Alle Beiträge von Bischof Gregor Maria Hanke

Gregor Maria Hanke OSB wurde am 14. Oktober 2006 von Papst Benedikt XVI. zum 82. Bischof von Eichstätt ernannt. Er ist Mitglied der Kommission für geistliche Berufe und kirchliche Dienste (Kommission IV) und der Liturgiekommission (Kommission V) der Deutschen Bischofskonferenz sowie der Gemeinsamen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland. Seit März 2014 ist er Mitglied der vatikanischen Ordenskongregation.

„Amoris laetitia“: Handeln nach dem Vorbild eines Pfarrers und Hirten

Als Papst Franziskus im vergangenen November die evangelische Kirche in Rom besuchte, wurde er gefragt, wie er sein Papstamt verstünde. Franziskus stellte das Wirken des Pfarrers in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Auch als Papst mühe er sich, pastoral zu handeln nach dem Vorbild eines Pfarrers und Hirten. Dieser Wesenszug durchzieht auch das postsynodale Schreiben Amoris laetitia. Anliegen ist die Stärkung des schon in der Schöpfungsordnung gründenden Ehebundes zwischen Mann und Frau sowie die Entdeckung der Schönheit einer vom Glauben an Gottes Gegenwart und Sorge getragenen Liebe zwischen den Eheleuten. Gedanken, die auf wunderbare Weise und stark biblisch verankert ausgeführt sind.

Ferner offenbart das Dokument das Ziel, die in der Ehe zwischen Mann und Frau gründende Familie zu stärken und gefördert zu wissen. Es geht Papst Franziskus primär um die Stärkung dessen, was uns als Schatz von der Schrift und der Tradition der Kirche zu Ehe, ehelicher Liebe und Familie gegeben ist, nicht um Kritik oder Verurteilung der Abweichungen davon.

Der Papst lehnt die Veränderung der kirchlichen Norm ab, wie er selbst mehrfach schreibt. Auch der Vorstellung von der Gradualität des Gesetzes widerspricht er im Dokument. Andererseits lässt ihn der pastorale Wesenszug, der sein Pontifikat durchzieht, gerade auch Brüche und Abweichungen von der Norm in den Blick nehmen. Für den Umgang damit setzt er auf die Gabe geistlicher und pastoraler Unterscheidung in Einzelfällen.

Der Papst als Seelsorger will dem Einzelnen, der in einer schwierigen Situation ringt und sucht, eine Brücke hin zum Ideal bauen. In Brücken steckt oft eine innere Spannung. Die Tragfähigkeit einer solchen Brücke hängt an ihrer Verankerung. Es legt sich daher nahe, das Dokument mit seinen vielen pastoralen Impulsen nicht außerhalb des Kontextes der bisherigen Verlautbarungen der Päpste und des Lehramtes lesen und verstehen zu wollen.

Große Reichtümer an geistlichen Gütern und Berufungen

Eindrücke aus der Vollversammlung der „Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gemeinschaften apostolischen Lebens“ in Rom.

Die Vollversammlung der Religiosenkongregation atmet weltkirchliches Flair. Die Stärke der Orden und geistlichen Gemeinschaften liegt vor allem in Afrika und Asien und dann in Lateinamerika. Gerade die Frauengemeinschaften wollen sich stärker entsprechend ihren Charismen und durch ihr Frausein in die Kirche einbringen, um der Darstellung und Verkündigung des biblisch-christlichen Menschenbildes zu dienen.

Im Rahmen der Tagung der Ordenskongregation gab es auch Gelegenheit für ein Treffen mit Papst Franziskus. Foto: L'Osservatore Romano
Im Rahmen der Tagung der Ordenskongregation gab es auch Gelegenheit für ein Treffen mit Papst Franziskus. Foto: L’Osservatore Romano

Bei den Diskussionen muss man als Europäer das Weitwinkelformat einstellen: Unsere Probleme und Sorgen im Ordensbereich, die ernst genommen werden müssen, unterscheiden sich durchaus von denen in anderen Erdteilen.

Bezeichnend ist, dass die armen Kirchen und ihre Ordensgemeinschaften, neben all den Wachstumsproblemen, dennoch einen großen Reichtum an geistlichen Gütern und Berufungen aufweisen. Ich erlebe, wie fruchtbar der geistliche Austausch ist und wie schädlich es für das Katholischsein wäre, sich selbstgenügsam einzuigeln.

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Lourdes – ein Ort der gelebten Inklusion

Die Pilgerreise nach Lourdes war für mich eine wunderbare Erfahrung des Glaubens. An Maria, der Gottesmutter, zeigt uns der Herr, dass es für den Plan Gottes in der Welt Menschen braucht, die ihr Ja sagen und sich von Gott in Dienst nehmen lassen. An Orten wie Lourdes wird diese Spiritualität des Hauses von Nazareth lebendig und erfahrbar. Jeder und jede hat in Gottes Augen eine besondere Bedeutung. Jeder von uns hat eine Berufung von Gott her.

Eindrucksvolle Prozession: Bischof Gregor Maria Hanke und Caritasdirektor Domkapitular Franz Mattes gemeinsam mit Teilnehmern der diesjährigen Caritas-Lourdesfahrt vom 7. bis zum 14. Juni. Foto: Ferstl/Caritas
Eindrucksvolle Prozession: Bischof Gregor Maria Hanke und Caritasdirektor Domkapitular Franz Mattes gemeinsam mit Teilnehmern der diesjährigen Caritas-Lourdesfahrt vom 7. bis zum 14. Juni. Foto: Ferstl/Caritas

In Lourdes zeigt sich dies besonders deutlich an der Präsenz der Kranken und der Menschen mit Behinderungen. Sie gehören dazu, denn sie sind für Gottes Plan mit der Welt wichtig. Alle Welt redet derzeit von Inklusion. In Lourdes gehörte sie schon immer zur Spiritualität des Ortes. Der Schutzmantel der Gottesmutter bot sich sozusagen schon immer als Ort gelebter Inklusion dar. Wo sich Menschen für ihre Berufung von Gott her öffnen, rücken sie zusammen. Das durften wir Lourdes-Pilger in den gemeinsamen Tagen erfahren.

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Papst Franziskus ruft uns alle in die missionarische Sendung der Kirche

Papst Franziskus lässt uns in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium in erfrischender und mitreißender Weise an seinem persönlichen Glauben teilhaben. Theologischer Angelpunkt der Botschaft ist die in Jesu Tod und Auferstehung bezeugte Liebe Gottes zum Menschen. Die Zuwendung Gottes zu jedem Einzelnen muss Ausgangspunkt sein für das pastorale Handeln der Kirche.

Glaube ist Begegnung mit der Person Jesu. Die Begegnung mit dem Auferstandenen erschließt uns die Wahrheit des Lebens und wird zur Quelle der Freude, die sich mitteilen will und in die Begegnung mit der Kirche einlädt. Zugleich drängt sie hinaus an die Ränder der Kirche und der Gesellschaft, besonders hin zu den Armen, denn das Gute neigt dazu, sich auszubreiten, wie der Papst sagt. Mission ist Eröffnung der Begegnung mit der Person Jesu und seiner liebenden Hingabe für den Menschen. Wenn Kirche ihrer Berufung treu bleiben will, ist all ihr Wirken folglich missionarisches Handeln.

Mit geistlicher Leidenschaft ruft Papst Franziskus uns alle in die missionarische Sendung der Kirche. Der Herr traut uns mehr zu als wir selbst wagen, denn Er ist schon unterwegs in dieser Welt, so könnte man den immer wieder anklingenden Grundtenor der wachrüttelnden päpstlichen Botschaft beschreiben. Zugleich gibt das Schreiben des Papstes einer verwaltungsmäßig gut organisierten, finanziell abgesicherten und gesellschaftlich etablierten Kirche – von der Ebene der Pfarreien über die Verbände bis zu den Bistümern – viele Impulse und Fragen zum weiteren Bedenken mit auf den Weg. Was der Papst wohl nicht als missionarischen Aufbruch versteht, sind Beschäftigung der Kirche mit sich selbst in Form von Strukturdebatten und innerkirchliche Kritik, die sich in der Haltung des Klagens und Jammerns erschöpft. Die Kirche soll das Leben Jesu Christi allen anbieten und für diese Schönheit ein frohes Zeugnis geben, das einladend ist.