Abenteuer in Bolivien und Abschied in Chile

Ich melde mich aus dem weit entfernten Chile – wahrscheinlich eines der letzten Male, bevor ich wieder nach Deutschland zurückkehre.

Im Mai war ich mit drei weiteren Freiwilligen im Urlaub. Von San Pedro de Atacama ging es zunächst auf eine Dreitagestour mit einem Jeep durch Wüstenlandschaft bis zur Salzwüste in Bolivien. Wir haben viele Lagunen, Alpakas und Flamingos gesehen. Es war echt beeindruckend! Teilweise waren wir auf über 5000 Meter Höhe bei -10°C. Leider habe ich die Höhe nicht ganz so gut vertragen, aber die Bolivianer haben ganz gute Hausmittelchen dagegen und so ging es mir relativ schnell wieder besser.

Von Uyuni aus sind wir dann über Oruru nach Cochabamba in Bolivien gefahren. Dort haben wir die anderen Freiwilligen unserer Organisation und ihre Projekte besucht. Ich bin fünf Tage dort geblieben und hab ein bisschen das Leben in Bolivien kennen gelernt. Es ist schon sehr anders und noch nicht so europäisch-amerikanisch geprägt wie es Chile ist. Auch die Arbeitsstelle von Patricia (eine Freiwillige von Cristo Vive), die dort im Kindergarten in Bellavista arbeitet, ist ganz anders als hier in Chile.

Von Cochabamba ging es dann nach La Paz, die Hauptstadt von Bolivien. Die Stadt befindet sich auf 3800 Meter Höhe und liegt sehr beeindruckend zwischen den Bergen. La Paz hat mir sehr gut gefallen, auch wenn es wirklich wahnsinnig dreckig und chaotisch war. Von dort aus haben wir dann Ausflüge an den Titicacasee, den weltweit höchstgelegenen See, und auf die Isla del Sol gemacht. Des Weiteren bin ich die „Death Road“ mit dem Fahrrad gefahren. Die sogenannte Todesstraße gilt als die weltweit gefährlichste Straße. Sie ist nur rund 3 Meter breit und seitlich geht es über 600 Meter steil in die Tiefe. Wir sind auf über 5000 Meter Höhe bei eiskalten Temperaturen gestartet und nach ca. drei Stunden nur bergabfahren mitten im Dschungel bei tropischen Temperaturen angekommen. Das war schon wahnsinnig beeindruckend!

Insgesamt war der Urlaub wirklich sehr schön und ich hab wieder mal sehr viel erlebt. Trotzdem war ich sehr froh und glücklich, als ich endlich wieder in Chile war, denn ich hab meine Freunde und Kinder schon nach zwei Wochen äußerst vermisst.

Auf der Arbeit hat sich nicht viel verändert. Es gab ein paar Wechsel innerhalb meiner Gruppe, denn zwei schon reifere Kinder sind gegangen, dafür haben wir mehrere neue noch sehr kleine Kinder dazu bekommen. Es macht wie immer sehr viel Spaß und ich geh sehr gern arbeiten, auch wenn im Moment eher weniger Kinder kommen, da viele krank sind. Aber das liegt, glaube ich, an der hohen Luftverschmutzung hier in Santiago. Vor Kurzem ist seit 16 Jahren zum ersten Mal wieder der Notstand ausgerufen worden. Das bedeutete, dass über 3000 Fabriken und Betriebe schließen mussten und 80 Prozent der Autos still standen. Des Weiteren durfte auch kein Sport mehr getrieben werden und an manchen Schulen fiel sogar der Unterricht aus.

Wir haben zwei neue Spielgeräte für den Innenhof der Sala Cuna (Kindergarten) gekauft, denn die alten waren schon ziemlich kaputt. An dieser Stelle herzlichen Dank an alle meine Spender, durch deren Geld dies ermöglicht werden konnte. Außerdem möchte ich mich bei den Landfrauen bedanken, die mir beziehungsweise den Kindergartenkindern ein Paket voller nützlicher Dinge (Windeln, Cremes, Zahnbürsten…) geschickt haben. „Meine“ Kinder und die Tías (Erzieherinnen) haben sich sehr darüber gefreut.

Leider ist in Chile gerade Winter, das heißt, es ist wirklich kalt. Die Häuser haben keine Heizung und ich muss immer mit mehreren Kleiderschichten zur Arbeit gehen, damit ich nicht friere. Eigentlich sollte es auch regnen, aber irgendwie klappt das nicht so ganz. Ich hoffe jedenfalls, dass es bald regnet, damit die Luft wieder besser wird.

Das war es auch schon wieder… Der nächste Blogeintrag kommt dann wahrscheinlich, wenn ich schon wieder zuhause bin. Denn die nächsten Wochen werden stressig sein. Die letzten Dinge müssen erledigt, Abschiedsgeschenke gekauft werden, Freunde besuchen, und und und …

Die Uhr tickt und es geht wirklich schneller als man denkt.

Ganz liebe Grüße aus Chile und bis bald!

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