Alle Beiträge von Christoph Raithel

Christoph Raithel war von 2008 bis 2014 Mitglied im Vorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Eichstätt und ist stellvertretender Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Eichstätt. Als Mitglied des Sachausschusses Mission-Entwicklung-Friede nahm er 2013 an einer Studienreise ins Eichstätter Partnerbistum Poona/Indien teil und bereitete als Mitglied des AK Ghana den Fachkräfteaustausch mit sechs Ghanaern im Sommer 2015 vor.

Austauschprogramm ermöglicht Begegnung auf Augenhöhe

Junge Erwachsene entdecken Land und Leute Ghanas.

Zwei Jahre ist es her, dass zum letzten Mal eine Gruppe Ghanaer zu Gast bei uns im Bistum Eichstätt war. Seit fast 20 Jahren besteht zwischen dem Eichstätter Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und dem ghanaischen Verband COSRA (catholic organisation for social and religious advancement) im Bistum Koforidua ein partnerschaftliches Verhältnis. Regelmäßige Programme zum Fachkräfteaustausch ermöglichen eine Begegnung auf Augenhöhe, die das gegenseitige voneinander Lernen ermöglichen sollen. Im August waren wir nun mit acht Mitgliedern des Arbeitskreises Ghana (AK) zum Gegenbesuch in Ghana. Die Delegation wurde angeführt von den beiden Sprechern des AK Ines Huibens (Stein) und René Palermo (Nürnberg) und dem Geschäftsführer des Bischöflichen Jugendamtes Josef Neumeyer (Kipfenberg).

Nun war es also soweit, zwei Jahre Vorbereitung sind vorüber. Die ganze Zeit über waren wir in Kontakt mit unseren ghanaischen Freunden, über Facebook und WhatsApp. Für jeden und jede Einzelne unserer Delegation war klar, dass wir einzelne Personen vor Ort kennen, keiner wusste aber, was einen in Afrika erwartet. Und das ist schon der erste Gedankenfehler, den man machen kann – von Afrika zu sprechen, als wäre es ein einziges Land. Im Rahmen eines interkulturellen Trainings bei Missio München haben wir gelernt, wie wir am besten in einen interkulturellen Dialog eintreten – genau zuhören, genau hinschauen und immer im Bewusstsein haben, dass das Gegenüber unsere Gesten, Aussagen oder unser Handeln anders verstehen kann, als wir es vielleicht meinen.

Mit diesem Wissen, einer großen Neugierde und der ein oder anderen Erwartung starten wir unsere Reise Anfang August am Flughafen Frankfurt. Mit Umstieg in Lissabon geht es nach Westafrika – Landung in Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Raus aus dem Flugzeug, die Wärme schlägt uns entgegen – etwa um die 30 Grad Celsius , nicht viel anders als derzeit in Deutschland, es ist dunstig, die Sonne sticht nicht so herunter. Ein erstes „Akwaba“ – Herzlich Willkommen steht über der kleinen Türe über die wir in das Flughafengebäude gelangen. Ein erster Kontrollposten scannt mit einer Wärmebildkamera die Körpertemperatur – die Ebola-Krise schien uns längst überwunden, aber hier wird sie wieder präsent.

Einreiseformalitäten – Gepäckabholung – Geld wechseln und auf in ein fremdes Land. Die Türen des geschützten Flughafenbereichs öffnen sich, wir sehen einige vertraute Gesichter, COSRA-Mitglieder, die wir bereits vom Austauschprogramm 2015 kennen. Herzliche Begrüßungen mit Umarmungen und vielen lieben Worten – die Freude über das Wiedersehen ist auf beiden Seiten groß. Und dann, womit wohl keiner gerechnet hat, rund 20 weitere COSRA-Mitglieder warten ein Stück weiter auf uns um uns ein fröhliches „Akwaba“ entgegen zu rufen. „Überwältigend“ wie Regina Raithel (Hilpoltstein) später sagen wird, ein „offener und freundlicher Umgang mit großer Herzlichkeit“, fügt Michaela Gsänger (Röttenbach) hinzu.

Mit mehreren Autos geht es von Accra ins rund 70 Kilometer entfernte Koforidua. Eine Fahrt, auf der einem schnell bewusst wird, dass Verkehr hier ganz anders funktioniert, „einmal hupen bedeutet Vorfahrt“ und die „Fußgänger müssen sehen, wie sie zurecht kommen“. Und schon nach ein paar Minuten wird klar, Leben findet auf der Straße statt. Verkaufsstände an den Straßenrändern und Verkäuferinnen mit großen Schüsseln auf dem Kopf verkaufen direkt ins Auto Getränke, Snacks, Waschmittel und allerhand andere Waren. Die Landschaft zieht wie im Film vorbei und der Kopf kann gar nicht so schnell realisieren, welche Eindrücke auf ihn einprasseln.

Als der Bus an einer Kreuzung in Koforidua anhielt, blickt ein kleines Mädchen zum Seitenfenster hinein in den Kleinbus mit uns Europäern – „Das Mädchen ist furchtbar erschrocken, weil ich so anders bin!“ wird sich Josef Neumeyer an diese Szene erinnern. Unbewusst wir einem klar, nun sind wir die, die anders sind.
Unsere ghanaischen Freunde machen uns die Ankunft leicht, freundlich, liebevoll und äußerst bemüht kümmern sie sich um uns. Nachdem wir die Zimmer im Pastoral Center der Diözese bezogen haben treffen sich alle zu einem abendlichen Bier. Lebensfreude pur, es wird gelacht, getanzt, gesungen. Der erste Tag in Ghana neigt sich dem Ende zu.

Nach der ersten Nacht und einem stärkenden Frühstück feiern wir mit einigen COSRA-Mitgliedern und Father Felix unseren ersten gemeinsamen Gottesdienst, als Zeichen der Verbundenheit übergibt BDKJ-Diözesanvorstand Max Holzer (Hilpoltstein) eine Kerze mit dem Symbol des AK Ghanas, einer Hand mit hellen und dunklen Fingern und dem Daumen nach oben. Im Gottesdienst wurde gesungen und dazu geklatscht.

Nach der Fahrt zur Kathedrale folgte eine imposante Tanzaufführung. Kinder und Jugendliche brachten im Tanz zum Ausdruck, wie der katholische Glaube nach Ghana kam und wie die Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Naturreligionen von statten ging.

Schon die beiden ersten Tage waren so intensiv, dass es eine große Herausforderung war, alles zu verarbeiten. Geprägt hat uns alle aber die überwältigende Gastfreundschaft unserer Partner.

Weitere Informationen, Bilder und Videos: www.bdkj-eichstaett.de/ak-ghana

Elektroschrott in Ghana

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit Fragen des Umweltschutzes. Was können wir als Christen tun, um die Schöpfung zu bewahren? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Dass wir uns nun auch im Rahmen des Fachkräfteaustauschs zwischen dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Eichstätt und dem katholischen Jugendverband COSRA aus Koforidua, Ghana mit Fragen der Schöpfungsverantwortung befassen, scheint im ersten Moment nicht auf der Hand zu liegen. Doch auf den zweiten Blick ist es genau unser Handeln, dass Menschen in Afrika direkt beeinflusst.

COSRA-BDKJ-Besuch bei der Recyclingfirma Adamec in Führt. pde-Foto: Anika Taiber
COSRA-BDKJ-Besuch bei der Recyclingfirma Adamec in Führt. pde-Foto: Anika Taiber

Ich hole mal etwas weiter aus: Afrika, Ghana, Accra – die Hauptstadt des westafrikanischen Küstenstaats liegt direkt am Meer. Accra, eine, wie man lesen kann, pulsierende Metropole mit über zwei Millionen Einwohnern. 2013 wurde Accra vom Blacksmith Institute zu einem der zehn schmutzigsten Orte weltweit ernannt. Der Ortsteil Agbogbloshie ist wohl eine der größten Elektroschrott-Müllkippen der Welt. An der Korle-Lagune stapeln sich ausgediente Computer, Fernseher und sonstiger Elektromüll, der auf dubiosesten Weg dort hingeraten ist. Es ist nicht etwa Schrott, der aus Ghana selbst stammt, vielmehr landet dort Müll aus Mitteleuropa, aus Deutschland.

Eine eindrucksvolle ARTE-Reportage belegt den Weg, den der Müll an die westafrikanische Küste nimmt und benennt die Ursachen*. Pro Jahr werden in den Industrieländern rund 50 Millionen Tonnen Elektroschrott entsorgr. 75 Prozent davon kommen nie in den offiziellen Recycling-Anlagen an. Der illegale Export von Elektroschrott ist ein Millionengeschäft, das die Umwelt sowie das Leben und die Gesundheit vieler Menschen zerstört.

Die Technologien sind bekannt, um über 90 Prozent des Elektroschrotts wieder zu verwerten. Der Fürther Recyclingspezialist Thomas Adamec, den ich bereits von einer Diskussion beim Diözesanen Schöpfungstag 2014 kenne, hat in seinem Verwertungsbetrieb eine Großanlage entwickelt, die manuell vorbehandelten Elektroschrott maschinell bearbeiten kann. 3.000 Tonnen Schrott können hier im Monat verwertet werden, die recycelten Materialien gelangen dann wieder in die Rohstoffkreisläufe. Dadurch hilft die Anlage knappe Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen .

In Ghana ist die Technologie entweder nicht vorhanden oder einfach zu teuer um Elektroschrott entsprechend zu recyclen, oftmals wird die Kunststoffverkleidung von Kabeln und Gehäusen verbrannt, um an die Metalle zu kommen. Dabei werden Schadstoffe in Luft und Wasser freigesetzt und viele seltene Ressourcen gehen verloren.

Ich freue mich, dass wir es schaffen, mit unserem Fachkräfteaustausch Wissen und die Idee vermitteln können, dass es eine Lösung für die Probleme gibt, wenngleich damit ein großer technischer Aufwand verbunden ist und ein Umdenken stattfinden muss.

Gefordert sind dabei vor allem auch wir Europäer, es kann schließlich nicht sein, dass unser Wohlstandsmüll auf den afrikanischen Kontinent oder nach Asien verschifft wird und dort die Umwelt zerstört.

Unsere partnerschaftlichen Verbindungen in die ganze Welt verbinden uns nicht nur in Glauben und Gebet, sie erinnern uns auch immer wieder daran, dass wir verantwortlich für unser Handeln sind.

Weitere Informationen zum Thema: