die Anschaffung eines Fahrzeuges, mit dem gleichzeitig mehrere Kinder zum Arzt gebracht werden können, steht auch auf der To-Do-List. Ebenso wird hier gehofft, dass man das Geld aufbringen kann, um Kinder, die ihre Eltern verloren haben, im Fernsehen oder Radio zu erwähnen. Bevor dies alles erreicht werden kann, müssen jedoch immer die Kosten für Nahrung, Wasser, Schulbildung und Gesundheit gedeckt werden. Dies hat selbstverständlich Priorität.