Alle Beiträge von Gerhard Rott

Gerhard Rott arbeitet im Referat Weltkirche der Diözese Eichstätt. Zu seinen zentralen Aufgaben gehören die Förderung weltkirchlich-solidarischen Bewusstseins, die Bistumspartnerschaften mit Poona in Indien, den acht Diözesen in Burundi mit Schwerpunkt Gitega und Leitmeritz in Tschechien. Er konzipiert und organisiert die Kampagnen der weltkirchlichen Hilfswerke in der Diözese Eichstätt, ist Ansprechpartner für die Missionare und Entwicklungshelfer aus diesem Gebiet und berät kirchliche Gruppen und Verbände bei ihren Aktivitäten. An der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat er einen Lehrauftrag im Bereich “Internationale Soziale Arbeit”.

Jugendliche als Akteure des Wandels

„Este es mi barrio“ ist eine in meinen Ohren sehr melodische Liebeserklärung an die Heimat, es wurde komponiert von Pater José Daniel Vallecillos und bildet den emotionalen Abschluss aller Vorträge, die Erika Torres in den letzten Wochen gehalten hat. Dabei hat die 26-jährige Sozialarbeiterin aus El Salvador, dem Beispielland der Misereor Fastenaktion 2019, sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, wie sie in ihrer Arbeit für die Stiftung Fundasal das Prinzip der Orientierung an den Stärken und Potentialen von jungen Menschen umsetzt.

Typisch für das bei uns vorherrschende Bild von Jugendlichen in El Salvador ist das Ergebnis einer Blitz-Recherche von Studentinnen und Studenten an der Katholischen Universität in Eichstätt-Ingolstadt. Es lautet: Bandenkriminalität!

Doch Erika Torres muss ihre Zuhörer enttäuschen. Sie sieht nicht die Defizite, sie setzt bei den Fähigkeiten und Interessen an. Zugleich rottet sie damit einen der Hauptgründe für die Migration vieler junger Menschen in Richtung USA aus. Bei Fundasal lernen die Jugendlichen nämlich, mit einer indigenen Technik Ziegel herzustellen und diese für den Bau der eigenen Häuser zu verwenden. Gleichzeitig öffnet ihnen das Erlernte Chancen, ein eigenes Einkommen zu generieren oder sich gegenseitig zu helfen. Doch das Konzept von Fundasal ist viel umfassender, es begnügt sich nicht mit der Vermittlung handwerklicher Kompetenzen. In dem von Misereor unterstützten Projekt werden auch die eigene Lebensgestaltung, der Zusammenhalt in der Gruppe und das gesellschaftliche Engagement geschult. Besonders auf den letzten Punkt legt Erika Torres ihren Schwerpunkt.

Ziegelherzustellung mit einer indigenen Technik. Foto: Schwarzbach/Misereor

Dieser Punkt ist ihr sehr wichtig, „die Schulung von Jugendlichen als Akteure des Wandels“, des gesellschaftlichen Wandels um noch genauer zu sein. Ermuntert fühlt sie sich dabei von Papst Franziskus, der zuletzt beim Weltjugendtag in Panama die jungen Menschen aufrief, sich aktiv für die Erhaltung des gemeinsamen Hauses, unserer Erde, und der Menschen, die darauf leben, einzusetzen. Fundasal schafft Räume und Gelegenheiten, damit junge Menschen ihre Themen und Anliegen zum Ausdruck bringen können. Ihre Argumente werden ernst genommen, ihre Lösungswege verdienen Respekt. „Friday for future“ lässt grüßen. So entsteht eine Identität, die sich an die Heimat gebunden fühlt und hier auch Perspektiven schaffen will. Nicht passiv auf Hilfe von außen wartend, sondern aktiv, mit dem, was man selbst zur Verfügung hat. Auf die Rückfragen aus dem Publikum beim abendlichen Vortrag in einer Pfarrei in Nürnberg-Langwasser bringt Erika Torres ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass auch die Kirche diesen Weg der Selbstorganisation in der Jugendpastoral mehr berücksichtigt. So könne es gelingen, die Kirche wieder mit der Jugend zusammen zu bringen und einen lebensorientierten Dialog zu beginnen.

Und natürlich kommt die Frau aus El Salvador damit auch auf den 1980 ermordeten Erzbischof Oskar Romero zu sprechen. Der Heilige habe in seinem bischöflichen Wirken immer wieder versucht, die Kirche in Kontakt zu bringen mit den Menschen, die sich eher an den Rändern befinden.

Torres nimmt auch etwas mit von ihrem Aufenthalt in Eichstätt. Ein Stück Jura-Marmor, mit einer kleinen Versteinerung. Beim nächsten Haus, das mit Hilfe von Fundasal gebaut wird, wird es ein Teil den Bodens, es soll zum Ausdruck bringen, dass durch ihren Besuch auch eine symbolische Verbindung entstanden ist und die jungen Menschen in El Salvador auf unsere Solidarität bauen können.

Im Liedertext des eingangs erwähnten Liedes werden übrigens nicht nur die tollen Seiten besungen, sondern auch die Schattenseiten. Zum Beispiel die kaputten Dächer oder der Dreck im Fluss. Aber das gehört dazu, es klingt nicht resignativ, sondern will Mut machen, gemeinsam nach besseren Lösungen zu suchen. Keine „Heile-Welt-Phantasie“, sondern eine pragmatische Botschaft der Hoffnung.

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Misereor-Fastenaktion 2019

„Reine Seele trifft aufrichtigen Mann“ oder was man in fünf Tagen in Albanien alles lernen kann

Vier Lektionen habe ich kürzlich bei einer Reise mit dem bischöflichen Hilfswerk für Osteuropa, Renovabis, das in diesen Tagen sein 25 jähriges Bestehen feiert, lernen dürfen. Die Überschrift wird sich allerdings erst am Ende aufklären.

Folter politischer Gegner bis hin zu ihrer Liquidierung und das absolute Verbot der Religionen gehören zur Geschichte Albaniens. Wie jedes Land, das solch ein dunkles Kapitel geschrieben hat, tut es sich schwer mit einem würdigen Umgang mit den Opfern und deren Nachkommen. Auch die fachliche Aufarbeitung fällt nicht leicht. Gut das Justitia & Pax vor Ort den Verfall wichtiger Mahnmahle verhindert. Kein leichter Kontext für Renovabis. Aber dank der guten Projektpartner gelingt es, Versöhnung und soziale Verantwortung zu entwickeln.

Lektion 1: Gute Partner und ein vertrauensvoller Umgang sind immer wichtig.

In der kleinen Stadt Shelqet in der Diözese Sapa setzt die Kirche auf Unterstützung kleinbäuerlicher Familien und hilft bei Produktion und Vermarktung regionaler Produkte. Hier besuchte die RENOVABIS-Gruppe eine kleine Milchfarm, die mit Unterstützung des Hilfswerks traditionellen Feta-Käse produziert: (v.r.n.l.) Sabine Slawik, Stellvertretende Vorsitzende des KDFB Bayern und im KDFB Bundesverband, Shkelzen Marku, Produktionsmanager der Diözese, Gerhard Rott, Weltkirche-Referent der Diözese Eichstätt, Käseproduzentin Adelina, Tome Preku, Leiter der Stiftung „Partnerschaft für Entwicklung“ und Bischof Simon Kulli der Diözese Sapa. Foto: Dagmar Kusche-Luff

Renovabis fördert und begleitet fachlich ein Projekt zur Entwicklung des ländlichen Raums in der Diözese Sape. Für viele jüngere Menschen gibt es praktisch keine echte Perspektive. Darum verlassen sie – oft mit schwerem Herzen – ihre Heimat. Die kargen Böden, ein ungünstiges Klima und Landparzellen, die zu klein geschnitten wurden nach dem Ende des Kommunismus, sind zum Leben zu wenig. In Zusammenarbeit mit albanischen Fachleuten hat der junge Bischof von Sape, Simon Kulli, ein tolles Projekt auf die Beine gestellt. Es umfasst Gemüseanbau, Imkerei, sanften Tourismus, Weinproduktion und Viehwirtschaft samt Käseproduktion. Viele Menschen stehen so auf eigenen Beinen, sie haben wieder „den Geruch von Menschen“, so hat es ein Imker selbst beschrieben, als er voller Stolz seinen Honig anbot, der ihm wieder ein würdiges Leben ermöglicht. Toll gemacht Renovabis! Vergleichbares passiert auch in vielen geförderten Berufsbildungszentren, zum Beispiel in Shkodra bei den Salesianern Don Boscos oder in Lehza bei den Ordensmännern der Kongregation der Rogationisten.

Lektion 2: Wenn sich der Staat seiner Verantwortung nicht stellt, ist die Kirche mit Rat und Tat an der Seite der Armen und begreift die Ressourcen, die vor Ort gegeben sind, als wichtigen Bestandteil zur Lösungen de Herausforderungen.

Schwester Christine und Schwester Michaela gehören dem Orden der Spirituellen Weggemeinschaft an. Ihr Kloster ist nach der Mutter der Barmherzigkeit benannt und es wird bei aller Professionalität der 25 Mitarbeitenden auch in diesem Geiste geführt. Es vergehen keine 15 Minuten, ohne dass Schwester Christine nicht ihre Ausführungen unterbrechen muss, weil ein Notfall oder ein dringender Anruf ihre volle Aufmerksamkeit einfordern.

Fröhliches Miteinander der RENOVABIs-Gruppe mit den Schwestern Christina (6.v.l.) und Michaela (lks.)  im kleinen Kloster und Sozialzentrum in Dobrac bei Shkodra/Albanien: Zusammen mit einer aufgeweckten Jugendgruppe, die die Schwestern wöchentlich leiten, erfuhr die Gruppe von den Hoffnungen und Träumen der jungen Menschen, die die Gäste aus Bayern mit einem traditionellen albanischen Abend mit Essen, Tanz und Musik überraschten. Foto: Dagmar Kusche-Luff

Da das albanische Gesundheitssystem nur funktioniert, wenn man über genügend Geld verfügt, um die Privatbehandlung zu bezahlen, kommen viel Nachbarn in Not hierher. Es sind Muslime und Christen, die in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft aus den Bergen an den Stadtrand gezogen sind. Dort mussten die Männer als Hirten und Bauern Verantwortung tragen, hier aber „versiffen“ sie. So deutliche Worte wählt Schwester Christine immer, wenn sie über die Folgen von Alkoholismus, Arbeitslosigkeit und Depression spricht. Die Schwestern heilen aber nicht nur Wunden, sie packen mit an und schaffen Perspektiven. Unter ihrer Anleitung bauen die Männer eine Straße, Mülltonnen wurden flächendeckend aufgestellt und regelmäßig erfolgt die Entsorgung. Soweit ein ganz normales Projekt engagierter Schwestern. Aber als Schwester Christine und Schwester Michaele mit uns in kleinen Gruppen zu sehr armen Familien fahren, die z.T. in der sogenannten Blutrache leben und wir uns bemühen, diesen sehr eigenartigen Lebenskompass zu begreifen, fehlen mir die Bezugspunkte. Das bleibt mir fremd und unverständlich.

Besuch im Berufsschulzentrum „Shkolla e mesme profesionale – Shen Jozefi Punetor“ in Rreshen, Diözese Sapa: Hier unterstützt das Bistum Sapa und RENOVABIS eine von einem italienischen Orden begründete Berufsschule für rund 320 Schüler, die in den Bereichen Spenglerei, Elektrotechnik, Automechanik sowie bald auch im Gastronomiesektor ausgebildet werden. Foto: Dagmar Kusche-Luff

Lektion 3: Man kann nur lernen, was man lernen kann. Manches kapiert man nicht so einfach.

Das Zusammenleben von Christen – vorwiegend Katholiken – und Muslimen ist in Albanien auf den ersten Blick sehr unproblematisch. Sicher liegt das auch daran, dass beide Konfessionen während des Kommunismus Seite an Seite schwer gelitten haben. „Es spielt keine Rolle, wer der richtige Gott ist, es gibt einen Gott und das zählt“, sagt eine Gesprächspartnerin. Vermutlich trägt auch die liberale, moderne Auslegung des Islam viel dazu bei.  Auch religionsverbindende Eheschließungen sind eine Realität. Auf unsere Nachfrage lädt man uns ein, mitzukommen und anzuschauen, wie das geht. Da könnten wir vielleicht etwas lernen. Am wichtigsten ist aber der Respekt, den man sich gegenseitig entgegen bringt. Bestes Beispiel ist diese Anekdote: Als ein muslimischer Gelehrter zu seinem gerade verstorbenen Onkel kommt, sieht er zu der christlichen Ordensschwester, die den Mann in den Tod begleitet und dabei im Arm gehalten hat, als er noch nicht da war und sagt zu ihr: „Du hast eine reine Seele“, worauf diese erwidert: „Und du bist ein aufrichtiger Mann.“

Lektion 4: Albanien als Mitglied der Europäischen Union hat uns etwas zu bieten: eine Perspektive der friedlichen, konstruktiven Kooperation mit dem Islam. Das könnte mehr wert sein als ein paar Prozente in der Handelsbilanz.

Kleine christliche Gemeinschaften in Indien

„Ich glaube, ich falle vom Glauben ab!“ Diese Redensart ist mir in den letzten Tagen im indischen Poona, der Eichstätter Partnerdiözese, mehrfach durch den Kopf gegangen. Seit über 20 Jahren komme ich ca. alle zwei Jahre hier her und jedes Mal bin ich über das Tempo der Veränderungen erstaunt.

Leider sind es keine Veränderungen, die man sofort begrüßen würde, wie die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen, Kindern und Dalits, oder einer saubereren Umwelt. Nein, was mich tief geschockt hat, war das Tempo der Verwestlichung. Beispiel: Es gibt in meinem indischen Lieblingslokal nun einen Biergarten, italienische Holzofenpizza und Espresso. Warum komme ich dann eigentlich noch hier her? Warum kommen 13 hochrangige pastorale Mitarbeiter und Laien hier her? Weil wir etwas lernen können, das uns Hoffnung macht und Mut gibt.

Die Gruppe aus dem Bistum Eichstätt beim Empfang an der Ornella School. Foto: Merwyn Mascarenhas

Es gibt ein Mittel, um nicht vom Glauben abzufallen: SCC

SCC, die Small Christian Communities (kleine christliche Gemeinschaften), sind hier im Bistum und auch andernorts in Indien ein Ansatz, um in den Pfarrgemeinden eine neue Art Kirche-sein zu leben.

Der pastorale Ansatz geht auf bayerische Missionare zurück, die in Afrika versucht haben, die Gemeinden zu stärken, die lange ohne den Besuch eines Priesters auskommen mussten. Kernelemente sind dabei die Bildung von überschaubaren Gemeinschaften, die Ermöglichung echter Partizipation und die Verbindung der Bibellektüre mit einer karitativ-sozialen Aktion.

Das alles kann man auf akademischem Weg studieren oder in der Praxis erfahren. Im Rahmen der seit 1955 bestehenden Verbindung von Eichstätt und Poona haben wir uns für den zweiten Weg entschieden und auf den Weg gemacht, um zu sehen und zu erfahren, wie das in der pfarrlichen Realität einer Millionenstadt geht.

Und wir waren überrascht, wie viele gute Beispiele wir in verschiedenen Pfarreien erleben durften. Sogar eine SCC für Kinder haben wir beim Bibelteilen getroffen. Allerdings ist hier nicht alles so, wie es die reine Lehre vorsah. Doch das finden wir alle gut, schließlich muss jedes Konzept auf den konkreten Kontext hin angepasst werden.

Die Eichstätter Delegation bei einer kleinen christlichen Gemeinschaft in Indien

Die bewegende Musik, Action-Songs und blumenreichen Rituale haben uns gezeigt, dass es in Indien anders zugeht als in Afrika. Und dass auch in unseren Gemeinden vielleicht die eine oder andere Neuerung, z.B. in der Kirchenmusik ausprobiert werden sollte, um jüngere Generationen anzusprechen. Mitmach-Lieder bringen nicht nur die mitgereisten Mitglieder des Domkapitels dazu, auf der Bühne den Dresscode des Tages „Smile“ zu beachten.

Vielen von uns ist ein Rollenspiel von jungen Erwachsenen in Erinnerung geblieben. Darin halfen die Mitglieder der SCC einem anderen Mitglied, einen Arbeitsplatz zu finden. Es erinnert an die ersten Christen, die sich umeinander kümmerten. Diese Zeugnisse der Gemeinschaft sind starke Zeichen in Indien und sicher auch bei uns.

Aber es sind auch ganz grundsätzliche Dinge, die zum SCC-Ansatz dazu gehören. Zum Beipiel geben die Priester viel Verantwortung aus der Hand, sie trauen den Laien viel zu, geben ihnen Gestaltungsraum. Beim Bibelteilen sind sie nicht dabei, die Treffen und sozialen Aktivitäten werden i.d.R. von den mündigen Christen vorbereitet. Partizipation meint nicht nur, mithelfen zu dürfen, sondern auch entscheiden zu können. Auch die Bedeutung von gut vorbereiteten Hausbesuchen durch Laien wurde intensiv diskutiert, weil sie ein guter Weg sein können, um mit SCC´s zu beginnen.  Das sind sicher Herausforderungen für das Selbstverständnis vieler Priester und Theologen bzw. Theologinnen, aber der hiesige Ortsbischof steht voll zu diesem lebensweltorientierten und nicht defizitorientierten Konzept.

Blick auf die Stadt Pune. Foto: Reinhard Förster

Es wird noch ein paar Tage dauern, bis wir wieder in Eichstätt sein werden und bis dahin werden auch noch andere Eindrücke auf uns einwirken. Ich denke da nur an die tollen Umwelt- und Sozialprojekte, die morgen auf dem Programm stehen, oder die Schulen und karitativen Einrichtungen, die wir bereits besucht haben und die auch nachwirken.

Aber eines ist klar, diese Reise lässt mich nicht vom Glauben abfallen, sondern sie bestärkt und inspiriert mich und meine Mitreisenden. Weil wir Hoffnung schöpfen durften, dass es Wege gibt, um das Christentum auch im 21. Jahrhundert zu leben. „We are the church.“

Und davon werden wir gerne überall berichten, wo wir eingeladen werden, oder man unser Angebot annimmt, zu kommen.

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„Ein Missionar geht nicht in Pension“

Comboni-Missionar Josef Gerner ist seit 1996 in Uganda tätig. Sein erster Einsatz in dem ostafrikanischen Land hatte er bereits von 1971 bis 1976. Anschießend arbeitete er bis 1986 in Kenia. Es folgten Stationen in Innsbruck und Bamberg. Derzeit ist Die Diözese Eichstätt hat bereits mehrere seiner Projekte in Uganda unterstützt hat.

Trotz seiner 82 Jahre ist Pater Josef Gerner MCCJ in Uganda noch immer unverzichtbar. Insgesamt ist der dort schon 26 Jahre aktiv. Kaum einer kennt Ostafrika so gut wie er.

Der gebürtige Meckenhausener pflegt zwar intensiv die Verbindungen in die Heimat, dennoch kann er es sich nur schwer vorstellen, nicht in Uganda zu wirken. Das Land und die Leute sind ihm ans Herz gewachsen. Im Video-Interview sagt er: „Ein Missionar geht nicht in Pension“.


Im Heimaturlaub berichtet er den Verantwortlichen im Referat Weltkirche über seine Aktivitäten und die nächsten anstehenden Projekte. Dazu gehört der Bau eines neuen Pfarrhauses für seine neue Pfarrei, in der er neben einem einheimischen Priester die pastorale Verantwortung trägt und sich sehr darum bemüht, die Grundlagen für eine gute Entwicklung der Pfarrei zu legen.

Zuletzt erhielt er 2012 und 2014 für den Bau von Kirchen aus Eichstätt Zuschüsse über 15.000 €. Die Gebäude sind für ihn aber nur die notwendige Infrastruktur, um die frohe Botschaft unseres christlichen Glaubens den Menschen zu verkünden, die nach den schweren Jahren des Bürgerkrieges nach Orientierung für sich und ihre Kinder suchen.

Zu Besuch bei Pater Josef Schmidpeter in Arequipa

„Josef, kümmere dich um die Kranken und Armen“, das war und ist die Berufung, die P. Josef Schmidpeter verspürt und die den 81jährigen Comboni-Missionar aus dem Bistum Eichstätt bis heute nicht ruhen lässt.

Nachdem er von 1982 bis 1994 bereits in Peru tätig war ist er vor sechs Jahren wieder an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt, an der er nie vergessen war. 2008 hat man aus Dankbarkeit für sein sozial-pastorales Wirken ein kommunales Hallenbad nach ihm benannt. Und auch in vergangenen Tagen habe ich die Liebe der Menschen zu ihrem „Padre Jose“ in der Pfarrei Buen Pastor in einem der armen Randgebiete von Arequipa erlebt. Man grüßt ihn über die Straße, Kinder winken ihm zu. Die Mitarbeiter im Altenheim freuen sich, wenn er vorbeischaut, und selbst die über 90jährige Indigene, die kein Spanisch spricht, ruft seinen Namen zur Begrüßung. Aktuell fehlen rund 8.000 Euro, um einen Aufzug in den zweiten Stock zu bauen, dann könnte die Aufnahmekapazität in der sehr familiär konzeptionierten Einrichtung verdoppelt werden.

Aber Schmidpeters größte Leistung sind seine beiden Polikliniken „Espiritu Santo“, in denen täglich 2000 Menschen von 140 Fachärzten behandelt werden. Viele der Mediziner haben auch eine eigene Praxis, aber einen Tag in der Woche arbeiten sie bei Padre Jose für die Armen und Kranken mit. Während des Streiks in den öffentlichen Krankenhäusern waren es täglich bis zu 2600 Hilfesuchende.

Stolz verweist P. Josef am Eingang auf die drei Tafeln mit Namen von Spendern und dass sein Heimatbistum ganz weit oben darauf steht. Auch der deutsche Botschafter hat sein herausragendes Werk gewürdigt.

So sehr er sich darüber freut, noch wichtiger sind ihm die Menschen, die als Kranke kamen, aber wie Menschen behandelt wurden. Dazu gehört auch, dass er als Klinikseelsorger wirkt, weil er aus Erfahrung berichten kann, dass viele Krankheiten seelische Ursachen haben. Darum sind ihm die Stunden im Beichtstuhl wichtig, als Ort der Versöhnung. „Leider gibt es aber unter den jungen Priestern wenige, die für diese Aufgabe Zeit aufwenden“, findet Schmidpeter, aufgrund seiner pastoralen Erfahrungen.

Leider ist der Aufenthalt hier viel zu schnell vorbei, um sein gesamtes Wirken nachvollziehen zu können. Dazu gehört zum Beispiel seine Zeit als Gründer des Kolpingwerks in Peru Mitte der 80er Jahre. Aber er hat auch in Zukunft noch viel vor. So will er in einer der Kapellen, in der am Samstagabend Mariä Himmelfahrt gefeiert wurde, einen Chor aufbauen und sich um die Ministranten kümmern. Missionare der alten Schule gehen halt nie in den Ruhestand. Was für ein Leben für die Armen und Kranken.