Alle Beiträge von Johann Limbacher

Johann Limbacher stammt aus Treuchtlingen und wurde 1965 für die Diözese Eichstätt zum Priester geweiht. Neben Einsätze in der Pfarrseelsorge war er knapp zehn Jahre lang Diözesanjugendseelsorger. Von 1971 bis 1975 nahm er als gewählter Vertreter an der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland in Würzburg teil. Drei Eichstätter Bischöfen diente er als Generalvikar: Bischof Karl Braun 1989, Bischof Walter Mixa 1996 und Bischof Gregor Maria Hanke 2006. Während der Sedisvakanz 2005/2006 leitete Johann Limbacher als Diözesanadministrator die Diözese Eichstätt. Vom 1997 bis 2010 war er Dompropst des Eichstätter Domkapitels.

Ökumene – ein wichtiger Auftrag für eine zeitgemäße Pastoral

Wenn man den Beginn der sogenannten „Ökumenischen Bewegung“ mit der hauptsächlich von evangelischen Christen getragenen Weltmissionskonferenz von Edinburgh 1910 markieren will, dauerte es zunächst einige Jahrzehnte, bis die katholische Kirche sich dieser Bewegung anschließt.

Die Instruktion der Kongregation des Heiligen Offiziums in Rom stellt noch am 20. Dezember 1949 fest, dass die katholische Kirche an den ökumenischen Kongressen und anderen derartigen Tagungen nicht teilnimmt, dass aber offizielle Glaubensgespräche und eine Zusammenarbeit der Christen im sozialen Bereich nicht ausgeschlossen seien.
Im Rückblick auf diese Vorgeschichte war es ein höchst erstaunlicher und erfreulicher Vorgang, dass am 21. November 1964 das Ökumenismusdekret des II. Vatikanischen Konzils verabschiedet wurde, das alle katholischen Gläubigen ermahnt, „dass sie die Zeichen der Zeit erkennend, mit Eifer an dem ökumenischen Werk teilnehmen sollen“. In dem Bemühen, die Ergebnisse dieses Konzils in der konkreten Situation der Bistümer in der Bundesrepublik umzusetzen, war es nur folgerichtig, dass sich die „Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland“ im Jahre 1975 selbstverständlich auch mit dem Thema Ökumene befasste. Das Dokument dieser Synode „Pastorale Zusammenarbeit der Kirchen im Dienst an der christlichen Einheit“ beschreibt nicht nur die konkrete Situation, sondern gibt auch wertvolle Anregungen für die Umsetzung des genannten Konzilsbeschlusses in den einzelnen Bistümern und in den Pfarreien.

Erinnert werden darf auch an die Verabschiedung der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre am 31. Oktober 1999. Die Überwindung gegenseitiger Lehrverurteilungen und die Formulierung eines gemeinsamen Bekenntnisses zwischen den Lutheranern und Katholiken war ein großer Schritt nach vorne.
Freilich haben wir die volle Einheit noch nicht. Auch das müssen wir redlicherweise sagen. Große Unterschiede gibt es nach wie vor im Kirchenverständnis und im Amtsverständnis. Ohne die Lösung der kontroversen Themen wird es eine Einheit der Kirchen nicht geben können.

Gleichwohl kann schon jetzt viel Gemeinsamkeit der Christen in der Öffentlichkeit verwirklicht werden, zum Beispiel im gemeinsamen Gebet und im gesellschaftlichen Engagement aus christlicher Motivation.

Die größten Fortschritte in der Ökumene sind derzeit wohl durch gemeinsame Glaubenserfahrungen der Kirchen zu erreichen. Papst Benedikt XVI. hat es am 21. September 2011 anlässlich seines Besuches in Deutschland im Augustinerkloster in Erfurt als zentrale ökumenische Aufgabe der Kirchen bezeichnet, sich gegenseitig zu helfen, „tiefer und lebendiger zu glauben“. Diese Aussage hat nach wie vor höchste Aktualität.

Über längere Zeit habe ich im Dienst unserer Diözese immer wieder an Gesprächen teilnehmen dürfen zwischen dem früheren Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter, und dem damaligen evangelischen Landesbischof Johannes Friedrich. Ich bin dankbar für diese Erfahrungen, für die Freundlichkeit mit der man sich begegnet ist, für den Ernst, mit dem offene Fragen erörtert wurden, für das gemeinsame Vertrauen, dass der Heilige Geist Gottes seine Kirche auf den rechten Weg führen wird.
Ich gehe davon aus, dass unter den jetzigen Verantwortlichen in Bayern und neuerdings auch in der Bundesrepublik Deutschland, Reinhard Kardinal Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, das gute Einvernehmen weiterbesteht und so die Bemühungen für weitere Gemeinschaft fortgesetzt werden.

Die Motivation zum Engagement für die Einheit im Glauben kommt nicht aus unserer menschlichen Nähe zueinander, die Motivation ist der Auftrag Jesu selbst.
Das große Anliegen unseres Herrn Jesus Christus, „dass doch alle eins sind“ wird unseren Weg in die Zukunft motivieren.

Je mehr wir uns um die Botschaft Jesu bemühen, umso näher kommen wir einander.

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