Alle Beiträge von Maria Anderl

Maria Anderl, 25, ist in St. Sebald/Nürnberg-Altenfurt aufgewachsen. Nach dem Studium der Theologie und Sozialen Arbeit in Benediktbeuern und Bonn arbeitet sie als Sozialpädagogin in einer Kinderdorf-Familie im Caritas-Kinderdorf Irschenberg. Sie nahm im März 2013 als deutsche Vertreterin am 1. Internationalen Treffen junger Katholiken für Soziale Gerechtigkeit in Rom teil, welches die Gründung einer internationalen Jugendvertretung im Vatikan vorbereitet. Maria Anderl besuchte bereits mehrmals die Taizé-Gemeinschaft in Frankreich und nahm an den Europäischen Jugendtreffen über Sylvester in Genf (2007/2008), Rotterdam (2010/2011), Berlin (2011/2012) und Rom (2012/2013) teil.

Taizé-Treffen: „Und mit euch gehen in ein neues Jahr“

Nach dem üblichen Tagesprogramm mit den zentralen Gebeten in mehreren Hallen auf dem Messegelände, im Münster und der Pauluskirche wurde der Sylvesterabend in den Gastgemeinden gefeiert. Um 23 Uhr versammelten sich Gäste und Gastgeber zu einem gemeinsamen Gebet für den Frieden in der Welt. Das neue Jahr wurde dann gebührend mit dem „Fest der Nationen“ begrüßt. Die Gastgeber bewirteten uns mit diversen Leckereien. Und alle Gruppen aus den verschiedenen Nationen boten mit landestypischen Gesängen, Spielen und Tänzen ein buntes Programm – eine gute Gelegenheit, sich auf einer anderen Ebene noch besser kennen zu lernen und ins Gespräch zu kommen. Die Zeit verging wie im Flug und es war deutlich zu spüren, dass alle gerne noch länger geblieben wären.

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Am Neujahrsmorgen kamen dann Gäste und Gastgeber aus der hiesigen evangelischen Gemeinde hinzu und wir feierten gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst. Frère Alois hat in diesen Tagen immer wieder sehr eindringlich zur Versöhnung unter den getrennten Christen aufgerufen: „Gegenwärtig sind wir dabei, uns lediglich mit einer Haltung von Toleranz zufriedengeben. Aber Christus will uns in einen einzigen Leib zusammenführen. Ich weiß nicht, ob ich die rechten Worte finde, aber ich möchte den Christen der verschiedenen Kirchen folgende Frage stellen: Müssen wir nicht zur gegebenen Zeit unseren ganzen Mut zusammennehmen und „unter ein Dach“ ziehen, ohne noch länger zu warten, bis in allen theologischen Fragen eine Einigung erreicht ist?“

Als Wege hin zur Einheit in Christus nannte Frère Alois einerseits das gemeinsame Gebet, andererseits den Dienst an den Ärmsten. Er sagte: „Gibt uns Papst Franziskus nicht dadurch die Richtung für uns alle vor, dass er der Verkündigung der Barmherzigkeit Gottes die höchste Priorität einräumt? Versäumen wir nicht den uns geschenkten Moment, um die sichtbare Einheit all derer zum Ausdruck zu bringen, die Christus lieben.“

Das Mittagessen in den Gastfamilien gab uns Jugendlichen zu guter letzt die Möglichkeit, mit den Gastgebern gemeinsam Zeit zu verbringen. Dafür blieb zuvor oft nur wenig Raum, da wir immer erst gegen 23 Uhr aus Strasbourg mit Sonderbussen zurück kehrten.
Danach hieß es dann leider auch schon wieder Abschied nehmen. Die gemeinsamen Tage waren eine große Bereicherung für alle – sowohl für die 30.000 jungen Menschen aus ganz Europa als auch für die Gastfamilien. Voller Dankbarkeit kehren wir nun nach Hause zurück und versuchen vor Ort die Solidarität weiter zu leben und „Pilger des Friedens und des Vertrauens“ (Frère Alois) zu sein.

Taizé-Treffen: Gast-Freundschaft

Bei diesem Treffen freuen wir uns besonders über die großherzige Gastfreundschaft der Menschen in Straßburg, dem Elsass und der Ortenau. Ausnahmslos alle Teilnehmer konnten in Gastfamilien untergebracht werden. Dies ist nach den letztjährigen Erfahrungen in Rom, wo tausende Jugendliche in Massenunterkünften (und gar in den Messehallen) schlafen mussten, besonders bemerkenswert.

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In diesen Tagen geht es immer wieder um das Thema Freundschaft – Freundschaft in der ganzen Menschheitsfamilie, über alle sprachlichen, kulturellen oder religiösen Grenzen hinweg. Einen weiteren Aspekt dieser Freundschaft durften wir heute bei einem Workshop in der Großen Moschee von Straßburg kennen lernen, wo wir einen lebendigen Einblick in den interreligiösen Dialog erhielten.

Heute Abend wurde bekannt gegeben, wo das nächste Treffen über den Jahreswechsel 2014/2015 statt finden wird: im Zentrum Europas, in Prag. Tschechische Kirchenvertreter brachten sofort ihre Freude zum Ausdruck und hoffen, dass zahlreiche junge Menschen ihre Einladung annehmen.

Taizé-Treffen: Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde

Auch am heutigen Tag machten wir uns auf eine weitere Etappe des Pilgerweges des Vertrauens auf der Erde. Am Morgen feierten wir in unserer Gastgemeinde gemeinsam Messe, in der uns das heutige Sonntagsevangelium mit dem Heiligen Joseph ein Vorbild des Vertrauens präsentierte. Im Anschluss daran fanden sich erstmals die internationalen Gesprächsgruppen zusammen.

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Am Nachmittag gab es dann in Strasbourg eine Vielfalt von Angeboten. Ich besuchte einen Workshop mit Ann Power-Forde, einer Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zum Thema „Menschenrechte und Gerechtigkeit: Persönliches Gespräch über die Herausforderung, Christ zu sein.“ Sie sprach über die Menschenrechtskonvention, die mittlerweile von 47 Nationen unterzeichnet wurde, und betonte die Würde jedes einzelnen Menschen. Einen besonderen Fokus legte sie auf folgende Fragen: Wie kann ich die Rechte anderer Menschen respektieren? Und wie kann ich den Weg Jesu leben, auch wenn meine eigenen Rechte verletzt werden? Besonders bewegend fand ich die daran anschließenden spontanen Zeugnisse und Fragen von einigen Teilnehmern – etwa von einem ehemaligen Inhaftierten. Ein Jugendlicher aus der Ukraine berichtete von der schwierigen politischen Situation in seiner Heimat und beklagte, dass die korrupte Regierung die Menschenrechte nicht beachtete. Viele Fragen blieben im Raum stehen, auf die es keine einfachen und schnellen Antworten gibt, die uns weiter beschäftigen und herausfordern. Immer wieder werden wir hier ermutigt, nicht zu resignieren und angesichts der eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit aufzugeben, sondern den Mut zu haben, gerade unsere kleinen und begrenzten Möglichkeiten zu nutzen und so Schritt für Schritt die Welt zu verändern.

Am Ende des Abendgebets teilte Frère Alois seine Erfahrungen in Asien – dem Kontinent, auf dem im zurückliegenden Jahr eine wichtige Etappe auf dem Pilgerweg des Vertrauens stattfand. In allem Leid und allen Krisen scheint auch hier immer wieder große Hoffnung durch den Glauben an Jesus Christus auf: „Auch wenn er der Sohn Gottes war, hat er das Schweigen Gottes selbst erfahren. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er die ganze Tragik unseres Lebens, unsere Niederlagen, unsere Fehler und die Gewalt, die in uns liegt, auf sich genommen. Selbst in der tiefsten Nacht hat Jesus noch an die Liebe Gottes geglaubt. So kann er uns führen; nicht dass uns dadurch die Dunkelheit erspart bliebe, sondern er möchte sie mit uns zusammen durchstehen und uns die unsichtbare Gegenwart des Heiligen Geistes zusichern. (…).“

Die Christen sind laut Frère Alois fast überall in Asien in der Minderheit. „Aber viele sind dort, wo sie leben, ein Sauerteig des Friedens und der Freiheit. Ich habe dies in Myanmar, in Indien und in China gesehen. Diesen Christen zu begegnen, schenkt einem neuen Mut; und das möchte ich euch weitergeben. (…) In Nordkorea konnten wir nur das Schweigen derer teilen, die eine Veränderung erhoffen. Beten wir für die Menschen in diesem Land!“

Viele junge Menschen stehen jeden Abend lange an, um am Kreuz zu beten, ihre Stirn auf das Kreuz zu legen und all ihre persönlichen Sorgen und Nöte, aber auch die Probleme unserer Welt zu Jesus ans Kreuz zu bringen – zu IHM, der für uns Mensch geworden ist.

Taizé-Treffen – Grenzen er-fahren

Heute ging es endlich richtig los, das Taizé-Treffen in Strasbourg, dem Elsass und der Ortenau. Bereits viermal haben wir heute die deutsch-französische Grenze im wahrsten Sinne des Wortes er-fahren – diese Grenze, die ein charakteristisches Merkmal dieses Taizé-Treffens darstellt.

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Frère Alois beschrieb dies in seiner heutigen Abendansprache folgendermaßen:
„Wir sind als Pilger des Friedens und des Vertrauens hierher nach Straßburg gekommen, in diese Stadt und in diese Region Europas, die nach den schrecklichen Kriegen des 20. Jahrhunderts zu einem Symbol der Versöhnung geworden ist.“

Am frühen Morgen brach ich von Nürnberg aus auf. Wie passend, dass ein Großteil der Strecke exakt die gleiche Route ist wie bei den Pilgerfahrten der Diözese Eichstätt nach Taizé. In Karlsruhe traf ich mich dann mit einer Freundin und gemeinsam überfuhren wir zum ersten Mal die deutsch-französische Grenze, um uns in Strasbourg beim allgemeinen Empfang anzumelden. Anschließend ging es zurück nach Deutschland, da unsere Unterkunft auf der deutschen Rheinseite in Offenburg liegt. Nach dem Empfang in der Gastgemeinde und der Gast-WG fuhren wir dann erneut mit speziellen Pendelbussen nach Strasbourg zum Abendessen und Abendgebet.

Mitten in diesem bunten Durcheinander von jungen Menschen aus den verschiedensten Ländern Europas trafen wir auch gleich die ersten bekannten Gesichter. Auf dem Rückweg in unsere Unterkunft überschritten wir die Grenze dann zum 4. Mal. Für unsere Generation ist diese problemlose und unkomplizierte Überwindung der Grenzen selbstverständlich, sie macht uns in diesen Tagen aber neu bewusst, wie dankbar wir dafür sein können. Ich hoffe, dass wir in diesen Tagen die Grenze nicht nur er-fahren, sondern auch immer neu dazu beitragen, Grenzen zu überwinden und die europäische Einigung voranzutreiben!