Als Flüchtling Glück im Unglück gehabt

Mein Name ist Dorey Mamou und ich komme aus der nordsyrischen Stadt Al Hasaka. Ich bin 31 Jahre alt und arbeite seit März diesen Jahres als Dolmetscher in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber Maria Ward in Eichstätt. Die Caritas hat mich hierfür auf Minijob-Basis angestellt. Es freut mich, dass ich mich im Blog „Weitblick“ vorstellen darf.

Ich muss zugeben, dass ich im Gegensatz zu anderen Flüchtlingen Glück gehabt habe. Das hört sich aus dem Mund eines syrischen Flüchtlings vielleicht erst einmal verwunderlich an. Und natürlich war es für mich auch schwierig. Schließlich brach ich vor drei Jahren ein Studium in meiner Heimat ab und flüchtete aus meinem Land. Seinerzeit wurde es schon immer schlimmer. Ich hatte Angst, irgendwann zum Militärdienst eingezogen zu werden, aber als überzeugter Christ wollte ich keinen anderen Menschen töten. Auf dem Weg zu einer staatlichen Schule, in der ich als Englischlehrer arbeitete, fürchtete ich zudem stets, von aufständischen Gruppen gefangen genommen zu werden, die mir womöglich Regierungsunterstützung vorgeworfen hätten. So verließ ich schweren Herzens mein Elternhaus und meine Heimat.

Anerkennung als Asylbewerber: „Wie frische Luft“

Mein Glück im Unglück: Anders als viele meiner Landsleute musste ich nicht in einem wackeligen Boot unter lebensgefährlichen Umständen über‘s Mittelmeer schippern. Ich hatte Gott sei Dank etwas mehr Geld. Das ermöglichte mir, von der Türkei aus nach München zu fliegen. Aus der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung kam ich 2013 in eine dezentrale Unterkunft nach Wettstetten. Hier hatte ich noch einmal Glück: Caritas-Asylberater Mathias Schmitt, der damals dort tätig war, lernte mich kennen und offenbar meine Sprachkenntnisse schätzen. Schmitt spannte mich in Dolmetschertätigkeiten ein. So half ich ehrenamtlich unter anderem, Post für arabisch sprechende Flüchtlinge zu übersetzen oder ich begleitete Betroffene zum Arzt, um die Verständigung zu ermöglichen. Dieses Engagement hat mir geholfen, auch selbst die deutsche Sprache besser zu lernen. Natürlich büffelte ich aber auch wie Andere Deutsch in einem von der studentischen Initiative „tun.starthilfe für flüchtlinge“ organisierten Sprachkurs. Erfreulicherweise hat sich dieser Einsatz gelohnt: 2013 wurde ich als Asylbewerber anerkannt. Das war wie frische Luft, denn ich wusste, jetzt kann ich mit dem Leben hier etwas anfangen.

„Sprache schafft Verständigung“

Mein nächstes Glück: Im März diesen Jahres wurde ich hauptamtlicher Mitarbeiter der Caritas-Kreisstelle Eichstätt auf Minijob-Basis. Sieben Stunden in der Woche helfe ich nun in der Erstaufnahmeeinrichtung Maria Ward in Eichstätt mit Dolmetschertätigkeiten. Ich freue mich, dass sowohl die Caritasberater als auch Flüchtlinge das dankbar annehmen. „Sprache schafft Verständigung“, hat meine Kollegin Christine Pietsch die Bedeutung der Unterstützung neulich auf den Punkt gebracht. Zudem erfahren alle, dass es auch gut ist, wenn jemand dabei ist, der aus eigener Erfahrung weiß, was Flucht bedeutet. Zahlreiche arabisch sprechende Flüchtlinge – neben Syrien auch viele aus Eritrea und dem Irak – sind froh, dass ich diese Arbeit mache. „Das ist eine sehr wichtige Hilfe für die Kommunikation, aber auch, weil es Vertrauen schafft, wenn jemand aus unserer Kultur als Helfer da ist“, hat mir zum Beispiel Ahmad Abuzarad bestätigt, der ebenfalls aus Syrien kommt. Was mache ich konkret? Immer wieder kommt es zum Beispiel vor, dass ich Flüchtlingen einen Befreiungsantrag für GEZ-Gebühren erkläre.

Caritas-Dolmetscher Dorey Mamou (links) erklärt zwei syrischen Landsleuten den Befreiungsantrag von den GEZ-Gebühren. Foto: Peter Esser/caritas
Caritas-Dolmetscher Dorey Mamou (links) erklärt zwei syrischen Landsleuten den Befreiungsantrag von den GEZ-Gebühren. Foto: Peter Esser/caritas

Die Caritas ist eine Organisation, die den Leuten hilft, und ich bin sehr froh, dass ich für sie tätig sein kann. Später möchte ich möglichst auch einmal als Berater für Asylbewerber arbeiten. Deshalb will ich in Kürze ein Pädagogikstudium an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt beginnen – studienbegleitend aber auch weiterhin als Dolmetscher für Flüchtlinge tätig sein. Es ist eine Tätigkeit, die mir Spaß macht und die ich vor allem als sinnerfüllend empfinde, weil ich Menschen, die alles verloren haben, etwas Orientierung geben und sie somit auch beruhigen kann.

Fühle mich in Eichstätt wohl

Dank meiner neuen Perspektiven bin ich in letzter Zeit wirklich zufrieden und erleichtert. Ich vermeide es zunehmend, mir Nachrichten im Fernsehen über meine Heimat anzuschauen, aber ich weiß von Freunden, wie es dort zugeht. Besonders schockiert hat mich, dass in der Nähe von Al Hasaka vor einigen Monaten rund 200 Leute von der Terrorgruppe IS entführt wurden. Immer wieder erfahre ich auch, das frühere Weggefährten ums Leben kommen.

Deutschland erlebe ich als sehr organisiert, und ich möchte in Eichstätt bleiben. Erst wollte ich in einer großen Stadt leben, aber hier fühle ich mich wohler. Für andere Flüchtlinge wünsche ich mir vor allem, dass deren Asylverfahren schneller als bisher abläuft und dass sie in dieser Zeit nicht nur warten müssen, sondern sich auch beschäftigen können, zum Beispiel in einem Praktikum. Und dass sie so wie ich, auch das Glück haben, in ihrer neuen Umgebung Lebens- und Berufsperspektiven zu finden.

Radio K1-Beitrag: Früherer syrischer Asylbewerber jetzt Caritasmitarbeiter

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