Alle Beiträge von Johannes Haas

P. Johannes Haas OSFS ist Hochschulpfarrer in Eichstätt und Ingolstadt. Zu Johannes XXIII. veröffentlichte unter anderem die Bücher Vision und Vertrauen. Zur Konzilsidee von Papst Johannes XXIII. (1990), Lieber „Papa buono“. Briefe an Papst Johannes XXIII. (2000) und Frischer Wind für die Kirche (2013). Er feiert am Sonntag, 26. April, 10.45 Uhr im Salesianum Eichstätt zeitnahe zur Heiligsprechung ein Gottesdienst zum Thema „Zwei, die die Kirche belebt und die Welt bewegt haben: Johannes XXIII. und Johannes Paul II.“

Im Blick: Thérèse Mema, Shalom-Preisträgerin 2015

Unser Blick richtet sich auf die diesjährigen Shalom-Preisträgerin Thérèse Mema. Mit ihr auf ihr Land Kongo, auf Brennpunkte in ihrer Heimat. Wir sehen sie in ihren „brennenden Anliegen“, was ihr auf dem Herzen liegt, ihr auf der Seele lastet, ihr „unter den Nägeln brennt“. Wir sehen sie, die junge Sozialpädagogin, in ihrem Engagement für Menschen, die Opfer anderer Menschen werden, verwundet am Leib, verletzt in der Seele, vergewaltigt in ihrer Würde als Frauen, wehrlose Opfer von brutaler Gewalt: Sklaven 2015, Kinder-Soldaten, Frauen, Männer. Traumatisiert.

Thérèse eröffnet Trauma-Zentren: Räume, in denen Traumata heilen können, zerstörte Träume begraben werden, Räume für neue Träume, zaghafte Pflanzen von Erfahrungen: Leben ist mehr als Leiden, Zukunft anders als Vergangenheit, Lichtblicke jenseits von Schattenseiten.

Die Shalom-Aktion lenkt unsere Blicke auf Menschen, mit denen Thérèse Mema Wege geht – von Altem zu Neuem, von Traumata zu Träumen, klein wie Samenkörner, in denen Gottes Traum von uns Menschen leben will. Gott will nicht, dass Menschen Opfer von Menschen werden. Gott hat uns nicht als Täter geschaffen, die andere unterdrücken, beherrschen, versklaven, ausbeuten, Hoffnungen ersticken, Räume einengen, Träume zerstören.

Gott will in seinem Sohn seine Schöpfung erneuern. Paulus: „Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine Neuschöpfung: das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“ (2 Kor 5,17)

Thérèse Mema begleitet Menschen vom Altem zum Neuen, von Leben in Gewalt zu gewaltfreiem Leben, von Verwundungen zu Wunden, die ausheilen, vom Trauma zum Traum. Trauma-Zentren sind Orte, an denen Altes vergehen, Neues entstehen kann. „Orte zum Zuhören“. Herz-Orte.

Thérèse Mema, ihr Mann (links), Pater Haas und das Kreuz aus aus Kugeln von Kinder-Soldaten. pde-Foto: Geraldo Hofmann
Thérèse Mema, ihr Mann (links), Pater Haas und das Kreuz aus aus Kugeln von Kinder-Soldaten. pde-Foto: Geraldo Hofmann

In Thérèse erleben wir „jemand in Christus“. In Ihm steht sie an der Seite von Menschen, mit Ihm geht sie Wege zur Heilung. Mit dem „Heiland“ eröffnet sie heilsames Neuland. Er, der in Therese an der Seite von Menschen steht, steht heute vor uns in einem Kreuz aus Angola. Ein Kreuz aus Kugeln von Kinder-Soldaten. Erinnerung an Kindheit in Gewalt, an Kinder im Krieg. Kugeln, die töten, werden zum Kreuz, zum Zeichen für Leben. Im Gekreuzigten schreit Gott in die Welt: Nicht den Tod will ich, sondern das Leben. Nicht Gewalt, sondern gewaltfreien Umgang miteinander. Nicht Ausbeutung der Schöpfung, sondern schöpferische Entfaltung. Nicht Schuften zum Hungerlohn unter der Erde, sondern gerechten Lohn für Arbeit auf dieser Erde. Nicht Leben im Schatten, sondern Leben im Licht.

Dieses Kreuz hat Papst Benedikt gesegnet und als Zeichen für Frieden gesendet. Von Rom nach Aachen, von Eichstätt in den Kongo ist dieses Kreuz unterwegs. Über missio zur Shalom-Aktion, von der Shalom-Preisträgerin in ihre Heimat. Das Kreuz-Zeichen: ein Zeichen für Wege von altem zu neuem Leben. Ein Zeichen für die Botschaft: Wer in Christus ist, ist eine Neuschöpfung. Wer im Heiland verwurzelt ist, ist gerufen und gesandt, dazu beizutragen, dass neue Schöpfung entsteht.

(Gedanken aus der Predigt zum Shalom-Gottesdienst im Salesianum Rosenthal am Sonntag, 21. Juni 2015, in Anwesenheit von Thérèse Mema)

Thérèse Mema, links neben ihr missio Aachen-Präsident Dr. Klaus Krämer, rechts neben ihr OB Andreas Steppberger, ganz rechts Prof. Dr. Markus Eham, daneben Bischofsvikar Georg Härteis. Foto: Lukas Hanreich/AK Shalom
Thérèse Mema, links neben ihr missio Aachen-Präsident Dr. Klaus Krämer, rechts neben ihr OB Andreas Steppberger, ganz rechts Prof. Dr. Markus Eham, daneben Bischofsvikar Georg Härteis. Foto: Lukas Hanreich/AK Shalom

 

Anmerkung der Redaktion
Der Shalom-Preis, einer der renommiertesten Menschenrechtspreise in Deutschland, wurde am Samstag, 20. Juni, in Eichstätt an Thérèse Mema verliehen. Das Preisgeld kommt ausschließlich aus Spenden und fließt zu 100 Prozent in ein Projekt, das die Preisträger selbst vorschlagen. In den vergangenen Jahren kamen regelmäßig jeweils mehr als 20 000 Euro zusammen. Wer für die Aktion 2015 spenden möchte, kann das bis September tun. Die Bankverbindung lautet: Katholische Hochschulgemeinde, Konto 1 09 62 03 20 bei der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, BLZ 721 608 18, IBAN: DE34721608180109620320, Stichwort „ShalomAktion 2015“.

Heilig – mit Hirtenstab und Besen

Franz von Sales war sein Lieblingsheiliger, er ist mein Lieblingspapst: Johannes XXIII. Als Oblate des hl. Franz von Sales entdecke ich ihn in seiner Spiritualität und Pastoral. Wie er wünsche ich mir eine Kirche, die wie ein Garten voll blühendem Leben ist, nicht wie ein Museum.

Mit Johannes Paul II. bin ich als junger Priester aufgebrochen. Bei seinem Besuch in Bayern, beim Europäischen Jugendtreffen in Rom, auch bei der Seligsprechung von Johannes XXIII.

Zwei Päpste, die die Kirche belebt und die Welt bewegt haben. „Jonny Walker“, wie ihn die Römer nannten, und Johannes Paul, der in vielen Ländern den Boden küsste, mögen als Heilige dazu beitragen, dass wir Kirche auf dem Boden der Menschen sind. „Man kann mit einem Hirtenstab in der Hand heilig werden, aber ebenso mit einem Besen.“ (Johannes XXIII.)

Zur Seligsprechung von Johannes XXIII. habe ich folgendes Gedicht geschrieben, das sieben Briefe an den „papa buono“ zusammenfasst:

Selig bist du, Kirche!

Selig bist du, Kirche,
denn in Kindern wirst du neu geboren.
Kinder schenken dir Neugeburt.

Selig bist du, Kirche,
denn Jugendliche sind
in deinen alten Adern frisches Blut.

Selig bist du, Kirche,
denn auch heute sind viele berufen
und nicht wenige leben ihre Berufung.

Selig bist du, Kirche,
denn du wächst in Menschen,
die in dir Verantwortung übernehmen.

Selig bist du, Kirche,
denn in Krisen wirst du, was du bist:
Mutter in Geburtswehen.

Selig bist  du, Kirche,
denn in der Erfahrung deines Alters
liegen Schätze verborgen.

Selig bist du, Kirche,
denn in dir lebt ER,
der tot war und lebendig ist.

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