Alle Beiträge von Andreas Thiermeyer

Archimandrit Dr. Andreas Thiermeyer ist Diözesanbeauftragter für die Seelsorge an Migranten im Bistum Eichstätt. Von 1998 bis 2008 leitete er das Eichstätter Collegium Orientale.

Verfolgung um Christi und des Evangeliums willen: „Es ist eine religiöse Säuberung“

„Grausame, unmenschliche, unerklärliche Verfolgungen, vor allem gegen Christen“, nennt Papst Franziskus das Vorgehen von islamischen Terroristen und Fanatikern im Nahen Osten gegen Minderheiten. „Sie sind die Märtyrer von heute, gedemütigt und diskriminiert um ihrer Treue zum Evangelium willen“ (Papst Franziskus, rv 6.8.2015). „Ich rufe die internationale Gemeinschaft von neuem dazu auf, nicht stumm und tatenlos zu bleiben angesichts dieses inakzeptablen Verbrechens“ (Papst Franziskus, Mai 2014). Seit Beginn der Kämpfe in Syrien im Frühjahr 2011 wurden Schätzungen zufolge rund 250.000 Menschen getötet. Fast die Hälfte der Bevölkerung – zwölf Millionen Männer, Frauen und Kinder – sind auf der Flucht. Der Patriarch der syrisch-katholischen Kirche Ignace Youssif III. Younan ruft uns zu:

„…Es ist eine religiöse Säuberung! Was Ihre Regierungen nicht sehen wollen, und wovon Ihre Regierungen nichts wissen wollen. Denen ist die Religionsfreiheit dieser Gemeinschaften, die über Hunderte von Jahren durch ihre Treue zum Evangelium dort durchgehalten haben, ziemlich egal! …Man sagt uns, es gebe internationale Einrichtungen zur Verteidigung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit – aber wo sind die denn? Das ist eine Lüge! …Was sollen wir tun? Wie hat es der ‚Islamische Staat’ geschafft, so weit zu kommen!“(rv 08.08.15).

Wachen wir endlich auf! Realitätssicht und kein falsches Neutralitätsprinzip! Wir werden an unserer Äquidistanz und verbaler Ausgeglichenheit noch kaputt gehen. Wir sind dabei, die eigenen christlichen Wurzeln zu verleugnen. Ohne eigene Identität aber fehlt uns die Fähigkeit, Ereignisse und Zusammenhänge richtig zu deuten. Der permanente Versuch, die Christenverfolgungen der Gewalt gegen andere religiöse Gruppen gleichzustellen, entspricht nicht den Tatsachen. Mindestens 70 Prozent aller Verfolgungen in der Welt trifft Christen (Pew Research Center, Washington). Die EU verwechselt leider bis heute oft die europäische Identität mit der eigenen Brieftasche. Europäische Identität ist ohne das Christentum nicht denkbar.

Die Ankunft von immer mehr muslimischen Flüchtlingen bei uns wird sehr bald zu einer großen Herausforderung für die christliche und demokratische Identität des Kontinents werden. „Als Christen haben wir die Pflicht, die Flüchtlinge aufzunehmen, aber Europa muss auch die eigene, d.h. eine christliche Identität wahren können. … Es gibt muslimische Migranten, die sich (bei uns) mit einem speziellen Problem konfrontiert sehen. Sie können z.B. die Trennung von Religion und Politik, von Kirche und Staat, wie wir es sagen würden, nicht akzeptieren. Das hat einen direkten Einfluss auf den Integrationsprozess. Und was machen wir da? Wir müssen sagen, dass es Grundwerte gibt, die akzeptiert werden müssen. Dazu gehört die Wahrung des Pluralismus in unserer Gesellschaft, die Trennung von Politik und Religion und die Akzeptanz normaler demokratischer Prozesse, sodass ein friedliches, konstruktives Zusammenleben möglich ist, und die Menschen, die kommen, Teil der Gesellschaft werden und sie bereichern“ (Erzbischof S. M. Tomasi, Vertreter des Hl. Stuhls bei der UNO, 23/08/2015).

Hilfe für alle, ja – aber auch in Rücksicht auf unsere christlichen Schwestern und Brüder. Wenn wir größere Zusammenstöße vermeiden wollen, dann müssen wir bei der Flüchtlingsverteilung bei uns auch über die nationale und religiöse Zusammensetzung der einzelnen Gruppierungen nachdenken. Es müssen sich die Christen wenigstens in unseren Einrichtungen sicher und wohl fühlen können, was längst nicht mehr überall gewährleistet ist.

Ich bitte Sie alle, soweit es Ihnen möglich ist, engagieren Sie sich in Helferkreisen für die Flüchtlinge. Jeder von Ihnen hat ein Talent, das dringend gebraucht wird. Im Vertrauen auf die Hilfe Gottes, seiner Mutter und aller Heiligen, werden wir, dank Ihrer Mithilfe und Ihrem Gebet, auch weiterhin unseren notleidenden Brüdern und Schwestern helfen können.

Weitere Informationen zum Thema: